Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Jts. 808.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnementtz-Prei- bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk 25 Pfg. sexkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 5. September 1891.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a. M-, Eaffel, Magdeburg u.Men; Rudolf Moste in Frankfutt a. M-, Berlin, München u. Köln; ®. L. Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
XXVL Jahrgang.
Bestellungen auf die Hktrhtss. Leitung «bst Amtlichem Kreisblatt Mr die Kreise Marburg und Kirchhain sowie Illustriertem Souutagsblatt werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern und der Expedition unseres Blattes (Marburg, Markt 21) fortwährend entgegengenommen.
Ker Bürgerkrieg iu Chile-
weicher am 6. Januar d. I. begonnen und der der kleinen südamerikanifchen Republik ungeheuren Schaden zugefügt hat, ist nunmehr anscheinend mit der Eroberung der Stadt Valparaiso, zwar nicht der Lande«. Hauptstadt, aber doch de- bedeutendsten Handelsplatzes im Staate wie in ganz Südamerika, beendet. Dir Kongreßtruppen, d. h. die Revolutionäre haben, wie berichtet wird, dir Armee des gesetzmäßigen Präfidenten vollständig vernichtet und wenn dir nunmehrigen Herren de» Lande- eS verstehen, die Ordnung defdntiv wieder herzustellen, so wird es der Welt und insbesondere Deutschland völlig gleich- gütig sein, welcher Präsident fortan die Geschicke der Republik zu lenken berufen wird. Der Bürger- krieg war nämlich ein Kampf um die politische Macht im Lande; die radikale Minorität wollte endlich auch einmal auS der StaatSschüffel essen. Daraufhin war die seit langer Zeit vorbereitete Agitation, welche schließlich bewirkte, daß die Minorität zur Majorität anwuchS, gerichtet. Die bislang am Ruder befindlichen Staatsmänner wollten sich, wir da- insbesondere in Republüen vorzukommen pflegt, nicht von ihrem bevorzugten Platz ohne weiteres ver- deiben lasten; sie suchten sich zu behaupten, solange es ging. Der Präsident widerstand dem drohenden Parlamente, er verweigerte besten Forderung, das Ministerium zu entlasten und schickte den Kongreß nach Hause. DirS geschah im Oktober 1890. Von jenem Zeitpunkte au wurde der Aufruhr vorbereitet. Am 6. Januar protestierten die meisten Abgeordneten in einem Manifest gegen daS .verfassungswidrige'' Verfahren des Präfidenten, begründeten ihre Auflehnung und begannen, nachdem sie einen Oberbe- fchlshaber gewählt und die im Hafen von Valparaiso liegende chilenische Kriegsflotte auf ihre Seite zu ziehen gewußt hatten, die Feindseligkeiten. Chile
war — eine Ausnahme in dem an Revolutionen reichen Südamerika — seit über dreißig Jahren von Bürgerkriegen verschont geblieben. Diese er- freuliche Thatsache halten dir Chilenen der saft monarchische- Gepräge tragenden Verkostung zu verdanken. Freilich haben die jewetlen an der Herrschaft befindlichen Machthaber wohl bei der Verteilung von Aemtern und Pfründe« ausschließlich ihre „Kreaturen" begünstigt; aber das geschieht, wie man in den übrigen Republiken sieht, tu derlei demokratischen Staatsgebilden ausnahmslos. Nun wird die herrschende Partei abdanken müsten; di» radikalen Republikaner werden die Verfassung nach ihrem Geschmack ändern und sich nun ihrerseits möglichst lange am Ruder zu erhalten suchen. Möglicherweise tritt dadurch auch das bis jetzt friedliche Chile in die Aera der unaufhörlichen Revolutionen ein.
