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öchenüiche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg «nd Kirchham. - Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Marti 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Lug. Loch.

Jt£ 801.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-AbonnementS-Prei- bei der Expe­dition 2 ML, bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Freitag, 28. August 1891.

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und «ogler mFrankftirt mM-, Eafsel Magdeburg u.Men; Rudolf YYVI Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: S. LUu4#t8unö* *

Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Das nm Trnrcksnchtsgesetz

gttb im Entwurf im deutschen »Reichs anzeig er" publiziert. Wir hebe» die Hauptbestimmungen her­vor: Zum Betriebe einer Gast-, Schankwirtschast und zum Kleinhandel von Spirituosen ist eine Er- laubniS erforderlich, welche ausnahmslos vom Nach­weise des vorhandenen Bedürfnisses abhängig ist. Dir Erlaubnis kann außerdem versagt werden, wenn Thatsachrn vorliegen, welche die Annahme recht« fertigen, daß der Nachsuchende da» Gewerbe zur Förderung der Böllerri, deS verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unfittltchkeit mißbrauchen werde, und wenn daS Lokal den polizeilichen Anforderungen nicht genügt. Kleinhändler mit Branntwein (d. h. Handel, welcher anders als in Gesäßen mit min­destens 50 Liter Inhalt stattfindet), dürfen nicht Branntwein oder Spiritu» in Mengen von weniger als *'i Liter abgeben. Mit dem Kleinhandel von Branntwein darf in Städte» von über 5000 Ein­wohnern kein anderer Kleinhandel verbunden fei». Räume, welche zum Betrieb eines anderen Gewerbes dienen, dürfen zum Betrieb einer Gast- oder Schank- Wirtschaft nicht benutzt werden, auch mit de» für diesen benutzten Räumen nicht in unmittelbarer Ver­bindung stehen. Die höheren Verwaltungsbehörden ßnnen bezüglich der Räume für Gast- und Schank­wirtschaften bestimmte Vorschriften machen. In jeder Tast- oder Schankwirtschast muß Vorsorge getroffen werden, welche eS ermöglicht, den Gästen auch andere, al» geistige Getränke, sowie die nach Lage der Ver­hältnisse zu beschaffenden Speisen zu reiche». Durch Polizeiverordnung kann der Ausschank geistiger Ge­tränke und der Kleinhandel mit Branntwein morgen» dor 8 Uhr verboten werden. Personen unter 16 Jahren dürfen nur in Begleitung Erwachsener in Echankwirtschaften verkehren; ausgenommen sind selbstverständlich Gelegenheit«, wie Reisen, Ausflüge und dergleichen. Offenkundig Be­trunkenen oder Personen, von welchen die Wirte wiffen, daß sie in den letzten drei Jahren als ge­wohnheitsmäßige Trinker verurteilt find, solle» keine geistigen Getränke verabreicht werden. Hingegen dürfen Gast- und Schenkwirte einen Betrunkenen, welchem sie geistige Getränke verabfolgt, nur dann hinauSweisen, wenn hinreichende Fürsorge für den Transport nach Hause oder zur Polizei getroffen ist. Die Kosten hierfür fallen dem Betrunkenen zur Last. Geistige Getränke zum Genuß auf der Stelle dürfen auf Borg nicht verabfolgt werden. Wer trotzdem borgt, kann diese Forderungm nicht ein­

klagen oder sie sonstwie geltend mache». Wer infolge von Trunksucht seine Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag, oder sich oder seine Famllie der Gefahr deS Notstandes aussrtzt oder die Sicherheit Anderer gefährdet, kann entmündigt werd« und durch den ihm gestellten Vormund mit Genehmigung der Vormundschaftsbehörde in einer Trinkerheilanstalt untergebracht werde». De« Schluß bilde» die Straf- bestimmungen. Davon heben wir noch besonders hervor: Wer bei Verrichtungen, welche zur Ver­hütung von Gefahr für Lebe» oder Gesundheit Anderer, oder von FeuerSgrfahr besondere Aufmerk­samkeit erfordern, sich betrinkt, wird mit Geldstrafe biS 100 Mark oder Hast biS 4 Wochen bestraft. Die gleiche Strafe erhält, wer in einem selbstver­schuldeten Zustand SrgerniSerregrnder Trunkenheit an einem öffentlichen Ort getroffen wird.

Britisches »eich.

