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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. sexkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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(Nachdruck verboten.)
Spätsommersonne.
Novelle von Gertrude Franke.
(Fortsetzung.)
Marburg,
Sonnabend, 15. August 1891
die Reichsverfassung ans Herz legen. Sie ist unvollkommen, aber sie mar das Aeußerste, was wir erreichen konnten. Pflegen Sie die Verfaffung, wachen Sie eifersüchtig darüber, daß die Rechte nicht ongetastet werde», die sie schützt. Ich bin kein Freund der Zentralisation, wie sie in Frankreich in Bezug auf Pari- besteht, ich sehe den Segen der Dezentralisation in dem Hervorbringen zahlreicher Kulturzentren, und ich halte die Egalisierung für so wenig nützlich, wie mich etwa das Verschwinden der verschiedenen Landestrachten freut. Noch einmal: wachen Sie über die Reichsverfaffung, selbst wenn sie Ihnen hier und da später nicht gefallen sollte. Raten Sie zu keiner Aenderung, mit der nicht alle Beteiligten einverstanden find. DaS ist die erste Bedingung der politischen Wohlfahrt deS Reiches. Gegenüber dem Auslande bin ich nicht besorgt. Alle Angriffe von Außen werden wie Hammerschläge auf uns wirken, unsere Einigkeit nur noch inniger und stärker machen. Im Innern aber halte ich für den locus minoris resistentiae die deutsche Neigung zur itio in partes, zum FrakttonS- und Parteiwesen. Diese Neigung liegt unS im Blute. Wie zwei Regimenter von verschiedener Uniform in einer Garnison leicht in Gegensatz zu einander geraten und wie früher die deutschen Einzelstaaten mit scheelen Blicken einander eifersüchtig überwachten, so ist es jetzt der Kampf der parlamentarischen Fraktionen und der verschiedenen politischen Parteien, der die einheitliche Entwickelung der Zukunft zu gefährden droht. Die Kluft zwischen den Fraktionen zu überbrücken, ist schwierig. Ich betrachte das ganze parlamentarische Fraktionswesen al» eine Krankheit, deren Bestand auf dem strebsamen Ehrgeize der Führer beruht, mit dem fie als politische Condottierie ihre Aussichten bald nach oben, bald nach unten zu verbeffern suchen. Bekämpfen Sie diese unglückliche Neigung zur itio in partes. Wenn wir zusammenhalten, werden wir den Teufel auS der Hölle schlagen. Eie müffen sich daran gewöhnen, tn jedem Deutschen zuerst den Landsmann, nicht den politischen Gegner zu sehen. Diese Bitte richte ich an Sie, als die Träger des nationalen Gedankens auf den deutschen Hochschulen, die den promethetschen Funken deS Nationalgefühls auf die künftigen Geschlechter übertragen." Zum Schluß trank der Fürst auf da» Blühen der deutschen Studentenschaft.
Fürst Bismarcks Rede in Mstngen.
Der Rede des Fürsten BiSmarck, welche derselbe am Montag bei der Uebergabe des Ehrenhumpens hielt, entnehmen wir folgende Worte: „Als ich im Jahre 1832 die Universität Göttingen bezog, war das deutsche Vaterland lahm gelegt durch die Teilung in mehr alS 30 Staaten. Die einzelnen Staaten standen sich mißtrauischer gegenüber, mit geringerem Maße von Wohlwollen, wie dem Auslande. Das einzig gemeinsame und einende Element in Deutschland waren Wissenschaft und Kunst. Es gab schon damals keine preußische oder bayerische Wissenschaft, sondern eine deutsche. Die deutschen Universitäten bewahrten zu jener Zeit das Gefühl der Zusammengehörigkeit, fie waren Träger des nationalen Gedanken». Die Flamme, di« sie unterhielten, war leuchtend und hell, aber sie reichte nicht auS, die Bruchstücke de» Vaterlande» durch Schmelzen zum einheitlichen Guffe zu bringen. Dazu bedurfte es der Mitwirkung der Dhnastieen, der Regierungen, gerade herauSgesogt, ihrer Streitkräfte. Alle früheren Versuche zur Ausführung de» Einheitsgedankens mußten an der irrtümlichen Geringschätzung der
Bestellungen auf die WnM. Ztttmg nebst Amtlichem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain sowie Illakriertem Sonntagsblatt werden von allen Postanstalten, Landbriefträgern und der Expedition unseres Blattes (Marburg, Markt 21) fortwährend entgegengenommen.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXVI Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. 111 Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Aemsches Reich.
