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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Mardurg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Wahlkriffe» war die berüchtigte Mac - Kinley - Bill mit ihren geradezu unverschämt hohen Schutzzöllen. Auch Präsident Harrison lobte diese- Gesetz als ein Musterwerk staatsmännischer Weisheit, was aber nicht binderte, daß schon ein Vierteljahr nach dem Jn- kcasttreten der Mac Kinley Bill die Schöpfer diese- Gesetze- von der über die- unerhörte Au-saugesystem erbitterten Bevölkerung ohne Gnade und Erbarmen niedergestimmt wurden. Die Mac Kinley Bill wird in Jahre-frist schon erheblich abgeändert, wenn nicht aufgehoben sein. Für den Präsidenten Harrison war diese Wahlniederlage seiner Partei ein ganz empfind­licher Nasenstüber; der Schlag war schwer, und die erlittene Scharte schwer wett zu machen. Aber wo­für wäre Herr Harrison denn der Beherrscher aller Aankees, wenn er so gar keine Iankeeideeen haben sollte?

Und die neue Idee war wirklich schlauer. Der nordamerikanische Bürger besitzt nicht blos einen kleinen, sondern einen ganz großen Dünkel und was wir al- Chauvinismus streng verurteilen, macht sich bei einem nicht geringen Teil der republikanischen Biedermänner ganz gehörig breit. Wir haben daS bei dem praktisch ganz unbedeutenden Samoastreit gesehen, bei welchem man drüben auf dem besten Wege war,nach Berlin" zu rufen. Eine fixe Idee der Nordamerikaner ist el nun, daß ihnen eigentlich der ganze Erdteil Amerika gehört und daß die Europäer in demselben höchsten» das aufnehmen können, was die Markee» ihnen lassen. Präsident Harrison und seine Minister haben nun bekanntlich den Plan gefaßt, die europäischen Industriellen ganz und gar aus Zentral- und Süd-Amerika, in welchem jene bisher noch die Ueberhand hatten, herauSzu- dränge», damit der nordamerikanischen Industrie neue große Absatzgebiete zu öffnen und in dieser Weise die gesunkene Popularität der republikanischen Partei wieder zu heben. Bei den verworrenen Ver- hältnifien in den Republiken von Zentral- und Süd-Amerika, bei dem dort herrschenden Geldmangel wäre es für die spekulativen Mankees nach Heraus- drängung der Europäer nicht schwer, dort völlig die Oberhand zu gewinnen, jene Staaten in ihnen b liebiger Weise ganz gehörig auszubeute». Der Anfang in diesem Raubsystem ist durch den Abschluß de» Handelsvertrages mit Brasilien gemacht und wenn die Dinge nicht so, wie bisher, weitergehen sollen, werden die europäischen Industriestaaten recht­zeitig ganz gehörig auftrumphe« und dem alles ver­schluckenden braven Bruder Jonathan, die Faust unter die Nase halten müffen. Dann wird er wohl wieder etwa- zur Besinnung kommen und einsehen, daß

Major Wißmann befindet sich recht wohl.

Hamburg, 22. April. In mehr Beziehung ist namentlich im Hinblick auf preußische Steuerresormgesetzgebung das

Marburg,

Freitag, 24 April 1891

feiner Parteiintereffen wegen Europa noch lange nicht so tanzt, wie ihm aufgefpielt werden soll.

Herr Harrison denkt aber, man muß daS Eisen schmieden, so lange ei warm ist, und so hat der Präsident den» eine AgitationS-Rundreise angetreten, auf welcher er sehr schöne Reden hält, deren Refrain immer ist: Ich bin der Mann, der Alles kann! In einer Republik sollte daS Staatsoberhaupt zwar eigentlich auch bürgerlich-einfach auftreten, doch daS sind für Herrn Harrison veraltete Thatsachen. Der Separatzug, welchen er auf dieser Reise benutzt, ist mit wahrhaft fürstlicher Pracht aukgestattet. Dazu könnte man aber immer noch »Gut!- sagen. Hat der Präsident so viel Geld, daß er sich so etwas leisten kann, so kann Niemand dagegen sprechen. Aber Herr Harrison hütet sich wohl, so und so viel Tausende Dollars für derartigen LuxuS auszugeben, derartigen Prunk kann man in seinem »Reiche- billiger habe». Die amerikanischen Eisenbahnen führen zum Teil eine» wütenden Konkurrenzkampf und wo fie in ihrem Interesse eine gute Reklame ergattern können, sind sie sofort bei der Hand. Eine Präsidenten Reise ist aber eine gute Reklame und ein brillante» Zug­mittel und so fährt Herr Harrison stolz in einem Reklame-Traum umher. Nicht gerade sehr vornehm ist das zwar, aber es kostet auch nicht». Diese recht unrepublikanischen Manieren haben in der Bevölkerung schon viel Anlaß zu bösem Gerede gegeben und mit dieser Reise wird der Präsident wohl noch viel mehr htneinsallen, als mit dem Mac Kinley Bill, trotz aller schönen Rede», die er unterwegs hillt.

