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Wie«, 12. Mai. Die gestern in Wien auSge- grbenePolit. Korresp." sagt:Im Hinblicke auf da» Dementi, welches bekanntlich vor Kurzem feiten» derNordd. Allgem. Ztg.' der Meldung von der bereits erfolgten Erneuerung der Tripel-Allianz entgegengesetzt wurde, ersahren wir, daß in hiesigen maßgebenden Kreisen wohl kein Zweifel daran gehegt wird, daß die Erneuerung der Tripel-Allianz im entsprechenden Zeitpunkte sicher erfolgen werde, daß aber allerdings die Nachricht, diese Erneuerung habe bereits stattgefunden» unrichtig ist.'

Basel, 11. Mai. Im Kanton Basel ist gestern der Initiativantrag, daß künftig die Richter vom Volke gewählt werden sollen, bei der Volksabstimmung mit 3389 gegen 2299 Stimmen angenommen worden.

Portugal. Eine FinanzkrifiS ist in Portugal auSgebrochen. Das amtliche Blatt in Lisiabon ver­öffentlicht ein Dekret, durch welches zur Regulierung aller fällige» Zahlungsverpflichtungen em sechSzig- tägiger Aufschub gewährt wird. Kommen keine politischen Unruhen dazu, so wird die KrisiS aber, wohl ohne Nachtell überwunden werden. Wieder eine Warnung für daS deutsche Kapital zur Vorsicht.

Petersburg, 12. Mai. lieber den Rücktritt deS Pariser HauseS Rothschild von der russisch« Anleihe weiß dieNowoje Wrernja' »och folgendes mitzuteilen :AIS alle Bedingungen der Konverfion»- anleihe schon verabredet und der Vertrag von beiden Seiten schon unterzeichnet war, fand das Haupt des Pariser HauseS Rothschild, Baron Alphonse Roth­schild, diesen Augenblick besonders geeignet, der russischen Regierung Vorstellungen zum Besten der russischen Juden zu machen, ähnlich denen, welche im November des verfloffenen Jahres daß Haupt des englischen HauseS Rothschild gewacht. Auf diese Vorstellung antwortete Herr WyichncgradSki dem Pariser Rothschild in demselben Sinne, wie er im November v. I. dem Londoner Rothschild ge­antwortet, nämlich mit entschiedenem und energischem Hinweis auf das Unangemeffene ähnlicher Vor­stellungen. Darauf erklärte Baron Alphonse Roth­schild, daß er sich von der Erfüllung seiner Ver- pflichmngen aus dem Vertrage über die Emission der 3 Proz. Konversionsanleihe loSsage, und begann gleichzeitig die Baiffe-Campagne gegen die russische« Werte"

Endlos endlos spauueu sich die Gedaukenfädea.

Da erschien im Zimmer mit blaffew, erschreckten Gesicht ein Dienstmädchen. .Herr Hallingl Ach, Herr Halling!*

Der SntSherr fuhr auf. ,3hm, Marte, wa» Siebt eS denn? Wie sehen Sie aus!'

DaS Mädchen rang die Hände. .Da drüben tu der Fabrik!' stammelte sie. .Ach Gott, eS geht ein Spitt durch die Säle, Klopfen, Knirschen, Lichtschein und manchesmal ei» gräuliches Lacher. Wir alle habeu es gehört.'

Der Gutsbesitzer zuckte bk Achseln. .Haften, Kind. Es ist der Blitz, deffeu Leuchten Sie sehen, daS Rollen de» Donners and'

.Nein, nein, Herr. ES rauscht iu der Fabrik^ als würde Waffer auSgrgoffeu, ungeheuere, gewaltige Massen.'

Ohne ein Wort der Erwiderung staod Halltug auf und verließ daS Zimmer. Bei der Treppe be­gegnete ihm Tnrlach. ,68 ist gut, daß Sie kommen Herr Halling, draußen im Fabrikgebäude find, wie ich fürchte, Diebe tbättg.'

Jetzt erschrak der Gutsherr wirklich. »Also doch! Dan» lasse» Sk uns eilen, Herr Turlach.'

»Ich habe bk Pistolen eingesteckt', nickte dieser. .Es fiub ohne Zweifel mehrere Persoue» im ober« Saale anwesend.'

