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Festnummer

26. Jahrgang

Marburg, 36. Ium 1891

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3 Deutschlands erste protestantische Universität begeht heute die Einweihung der neuen Aula

und

damit die Vollendung des neuerbauten Universitätsgebäudes.

neue Universitäts

gebäude Marburgs

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Synrrnetrie gänzlich vermissen und ein durchaus

0t| 'frei gruppiertes bauliches Bild vor uns aufsteigen 'läßt. Der eigentümliche Grundriß, auf dem

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Dominikaner und der Franziskaner, die beide der Ordenssitte gemäß auch in unserer neu

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sich dieses Bild aufbaut, ist aber nicht ein Er­zeugnis der Laune, sondern hat sich mit einer

bende Bauraum war in seinen Blassen nicht übergroß und dazu auf allen Seiten von schmalen Ltraßenzügen eingegrenzt, so daß es notwendig wurde, ihn trotz seiner unregelmäßigen Form voll auszunützen und beispielsweise einen Flügel der Bauanlage bis in den äußersten südwestlichen spitzen Dinkel dieses Bauplatzes hinein vorgehen zu lassen.

Die westliche Halle ist in ihrer Breite verdoppelt, sodaß sich hier eingeräumiger zweischiffigerWandel- raum bildet, dessen Gewölbe sich in der Mitte auf einer langen Reihe stattlicher Säulen stützen, lieber das beschriebene Viereck hinaus schießen der Ostflügel und der Südflügel verlängert in die entsprechenden Ecken des Bauplatzes hinein. Jene Verlängerung nimmt den an die Aula anschließenden neuen Rektoratssaal, diese eine weitere Folg« von Hörsälen auf. So ist der Grundriß des Hauptgeschosses beschaffen.

Diesem Hauptgeschoß ordnet sich ein anderes unter, das aber der Terrainneigung wegen nicht ganz ausgebaut werden konnte, vielmehr nur aus einem südlichen und einem östlichen Flügel besteht, übrigens in beiden Flügeln Hör­säle enthält. Heber dem Hauptgeschoß ist das Weftenbe des Südflügels nicht weiter empor­geführt, dagegen bauen sich die Flügel des Hauptvierecks nebst der Vorlage mit den des Senats­saals noch um eine doppelte Geschoßhöhe empor. Dadurch wird für die Aula die erforderliche innere Höhe gewonnen, sonst aber, nämlich auf dem Weft= und Südflügel, Gelegenheit, die Ver­waltungsräume der Universität unterzubringen. Hier ist das Rektorat mit seinen Aanzleiräumen belegen, ebenso die Universitätskasse und der Raum­komplex des Kuratoriums.

Das Universitätsgebäude ist in den Formen der Frühgothik erbaut, jenes streng-edlen Bau­stils, der in der Stadt von der Zeit des Mittel­alters her durch so glänzende Monumente wie die St. Glisabethkirche und die Kapelle und den Rittersaal des Schlosses vertreten ist. Die Formbehandlung ist im allgemeinen eine einfache, nur an gewissen Partien, so im Kreuzgange, an dem hohen Risalit der Südseite, an den Portalen und besonders bei der Aula, gewahrt man größeren architektonischen Reichtum. Tritt das Gebäude schon wegen des gewählten Baustils aus der Reihe der gewöhnlichen Staatsbauten heraus, so erhebt es sich auch über sonstige im gleichen Stil durchgeführte Bauten der Neuzeit durch die besondere Liebe, mit der es in allen seinen Einzelheiten durchgeführt worden ist. Da merkt man nichts von einem Schematismus des Details, sondern wo sich das Auge hinwendet, begegnet es einem steten Wechsel in Anordnung und Schmuck. Der Besucher, der in die Hallen des Kreuzganges eintritt, der eines nach dem andern der zahlreichen Portale betrachtet, der sich in das Einzelne der Hof- und Straßen-Fa^aden vertieft, wird stets wieder überrascht werden durch das Entgegentreten immer neuer, eigen­artiger, zierlicher Architektur-Motive.

