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geben habe» sollte, das au» diesem köstlichen Metall zusammengesetzt war.....Was sollte wohl auS dem

Lande werde», dessen Soldaten den AuSstand er­klärten, wenn die Gegner nicht mitmachten? Diese brauchten dann nur bei ihnen einzumarschieren, daß eS eine Freude wäre! Auf dem Marsche zum Kilimandscharo hat vr. Peter» blutige Kämpfe mit de» Eingeborenen zu bestehen gehabt. Bis Mkumbara, 10 Kilom. über Masede hinaus blieb er unbehelligt. Aus dem Marsche nach Mikotschein (am Pangani oder Ruau) jedoch begannen Angriffe der Masai. Geschützt durch das fast undurchdringbare Buschwerk eröffneten sie auf diesem welligen Gebiete ihre hinterlistigsten Feindseligkeiten, anfangs im Hn- gewifle» über die Stärke der kleinen Expedition, wichen sie jedem offenen Angriffe auS und nahmen ein angeboteur» Gefecht nie an. Endlich kurz vor den berüchtigten Pangani-Sümpfen bei Buiko kam eS zum offenen Gefechte. In vollem Kriegsschmucke, die Naibrre (ein wallendes Stück weises Baumwollrn- zeug mit rotem Besatz) über die Schultern, um den Hals ein großer Kragen aus schwarzen Geiersedern, um die Knie einen Streifen des Colubus-Offenfells, mit langem weißem, nach vorn wegstehrndem Haar, um das Gesicht die mit einem Kranze in Leder ge­faßter schwarzer Strauß-nfedern gekrönte KriegS- maSke, Kopf und Oberkörper reichlich mit rothem Fett bestrichen, so daß sie wie von Blut triefend aussehen, den schweren Schild auS Büffelhaut in der Linken, in der Rechten den hocherhobenen eisernen Riesenspeer, so stürmten sie mit teuflischem Geschrei auf daS Heine Korps ein. Pete>S hatte bis zu diesem Momente jedenfalls nicht an einen allerdings sehr stechen, aber seiner eigenen geringen, dem Feinde bekannten Macht gegenüber vorauszusehenden offenen Angriff geglaubt und die Träger gar nicht oder zu spät in die Mitte genommen, denn nur so ist eS aufzuklären, daß einige Träger beim ersten Angriffe der phantastisch angethanen 5600 Masai-Morans ihre Lasten wegwarfen und in kopfloser Flucht da­vonjagten und andere seiner Leute von Pfeilen, zwei sogar durch Speerstiche verwundet werden konnten. Zwei noch an demselben Tage folgende Angriffe der Masai toutben ebenfalls durch ein gut gezieltes Schnellfeuer der Sudanesen abgeschlagen, ohne daß bei denselben auch nur ein Mann deS PeterSschen Korps verwundet wurde. Die Masai, fast durchweg nur mit ihren Ungetümen von Speeren, wenige nur mit Pfeil und Bogen, gar keine mit Feuergewehren bewaffnet, zogen sich nach Zurücklossung vieler Ge­fallenen nach Mabirioni zu zurück.

Worms, 30. Aug. Das von etwa 5000 Teil­nehmern besuchte nationalliberale Parteifrst nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Es wurden folgende Toaste auSgebracht: Dr Buhl Deidesheim auf den deutschen Kaiser; Freiherr v. Heyl-Worms auf die Landesfürsten; Rohrhurst - Mannheim auf da» Vaterland; Marquardsen - Mannheim auf Bis­marck; Osann-Darmstadt auf daS Heer. Es wurde eine Begrüßungs-Depesche an BiSmarck abgesandt.

Ausland.

Frankreich. Die französische» Manöver an der deutschen Grenze. Die diesjährigen französischen

(Nachdruck verboten.)

In Freiheit dressiert.

Eine Reisenovelle von Woldemar Urban. (Fortsetzung.)

