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Der neue SergarberarrsKartd.

Der wie im Frühjahr 1889 io auch jetzt roitber

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Marburg,

Freitag, 1. Mai'1891

fie die Massen zwar in Bewegung setzen, nicht aber leiten und zügeln können. Nach meiner Ueberzeugung kann die dringend nötige Sozialreform nur durch- öksührt werden von oben herab, durch ein starkes Königtum, welches den Willen und die Macht dazu besitzt, und da» haben wir in Deutschland. Schon find wie billig auf Kosten der Besitzenden die Steuern für die Unvermögenden herabgesetzt, ja aufgehoben. Die Kranken- und Unfallversicherung steht in voller und segensreicher Wirksamkeit. In wenigen Tagen tritt da« große Gesetz über Inva­liden- und Altersversorgung in Kraft. DaS weitere Fortschreiten dieser staatlichen Forsorge kann nur gehemmt oder doch verzögert werden durch den Um­stand derer, für welche fie wirkt, und hier tritt die eiserne Notwendigkeit der Machtentfaltung rin. Das Gesetz gegen die Sozialdemokratie war das humanere Verfahren, es wirkte präventiv. Nach seiner Auf- Hebung bleibt nur die rücksichtslose Repression.'

Lbwiegeln seitens der sozialdemokratischen Führer nichts. Denn die letzteren halten es ja nur für gegenwärtig inopportun, die Folterungen der streikenden Bergleute durchsetzen zn wollen. Im übrigen stellen sie sich nicht bloß vollständig auf den Boden dieser Forderungen, sondern gehen darüber noch hinaus. Endlich find auch die Kohlengruben- befitzer jetzt in einer Organisation vereinigt, welche dem Strike einen stärkeren Widerstand entgegensetzen kann. Dagegen gleicht der diesjährige Ausstand in

seinew letzten Vorgänger in mancher Hinficht. Ein- Wal ist er trotz des auf der letzten Sonntrgsver- snnimlung der Bergarbeiter gefaßten Beschluss « nicht allgemein. Es macht sich sogar eine scharfe Trennung zwischen den sozialdemokratischen und nicht sozial­demokratischen Arbeitern bemerkbar. Sodann tft

Bergarbeiterstrike hat zu deutlich gezeigt, wie not­wendig der § 153 ist.

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(Sraf v. Moltkes Stellung rnr sozialen Frage.

Der in London lebende Dr. Emil Dorn hatte unter dem 5. Dezember vorigen Jahres dem greisen Feldmarschall das Manuskript einer: .An alle, die e« angeht', überschriebene» sozialen Arbeit eiuge- sandt, und den Grafen um gütige Beurteilung ge­beten. Schon unter dem 12. desselben Monats lie von dem alten Herrn folgendes Schreiben als Antwort in London ein: .Berlin, den 10. Dezember 1890. Geehrter Herr! Sie haben mein Urteil gewünscht über da« mit dem verbindlichsten Dank anliegend zurückerfolgende Schriftstück aus Ihrer Feder. Ich ttete Ihrer Ansicht bei, daß ein wirklicher Fortschritt der Gesellschaft sich »vr Pmofom und aradweise vollziehen kann. Natura non Leit faltum, die Gesittung ebensowenig. Vor allem kommt es darauf an, die unteren Volksklassen aufzuklären über ibr eigenes Interesse. Das ist die Arbeit von Schule und Kirche durch ein Jahrhundert. Wir stehen aber nahe vielleicht unmittelbar vor dem Ausbruch einer gewaltigen Bewegung und müssen der Gefahr schon jetzt ins Auge sehen. Sie wünschen nun (Seite 19), daß die Sozialdemokraten durch ein weniger revolutionäre« Verhalten e8der großen Zahl von besitzlosen Gebildeten' gestatten mögen, in Kameradschaft mit ihnen zu treten, e« werde sich dann eine unblutige segenbringende Um­wälzung von selbst vollziehen. Glauben Sie, daß der einsichtige, wohlwollende Gebildete in der Lage sein wird, die auf Umsturz und Plünderung gerichtete Bewegung der unzufriedenen Massen auf ein ver­nünftiges Ziel zu lenken? Gerade gegen den gebildeten Mittelstand, gegen Bourgeoisie, wendet sich der Haß der Proletarier zunächst. Blicken Sie zurück auf die Kommune von Paris 1870/71. Sie hat die Denkmäler des ftanzöfischen Ruhms zer­trümmert, die Priester ermordet, die Boutique geplündert, aber das Haus Rothschild ist unbelästigt geblieben. Die Revolution hat jederzeit die zuerst verschlungen, welche sie zu leiten versuchten. Stets find die gemäßigten Parteien von dem extremen mit fortgerissen worden. Fast keiner der Männer, die in der großen französischen Revolution eine Hauptrolle gespielt haben, der nicht unter dem Fall­beil geendet hätte. Auch die Führer der deutschen Sozialdemokraten fangen schon an zu erkennen, daß

