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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler m Frankfurt O.M., Toffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXVI Moffe in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; B. L Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn, und A .
Feiertagen. — Ouartal-MonnementS-PreiS bei der Expe» ZVlUL VUrU i
dition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. •»’
Bestellgeld). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 21. SlUflllft 1891
10 Pfg., Reklamen für die Zeile 2b Pfg. **MBUI*
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|, Wöchenlliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. tion: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Äug. Koch.
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Berlin, 20. Ang. Kaiser Wilhelm hat gestern morgen zum ersten mal wieder ein Pferd bestiegen und ist in der Kieler Reitbahn längere Zeit mit der Kaiserin spazieren geritten. Später arbeitete der Kaiser mit dem Reichskanzler v. Caprivi, der am Nachmittag nach Berlin zurückfuhr, sowie mit dem Admiral v. Hollen und dem Geheimrat v. Lu- conul. Mittags um 1 Uhr begab sich der Monarch an Bord deS Panzerschiffes „Bayern", wo er das Frühstück beim Vizeadmiral Deinhardt einnahm. Hieran schloß sich eine Segelfahrt mit der Dacht .Meteor." Am Freitag reisen der Kaiser und die
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Kaiserin nach Berlin zurück, wo am Sonnabend die Parade über das Gardekorps abgehalten werden wird, — Wie Berliner Zeitungen melden, wird die Königin und die Königin-Regentin der Niederlande im Laufe deS MonatS September dem deutschen Kaiser einen Gegenbesuch abstarten. — Infolge der Steigerung de» RoggevpreiseS erhöhten die Brennereibesitzer de» Regierungsbezirks Düffel- darf den Branntweinpreis um 8 Mk. pro Hektoliter. — Seitens der Provinzialsteuerbehörde in BreSlau ist dem Dampfmühlen-Etabliffement von Fiedler und Glaser in Kattowitz die Errichtung einer Niederlage für ausländische» Getreide in seinen eigenen Räumen bewilligt worden. Da» Getreide gelangt ohne EingangSzoll nach Kattowitz und befindet sich unter Verschluß der Steuerbehörde und des Getreide-Eigentümers und wird erst dann verzollt, wenn e» im Inland« zum Verbrauch gelangt. In» Ausland zurückkehrende» Getreide bleibt zollfrei." — Aus Anlaß eine» Spezialfalles hat der Kultusminister jüngst die Entscheidung getroffen, daß die Lehrer an den in Rettungsanstalten bestehenden Schulen als öffentliche BolkSschullehrer tat Sinne deS PenfionSgesetzeS vom 6. Juli 1885 nicht angesehen werden. Der Minister hat sei» Bedauern darüber au-gedrückt, daß diese Härte z. Z. nicht zu ändern sei, indes soll bei einer künftigen Gesetzgebung eine angemeffene Regelung der Rechtsverhältnisse derselben in» Auge gefaßt werde».—Der Major v. Francois ist aus Südwest-Afrika eingetroffen. Derselbe fuhr zu Anfang dieses Jahres zusammen mit dem der Echutztruppe attachierten Prewierleutnant v. Bülow nach Südwrst-Afrtka und traf am 12. Februar in Walfischbai ein. Er benutzte einen längeren Urlaub, um eine Reise nach dem südwestasrikanischen Schutzgebiete zum Besuche seiner daselbst befindlichen Brüder zu unternehmen. — Major von Wißmann,
(Nachdruck verboten.)
Spätsommersonne.
Novelle von Gertrude Frauke.
(Fortsetzung.)
Eta schwerfälliger Tritt knirscht aus dem KieS brS Gartenweges. Die beiden gelben Kobolde hasten vit den verrenkte«, kurzen Beinen ans den Ankommende« zu, sprtageu wild au ihm empor und vtuseln im Urbermaß der Frende.
,Nu, nu l" wehrt der Forstwart ab, drffe» lederne Haut iuzwischeu noch brauner nud faltiger geworden, »vertracktes, wildes Lolkl Bahn frei! — Soust — l" Stu Pfiff ertönt vom Hanse her. Wie der Blitz find ste beiseite, gehen manierlich, wenn anch in Schlaugeu- Viuduvgen ans ihren knrze» Füßen mrd um dar aalglatte, goldschimmerude Schwänzlein zeigt noch das leidenschaftliche Tempo ihrer Freude au.