Die Flügel des Kreuzganges sind mit Kreuz­gewölben überdeckt, deren Wölbflächen sich auf profilierte Rippen stützen, die ihrerseits an den Wänden von Laub geschmückten Konsolen getragen werden. An den Ecken der Flügel und in jener schon erwähnten Wandelhalle treten Säulen als Stützen auf. Die Schlußsteine der Gewölbe sind mit Laub und mit Wappenschildern dekoriert, auf diesen die Wappenbilder der 22 Universitätsstädte dargestellt, die in den Landen deutscher Zunge liegen. Zweitellige Fenster mit je einer Fensterrose darüber erhellen den Kreuz­gang. Diese Fensteröffnungen sind mit reichen Glasmalereien verglast. In jeder Fensternische finden sich zwei steinerne Sitzbänke angelSgt. Zur größeren Pracht entwickelt sich die Architektur dieser Flure am Südende der Wandelhalle, wo diese in ein hohes, durch zwei Geschosse hindurch reichendes Vestibül ausläuft. In der architek­tonischen Behandlung schließen sich dem Kreuz­gang die beiden Treppenhäuser an, die bestimmt

wattiger Höhe empor steigenden Risalite, der der Ostfront in jener dreifachen Gruppe von Pracht­fenstern, die die Aula erhellen. Ein fein decorierter Giebel überdeckt jedes dieser Fenster und die mächtig hohe, undurchbrochene Fläche des Unter­baues steigert nach dem Gesetz des Gegensatzes die Wirkung der genannten reicheren Motive. Der anschließende, himmelanstrebende Lhorbau der Universitätskirche vollendet das malerische Bild dieser Fahnde.

Das Material der Fahnden bestehtausschließlich aus Quadern von weißem Sandstein; er ist den Brüchen bei dem benachbarten Dorfe Wehrda ent- nommen, die vor 600 und mehr Jahren bereits die Werkstücke zu dem glanzvollen St. Llisabeth- münster geliefert haben. Die Dächer sind nach altdeutscher Art mit Moselschiefer eingedeckt. Kunstvolle Arbeiten in Schmiedeeisen und Blei verzieren die Thüren, die Dachspitzen und Firste.

Der Bau des Universitätsgebäudes ist in Zwei Abschnitten vor sich gegangen. Im Herbste 18?2 ward mit dem Abbruch der Klostergebäude begonnen, welcher zeitraubenden Arbeit sich die Errichtung des Neubaues mit Ausnahme des Aulaflügels anschloß. An Stelle dieses Flügels blieb vorläufig noch der alte Aula-, ehemalige Refektoriumsbau bestehen. Der Neubau innerhalb der so gezogenen Grenzen ward im Sommer 1878 festlich eingeweiht. In (887 wurde dann auch der genannte, sehr ruinöse Aulatrakt nieder­gelegt und in den Jahren 1887f891 der neue Ostflügel erbaut. Der Entwurf zum ganzen Gebäude rührt von dem ehemaligen Universitäts­baumeister Karl Schäfer her, der demselben seine beste Kraft gewidmet und in kühnem glück­lichen Zuge als ein Kenner und ein Meister der mittelalterlichen Kunst ein Werk versaßt hat, das gerade an diesem Bauplatz auch der Stadt zur besonderen Zierde gereicht, wer von Süden her mit der Eisenbahn zur Station Marburg fährt, hat ein großartig schönes Städtebild von schwer zu vergessendem Eindruck vor sich, in ihm nimmt das Universitätsgebäude einen höchst wür­digen Platz ein. Die Leitung des ersten Bauteils befand sich in den Händen des Universitäts- Baumeisters Schäfer, die des Ostbaues war der örtlichen Baubehörde anvertraut. Unter den Architekten, die in der zweiten Periode am Bau thätig waren verdienen der Regierungsbaumeister Zölffelund der RegierungsbauführerMagunna hervorgehoben zu werden, letzterer ist ein Schüler K. Schäfers, der bekanntlich seit seinem Scheiden von Marburg als Professor der Architektur an der Berliner technischen Hochschule wirkt. Die übrigen Mitschaffenden anlangend, gebührt eine ganz be­sondere Erwähnung dem Bildhauer I. B. S ch ö n e - seiffer in Marburg; von ihm rühren die nach vielen Hunderten zählenden Vrnamentmotive her, mit denen Kapitaler; Konsolen, Schlußsteine, Gesimse u. s. w. in stets neuer Mannigfaltigkeit und nie sich wiederholender Erfindung geschmückt sind. Auch fast alle übrigen Bauarbeiten wurden von Marburger Meistern hergestellt. Lin Ver­zeichnis derselben ist auf dem mit dieser Fest­nummer ausgegebenen Gedenkblatt enthalten. Ebenso eine Abbildung des Univerfitätsgebäudes nach einer photographischen Aufnahme von L. Bickell.

