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Wöchmüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Zllnstriettes Soyntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

M 108.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-PreiS bei der Expe­dition 21/. Mk., bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonntag, 10. Mai 1891.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Frankfurt a.M-, Easfel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

XXVI Jahrgang.

Die Antrittsrede des neuen Lnttns- Ministers.

In der Montagsitzung des Abgeordnetenhauses hat, wie schon vorher angekündigt war, der Kultus Minister Graf v. Zedlitz mitgeteilt, daß die StaatS- reginung auf die Weiterberatung des Bolksschul- gesetzentwurfs kein entscheidendes Gewicht lege. Die bezügliche Vorlage, an deren Verabschiedung in diesem Jahre überhaupt nicht zu denken war, ist demnach als beseitigt zu betrachten. Der Herr Kultusminister betonte indessen ausdrücklich, daß damit die gesetzliche Regelung der Sache, wie ins­besondere die Ordnung sowohl der inneren wie der äußeren Verhältnisse deS Lehrerstandes und der Regelung deS Einkommens der Volksschullehrer auf einer möglichst einheitlichen Grundlage nicht in eine unbestimmte Ferne hinausgerückt sein soll, sondern daß er, waS an ihm liegt, thun werde, um die Landesvertretung bald erneut vor diese wichtige wd hochbedeutsame Aufgabe zu stellen.

Eine programmatische Kundgebung des neuen Kultusministers konnte man bei seinem ersten Auf­treten im Parlament nicht wohl erwarten, und die im Eingänge seiner Rede abgegebene Erklärung, daß er gezwungen sei, sich bei den EtatSberaturgen eine gewisse Beschränkung aufzuerlegen, da es ihm in der kurzen Frist, welche ihm bisher zur Einar­beitung gegönnt war, nicht möglich gewesen sev nuf allen Gebieten des weitverzweigten ReffortS zu einer vollen Information zu gelangen, ist allseitig gewürdigt worden. Im weiteren Verlaufe der Ver­handlungen aber gab Herr Graf d. Zedlitz in einer weiteren, ausführlicheren Rede über feine Stellung­nahme zu einigen schwebenden Fragen dankenswerte Aufschlüsse, welche von der Rechten des Hauses mit Beifall ausgenommen wurden. Der Herr Minister erklärte zunächst, daß er das Moment deS christlichen Einwirkens und des kirchlichen Ein- flufscs auf die Schule sehr hoch stellt und bereit ist, in dieser Beziehung nicht rückwärts zu treten. Be­züglich des Bolksschulgesetzes äußerte der Redner, daß er die jetzigen Ergebnisse der KommissionSbe- ramngen als eine brauchbare Basis anerkenne. Was die von einem vationalliberalen Redner ange regte Teilung deS Kultusministeriums betrifft, so erllärte sich Herr Graf von Zedlitz prinzipiell gegen eine solche; auch wenn ein besonderes Unterrichts­ministerium geschaffen würde, so könne sich dessen Chef doch niemals von derjenigen religiösen Stellung, die jetzt durch die Verbindung der beiden Refforts

verbürgt ist, loslösen; die Bewilligung eines zweiten Unterstaatssekretärs würde Redner ober sehr dankbar acceptreren. Hinsichtlich der Reform der höheren Schulen zerstreute der Minister die Besorgniffe in- betreff deS Bestandes der Realgymnasien. Von einem Ueberdenhaufenwerfen geordneter Schulanstalten könne gar keine Rede fein; was die Regelung der Lehrpläne betrifft, so werde wohl das beste die Mittellinie zwischen Reglementierung und voller Freiheit sein. Zunächst aber solle» an verschiedenen Orten, in möglichst allen preußischen Provinzen praktische Versuche mit der neuen in Aussicht ge­nommenen Ordnung der Dinge gemacht werden. Auch inbeireff der höheren Lehranstalten betonte der Minister, daß man den Lehrerstand in seiner äußeren wie in seiner inneren Stellung heben müsse. Auf die Bitte eines Zentrumsabgeordneten, den kranken­pflegenden Genoffenichaften größeres Wohlwollen entgegenzubringen, bemerkte Graf von Zedlitz, daß er den Wert dieser Ordensntederlaffungen voll­kommen anerkenne, und daß eS ihm eine Freude sein werde, an diesen Bestrebungen der OrdenS- niederlaffungen voll und ganz mitzuwirken.

