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öchenlliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 156.
Erscheint täglich außer an Werktagen »ach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Wonnements-PreiS bei der Expedition 2 Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 25 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Dienstag, 7. Juli 1891.
«nzergen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncen-Bureanx von Haasenstein und Vogler in Frankstrrt <uM., Cafsel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXVI Qtftfirrtrttrrt Mosse m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G L. 44 ’ Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Der deutsche Kaiser in England.
Zum erstevmole seit seiner Thronbesteigung stattet Kaiser Wilhelm II. England einen offiziellen Besuch ab. Die bisherigen Reisen nach der Insel Wight zur Königin Viktoria, der Großmutter des Kaisers ttugen wehr einen familiären Charakter, wenn auch verschiedene Veranstaltungen zu Ehren desMorarchen getroffen wurden, mililärische Schaustellungen ftatt- sanden und der Ministerpräsident Lord Salisoury mit dem Kaiser wiederholre Rücksprachen hatte. Die englische Hauptstadt, die Riesenstadt an der Themse, hatte der Monarch bisher nicht betreten, und fcod flieht erst der Besuch in der Landeshauptstadt solchen FÜiftenreisen die offizielle Bedeutung. Es ist daran zu erinnern, wie hoch s. Zt. die Italiener den Besuch des Kaisers in Rom oufnahmen, und roch mehr säst kommt dieser Gesichtspunkt sür England in Betracht. Der Brite besitzt ein außerordentlich starkes Selbstgefühl, eine Folge der ganzen Entwicklung des Staates, und wenn heute auch in England bei weitem nicht mehr alles so, wie früher, ist, wenn manches Gold in Wahrheit nur Talmi ist, von ihrem Selbstbewußtsein find die Engländer doch noch nicht abxekowmen. Es könnte ihnen damit eines Tages auch ziemlich döse ergehen, wenn nicht zum Glück immer noch einzelne ruhige Staatsmänner sich sanden, welche die Dinge so ansehen, wie sie wirklich sind, und nicht wie sir sich im Kopse eines Engländers darstellcn. Es muß daran erinnert werden, daß vor einem halben Dutzend Jahren noch die englische Regierung gegenüber Deutschland «ine Haltung annahm, die kaum zu verstehen, des britischen Weltreiches jedenfalls unwürdig war. Man berahm sich gerade so kleinlich von Amtswegen damals, wie vor kurzem private Kreise gegen das schwache Portugal. Ein ewiges Nörgeln und fortwährendes Chikanieren, darin war der Premierminister Gladstone und sein Minister des Auswärtigen Lord Granville zu Hause. Es war, als ob dem deutschen Reiche die englische Huld grammweise zugewogen werden sollte. Deutschland ließ sich auch dies komische Verhalten in keiner Weise gefallen, und der englische Hochmut klappte bei entschiedenem Auftreten zusammen, wie ein durchlöcherter Blasebalg. Seitdem hat sich unendlich viel geändert; der heutige leitende englische Staatsmann, Loid Salisbury, hat auf die Tollheiten der Londoner »Jingo's" so gut wie gar keine Rücksicht genommen, har deren Zeitungen so viel schreiben und reden laffen, wie sie wollten, und am Ende das gethan,
(Nachdruck verboten.)
Der«.
Kriminal-Roman von Henry Cauvain. (Fortsetzung.)
VII.
8m Tage nach ihrer R-.tse nach Clamart empfing Johanna den Besuch Herrn Mereutters.
Er war seit einigen Tagen au» Rußland zurück- gekehrt, aber driugeude Geschäfte hatten ihn verhindert, »er Einladung des jungen Mädchen- eher Folge zu Kisten.
Der brave alte Herr war tief bewegt, als er dir Tochter feines ermordeten Freundes in so ärmlicher Umgebung wiedersah, und an der Blässe ihrer Wangen «riet er nur zu leicht die Eutbehruugeu, welche sie sich hatte auserlegeu müssen.
»Muß ich Sie so wiederfiude», meine liebe Johanna 1* sagte er, zärtlich ihre beiden Hände «greifend. «Sie, die bisher stets tu Luxa» und Uebeiflnß lebten.'