3« dieser Weise seine wunderbaren Erzengniffe anpreisend, blätterte er vor Frau Hauptwauu Edlar eia Album durch, in dem sanber und niedlich Etikette neben Etikette angeheftet war. Frau Mathilde fiag au, au dem drolligen Männchen Gefallen zu fieben und sah sich mit einem würdigen Jntereffe, bas durchaus den Erwartungen deS Herrn Baedlich aus Sachsen zu entsprechen schien, die Zettel an. Viel versprechend hieß es auf denselben: echter Cognac, alter stauzöstscher Cognac. Chartreu e vrai, darunter stand noch wohlmeinend: vor Naqahmuugeu wird gewarnt. Besonderes Jntereffe erregte bei Frau Mathilde eine Serie Cdamvaaner. , "nf

d-n-N st- las: Champagne fln, Champagne extrafiu, Champagne 'euperfin, Vrai Champagne de la Cham­pagne, Champagne superieur, Champagne de la maison Pomponet fr Ma & Rheims, einet Firma, die tB . aturltch nicht gab und darunter: voir le bouchon ein reiner Hohn!

.Aber, mein Herr*, sagte Frau Mathilde Edlar, »fürchten Sie denn nicht, durch solche Etiketten dem Betrug Vorschub zu leisten?"

»Dem Betrag, meine Gnädigste? Wieso? die Etikette» find echt, dafür stehe ich. Das Uebrige geht mich nichts an."

Sollte man so etwas glauben? dachte Fran Mathilde. Solch ein kleines Ungeheuer anS Sachsen!

Ans der nächste» Station sti g Herr Baebltch ans, nicht ohne feiner »Kollegin ia SchuapS" zur freuad- ltcheu Erinnerung einige GefchäftSkarten von Sauer und Söhne zurückgelaffen zu haben.

Ja dem Konpee, tu dem Frau Mathilde saß, befanden fich noch zwei ältere Herren, aber diese kümmerten fich nm die hübsche Frau wenig. Sie »machten in Polttikl" Die hunderttausend Manu, daS neue Arttlleriematerial, die M'nisterportefemlleS flogen nur so durch die Luft, »ud Frau Edlar blieb wieder mtt ihren G-dankm allein, stundenlang, immer eine langweiliger als die andere. WaS sollte daS werde»? Waren daS die Reiseabenteuer, von denen Taute Sarnen angenbliazelnd erzählt hatte? Da» lohnte nicht, auch nur zwei Schritt wett darnach zu gehen.

Der Schnellzug brauste mtt einer unheimlichen AtSdaner und Geschwindigkeit durch das Land, und

Herbstübunge» ziehe» im Augenblick nicht nur die Aufmerksamkeit der Frauzosen sondern ihrer Vorbe­reitungen wegen auch diejenige deutscher Militärkreise auf fich, da sie in einem Umfange stattfinden sollen, der i» Frankreich bisher nicht feine» Gleichen hatte. Ein kennzeichnendes Merkmal dieser Manöver liegt darin, daß sie gegen die deutsche Grenze hin stattfinden sollen und zwar im ersten Drittel deS September, während die zu ihnen gelaßenen fremd- ländischen Offiziere erst am.10. k. M. bei der Ost­abteilung eintreffen, zu jenem ersten Teil der Hebungen also keinen Zutritt haben werden. Diese AuS- schließung spricht für fich selbst. Ob sie fich auch auf die russischen Gäste bezieht, ist nicht ersichtlich, aber zu bezweifeln,- denn welchen größeren Wert könnte eine probeweise Operation französischer Truppen gegen die deutsche Grenze haben, als den, die rus­sische Heererleitung davon zu überzeugen, daß man in Frankreich fertig, vielleicht auch wie damals überfertig" ist, und daß e» nur des ersten Kanonen- schufst» von Seiten Rußland» bedürfe, um die nach allen Richtungen sorgfältig vorbereitete militärische Aktion sofott beginnen zu laffen! I» einer Stärke von ca. 126 000 Mann werden die auf Kriegsfuß gesetzten französischen Truppenmaffen in den kom­menden Wochen an der deutschen Grenze zusammen­gezogen sei». Da» ist für Friedenszeiten eine außer­ordentliche Kundgebung. Es kommt hinzu, daß diese ungewöhnliche Truppevmasse nicht geteilt, ober auf verschiebene Punkte zerlegt, fonbern daß sie als ge­schloffenes Ganzes gegen benfingierten Feind" ge­führt werde» soll, der von Deutschland her in Frank­reich eingefallen gedacht ist. In einer kompakten Waffe rückt der gewaltige Heereskörper auf die Vogeien- grenze zu. Welche Gelegenheit für die Franzosen, sich an Zukunfttphantafien zu berauschen. In Deutsch­land werden die Vorbereitungen zu dem ungewöhn­lichen Schauspiel trotz ihrer nicht» weniger als trieben»» liebenden Farbe sehr kühl und ohne irgend welche Beunruhigung verfolgt, Niemand kommt aus den Gedanken, eine ernstliche Gefahr für de» Frieden darin zu erblicken, so wenig man fich auch über ben bebeutfamen Hintergrund einer solchen militärischen Kundgebung täuschen kann.