Die hohe Gestalt des Oberförsters erscheint im «ahmen der Thür. Er hängt eben noch das Gewehr aber die Schuller. .Sie find pünttlich, Bogt!" sagt « wtt ruhiger Freuudlichkett uud bann stülpt er die töne Mütze auf das lockige Haar uud tritt hinaus.
»Zu Befehl, Herr Oberförster I" antwortet dieser, »llud Sie auch. Me immer. Das ist aber auch tat Morgen! *8 hat ein wenig gettöpfell in der Früh 's geht 'N Biffel der Wiud. 'S prächtigste Jagdvetter, da» man sich denken kamt, Herr Ober» sörster!'
Viktor nah« bat ungeduldig wiuseludeu Hund au die Leim, — nicht mehr die branugefleckte Koro, sondern einen ihrer Söhne, ein junger, starke» Tier — wie» dar kleine gelbe Kropzeug ins Haus nnd schlug vft dem Sefährteu einen vom Hanptweg sich ab« Zeigenden schmalen Pfad-ein, der tief ta die Dickungen der Forst führte.
Die Sowie blitzte dmch die vänwe, deren junge» «ub tn dnrchfichtigem Grün schimmerte. Birken, ««en weiße Stämme lenchtetea, wechsellen tust silber. graue», atlaSgläuzendr« Bucheustämmeu. Alle dunkle«
welcher in Aden angekommen ist, wo er auf dem Dampfer der Deutsch-Oftafrikanischen-Linie wartet, wird die ihm zur Verfügung stehende Zett »och benutzen, um dort Maultiere zu taufen, mit denen er einen Versuch wagen will. Die Pferde, welche bisher bei der Schuvtruppe zur Verwendung kamen, sind bald abgeschafft worden, dagegen hat sich das zähere Maultier gut bewährt. Das indische Zugvieh, welches die Engländer nach Mombas einführten, hat sich deS dortigen Klima» wegen nicht halten können. — In München haben die Handelsvertrags- Verhandlungen zwischen Italien, Deutschland und Oesterreich-Ungarn ihre» Anfang genommen, und es wird bekanntlich gehofft, daß dieselben glatt verlaufen werden. Wie man in Rom allgemein behauptet, wären Italien, besonders von feiten Deutsch- lands, sehr wichtige Zugeständnisse betreffs der Einfuhr von Trauben und Wein gemacht worden, so daß man für den italienischen Wein die Eröffnung einer sehr reichen Absatzquelle in Deutschland vor- auSsetzen könne. Bon feiten Oesterreich - Ungarn» wurden Italien gleichfalls wertvolle Zugeständniffe gemacht. Nach Beendigung der Berhandlungen mit Oesterreich-Ungarn werden von fetten Italien» sofort jene mit der Schweiz ausgenommen werden, da man allgemein hofft, daß bi» dahin auch zwischen Oesterreich-Ungarn und der Schweiz eine Verständigung erfolgt sein werde. Nach Abschluß der Handelsverträge mit dem deutsche» Reiche, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz gedenkt Italien sofort gleiche Verhandlungen mit Spanien, Portugal und Rumänien anzuknüpfen, und man hofft, daß mit Ablauf de» Jahre» auch die Unterhandlungen mit der Türkei und Bulgarien zu einem günstigen Abschluß gelangt sein werden.
— (D i e Hypothekenbewegung im preußischen Staate.) In dem ersten Halbjahrhefte der „Zeitschrift deS Königlich preußischen Statistischen Bureau»" werden Mitteilungen Über Eintragung und Löschung von Hypotheken im Jahre 1889/90 veröffentlicht. E» läßt sich nunmehr du Zeitraum von vier Jahre» Übersehe». Nach den Ermittelunge» de» Jahre» 1889/90 sind in de» städtischen Bezirken während dieses Jahres 1484586 513 Mk. Hypotheken neu eingetragen und 670 014 097 Mk. gelöscht worden. Dagegen wurden in den ländlichen Bezirken 651 932 579 Mk. Hypotheken eingettagen und 472800 611 Mk. gelöscht. Die Eintragungen neuer Hypotheken übersteigen also die Löschungen in de» städtischen Bezirken um 814,58 Millionen Mark, in den ländlichen um 179,13 Millionen Mark. Da» Jahr 1889/90
Schatte« schiene« aufgelöst ta dem sausten, ltchtge- träullen Schein.