Berlin, 14. Aug. Wie aus Kiel berichtet wird,
Ein paar Woche» waren vergavgeu, tu denen der Oberförster nur rastloser seinen Streifereien durch Wald uud Flur oblag. Ja t» schien ihn kaum »och zu Hause zn halteu. Bis aus die Promenade, deren prächtige Lindeureihru die Stadt umzogen, ja auf die winzigen, holperige« Gaffen deS Städtchens selbst dehnte er seine Ausflüge aus, obgleich nichts die häufige Auweseuheit des ForstmanueS dort erforderte oder rechtfertigte. Setuer besoudereu Aufmerksamkeit aber schien das Helle Häuschen am Ende der Promenade bedürftig, da er in der Nähe desselben am häufigsten gesehen wnrde. Seine braunen Waugeu schienen schmaler geworben, sein freies, wett tragendes Jäger« äuge zeigte einen scharfen, gespannten Blick; die sichere, wohlgefügte männliche Rahe hatte einem hastigen, leicht gereizte», wechselnde» Wese» Platz gewacht.
„ES nimmt ih» mit!" sagten die Rodenwalder, deren Spürfinu die Veräudernng nicht entgangen war. .Das hält kein Mensch aus, vou früh bis spät so auf dem Posteu z« fetal Der Ehrgeiz treibt ihu! Was iu Jahreu verdorben wurde, will er vou hem« zu morgen gutmacheul Guade dem Wotan! Merkt thr's, wie er ihm nachstellt? Der hat die längste Zeit gewildert!' gg
Wie fie sich täuschten, die seiuuafige» Neuigkeit», krämer! Viktor Jansen spürte einem edleren Wild »ach, so feurig uud uuabläsfig, daß eS ihm nicht Tag uoch Nacht Ruhe ließ. Doch schweigend uud tot wie eiu Geheimnis lag das kleiue Haus, zu dem e» ih» ruhelos trieb, mit geschloffenen Läden im Souueubrand deS ungemein heiße» Sommers. Die alte HavShälterto, der granköpfige Diener erschienen wohl von Zeit zu Zeit iu der Stadt oder au de« auf kurz« Zett g«öffa«teu Feosteru, mtt Adstäuben und Reinig«» drr Räume beschäftigt. Doch vou dem Fräulein keine Spar. Fast glaubte er, fie habe die Stadt verlossen, bi» eine» Tages Wotaus tiefe Baß. stimme aus dem Garten erscholl nnd ih» belehrte, daß auch die Herrtu, die er nie verließ, «och hinter jenen hellen Maner« welle.
Er fühlte» daß er eiu« ttaurige Rolle spiele neben **r und daß er den Besuch längst über die vorge- Ariebene Zett ausgedehnt. So beuutzte er eiue Dicklich« Wendung des Gesprächs, »ah« seine» Hut »»»Boden, empfahl fich mtt kurze», höfliche» Motten schritt zur Thür.
Rn» aber war'S ihm, als könne er nicht fort, ehe N alles, was ihm die Brust zum Zersprengen Mllte, von seinen Lippen gekommen.
Mit sehnsüchtigem Blick sah er uoch einmal nach Ar zurück. Im Spiegel, dem fie halb zugewandt, «»Ute er das Abbild ihres weißen Gesicht» erblicke».
die Rahe, die darübergelegeu, war ausgelöscht. 5® leidenschaftlicher Schmerz hatte seine scharfe» Spuren iu die wetcheu Ltuieu gegraben.
»Zugeborg!" rief er flehend und tret rasch ans 8 iu. Sie schrak znsammeu uud fuhr mit der Haud u»«r das Gesicht, als volle fie da etwas auslöschen. «vw richtete fie fich zu ihrer vollen Höhe empor 186 wandte ihm langsam den stolzen Kops entgegen. . »Mein Herr?" ftagte fie kalt, ihn mtt beletdigeu.
