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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 11. Juli 1891
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a.M., Cafsel, Magdeburg u.Men; Rudolf XXVI Äabraana. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; «. L.
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Wöchmüiche Bellagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Expeditton: Martt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Deutsches Leich.
" Berlin, 9. Juli. Ter „Reichsaozeixer" bringt folgende amtliche Miiteiluvg: Seine Majestät der Dnser und König haben allergnädigst geruht den Minister der öffentlichen Arbeiten, Staats-Minister Lhie len zum Chef des ReichsamtS für die Verwaltung der Reichseisenbahnen zu ernennen. — Der kommandierende General des 2. preußischen Armeekorps, General der Infanterie v. d. Burg, hat seinen Abschied eingereicht. — Das Erscheinen bei Paraden vor dem Kaiser wird, wie der preußische Minister deS Innern in einem an die Oberprästdenten gerichteten Schreiben ausipricht, in Zukunft nur denjenigen Kriegervereinen gestattet, welche die Pflege patriotischer Gesinnung satzungsgemoß sich zur Aufgabe gestellt haben und auch nach ihrer Zusammensetzung und Haltung dieser Aufgabe gerecht werden. Gesuche der Kriegervereine um Zuloffung zu Paraden sind bei den Regierungspräsidenten einzureichen, von diesen mit gulachtlicher Aeußerung zu versehen und an daS Generalkommando weiter zu geben, welches über die Zuloffung zur Parade zu bestimmen hat. — Anläßlich der Schienenstempel- fälsch»n gen find, wie ein Berliner Lokalbericht erstatter meldet, in diesen Tagen Nachrevisionen von Schienen, Achsen, Rädern u. f. w. durch technische Beamte der zuständigen Betriebsämter im Bereiche der königl. Eisenbahndirektionen Berlin, Erfurt und Bromberg vorgenommen worden. Bei diesen Untersuchungen habe sich auf der Anhalter Bahn in Berlin herauSgestellt, daß Schienen in größerer Zahl mit nachgemachtem Stempel vorgesunden wurden. Die Stempeltype der echten und gefälschten Stempel war nicht zu unterscheiden, nur die Ausführung der Sttmpelungen war verschieden: während die echten Staatsstempel unter Anwendung von Oel in die glühenden Schienen eingewalzt sind und eine bläuliche stahlähnliche und sehr flache — höchstens 3 Millimeter tiefe — Narbe hinterließen, haben die nachgemachten Stempel fast sämtlich eine noch einmal so tiefe Narbe hinterlaffen, welche der stahlblauen, durch Oel zu erlangenden Färbung gänzlich entbehrt, weil die Stempelung offenbar nach Fertigstellung jener Schienen vorgenommen worden ist. — Der »Kölnilchen Zeitung" zufolge wäre die Untersuchung in der Bochumer Stempelfälschungeaffaire nicht gegen den Vorstand, sondern gegen einen Beamten des »Bochumer Verein»- gerichtet. — Emin Pascha hat an Konsul Vohsen, in einem Briefe vom Vikloria- See, 2. Februar, geschrieben: »Darf ich Ihnen
(Nachdruck verboten.)
Per«.
Kriminal-Roman von Henry Canvaiu.
(Fortsetzung.)
»Gewohnheit, Herr Gras, »stotterte er. »Sie wiffeo ja ... einiges Interesse au der Sache/'
Er verbeugte sich zu wtederholteu Male» und derlteß mit Patrick O'Keddy das Zimmer.
XL
»So, und nun lassen Sie uns zu dem alte» vroumiche gehen", sagte vidach, als sie aus der Straße waren.
„Wer ist das?" fragte Patrick.
„Ein wunderlicher Mensch; Sie werde» gleich sehen."
„Und wo woh»t er? ..
„Rue de la Tour dAuvergue."
Etue Viertelftnude später stiegen Btdach und sein Gefährte eine schmale, dunkle Treppe in einem Hanse der Rae de la Toni d'Auvergne hinauf.