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Sept. Der „ReichSavz.» schreibt: Ueber die Feier deS SrdantageS liegen von hier und außerhalb Berichte vor, welche bekunden, daß da- Fest überall in ganz Deutschland in dem einmütigen Geiste dankbarer Erinnerung an die Groß- thaten des deutschen Heeres und an die Begründung de- Reichs, wie der Entschloflenheit, mit aller Kraft für die Verteidigung des Vaterlandes etnzutreten, gefeiert wurde. Bon einer Wiedergabe der einzelne» Berichte können wir daher um so eher absehen, als die Festlichkeiten auch in ihrem äußeren Verlauf denselben Charakter trugen. In Kirche und Schule, in Vereinen und Versammlungen, in Stadt und Land — überall wurde in würdiger Weise des Tages gedacht. — Der Kulturminister hat über den Beginn und den Schluß der Vorlesungen an den Universitäten unter dem 8. Juli folgende Verfügung erlassen: Um den Klagen über den verspäteten Anfang und vorzeitigen Schluß der Univer- sitätSvorlesungen abzuhelfen, andererseits aber auch eine angemessene Zeit für den Anfang und Schluß derselben freizulaflen, bestimme ich hierdurch, was folgt: § 1. Die Vorlesungen sind in jedem Semester innerhalb der ersten sieben Tage zu beginnen und innerhalb der letzten siebe» Tage zu schließen. § 2. Dieser Erlaß tritt mit dem Beginne des nächsten Wintersemesters inkraft. — Nach amtlichen russische» Feststellungen find in der Zeit vom 9. dis zum 27. August 6 200 000 Pud (1 Pud russisch Gewicht sind nahezu 33 Pfd. deutsches Gewicht) Roggen aus Rußland in Deutschland eingeführt worden. — Der Reichskommisiar für die Weltausstellung in
(Nachdruck verboten.)
In Freiheit dressiert.
(Eine Reisenovelle von Waldemar Urban.
(Fortsetzung.)
Er setzte sich mit einem stamme» Gruß ebenfalls an den Tisch, an dem Frau Mathilde saß, um zu frühstücken, schien aber sehr schlechter Laune nab gar nicht zum Plauder» aufgelegt zu fein.
.Wieviel Eiuwohuer hat der Ort?' fragte er unwirsch den Wirt, der ihm servierte.
.Etwa fiebentansend", antwortete dieser.
«Wo find fie denn? Man steht ja keinen!' sagte der starke Herr wieder in säst zorniger Weise, so daß Frau Mathilde das Gefühl hatte, als ob der Fremde sofort alles kur, und klein schlagen würde, wenn nicht sogleich sämtliche fiebentausend Einwohner von F.....vor ihm anfmarschierten. Der Wirt
schien stch aber nicht vor dem fremden Herrn zu fürchten. Er lachte leicht ans nud sagte gemächlich:
.ES ist hall Sonntag, Herr.'
Damtt ging er wieder fort nnd Fran Edlar riskierte es, den fremden Herrn verstohlen anznseheu. Dabei bemerkte fie, daß seine Augen dnrchanS nichts LöfeS, sondern eher eine gewisse Gntmütiakett, eine zärtliche Herzlichkeit ausdrückteu nnd die Stimmung wahrscheinlich nur durch erhaltene schlechte Nachrichten, oder durch ein fatales Ereignis getrübt war. Sie wußte ja selbst am allerbest«», wie leicht dm» laus der Reise gescheh« konnte.
Da fie fich nun selbst wie losgelöst von Heimat W»d Freundschaft, so recht Urte eia hilflos in Winde treibendes Blatt erschien und sehr daS Bedürfnis hatte, fich anSzvspreche», so unternahm fie es im Bei- trauen ans die gutmütigen, braven Ange» des Fremde», eine Unterhaltung auzubahuen.
MU freundlicher, höflicher Betonung sagte fie »«cher nach einer schicklichen Panse:
.Würden Sie vielleicht die Güte habe», mein
Herr, mir z« sagen, mit welchem Zuge ich am raschesten nnd bequemsten «ach Rom fahren kann?'
Der starke Herr sah flüchttg über fie hin, dann beugte er stch in feine Kaffeetasse hinein nnd murmelte leise, ehe er ttauk:
.Ahal Auch so eine Reisetante!'
Dann trank er ruhig und langsam seinen Kaffee »nd that gar nicht, als ob er die höfliche Frage der Fra» Edlar gehört hätte.