Mit tiefatmender Brust schrttteu die Jagdgeuoffeu durch de« Dust, der riugS«m, vom Beben, au» bett Lüften, von allen Zweigen zu kommen schien. Bet« stehlen gab sich ber Oberförster dem Zauber ber köstlichen Stunbe hin.
Der alle eingefleischte Realist neben ihm aber empfanb nichts al» bas sinnliche Wohlbehagen an ber linben Lust, bie seinen allen Knochen güt that, und bie Befriedigung über das auSgesncht schöne Jagdwetter. Behaglich tönte sei» gutmütiges Geschwätz, auf baS ber Oberförster um mit halbe« Ohr hörte.
.Heut müffeu'S bas Seltteh auf'S Koru nehme», Herr Obersötsterl" metateerwichtig. .Hab's gestern wieder auSgespürt. Droben beim Wriher wechselt eS all' Abend, 's ist wahrhaftig baS nämliche, da» der junge Graf Berkau bet dem großen Treiben vor zwei Jahren angeschweißt hat. 'S mvß freilich «ur ein leichter Blattschuß gewesen fein, benn bie Gicke entkam, lahmt aber seitbem nud ist auch gell geblieben. Hat nun lange genug ihre Schonzeit genoffen. Ist das Vieh doch so dreist geworben, baß eS mich Lugenb nud windend herankommm ließ bis auf dreißig Schritt. Und bann langsam nnb vertrant — empfehl' mich! MS gäb'S kein Pulver nnb Blei auf ber Well. Ich hält' sie gleich anf’8 Koru genommen, aber ber Herr Oberförster mögen ja selbst sehen--*
Er blickte mit pfiffigem Lächeln ta baS Gesicht beS Vorgesetzten.
»Nun ja', sagte dieser, ,e» geht mir gegen den Strich, die Ricke« vegzuputzeu. Wenn fie aber gelt ist —•
»Sell zwei Jahre«, Herr Oberförster!' sagte Vogt eifrig. „Ich leist' einen heiligen Eid drauf, daß es die nämliche ist. — Und 'S ist ja jetzt keine so not »ehr wie früher! Unser Wlldstand kann sich blicken laffen! Potz tausend! So ein Staat! — llud dazumal, Herr Obvcförster! Jemine! — Wie mir alle»
weist bei ben städtische», wie bei den ländlichen Bezirken de» größten Ueberschuß der Eintragungen über die Löschungen auf. Was speziell die städti- scheu Bezirke anbetrifft, so hat da» Jahr 1889/90 beinahe eine doppelte Mehrbelastung im Vergleiche zum Jahre 1886/87 ergeben. Die Zeitschrift des Königlichen Statistischen Bureau» bemerd indeß hierzu: „So ungeheuer die Steigerung der Mehrbelastung des städtischen Grundbesitzes ist, so läßt sich eine Zunahme der verhältnismäßigen Verschuldung de» städtischen Grundbesitzes au» derselben noch nicht ohne weiteres folgern, da anerkannter- maßen der Bodenwert des letzteren im allgemeinen sowohl wie ganz besonders in Berlin und den Nach- barstädtrn während der letzten Jahre eine ganz beträchtliche, ziffermäßtg sreillch nicht sicher nachweisbare Erhöhung erfahren hat." Die Mehrbelastung des ländlichen Grundbesitzes ist gleichfalls eine stetig fortschreitende gewesen. Der VerkansSweri deS ländlichen Grundbesitzes ist aber bekanntermaßen nicht gestiegen, sondern gesunken; aber selbst bei gleichgebltebenem Verkauf-werte dürfte noch ziemlich sicher auf einen gesunkenen Ertrag-wert geschloffen werden, weil es bei dem erniedrigten Zin-suße eine geringere Rente ist, welche de» gleiche» Kapitalwert darstellt. Dem steht nun freilich ganz zweifellos eine beträchttiche Ersparnis a» Zinsen gegenüber. Indes läßt sich über die wirtschaftliche Bedeutung der Mehrbelastung kein abschließende- Urteil fällen, so lange die Gesamtverschuldung de- ländltchen Grundbesitzes und deren Verhältnis zum Bodenwert nicht seststeht. — Die Berichte der Amtsgerichte, welche den Mittellungen Über die Hypothekenbewegung beigefügt find, mache» zumteil auch Be- merkuuge» übet die Ursachen. Aus diesen ergiebt sich, daß die außerordentliche Zunahme des Ueber- schuffeS der Eintragungen über die Löschungen im Jahre 1889/90 einmal auf die Mißernte in vielen Kreisen zurückzuführen ist, sodann aber, daß die Zunahme ber Eintragungen in den meisten Teilen de» Staatsgebietes, namentlich im Westen, wesentlich mit der Erleichterung deS Realkredit- zusammenhängt und insofern auch keine Verschlechterung der Lage des Grundbesitze- bedeutet. Uebereinstimmend wird ferner die Zunahme der Belastung auf die Eintragung von Erbteilen und Restkaufgeldern zurückgeführt. Da- Statistische Bureau fa&t da- Gesamtergebnis des Jahres dahin zusammen, daß die Entwickelung im allgemeine», wie schon im Vorjahre, tat Westen eine bessere, im Osten dagegen eine ungünstigere gewesen ist.