sind, den Verkehr durch die vier Geschosse des höheren Gebäudekörpers hindurch zu vermitteln.

Die Aula ist ein mächtiger Saal von 27Meter Länge und i^ Meter Breite. Sie wird von einer kraftvoll gegliederten Balkendecke abgeschlossen. Von gewaltiger Wirkung sind die drei Spitz­bogenfenster, die die Beleuchtung des großen Raumes besorgen. Sie sind auf der einen Längs- wand angeordnet und durchbrechen diese wand vollständig, sodaß sie gänzlich in Steinsäulen und gemalte Glasflächen aufgelöst erscheint. Jedes Fenster wird durch fünf Pfosten in sechs Abtei­lungen geschieden, über denen sich ein reiches Maßwerk aus Kreisen und sogenannten Pässen aufbaut. Die Anlage dieser Fensterwand möchte in ihrer Großartigkeit in der gothischen Profan­architektur ohnegleichen dastehen. Die Decke der Aula ist reich gemalt. Der Boden erhebt sich am Südende zu einem Podium, auf dem wir rechts und links in je drei Reihen die festen, chorstuhlartigen Sitzreihen mit reichen Orna­menten in Holzschnitzerei und die Wappenschilder der deutschen Universitäts-Städte, incl. Wien und Prag geschmückt, für die Professoren der Hoch­schule vor uns sehen. Im Hintergründe erhebt sich das reich dekorierte Rednerpult, vorläufig sind es drei Porträtbilder, die sich über Gestühl stud Wandtäfelung in diesem Raume aufgestellt finden. Das mittlere stellt den Gründer der Universität, Landgraf Philipp den Großmütigen von Hefien dar, die beiden andern gemalten Bildnisse sind die unserer Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich.

Sehr beachtenswert ist auch die Innen-Archi- tektur des neuen Senatssaales, dessen hochluftiges Sterngewölbe in der Mitte von einer Schlangen­säule getragen wird.

Die Hörsäle sind einfach ausgestattet, mit profilierten Balkendecken, Kreuzpfostenfenstern und schweren eichenen Thüren, deren unversteckte Beschläge eine kräftige Schmiedearbeit zeigen.

In allen Innenräumen des Gebäudes sind die architektonischen Glieder und Formen in solidester, echt kunstgemäßer weise aus Sandstein hergestellt worden; jede Zuhülfenahme der Stuck­technik ward verschmäht.

was das Aeußere des Baues anlangt, so fesseln durch den poetischen Reiz der Anlage zunächst die beiden Höfe. Der innere eigentliche Kreuzgangshof mit seiner ringsumher ziehenden Folge zierlicher Fenster, mit den dazwischen auf- steigenden Strebpfeilern, mit den über und hinter den Fensterwänden empor geführten höheren Gebäudefluchten darf in feiner stillen Ruhe dreist als ein in dieser Art selten wieder vorzufindendes architektonisches Kleinod bezeichnet werden. Zum besonderen Schmuck gereichen ihm die beiden vom Ostflur und vom Haupttreppenhaus herein führenden, ganz eigenartig durchgeblldeten Portale. Der äußere Hof, nur an zwei Seiten von Ge­bäudetrakten, auf dem andern von einem Eifen­gitter eingefaßt, in der architektonischen Behandlung dem ersten verwandt, ebenfalls zwei, wiederum ganz neu behandelte Portale aufweifend, enthält noch ein ganz besonderes Schmuckstück, es ist dies die mächtige, wundervoll gebaute Universitätslinde, die von jedem Vorüberziehenden bewundert wird. Sie entstammt der Zeit, wo in dem alten, zum Zweck des Neubaues abgebrochenen Kloster­gebäude sich das Gymnasium befand und wurde während des Abbruchs und der Bauzeit des Universitätsgebäudes durch besonders getroffene Vorsichtsmaßregeln unter Schutz genommen und intact erhalten.

