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Mehr als zwölf Tage wäre» Hergänge«, zwölf 'age der peinlichste« Unruhe, der Not «nd der Ent. behrung für die (gefangenen, nnb der quälendsten
Erfcheim täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/* Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (ejft Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.
Marburg,
Freitag, 5. Juni 1891
Südlich, «ach tagelanger Eisenbahnfahrt, war man * Ziele.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte?, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Boqler mFrankfurt a.M., Cassel, Magdeburg ».Wien; Rudolf XXVI Qtrtfirrrrtttrt Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; @. L. ’1
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berliu, Hannover, Pari?.
17 111 Personen beschäftigt waren, und zwar davon im Handwerke 4606 und im Fabrikbetriebe 8650 : männliche Personen. Unter Öen Handwerkern be- I fanden sich 1334 Tischler, 1162 Schuhmacher, i 971 Weber, 657 Schneider, 420 Schlosser, 66 : sonstige Handwerker; im Fabrikbetriebe waren 1 1950 Personen als Zigarrenarbeiter, 978 all : Maschinenstricker, 930 als Bürstenmacher, 909 ■ als Korbmacher, 999 all Buchbinder in der : Etuimacherei. Ein bemerkenswertes und unerwartetes Faktum ist es, daß Schneiderarbeit von den i Unternehmern nicht mehr in demselben Umfange wie 1 früher verlangt wird. Dies hat feine« Grund darin, : daß die Arbeitskraft bei freien Arbeiters zuweilen : einen noch niedrigeren Preis hat als die Gefangenenarbeit. Namentlich die sog. Herrenkonfektion (fertig verkaufte Herrengarderobeartikel von schlechterer Qualität) wrrd schlecht bezahlt; es kommt vor, daß für dal »«fertigen einer (Leinen-)Hose nicht mehr als 25—50 Pfennig, ja sogar 20 Pfennig bezahlt wird. Dal ist übrigens auch gegenwärtig noch so. Wal die Frauen betrifft, so waren davon als Fabrikarbeiterinnen beschäftigt : 378 in der Weberei, 400 ün Zigarrenmachen, 128 im Stricken und 182 in der Herstellung von Federn und Blumen. Der zuletzt genannte Zweig der Gefängnisarbeit hat in den letzten Jahren der freien Industrie dieser Branche den empfindlichsten Schaden bereitet. Dem Reichstage liegt auch jetzt wieder eine Petition dagegen vor: die Ziffer 17 000 thut immerhin dar, daß die der freien Arbeit durch die Gefangenarbeit bereitete Konkurrenz zurzeit einen unerwünscht hohen Umfang erreicht hat.
Bochum. Bor dem Landgericht in Esten begann am Montag der Prozeß gegen den Chefredakteur Fulangel und den verantwortlichen Redakteur Lune- mann der ultramontanen »Westfälischen Bolksztg.", wegen der Artikel des genannten Blatte» über die Bochumer-Steuereinschätzungl-Verhältnisse. Die Anklage lautete auf wiederholte verleumderische Belei- digung und Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten. El sind weit über 100 Zeugen geladen, da die Beleidigten sämtlich als Nebenkläger auftreten, so dürften die Verhandlungen mehrere Tage in Anspruch nehmen.
München, 3. Juni. Der Reichstagsabgeordnete v. Vollmar hat sich in München in einer sozialdemokratischen Versammlung über die Stellung der Sozialdemokratie zur auswärtigen Politik des Reiches in bemerkenlwerter Weise ausgesprochen. Wir citieren nach einem Berichte der »Münchener Neuesten Nachrichten": „Herr v. Vollmar lobte den Dreibund, vor Mitternacht nicht hier oben sein. El bleibt uns daher noch Zeit genug znm Rückzüge. Bazarjik, bringe de» Gefangenen heraus. Ich mache dich für denselben verantwortlich. Uebermorgen, zur bestimmte» St»»de, finde ich dich t» Demetrius Philoyil Ziegeust ll. Hast d» mich verstanden?"
Bazarjik nickte grunzend und eilte, begleitet von sechs Banditen, tu das Innere der Hütte.
»Nun zu dem jungen Mädchen, Bulga l« rief Gika »nd eilte, von der Bäuerin gefolgt, den Abhang hinunter.