Als sie im füusteu Stock ar gekommen waren, blieb Btdach vor einer kleinen Thür stehen, ans welcher eine Karte mit folgender Aufschrift angebracht war: „BrouSmtche,
Inspektor a. D."
Die Karte sagte jedoch nicht, welche Art von Inspektion Herr BrouSmtche während seiner Beantten- laufbahu ausgeübt hatte.
Bidach klingelte, und alSbald erschien ein hoch. Sewachseuer, »och rüstiger GretS, deffes grauer Schnmrbart und bis au den Kragen zugeknöpfter Vebenock leicht bee ehemaligen Militär etltnnen ließen, und öffnete.
„Ah, steh' da, der kleine Btdach", sagte er, dem Mögen Manu die Hand entgegenstreckend; „hast Dich ja lauge utcht sehen lasse», aller Ju»ge l"
Herr BrouSmtche war ein ehemaliger Juspektor der EicherhellSpoltzei, und Bidach hatte uuter ihm den ersten Dienst gethan. Der alle Polizeibeamte «rinnet ie sich »och immer gern deS ScharssinueS und
dringend an» Herz legen, für die Eröffnung einig ganzen einfachen, mit wenigen Kosten herzuftellenden und mit Ochsenkarren zu befahrenden Weges rach dem See hinaus wirken zu wollen? Ich glaube, daß mit 300 000 Mk. in fünf Monaten die Sache im Gang sein kann, und würde der Transport von Oelfrüchten, Cerealien, Häuten, Wachs, Kaffee, Elfenbein, Flußpferdzähnen, Hörnern u. s. w. von hier nach der Küste und der Transport von Waren hierher die Kosten der Anlage reichlich decken. Auf die Errichtung einer Eisenbahn in kurzer Zeit dürfte wohl kaum zu rechnen fein. Bereiten Sie durch diese Straße den Weg vor für die künftige Eisenbahn, das Mittel, die Handelsbeziehungen zu erweitern und zu fördern und legitimen Handel an die Stelle von Räubereien und Sklaven hetzen zu stellen. Die Länder am See warten nur darauf, aus ihrem Banne erlöst zu werden." — Nach Meldungen aus Sansibar ist Tip Pu Tipp auf Einladung des deutschen Gouverneurs nach Dar-eS-Salaam gegangen. Es scheinen also mit ihm bestimmte Vereinbarungen von deutscher Seite au8 getroffen zu sein.
— Die Durchführung des Einkommensteuergesetzes hat mit nicht unerheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, welche, wie die »Verl. Pol. Nachr." schreiben, zurnteil organisatorischer Natur sind. Sie liegen in dem Umstande, daß in Preußen abweichend von den meisten anderen Staaten eine eigene Verwaltung der direkten Steuern mit besonderem steuertechnisch ausgebildeten Personale, wie sie für die indirekten Steuern eingerichtet ist, nicht besteht. Außer den Steuerdezernenten in den Bezirks- regierungen und den wenigen dauernd mit Steuersachen beschäftigten Bureaubeamten besteht ein berufsmäßiges Personal der direkten Steuerverwaltung nicht. Namentlich werden mit Ausnahme von Berlin alle Geschäfte der Steuerverwaltung selbst von den Beamten der allgemeinen Verwaltung, Landräten, Kreissekretären u. s. w. mit wahrgenommen. Dies mochte gehen, so lange es sich um eine auf rein äußerliche Merkmale angewiesene oberflächliche Einschätzung in Bausch und Bogen handelte- nachdem zu einer spezialisierten und individualisierten genauen Veranlagung übergegangen ist, bedarf el einer wesentlichen Ergänzung des VeranlagungSpersonalS; das Gesetz sieht demzufolge auch die Zuordnung von Hilss beamten zu den Veranlagungskommissionen vor, wobei inbezug auf die Stellung und den GeschäftSkrei» der letzteren dem Finanzminister ein weiter Spielraum gelaffen ist. Zu einem geringeren Teil kann dabei auf die Kräfte der indirekten Steuerverwaltung
der eigenthümltche» Gewandtheit feines ehemaligen Untergebenen.
