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Ist schnell bei der Hand, wenn es einen Tumult gicbk, aber gefährlich sind diese Lärmszenen in keinem Falle. Man kann auch hier dem Verlauf der Dinge mit großer Seelenruhe entgegensehen. In Oesterreich- Ungarn sind in letzter Zeit mehrfache energische Ver suche gemacht, eine umfangreiche Maifeier zu Stande zu bringen, aber Behörden, wie Arbeitgeber.find allen diesen Versuchen mit Entschiedenheit entgegen­getreten. Im vorigen Jahre verlief die Maifeier in Wien ruhig, während eS in Pest und Prag Raufszenen gab. Ebenso kam eS in den mährischen Weberdistriktrn zu Zusammenstößen zwischen den Arbeitern und der bewaffneten Macht. In diesem Jahre werden fich wohl überall die Dinge ruhig vollziehen. In England ist von den Vorbereitungen zu einer großartigen Maifeier gerade so viel und gerade so wenig zu bemerken, wie bei uns.

Das ist die Sachlage; sie zeigt, daß da, wo heftige Gegensätze herrschen, oder einzelne ehrgeizige Agitatoren gern von fich reden machen wollen, ein lebendigeres Tempo in der Betreibung der Mai- Agitation herrscht, daß aber auch dort, von anderen Ländern ganz zu schweigen, die große Masie dem eigentlichen Kem der Idee recht gleichgiltig gegenüber- steht. Die internationale Arbeiterverbrüderung, welche an diesem Tage glorreich in die Erscheinung treten sollte, ist den Leuten sehr gleichgiltig, wenn eS ihnen selbst nur gut geht. Im vorigen Jahre gingen die Wellen der Maifeier gewaltig hoch, in diesem Jahre gleicht die Agitation schon einem ruhigen Rauschen, was wird nun aber erst im nächsten Jahre eintretm ?

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chrnso deutlich vertreten, die Arbeiter würden eS ich auch in keinem Falle bieten lassen, wenn die lrbeitgeber einmal blau machen und ihren Leuten sir diesen Tag den Lohn kürzen wollte». So liegen

och die Dinge, eS wäre ein .Borgethan und Nach- edacht", bei dem viel Aerger und viel Schaden erauskommen, und wobei niemand auch nur den eisesten Vorteil haben würde. In Deutschland ist

(Nachdruck verboten.)

Schiffbruch im Hafen.

Novelle von SB. Höffer.

(Fortsetzung.)

Marburg,

Sonnabend, 2. Mai 1891

2068

8.

Der erste Mai.

Die Zeit macht die Menschen ruhiger, daS sehen vir auch bei den Erörterungen über den ersten Mai diese- Frühlings. Al» im vorigen Jahre der Vor schlag ouftauchte, am ersten Mai eine große Arbeiter- Demonstration zugunsten der Einführung de» acht stüudigen Arbeitstages zu veranstalten, da waren sowohl die Freunde, wie die Feinde dieses Vorschlag» Feuer unb Flamme. Man erhitzte sich ebenso ge­waltig, wie unnötig, denn in Wahrheit hat doch der Verlauf des ersten Tage» deS Lenzmonates im vorigen Jahre bewiese», daß bei einem großen Telle der europäischen und deutschen Arbeiter keine Neigung zu solchen Coup» vorhanden ist, und weiter, daß dem allergrößten Teile auch daS Verständnis für solche i alttonen fehlt. Da» ist die Ursache, weshalb im Vorjahre mit einigen wenige» vereinzelten Ausnahme» in großen Städten die Maidemonstration inS Wasier gefallen ist. In diesem Jahre ist die Maifeier viel- ,ch geradezu zur Nebensache geworden. Ein Bor- chlag ist wohl erfolgt, eine größere Kundgebung zu veranstalten, aber hie Antwort, die auf diele An-

Soll ich die Amme rufen?" fragte er. .Mllst _N

Die Kranke brach in Thräuen ans.Siehst 2>n, ? Siehst Dn? Ganz wie ein eigensinniges es Kind behandelt Ihr mich. WaS ich sage, das

d HO p in den Wind gesprochen, ja, noch mehr, Ihr laßt u, Och von mir nicht einmal beleidigen, Ihr nehmt mir »chtS Übel, fühlt euch von meinen Worten keines» 2752 *88 verletzt."

x 6t sah sie freundlich an. ,Menn Dn zuweilen toa» heftig wirst, so spricht daraus nicht etwa Dein Ich, sondern die Srankhett, meine arme Sauna.