.Das ist alles vorbei, lieber Herr Merentier*, vtwortete das junge Mädchen mit traurigem Lächeln. »Jetzt heißt es arbeiten, bamit wir nicht zu hungern »rauchen. Aber wenn Georges und ich nur gesund »leiben, dann will ich nicht Mögen.*
»Ich bin nicht reich, aber Sie wissen, daß ich mein möglichstes thuu werde, um Ihnen zu helfen; ich habe W vergessen, wie Ihr guter Vater in schweren stunden mir beigestanden hat.*
u .Ich danke Ihnen von Herzen, Herr Merentier, 3 kenne Ihr gutes Herz und freue mich, daß Sie meder in Paris find; wenn mir jetzt etwas zustößt, »aau ist Georges doch nicht so verlasse»; aber berauben Wen Sie sich unsertwegen nicht. Vorläufig braocheu ”tr noch keine Not za leiden; ich habe Sir nur gebeten, wir zu kommen, well ich hoffe, Sie können mir
Wfen, den Mörder meines Vater» zu entdecken.*
Und uuu erzählte fie ihm alle», was sich fett dem "»e des Herrn Lacödat -»getragen hatte. BefoudelS
was er wollte. Es ist Thalsacke, wenn auch keine erfreuliche, daß die Londoner Z.iiungen ziemlich ganz und gar außer Stande sind, fremde und allgemeine politische Verhältnisse richtig zu beurteilen. Eine gehörige Portion Dünkel und eine gehörige Portion englische Voreingenommenheit, sowie eine ziemlich erhebliche Portion Unkenntnis der allgemeinen Zustände führen in ihnen die Feder; John Bull denkt, er weiß alles und urteilt ohne weiteres richtig. Daher die so häufigen konfusen Berichte und Urteile, die aber für ein Land, in welchem die Presse eine solche Macht ist, wie in England, doppelt schwer ins Gewicht fallen. Zum Glück hindert, wie gesagt, dies Treiben die guten Beziehungen zwilchen dem deutschen Reiche und England nicht mehr und ebensowenig vermögen dies die internationalen britischen Friede nsschwärmer zu thun, die mit allen Staaten in Freundschaft leben wollen, ohne zu erkennen, daß das unmöglich ist. Deutschland und England haben sich, wo Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen beiden obwalteten, friedlich und freundschaftlich aus- emandergesetzi. Sie find sich recht nahe getreten, und die britische Regierung hat in manchen Dingen nachgegeben, in welchen der wackere John Bull ganz gehörig den Mund voll nahm. Mitgewirkt Hal unter allen Umständen bei der Londoner Regierung auch die Erkenntnis, daß mit dem großen Friedens- buude in Europa die englische Seeherrschaft selbst steht und fällt, damit auch der Handel und die Jndustlie Großbritanniens, die Quelle des Reich- tumes des Landes. Ist der Dreibund von Frank reich und Rußland auseinander gesprengt, dann fällt England ganz von selbst nach, dann giebt es keine Rottung mehr. Darum ist England von selbst darauf angewiesen, mit dem großen Friedensbunde gute Freundschaft zu halten unb die Bekräftigung und Befestigung dieser Freundschaft, das bedeutet der Besuch Kaiser Wilhelms an der Themse, wo die englische Bevölkerung auch dem Enkel ihrer Königin den herzlichsten Willkommen bietet.
Deutsches Deich.
Berlin, 6. Juli. Aus London wird gemeldet, der neue Dieibundvertrag enthalte nicht die Klauseln des alten Vertrage», wonach Italien im Falle des Ausbruchs eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland drei Armeekorps nach der Alpengrenze senden und Oesterreich im Falle eines Krieges zwischen Rußland und Deutschland die russische Grenze besetzen sollte. Im neuen Vertrage verbürgen sich ausführlich schilderte fie die Eutdeckuageu Bidachs bezüglich jener Frau, welche sich Juana nannte und fragte daun, ob er ihr bezüglich derselben irgend welche Fingerzeige zu geben vermöchte.
Merentier wnrde nachdenklich unb schien in feinem Gebächtuiffe zu suchen.