«ES giebt', fnhr Mathilde fort, ohne fich durch diese abweisende Art beirren zu laffeu, .soviel ich gesehen habe drei Zöge, mit denen ich fahren könnte. Einer fährt nm nenn Uhr zweiunddreißig, ein anderer nm ein Uhr nnd ein dritter nm sechs Uhr fiebeuund- füuszig abends, aber ich habe mich leider nicht zurecht finden können und weiß nicht, wie ich in Rom au- komme nnd wo ich am besten zn übernachten hätte, da ich doch nicht in einer Tour bis Rom fahren tonn.»
»Ei zum Henker, was haben Sie denn in Rom zn suche». Bleiben Sie doch zn Hanse!' snhr eS dem Fremde» hart and ra»h heran».
Fra» Mathilde Edlar war nun schon von München a»S dnrchanS nicht verwöhnt in bezug auf Höflichkeit und seine Sitte. Sie wußte wohl, daß die Münchener eine gewisse ungenierte Ausdrucksweise für ein würdiges Emblem ihrer biderben Mannbarkeit hielten. Aber daß ihr so etwas anch in Tirol passieren mußte, das war ihr doch überraschend.
.Sie find wohl ans München?' fragte fie mit einem gutmütigen Spott.
,3a!' sagte der Fremde. .Sie hoffenüich nicht.'
«Aber erlauben Sie 'mal! Warnm soll ich mir denn meine Vaterstadt wegdirpnttereu lassen,?'
.Weil die Münchener Frauen doch »oenigstenS im «roßen Ganzen die angenehme Eigenschaft haben, zn Hanse zn bleiben nnd nicht nach Rom zn fahren.'
»Und warum sollte ich nicht eine Veranlassung haben, nach Rom zn fahren? Ich könnte ja sogar meiner Gesnndett wegen, oder meines Berns» wegen oder meiner persönlichen Angelegenheiten wegen ge-
Chicago, Geh. Regierungsrat Wermuth, hat sich heute, Freitag, auf einige Wochen nach de» Vereinigte» Staaten von Amerika begeben, um die zur Sicherung de» Raumes für die deutsche Abteilung und in sonstiger Beziehung erforderlichen Maßnahmen an Ort und Stelle vorzubereiten Während seiner Abwesenheit wird der Geh. Reg. - Rat CaSpar die Geschäfte deS ReichS-KommiffariatS wahrnehmen. — Betreffs der Stiftung eine» Kreuzes für die General-Superintendenten als Abzeichen ihrer Würde ist unter dem 8. Juni folgender, fchon in Nr. 137 des .R.- u. St.-A.» erwähnter, Erlaß an die General-Superintendenten ergangen: »Sein Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigf geruht, für die General-Superintendenten, sowohl der älteren wieder neuere» Provinzen, als Abzeichen ihrer Würde ein Kreuz zu stiften, von welchem ich Eurer Hochwürden anliegend ein Exemplar mit dem Ersuchen ergeben ft übersende, mir baldigst eine Empfangsbescheinigung einzureichen. Ich bemerke dazu, daß »ach den Bestimmungen de- betreffenden Allerhöchsten Erlasses vom 12. August v. Js. die Inhaber zur Anlegung diese» KreuzeS, welches an einem schwarzen Moirö-Bande um den HalS au die Brust herabhavgend zu tragen ist, berechtigt sein sollen, wenn fie in Amtstracht erscheinen ober auch ohne Talar ihr Amt zu repräsentieren habe», daß fie eS jedoch stet» anzulegen haben, sobald sie be Hose erscheinen oder in Gegenwart Seiner Majestät des Kaisers und Königs bezw. der Gegenwart eines Mitgliedes des Königlichen Hauses Amtshandlungen verrichten, nnd daß daS Kreuz nach dem Ausscheiden aus dem Amt auf den Amtsnachfolger übergehen soll.» — In Varzin bei dem Fürsten BiSmarck wird dem Bernehmm der .Fr. Z." nach deumächst der Besuch des Prinzen Albrecht vo« Preußen erwartet. Der preußische Gesandte bei der Kurie, Schlözer, ist in Varzin eingetroffen.