Chile. Heber bie letzten Ereignisse meldet der New-Iork Herold" vom 29. August Folgende»: Die Kongresfisten stellten eilends die Eisenbahn von Valparaiso nach Santjago wieder her und ordneten die Konzentration der Truppen und den Transpott von 4000 Mann unter General Baquedano nach Santjago an. Am frühen Morgen suchten die Führer der Truppen Balmaceda» in Santjago indeß eine Konferenz nach, um wegen der Kapitulation zu unter­handeln. Die Kongresfisten entsandten hierzu sofort den früheren General en chef der chilenischen Armee Baquedano. Rach der Konferenz ging die Haupt­stadt in die Hände der Junta der Kongresfisten über, welche demnächst Offiziere und Beamten nach Santjago schicken, eine provisorische Regierung bilden und da» Land beruhigen und reorganisiren wird. Die Flotte der Kongresfisten lief Morgen» in die Bai von Val­paraiso ein. Die Mannschaft wurde begeistert be­grüßt. Der Chef der Junta, Jorje Montt, über­nahm alsbald die Leitung der Geschäfte, deren erstes die Kapitulation der Stadt war. Die Admirale

»och immer wär von Liuda» und dem Bodensee, über ben fie fahre» mußte, um iu die Schweiz zu gelangen, »och nichts zu sehen. Immer nene Gegend, nene Städte nub Dörfer, aber immer noch nicht Linban. Sie hätte nie gedacht, daß die SB eit so weitläufig sei. Auf der Landkarte lag da» alles so hübsch uebeneinander, sodaß fie geglaubt hatte, bte Schweiz und Italien mfiffe gleich hinter der Therefie». wiese liegen. DaS war aber anders, ganz anders I ES war alles von einer umständlichen WMäafigkcitl

»Der Geduldige siegt", murmelte Frau Edlar, al« der Zag endlich doch tu Liudan auf dem Bahnhof einlief.

»Alles anSfteigen! Gepäckreviston!" schrie ihr jemand i»S G-ficht, sodaß fie ganz rot vor Schreck wurde. WaS war den» uuu das wieder? Hielt man fie denn für eine Spitzbübin, die lüstern wäre, ben Staat um feine paar Pfennige Steuern zu betrüg«? Weshalb denn diese Schererei? Aber ihre Raisoou^ ment« erwiesen sich in dieser Hinsicht als vollständig unzulänglich. Einer der Herren bot ihr gutmütig seine Hilfe an beim Transport ihres Handgepäcks nach dem RevifionSlokal. Aber fie schlug das Au. erbieten ans, teils weil sie wirklich glaubte, alles selbst besorgen zu könne», teils weil bet alte gut­mütige Herr eine etwas rote Nas« hatte. Sie konnte rote Nasen für den Tob nicht leibe». Die Strafe hierfür folgte auf dem Faße. Zunächst vergaß sie im Konpee ihre» Regenschirm und als sie rasch »mkehrte, um ihn zu hole», war mittlerweile b<r Dtenstmauu, dem fie ihr Gepäck zur Besorgung übergeben hatte, bavvugelauseu. Sie hatte eine Todesangst l Wenn der Manu ein Dieb war und mtt ihren Sache» verschwand l I» ihrem Haudkoffer vefaud sich einiger Schmuck. Es war ja kein Köatg- reich, aber zum Verliere» war es doch znvtel. Daz, glaubte fie das Schiff zu verpaffe», daS schon einmal gepfiffen hatte. I» ihrer Augst, ihrem dunkle» Drange, in dem fich bekanntlich der Mensch be£ rechte» Weg-s wohl bewußt tst, ging fie auf einen rotmützigen Beamten zu, der ans dem Perron hernm- fpa^erte. Ehe fie ihn aber noch erreichte, fragte fie plötzlich jemand mtt einer höflichen, Überaus freund­lichen Stimme:

»Eie suche», meine Gnädigste?"