Voll gespannter Erwartung hielt Johauua ben Blick aus ihn gerichtet, denn fie kannte die Bedeutung, welche eine bestimmte Auskunft über diese Frau für
„Juana ... Juana*, wiederholte Merentier nach einigen Sekunden. „Freilich, ich erinnere mich ... war is nicht in Bueuos-Ayres?..."
»Ganz richtig*, ries Johauua, iudem fie fich dieses Umstandes, ben fie zu erwähnen vergefleu hatte, erinnerte. ,Ju der geheimnisvollen Sorrespoudenz, von der ich Ihnen erzählt habe, wird diese Stadt erwähnt.*
»Diese Juana war eine Peruanerin. . . aber freilich, es giebt dort sehr viele ihre» Namens ... und es ist daher sehr fraglich, ob iS gerade die ist, nm welche es fich hier bandelt ... Ich habe fie im Jahre 1847 oder 1848 gesehen . . . eS war ein großes, sehr schönes Mädchen. Mein Schiff mußte vier oder fünf Tage in BuenoS-AyreS liegen bleiben, und Ihr Vater, den ich zufällig, bei einem be- rennbeten Rheder getroffen hatte, lad mich ein, ihn zu besuchen. ... Er hatte damals in der That des Namen Rodrigues angenommen und gab fich für einen Spanier ans, weil unsere Landsleute in jener ehr unruhigen Zeit mit ziemlich scheelen Augen an- gesehen wurden.
»Diese Juana war... seine Haushälterin, und ch glaube, eS »ar auch ein Kind da ... Verzeihen Sie mir diese Einzelhetten, meine Hebt Johanna, aber ich bettachte Sie jetzt al» eine Fran ... unb vielleicht ist es Ihnen von Nutzen, alles zu wissen.*
»Ich banke Ihnen, Herr Merentier", sagte fie, vährenb fie fich einige Notizen auf ein Blatt Papier
die drei Mächte gegenseitig die Unoersehrtheil ihrer bezüglichen Gebiete. Inwieweit diese und andere Gerüchte über die neuen Bcstimmungen des Dreibund Vertrages zutreffen, muß dahingestellt bleiben. Die Hauptsache ist und bleibt, daß der Dreibund ais fester Schutzwall deS Friedens fortbesteht. DaS hat abermals auch der deutsche Kaiser bei seinem Besuche in Amsterdam bekräftigt, indem er einer Londoner Meldung zufolge erklärte, der Friede sei gesichert. „Niemand", so fügte er hinzu, „wird wagen, uns anzugreifen; wir werden Niemand angreifen.* — DaS leitende sozialdemokratische Blatt, der „Vorwärts*, veröffentlicht den Entwurf de» neuen Programms, mit dessen Ausarbeitung der Vorstand von dem Höllischen Parteitag beauftragt wurde. Der diesjährige, am 10. Oktober in Erfurt zusammentretende Parteitag soll über den Entwurf Beschluß fassen. Die Forderungen deS neuen Entwurfes lauten: 1) All- gemeines gleiches direktes Wahl- und Stimmrecht mit geheimer Stimmabgabe aller über 21 Jahre alten Reichsangehörigen ohne Unterschied deS Geschlechts für alle Wahlen und Abstimmungen. Einführung des Proportionalwahlsystems. Festsetzung der Wahlen und Abstimmungen auf einen Sonn- oder Feier, tag. Entschädigung für die gewählten Vertreter. 2) Direkte Anteilnahme de» Volkes an der Gesetzgebung mittels des Vorschlags- und Verwerfnngs rechtcs, Selbstverwaltung deS Volkes in Reich, Siadt, Provinz und Gemeinde. Jährliche Steuerbewilligung, Recht der Stenerverweigerung. 3) Entscheidung über Krieg und Frieden durch die gewählten Vertreter des Volks. Errichtung eine» internationalen Schiedsgerichts. 4) Abschaffung aller Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung und da» Recht der Bereinigung unb Versammlung einschränken ober unterdrücken. 5) Abschaffung aller Aufwendungen aus öffentlichen Mitteln zu kirchlichen und religiösen Zwecken. Die kirchlichen und religiösen Gemeinschaften sind als Privatvereinigungen zu betrachten. 6) Weltlichkeit der Schule. Obligatorischer Besuch der öffentlichen Volksschulen. Unentgeltlichkeit des Unterrichts und der Lehimittel in allen öffentlichen Bildungsankalten. 7) Erziehung zu allgemeiner Wehrhaftigkeit. Volkswehr an Stelle der stehenden Heere. 8) Unentgeltlichkeit der Rechtspflege und der Rechtshilfe. Rechtsprechung durch vom Volk gewählte Richter. 9) Unentgeltlichkeit der ärztlichen Hilfeleistung und der Heilmittel. 10) Stufenweis steigende Einkommen-, Kapital- und ErschastSsteuer für die Bestreitung aller öffentlichen AuS-
machte. „Ist das alles, was Sie von dieser Fran wissen?" fuhr fie dann fort.