Als Gerald do» de» rohe» Fäuste» der Banditen ans seinem Verschlage heransgezerrt wurde, vernahm er draußen, »»weit der Hütte, die angsterfüllte Stimme Valeska's, welche verzw-ifluugsvoll feinen Namen rief.
Er stürzte auf die Thür zu »nd erblickte hier das junge Mädchen, welche! von Bulga nnb Gika eiligst bavongeführt würbe nnb sich vergeblich ans ben Händen dieser beide» z« befreien strebte.
.Gerald l" rief fie ihm z». „Um Gotteswillen hilf mir! Sieb nicht zu, daß fie uns trennen!"
»So lange ich lebe, niemals 1* schrie er.
Ihre Angstrufe verdoppelten fich, er aber konnte ihr nicht beiftehen. Er sah fie im Dickicht verschwinden nnb im nächsten Augenblick hatte mau ihm bie Hände °uf bem Rücken gefesselt nnb eine »tobe vor die Angen gelegt, nnb zugleich fühlte er an jeder Schläfe bie kalte Mänbnng einer Pistole.
Balrlka! Wehgeschrei erstarb in der Ferne.
„Wen» Ihnen Ihr Leben lieb ist", rannte Bazarfik ihm zu, dann halten Sie den Mund nnb gehe«, wohin Sie geführt werben. Vorwärts, schiebt ihn dnrch bie Thür!"
®eialb spürte eine« heftigen Stoß, er stolperte an der Thürschwelle und stürzte zu Bode«. Zwölf Arme rissen ihn wieder empor und stellten ihn auf die Füße, und jetzt merkte er an bem frische» Hauch del Sommerabendl, daß er fich unter freiem Himmel befand.
Er fühlte fich an den Armen ergriffen und vor. wärt! gerissen. Geblendet und willenlos trabte er
i Deutsches Deich.
i Berlin, 3. Juni. Der Kaiser und die 1 Kaiserin haben am Mittwoch ihren kurze» Ausflug noch Kiel beendet »nd am Abend die Rückreise nach
, Berlin angetreten, woselbst die Ankunft heute 1 Donnerstag früh erfolgt. Während seiner freien ■ Zeit widmete sich der Kaiser hauptsächlich seiner > neuen Jacht „Meteor", zu deren Empfangnahme : und Besichtigung er nach dem Ostseehafen gereist I war. — Zur Kornfrage teilt bie „Nat.-Ztg."
mit, baß aus Nordamerika unb Ostindien ganz kolossale Mengen Korn fich auf dem Wege nach ; Deutschland befinden. An der Berliner Börse steigt l der Roggenpreil noch; der Weizenpreis beginnt ; anscheinend langsam zu fallen. — Eine „Enthüllung" 1 über die Ursachen der hohen Kor»preise ver- ' öffentlichen die „Hamb. Nachrichten, das Organ deS
Fürsten Bilmarck. Dieselben erhalten eine Zuschrift, ' in welcher behauptet wird, die Agitation gegen die
Getreidezölle gehe hauptsächlich von einigen großen Berliner Firmen aus, welche bedeutende Quantitäten Roggen (angeblich über 100 000 Mispel) zu hohe» Preisen verkauft hätten und jetzt die Anschaffung dieses QuantumS nur unter großen Verlusten möglich machen könnten. Dieselben würden im Falle einer Suspendierung der Getreidezölle die vereinbarten Preise nach wie vor verlangt und auch erhalten haben, und hätten dann also mühelo! Millionen verdient. Keinesfalls hätte das Publikum von der Suspendierung der Kornzölle auch nur den mindesten Nutzen gehabt. — Die heutige Sitzung del Kolonialrates begann mit der Berichterstattung des Konsuls Vohse» über bie Baumwollenkultur. Debatte unb Beschluß über bie vorgelegten Resolutionen wmden bis zur Fertigstellung des schriftlichen Berichtes ausgefitzt. Ei« gleiches Ergebnis trat be. züglich der Frage der Zulassung der Gesellschaften zum Geschäftsbetriebe ein. Es folgte bie Beratung über bie Eisenbahn Tanga-Korogwe. Der Kolonialrat trat im wesentlichen den Beschlüssen des Ausschusses bei. Zu Mitgliedern des ständigen Ausschusses werden gewählt: Staat-Minister Hofmann, Staats- sekleiär Herzog und Bankchs von der Heydt Elberfeld, zu Stellvertretern Staatssekretär Jacobi, Domherr Hespers und Wörmann. — Heber den Umfang der industriellen Arbeit in den preußischen Gefangenen-Anstalten macht ein amtlicher Bericht bei Ministeriums bes Innern die Mitteilung, daß während des Etatsjahrei 1889/90 gegen Lohn für private Unternehmer
Augst unb Besorgnis für ihre Angehörige» unb Freunde. Der Konsul hatte einen Boten an bie Briganten aefenbet, mit ber Nachricht, daß baS Lösegeld von Rußland her bereits unterwegs sei, unb mit ber dringenden Bitte, bis zum Eintreffen desselben »och Geduld zu haben.
