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WöchenUiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Expeditton: Marti 21. — Redaktton, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 127.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expedition 2‘/„ Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserttonsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch, 3. Juni 1891.
Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton d. Blatte«, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a.M., Cafsel, Magdeburg ».Wien; Rudolf XXVI Moste in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; G. L. 1 *' *VUi7t öUU»* Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Vorläufige Lösung -er Getreidesoll- Fruge.
Berlin, 1. Juni 1891.
In der heutigen Sitzung des Hauses der Abgeordneten ergriff der Reichskanzler und Mmister- Piäsident ton Caprivi vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu folgender Erklärung:
Erörterungen, welche am 27. v. M. in diesem Hause stcttgefunden haben, haben die Frage, ob die gegenwärtigen Verhältniffe zu einer baldigen Herabsetzung oder Aufhebung der Getreidezölle nötigten, zu einer so brennenden gemacht, daß die Königliche Staatsregierung sich veranlaßt sieht, die Erklärung abzugeben,
es liege nicht in ihrer Absicht, die Herabsetzung oder Aufhebung der Getreidezölle beim Bundesrat in Anregung z« bringen. (Lebhafter Beifall rechts. Bewegung.)
Ich bitte um die Erlaubnis, diese Erklärung mit einigen kurzen Motiven begleiten zu dürfen.
Seit Bedenken über den Ausfall der jetzt auf dem Halm stehenden Ernte laut wurden, hat die Staatsregierung es sich angelegen sein kaffen, zu erforschen, wie die Frage der Broternährung sich im In- und AuSlande stellen würde. Diese Recherchen nahmen einen ruhigen Fortgang biS zu der eben erwähnten Sitzung, bis wir sahen, eine wie hochgradige Aufregung ins Land getragen wurde, eine Aufregung, die uns die Notwendigkeit klar machte, bald, schneller als wir eS ursprünglich geglaubt hatten, zu einer Erklärung gedrängt zu werden. Dazu kam die gleichzeitige Ermäßigung und Aushebung der Zölle in einem Nachbarlande.
ES liegt der Staatsregierung ein sehr reiches Material vor, eine Menge von Zahlen, eine Menge von Aeußerunge» sachverständiger Personen verschiedener Berufskreise. Indessen ich muß ohne weiteres zugeben : all dieses Material würde einen ziffermäßigen Beweis für die Richtigkeit des Verfahrens der Staats» regierung beizubringen nicht ermöglichen. Diese Zahlen find zumteil ihrer Natur nach unsicher, sie beruhen auf Schätzungen; fie find oft schon acht Tage, nachdem sie eingebracht worden sind, durch veränderte Verhältnisse falsch geworden. Aber trotz alledem hat die Staatsregierung die ganz feste lieber» zeugung gewonnen, daß von einem Notstände im Lande zur Zeit nicht die Rede sein kann (sehr richtig! rechts), und daß die gegenwärtigen Verhältnisse Gott sei Dank! auch keine Aussicht Dafür geben,
(Nachdruck verboten.)
Spates Glück.
Roman von Friedrich Meister.
(Fortsetzung.)
Allein der Verlaus, deu die Berhaudlnua uahm, schien sich nur wenig günstig sür diesen Plan gestatten zu vollen.
Er hielt es daher für geraten, die Erwartungen der Räubergeselleu mit einem Schlage zunichte zu wache« und bann mit seinem persönlich-n Einfluß die daraus ersolgeude Empörung zu beschwichtigen.
»Ehe wir darau denken, unsere abwesenden Frenude zn bezahlen, wollen wir doch einmal erst uutersnchen, was dieselben sür uns gethan haben', begann er im Tone erkünstelten Unwillens. »Sind die Informationen, die fie nn8 sendeten, etwa richtig gewesen? Keineswegs! Im Gegenteil, diese Lente, welche jeden Gewinn mit uns teilen und dabei nichts auss Spiel zn setzen brancheu, haben stch nicht einmal die Mühe gegeben, uns den richtigen Mann zu kenn- zeichnen l Und das Resultat dieser Nachlässigkeit ist, daß wir j-tzt die Angeführten find!'