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1 Uhr 'M, innig treu«

iemaB in den sogenannten Kathen, den HLusern, die nufere Tagelöhner bewohnen?'

-^schien sehr überrascht.Wie komme« Sie ans diese Frage, Herr Halling? Nein, ich war niemals da.'

Er nickte langsam vor sich hin.Nun, dann suchen Sie eine Gelegenheit, in diese Räume hinein- zusehen', fahr er fort.Fräulein Nora, Sie werden Unglaubliches entdecken. O, es ist nicht damit getha», den Verwalter zu kouttoltereu und dm Dieustlenteu unverkürzt ihre Einnahme zngeheu zu lassen', bas habe ich heute erfahre«.'

Er strich mit der Rechte« dvrch das volle krause Haar.Ich flüchtete vor dem plötzliche« Gewitter- rege« in eine dieser Wohnungen', fuhr er dann fort, ,eS war die des Tagelöhners Schwarz. Mein Himmel, welche Zustände! Für die ans acht Perfonm be- tehende Familie ein einziger enger und niedriger Raum, in dem wieder unr zwei Bette» flehe«, das heißt nicht etwa Betten in »nserem Sinne des Wortes! Schwarz hat vier Pfähle i« den Lehmboden gerammt rmd einige Bretter rings umher daran befestigt, .das ist alles. Heu vad Stroh sahen unter de« Lampe» hervor.«

Ja, Herr Halling, aber«

, .Er schüttelte hastig de» Kopf.Kein Aber, Fräulein Noro. ES ist entsetzlich, daß solche Di»ge überhaupt geschehe»»aen. Unter dem größere»

« Alten wuchs zwischen Stetuen uud Scherbe»

U°kra°t wtt lange» mißsarbigen Blättern; ich hätte die Pflanze zertteten möge» wie de» Kops einer i'idttcr*

Di« Handarbeit der jungen Dame ruhte müßig ? ^re großen Augen waren wett geöffnet, ihr Gesicht »och bleicher als vorher.

doch find diese Leute durchaus nicht so an, Seich' °88 dm Anschein hat«, sagte sie mit ge.

^tirmre. -.Mann n»d Fran verlebt« ihre kindhett in eben solcher Käthe, fie aßen schwarz» Brot und Kartoffel«, feit fie beuten können, sie teilten

(Nachdruck verboten.)

Schiffbruch im Hafen.

Novelle von SB. Höffer.

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einem Punkte auf ein Haar dem vom Frühjahr 1889, aesuch »ämlich in der H^ntraktbruchsfrage. Kaum b. V hatten sich 1889 die ersten Ausstandsbewegungen gezeigt, als die Arbeitsniederlegung überall Platz griff, ohne daß viel nach der Einhaltung der Ber-

tiagSverpflichtung seitens der Bergarbeiter gefragt vmde. Und wenn wirklich das Rechtsgesühl eines _____Bergarbeiters so groß war, daß er dem allgemeinen lauf« toumel nicht folgte, so wurde er von der Masse zur käederlegung der Arbeit gezwungen. Gerade so ist

Deutsches Reich.