ES war ein eleganter, groß und schlank ge. road)jener, durch nnb durch vornehmer, liebenswürdiger Mann, mtt starkem schwarze» Sch»nrrbart und leb. haften dunklen Augen, bte mit einet gewissen Ver. wunderung, al» ob et von ihr nie bezaubert gewesen

bet auSläubischm Geschwader und Martinez über­nahmen die Heberwachung bet Stadt. Jorje Montt, Martinez, die Generale und der ehemalige Gouverneur Viel, traten zu einer Konferenz zusammen. Montt bestand habet auf bedingungsloser Kapitulation, Ge­fangennahme der Oifiziere und Soldaten und Er­gebung her Zivilbeamten auf Gnade und Ungnade. Marttnez solle Gouverneur bleiben bis zur Ankunft der Junta von Jquiqae, welche die endgiltigen Be­dingungen regeln werde. Die Kongreßtruppen haben sich seit dem Einmarsch in Valparaiso einet be­merkenswerten Disziplin befleißigt und find bemüht gewesen, die Ordnung aufrecht zu erhalten, waS sehr schwierig war, da die Stadt von entlaufen en Soldaten und Marodeuren überfüllt ist. In den Straßen kamen häufig Zusammenstöße vor, mehrere Personen wurden getöbtet, auch Brandstiftungen würben versucht. Die fremden Admirale stellte» bei den Konsulaten Marinesoldaten auf, um im Notfälle einzuschreiten. Baquedano will Montag nach Santjago abgehen. Heber bett Ver­bleib Balmaceba» ist nichts bekannt, man glaubt, er werbe versuchen, feinen Weg über bie Anden zu nehmen. Die Junta her Kongresfisten hat Schritte gelhan, um die dreißig Tonnen Metallgeld, welche dem Staatsschätze durch Balmaceda entzogen und durch ein engllsches Schiff fortgebracht waren, wieder zu erlangen. Montt erklärt, daß alle Anordnungen bis zum Eintreffen her Junta in Valparaiso nur provisorische seien. Nach einer Depesche der World" vom 30. August hätten die Kongresfisten ihre Erfolge hauptsächlich dem Talent des Obersten Körner zuzuschreiben, der al» Instruktor von Deutsch land nach Chile berufen worden war und Balma­ceda verlaffen hatte. Nach dem Gefecht außerhalb Valparaiso» wurden die Leichen her beiden feindlichen Generale Barboza und Alzerreca fürchterlich ver­stümmelt aufgefunden. DaS Torpedoboot »Almi rante Lynch" feuerte nur drei Schüsse und strich bann feine Flagge. Die Fort» ergaben sich ohne Kampf. Ein späteres Telegramm vom Abend lagt, daß der Pöbel mehrere Gebäube in Branb steckte und plünderte. Am äußeren Ende bet Stabt sind gegenwärtig bet Abgang btefeS noch vierzehn Feuers brünfte bemerkbar. Der bis jetzt angerichtete Schaden wird auf zwei Millionen Dollars geschätzt. Die ganze Nacht hindurch wurden Schüsse In der Rich­tung der brennenden Gebäude vernommen. Man fand morgens 200 tote Aufrührer in ben Straßen liegen. Dem Vertreter der Kongresfisten in Paris ist folgende Depesche vom Minister Errazuriz au» Jquique vom 30 August zugegangen: Die Kongreßregierung (Junta de gobierno constitucional) hat Jquique verlaffen, um sich nach der Hauptstadt de» Lande» zu begeben. Soweit bie vorliegenden Nachrichten erkennen laffen, war die Entwicklung der Dinge seit der über­raschenden Landung bet Kougrrßtruppen bei Quinteio folgende: Es gelang dem Obersten Canto, den Heber­gang über ben Nconcaguafluß durch bie Schlacht bei Concon am 22. August zu erzwingen. Die Truppen Balmaceda» sollen dabei 1500 Tote und Verwundete, ebenso viele Gefangene, 14 Geschütze und 3 Mltrail- leufen verloren haben. Die daraufhin unternommenen Angriffe der Kongresfisten auf die verschanzten Stellungen Balmaceda» mißlangen, worauf die

wäre, auf ihr ruhte». Sie vergaß natürlich unter diesem für fie ja äußerst schmeichelhaften Blick Koffer nnb Gepäck nnb Zollrevision, nnb stammelte verwirrt:

»Mein Herr ..."

»Ich wäre entzückt, Ihnen einen Dienst leisten zu können. Bitte, befehlen Sie über mich."

»Sie find sehr gütig, mein Herr. Ich suche mein Gepäck."

