M 198.
Wöchenüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhai».
Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertage». — Ouartal-WonnementS-PreiS bei der Expedition 2 Mk-, bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Dienstag, 25. August 1891.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt mM-, Cassel, Magdeburg u.Wien; Rudolf Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. L. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
XXVL Jahrgang.
Bestellungen auf die
nebst Amtlichem Kreisblatt für die Kreise Marburg mrd Kirchhai« sowie MSriertem Sonntagsblatt werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern und der Expedition unseres Blattes (Marburg, Markt 21) fortwährend entgegengenommen.
Die große Herbstparade über das Berliner Gardekorps
hatte am Sonnabend einen grwalllgen Teil der Bewohner der Rrichshauptstadt mobilisiert. Die Wege zu Seiten bei Trmpelhofer Felde» waren von Tausenden von Schaulustigen schon am ftühen Morgen besetzt und gegen Mittag bildete sich auch auf dem ganzen, fast anderthalbstündigen Wege vom Paradeplatze bi» zum alten Schloß au der Spree eine unübersehbare Menschenkette, in welcher alle Stände vertreten waren. Außerdem waren Balkone, Erker, Fenster, Baugerüste und selbst die Dächer von Mannschaften besetzt. Der Kaiser »nd die Karserin, die am Freitag Abend aus Kiel abgeretst waren, fuhren bi» in die unmittelbare Nähe der Paradeausstellung, die vom kommandierenden General von Merrschridt-Hüllesiem befehligt wurde und stiegen dort zu Pferde. Der Kaiser trug die große Uniform eine» Generali der Infanterie, die Kaiserin den Unisormrock der Pasewalker Kürassiere und den weiten Rembrand-Hut mit wallender Feder. Der Monarch sieht tiefgebräunt aus und trägt in der That einen noch kurzen, aber dichten, dunkelbraunen Vollbart. Er sieht damit etwa» älter, zugleich aber auch — bei allem Ernst — freundlicher au». Die Aehnlich- keit zwischen dem Kaiser und seinem Vater, als dieser im gleichen Alter war, ist eine außerordentlich große. Höchstens wirken Augen und Stirn etwas anders; Kaiser Friedrich schaute etwa» schalkhaft drein, Kaiser Wilhelm hat einen ruhigen, festen Blick, die Augen blicken gerade und fest unter der hohen, ehernen Stirn hervor. Jm Uebrigen ist aber die GefichtSähnlichkett sehr groß und sie wird noch weit mehr zu Tage treten, wenn der Bollbart erst länger gewachsen ist. Nach dem Begrüßen der An- wesenden Fürstlichkeiten erfolgte der übliche Abritt der Front und dann ein zweimaliger Borbeimarfch.
(Nachdruck verboten.)
Spatsommrrfonne.
Novelle von Gertrude Frauke.
(Fortsetzung.)
»Dem Raube fügten Sie — da» Häßlichste am Manne — die Feigheit hinzu. — Heute uoch denke ich an Sie mit den Schauer», die ein verderbenbringender, unheilvoller Dämon nur ettflößt." — Diese Worte an» Jngeborg» Briefe, mit freßender Schärfe in feine Seele geätzt, vermochten noch einmal feine der« sagenden Kräfte auznstachelu. Nun, ei war sicherer Tod, den schweißgebadeten Körper tu das kalte Waffer »u tauchen — aber war gab er um sein verfehltes Leben! Jngeborg, die er beraubt, ihr Teuerstes retten — mir seinem Leben die Schnld sühnen, die sie nicht vergeben konnte — da» wollte er!
Ohne Befinuneu sprang er, das Kind hoch emporhaltend, in die Flut. Das katte Waffer drang bis an seine tu rtuneudeu Schweiß getauchte Brust. Ein furchtbarer Schwiudel — ein Stillsteheu all der rasend arbeitenden Maschine in ihm — dann wieder ein langsames Einsetzen bei verschlungenen Räderwerkes, das sein Leben bedevtete.
Der Fluß war nicht brett, er war hindurch. Nur »och Miauten, und er hatte sein Ziel erreicht. E Sing jetzt langsamer. Es war sonderbar ruhig und kalt in ihm. Die Zähne klapperten ihm, die »affen Kleider hauchten EtseSschaner in feine Glieder aus.