Gika zeigte fich bamtt einverstanden; fein einziger Zweck war, Geld zu erpressen unb so war er ans. rtl^Jro6' i“ de» äußerste» Mittel greifen r« müsse». Jetzt war auch Valeska in feiner Gewalt uub dadurch hatte er bie Gewißheit erlangt, daß das Geld bl! anf ben l-tzten Piaster pünktlich gezahlt werden würde.
Man hatte die Gefangenen von einanber getrennt, fo daß keiner von der Lage des andern etwas erfahren konnte. Geralds Stimmnng war durch die Ungewißhett über dc s Geschick Valeskas eine so düstere, ja gefährliche geworden, daß die Briganten fich veranlaßt sahen, ihn mit dopp.lter Vorficht z» bewachen.
Eine! Tages, als die Sonne sich bereits dem westlichen Horizonte gnneigte, vertriebe» sich der Happtmao» und einige Mitglieder der Bande wie gewöhnlich die müßige» Swude» mit Würfelspiel. Plötzlich entstand ein Streit unter ihnen, man be» schuldigte sich gegenseitig des Betrugs, die Gemüter erhitzte» sich mehr nnb mehr, «nb es tarn z» Schlägen nnb Stöße», von denen selbstverständlich der gänzlich unbeteiligte Demos da! meiste erhielt.
Schon wurde hier und da ein Messer blank ge» zogen, da übertönte die Stimme Bulga! laut und schrill da! wüste Getümmel.
»Die Soldaten komme« l" schrie die junge Bäuerin. „Da! Thal wiwmeft bereits von ihnen l"
,3» den Waffen l" brüllte Gika. ।
Die Männer hatten im Nu ihren Sttett vergessen ! und eilten an die Gewehre.
»Wo hast du die Soldaten gesehen, Bulga?" fragte I der Häuptling. |
-Dort unten, am Fuße des Delpoto-Dagh!" „Dann find fie noch weit entfernt und könne« i
sprechende cm ihre Stelle zu setze». Denn die Voraussetzung del Vorhandenseins bei gesetzlich vorgeschriebeuen Reservefonds wirb man als ein 1 irgenbwie auch nur annähernbes, geschweige benn , gleichwertiges Aequivalent nicht betrachten können. : Sodann ist bie Absicht bei verbündeten Regierungen, : die Institution der Krankenkasienverbände, deren
Funktionen erweitert werden sollen, zu stärken, dadurch hinfällig geworden, daß die Kommission den : Paragraphen, welcher der höheren Verwaltungsbehörde : im Notfälle dal Recht ber zwangsweisen Bildung : folcher Verbände gab, vollständig gestrichen hat. ■ Ohne diese Vorschrift aber sind sämtliche Bestimmungen über bie Krankenkassenverbänbe wertlos; denn bie meisten Kassen werden aus persönlichen Interessen nicht freiwillig zu einem Zusammenschluß gelangen. Der Zwang ist das unbedingt nötige Korrelat zur Festsetzung der Kaflenverbände. Die Be'eitigung der Vorschrift, daß ben kontraktbrüchigen Arbeitern bie Wohlthate» del Anspruchs auf bie Krankenunterstützung auch nach bem Ausscheiden aus der Kasse nicht zuteil werden sollen, ist ebenso bedauerlich. Ma» hat sich nicht gescheut, in der Gewerbeordnungsnovelle dem Kontraktbruch zu Leibe zu gehen und den Arbeiter daran zu erinnern, daß er auch Pflichten gegen ben Arbeitgeber hat. Die von ben verbündeten Regierungen vorgeschlagene Vorschrift in bet Krankenkassen»ovelle würde eine glückliche Ergänzung der Gkwerbeordnungsbestimmung fein. Schon aul diesen Beispielen wird mm erkennen, wie berechtigt unser Urteil über bie Arbeiten bei Reichstagskommifsiou zur Vorberatung ber Kcankenkassennovelle ist. Auch bie