— Mit dem 1. Oktober werden zwei vornehmlich für die Gewerbekreise höchst wichtige Gesetze in» Leben treten, das neue Patentgesetz und das Gesetz über den Schutz der Gebrauchs- muster. DaS erstere enthält Neuerungen im materiellen Patentrechte, im Verfahren vor dem Patentamte sowie in der Organisation de» Patentamts, welche überall mit Freude begrüßt wurden und geeignet find, auf da» deutsche Patentwesen anregend und fördernd zu wirken. Da» GebrauchSmuster- schutzgesetz wird eine ganz neue Art int gewerblichen Eigentumsrechte schaffen. Bisher waren durch besonderes Gesetz nur die Geschmacksmuster geschützt.
zwangen fei», dahin z» fahre». Schließlich könnte ich die Reise mache», jnst am eine rechte Münchenerin z» werde».'
War t» nun die nnverhvfste Streitbarkeit oder die gesunde, natürliche UnempfindsamkeU seines Gegen- über, ober war e» endlich, weil er einsah, doch wohl z» grob gewesen z» sein, knrz, der Fremde teilte ein. Er sah Fra» Edlar genauer au uud fand ohne Zweifel an ihrer Erscheinung viel Gefallen. .Gut- schuldigen Sie, mein gnädige» Fräulein — oder Fran —'
.Da» letztere, wenn ich bitten darf.'
.Also ich bitte nm Entschuldigung, gnädige Frau, wenn mich eine momentane Verstimmung, die mir wahrhaftig tiefer fitzt, al» Sie ahnen tonnen, veranlaßte, ranh nnd grob gegen Sie zn fein. Wenn Sie gestatten, so will ich mich sofort nach dem erkundige», «m waL Sie mich fragten.'
Da» war der richtige Mann, wie er wirklich war nnb Fran Edlar freute fich ungemein, ihn endlich an» feiner harten Schale heransgeschält zn haben.
,OH', sagte fie liebenswürdig, .da» eilt ja gar ni$t, Herr — Herr.. .*
.Senden, meine Gnädigste, Alexander Senden! Tnchsabrikant au» München.'
Himmel, da» «ar sein Onkel! Fra» Mathilde ieß Brot »»d Messer, da» fie foeben in den Hände» satte, vor Schreck solle» nnb ba» letztere klirrte ent» etzlich ans dem Teller. Sie hatte ihn bisher nicht »rfönlich gekannt, aber er hatte ihr oft von ihm rzählt nnb fie hatte ihn schon aus feinen Erzählungen itb gewonnen. Was sollte fie «nn ihn»? Sollte fie ich zn erkennen geben? Sollte fie es nicht thnn?
.Was ist Ihnen? Warn« «schreck« Sie, gnlbige Fran?'
Sollte feine Verstimmung etwa mit dem — Korb «fammeuhänaen, besten glücklicher Besitzer fett einiger jett fei» Neffe »ar? Konnte fie vo» ihm vielleicht tenigteite» erfahre» ? Sie beschloß mit äußerster
Vorsicht zu W«ke zn gehen.