\ der sozialdemokratische» Partei dazu gerate», von * , der Maidemonstration abzusehen. Zweck hat sie jeden

s all» nicht. Die Anhänger der Einführung eines achtstündigen Arbeitstage», die, welche meinen, daß die Arbeit in eine Zwangsjacke gesteckt werden kann, rt*» Enntn ihren Standpunkt auch in anderer Weise

Der Gutsbesitzer blieb vollkommen ruhig.Fühlst hi Dich heute abend weniger wohl, liebe Emma?" «rfchte er.Soll ich den Arzt kommen lassen?"

.Meniger wohl?" wiederholte die Kranke. 2786 Weniger wohl? Als müßte ich nicht zn jeder Stnude »P rte Hiob leiden. Aber eS ist für die Gefunden zn «gweilig, darauf fortwährend acht zn geben, kranke »ot« Aschen werden verabscheut; man weiß es ja, sie der Umgebung lästig."

:---- wirtschaftlichen Verhältnisse abwarten, und sehen,

[ft, ml dabei herauszuschlagen ist. Das ist vernünftiger, ' ti es zu machen, wie der Mops in der bekannten

) und

> ngung erfolgte, war nur eine recht dünne, und in * Anbetracht dieser Thatsache haben selbst die Führer

Fabel, der so schön den Mond anzubellen wußte. Nicht so günstig, wie in Deutschland, stehen ve- züglich de» ersten Mai die Dmge im Auslande. Ganz besonders in Belgien kann es leicht Spektakel geben. Dort handelt e» sich bei der Demonstration aber viel weniger um den achtstündigen Arbeitstag, als vielmehr um die Erreichung der politische» Endziele der belgischen Arbeiterschaft, um die Er- strebung des allgemeinen und direkten Wahlrechte», welches die deutschen Arbeiter schon längst besitzen. Die Bewegung dort hat einen sehr scharfen Charakter angenommen, und es ist bekannt, daß die belgischen Arbeiter einen General - Auistand sür alle Betriebe im ganzen Lande planen, wenn die Erfüllung ihrer Forderung nach Verfasiungsrevifion ihnen verweigert wird. E» mag ja mit dem geplanten Streik noch ein recht hübsches Stück Zeit andauern, aber jeden­falls werden die Führer der Arbeiterbewegung, meist ausgesprochene Anarchisten, e» sich nicht nehmen lasse», durch allerlei Aktionen, wie die des 1. Mai, einen Druck auf da» Parlament auszuüben. In Frankreich reden die Pariser Arbeiterführer und die Kollegen in den großen Industriestädten mit recht lauten Worten von der Feier des 1. Mai, agitieren durch die Presse und durch aufreizende Plakate ge­waltig dafür, aber der Eindruck ist kein sehr er­heblicher. Am 1. Mai 1890 unternahmen in Paris bekanntlich Kürassiere eine Attacke, und hieben auf einen Arbeiterhaufen ei», der sich auSeinanderzugehen weigerte, und dieser Zwischenfall, der allerdings wohl etwas unnötig herbeigeführt war, ist noch nicht vergessen. Der Pariser Durchschnittsarbeiter hat absolut keine Lust zu einer Rolle als Barrikadenheld, in welcher er keinen anderen Lohn erringen kann, als eine Kugel. Vielleicht wird e» in Paris einige Lärmszenen geben, doch sind schwerlich besondere Dinge zu erwarten. Etwas stürmischer mag eS in Südfrankreich zugehen, wo in letzter Zeit sich eine ziemlich starke sozialistische Bewegung zu regen be­ginnt, die infolge deS heißen Blutes der Süd­franzosen Beachtung verdient. Auch in Spanien dürfte eS nicht garz ohre Tumulte abgehen. Der spanische Industriearbeiter, die Industrie ist ja aus der pyrenäischen Halbinsel bekanntlich nur sehr schwach entwickelt, versteht vom Sozialismus so viel, tote nichts, aber es geht den Leuten recht herzlich schlecht, und da ergreife» sie denn jede Gelegenheit zum Spektakel. In Italien, wo manche Industriearbeiter unter wirtschaftlicher und gewerblicher Misere zu leiben haben, find von der Regierung umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Der Italiener

thue Buße, liebste Emma. Zu allen Plagen und Sorgen beS Alltagslebens war mir die Erinnerung daran ganz abhanden gekommen."