.Was? Die Augeführteu?'
.Jawohl, die Augeführteu! Lei allen Helltgen, ich wtttere Verrat dahinter!'
Und in aut gespielter Suttüstuug rief er alle Mächte des Himmels, der Erde und der Hölle an, jene abwesende«, tteulosen Freunde nnd Verbündeten zu bestrafe».
Dieser diplomattsche Kniff blieb nicht ohne Wirkung und richtete die Wut der eottäuschteu Baude, die fich sooft sofort über dem Haupte des Befangenen entladen haben würde, gegen die Helfershelfer in der Ferne.
, .Ja', fuhr Gik- fort, „nur durch die Gewissen» lofigkett jener Menschen ist nnser Plan geschettert l Man hat nur betrogen und am Narreoseil geführt! Luser Gefangener ist nicht der richtige Manu!"
»Nicht der richtige Staun?!" brüllten die Ränder.
daß es zu einem Notstände kommen wird. (Sehr richtig! rechts.)
Nicht einmal außergewöhnliche Maßregeln würden durch die Anschauung, die die Staatsregierung von der Lage im Lande bekommen hat, hinreichend motiviert werden.
Wir haben in Bettacht zu ziehen gehabt die kommende Ernte im Jnlande. Daß fie keine gute werden wird, halten wir für wahrscheinlich, für ebenso wahrscheinlieh aber, daß sie besser werden wird, als man noch vor 14 Tagen erwartet hat. (Sehr richtig!)
Wir werden voraussichtlich, wenn nicht unerwartete Naturereignisse eintreten, eine Mittelernte haben; eine solche Mittelernte aber giebt keinen Anlaß zu dem Glauben, daß wir vor einem Notstände stehen würden.
Wir haben dann in Betracht ziehen müssen, welche Vorräte haben wir im Jnlande? DaS ist unendlich schwer zu schätzen. Diejenigen Leute, die etwa noch größere Vorräte in Händen haben, sind naturgemäß wenig geneigt zu Offenbarungen; auf der anderen Seite ist eS zweifellos, daß im Lande eine Unzahl kleiner Posten für den eigenen Bedarf vorhanden sind, die sich jeder Schätzung und jeder Zählung entziehen. Die Summe dieser kleinen Posten aber ist voraussichtlich größer, als im Allgemeinen angenommen wird.
Wenn wir also auch nicht verkennen, daß die Verhältnisse im Jnlande so find, daß sie nicht aus- reichen, das Land zu ernähren, so sind wir auf der anderen Seite nicht besorgt. Es muß zugegeben werden: wir haben hohe Preise für das Brotkorn; indessen auch diese Preise sind nicht so, daß sie uns beunruhigten. Wir haben seit dem Jahre 1850 in sieben Jahren Jahresdurchschnittkpreise gehabt, die ungefähr auf der Höhe standen, auf der unsere Roggenpreise heute stehen. (Sehr richtig! rechts. Hört! Hört!)
Wir mußten unS nun weiter fragen: wie steht nun bal Ausland? Wir sind auf den Import angewiesen ; seit einer Reihe von Jahren hat Preußen Lusgehört, ein Getreide exportierender Staat zu sein. Wir sind auf de» Import angewiesen und je m-hr die BevölkerungSziffer steigt, um so mehr werden wir darauf angewiesen bleiben. Es fragt fich also: werden die Länder, die uns gewohnheitsmäßig bisher mit Getreide versehen, unseren Bedarf bedeckt haben —, werden die zur Zeit im Stande fein, den vergrößerten Bedarf ebenfalls zu decken? und wir glauben diese Frage bejahen zu müssen. E» kommen da in Bettacht außer Oesterreich-Ungarn: Rußland,
„WaS! Hat er etwa kein Selb!"
„Nicht eine« Piaster!" entgegnete Aiko.
„Dann hat man uns bestohlen und beraubt!" schrieen die Banditen wie mit einer Stimme.
„Ganz recht, meine H-rren", sagte Gerald höflich in seiner Muttersprache, man hat Ihnen geraubt, was Sie nicht stehlen konnten."