Deutsches Heidi.

Berlin, 8. Mai. Kaiser Wilhelm ist am Freitag Nachmittag zum Besuch des Großherzogs und der Großherzogin von Baden in Karlsruhe ein­getroffen und dort sehr herzlich begrüßt worden. Der Besuch hat nur einen rein privaten Charakter. Das rheinische Ulanen - Regiment Nr.'7 soll künftig die Benennung »Ulanenregiment Großherzog Friedrich von Baden (Rheinisches) Nr. 7" führen. Nach einer Mitteilung desHann. Kour." wird der Kaiser am 14. Mai, morgens 8 Uhr, in Hannover ein­treffen, um sein Ulaneu-Regiment zu besichtigen und der Hochzeit deS Regiments-Kommandeurs Oberst­leutnant v. Bülow beizuwohnen. Um 4 Uhr nach­mittag- wird der Kaiser die Rückreise antreten. Einem Londoner Telegramm zufolge trifft der Kaiser am 4. Juli im Schlöffe zu Windsor ein, um der Trauung der Prinzessin Louise von Schleswig- Holstein mit dem.Prinzen von Anhalt-Deffau und der Feier der silbernen Hochzeit im englischen KöuigS- hause beizuwohnen. Der Regent von Braun­schweig, Prinz Albrecht von Preußen, beging am Freitag unter lebhafter Teilnahme seinen 57. Ge burtstag. Der Prinz hat an diesem Tage den Geh. Rat Otto, Mitglied deS Staatsministeriums, zum Staatsminister ernannt. Der Kaiser hat folgende Ordre erlaffen: Auf den Mir gehaltenen Vorttag

bestimme Ich, daß das General-Artillerie- Komitee aufgehoben wird. Ich behalte Mir vor, in Bedarfsfällen besondere Kommissionen zur Begut achtung artilleristischer Fragen zu berufen. Nach Mitteilung deS Reichs-Marine-Amts ist der Etat der Schutztruppe in allen Chargen gegenwärtig voll oder nahezu voll besetzt, Abgänge in besonderem Umfange find vorläufig nicht zu erwarten. Die Be­werber haben daher auf baldige Einberufung nur geringe Aussicht. Konsistorialrat Hofprediger Dryander begab sich wegen eines HalSleidens mit mehrwöchigem Urlaub nach Wiesbaden. Der PostdampferReichstag" refft morgen von San­sibar mit voller Fracht und von Paffagieren voll besetzt nach Europa zurück. Wie jetzt konstatiert wird, hat der verstorbene Geheime Oberfinanzrat Rüdorff seinem Leben selbst ein Ende gemacht. Derselbe war bereits seit Jahresfrist geschäftlich un- thätig unh befand fich seit Ende vorigen Jahres in der NerHnheilanstalt Maison de Santa in Schöne­berg. Der Oberst z. D. Zöllner ist zum Landes-Großmeister der großen Landesloge der Frei­maurer von Deutschland gewählt worden. Dem Reichstag ist der Gesetzentwurf betreffend die Unter­stützung von Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften zugegangen. Nach § 1 erhalten die Familien der aus der Reserve, Land­wehr oder Seewehr zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften im Falle der Bedürftigkeit auS öffent­lichen Mitteln Unterstützungen. Diese Unterstützungen sollen in wöchentlichen Raten vorausbezahlt werden und für die Ehefrau 2030 Pfg., für die sonst unter­stützungsberechtigten Personen 10 Pf. täglich betragen. Wie verlautet, ist die Einigung über das preußische Einkommensteuergesetz jetzt gesichert, so daß der Abschluß dieser Angelegenheit in kürzester Zeit und ohne weitere.Schwierigkeiten erwartet werden kann. Das Herrenhaus wird die 4prozentige Steuer bewilligen, doch ist das von dem Herrenhause ver­tretene Prinzip, daß die Steuer keinen progressiven Charakter haben wird, gewahrt, indem die oberste Grenzlinie der Besteuerung von 4 Prozent des Einkommens festgelegt und von dieser obersten Grenzlinie abwärt» besteuert wird. DieNorddeutsche Allgem. Zeitung" verzeichnet die Mitteilung deSDaily Telegraph", wonach der italienische Ministerpräsident Rudini im Interesse des europäischen Friedens und Italiens von der Rätlichkeit des wetteren Verharrens Italiens beim Dreibunde überzeugt sei und die unterzeichneten Verttagsbeftimmungen den früheren ähnlich seien.