Mir nicht!" setzte sie mit ziemlich scharfer Be. tonnng hinzu.Robert, liebst Du mich wirklich noch wie damals? Sprich, ist es so?"

Du Heine Thörin", lächelte er.Habe ich jemals etwas gesagt ober gethau, was Dich verletzen könnte? Habe ich Dir auch nur daS kleinste Recht geschmälert?"

DaS ist keine Antwort auf meine Frage, Robert." Ach Du fängst Grillen."

Er erhob fich und küßte zum zweiteumale die blaffe Stirn.Soll ich Dir die Kleinen schicken, Liebe? Paulcheu wird müde, wie es scheint."

Sie drehte den Kopf gegen die Wand.Ja", antwortete fie vollkommen tonlos, offenbar geistig mit ganz anderen Dingen beschäftigt.Ja!"

Halling ging in das Wohnzimmer zurück und blieb bann tief atmenb einen Augenblick stehen, als müsse er fich bemühen, ruhiger zu werben.ES geht heute abeub sehr schlecht, Fräulein Nora", sagte er seufzend. Auffallend schlecht. Wollen Sie freundlichst meiner atmen Frau die Kinder bringen?"

Die junge Dame hatte schon baS Bübchen aus ben Arm genommen unb ging jetzt mtt ihm unb beu betten Keinen Mädchen zu bet Kranken, bereu gläuzenbe Augen daS Fieber deutlich verrieten.

Nun seid hübsch artig, Lieschen und Anna, sagt der Mama: Gute Nacht!"

Die Kinder gehorchten sogleich, aber mehr scheu, als zärtlich. Seit, bet Geburt ihres Jüngsten war Frau Halling gelähmt, fie lag immer im Bette und war meistens so krank, baß ihr bte Kinder fertige- hatten würben; baburch entstaub naturgemäß eine Eutfrembung, bte sich befonberB bei bem kleinen Paul bemerkbar machte. Er schrie unb strampelle auch jetzt, bis ihn Fräulein Sorff »lebet auf ben Arm nahm und bie Wärterin herbeities, um so schnell als möglich bet Kranken Ruhe zu verschaffen.

Dttse selbst ließ alles um fich herum geschehen

könnte so ungerecht fein, Dich dafür anklagen vollen?"

Die junge Fran veränderte plötzlich ihren btt. en, gereizten Ton.Robert", sagte fie leise, t Dich zu mir." Unb als er sogleich einen Stuhl zog, fuhr fie fort:Hast Du ganz vergessen, einen Gebeuktag wir heute feiern?"

Der Gutsbesitzer schien nachzustnuen. ,Welch einen enttag?" wiederholte er.Arn sechzehnten Aptll? , ich wüßte nicht."

i8tobert l Ist es nicht der Tag, an bem mir mtt °r zehn Iahten zürn erßenmale sahen?"

Jetzt lächelte er. »Wahrhaftig, es ist so. Ich

Deutsches Reich.

Berlin, 30. April. Wie die .Post' meldet, legte der K a i s e r bem Schlesischen Füsilier-Regiment Nr. 38 den NamenGraf v. Moltke" bet. Vom Begräbnis des Grafe» Moltke wird mitgeteilt, daß die Leiche vor der Ueberführung nach Creisau einbalsamiert ist. Deshalb unterblieb auch die An­legung der Uniform. Die Reichstag,kommissio» zur Borberatung des Gesetzes über das Tele­graphenwesen des deutschen Reiches trat heute in die zweite Beratung der Vorlage ein und be- schloß, im § 1 zu sagen: .DaS Recht, für den allgemeinen MitteüungSverkehr bestimmte' Tele­graphenanlagen zu errichten und zu betteiben, steht ausschließlich dem Reich zu. Die angeführten Worte wurden auf Anttag des Abg. Hammacher eingefügt. Im § 2 wurde beschlossen, daß die Ausübung be» im 8 1 bezeichneten Rechts bei genügender Bürg­schaft auch an Privatpersonen (nicht nur an Ge-

ohne ein Wort zn sprechen, und als jetzt bie junge Dame mit halblauter Stimme fragte, ob fie irgend etwas wünsche ober befehle, ba schüttelte fie leicht ben Kopf.