»Bitte kommen Sie, meine Gnädigste. Gestatten Sie, daß ich Sie führe? Ach, wen» Sie nicht wollen, so tverde ich Sie nicht berangieren. Jh glaubte nur Ihne» damit angenehm zu fein, weil hier die Rein- ttchkeit nicht sehr zu Hanse ist und ich für Ihre wirklich entzückeube nnb exquisite Toilette fürchtete."

,O, mein Herrl"

»Aber, meine Gnädigste, Sie dürfen nach die Bescheidenheit nicht zu weit treiben. Was wahr ist, ist hoch wahr. Sie könne» nicht leugnen, daß Sie eine wahre Augenweide find, selbst wenn Sie e» leugnen wollten, o bitte, selbst wenn Sie eS wollten. Treten Sie ein."

Sie traten in einen großen Raum, wo schweizer Beamte mtt b<r Gepäckreviston beschäftigt waren. Sofort sah sie auch ihren Dienftmann wieder, der treu und geduldig a» der langen Tafel ans fie wartete.

»Sie entschuldigen, mein Herr. Dort ist mtt» Gepäck. Ich bin Ihne» sehr verbunden", sagte sie und wollte sich damit von ihrem Retter verabschiede». Dieser trat auch sofort artig znruck, aber fie bemerkte doch mtt einem Seitenblick es war wirklich ei» ebenso schöner wie liebenswürdiger nnb freundlicher Herr daß er fie bei her R Vision ihres Gepäcks beobachtete. Kaum war diese beendet, so stand er wieder neben ihr.

Ich vermute, meine Gnädigste, Sie fahren auch mit dem Schiff nach Romanshorn."

Ja, mein Herr."

Darf ich mir Hoffnung machen, in Ihrer Gesell­schaft zu fahren? O bitte, laffen Sie mich Ihr G.päck »ach dem Schiff bringen. Das ist nichts für so feine Damenhändchen. Sie find allein? Um so notwendiger, daß ich eingreife. Gestatten Sie, meine Gnädigste. Baron zur Linde»! fahre nach der Schweiz."

Die knrze schneidige Art, wie fich der Herr Baron ihr vorstellte, seine ganze Art nnb Weise, die Sicher, hett und Bestimmtheit seines AnftrttenS imponierten Fra» Mathilbe ganz gewaltig. Anßerbem regte fich anch in ihr die alte Qneckstlber-Unrnhe, der fie schon so manchen dummen Stteich zu danken hatte, diese übermütige Sorglofigkeit nnb leichtfinnige R ugier,

Kongreßarmee ihrerseits ebenfalls eine starke Stellung bei Placilla einnahm und nun den Angriff de» Gegner» abwartete. Balmaceda ließ sich am 28. August dazu verleiten und erlitt nun auch seinerseits eine Niederlage, die in eine gänzliche Zersprengung feine» Heere» ausartete, al» Canto zum Angriff überging. Die RegierungSttuppen haben an diesem Tage angeblich ihre ganze Artillerie und 3000 Ge­fangene verloren. Der Rest floh nach Santjago. Der Verlust der Kongreßtrvppen soll gering gewesen sein, 200 Tote gegen 700 des Gegners. Nach der Hebergabe von Valparaiso, der Folge der Schlacht bei Placilla, haben fich sodann auch die Schiffe de» Präsidenten Balmaceda nach kurzem Widerstande er­geben. Besondere Befriedigung muß eS für un» er­regen, daß ein deutsches Geschwader int Hafen von Valparaiso liegt, bereit, die Interessen unserer dort zahlreich verttetenen Landsleute (etwa 4000) zu vertreten.

Hessen-Nassau.

Marburg, 1. Sept. Abermals bereitet man sich an vielen Orten unseres deutschen Vaterlandes zur würdigen Feier de» SedantageS vor. Biele Städte haben beschlossen, in anbetracht der jetzigen teueren Zeit von einer Sedanfeier abzusehen und dafür armen hilfsbedürftigen Menschen an diesem Tage eine Spende zuzuwenden. In unserer Stadt wirb jeboch bie Feier, ähnlich wie in ben Vorjahren, heute Abend mit einem Kommerse sämtlicher Vereine im Saalbau (dessen Gallerte für Damen reserviert bleibt) und morgen mit einem am Nachmittag am Kaiser- WilhelmSturm (Spiegelslust) stattfindenden Volksfest begangen werden.