„Ja, alles I Ich bin nur zwei Sinnden bei Ihrem Vater gewesen nnb habe fie später nie wieder gesehen."
Es entstand eine Pause. Merentier stützte ge- dankeuvoll den Kopf in die Hand unb schien noch etwas ans dem Herzen zn haben.
Johauua bemerkte sein Zögern.
„O, Sie wissen noch etwas, was Sie mir nicht mitteilen wollen«, fugte fie bittend; „aber ich beschwöre Sie, verschweigen Sie mir nichts. Sie haben vorhin selbst gesagt, daß ich kein Kind mehr bin... das schwere Unglück hat mich zehn Jahre älter ge- macht... Ste können mir alles sagen ..."
„ES handelt fich nämlich weder um Sie noch nm Ihren Vater", sagte Merentier zögernd, als ob ihm das, was nun kommen sollte, sehr peinlich wäre. „Es handelt fich nm mich ... Was Sie mir da vorhin über die Art der «usführnng des Verbrechens gesagt haben ... der Raub der Wertscheiue nnb sonstiger wichtiger Papiere scheint mir ein eigen. thümlicheS Licht auf ein geheimnisvolles Ereignis zn werfen, welches mir kürzlich begegnet ist...«
„Sie haben mir von einem intelligenten, thaikräftigen Manu gesprochen", fuhr er nach einem er» neuerten Zögern fort, „ber Ihnen in biefer ernsten Angelegenheit große Dienste erwiesen bat; kann man fich ans ihn verlassen?"
„Wie auf mich selbst!" versetzte Johanna eifrig. »Er hat trotz seines bescheibeneu, schüchternen Aenßern einen Scharffiun an ben Tag gelegt nnb mir eine so aufrichtige Ergebenheit bewiesen..."
„Sie meinen also, baß man ihm ein wichtiges Geheimnis anoeitranen könnte?"
„Unbedenklich!"
»Sie glauben nicht, wie schwer e» mit wirb", fuhr Merentier in sichtbar peinlicher Verlegenheit fort, ,LH»e» zn sagen, was ich ans bem Herzen habe, «ber eS kann Ihnen in bezug auf bie Auffindung
gaben, soweit diese durch Steuern zu decken sind. Abschaffung aller indirekten Steuern, Zölle und sonstigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, welche die Interessen der Allgemeinheit den Interessen einer bevorzugten Minderheit nnterordnen. Zum Schutze der Arbeiterklasse fordert die sozialdemokratische Partei Deutschlands: 1) Eine wirksame nationale und internationale Arbeiterschutzgesetzgebung auf folgender Grundlage: Festsetzung eines höchstens acht Stunden betragenden Normalarbeitstags; Verbot der gewerblichen Arbeit für Kinder unter 14 Jahren; Verbot der Nachtarbeit, außer für solche Industriezweige, die ihrer Natur nach, au« technischen Gründen oder aus Gründen der öffentlichen Wohlfahrt Nachtarbeit erheischen; eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens 36 Stunden in jeder Woche für jeden Arbeiter; Verbot des Trucksystem». 2) lieber- wachvng aller gewerblichen Betriebe und Regelung der Arbeitsverhältnisse in Stadt unb Land durch ein Reichsarbeitsamt, BezirksarbeitSd'mter und Arbeitskammern. 3) Gleichstellung der landwirtschaftlichen Arbeiter und Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern. Beseitigung der Gesindeordnungen. 4) Sicherstellung des Koalittonsrechtes. 5) Uebernahme ber gesamten Arbeiterversicherung durch das Reich mit maßgebender Mitwirkung der Arbeiter an ber Verwaltung.