Berlin, 29. April. Der Kaiser und die Kaiserin find am Mittwoch Mittag zum Besuch des Großherzog- und der Großherzogin in Weimar eingetroffen und dort sehr herzlich empfangen worden. Die Stadt war reich mit Fahnen uud Flaggen ge­schmückt. Bon Weimar haben denn beide Majestätm sich mit den großherzoglichen Herrschaften nach der Wartburg bei Eisenach begeben. Freitag Vor­mittag erfolgt die Rückkehr nach Berlin. Sonntag Abend tritt der Kaiser von Potsdam die Rheinreise an. In Schloß Luisenlund in Schleswig findet jetzt die Vermählung des Fürsten von Waldeck mit der Prinzessin Luise von Schleswig Holstein Glücks­burg statt. Eine Sitzung des preußischen Sta atS- ministeriumS fand Mittwoch Vormittag statt, in welcher die Erklärung festgestellt wurde, die der Reichskanzler von Caprivi' in der Mittwochfitzung des preußischen Abgeordnetenhauses abgegeben hat. Auf die bei unserm Kaiser abgereichte Beschwerde­schrift über die abfällige Aeußerungen des Kriegs­ministers, über ostfriesische Rekruten und Lehrer erging seitens des Reichskanzlers eine Ant­wort, welche unter Hinweis auf die bezüglichen Ver­handlungen im Reichstage sagt, die geistige, wie die militärische Tüchtigkeit der Ostfriesen sei niemals be­zweifelt worden. Der Kaiier kenne die lokale Ge- rnnung der Ostfriesen. Der BundeSrat in Berlin hielt am Mittwoch Mittag eine Sitzung ab. In derselben wurde die Vorlage des Reichskanzlers betreffend die Teilnahme an der Weltausstellung in

immer mit der Ziege uud dem übrige« Viehstaade ein- und dasselbe Dach; 'vielleicht würde es ihre ganze Behaglichkeit störe«, daran irgend etwas ge­ändert zu sehen. Aber wenn Leute aus dm ge­wohnten Verhältnissen plötzlich herauSgeriffe« werde«, wen« sich der bisherige Wohlstand über Nacht bi die bitterste, unerträglichste Armut verwandest, da» ist furchtbar.«

Der Gutsbesitzer sah freundlich in das blaffe, erregte Gesicht der jimgen Dame.Arme Nora', agte er tu gütigem Tone, Sie selbst habe« das durchlebt, leugne« Sie eS «icht.«

Ihre«de bedeckte« sekundenlang das zuckende Gestcht. »Nicht ich', stammelte fie, von uuterdrücktem Schluchzen fast erstickt, »nicht ich, aber mebie unglück­liche Matter. Ach, Herr Halling, wen« die Fra« ans der Käthe für ihr kraukeS Kind keine Suppe beretten kann, daun kommt fie in die Küche deS Herrenhauses uud ihr wird das Nötige überreichlich gewährt; weuu fie zur Beerdigung des gestorbene« keine Mittel besitzt, dann schenkt ihr der Schloßherr >eu Bettag, von dem »och ein Ueberschuß zurückbleibt, lber anbei 8 jene Unglückliche, die keinem Mensche» ihr Leid gestehen darf! Ach, wen» Sie wüßte», was er heißt, ohne Arzt oder Pflege irgend einer Art am Kraakmbette zu stehen; was eS heißt, den Trödler komme» lasse» z« müssen, um nur deu Sarg--

Ihre Stimme versagte. Erst »ach längerer Pause etzte fie kopfschüttelnd hinzu: »Ich bitte Sie uw Verzeihuug, Herr Halling. Ich ließ mich htureißm durch die Gewaü der ttaurigeu Erinnerungen. Glaubm Sie mtt: nicht da» ist das uuerttäglichste Elend, da» offen aus der Gaffe seiue Luwpeu zur Schau stellt. Aber wer schweige», ja, lächeln mutz, wo ihm dar Herz bricht, der leidet.'

wch diesmal der Hergang der Strikebewegung ge- , gtodjtafen. Die Agitatoren haben zum Kontraktbruch sofol-shetzt, die sozialdemokratischen Arbeiter sind ihnen " olgt und nun bedrohen diese die uichtautständigen eiter mit Gewalt. Nur wird diesmal bei der

Er reichte ihr offen uud freundlich die Haud. Hätten wtt nur in jenen trüben Tagen gekannt, ränlein Nora, ich würde Ihnen nnd Ihrer armen \ iama brüderlich geholfen haben.'

Sie nickte. »Da» glaube ich Ihnen ja sicherlich.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-Abonnements-PreiS bei der Erpe- dition 2«/. Mk, bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jusertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, lowte die Anuoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler mFranksiirt -uM., Cassel, Magdeburg u.SBien; Rudolf XXVI Masse in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; ®. L. 1 Daube u. Co. in Frankfurt a- M., Berlin, Hannover, Paris.

tnatte um i» rheinisch - westfälischen Kohlenrevier ausge­brochenen BergarbriterauSstand unterschiidet sich von

n. bel.