DieNorddeutsche Allgem. Zeitung" bemerkt hierzu: Diese vor einiger Zeit ähnlich von Wim ver­breitete Nachricht dürste zu dem Zwecke aufgewärmt sein, durch die Behauptung unrichtiger Thatsachen Entgegnungen zu prooozieren. um darauf weitere politische Kombinationen aufzubauen." Zum Schluffe eines sympathischen Artikels über die Rede deS deutschen Kaisers in Düssel- dorf bemerkt derStandard":Der deutsche Kaiser besitzt als Souverän den wesentlichen Vorteil, daß keine Klaffe der Bevölkerung Anspruch darauf erheben kann, sich seiner besonderen Gunst und Auszeichnung zu erfreuen, daß kein Demagoge Sr. Majestät den Vorwurf machen kann, für die eine Schichte des Volkes größere Sympathie als für die andere zu be­sitzen. Der jetzige deutsche Kaiser ist offenbar ent­schlossen, fich seiner Stellung dls uninteressierter Ver­mittler zwischen Kapital und Arbeit nicht zu begeben. Einheitliches Handinhandgehen aller Stände und Klaffen unter der Krone" ist sein Motto und niemand wird in Abrede stellen wollen, daß er zur vollen Er­kenntnis der Gefahr gelangt ist, welche für die moderne Gesellschaft in dem derzeitigen Gegensätze zwischen den Besitzenden und den Arbeitern liegt. Jede Nation kann ihren Teil zur Lösung dieses schwierigen und dringenden Problems beitragen und wir, die wir demselben Problem und derselben Gefahr gegen* überstehen, werden die Handlungen und Vorschläge der deutschen Regierung mit Jntereffe und ohne Vor­urteil verfolgen." Aus Kamerun wird ge­meldet, daß der deutsche Gouverneur mit einer starken Expedition den Fluß hinauf gefahren sei, um die Stämme im Innern, welche eine deutsche Karawane angegriffen und mehrere Kaufleute getötet hatten, zu züchtigen.

Bonn, 7. Mai. Der Kaiser hielt gestern bei bei dem Kommers der Korpsstudenten, der unter ungeheurer Begeisterung verlief, eine Ansprache, in der er u. a. sagte:

Was der Herr Vorredner über die Wichtigkeit bei Korpslebens, über die erzieherische Bedeutsamkeit desselben für das spätere Leben gesagt hat, das unterschreibe ich Wort für Wort. Ich erkenne darin die mir bekannten, bewährten allen Gesinnungen de» Bonner 8. C. wie sie immer waren und wie sie noch jetzt in Ihren Herzen be­stehen, und sehe, daß noch jetzt ebenso wie bisher über die Wich­tigkeit, die Zwecke und Ziele der deutschen Korps gedacht wird.

Es ist Meine feste Ueberzeugung, daß jeder junge Mann, der in ein Korps eintritt, durch den Geist, welcher in demselben herrscht, und mit diesem Geiste seine wahre Richtung fürs Leben erhält. Denn es ist die beste Er­ziehung, die ein junger Mann für fein späteres Leben be­kommt. Und wer über die deutschen Korps spottet, der kennt ihre wahre Tendenz nicht.

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Spater Frühling.

(1891).