Obgleich sie kein Wort davon verstanden hatten, so wurden fie durch seine kühle, spöttische Höflichkeit doch dermaßen in Wut gebracht, daß ein allgemeines Geschrei und die dazwischentöneuden Stufe: „Schlagt ihn tot! Bringt ihn um!" wie ein Sturmwind dte Hütte erschütterten.
Bazarjik zog sein Messer, streifte den Aermel auf und sprang wie ein wildes Tier auf den Gefangenen loS; Gerald aber wich geschickt dem tötlichen Stoße aus, dann packte er feinen Angreifer an der Kehle und schleuderte ihn settwärtS zu Boden.
Jetzt loderte die blutdürstige Rachsucht dieser Halbwilden in jähen Flammen ans, ein wüstes Mordgeschret- erfüllte dte Hütte, in welchem vereinzelt der befehlende Ruf de» Hauptmann-S und die herausfordernde Stimme Geralds hörbar wurde.
Ein Dutzend Büchsen richtete fich auf die Brust de» G-faugeueu, dessen Sude um mehr, aller meusch» lichen Vorausficht nach, unmittelbar bevorftaud, al» plötzlich, im Moment der höchsten Gefahr, die Thüre aufgestoßen wurde und DaleSka hereinstürzte, die fich mit einem wilden, durchdringenden Aufschrei zwischen Gerald und dessen Mörder warf.
Dte so gänzlich unerwartete Erschetuung de» jungen Mädchens erfüllte die Räuber mit fast abergläubischem Erstaunen; schweigend wichen fie zurück, in unwillkürlicher Shrerbietuug vor so viel Mut und so viel Schönheit.
In der offeugebliebeneu Thür erschien jetzt Bulga, um die Neuangekommene mit mißfälligen Blicken zu mustern.
Sika zögette nicht, die veränderte Lage der Dinge auszubenttu.
Nord-Amerika und Indien. Die Nachrichten über den Erntestand in Oesterreich - Ungarn laute» ungefähr so, wie unsere eigenen, die Rußland» im Norden weniger günstig, in der Mitte und im Süden dagegen scheint sich die Sache erheblich besser zu gestalten, al» matt noch vor kurzem annahm. Gegründete Aussicht aus eine sehr gute Ernte haben Nord-Amerika und Ost-Indien. Daran» folgt, daß ein Teil dieser Länder im Stande fein wird, denjenigen Zuschuß zu leiste», dessen Deutschland bedarf, um bis zur nächsten Erntt fortzukommen und auch nach der nächsten Ernte, da wo es etwa fehlen sollte, auszuhelfen.
Die Nachrichten, die die StaatSregierung aus Handelsplätzen von hervorragenden Kaufleuten, von Rheder», von Versicherungsgesellschaften rc. eingezogen hat, gehen übereinstimmend dahin, daß zur Zett erhebliche Transporte bereits »ach Deutschland unterwegs sind. Es soll daS, wie man mir sagte, eine Erscheinung sein, die alle Jahre eintritt, daß im Mai, Juni und Juli die Importe sich zu steigern pflegen. ES wird in diesem Jahre natürlich noch wahrscheinlicher, teil» durch unsere hohen Preise, teils aber durch Verhältnisse in jenen Ländern, auf deren Import wir angewiesen find. UnS scheint eS zweifellos zu fein, daß der nordamerikanische Markt in dem Bewußtsein vor einer überreichlichen Ernte zu stehen, im Begriff ist, abzuschieben, waS er au» vorjährigen Beständen noch übrig hat. Wir werden nach'Wochen zählen können, bis daS erste ostindische Getreide auf dem europäischen Weltmarkt einttifft.
Nun ist das, waS aus Nord-Amerika und auS Ost-Indien auf unseren Markt kommt, vorherrschend Weizen, während eS ja bekannt ist, daß in Preußen das Roggenbrot noch die Nahrung de» größten Teils unserer ärmeren Klaffen ist, daß also der Roggen noch eine hervorragende Rolle spielt. Indessen auch in dieser Beziehung glauben wir keine großen Befürchtungen hegen zu müssen. Soweit wir die Sache übersehen können, find in Rußland noch Roggenbestände, die sich, wie c8 scheint, in den Händen einzelner reicher Personen befinden, die auf den Augenblick warten, wo e» ihnen nutzbringend erscheinen wird, damit auf dem deutschen Markt zu erscheinen.