»3ch habe nur einen, einen einzigen Wunsch, g-ranlein Nora, biefen aber können Sie mir nicht erfüllen, nnb wenn bitt selbst möglich wäre, wer weiß, ob ich--

Sie brach ab.Lassen Sie mtt schweigen, ganz schweigen."

Aber ich würbe Ihnen so gern alles Erbenkliche M Liebe thnn, Fran Halling, ich bin

Gehen Eie, gehen Sie, ach, es ist ja alles nur Lüge, ob bewußt ober unbewußt, aber doch Lüge.' Nora erhob hastig ben Kops; ein glühendes Rot lief Aber ihr ganzes Gesicht; fie antwortete keine Silbe, sondern verließ geräuschlos das Kranken­zimmer nnb nahm ihren früheren Platz bem Haus. Öerrn gegenüber wieder ein, so jedoch, daß jede ihrer Bewegungen, ja, jeder Blick von der Gelähmten beobachtet werden konnte; dann nähte ste, als gelte es, durch ben Ertrag dieser Stiche einen Verhungern­den vom Tode zu erretten.

H,alling arbeitete zwischen Bauplänen und Kosten- anschlägen; eS wurde im Zimmer sehr still und nur der ungestüme FrühlingSwind rüttelte an den Fenster, lüden, sonst unterbrach kein Geräusch die tiefe Ruhe der späten Abendstunde.

Mit brennenden Augen sah die Kranke hinüber zu dem Keinen, vom Lampenlicht so ttaulich erhellten Raume. Dort war alles, was ihr rechtmäAg gehörte, was ihr Glück, ihr Leben ausmachte und bem fie doch seit Jahren fern stand. Am Tisch saß der Manu, den fie liebte, und neben ihm eine fremde, bezahlte Person, eine, mtt der er alle Wirtschafte angelegenSetten erörtern mußte, die einzige, mtt der er alle Gedanken, alle geistigen Eindrücke testen konnte. Stand nicht Fräulein Sorff vollständig an dem Platze

®a«8ftan? Waren es nicht ihre weißen, schlanken Hände, bte bas ganze Getriebe ordneten?

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quattal-Abonnements-Prei» bei der Expe­dition 2/. Mk,, bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt sür die Kreise Marburg und Kirchham

Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

meinden) verliehen werden kann. Ferner wurde folgende Bestimmung im § 2 gestrichen:Das Reich 'st berechtigt, die von den Gemeinden errichteteu Anlagen gegen Erstattung der Kosten jederzeit yt übernehmen und zu betreiben." Die 18. Kom­mission de» Abgeordnetenhauses hat den Antrag Korsch bett, das strafrechtliche Verbot des Lotterie­handels mit 8 gegen 6 Stimmen abgelehnt. Dagegen wurde folgende vom Abg. Dr. Arendt beantragte Resolutton angenommen: .Da» HauS der Abge­ordneten wolle beschließe», die Staatsregierung aufzu­fordern: 1. die Zahl der Lotterielöose der preußischen Klassenlotterie, möglichst noch für da» laufende Etatsjahr, dem Bedarf entsprechend zu er­höhen (mit 9 gegen 5 Stimmen); 2. ben Vertrieb der Loose der preußischen Klaffenlotterie mit thun- lichster Sparsamkeit, unter Abänderung des be­stehenden Systems der Lotterieeinnehmer, zeitgemäß anzuordnen; 3. ihre Bemühungen für den Erlaß eines Reichsgesetzes eintreten taffen zu wollen, durch welches eine einheitliche Regelung be« Staat»* unb Privat - Lotteriewesens im Reich und inner­halb der Einzelstaate» an gebahnt wird.' Da« Reiseprogramm deS Kaisers für bie Rheinfahrt ist nun gegeben. E« ist durch den Tob bes Feldmarschall« Grafen Moltke in keiner Weise gegenüber den ursprünglichen Anordnungen verändert worden. Der Kaiser verläßt danach in seinem Sonder­zuge die Station Wildpark um 11 Uhr am Sonn­tag den 3. Mai. Er trifft am Montag um 9 Uhr auf dem Bergisch-Märkischen Bahnhof in Düsseldorf ein, und hier findet großer militärischer Em­pfang statt. Dann fährt er zu seinem Absteige- quartier, dem RegierungSpräsidenttn, wo der große Civilempfang stattfiudet. Im Laufe deS Vormittags nimmt der Kaiser militärische Besichtigungen vor und nimmt um 4 Uhr an dem ihm von den rheinischen Provinzialständen angebotenen Festmahl und um 7 Uhr in der Tonhalle an dem Feste der Stadt und der Künstlerschast Düsseldorfs teil. Um 91/* Uhr erfolgt die Abfahrt wiederum vom Bergisch-Märttschen Bahnhof und die Ankunft auf dem Hauptbahnhof in Köln um 10 Uhr. Hier ist nur kleiner Empfang. Dann umfährt der Kaiser den beleuchteten Dom und begiebt fich zum RegierungSgebäude, wo er sein Nachtquartier nimmt. Der Vormittag be« Dienstag ist militärischen Besichtigungen gewidmet. Hieran schließt fich die Umfahrt in der Stadt und am Mittag um 11/» Uhr daS Festmahl im Gürzenich. Um halb 5 Uhr er­folgt die Abfahrt von Köln mit Schnellboot nach Bonn, wo der Kaiser um 7 Uhr eintrifft, sein Ab-