Halling blieb bk Antwort schulbig «ab beide Männer gingen mtt raschen Schritt« dmch b« Regen bis zu bcm ata« Fabrikgebäude. Wahr­haftig, eia Lichtschein, bet nicht bnrch beu Blitz hervor­gebracht war, ruckte au beu Fenstern vorüber nab anch das sonderbare Ransch« erklang hörbar vom oberen Stockwerk, ebenso ein Hämmern nab Brech«.

.Habea Sie d« Schlüssel, Herr Tarlach?'

»Gewiß. Wir wollen bk Spitzbuben überraschen.'

Er hatte bk Worte kaum ausgesprochen, als ob« tia Hanse ein Fenster klirrend zerbrach und da schwerer Feldstein dicht neben ihm und dem Guts- besitzet zn Bod« fiel. Hätte der beabfichttgk Wmf

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-Preir bei der Expe­dition 2*/. Mk, bei allen Postämtern 2 Mk öfi Pfg. fexkl Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg, Donnerstag, 14. Mai 1891.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt tt.SK., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXVI. Iaüraana. Moste in Frankfurt °. M., Berlin, München u. Köln; ®. L.

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Baris.

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Dir Vertagung -es Reichstages.

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Sm Sonnabend hat sich der Reichstag bis zum g November vertagt; die Vertagung ist einem rllrn Schluß der Session aus dem Grunde igezogen worden, weil die Kommisfionsarbeiten sich der noch nicht verabschiedeten Vorlagen, besondere der Abänderung der Krankenversicherung äbergerettet werden sollten. Bekanntlich ist da»-

AuSkunftSmittel bereits im vorigen Jahre'er-

Ueb ben verliebten Jüngling sich selbst Lbetlaffenb, 8 sie davon, zur festgesetzten Stunde aber spähten I dem Erkerfenster ihre glühende» Blicke über de»

iversei Fülle von Amendements sind eingebracht «den. Fast genau vor einem Jahre, am 17. 5. B90, begann dir erste Beratung der Novelle, und dieselbe sertigzustellen waren, abgesehen von den eichen Kommissionsberatungen, dreiundvierzig volle ungen (je drei für die erste und dritte, sieben- reißig sür die zweite Lesung) nötig. Der am abend beendete TagungSabschuitt des Reichs- amentS ist also zur Hälfte fast von den Arbeiter- oorschlägen in Anspruch genommen worden, «lich hätten die Beratungen in einer erheblich gexen Zahl von Sitzungstagen erledigt werden

;ülig tt.

Men worden, um die Ergebnisse der Kommission s- errungen betreffend da» Arbeiterschutzgesetz nicht efloren gehen zu sehe».

Der soeben beendete Srssionßabschnitt des Reichs­tes war ein arbritS- und ergebnisreicher. Zwar «d eS nicht geleugnet werden können, daß der viel, isämähte Kartellreichstag im ganzen prompter und xubiger gearbeitet hat; aber dennoch kann man »auf Hinweisen, daß sich die Hoffnungen der gegen- inigen Mehrheit nicht in dem Maße erfüllt haben, je düs gelegentlich der Wahlagitationen auSge- rochen wurde. Die Parteien, welche die Kartell- rhett zu verdrängen al» ihre Hauptaufgabe er­haben, gingen bei den parlamentarischen Ber- «dlungen in den meisten Fällen ganz verschiedene , und demgemäß fehlte e» auch in dem ikartell- oder wie er auch wohl genannt wurde, Reform-Reichstage nicht an Mederlagen für die okratie. Die größten Niederlagen holten sich chfreisinn und Sozialdemokratie bei den Ge- idezoll- Debatten in den Tagen vom 13. bis 16.

uar, sowie bei den verschiedenen Kolonial-Debatten. Bon den Vorlagen, welche der Reichstag in den Sitzungen, die er in der Zeit vom 2. Dezember >ngen JahreS bi» zum 9. Mai dieses Jahres ab- L, »ter Dach gebracht hat, ist zunächst die Ge- erbeordnungSnovelle zu erwähnen. Das Zustande» «men dieses Entwurf» hat große Mühen verursacht, eiche Unzahl von Reden sind da nicht gehalten,

j 'S und entdeckten auch wirklich RoseS schlanke Mit mit einem Sorbe, b« sie voll verschiedener tet Diuge einet dank« Fran zutrug. Der Eleve « e8 verstanden, sich von seiner Arbeit vegzu» *oi, er erschien jetzt plötzlich »nd Rora sah, daß V, bat, ben schweren Korb tragen zn dürfen, ja, baß »al» sich bar junge Mädchen sträubte, bk Hand Hilden ergriff und küßte. Nora lachte spöttisch,

(Nachdruck verboten.)