ES ist ferner eine nicht erst jetzt beobachtete Erscheinung, daß in Deutschland der Weizenkonsum im Verhältnis zum Roggenkonsum zunimmt, mag das Motiv davon sein, daß die Bevölkerung mehr Geschmack am Weizen findet, mag e8 der steigende Wohlstand sei», mag es auch die Abnahme deS
„Achtung!' ries er mit schallender Stimme. „Gewehr ab! Znrücktreten!'
Mechanisch gehorchten die Banditen dem Kommando wort.
Mit vollendeter Höflichkeit ttat der Hauptmann nunmehr auf Valeska zu; er nahm seine Kappe ab und sagte:
„Ich bin erfreut, eine so schöne und so tapfere junge Dame unter meinem armseligen Dache begrüßen zu dürfen. Zugleich aber möchte ich mir auch die Bemerkung erlauben, daß dte Nacht schon vorgerückt ist und daß diese sonst sehr trefflichen und höchst achtbaren Männer schwerlich als geeignete Gesellschafter für eine Dame Ihres Standes in so später Stunde gellen können. Bnlga', fuhr er fort, „Du wirst die Exzelleuza nach deinem Hause geletien. Sorge dafür, daß ihr jegliche Bkquemlichkeit zuteil wttd. Morgen werde ich mir die Ehre geben, persönlich vorzusprecheu und das Lösegeld festzustelleu. Bis dahin', so schloß er mit cynische« Lächeln, „mögen der Himmel und alle feine Heiligen euch beide in sichere Hut nehmen.'
Schon im nächsten Augenblick wurde Valeska von der jungen Bäuerin und zwei Briganten zur Hütte hinaus -skottiert, noch ehe die Liebenden Gelegenheit gefunden hatten, ein Wort mit einander zu wechseln, und Gerald fand fich, ehe er fich'» versah, in einen der Bretterverschläge eingesPerri.
Die Ruhe war viederhergestellt und Gika richtete die folgende Anrede an die Baude:
„Ihr seht nun, Brüder, wie gut eS Gott mit uns im Sinne hat.' 6r bekreuzte fich andächtig und die Mordgeselleu folgten fromm seinem Beispiel. „Trotz unsere» Kleinmuts hat stch doch noch alles für uns zum Beste« gekehrt. Dem» seht, wen« wir diese« elende« Zeitungsschreiber nicht gefangen hätten, so wäre auch niemals diese reizende junge Dame, ohne Zweifel die Tochter de» rusfischeu Konsul», in unsere Gewalt gelaugt. Sie liebt augenscheinlich diesen Burschen und ist gekommen, ihn zu erretten. Aber, bei meiner lebendige« Seele! fie wttd zunächst für
Roggenbaues fein. Die Thalsache liegt vor und spricht dafür, daß, wenn uns Roggen fehlen würde, ein Uebergang zu geringeren Weizensorten für diejenigen Klassen, die bisher Roggen gegessen haben, in nicht unerheblichem Maße möglich ist. Es kommt dann hinzu, daß die Marktverhältnifle in den sogenannten Nebenartikeln günstig stehen, so daß das Land, wenn es davon absieht, Roggen zu anderen Zwecken, z. B. zu Futterzwecken, zu verkaufen, und dazu diese Nebenartikel verwendet, wohl in der Lage sein wird, seinen Nahrungsbedarf an Roggen zu decken.