Berlin, 27. August. Bei der letzten Früh- stück-tafel wurde von dem Kaiser persönlich daS aus Weizenmehl gebackene Kommtßbrod einer ein­gehenden Prüfung unterzogen. Später hatte der Monarch eine Unterredung mit dem Kultusminister Graf« Zedlitz-Trützschler und arbeitete hierauf mit dem Chef deS Militär - Kabinetts, General von Hahnke. Dienstag Abend empfingen die Majestäten den Besuch der Herzogin von Edinbmg und der Erbprinzlich Sachsen - Meiningischen Herrschaften. Mittwoch Morgen arbeitete der Kaiser mit dem Staatssekretär Frhr. v. Marschall, und hörte Mittags den Vortrag deS Wirkt. Geh. Rats von Lucanus. Nachmittag» waren der deutsche Botschafter in Rom, Graf Solms-Sonnenwalde «nd der deutsche Bot­schafter in Madrid, v. Stumm und dessen Gemahlin zur Frühstückstafel gezogen. Die Kaiserin Friedrich soll, wie ein englisches Blatt schreibt, die Absicht haben, ihre sämtlichen Kunstfchätze aus Berlin nach Schloß Kronberg bringen zu lassen, um so au» ihrem Taunusheim unter Heranziehung von Künstlern und Gelehrten et» moderne» Weimar zu schaffen. Wie dieKönigsb. Hart. Ztg." von zuständiger Selle erfährt, hat das heute in Kraft tretende russische RoggenauSfuhrvrrbot auf den Grenzbahnhöfen Eydtkuhnen und Prostken ein unge­heures geschäftliches Leben und Treiben herbeigeführt. Nach in Königsberg eingegangenen Meldungen standen Montag Abend in Eydtkuhnen über 300 Waggons mit Roggen, die der Umladung nach Deutschland harrten, während noch 800 Waggons telegraphisch

(Nachdruck verboten.)

In Freihett dressiert.

Eine Reisenovelle von Wolde«ar Urban.

(Fortsetzung.)

»Net«, höre um, Tantel Mir kommt da» alle» Her wie ein Traum, wie ein schöner, wnnderbarer Traum an» Tausend und eine Nacht. Also sie schreibt:

.Kairo, den 12. Oktober 1890.

Mein liebe» Konstnchen und herziges Thildchen, vähreud bei euch in Deutschland der Wind schon kühl und herbstlich über die Stoppeln fährt, herrscht hier «och glühheißer Sommer und ich schreibe Dir i» buchstäblichen Sinne de» Worte» im Schweiße »eines Angesichts. Aber die Reife war herrlich nnd dshrhafttg des Schweißes der Edlen wert. Ich kann Dir gleichsam nm im Fluge rekapituliereu, was ich Eer gesehen nnd welche mächtige Eindrücke meine Seele empfangen hat. Nachdem ich sattsam Belegen» hell gehabt hatte, die Brennpnnkte nuferer heutigen «Atm, London «nd Paris, zn bewundern, trug mich 8® pfeilgeschwinde Dampfroß durch weste Länder- Mecken an liebliche» Sem hi» oder dmch fürchter­liche Berge hivdvrch oder aa Adgrüadeu hin, au »feabea GteSbächeu vorüber ach, wie schön ist «°ch die Wett.. /

»Herrlich, herrlich! Nm sür m»» nicht. Nm für »8 nicht, Thildchen I*

3n das Kullm,erstürm der allen Well, nach «ob. Ach Ttldchm, Storni Rom ist ein Märchen» Mm der Wellgeschichte. W die herrlichm Triumph, hogen und Tempelreste einer nutergegaugeum Welt, 7 Katakomben, die Campagna daS Grab der Ate« Well das Forum romauum, die lehenben «lbauerberge, das prächtige Tivoli das muß man «er selbst sehen, da» läßt sich nicht schllderu l Thildchm, *® mußt Du sehen 1 Nicht wahr, Dn besuchst mich ^irsm Winter? WaS häll Dich denn dort zurück?../ . »Gott behüte mch glückliche Kreaturen*, unter- M die Geheimrättu die Vorleseri» enthusiastisch.