Nun bricht der Lenz mit Macht heretu Mit Blumeuduft und Sonnenschein; Nach langer, banger Mitternacht Ist er zu neuer Thal erwacht!

In Wald und Feld, in Baum und Strauch Weht seines Odems SchöpfuugShauch;

ES pocht in jedem Zweig und Ast, Und lebt und webt ohn' Ruh und Rast. Sm Himmel froh die Wolken zteh'u, Im Thale tausend Blumen blüh'u, Sm Apfelbaum die Knospe springt, Ihr süßer Dust die Lust durchdringt. Das Herz ist einem gar zu voll, Mau weiß nicht, wie maus sagen soll, Zu rühmen all die Herrlichkest, Die uuS der schöne Frühling beut. Der Himmel ist so klar und blau, Die Lüste weh'n so milb und Ian;

Es rauscht und klingt und grünt und blüht, Die Liebe singt ihr hohes Lied.

Horch! Kuckucksruf im grünen Hag Und Drossel-, Amsel-, Fiukenschlag; Doch übertönt die Säuger all' Im Fliederbusch Frau Nachtigall.

Zieh', Lenz, in jedes Herz hinein Mst Deinem Licht und Sonnenschein; Zieh' ein in jede Menscheubrust O Frühlingsglaube, HimmelSlnst!

Auch mir zieht Freude durchs Gemüt Die wird zum neuen FrühltugSlied, Wie ich so manches schon erdacht Zum Preis der holden FrühliugSpracht .

1. B.

(Nachdruck verboten.)

Schiffbruch im Hafen.

Novelle von W. Höffer.

(Fortsetzung.)

Mr sollen nur immer mehr geknechtet werden, ganz und gar unser Schicksal vom Arbeitgeber ab­hängig machen und vielleicht gar in den neuen Wohnungen fortwährend aus dem Sprung fitz-n muffen. Heute Kündigung und über acht Tage fliegt man hinaus."

»Alles, damit die reichen Leute noch reicher und die armen immer ärmer werden. Wir wiffeu das schon.-

Halling hatte stch ans der ersten Bestürzung auf­gerafft. »Das alles haben Euch die Bauarbeiter ge. sagt, nicht wahr, Leute?" Er fragte eS mit unsicherer Sttmwe, blaß wie ein Kranker; feine Augen blitzten zornig. »Könnt Ihr mir die einzelnen Personen, von Denen solche Verdächtigungen auSgingeu, ganz genau bezeichnen ?"

Siu plumpes Lachen antwortete ihm. »Das werden wir bleiben laffeu, Herr. Diese Männer find unsere besten Freunde.'

»Ach!"

Halling fuhr mit der Hand durch daS Haar. »Es ist güt, Leute", sagte er, gewaltsam den Sturm in seiner Brust beherrschend, »Ihr könnt gehen und Euch, wo ihr wollt, auderweittge Beschäftigungen suchen. Bis diese gesunden ist, dürst Ihr Eure bisherigen Wohnungen behalten."

Schwarz setzte die Mütze aus den Kopf und nach ihm thateu eS alle Uebrtgen. ,

»SdjeS, Herr!" sagte er kurz. »Daß eS so und nicht anders kommen würde, ließ stch ja vorauSsehen.'

»AdjeS, Herr!"

Und einer nach dem andern ging fort, ohne fich umzufeheu. Die Leute glaubten einer schweren Le- einttächttgnng ihrer Rechte kaum noch entronnen zu sein, obwohl doch der Gutsbesitzer ihnen gegenüber nur die besten und menschenfreundlichsten Absichten

gehegt hatte. Er fühlte fich so schwer getroffen, daß es ihm immer noch kaum möglich war, an die Wirk- lichkeit deS Gehörten zu glauben. ES schien Dem erschütterten Manne, als habe diese herbe Erfahrung die Welt nm ihn her in Dunkel gehüllt.