„Ich brauche Ihnen wohl nicht erst za sage», warum wir gekomweu stad", sagte der junge Manu, nachdem er feinen Gefährten vorgestellt hatte. „Sie verstehen schon die Wahl..
„Vrrsteht fick, versteht sich", antwortete BrouSwiche. „Der Herr gehört auch wohl zn unserer Farbe?" fragte er, aus Patrick deutend.
„Nein, er geht nur zum Spaß mit."
„Gleichviel, wenn er mit Dir kommt, ist er will- kommen. Bitte, treten Sie näher, meine Herren."
BrouSmtche öffnete die Thür eines geräumige» SaaleS, u»d Patrick war nicht wenig erstaunt von dem feltsameu Anblick, welcher sich ihm bot. Durch de» Saal wäre» »ach alle» Richtungen hin Seile gespauut u»d aus denselben hingen in großer Anzahl die verschiedenartigsteu and seltsamsten Kleidangr- stücke. Im Vordergrund stauben zwei hohe Schränke.
Der alle BrouSmtche lieferte de» SicherheitSbe- amten die Verkleidungen, deren fie für ihre geheimen Misfionen bedurften. Er hatte während seiner langen Laufbahn oft gesehen, wie wichtige Unternehmungen gescheitert waren, roeil die Beamten nicht die Mittel befaßen, sich hinreichend zu verkleiden. Nach seiner Pensionirnug hatte er daher von der Präfektur eine kleine Unterstützung erbeten und mit Hilfe derselbe» das seltsame Magazin eröffnet, welche» Pattick soeben bewunderte.
Segen eine geringe Entschädigung fanden die Kriminalbeamten bei ihm alles, was fie zu ihre» be- sondere» Aufträge» gebrauchte»; de» Frack deS MaaueS voll der Well, wie das schwarze Gewaad des Priester», die Ulliform deS Offiziers »lld die schmutzbedeckte Bloase de» Pennbruder».
Der alte LrouSmiche war i» seiner Art ein Künstler, der sich nicht damtt begnügte, nur die Kostüme z» verleihen. Wenn er Jemand anSgekleidet hatte, so führte er ihn in ei» kleineres Nebenzimmer, ans dessen Thür da» Wort „Laboratorium" stand.
zurückgegriffen werden, vornehmlich aber werden die verfügbaren RegierungSaffefforen zu diesen Stellungen herangezogen werden. Um die Zahl derselben mög lichst dem Bedürfnis entsprechend zu vermehren, werden die Prüfungen für den höheren Verwaltungsdienst, soweit die Zahl der zum Examen präsentierten RegierungSreferendare reicht, denn auch während der Sommermonatefortgesetzt werden. DiezweiteSchwierig- keit liegt darin, sowohl den Veranlagungs-Kommissionen, al» vornehmlich auch den zur Steuererklärung verpflichteten Steuerzahlern eine genaue gemeinverständliche Anleitung zur Berechnung de» steuerpflichtigen Einkommen» nach Maßgabe der in den §§ 1 bis 16 des Einkommensteuergesetze» niedergelegten Grundsätze zu geben. Eine solche Anleitung ist auch insofern ein schwierige» Werk, als sie notwendig bis ins einzelne gehen, andererseits so handlich sein muß, daß der im Erwerbsleben stehende Steuerpflichtige sie praktisch gebrauchen kann. Die Fertigstellung dieser Anleitung beschäftigt gegenwärtig die betreffende Abteilung des Finanzministerium» in erster Linie. Nach dem Stande der Arbeit darf angenommen werden, daß dieselbe in naher Zeit der Oeffentlichkeit wird übergeben werden können, wie denn alle Vorbereitungen so getroffen werden, daß mit der erstmaligen Veranlagung um die Jahreswende wird vorgegangen werden können.
Ausland.