Schiffbruch im Haken.

Novelle von W. Höffer.

(Fortsetzung.)

Nun, Herr Weuuerberg, es scheint, al» ob Ihn« e kleine Rose sehr gnädig gesinnt sei, ich wollte dieser Sngelegeuhett schon längst gern ein auf.

ges, ernstes Wort mtt Ihnen sprechen.'

Weuuerberg wurde bald rot, bald blaß. »Ich nicht', stammelle er, .ich habe--

Sie täuschen mich nicht, Herr Weuuerberg. Seit t in dies Haus kam, sah ich ganz klar, aber Sie oben begreifen, daß ich als viel ältere Freundin 8 jungen Mädchens zuerst beobachten und mich von * Werte Ihres EbarakterS sowohl als von Ihren ißrrltcheu Verhältnissen genügend überzeugen mußte, * Rose Gelegenheit sand, Ihnen ben Blick in ihr ^schuldiges Herz off« zu gestatten.'

..Der junge Mensch wurde rot wie ein schüchternes dien. Hatte er der Dame bisher in Sedank« Unrecht zugefügt? War fie doch bester al» er te?

Ehe er antwort« konnte, entließ ihn Nora, e mittag nach dem Est« geht Rose in da» hinunter', fügte fie mtt schalkhaftem Lächeln jäbien, Herr Weuuerberg, ich habe jetzt keine mehr.'

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können, wenn nicht die Sozialdemokraten durch un­zählige Agitationsreden eine Verschleppung herbeige­führt hätten; aber nichtsdestoweniger ist auS obiger Zahl ersichtlich, mit welchem Ernst und mit welcher Hingabe der Reichstag sich der ihm gestellten fozialpolittschm Ausgabe widmete. Möchte nur das Werk seine Meister loben und dazu beitragen, die Arbeiter von den Fessel» der Umsturzpartei zu befrei«!

Weitere Vorlagen von Wichtigkeit, welche der Reichstag unter Dach gebracht hat, find: DaS Ge- s>tz, betreff,nd die Vereinigung Helgoland» mit dem Deutschen Reiche; da» Gesetz, betteffend den Schutz der Gebrauchsmuster; da» Gesetz, brtreff«d die kaiserliche Schutztruppe in Ostaftika; das Gesetz, betreffend daS Reichs schuld buch; die Abänderungen des Branntweinsteuer- und de» Zuckersteuergesetzes Nehmen wft alles iu allem, so wäre eS unbe­rechtigter Pessimismus, wenn wir mit dem Aus­drucke unserer Beftiedigung über die Ergebnisse der bisherigen Reich»tagSberatung« zurückhalten wollten.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Mar Kaiser Wilhelm ist am Dienstag Morgen von seiner Rheinreisr wieder in Potsdam eingetroffen. Auf der WLdparkstation wo die Ankunft de» Monarch« erfolgte, erwarteten ihn die Kaiserin und die drei ältesten Prinzen. Die kaiserliche Famllie begab sich alsdann nach dem Neuen Patais, wo der Kaisser den Reichskanzler von Caprivi und die höchsten Marinebehörden empfing. Nachmittags unternahmen die Majestäten eine Aus­fahrt. Am 14 Mai reift der Kaiser »ach Hannover, um der Hochzeit deS Ulanen - Obersten von Bülow beizuwohnen. Das Psingfest wird die gesamte kaiser­liche Familie in Potsdam vereint finden. In den Festtag« sollen besonder» Ausflüge und Dampfer­fahrten auf der Havel stattfind«. Am 19. Mai trifft der Kaiser zur Jagd bei dem Grafen Dohna Schtobitt« in Prökelwitz ein. Heute Mittwoch wird im Berliner Schlosse die KonfirmationSfeier der ältestm Söhne de» Prinzen Albrecht von Preußen stattfinden. Die Belohnung für das Arbeiter­schutzgesetz und die neue Zuckersteuer. Die beiden Minister welche die genannten Gesetze m der letzten ReichstagSsession vertraten, haben hohe Auszeichnungen erhalten: Der Minister von Berlepsch erhielt ben Roten Adler orden erster Klasse mit Eichenlaub, der ReichSschatzsekretär von Maltzahn erhielt d« Stern zum Roten Adlerorden zweiter Klasse