Alle gewerblichen Neuerungen, welche sich Nützlich- keitszwrcke gesetzt hatten, wie die Verbesserungen an Werkzeuge», an den Gegenständen des täglichen Gebrauch», Lampen, Regenschirmen u. f. w., durften auf einen allerdings ziemlich teuer zu bezahlenden Schutz rechnen, wenn sie fich al» Erfindungen präsentierte» und demgemäß den Patentschutz in Anspruch nehmen konnten. Die große Menge der übrig bleibenden aber war überhauptschutzlos. Dawird nun vorn 1. Oktober ab anders werden. Alle Gebrauchsmuster, welche neu sind, können durch Anmeldung bet der Gebrauchsmusterabteilung des Patentamtes, durch die Eintragung in die dort aus- liegende Musterrolle und die Entrichtung einer Gebühr von 16 Mark einen Schutz auf die Dauer von drei Jahren erlangen. Bet Zahlung einer weiteren Gebühr von 60 Mark vor Ablauf dieser Zeit wird die Schutzftist um drei Jahre verlängert. Der Schutz besteht nun allerdings entsprechend den geringfügigen Kosten und Erfordernissen nur darin, daß dem in die Musterrolle Eingetragenen ausschließlich das Recht zusteht, gewerbsmäßig das Muster nachzubilden, sowie die durch Nachbildung hervorgerufene» Gegenstände und Gerätschaften in den Verkehr zu bringen, feilzuhalten oder zu gebrauchen. Jedoch muß der in die Musterrolle Eingetragene in jedem Falle, wo er in die Sage kommt, fein Schutzrecht gegenüber den Handlungen anderer Personen zum Ausdruck zu bringen, den Nachweis führen, daß die materiellen Voraussetzungen, welche da» Gesetz für ein Gebrauchsmuster vorschreibt, auch thatsächlich vorhanden find. Der Gebrauchsmusterschutz ist demnach weder so intensiv noch extensiv wie der Patentschutz, mit Rücksicht auf die verhältnismäßige Geringfügigkeit der ihm unterstellten Gegenstände braucht er es aber auch nicht zu fein. Die zur Durchführung beider Gefetze nötigen Arbeiten sind im Patentamte bereits abgeschlossen, sodaß mit dem 1. Oktober die Neuordnung glatt inS Leben treten kann. Es ist alle Aussicht vorhanden, daß das Groß- wie daS Kleingewerbe von dieser Neuordnung erheblichen Nutzen haben werden.
Kiel, 3. Sept. Am Donnerstag begannen unweit Friedrichsort bei Kiel die großen FestungS- und und Seekriegsmanöver mit Mmieroersuchem Alle Handelsschiffe, welche Friedrichsort passieren, müssen wegen der Minensperre bis Sonnabend einen Lootsen an Bord nehmen. Da» Manövergeschwader ging Donnerstag Vormittag auf die Außemhede.
Danzig, 3. Sept. Der deutsche Katholikentag nahm am Donnerstag eine Resolution an, welche
.Mein Gott, ich glaube, e» hat mich eine Biene gestochen', sagte fie nnd sog mtt einer wahren Ver- zweiflung au ihrem kleinen Finger.
.Wie, eine Biene, jetzt im Oktober? Da» ist doch wohl ton« glaublich.'
,O, Herr Senden, ich versichere Sie, ich habe chon Bienen «och im November gesehen nnb wir iabtn heute erst den einnnddreißigsten. Warum ollte es also keine Biene gewesen sein? Ich ver- ichere Sie, ich bin ein entsetzlicher Pechvogel. Mich techen die Bienen immer, wahrhaftig! Und wen» auch scheinbar gar keine mehr da find, für mich ist immer »och eine da.'
,9hm, e» wird Ihnen nicht an den Kragen gehen, Fran--'
.Lammhuber heiße ich, wirklich mtb wahrhaftig, Anna Lammhuber. Mei» seliger Mann »ar Fleischer- meister in der Theatinnstraße.'
.Sie sollten ein wenig frische, kühle Erde ans den Sttch thnn, Frau Lammhnber.'
.Nun, e» wird vorübergehen. Ich danke Ihnen, Herr Sende», e» wird scho» vorübergeheu. Also — Sie wollten sagen...'
.Ich wollte nachsehen, mtt welchem Zug Sie fahre» müssen. Etttschvldige» Sie «ich eine» Augenblick. Ich will nur mein Kursbuch holen.'
,O bitte, Herr Send«, laffeu Sie da» jetzt. Nein, nein, auf keinen Fall; Sie dürfen fich jetzt durchaus nicht derangieren. Es eill gar nicht und ich hoffe, wir Haden den ganzen Tag noch Zeit, mn « Kursbuch nachznschan«. Nicht wahr? Bleiben Sie ruhig fitzen und erzählen Sie mir lieber, wo» Sie so sehr erzürnt hat. Denn mit Verlaub, Herr Sende», Sie waren schrecklich erzürnt.'
«Und nicht mit Unrecht, gnädige Fran, meiner Treu, wirklich nicht mtt Unrecht.'
O bitte, «zählen Sie. Da» wird Sie «leichte« und Sie werd« Ihren Unmut leicht« Io», wenn Sie ihn mir erzählen, al» wen» Sie die» selbst