»Ja, was hält euch dmu zurück? Ihr habt leinen brummigen Ehemann, kein Hans voll Kinder, die alle Tage heiraten wollen, leinen Kopf voll Sorge» einer HanSfran und Mutter. Dn mußt sie besuchen, Thildchm. Lies weiter! D» mußt Deine Freihett genießen. Lies »eitet/

--Von Rom ging es weiter »ach dem schönen

Neapel mit seinen Naturwnuder», feinen malerische» Küsten, seinen allen Kratern und smerspeimden Bergen, seinen nntergegongenen und wieder anSge» grabme» Städten. Und was soll ich Dir erst über die Meerfahrt sage», die n»S über Corsn nnd Athen nach Palästina brachte? Wa» über Jemsalern nnd Damaskus, über die ganze Wuaderwell des Orients? Du mußt das alles selbst sehe», mein Herz! Und nun bin ich hier in Aegypten nach achtwöchentlicher Fahrt. Ich habe die Pyramiden gesehen, bin ans dem Nil gesahrm, ans dem Helligen Nil nnd habe unter der weltberühmte» Sphinx vo» Gizeh gefrühstückt. Ich kau» nicht mehr schreibe», die Hitze drückt zu sürcherlich. Komme uur bald, bald in die Arme Deiner Dich liebmdm Äonfine

Jesfie Doodle.

,P. 8. Anbei »och meine Photographie als Orientalin. Da» Kostüm ist durch an» echt, hier am Otte gekauft. Ich denke eS später einmal in London al» Maskenkostüm zu tragen/

Frau Geheimrättu Samen bemächtigte sich hastig der Photographie, befichttgte sie eingehend nnd machte über die Echtheit deS Kostüms, über die Tracht der orientalischen Frauen überhaupt, und über die funkelnden Augen JesfieS, die lebhaft a»S den Sefichtsschleietu herausblitzten, im Besonderen ihre Bemerkungen.

»Na, sie wird auch schöne Abmtmer unterwegs erlebt habe». Gott, vmß dar herrlich fetal* ereiferte sich die Geheirnrätia Wetter, dea» wenn sie auch KraukhettS halber dm Winter ta Aegypten znbrtagm soll, so ist sie doch nicht so krank, um ans alle kleine Znsälligktttm, die eine solche Reise natürlich rntt sich dring« muß, Verzicht« z» müsse». Sie wird sich

angemeldet waren. Auch in Prostken ist die russische Zufuhr groß. Wie an» Posen gemeldet wttd, be­trägt gegenwättig die tägliche Einfuhr von Getreide über das Zollamt Strzelkowo 20 000 bi» 25 000 Zentner. Sie wird bis heute noch um ein Be- deutmdes steigen. Bon den gewerblichen und den zum erstm Male mit einem vollen Betrieb-jahre in Betracht kommenden landwirtschaftlichen Berufsge­nossenschaften find alSUnfallSenischädigunge« im Jahre 1890 fast 20 Mill. Mk. gezahlt worden. Welchen Schaden die deutsche Industrie durch die hohen amerikanischen Zölle hat. Aus Chemnitz wird geschtteben: Die Mrkungen der Mac Kinley-Bill, welche im letzten Quartale deS Vorjahres noch keineswegs vollständig zu Tage traten, sind erst jetzt ttchtig zu übersehm. Der Rückgang, welchen die Ausfuhr auS dem Bezirk des hiesig« Konsulat» der Vereinigt« Staat« «ach Nordamettka in de« erst« sieben Monate« diese» Jahre» erfahre« hat, ist ein ganz gewalttger und beziffett sich nach zuver- lässigen Mitteilungen auf etwa 12 Millionen Mark gegenüber demselben Zeiträume de» Vorjahre». Das bedeutet gegen früher ein« Ausfall von etwa 50 Prozent. Der Entwurf eine» sogenannten Trunksucht» - Gesetze», d. h. eines Gesetzes betreffend die Bekämpfung deS Mißbrauchs geistiger Getränke, ist, wie bekannt, fertig gestellt und wird zweifellos einer der ersten Gegenstände sein, die den BundeSrat nach der Wiederaufnahme seiner Thätig- keit beschäfttg« werde». Wie weiter bekannt wird, ist dem Entwurf eine sehr umfaffmde Vorbereitung vorangegong«. Mau hat frühere Arbeit«, qyf dem­selben Gebiete und zahlreiche Gutachtm Wissenschaft, licher Autoritäten zu Rate gezogen und sich an die einschlägige Gesetzgebung in anderen Ländern, bezw. an die Erfahrungen gehalten, welche mit derselben gemacht worden find. Die Reichsregierung übersieht, wie es heißy kemelwegS die großen Schwierigktttm, welche dem gesetzgebettschm Stoffe entgegenstanden und zum Tell noch fortbrstehen; sie glaubt indessen, durch die bevorstehenden Erörterungen im Bundes­rat und im Reichstage demselben begegnen zu können, und beabsichttgt im wetteren, beit Entwurf auch der öffentlichen Kritll zugänglich zu machen, um weitere Gesichtspunkte für eine erschöpfende Bekämpfung der durch den Mißbrauch geistiger Getränke hervor­getretenen Uebelstände zu gewinnen. Aus Bukumbia (Viktoria-See) ist ein Brief des rheinischen Pater- Schyose eingetroffen, worin derselbe mttteilt, daß Emin Pascha abmarschiett sei, wohin wisse er nicht, ebenso w«ig, ob er bald zurückkommt. Zu­