Ein bitteres Weh hielt das Herz der armen Ge­lähmten tote mit Krallen erfaßt. Auch ihrer Studer gedachte fie in diesem 'schmerzvollen Augenblick unb der Strom ber Verzweiflung schwoll höher unb höher.

Fräulein Sorff ersetzte ben schulbloseu Erschöpfen bte Mutter, fie war ihre Beschützerin, ihre Vertraute, fie hatte alle Rechte nnb Pflichten, bte ihr, ber un­glücklichen, vom Schicksal so schwer Heimgesuchten, rechtmäßig gehörten. Frau Emma barg bas Gesicht in ben Kiffen, um nicht laut zu weinen.

Eine heiße, unbezwingliche Empörung durchflutete ihr Inneres. Was hatte fie verschnlbet, nm so hart, so entsetzlich hart bestraft zu werben?

Gab eS benn wirklich einen Gott ber Liebe, beS Erbarmens? Konnte ein solcher so sein Kind verlass« nnb versäumen?

Unb ihre gequälte Seele schrie auf zu biefem Gotte, ihr Jammer ließ ste bie Hände ringen in ausbrechenber Verzweiflung.

Höre mich, Vater im Himmel! Nur bieS eine Mal höre mich! Lasse ein Wunder geschehen wie einst tu vergangenen Tagen. Wenn ich jetzt auf- stehen und in jene» Zimmer gehen, wenn ich meine geheiligten Rechte voll beanspruchen könnte, wäre baS schon eine so große Snabe? O gitb mir zurück, wett mein ist; mehr nicht, nur was mein ist!'

Ihre brennenden Blicke sahen immer noch hinüber zu bem erhellten Raume ba drüben. Wem» sie jetzt plötzlich im Thürrahrnen erscheinen würde, 'wenn fie gesund und kräftig wie einst dastände Ach!--

Und leise versuchte fie eS, fich zu erheben; ganz leise. Eine Art von Rausch durchflutete ihre Seele, ihr Herz Köpfte zum Zerspringen. Mußte nicht ein so inniges Gebet btt }um Throne ber Gottheit bringen? Konnte bie ewige Liebe sturnrn nnb kalt bleiben, solchem Jammer gegenüber?

Sch unb bann kam ber Rückschlag. So bleiern, so tot wie zuvor bie Glieder, unfähig selbst ber kleinsten Bewegung. Alle» vergebens, das gläubige, instänbige Flehen, baS Gebet im Staub

Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler _____

j£Sr°nffurt a.M-, Cassel, Magdeburg ».Wien; Rudolf XXVI Mosse tn Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. L.*' Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

ff ksteulicherweise in diesem Iahte die Stimmung eine ihr beruhigte, niemand befürchtet, daß der Tag rgend welche Ausschreitungen von Belang bringen nnn tonte, wie e» im vorigen Jahre vielfach, obwohl nXK jehr mit Unrecht, der Fall war. Die allgemeinen beschilft»- und Erwerbverhältnisse liegen auch heute Pf», in der Industrie nicht immer so, daß Anlaß zum 2784 zubllieren und Triumphieren vorhanden ist. Wir