Am Ende der Allee schimmerte Helle» Licht. Aus Een Fenstern strahlte eS, als wenn ein Fest gefeiert würde. Er-sah dnnkle Gestalten ein- nud ansgeheu. Ein kleiner Männchen mit hoher, sonderbarer Mütze, einem laugen Spieß, einem allen Mantel mtt Doppel- krage» und kleinem Bleudldterncheu kam eben aus dem Lichtschein, den die Fenster wett aus die Sttaße warfen. Er setzte bai Horn an nnd tutete laut und nachdrücklich.
Viktor stellte da» erwachende Kind auf de» Boden »nd dehnte stöhnend die gelähmte» Armmuikel.
Beim zweiten Marsche setzte der Monarch sich selbst an die Spitze des Armeekorps und führte das- elbe an seiner Gemahlin vorüber. Dem General von Meerscheidt - Hülleffem wurde der Schwarze Adlerorden vom Kaiser persönlich überreicht, das Garde - Jäger - Bataillon erhiell ein Säkularfahnenband, welches vom obersten Kriegsherrn beim Abreiten der Front eigenhändig an die Fahnenstange des Bataillon» geheftet wurde. In der ersten Nachmittagsstunde zog der Kaiser an der Spitze der mit ihren historische» Blechkappe» er- chienenen Leibkompagnie de» ersten Garde-Regimente» in die Hauptstadt ein. Gegen früher war eine in» teresiante Aenderung getroffen. Der Monarch ritt bisher hinter der Regimentsmufik, umgeben von General-Adjutanten und Flügel-Adjutanten. Diesmal ritt der Kaiser ganz allein und erst späterhin folgte der Hauptmann der Leibkompagnie; die Ad- utanten befanden sich vor der Musik, und der zahllosen Menschenmenge war es somit ermöglicht, den Herrscher auf da» Genaueste iuS Auge zu faflen, zumal daS Marschtempo sehr langsam war. Der Jubelsturm beim Heranreiten deS ununterbrochen grüßenden Kaisers war überwältigend, und der allgemeine Ausspruch ging dahin, daß der Kaiser so gesund, wie nie zuvor, auSsehe, daß der neue Bart ihm vortrefflich stehe. Fünf Stunden hatte der Kaiser beständig im Sattel geseffen, der beste Beweis, daß von dem Knieleiden auch nicht die geringste Spur zurückgeblieben ist. Nachdem der Monarch die Galauniform im Schlöffe mit einem einfachen OffizierS- rock vertauscht, begab er sich in die RuhmeShalle, um die dort auSgestellen Entwürfe zum Kaiser Wilhelm-Nattonal-Denkmal in Augenschein zu nehmen. Der Kaiser prüfte die Entwürft der zum Wettbewerb zugelaffenen Künstler Proseffor Reinhold BegaS, Bruno Schmitz und Proseffor Schilling und Karl Hilger» sehr eingehend und versprach seinen wieder, holten Besuch. Am Nachmittage fand im Schlöffe da» übliche Parade-Diner statt, am Abend fiedelten beide Majestäten nach Potsdam über.
Butsches »eich.
Berlin, 24. August. Der Kaiser und die Kaiserin wohnten gestern Vormittag dem Gottesdienste in der Friedenskirche zu Potsdam bet und unternahmen am Nachmittage bei prächtigem Wetter auf der Dampsyacht „Alexandria" einen AuSflug nach der Psaueninsel. Heute Vormittag 11*/, Uhr oll die Reise nach Merseburg erfolgen. — Die
.Heda!» stieß er heiser heraus, .Wächter! Hier ist das Kind!'
Dau» blickte er, einen Stamm umklammernd, dem ans daS Hans zu Schreitende» mit starrem Blicke »ach. Nu» war die schwarze Gestalt ver. schwanden nnd jetzt — ein Schrei, so seltsam, durchdringend, daß sich des Lauschenden Haar emporsträubte. Wie BergeSlast fiel eS von feiner Brust. Ein mattes Lächelu flog über fei« Gesicht, das ein schwacher Widerschein ans den strahlende» Fenster» erhellte.