Aenderungen, welche fit in bem Abschnitt über dal freie Hilss- kaffenwesen vorgenommen hat, ftnb nicht geeignet, das Urteil nach einer anderen Richtung zu beeinflusse». Im Gegenteil. Auch hier zeigt fich die verschlechternde Hand in fast ollen Punkten. Das Plenum des Reichstages wird Mühe haben, bie not» wenbigen Korrekturen an ben Beschlüssen seiner Kommission vorzunehmen. Das beutsche Gewerbe aber, welche! durch die Beiträge und Arbeiten für die Kranken-, Unfall-, JnvaliditätS- und Altersversicherung belastet ist und vom 1. April 1892 ab neue Erschwerungen durch die Gewerbeordnungsnovelle erfahren wird, darf wohl verlangen, daß man ihm bei der Krankenversicherungsresorm nicht noch neue große Opfer zumutet, sondern im Gegenteil diejenigen Aenderungen vornimmt, welche die praktische Handhabung des Krankenkassengesetzes et« leichtern unddieZwangskcanfenkasiennichtbenachteiligen.
Ohne Aufenthalt, ohne fich Zett zur Erholung zu gönnen, ohne auch nur bei Herrn von Reimar vorzusprechen, eilten bie beiben Reisenben sogleich ö»m Paschalik, nm keine Minute ber kostbaren Zett zu verlieren.
Der Pascha, ein großer, bicker, trüget Muselman», mit bem man fich nur mühsam verständigen konnte, ließ anfänglich seinen Tschibnk nicht ans bem Munde. Al! ber Graf fich jedoch als russischer Major an!, wies, ließ er fich herab, den Forderungen ber beiben Herren mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
Achmet B-y würbe herbeigeholt unb befragt; man nahm eine Karte ber Gegend zur Hand, nnb während der alte Major und ber junge Leutnant anf berfelben hemmsnchte», schlenderte Lindström in ben Hof hinaus nnb verteilte Bakschisch (Trinkgelder) nutet bie im Schatten ber Veranden lungernden Soldaten.
In baS HanS znrückgekehrt, gelang es ihm, auch mit dem Pascha nnb Achwet Bey unter vier Angen einige Worte zu wechseln, wobei es fich heranSstellte, daß tiefe beiben Herren ebenfalls leutselig genug waren, um ans ben Händen des Stahr einen an» ständigen Bakschisch mit dankbarem Schmunzeln an« znnehmett.
Jetzt kam Leben ins HanS. Boten flogen hierhin und dorthin, nm landeskundige Leute anfzntreiben, die als Führer diene« sollte«; auch zwei neue Trnppm- abteilnngen wurden mobil gemacht.
Der allmächtige Bakschisch that allenthalben seine «überhaste Wirkung, unb dB bie Expedition zum ; lnfbruch bereit war, da trat der Pascha in höchsteigener krfou mitten in ben sonnigen Hof hinaus nnb stellte te Truppen in feierlicher Ansprache unter bal Kommando be! berühmten Heerführer!, de! Grafe» Hektor vo» Kleist.
Kaum eine Stuube nach bet Ankunft be! letzteren tnf dem Schloß am Weiher befanden die beiden Herren fich bereit! anf der Fahrt nach Süden.
* a Der alte Lindström war telegraphisch hiervon in tu. Keuutnis gesetzt worden; er schüttelte zwar den Kops v »er diese eigenmächtige Handlungsweise seine! vohuel, depeschierte aber nichtsdestoweniger an ben (348 Mscheu Konsul in Philippopel nnb auch an bie 8asf daselbst, die er aumteS, zehntausend Rubel für toe Rechnung zur Ablieferung an seinen Sohu, der wrch den Konsul, Herrn von Reimar, und durch den
. „ •tofen Kleist nötigenfalls legitimiert werden würde, in® *«it z» halten.