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Markt 21. Redaktion, Druck uud Verlag von Joh. Aug. Koch.

e, b» Dieser Man« war Robert Halling, der Besitzer nmtt»« gleichnamige« Gutes uud einer der reichste» rn, f* Eäuuer deS gauzeu Kreises.

3hm gegenüber saß Fräulein Korfs, eine juuge «ne, die alles iu alle« deu Platz der ttaukm WSfrau verttat und bereu Auge vom Seflügelhof i zum Salon jede Eivzelhett scharf überwachte, le war eine schlanke, mittelgroße Erscheivnng mit Mem, aber keineswegs kränklich erscheinendem Gestcht «reichem, dunklem Haar. Weuu fie, waS selten lchah, den Blick von der Arbeit erhob, so sah man »ßr, sprechende, beinahe schwarze Angen. Fräulein "ff war sehr hübsch und aumuttg, obwohl fie doch reus vier, oder fünfundzwanzig Jahre zählen'mochte.

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Im § 153 derselben sollte nach der Regierungs­vorlage die Aufreizung zum Kontraktbruch und die Bedrohung der arbeitenden durch die sinkenden At beiter bestraft bezw. stärker al» bisher bestraft 1 werden. Die Reichstagsmajorität, bestehend aus : Zentrum, Deutschfreisinn und Sozialdemokratie, hat den § 153 abgelehnt, weil sie die Sachlage nicht so : schlimm ansah. Nun kann fie, wenigsten» soweit daS I Zentrum und der Deutschfreistnn in Betracht kommen, die Probe auf ihr Exempel machen. Wenn irgtnb : etwa» durch den neuesten Sttike bewiesen worden ist, so ist e« die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen l Strafbestimmungen über die Verleitung zum Kon­

traktbruch und die Bedrohung der bei der Arbeit 1 verbleibenden Arbeiter. Die Arbeiter verlangen

eine Berechtigung zur Arbeit und im gewissen Sinne haben sie auch auf eine solche Anspruch. Jeder Berechtigung steht aber eine Pflicht gegen- über. DaS haben die Sozialdemokraten allerdings verlernt, zutreffend aber ist es trotzdem. Und der Berechtigung zur Arbeit steht die Pflicht zur Arbeit, vor allem aber soweit sie durch vertrags­mäßige Abmachungen vorher bedingt ist, gegenüber. Das Pflichtgefühl ist, je weiter die Sozialdemokratie sich ausgedehnt hat, um so mehr unseren Arbeitern abhanden gekommen. Sie wollen heute nur Rechte anerkennen, von ttgend einer Pflicht wissen sie, wenigstens soweit fie sozialdemokratisch sind, nichts. Ja noch mehr, die sozialdemokratischen Arbeiter fühlen sich bereit« so al« Herren der Lage, daß sie einen Widerspruch bei andersgesinnten Arbeitern, der ihre Aktionen durchkreuzt, nicht mehr vertragen und wenn nicht ander« dann mit Gewalt die Letztem zum Mitthun zwingen wollen. Läßt man der Ent­wickelung der Dinge in dieser Richtung noch weiter freien oder doch nur wenig gehemmten Lauf, so ist die notwendige Folge, daß das Rechtlichkeit-gefühl in der deutschen Arbeiterschaft völlig abstumpfen wird. Die RegiemngStteise nehmen diesmal eine ganz andere Stellung dem Bergarbeiterstrike gegenüber ein als im 3ahre 1889. Jedoch genügt diese Stellungnahme im Einzelfalle nicht, um zur Besserung der Verhältnisse zu gelangen. Die Regierung hat in ankennens­werter Weise gesehen, wo der Hebel angesetzt werden muß und sie keinen Anstand genommen, iu der Gewerbeordnung«novelle diese Stelle genau zu be= reichen. Unserer Meinung nach wäre eS jetzt aber auch Pflicht, darauf zu beharren, daß der § 153 an­genommen werde. Eher sollte die ganze mühesame Arbeit des letzten Jahre« ohne Erfolg preisgegeben, als auf den § 153 verzichtet werden. Der neue

_ 8® kiuem Kindertischchen spielten zwei kleine Mädchen von vier nnd sechs Jahre» mit dem zvei- jährigeu Brüderchen, nnd hier, in diesem Kreise ging eS »icht ganz so rnhtg her, wie drüben bet den Ec. wachsenen; aber wenn einmal der Jubel allzu laut hervorbrach, dann hob Fräulein Sorff mahnend den Finger und sofort verstnmmte alles. Die Kleine» schiene» darau gewöhnt, nur leise nnd geräuschlos spielen zn dürfen. w

Der Gutsbesitzer rauchte au» einer langen Pfeife; er lehnte sich bequemer in den Sessel znrück.