Der Schmuck der Südfa^ade liegt hauptsächlich in der reicheren Architektur der beiden zu ge-

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Stütt entstandenen Stadt die Stadtgrenze als Ansied - ßjUj. lungsort auserwählt hatten. Die beiden Klöster oerkäch bildeten mit ihren massigen Baulichkeiten gewisser­maßen große Turmanlagen, die wohl geeignet

tung des Platzes wurde eine symmetrische Bau- Q» wlage im höchsten Grad erschwert und der (3-3 Architekt auf eine rein aus dem zweckmäßigen " " Zusammenhang der Räume herauswachsende Plangestaltung hingedrängt.

Er wählte dafür als Hauptmotiv die den alten Klöstern eigene Kreuzgangsanlage und legte der Südseite der Kirche einen ungefähr quadratischen Hof vor, der an allen vier Seiten von gewölbten Flurhallen umzogen wird. Während die nördliche dieser Hallen die Länge der Kirche bekleidet und die hier befindlichen '"(26$ Kirch enthüren zugänglich macht, schließt sich an die östliche Halle die Aula an, der südlichen Halle aber legt sich eine Reihe von Hörsälen vor.

Von beiden Klosteranlagen sind noch heute mehr oder weniger ausgedehnte Reste erhalten. Während die Ueberbleibsel der Franziskaner- . ..»bauten in dem Gebäude der Universitäts- GeiÄ Bibliothek unschwer aufzufinden sind, steht die t Kirche der Dominikaner noch unversehrt aufrecht ' 388 da, an die Stelle der ihr ehemals angebauten Klosterräume aber ist der Neubau des Univer-

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' Dazu liegt das ganze Terrain schon am Berg- Ikfi abhang; es weist in der Richtung von Norden nach Süden sogar ein mächtiges Gefälle auf: der Abstieg vom Fuße der Nordmauer der Universitätskirche bis hinab zum Rudolfsplatz **** beträgt gegen siebzehn Meter. Auch durch diese bedeutende Unregelmäßigkeit in der Höhengestal-

gezogene Gebäudemasse der Burg, des Schlosses, i TJ gebildet war. Die südliche Viereckseite, die Thal- *25$ (eite, war bereits im 15. Jahrhundert an ihren ^beiden Enden besetzt von den Niederlassungen der

* gewissen Notwendigkeit aus den besonderen ver- attfd baltnissen der Baustelle ergeben, die es zu benutzen galt. Der unterhalb der alten Dornini-

L ferner-- und jetzigen Universitätskirche verblei-

üegt nicht nur innerhalb des ältesten Stadtgrundes, zer ! sondern auch jetzt nach der südlichen Ausdehnung 1 der Stadt annähernd in der Mitte derselben. Als lanbgraf Hermann gegen ;255 die Stadt Mar­burg mit Mauern umzog, gab er ihr die Grund­form eines ziemlich regelmäßigen Vierecks, dessen Fläche sich an der Berglehne empor zieht und dessen obere, nördliche Seite durch die lang hin-

fitätsgebäudes getreten.

Htpit s Wer sich diesem Gebäude zum ersten Male JUvlr nähert, wird überrascht durch die Unregelmäßigkeit der Grundanlage, die die bei öffentlichen Bauten HIUV au5 euerer Zeit sonst ausnahmslos herrschende

LILfL waren, die benachbarten Mauerstrecken wirksam verteidigen zu helfen.

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