3 t Es schien, als ob Graf Hektor feit dem ersten "igenbltd dieser Fahrt nm ein halbes Menschen» £ter jünger geworden wäre, als ob er die Last vieler We von sich abgestreift hätte.
Er wurde nicht müde, ben Erzählungen bes fange» Schweden zu lausche», ber ihm von ber Jugendzeit Ave! Neffen, von ben gemeinschaftlich erlebten kleinen Wentenern nnb auch von allerlei munteren Streichen ^richtete, bie Hektor Orlvoius al! Knabe teils ans N'»e Faust, teil! mit Hilfe feines Busenfreundes «stav anSgeftbt hatte. Auch von bet Tüchtigkeit «Selben in feinem Berufe wußte er viel zu erzähle», *•! bem alten Grasen eine stolze Genngthunug ge» führte. ÄleS aber überwog baS nngebnlMge Vek» jWn, sobald all möglich »ach Phüippopel an *®»e».
Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain _____________Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Martt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Ire Lrankentferltcherttttg -er Arbeiter.
Unter benjenlgen Vorlagen, welche ber Reichstag bei seiner Böltagung unerledigt gelassen hat, dürfte die Krankenkaffennovelle nicht nur für die beteiligten Kreise, sondern auch allgemein die weitaus größte Bedeutung besitzen. Sie wird denn auch, wenn der Reichstag im Herbste wieder zusammen getreten fein wird, sogar neben ben zu erwartenden so hoch wichtigen Elörterungen auf handelspolitischem Gebiete eingehende Beachtung finden Man hat ihretwegen die Session de! Reichstags nicht geschlossen, sondern vertagt. Man wollte bie Vorberatungen in der Kommission nicht umsonst angestellt haben und an sich wird man dies Verfahre» nur billigen können, wenn el vielleicht auch angezeigter gewesen wäre, die Session nochmal! nach Pfingsten aufzunehmen, um mit dem gesamten Arbeitspensum reinen Tisch zu machen. Daran ist ja allerdings jetzt nichts mehr zu ändern. Mat hat nun wenigstens genügend Zeit, die Beschlüffc der Kommission über die Krankenkassennovelle eingehend anf ihre Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit zu prüfen.
Als die verbündeten Regierungen ihren Eniwur dem Reichstage unterbreiteten, herrschte nur eine Stimme unter den Gewerbetreibenden, nämlich die, daß die Novelle den praktischen Bedürfnissen entspräche und mit einer Reihe von Mißständen, welche fich in der Handhabung des Krankenkassengesetzes fist dem Ende 1883 gezeigt haben, aufräumen würde. Nachdem die Kommission des Reichstags ihre gesetzgeberische Tätigkeit an der Novelle geübt hat, wird das Urteil nicht mehr fo einhellig sein. Im Gegenteil, es muß dahjn lauten, daß fast überall die Kommissionsbeschlüffe, welche Abänderungen bedeuten, Verschlechterungen der Vorlage der verbündeten Regierungen darstellen. Einige besonder! hervor- chende Beispiele wollen wir hier ansühren. Be- ;konntlich schlug die Regierungsvorlage vor, ben ffen bie Befugnis zur Beseitigung der breitägigen renzzeit zu gewähren. Ta hiermit indessen auch n Arbeitgebern eine weitere große Last aufgebürdet wden sollte zu den anderen, ’ welche sie bereits t den sozialpolitischen Gesetzen übernommen aben, so war es eigentlich selbstverständlich, daß
Aufhebung der Karrenzzeit von der Zustimmung Arbeitgeber abhängig gemacht wurde. Diese Vor- rift der Regierungsvorlage hat die Kommission fach umgestoßen, ohne auch nur ben Versuch zu achcn, eine andere die ähnliche Beschiänkuvg aus-
(Rachdruck verboten.)
Spates Glück.
Roman von Friedrich Meister. (Fortsetzung.)
Der Graf hatte beschlossen, sofort persönlich nach HLstpopel z» reisen, ein Entschluß, ben ber junge wdström ohne lauge! Besinnen auch zu bem feinen 'te.