Und müde, wie ein alter Man», aus wankenden Füßen schrttt er davon nud verlor sich in dem Dnnke der schweigenden Nacht.
* .
Die kleine Hanna schlief mti roten Bäckchen lange und süß in dem verdunkelten Zimmer. Kein Lant im Hause. Ans leisen Sohlen nur kam das Fräulein von Zett zu Zeit herein, um uach der Schläfert» zu sehen. Noch lagen die Spuren der furchtbare» Nacht auf ihre» blaffe» Züge»; aber da» Glück hatte feine lichte» Farbe» darüberlasiert. Ei» Gemisch von Demut und Festigkett, der Sttahleuscheiu eine» groß« Sieges erhob den Ausdruck des edle» Frauen- kopfes zu idealer Höhe.
Endlich, da wieder ihre Augen sehnsüchtig aus dem schlummerudeu Geschöpfcheu lagen, hob dieses, als locke eS der LiebeSblick, langsam die Lider. .Mutter!* rief eS verträumt und streckte die Arme »ach ihr auS.
Jngeborg beugte sich hinab nud schob die Häude saust unter bas blonde Köpfchen. Seine stürmisch Zärtlichkeit verriet die heiß anfquellende Seligkett den Liebling unversehrt wieder in ihre« Armen zu hallen.
.Komm!' sagte sie, eS leise küffeud, .Du haf lange geschlaseu. Und der gute Manu, der Die» gesteru heimgebracht, hat noch keinen Dank! Wir wollen zn ihn: gehen l»
Kaiserlichen Majestäten begeben sich heute Montag nach Merseburg, um der Einladung der Provinz Sachsen zu entsprechen. Anwesend fein werden auch der Reichskanzler von Caprivi, die Minister von Bötticher und Berlepsch, der Präsident der Ober- rechnungSkammer von Wolff, früherer Oberpräsident i>er Provinz Sachsen, der Präsident deS Reichs- versicherungSamte» Bödicker u»d viele andere. — Die Kornpreise steigen an der Berliner Produktenbörse immer noch, obgleich allgemein konstatiert wird, daß ganz gewaltige Posten Brodkorn auf dem Wege nach Deutschland find, und das Erntewetter der letzten Tage recht befriedigend war. Man scheint die Preise unter allen Umständen hochhalten zu wollen. Auch in Dänemark wird beabsichtigt, so lange die Roggenpreise höher find als die Weizen- Preise, Wetzenbrode statt der bisherigen Roggenbrode zur Verpflegung der Armee zu verwenden. In Deutschland ist bekanntlich schon in der vorigen Woche der Ansang hiermit gemacht. — Eine Sensationsnachricht, die aber einen etwas abenteuerlichen Beigeschmack hat, bringt die .Köln. Ztg." aus Petersburg : „Gut unterrichtete Hoskreise erzählen al» Thal- fache, die Kaiserin von Rußland sei vollständig für den möglichst engen Anschluß an Frankreich. Ihr Einfluß sei wesentlich mitbestimmend bei der schwer erwirkte», nunmehr aber unerfchütterltchen Annäherung deS Zaren an Frankreich gewesen. Bet dieser Angelegenheit, bei welcher namentlich der russische Bot- chafter von Mohrenheim in Pari» eine große Rolle spielte, habe die Kaiserin mehr al» geborene dänische PrinzesW, denn als Zarin gehandelt, und die Zustimmung Franftetchs zu einer Verständigung vermittelt, wonach bei einem glücklich durch Rußland» Hllsr beendeten Kriege mit Deutschland die Rückgabe Schleswig» an Dänemark erfolgen solle.» Die Zarin hat sich bi»her nie um Politik gekümmert, und deshalb klingt die Meldung etwa» unwahrscheinlich. — Jetzt ist auch für daS Großfürstentum Finnland ein Roggen - Ausfuhrverbot erlaffen worden. — Zum Rücktritt des Fürsten BiSrnarck bringt die „Münch. Allg. Ztg.» folgende, offenbar vom Fürsten selbst herrührende Mitteilung: .Die »Nat. Ztg." begleitet de» Abdruck, einer von un» jüngst gebrachten Meldung, worin e» heißt, .daß Fürst Bismarck sein Abschiedsgesuch erst auf wiederholten kaiserlichen Befehl eingereicht habe", mit einem Fragezeichen. Somit ist der .Nat.-Ztg.' nicht bekannt, daß, nachdem Fürst Bismarck es abgelegt hatte, zu einem Vortrag über das vo» ihm einzureichende Abschiedsgesuch am 17. März nachmittags
Schnell »ar der Schlaf aus Hannas Auge». Sie stand behend auf ihre» Füße», ließ sich ruhig ankleide», ohne die tausend Späßchen, mit denen ste sonst diese langweilige Prozedur zu einem erheiternden Spiel machte, schlürfte hastig ihre Milch, nnd nicht lange, so lenkte» beide ihre Schritte »ach dem Walde, de» Jngeborg so lange gemieden.