wieder beifällt! Gnad' so'« Tag war'S ja, da wir selbander durch die Forst ginge«. Nicht» wie Wüstenei 1 Alle» verschimpfinl!'
Er lachte plötzlich vor sich hi« ta feinen struppigen, grauen Bart. „Den nämlichen Tag war'S ja auch, da nu» der Erzränber, der Wotan vom Oberst von Welliu begegnete. So ein Spaß! Wie die Kota dem das Tuch ans der Halsung nimmt nnb bas große Satansvieh steht wie verbonnert! Ein StaatShnud, bie Sota! Und auch ber Wotan, wenn ich dem anch nie grün war — 'S ist boch schab' nm ihn!'
Eine dunkle Wolke ist über beS Oberförster» Gesicht geflogen, doch der stumpfsinnige Alle mnkt nichts davon.
«Daß eS dem Fräulein so nahe gehen würde!' fährt er fort Dann unterbricht er sich plötzlich und bleibt stehen. „Aber haben'S denn schon gehört daß da» Fräulein wieder hin ist im Rodenwalde?"
Den Oberförster durchzuckt eS wie ein Blitz, feine Füße wurzeln am Boden. Das Besicht ist aschfahl geworden. „So?' kam eS tonlos von feinen Lippen.
.Sestern nacht ist sie gekommen. D» alte Braun, heißt eS, läge tat Sterben. Und die Kätzler« ist wie närrisch, wenn fie nur von Kranksein Höri. Sie hat denn Briefe Aber Briefe znsammengemall. Das Fräulein ober konnte nicht abkommen. Aber vie's nu gauz plötzlich zu Sud' ging und die Sätzleru ta ihrer Seelenangst depeschiert, da hat fie sich doch loSgemacht. Eie tonnt' dem Allen gnad' noch die Augen Mdrücken. Das Fräulein ist aber nicht allein gewesen. Eta klein niedlich Dtagchen von so fünf Jahren ist mit ihr gekommen. SS soll ihr Pflege- ktad fein.'
Dn Oberförster schwieg. Sein Herz hämmerte so laut, daß ihm der Me« versagte. Dem Allen abn war'S gerade recht, ungestört seine Nenigketten anSkramen zu können.
.Denke«'» «m, Herr Obnförsterl Das Fräuleta hat gleich viedn fortgewollt 68 paßt ihr hier nicht ta de« enge« Vnhälluiffen. 6» heißt ja, fie fei
— (Die Frachtermäßigung für landwirtschaftliche Produkte). Hinsichtlich ber tat .Reichsanzeiger" kürzlich angekündigten Herabsetzung ber Eisenbahn - Tarife für Getteide und Mühlenfabrikate auf den Strecken der preußischen Staatsbahnen wird mttgeteilt, daß die Einführung eines allgemeinen Au-nahmetarife» bereits am 1. September b. Js. erfolgt. Dieser Ausnahmetarif umfaßt bie Artikel: 1. Getreide aller Art, als Weizen, Roggen, Gerste, Hafn, Mai» (Kukuruz); Hirse und Buchweizen, ferner Hülsenfrüchte (auch geschälte); 2. Mühlenfabrikate (Mehl aus Getreide und Hülsenfrüchten, auch Braunmehl, Spelz- und Griesmehl, Gerstenmehl, Maismehl, Graupen, Grütze, Gries, gerollte Gerste, geschrotet»«- Getreide und Futtermehl). Er gelangt vorläufig nur in ben Lokal- unb Wechsel-Verkehren ber preußischen Staatsbahnen nnb zwar für Entfernungen über 200 Klm. zur Einführung. Auf Entfernungen unter 200 Klm. bleiben bie normalen Sätze in Kraft. Die bereits bestehenben besonberen, wie aCgemeinen Ausnahme» tartse für Betreibe unb Mühlenfabrikate, soweit biesrlben billiger finb, beziehentlich Artikel enthalten, welche in bem neuen allgemeinen Ausnahmetarif nicht Ausnahme gefunben haben, bleiben bomben bis auf weitere» in Gültigkeit. Dem Vernehmen nach sollen außer Preußen auch biejenigen deutschen Bundesstaaten» welche Staatseisenbahnen besitzen, seitens des Reichskanzlers um Ausnahme der gleichen Tarife ersucht worden sein.