schon amüsiert hab«; sie ist ein kleines lebhaftes, mutwilliges Ding, ich lernte sie und ich sage Wetter nichts, als sie wird sich schon amüstett haben.*

In den Augen Mathilden» blitzte es lustig auf und um ihren hübsch« vollen Mund spiette ein ver­gnügliches Lächeln. Sie wußte, daß sich Jesfie amüstett haben mußte wie sollte es denn sonst ander» sein? Gott, was mußte sie nicht für allerhand Abenteuer gehabt hab«, zu Wasser und zu Lande! Ach ja, eine solche Reise mußte herrlich, herrlich fetal

»Nun also, wann wirst Du sie besuche»?* fragte ihre Tante plötzlich nach einer längeren Rede, auf die sie nicht sonderlich acht gegeben hatte.

»Aber Xante, ich kann doch eine so wette Reise nicht mach«!* sagte sie wie erschrocken.

»Da hab« Wirtz wieder! Wir stad das sklavische Geschlecht, gehör«, unsere Jugend und unser ganzes Leb« innerhalb unserer vier Pfähle zu bertranern, zu versauern, ta des Tages sorgendem Einerlei alt nnb grau gu werd«, einem grieSgrämlich« Ehe» Herrn anfznwarten. Ach, dn goldene Freihett! Schmachtest Dn viellttcht auch schon wieder in tage» nannten LtebeSbauden?*

Frau Mathilde Edlar wurde Über und Über rot, trat rasch vom Fenster weg, nm ihre Röte zu »er» berg« und sagte hastig:

»Aber Taute!*

»Nun, was wäre denn weiter dabei? Dein Manu ist nun drei Jahre tot und Du siehst nicht so aus, als ob Du ewig trauern müßtest. Es hätte auch kein« Stau. Aber nimm Dich ta acht, Kind, nimm Deine goldene Freihett ta acht. Du bist noch taug, Du bist hübsch, Du bist unabhängig. Eta Ehejoch steht mitunter wunderhübsch auS, aber vergiß nicht, daß es eb« doch ein Joch ist. Watte e» ab! Du hast Nichte versäumt, wenn Du Deine Freihett erst genießest. Machen eS denn die gottlos« Männer nicht auch so? Warte e» ab, meta Herz! Mußt Du denn gleich Sonntag hettat«? Hat daS nicht Zett bi» Montag ober Dienstag ober Mittwoch.. /

letzt teilt derselbe mit, daß eS in feiner Mission gut steht. Soeben bringt derVorwärts* einen Leitartikel überdie vaterlandslose Sozialdemo, kratie", wottn auSgeführt wird, daß die Staat»« regiernng im Ktteg-folle auf die sozialdemokratische Pattet nicht zähl« dürfe, selbst nicht für dm Fall, daß es sich um die Abwehr eine» Angriffes handele, wttl da» Volk in Frage» der äußeren Politik und bei dem Friedensschlüsse nicht mit zu reden habe. Auch berichtet die» Centralorgan, daß am 11. dS. der Genosse Pirch in einer Charlottenburger Partei­versammlung geäußert habe:Der (im neuen Pro« grammentwurfe mthaliene) Hinwei» darauf, daß der GroßkapttaliSmu» die Kleinen ausfreffe, sehe beiuahe so au», al» ob die Sozialdemokraten die» bedauern; ihnen könne aber an der Erhaltung de» Zwergbe« ttiebeS auch nicht das Geringste gelegen sein."