Erstaune» messend. Da verneigte er fich stumm uud war hinaus.
.8(8 seine mächtige Gestalt aus dem Haase ttat, Md sie hinter der Gardine verborge«, die geballte Mst auf den Mund gepreßt, als wolle fie eiu Wa$je» oder lautes Rufen gewattfa» ersticke».
dynastischer- Kräfte, der Macht von Blut und Eisen tenfrd scheitern. Ohne diese Macht und da» Eingreifen der Dynastien wird in Deutschland nichts bauer»
dürfte unser Kaiser schon in ganz kurzer Zeit von seiner Knieverletzung völlig wiederhergestellt sein. Am Donnerstag empfing der Kaiser an Bord der Hohrnzollern den Chef de» Militärkabinetts und der Admiralität zum Vortrage. Am Nachmittage unter- nahmen beide Majestäten eine Segelpartie. Vorher hotte der Kaiser noch den in Kiel eingetroffenen Staatssekretär von Bötticher empfangen, der später zur Tafel gezogen wurde.— Da» preußische Staats- Ministerium wird, wie verlautet, am Sonnabend in Berlin eine Sitzung abhalten, in welcher es wahrscheinlich auch zu einer Besprechung der Frage wegen des Verhaltens zu dem Rog gen-Ausfuhrverböte Rußlands kommen wird. Man steht in Berliner Regierungskreisen dieser Angelegenheit zu- nächst abwartend gegenüber, einerseits, weil di« an. geordnete Maßregel auf rusfische Finanzverhältnisie am einschneid ensten einwirken wird, onbererfeit» weil Deutschlanb noch mitten in ber Ernte steht und für die nächsten Monate ein dringliche» Vorgehen noch nicht notwendig erscheint. — Als Herr von Caprivi im Abgeordnetenhause zuletzt über die Kornzollfrage sprach, wurde Roggen an der Berliner Produkten- börse für Juli-August mit 201.50 Mark bezahlt. Am 11. August, nach Empfang der Nachricht von dem russischen Ausfuhrverbote, wurde für den Monat August der Roggen mit durschnittlich 226.50 Mark bezahlt. Der Roggenpreis steht also jetzt 25 Mark höher, al» zu der Zeit, wo di« Regierung ihre letzte parlamentarische Erklärung abgab. Als im Reichstage Minister von Bötticher am 4. Mai die Frage einer Suspension derKornzölle für erwägenswert erklärte, wurde Roggen für Juli-August mit durchschnittlich 190.50 Mk. notiert. Gegen die damalige Zeit steht also Roggen jetzt 36 Mk. höher im Preise. Der „Reichtanz." schweigt bis zur Stunde. — Die „Kreuzztg." führt in einem Leitartikel des Abendblattes über das russische Ausfuhrverbot aus, es sei gewiß, dasselbe werde ein weiteres Steigen der Nahrungsmittelpreise in Europa, besonders in Deutschland, zur Folge haben. Deutschlands Roggenernte bleib« nach den neuesten Schätzungen weit hinter einer Mittelernte zurück, die Weizenemte möge befriedigen, biete aber nicht entfernt den Ersatz für den Ausfall in der Roggenernte. Die gestern ungeteilten Angaben de» „Reichsanz." über die Kartoffelernte seien infolge der Regengüsse veraltet, eS sei mit der Wahrscheinlichkeit zu rechnen, daß die Preise der Brodsrüchte in diesem Jahr« fich auf etwa 200 Mk. behaupten werden. Es werde daher Sache der Reichsregierung sein, di« Frage gewiß ernstlich zu erwägen, welche
Da hatte ih», ttotz der unauslöschlich peinliche» Erinnerung a» seinen erste» Besuch, au seine Der- wirrnng, seine knabenhafte Feigheit tmb ihre stolze nnb kalte Ueberlegenheit, ein neuer, tollkühner Mut ergriffen. Wieder zog seine zitterube Hand den Knops ber Thürglocke uud wieder hämmerte sein Herz in tötlich starken Schlägen, bis die gebrechliche Gestalt des Alten ihm — sein VerdammungSurtetl brachte. Doch diesmal, wie sehr er auch spähte, wie sehnsüchtig er hoffte, diesmal erschien sie nicht selbst, ihm „Gnade' zn verkünden, nnb er mußte sein stürmisches Herz, schwerer beloben alS vordem, wieder in seinen wetten, öden, «infamen Wald tragen. DaS »nab- sehdar«, sanfte Grün, die Stille, in die kein Laut auS der Wett drang, gaben ebene Bahn für den Kreis- lanf feiner Gedanken. Doch war'S kühl und frisch unter den Bäumen, während über Stadt and Flur eine sengende, mörderffche Hitze brütete, in der alles Lebende lechze uud litt.