Marburg, 1. Sept. Infolge der andauernd hohen Kornpreise tritt vom heutigen Tage in hiesiger Stadt eine Erhöhung der Brotpreise ein. Es kostet von jetzt ab der 4pfündige Laib Brot I. Sorte 68 Pfg. (seither 60 Pfg.) und II. Sötte 62 Psg. (seither 54 Pfg.)

Marburg, 1. Sept. Bei einem in der Haspel­straße in Dienst stehenden Mädchen wurde gestern eine Anzahl echter Schmuckgegenstände gefunden. Die nähere Untersuchung ergab, daß dieselben einer im Hause wohnenden aber auf Reisen befindlichen Herrschaft entwendet worden waren, welche ihre Zimmer dem Mädchen zum Reinhalten unterstellt hatten.

Frouhauseu, 31. Aug. (Zur Bärenjagd.) DieFrankfurter Zeitung" sowohl al» auch die Kleine Presse" lasse» fich au» Gieße» von einer bei Fronhausen stattgefundenenLöwenjagd" mit allerhand Ausschmückungen berichten. So heißt eS u. a.:Der Löwe ließ fich in einem Dickwurzacker nieder und that sich an den saftigen Blättern gütlich." Seit wann frißt der Löwe Dickwurzblätter?

Frankeuberg» 31. Aug. Der Königliche Re- gierungs - Baumeister Schwarze ist mit der dienst­lichen Vertretung de» erkrankten König!. Kreisbau- inspettors Müller dahier beauftragt. Herr Förster Küch zu Heffenstein erlegte am Sonnabend Abend 10 Uhr in feinem Revier einen Keller im Gewichte von 240 Pfd. (F. Kr.)

Waber», 31. August. Vom 24. August an

sodaß fie nicht allzuviel gegen seine Begleitung hätte einzuweudeu gehabt, selbst wen» er fie hätte zu Worte komme» lasse».Sie wissen, meine Gnädigste, unter­wegs darf man die Förmlichkeit, die Etikette nicht übertreiben; eine heiter verplauderte Stunde auf der Eisenbahn, ein kleines Reise-Jmpromptu ist unterwegs mehr wert als ein gewichtiger Stammbaum und bie anSgebreitetften, und hochstehendsten Verbindungen. Sie reifen nach Zürich?"

Ja, Herr Baron! Wiher wissen Sie da»?'

»Sehr einfach. Der Zag, den Sie tu Romans­horn zu besteige im Begriff find, geht heute nur noch bis »ach Zürich. Sie werden dort übernachten. Haben Sie fich schon ein Hotel ausgesucht?'

,O Gott, nein, Herr Baron nnb das ist meine größte Sorge. Ich möchte gern ein gut gelegene», nicht zu geräuschvolles Hotel bewohnen, denn sonst kann ich wahrhaftig nicht schlafen. Vielleicht können Sie mir ein solches empfehlen, Herr Baron."

»Hotel B......meine Gnädigste. Kein anderes

als das. Schön, ruhig, vornehm, elegant, hatt am See gelegen."

Herr Baron zur Linden war wirklich von einer ausgesuchten Liebenswürdigkeit und entpuppte fich in der Folge auch als ein vortrefflicher Unterhalter. Er war voller Schwänke nnb Schnurren, sodaß die kleine, niedliche Fran Edlar auf der ganzen Fahrt bis »ach Zirich nicht einen Augenblick an» der guten Laune kam. Dabei lagen seine kräftigen, dunkeln Augen immer mtt einer so schalkhaften Bewunderung, mit einer so sieghaften, hinreißende» Kraft ans ihr, vaß fie »»irklich mehrere Male in die Lage kam, er­röten zu müssen. E» schien ihr, al» ob fich diese Begegnung zu einem Reiseabenteuer allerersten Range» im Sinne der Tante Sarnen entwickeln müsse, und fie war neugierig und übermütig genug, um dieser Eatwickeluag mit Spannung entgegenzusehen.

E» war schon finster, al» der Zug nach Zürich kam. Der weitläufige Bahnhof war voller Menschen, da kurz vorher »och ein anderer Zug eingelanfett war. Fran Edlar stieg au», und Herr Baron zur Linden sagte:

»Bitte, meine Gnädigste, gehen Sie nur drttst »ach dem Ausgang be» Bahnhof». Dort werbe» Sie de» Hoteldiener und ben Hotel-Omutbn» finden. Dort warte» Sie ans mich. Ich bringe Ihr Gepäck schon mtt."

»über da» kann ich Ihnen doch nicht zumuteu, Herr Baron."

(Fortsetzung folgt.)

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