Entgegen der kürzlich« Meldung der B. Pol. Nachr/, daß die geplante Regelung der Gehälter der höheren Lehrer an der Geldfrage zu schettern drohe, fühtt ein unverkennbar die Auffassung des Unterrichteminister» Grafen Zedlitz wiedergebender Artikel derNordd. Allg. Ztg." aus, der Minister fei fest entschlossen und die Finanz­verwaltung bereit, die Lösung der Gehaltefrage durch- zusührm. Der Arttkel lauttt: ES war in einem hiesigen Korrespondenzorgan vor kurzem eine Mit­teilung erfolgt, in welcher die Schwierigketten, die der Aufbesserung der Stellung der Lehrer an den höher« Lehranstalten mtgegenstehe», in einer Weise hervorgehoben wurd«, daß in den betreffmden Be- rufskreism daraus gefolgert worden ist, es machten sich an irgmd einer Stelle innerhalb der Staate- ministeriumS Einflüsse von so großer Bedeutung geltend, um die Förderung der Angelegmhett einst­weilen unmöglich erscheinen zu lass«. Ist eine solche Annahme schon aus rein äußerlich« Gründ« unhaltbar, well der Zeitpunkt, zu welchem die ent­scheidenden Beratungen über die dem nächsten Land­tage zu machenden Vorlagen noch gar nicht einge­treten ist, so erweisen sich auch die für die Schwierig- keit der materiellen Regelung der Sache angefühtten Argumente als so wenig angebracht, daß eS als ab- solut anSgeschloflen gelt« muß, der verantworliche Leiter der preußischen Unterttchtsverwaltung werde sich hinter bet Aufgabe, Deckung für einen Mehr» bedarf» mehreren Millionen Mark jährlich zu schaffen, verstecken, nachbem er einmal feinen entschieden« Will« bekundet hat, eine so wichtige Sache wie der besseren Ordnung sowohl der inneren wie der äußeren Verhältnisse des Lehrerstandes in die Hand

»Tante, Dn bist unausstehlich mtt Deine« ewigen Sticheleien! Herr Doktor Sonntag denkt a» so etwa» gar nicht.*

»Was? Und bas sagst Du mit einer solch« Feuerglut im Gesicht? Möchtest ihm wohl lieber auf die Sprünge helfen? Ha, ha, nur nicht uugebuibig, Herzchen! Nur nicht wild! UebrigeuS, lehre mich b« Schulmeister nicht kennen! Das ist gerabe der rechte. Der hat'» hinter b« Ohre», aber faustdick!*

»Ach, Taute, bas nimm mir nicht übel, aber D» siehst überall Gespenster. Deine Befürchtung« nm um meine golbene Freihett ftab thöricht. Ich ver­sichere Dich, baß Herr Doktor Sonntag nicht daran denkt, sie ta irgend einer Weife zu bedrohen. Ich weiß e» ganz bestimmt.*

»Und ich versichere Dich, baß ich nicht bltab bin. Ober habe ich vielleicht nicht gesehen, tote er am Küustlerball fast nur mit Dir getanzt hat, baß er regelmäßig fast nur im Theater ist, wem» er weiß, baß er Dich dort trifft, daß er meine Mittwoche nur besucht, well er weiß, daß Du mich ebenfalls beehrst? Geh mir doch!*

Jetzt wurde aber Frau Hauptmann Edlar wirklich unwillig. Sie warf ein Album, ta dem fie ziemlich »ervös und aufgeregt blätterte, hastig auf den Tisch und tief ta einem fast zornig« Ton:

»Und ich sage Dir, Taute, baß Du Dich irrst! Wa» Du ba sagst, beruht burchauS ans müßiger Kombination, an ber webet ich noch Herr Doktor Sonntag auch uur im entfernteß« bie Schuld trägt, sondern uur Deine sehr üppige Phantasie. Unb ich beule, ich werbe Dir ba» wohl beweisen können.*

»Wodurch? Etwa durch Deine fliegende Röte im Gesicht oder durch Seine hitzige Aufregung? Thildchen, sei doch meta kluges Klub nnb bedenke, daß man dadurch am allerwenigst« beweist. Wenn Du keine ander« Beweismittel hast, so steht Dein Bettete sehr tttadig auS/

(Fortsetzung folgt.)