Er dachte an das, was ihm Nora vor JahreS. frist gesagt, damals als er ihr seine Ideen und Pläne zuerst auseinandersetzte. Sie sah schärfer alS er, sie, die das Leid deS Lebens so bitter empfinden mußte, Die in der Seele der Armen, Bedrückten wie tu einem offenen Buche laSI

Eine heiße Sehnsucht durchflutete HalliugS Herz; er mußte sie jetzt sehen, mtt ihr sprechen um jeden Preis.

Die Kinder spielten draußen auf dem ersten jungen Grün des Rasenplatzes und Rose war bei ihnen, er Durfte hoffen, Fräulein Korfs aus einige Augenblicke im Wohnzimmer allein zu finden. Schnellen SchrttteS Die Treppen biuauseileuD, öffnete er Die Thür und als er feine Verlohte sah, ging er ihr mtt auSge« breiteten Armen entgegen.

»Ach, Nora, was habe ich erleben müssen! Du*

Aber bann stockte er plötzlich; der Blick deS jungen Mädchens, ihr jähes Erglühen liegen ihn heftig er. schrecken und im nächsten Moment sah er auch schon die Ursache dieser unerwarteten Aufregung. In der geöffneten Thür deS NebenzimmerS stand Doktor Gerber, sein Schwager. Siu stechender Blick be­gegnete dem setnigeu.

»Du?" fragte gedehnten ToueS der Besucher. »Du? Aber ich habe wohl nicht richttg gehört.'

Das Blut schoß heiß in HalliugS Stirn. Jetzt war die längere Bewahrung des GeheimniffeS un> möglich geworden.

.Gerber", sagte er, seinem Schwager offen die Hand bietend, »Du bist der erste, welcher eS ersähet, daß Fräulein Sorff und ich uns verlobt haben, aber"

»Du hast Dich verlobt, Halling? Du?'

Der Gutsbesitzer wechsette ein wenig die Farbe; eS schnürte ihm die Brust zusammen, wie mtt Eisen-

klammern, aber der Entschluß, unter keiner Bedingung zu weichen, wurde nur immer fester. Das Verlangen nach Oppofitiou erfüllte in diesem Augenblick seine Seele gleich einem Rausch.

»Ich!' antwortete er beinahe herausfordernd. »WeShalb nicht, Gerber? Aber ich verstehe freilich Dein Gefühl; eS ist Dir wehmütig, an dem Platze Deiner verstorbenen Schwester eine andere zu sehen, ihre'

Meder unterbrach ihn der finster blickende Manu. »Laß es gut sein, Halling. Was wolltest Du vorhin sagen?'

»Daß ich Dich bitte, von der Sache vorläufig niemandem etwas mttzttteileu. Du begreifst, daß sonst der tLente wegen unerwünschte Veränderungen eintreten müßten, meine Braut wäre genötigt, das HauS zu verlaffeu."

»Während eS doch weit angenehmer ist, wenn fie bleibt. Ich verstehe.'

Nora war bei den letzten Worten des Doktors unbrmertt ans dem Zimmer geschlüpft, eS war ihr peinlich, diese Auseinandersetzungen mtt anzuhören, sie fühtte, daß ihr Gefickt wie im Feuer glühte.

Unterdessen standen Halling und Gerber einander gegenüber wie zwei Feinde, die beide wissen, daß der unvermeidliche Kampf nun entbrennen wird und die doch, jeder für fich, entschlossen find, auf keinen Fall uachzugeden. Der Gutsbesitzer unterbrach zuerst das lähmende Schweigen.

»Willst Du nicht Platz nehmen, Gerber?"

Ich danke. Meine Snwesenhett in Deinem Hause zähtt wahrscheinlich nur nach Minuten."

Das thnt mir leid, aber Du besinnst Dich vielleicht noch eines besseren. Mr haben heute auch einen fremden Satz zu Tisch, meinen neuen Ingenieur, einen sehr interessanten jungen Manu."

Gerber schien die Worte nicht gehört zu haben. Halling", sagte er,wollen wir nicht alle Vorreden beiseite laffeu? Zwischen Dir und mtt liegt ein StwaS, das der Erörterung harrt. Du weißt es."

(Fortsetzung folgt)