Heute mm fielen die Eoulleustrahlen wie glühen- des Blei vom Himmel. Erschlaffend lag die Glut zwischen den Fichten. Der Harzgeruch kam bttäubeud, t» heiße» Wolke» von de» auSgetrockuete» Bäumen. Doch schon standen, endliche Eriösuug verheißend, schwarze Wolkenballen drüben über den Bergen. Sb und z» drang ein falbes Leuchte» aus ihnen nnb leise nnb fern murmelte der Douurr.
Viktor beeilte fich. Sein Gesicht war dunkel gerötet; der Schweiß perlte in großen Tropfen von seiner Stirn. Er war wohl »och eine Stunde vom Forsthanse entfernt Machte auch ein unfreiwilliges Bad seinem abgehärteten SiegfriedSleibe nicht allzu großes Ungemach, — heute versprach dar Unwetter Über die Grenzen einer angenehmen Erquickung hinaus- zngehen. Sei» frei gelegener Hau» mit all feinen vierfüßigen Insassen war allein der Obhut der allen Karoline, seiner HauShällerin, unterstellt, da bet Forstwart wett über Laub. Und die alle Frau verlor den Kops, wenn'» donnert«, oder steckte ihn wenigsten»
4 ,, Ein leichter ironischer Zug klang durch ihre Worte;
na v« 3r Trist schien auf Kosten deS Gefühl» entwickelt. Möbä ?°rstchttg vermied sie die Berührung persönlicher V«r- Mnffse. Kein Wort von früheren Zetten, keine Ec- Mahnung der gestrigen Begegnung, kein Wort über «otan, keine Bitte kam von diesen stolzen Lippen.
Wöchentliche Bellagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Jllustriettes Sonntagsh satt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck nnd Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Mittel anzuwendeu (eien. Dl« eigene Produktion Deutschlands von Brodsrüchte» und Kartoffeln im Lande zu behalten und innerhalb de» Reiches den Austausch dieser Produkte möglichst billig zu bewirken)— Zum russischen Ausfuhrverbot wird der „Köln.Ztg." aus Petersburg telegraphiert: „Das Ausfuhrverbot für Roggen führen allerdings einzelne Residenzblätter auf den „inneren Notstand" zurück und fügen hinzu, das Verbot habe keinerlei politischen Beigeschmack: Andere rusfische Blätter schlagen aber einen hochmütigen Ton an, und stellen fest, daß ein AuSfuhr- derbot seit dem Krimkriege nicht wehr vorgekommen ist, sie freuen sich, daß diese Maßregel Deutschland und Oesterreich schwer träfe, während sie für das weizenbrauchende Frankreich und England ohne Bedeutung sei. In Wirklichkeit verlautete vor wenige» Wochen erst von amtlicher Seite, durch besondere Kommissionen sei festgestellt, daß vollauf genügende Roggenvorräte vorhanden waren, um jede außergewöhnliche Maßregel unnötig zu machen. Seitdem Seitdem waren allerdings die Franzosen hier. E» soll auch keineswegs mit der Ernte und den Roggenvorräten so schlecht stehen, um daS Verbot zu rechtfertigen. Es ähnelt deshalb einer Böswilligkeit. In einzelnen Gouvernements wird der Notstand riesig übertrieben geschildert. So forderte das Gon- vernernent Nischnei-Nowgowod vom Staate 8 Millionen Unterstützung und begnügte sich schließlich mit 4 Millionen. Jetzt verlangt Samara die gleiche Summe zur bloßen Aussaat und Kasan 5 Millionen. Auch dort soll es lange nicht so schlimm stehen, wie es gemacht wird. — Wenn dem in der That so ist, wird die russische Landwirtschaft, welche vou dem Ausfuhrverbot am schwersten betroffen ist, bald in solche Verlegenheit geraten, daß da» Verbot wieder zurückgenommen werden muß. — Die Einfuhr von russischem Roggen i» Deutschland betrug 1890 751380 Tonnen. In diesem Jahre sind 314764 Tonnen eingeführt, aber meist Bestände alter Ernte. — In einem längeren Artikel teilen die „Hamb. Nachr.' mit, Fürst Bismarck habe schon mehrere Monate vor seinem definitiven Rücktritt ein Gespräch mit dem Kaiser über die Eventualität eines Wechsels in der Kanzlerstellung gehabt und dabei General v. Caprivi selbst zu feinem Nachfolger empfohlen. Unter Kaiser Wilhelm I. sei die Er- nennung Caprivis zum Kriegsminister in Frage ge- kommen, doch sei Moltke dagegen gewesen. Bisher hieß eS immer, Fürst Bismarck habe bedauert, daß ein so guter General, wie Caprivi, Politiker werden mußte. — Bon den aktiven preußischen Staats«
im dunkelsten Winkel jammernd nnb betenb unter bte Schürze.