Wenn nun die Verhältnisse so liegen, so entsteht sür die StaatSregierung die Frage: soll man nicht doch Angesichts deS Drängens von verschiedenen Seiten, Angesichts der Aufregung, die im Lande aus die eine oder andere Weise über diese Frage entstanden ist, sich entschließen, jetzt auf eine Herabsetzung oder Aufhebung der Zölle hivzuwtrken? Man muß fich da die Frage vorlegen: was würde eine solche Aufhebung zur Zeit nützen! Die Frage, wieweit Zölle aus die Preisbildung einwirken, ist — und darüber, glaube ich, wird, seitdem zum ersten Mal in diesem Hause über Kornzölle verhandelt worden ist, eine Klärung der Ansichten eingetreten sein — eine sehr komplizierte und nicht mit so einfachen Worten, wie „das Ausland bezahlt den Zoll" oder „der Konsument bezahlt den Zoll' abzuthun. (Sehr richtig!)
Zahlreiche sehr schwer zu übersehende Verhältnisse machen eS selbst unseren größten Nationalökonomen schwierig, nicht allein generell über diese Frage zu entscheiden, sonder» auch im einzelnen Fall einwandsfreie Resultate zu gewinnen.
Sehr schwer wird es im gegenwärtigen Fall sein, festzustellen, wie weit eine Aufhebung oder Herabminderung der Kornzölle auf Zeit geeignet wäre, die Kornpreise bei uns zum Sinken zu bringen. (Sehr richtig!) Wir haben in den letzten Tagen, wo infolge der Sitzung vom 27. Mai fich in weitere» Kreisen der Glaube verbreitete, es würden die Zölle heruntergesetzt werden, die Erfahrung gemacht, daß in Nachbarländern, In Rußland, den Niederlanden rc. die Preise anzogrn. (Sehr richtig!) Das Ausland schickte fich eben an, von der ungewöhnlichen Lage, in der wir un» befinden, Nutzen zu ziehen.
E» läßt sich nicht in Abrede stellen, daß der Weltmarkt, dec ja unsere Kornpreise mit bedingt, im ganzen eine steigende Tendenz hat, und nach dem, was ich von Sachverständigen ersten Ranges gehört habe, neige ich mich auch dem Glauben zu, daß diese steigende Tendenz noch anhalten wird. .
ihr eigenes Lösegeld zu sorgen haben! Und jetzt find vir des Geldes ficher — zwanzigtaufeud rusfifche Stlberrubel find schon so gut wie in unserer Tasche! Silberrubel, versteht ihr wohl? Nicht eure schmutzigen Piaster! Wißt ihr auch, wieviel Piaster auf einen Silberrubel gehen? Achtzehn. Mithin find zwauzig- tanfenb russische Silberrubel nicht weniger al» drei- malhundertsechzigtausend Piaster!"
Bei dieser überwältigenden Müteiluug brach bie Horde in ein stürmisches, langanhaltendes Jubelgeschrei aus. Die Lumpeukerle wußten sich thatsächlich vor Freude nicht zu fassen.
Sie brüllten, fie kreischten, fie jauchzten, fie lachten, fie weinten, fie tanzten wie die Bären, fie umarmten und küßten einander; einige voll frommen Dankes, fielen ans die Knie und priesen inbrünstig ihre gnadenreichen Schutzpattone, dte soviel goldenen Segen auf fie herabznschütten im Begriff waren.
Jnmttten dieses Taumels durchfuhr den Hauptmann ein plötzlicher Verdacht. Wie war es möglich gewesen, daß das vornehme Fräulein von den Schildwachen nubemertt bis in den verborgenen Schlupf» winkel der Bande hatte gelangen können?
„Wir müssen einen Verräter unter uns haben!' rief er. „Bott fei ihm gnädig! Aber wer ift’S?'
Kaum waren diese Worte über seine Lippen, als der Zwerg herein kam und mit scheuen Blicken um fich schaute.
Instinktiv erratend, daß dtts der Schuldige sei, packte Gika denselben am Halse und fragte ihn unter gräßlichen Drohungen, warum er jene Fremde habe pasfiereu lassen, ohne die pflichtschuldige Meldung zu machen. Als der halberwÄgte Zwerg wieder Atem gewann, berichtete er, daß er nur auf wenige Minuten feinen Posten verlassen habe, während dessen bie Dame eiugetteteu sei.
Mit einem Ausruf höchster Entrüstung und Verachtung schlenberte Gika ben Zwerg feinen Kameraden zu, bie benfdbeu mit Faustschlägen und Fußtritte« empfinge«.