N»n lag das Haus vor ihnen. Volles Grün überragte das Dach, die Sonne flimmerte in rnnben Lichtern durch das Laub auf die sauber getünchte» Wällde. Jngeborg sah an mancherlei Zeichen, wie lange sie nicht hier gewesen.
Ein kleines, zierliches Fahrwerk, mtt einem glänzenden, braune» Rößleiu bespannt, hiell vor dem Gartenzann. Jngeborg kannte das Gefährt. .Der Doktor!• flüsterte ste erbleichend vor sich hi«. Wer war hier krank?
Alle süßpochenbe, angstvolle Freude war plötzlich an» ihrem Herze» entflohen. MU gespanntem Ausdruck spähte sie »ach den Fenstern. Langsame» Schrittes näherte sie sich dem Hause, die ungeduldig vorwärts strebende Hauua fest an der Hand zurück- hallend.
Da klang ein rascher, toenn auch vorsichtig ge> däwpfter Schritt im Flur und die breitschultrige, elastische Gestalt deS Doktor ReiuhauS trat aus die Schwelle. Er sprach znrückgewaudt leise mit dem allen Vogt, der ihm gefolgt war nud nun nickend wieder in das Dnukel des FlnreS zurücktrat.
Doktor ReiuhauS, soust bekannt durch die Hast, mtt der er seinen Rückzug zu nehme» pflegte, die ihn ost in nnfanfte Berührung mit Thürkanten nnd Schrankecken brachte, lavierte heute behutsam durch die schmale, nur in einem Flügel geöffnete Thür und kam mit langsame» Schritte»» einen nachdenkliche» Einst auf dem geseutteu, klugen Gesicht, de» soullige» Gartevsteig daher. Rasch trat Jngeborg näher.
.Wer ist hier krank, Herr Dodor?» fragte sie hastig.
Erstanut sah der junge Mau» aus. Er »ahm grüßend den Hut vo» Haupt.
im königlichen Schlöffe zu Berlin zu erscheinen, ihm gegen Abend durch den vom Kaiser entsendetest General v. Hahnke persönlich eröffnet wurde, daß Se. Majestät die Nnreichung des Abschiedsgesuch» erwarte. Fürst BiSmarck entgegnete, daß er nicht glaube, die Verantwortlichkeit für die Einreichung eines Abschiedsgesuche» im gegenwärtigen Augenblicke übernehmen zu können, im übrige» stehe eS ja Sr. Majestät frei, ihm den Abschied auch ohne Gesuch zu jeder Minute zu erteilen. Am folgende» Rotgen erschien der Chef des Zivllkabinetts, Wirk!.