jetzt würde Ernst die beide» über die Wiese gehen sehen, fie wußte e».

Von ihrer hohen Warte konnte fie alle» beobachten. Richtig, da kam der Ingenieur au» einem Setten­wege, er bemerkte die jungen Leute und stutzte plötzlich, dann trat er hinter ein Gebüsch, offenbar nm selbst nicht gesehen zu werden.

Aber ben Handkuß mußte er doch noch bemerkt haben, Überhaupt die ganze Haltung Weuuerberg». Da» war genug für einen Tag.

Gegen Abend zog ein schwere» Gewitter herauf; die Luft war nuerträglich, schwül und still, kein Hauch bewegte die Blätter an ben Zweig«. Mtt gestützte« Kopse saß Halling am Fenster und brütete verstimmt vor stch hin. Heute hatten bk Tagelöhner ihre bisherigen Wohnungen verlass«, alle unter lauten Schimpfreden und Drohungen; bk Knechte nnb Mägde erzählten sich'» bet bet Arbeit. Der alte Schwarz sagte ganz nuverhüllt, e» werbe bem Herrn schon zu Buch ko»««, wie er feine Hinter- soff« behandelt habe.

Ein zornige», groll«be» Gefühl dmchwogte Halling» Seele. Schwarz da» war der Mann, unter deffeu Bette jene» häßliche, kriechende Unkraut wach». Der Anblick desselben hatte damals mtt eine« Schlage die halb und halb gehegte» Plä»e de» Guts- her« zur Reife gebracht, hatte plötzliche Sutfchlüffe gezeittgt und eine ganze Flut warmer Smpfiubnng-u geweckt. Gerade btefet Mann erhob jetzt zur Der. wünfchung die Faust, gerade er stieß die wildesten Drohungen hervor.

Halling fenfote. Wie gern hätte er a» Noras Sette gesessen, ihre Hand in bet feinigen, ihren Blick sich zngeweudet, wie gern hätte er mtt ihr über alle btefe Dinge gesprochen nnb fein sorgenschweres Herz gang ausgeschüttet in das ihrige, aber Nora vermied ängstlich jede» Alleinsein mtt ihm, ja, sie scheute sich, ihn auzuseh«, an» Furcht, ihre gegenfettigen ve- ztehnugeu zu verrat«. Sin fettfame» Gefühl durch- strömte Halling» Seele, eia Unbehagen, von bem er

mtt Eichenlaub. Wie im vorigen Jahre bekannt wurde, waren seiteus der preußischen Staatsregieruug Erwägungen über die Bestrafung des Kontrakt» druchS ländlicher Arbeiter eingeleitet. Nachdem längere Zett über diese Frage nicht» in dir Oeffentlichkeit gedrungen war, glaubte man vielfach, daß diese Erwägungen zu keinem oder zu einem negativen Resultat geführt hättm. Demgegenüber, betonen dieB. P. N.", blldet die Frage deS Kontraktbruch» der ländliche» Arbeiter den Gegen­stand eingehender Prüfung und Erörterung der preußischen Staatsregierung. Die Erwägungen seien jedoch wegen der Ausdehnung des zu bewältigenden Materials noch nicht zum Abschluß gelangt. Der Grundstein für das Kaiser Wilhelmdenkmal, welches der deutsche Kriegerbund Kaiser Wilhelm auf dem K y f f h ä u s e r errichten will, wird am 18. Oktober gelegt werden. Die Bausumme, 7- bi» 800 000 Mark, ist nahezu zusammengebracht. Nach Deutsch-Ostasrika ist am Sonntag derT- R.' zufolge vom hirfigen Anhalter Bahnhof ein neues Kommando der Schutztruppe abgereist, be­stehend au» 10 Unteroffizieren und 2 Aerzt« unter Füh«ng eines Offizier». Die Herren werden sich in Neapel, wo sich ihnen noch der ReichSkommissar Dr. Peters anschließt, am Mittwoch Abend auf dem Lloyddampfer .Bundesrat' nach Sansibar ein­schiffen. Ein Teil de» Kommandos, darunter auch Assistenzarzt Dr. Nagel, ein Sohn de» bekannten Tübinger Professor» der Augenheilkunde ist für Station Mpuapua bestimmt.