Schon fuhr bie Windsbraut gewaltig durch die Wipfel, die fich knarrend und knackend beugten. Mtt lechzender Brust atmete er die langentbehrte, köstliche Frische. So wohl war ihm lange nicht gewesen.
Rüstig schritt er zn, da es über den Banmwipsel» immer schwärzer nnd unheimlicher drohte. Die Blitze riffeu die Wolkenwand auseinander nnb groß nnb majestätisch grollte es in langen, furchtbaren Wirbeln. Die letzten Sonnenstrahlen erloschen, nnb nun begann ein Rasen, Sausen, Toben, als wäre bte Hölle über dem Walde loSgelaffen. ES goß tn Fluten herab, bie junge Bäume, Steine, Zweige von ber Höhe beS Berges tn reißendem Strudel schwemmte». Die Steige wurde» Bäche, wort» große Tropfen anstanchteu nnb zersprangen.
Der starke Mann mußte fich von Stamm zu Stamm schwingen, nm nicht zu stürzeu auf dem schlüpfrige« Wege. Der Sturm zerzauste fein Haar nnb schlug ihm die nassen Zweige in» Gestcht.
Ihm aber löste der Kampf mit greifbaren, äußere» Gemalte» die schwere Bürde, die die lauge Seh», suchtsqnal, da» ohnmächtige, zermarternde Warte» auf seine Seele gehäuft. Wollüstig fühlte er feine riesig« Kraft, feine feurige Jugend. Damr nnb wann biß er bte Zähne zusammen nnb spannte die Muskel» seiner Arme, als wolle er erringen, greifen, hatte», was wie ein ferner, lockender Schemen vor ihm schwebte.
N»n kam ihm das Forsthänschen in Sicht, da», am Abhänge de» Rndolfsberge» fest nnb dauerhaft gezimmert, den Städtern ein beliebter Zielpunkt für ihre Ausflüge geworden. Man genoß von dort einen herrlichen Blick auf das gleich einem Lercheunest int F«lde lieblich im Thalkeffel gebettete Städtchen.
Mtt einem Sprunge war der durchnäßte Man» über die Schwelle, nm einen Augenblick unter sicherem Dach anSzurnhen.
Da ertönte ein leiser Schrei. Sine Fronen gestalt
i. H hastrs gewonnen, weder 1848 noch heute. Die f$e 421 deutsche Treue, das deutsche Recht, so wie eS sich aus deutsche Gottesfurcht gründet, stehen auf diesem Boden. Die Aufgabe, die Sie, meine Herren, in der Zukunft zu lösen haben, ist, nachdem die unver- »eidlichen Bruderkämpf« im Innern überstanden sind, im Wesentlichen eine solche der Erhaltung. Wenn erhalten werden soll, so verstehe ich darunter, daß man verbessert, auSbaut. Was aber soll erhalten werden? AlS nächsten Gegenstand Ihrer künftigen Fürsorge im Erhalten möchte ich Ihnen