(Großbritannien. Der deutsche Kaiser und die Kaiserin haben am Mittwoch Abend au» Schloß Windsor ihren feierlichen Einzug in London unter Eskorte der englischen Garde gehalten und find in den überaus festlich geschmückten Straßen mit nicht endenwollenden stürmischen Hochrufen begrüßt worden. Die Majestäten sind im Buckinghampalaste abgestiegen. Nach eingenommener Tafel begaben sie sich in das Konventgardentheater, wo sie von einem glänzenden Publikum mit enthusiastischen Ovationen begrüßt wurden. Da» ganze Hau» war mit Blumengewinden und Bouquet» geschmückt, das Orchester spielte die deutsche Nationalhymne. Immer wieder mußten sich der Kaffer und die Kaiserin dankend berneigen. Die Demonstrationen wiederholten sich beim Verlassen des Theaters, vor welchem eine nach tausenden zählende Volksmenge Posto gefaßt hatte. Am Donnerstag Vormittag wohnten die kaiserlichen Majestäten einer Gartenfestlichkeit im Marlborough - House bei und entsprachen einer Einladung be» Marquis von Londonderry zur Tafel. Am Nachmittag empfing
Dort befalld sich ein reichhaltiges Lager von falschen Bärten aller Art. BrouSmtche paßte fie selbst feinen Kunden an und vervollständigte die Toilette sodann mit Hilfe von Schminke, Wachs und sonstigen Mittel», so daß dieselbe vollständig mit dem Kostüm int Einklang staub.
„Ich werde Dir eiueu „Schlosser" geben", sagte der Inspektor, Btdach die Hand auf die Schultern legend, „unb für Sie, Herr Patrick", snhr er, den jungen Mann aufmerksam betrachtend, fort, „wird ein „Maurer" am besten paffen. Sie haben zwar sehr seine Hände, aber wenn wtt fie ordenttich mit Kalk bespritzen, wird man bald nichts mehr davon sehen... Bitte, gehen Sie in das Laboratorium und warten Sie einen Augenblick."
Nach wenigen Minute» kehrte er mit den fraglichen Kostümen zurück.
Patrick O'Keddy und Bidach kleideten fich nüber» weilt nm; sodann ließ BronSmiche fie vor einem Spiegel Platz nehmen und vervollständigte ihre ToUette.
AlL er fertig war, hieß er fie aufsteheu uad trat zurück, um fein Werk zu bewundern. Während er das Licht einer Lampe von allen Setten auf fie fallen ließ, legte er sodann die letzte Hand au sein Werk, wie ein Maler, welcher ein Gemälde vollendet. Hier rückte er die Mütze tiefer, zupfte dort die Kravatte zurecht und trat bann von Neuem zwei Schritte zurück.
„Vorzüglich!" murmelte er befriebigt. .Wenn Sie nun mit bem Munde nicht zu zimperlich find, bann muß es schon ein schlauer Sunde fein, ber in Ihnen noch etwa» Anderes als ei» paar Hand- werker wittert."
Einige Stunden später schrttte» Bidach und Patrick die Rue be» Martyr» entlang.
Die beiben jungen Leute waren vollstäubig nu. kenntlich. Btdach trug die schwarze Jacke, die niedrige Mütze und die blank geschabten Manchesterhosen de» Schlaffer». Die Hände und fein Seficht waren schwarz gefärbt, und zwischen seinen Lippen balancierte er
der Kaiser das gesamte diplomatische Korp» von London und wechselte mit jedem der Herren freundliche Worte. Besondere Ansprachen wurden dabei nicht gehalten. Ferner empfing der Kaiser eine Deputation der deutschen Reselveosfiziere in London, sowie eine Abordnung der Industriellen und äußerte seine Freude über deren befriedigende Erklärungen. Der Monarch äußerte dabei wiederholt, daß er auf eine enge Freundschaft deS deutschen Reiche» mit England da» größte Gewicht lege. Arn Abend wohnten alle fürstlichen Herrschaften Sullivans Oratorium „die goldene Legende* in der Albert-Halle bei. Die Begrüßung wac überall die herzlichste. Die Londoner Blätter schreiben, daß ein solcher EnthusiaLmu» in der Themsestadt beim Besuch eine» fremden Herrschers noch nie gesehen ist. Die ganze Bevölkerung der Riesenstadt ist auf be» Beinen. Heute Freitag finbet der kaiserliche Besuch in der Guildhall zu London statt, für welchen großartige Vorbereitungen getroffen worden sind. Die Vorstellung der Botschafter der Mächte vor dem Kaiser erfolgte durch den russischen Botschafter Staal. Der französische Botschafter Weddington, dem eigentlich diese Aufgabe zugefallen wäre, war auf Urlaub in Paris. Mehreren Mitgliedern der deutschen Kolonie in London verlieh der Kaiser Orden. — Der „Pol. Korr.* wird au» London ganz bestimmt mitgeteilt, England habe für den Kriegsfall den Schutz der Küsten von Deutschland und Italien in dem Fall übernommen, daß beide Mächte von überlegenen Streitkräften angegriffen würden. Das genügt auch völlig. Die italienische Regierung soll übrigens den Wortlaut der Bündnisverträge veröffentlichen wolle«.