Hamburg, 12. Mai. Die »Hamb. Nachr." veröffentlichen eine Adresse an den Fürsten Bismarck mit 800 Unterschrift« au» dem badifch« Amtsbezirk Adelsheim zu gunsten der Beibehaltung der jetzigen Getreidezölle. ES heißt darin:Die gehorsamst Unterzeichnete» glauben, nachdem der Eintritt Eurer Durchlaucht in den Reichstag feststeht, die Vertretung Ihrer Interessen in keine bessere Hand legen zu können, als in die Hand desjenigen ManneS, dem sie die wohlwollende Fürsorge verdantten, welche das Reich früher seiner Landwirtschaft hat zu Teil werden lassen, des Mannes, der anerkannt der treueste und aufrichtigste Freund der deutsch« Landwitzjschaft ist und dessen Persönlichkeit dafür bürgt, daß jeder überhaupt mögliche Erfolg erzielt werden wird, wo er feine Kraft einsetzt. In diesem Sinne bitten die gehorsamst Unterzeichnet«: Euere Durchlaucht möchten im Reichstage dafür wirken, daß der deutschen Ge- treidepioduktton der ihr so notwendige Schutz nicht genommen oder beeinträchtigt werde."

sich kaum selbst Rechenschaft zu geben vermochte. Wenn Nora etwa» weniger zurückhaltend, weniger vorsichtig gewesen wäre, wte sehr würde sie ihn be­glückt hab«.

Und flüchtig durchzuckte ihn bet Gedanke an seinen Eid. War e» nicht ein gestohlene» Gut, Nora» Liebe?

Thorheit, Anschauung«, bk im Lichte ber Gegen- wart ntemanb teilte. Und dennoch, dennoch--

Er grübelte mit gestütztem Kopfe. Was war eigentlich da» heißbegehrte (Rück des Dasein»? Worin bestaub e»?

Vielleicht in bloßen Phantom«. 6» ließ sich nicht einfangen, nicht halt«, e» trug ein verhüllte» Antlitz immer, immer.

An» den schwarzen Wolkenmaflen zischten bie Blitze nnb ber Donner krachte hinterher. Wo war Nora? Er hatte fie fett Sttmb« nicht gesehen.

Auch Turlach fehtte heute unb nur Rose lauerte mit ben Kindern in einem Winkel de» großen Zimmers. Die Heine Schar fürchtete sich vor bem Gewitter nnb Rose erzählte mit halber Stimme ein Märchen, nm ba» Interesse abznleuk«.

»Zur Strafe für feine Lüge würbe ber KönigS- sohn ein armer Kohlenbrenner nnb mußte mit ge­schwärztem Gesicht durch baS Leben gehen.'

»Ist er nicht in b« Himmel gekommen?' fragte zagend da» altkluge kleine Lieschen.

»Gewiß nicht', belehrte Nofe. »Die Lüge ist eine große Sünde unb wer fie anSfpricht, ber wirb hart bestraft.'

Halling hörte da» alle» mtt an. »Sünde? Was ist Sünde?'

»Nur die böse, nnfteundliche Absicht, bk Lieb­losigkeit, sonst nicht». Ber kein Herz hat für ben anberen, ber ist ein Sünder.'

Und trotzdem glaubte et immer noch Rose» Flüstern zn hör«: »Wer bk Lüge anSfpricht, ber wirb hart bestraft.'

Hatte er denn wirklich gelogen? Wirklich?

München, 11. Mai. Der Professor der Botanik, Hofrat Dr. v. Nägeli, ist gestorben. Die Leiche wird nach Zürich überführt werd«.