»Ich habe hente den Steiugrnud gekauft, Fräulein Nora', bemertte er. »Demnächst wird ganz Halliug von Arbettern überschwemmt werde».'

Die junge Dame sah auf. »Schade!' sagte fie in bedauerndem Tone. »Schade, Herr Halliug.'

Er lächelte belustigt. »Doch nur, wett die Nachbar, schäft einer Fabrik die Romantik des Zaubersees zu beeinträchtigen droht, nicht wahr? Mau kauu nicht wohl bei Moudlicht iu die schwarze Tiefe hinunter, sehen und an allerlei poetische VolkSsageu denken, wenn dicht daneben der Dampfhammer «bettet nnd Männer mit Schurzfellen hinter den Bäumen er. scheinen. Ist eS so, Fräulein Nom?' fette?** WfitteUe ,34 ma9 fie nicht, die Schurz-

»Oho!' wandte er ein.

. .Ich mag fie nicht', beharrte Nora. »Uud wozn der Dampfhammer, Herr Halling? Ist nicht SoldeS genug tu deu Truhe» dieses alten Hauses?'

Sein Gestcht wurde plötzlich ernster. »Soldes genug', antwortete et. .Da» eben ist'S ja. All. jährlich wandern große Snmmen hinaus in fremde Länder, nach Rnßland, nach Argentinien, all das Geld kann hier bleiben und unseren eigenen Land», unten zu gute kommen.'

«Da» neue Evangelium!' lächelte sie. »Da steht e8 wieder ans Ihren Worten hervor.' ;

2lber er ging auf den scherzenden Ton nicht ein. i ,&rtaleta Nora', sagte er plötzlich, »waren Sie

seine Hauptursache nicht in dem Verlangen nach Er- itlbeä höhw>g der Löhne, sondern in der Forderung ülfe auf grHcrer Machtstellung seitens der Arbeiter zu suchen, cnd v« Sympathie, welche vor zwei Jahren seitens - großer Bevölkerung-klassen den Bergarbeitern ent- gegrvgebracht wurde, fehlt deshalb auch nicht nur TTTg gegenwärtig gänzlich, es herrscht vielmehr allgemein tt*»» Ueberzegung vor, daß nur sozi-lldemokratlsche Treibereien die Arbeiter zur Beknndtgung eines solchen Wchtgelüfte» geführt haben. Daran ändert das

Draußen fuhr mtt Singen nnd Sausen der Früh, ltk pd mgSwind nm die Ecken uud Giebel deS altertfim. h i.bW» Landhauses, er warf gange Schauer von (2773 «opfen gegen die verhüllten Fenster eine» Zimmer» J »Erdgeschoß, und nicht feiten lärmte er derartig, 5 e» schien, al» wolle eine starke Hand stch ge- , Wtfom den Zutritt erzwiugen; aber drinnen in dem amom khaglich durchwärmte« Raume wurde von alledem Wasser «r sehr wenig bemerkt.

soft» Einander gegenüber am Tisch mtt der großen ^verschleierten Lampe saßen zwei Personen, ein (81 fett und eine Dame, die beide hier zn Hanse waren A> deren Unterhaltung mit gedämpfter Stimme ge. ahtt wurde, al» gelte eS, einen Schlafenden nicht a J* erwecken ober einen Kranken ungestört zu lassen.

« Herr mochte sechStmddreißig bi» vierzig Jahre tten; er war ein Bild männlicher Kraft und Ruhe, » blaue» Auge sah gerade und offen in die Welt iitnS, das ganze braune Antlitz mußte Vertrauen d Zuverficht erwecken bei jedem, der einmal hinein.

(27 13

gleich größeren Menge der arbeitenden Bergarbeiter Erfolg nicht derselbe sein, wie im Jahre 1889.

21. jltofcbem wirft die Wiederholung des gleichen Vol­ks ein grelle« Licht auf die Schlußverhandlunge« Reichstage« über die Gewerbeordnung!Novelle