Italien. König Humbert gab den Offiziere» des rn Venedig anwesenden englischen Geschwader» ein Bankett, auf dem er folgenden Toast ausbrachte: „Ich trinke auf die Gesundheit der erhabenen Königin Bikioria, auf das Wohlergehen des großen englischen Volkes, de» treuen Freundes Italiens in bösen, wie in guten Tagen; ich trinke auf da» Wohl seiner ruhmreichen, mächtige» Flotte, deren würdige Vertreter ich mit Freude» hier sehe. In diesen Gruß stimmt, ich weiß e», das ganze italienische Volk mit mir ein." Der britische Admiral antwortete: „Im Auftrage der Königin Viktoria habe ich Eurer Majestät zu danken für diese außerordentlich huldvollen Worte und für die durch den Besuch auf dem englischen Admiralschiff erwiesene Gnade. Ich füge im Namen der englischen Flotte hinzu, daß ihr durch den Besuch Ihrer Majestät der Königin die
kunstgerecht eine Zigarre. Er ging ei» wenig gebeugt, be» Sack mit Werkzeugen auf ber Schulter. Patrick O'Keddy mit seiner großen weißen Bloase unb ben geflickte», mit Kalk bespritzten Beinkleiber» sah ganz und gar wie ein ehrsamer Maurergeselle an». Sein Bart war blck mit Kalk bestaubt unb auch feine groben Schuhe zeigten große, weiße Flecke».
„Wir werben zunächst bei einem Destillateur in ber Rne Borchart einkehren", sagte Bibach, damit wir nu» ein wenig an das Kostüm gewöhnen."
Gegen sechs Uhr saßen fie an einem Tische in bem bezeichneten Lokale mitten zwischen einer großen Anzahl von Arbeitern. Patrick verehrte mit ausgezeichnetem Appetit ein Stück Rinfleisch unb trank, ohne mit ben Augen zu zwinkern, ben abscheulichen Wein be» Destillateur».
Gegen ft eben Uhr schlenberten fie langsam die äußeren BoulevarbS entlang, dem Anscheine nach träge und gedankenlos wie Arbetter nach Feierabend.
Unterwegs gab Bidach Pattick noch einige Anweisungen. Er hatte fich bereits vormittags bei einem seiner früheren Kollegen nach der Schenke des alten Jorre erkundigt. Das Lokal war der Sammelplatz der berüchttgsteu Spitzbuben jenes Viertels. Der alte Jorre betrieb außerdem eine Art Pfandleth- Geschäft unb war auch als Hehler bekannt. Die Polizei bulbete sein Lokal, well fie bei gelegentlichen RazziaS bort manchen guten Fang machte.
Vorficht war jedoch unter allen Umständen lge» boten; denn die Galgenstricke, welche in der Schenke verkehrten, waren, wie man fo sagt, mit allen Hunden gehetzt und bettachteteu jede» Unbekannten mit Mißtrauen.
Mau hatte Bidach gerate», eisen Revolver mit- znnehmen, jedoch nur im äußersten Notfälle von demselben Gebrauch zu machen.
Die Waffe befand fich in seinem Werkzeugbentel. XU.
Gegen 9 Uhr schritten fie die zwei Stufen zu der betätigten Schenke hinab.