Ausland.
Windsor, 4. Juli. Auf der Fahrt nach dem Schlosse hielt Se. Majestät der Kaiser vor dem reichgeschmücktkn Rathause an, welches die Inschrift: „Gott mit uns!* trägt und nahm in Anwesenheit des Mayors und der städtischen Behörden -ine prachtvoll auigeftattete Adresse entgegen. Die Adresse heißt Se. Majestät den Kaiser unter dem Ausdruck des Dankes für die huldvolle Entgegennahme derselben willkommen und giebt der Freude über die engen Familienbande zwischen den beiden Herrscherhäusern und der Hoffnung Ausdruck, daß diese engen Bande eine weitere Bürgschaft für eine dauernde herzliche Freundschaft ber stammverwandten Völker fein werde. Die Adresse weist ferner auf die Interessengemeinschaft beider Reiche hin, welche das Streben vereine, die Wohlsahtt ihrer Völker zu fördern, den Frieden Europa- zu erhalten und dem allgemeinen Fortschritt der Zivilisation zu dienen. Die Adresse begrüßt die großmütigen Bemühungen Sr. Majestät de- Kaiser- um die Förderung der Wohlfahrt der Unterthanen und besonders die Be- deS elenden Mörders vielleicht von großer Wichtigkeit sein, nnb barnm bars ich Ihnen nicht» verschweigen."
Er machte eine neue gewaltsame Anstrengung nnb begann:
„Sie müssen also wissen, liebes Kinb, baß Ihr Later, als er getötet wurde, eine Brieftasche bei fich trug, die ber Räuber ihm ebenfalls obgenommen hat, und einen Bries enthielt, ben ich ihm zwei Tage vorher geschrieben hatte. In biefem Briefe..."
Mereutier wnrde blaß nnb fuhr mit ber zittern- ben Hanb über bie Stirn. Er ließ von Neuem ben Kops finken, ans Scham über bas GestänbniS, welches er zn machen im Begriff war.
Mit kaum vernehmbarer Stimme fubr er fort: „Wenn fünfuuddreißig Jahre eines fleckenlosen, ber Arbeit gewidmeten Lebens, wenn manches gnte Werk, bas ich in biefer Zeit gethan nnb alle bie qualvollen Gewissensbisse noch nicht hinreichteu, ben Necken abznwascheu, so muß bas, was ich jetzt bet diesem Geständnis leide, eine vollkommene Sühne fein. Erfahren Sie also, liebes K'nd, daß ich meine Karriere als Kadett auf einem Kriegsschiffe begonnen habe. Ich werde Sie nicht mit Einzelhetten auf. halten ... ich könnte es auch nicht ... Ich war arm... meine Kameraden reicher als ich, spielten sehr viel... ich ließ mich hinreißen... Dennoch mußte ich leben, vor allen Dingen aber spielen, denn die Leidenschaft war mächtiger tu mir geworden, alS selbst der Hunger... In der Hitze des Spiels nab infolge ber Bewegung beS Schiff-S kam eS häufig vor, baß Goldstücke auf ben Fußboden fielen, auf welche bie Spieler nicht Wetter achteten. Ich aber «achte mir berartige Zwischenfälle zu Nutzen, hob die Goldstücke aus nnb steckte fie heimlich in die Tasche, «ns biefe Weise lernte ich bar Stehlen.
„Eines Tages eublich hatte einer meiner Rameraben eine bebentenbe Summe gewonnen. Zn jener Zett ttaren bie Kriegsschiffe noch nicht so groß wie heute unb bie Quartiere brr Offiziere weniger bequem."
(Fortsetzung folgt.)