Kiel, 19. August. Da» Deutsche Manöver« geschwaber lief gestern früher als erwartet in den hiesigen Hafen ein. Ilm 31/* Uhr nachmittags ber» kündete Salut ber Standbatterie FriedrichSort das Nahen der .Hohenzollern" mit bem Kaiserpaar an Bord, unb einige Minuten später tauchte bie schmucke Yacht, welche mit ihrem Weißen Anstrich, ben bie Sonne hell beleuchtete, weithin sichtbar war, am Horizont auf. Die Kaiserstanbarte flatterte am Großtopp. In einem Abstanb von ca. 1000 Metern folgte bie Ma> överflstte, au» ben mächtigen Schloten ben Rauch stoßend, der zeitweise die Umriffe beS Schiffe» kaum erkennen ließ. Auf ber Höhe von Pikenborf brach sich bie Sonne Bahn, unb nun bot sich ein entzückender Anblick bar. I» langer Kiellinie nahte die ansehnliche Flotte, zuerst das Manöver- geschwader. Von diesem vorauf fuhr die AuSfall- korvette .Baben", bie ben Kommodorestander des Geschwaderchef», Vizeadmiral Deinhardt, im Topp führte, dann folgte .Bayern", .Oldenburg", diesem zur Seite der Aviso .Ziethen" und der neue Panzer .Siegfried".
Vorsteherin eines großen KraukeuhauseS ta W. uud die ganze Stadt solle fie wegen ihrer Gutthate» verehren. Nau, aus der Hebung sollte fie hier auch uicht komme«. Deuu die Kätzler«, soust so gesuud wie eta Fisch, hat sich wohl mit der Augst uud de« Nachtwachen übernommen; ober ist'- auch um die Gewohnheit, die solch alles Gespann im Leben und Sterben znsammeuhätt — eS soll schlimm mtt ihr stehen.'
Länger hielt der Oberförster uicht Staub. Er mußte alleiu sei«, um das so plötzlich aas ihu Eiudrtageube mit sich abzumachell.
Mit mühsam beherrschter Stimme gab er dem alten Schwätzer einen Auftrag, der ihu von dessen Gegenwart Befreite.
„Hob vergeßt auch nicht die Fuchsfalle im Westerberger Revier', fügte er hinzu. .Sonst brennt nu» der rote Räuber dmch uud läßt um feinen Lauf int Stich.' Mtt schnellen Schritten war er verschwunden.
Der Alte stand regungslos uud blickte ihm nach, ©einem schwerfällig arbeitenden Gehirn dämmerte eta überraschendes Licht auf.
»Na, auch ber scheint ja «och ta der Falle zu stecke»', brummte er tiefftanig. .Und ich alter Esel denk', er wär' längst entwischt uud hab' uur rin Stück Pelz im Stich gelassen. Daß es ihu «och so packen würd'! Mnß ich denn anch an die allen Geschichten rühren!'
Kopfschüttelnd, mtt wenig schmeichelhaften Ausdrücken stch seine Dummheü vorwerfend, überließ er sich tat Wetterschreiten seinem ungewohnte« Gedaukengaug.
Viktors Jagdlvst war verflogen. Aber er trag — eine ungeahnt köstliche Bente — das Herz voll nenervachter, zuversichtlicher Hoffuuugeu heim von diesem Morgeugang. Dem Jubel, der ihm die Brust ausbehute, vermochte keta Zweifel Stand zn halten. Jugeborgs Liebe, die fie ihm mit unerschütterlicher Treue durch ihre ganze Jugendzeit bewahrt, fie konnte wohl waukeu, aber nicht sterbe« an feiner übereilten That. (Fortsetzung folgt)