Geh. Rat v. Lucanus, mit dem gleichen Auftrage, daß der Kaiser der Einsendung de» Abschiedsgesuche» m Laufe des Tage» entgegensehe. Fürst Bismarck erwiderte, daß er dazu Zeit brauche, könne dieselbe nicht abgewartet werden, so möge man ihm den Abschied ohne Gesuch geben. Am Abend des 18, März erfolgte dann die Einsendung des ausführlich motivierten Abschiedsgesuches. Dieser Sachverhall, an dessen Richtigkeit wohl kein Zweifel besteht, recht- ertigt die Auffassung, daß die Einreichung des Ab- chiedsgesucheS auf wiederholten kaiserlichen Befehl geschehen sei." —■. Bisher ist über die Beratungen und die Ergebnisse der deutschen Handwerker-Konferenz, welche vom 15.—17. Juni n Berlin zwischen Vertretern des ReichSamtS de» Innern sowie des Minister» für Handel und Gewerbe und den Delegierten des Handwerkerstände» abgehalten wurde, nicht- in die Oeffenllichkeit gedrungen. Jetzt gelegenllich der Abhaltung de» deutschen Tischlertages in Caffel gab Herr Ring-« Köln, welcher der Konferenz als Delegierter ange- jörte, seinen Kollegen in öffentlicher Versammlung einige Aufschlüffe. Herr Rings (welcher nur seine persönlichen Eindrücke schllderte, weitere- dürfe et richt mitteilen, erklärte er) glaubt, daß der Befähigungsnachweis, wie ihn der Retch»tag beschloffen habe, nicht die Zustimmung der Regierung erhalte» werde, doch scheine es im Werke zu liegen, daß nur denjenigen gestattet werde, Lehrlinge auszubilden, welche auch wirklich die Befähigung dazu habe», bezw. nachweisen können. Ferner werde man etwas zu erwarten haben, wonach man schon lange gestrebt, nämlich eine gesetzliche Vertretung de» Handwerks in Form von Handwerker-Kammern, Er glaube, daß die Regierung damit umgehe, solche schon in absehbarer Zeit zu errichten. — In einem Artikel, „die Arbeiter von heute", schreibt die „Köln. Ztg.": „ES giebt vielleicht noch einen guten, unverdorbenen Kern, und die beffern Arbetter sind vielleicht zahlreicher, als mancher meint. Aber
.Der Herr Oberförster liegt an einer gefährlichen Lungenentzündung danieder', sagte er, mit seinen scharfe», grauen Augen ihr Gesicht durchdringend.
Alle Farbe wich von ihren Wangen. Sie trat taumelnd einen Schritt zurück uud hiell einen Augenblick die Hände vor ihr Gesicht. AIS fie ste wieder herabnahm, stand ein fester Entschluß um ihre Lippen.
.Hat er gute Pflege?» fragte fie kurz.
Er zuckte die Achseln.
»Leider nein!» meinte er bedauernd. .Der alte biedere Vogt hat nicht das mindeste Zeug zum Krankenpfleger, so gut er'S meint. Die junge Vögtin ist aber feit kurzem ebenfalls krank. Ihre Schwester, ein sechzehnjährige», leichtsinniges Ding, sollte den Haushalt versehen, bis fie wieder auf deu Füßen ist. einen so schwer Kranken kann ich ihr aber nicht an- vertrauen. Ich wollte eben in die Stadt zurück, um eine vorläufige Hilfe aufzutreiben. Die beiden geprüften Krankenpflegeriuueu find leider — wie ich weiß — beschäftigt--»
Er zögerte und blickte ihr wieder mit dem eigenen Ausdruck iuS Auge. Sie hob laugfam die Hand und legte ste fest auf feinen Arm.
„Bemühen Sie fich nicht!" sagte fie ruhig. .Die Hilfe ist gefunden. Sie wissen, daß die Krankenpflege seit Jahren mein Beruf ist.» Nun flutete eine heiße Blntwelle über ihr Gesicht. »Daß der Kranke mir einmal nahe gestanden, ändert au meinen Pflichten gegen den Nebenmenschen nichts.»
Er beugte fich auf ihre Hand hinab und küßte fie, während doch wieder der trübe Ausdruck sein noch eben erhelltes Gesicht verdüsterte. Sie bemerkte eS.
»Ist denn keine Hoffnung?»fragte fiemit brechender Stimme.
Er sah achselzuckend zu Boden, um ihren Blick zu vermeiden.
.Er ist ein. Riese au Widerstandskraft», sagte er ausweichend. .Aber es ist eine sehr schwere Attaque. Schon lange hat er mtt nicht gefallen. DaS war nicht mehr der alte «entmensch, bei dessen Anblick