Zu diesen Reden, namentlich zu der neuesten, muß man aber doch recht den Kopf schütteln. Herr Harrison verstieg sich zu dem Ausspruch, die Industriellen des monarchische» Europa hätten In dem republikanischen Amerika nichts zu suchen und wo in irgend einer amerikanischen Republik der Bedarf nicht selbst produziert werde, müßten die Waren aus der großen nordamerikanischen Republik bezogen werden. Wie ein Mann in der Stellung Harrisons solche- Blech zusammenschwatzen kann! Was würde man in Amerika wohl sagen, wenn in Europa mit einem Male gesagt würde, wir können kein amerikanisches Petroleum mehr brennen, weil daS aus einem amerikanischen Lande kommt! Die Berhältniffe in Amercka liegen eben ganz ander», wie in Europa, darnach haben die Staatsformen sich gestaltet; aber mit dem wirtschaftlichen Verkehr haben dieselben absolut nicht» zu thu» und wenn hiernach die Markt- veihältniffe geregelt werden sollten, so würden ganz verzweifelt kunterbunte Geschichten herauskommen.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonuements-Preir bei der Expe­dition 2*/* Mk, bei allen Postämtern 2 Mk- 50 Psg. sexkl Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.

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Der Präsident einer Republik.

Da» deutsche Reich hat sich sonst um den Prä­sidenten der großen überseeischen Republik, der Ber­einigten Staaten von Nordamerika, nur sehr wenig bekümmert; seit einiger Zeit sängt aber der Mann «, für uns interessant zu werden. Präsident Harri­son, welcher als Kandidat der republikanische» Partei bei den letzten Präsidentschaftswahlen de» Demokraten Lkveland geschlagen hatte, und in das Weiße Haus Washington, den Präfidenterpalast eingezogen war, ist alles andere eher, a!s ein Genie oder ein Staats­mann. , Unter seinem Vorgänger Cleveland war der berüchtigten Aemterjägerei im Reiche der Aankees ewigermaßen gesteuert; Mr. Harrison denkt darüber wders. Er hat den hungrigen Aemter- und Stellen-

Anmeldungen

zu« Bezüge der OberhessischtU Intttttg nebst deren Beilagen Amtliches Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und Illustriertes Sourttagsblatt werden jeder­zeit von allen Postanstalten, Landbriefträgern, von unserer Agentur in Kirchhain, sowie von der Expedition selbst (Marburg, Markt 21) entgegengenommen.

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Die Exped. d.Oberh. Ztg."

alle» vorbereitet ist. Der Chef der katholischen Missionen Dar-eS-Salaam, Pater BouifaciuS, ein allgemein beliebter Man», ist dort

Deutsches Leich.

Berlin, 22. April. Nach den bisherigen Dik- pofitionen reist der Kaiser morgen früh 6 Uhr »ach Dresden zur Beglückwünschung deS morgen seinen Geburtstag feiernden Königs von Sachsen, und vo» Dresden nachmittag» nach Eisenach. Die Kaiserin trifft am Sonnabend in Eisenach ein und kehrt von dort am Sonntag hierher zurück. In Berliner Regierungskreisen wird, tote die »Post- hört, ange­nommen, daß die Landtag»session bi» zum 15. Juni werde beendet werde» könne». Dem Reichstage ist der Gesetzentwurf über die Einrichtung eines ReichSschuldbucheS, nach dem Muster eine» preußischen Staatsschuldbuches, zugegange». Der Gesamtverband der evangelische« Arbeitervereine Deutschland» wird am 27. Mai in Berlin tagen, und zwar in Verbindung mit dem- am 28. und 29. Mai ebendaselbst tagenden evangelischen sozialen Kongreß. Die Beschickung der Welt-AuSstellung in Chicago von ReichSwegen ist, der »Allg. Ztg.- zufolge, endgiltig beschlossen worden. Die preußische StaatSregierung beabsichtigt nach den »Berl. Pol. N." »unmehr einer planmäßigen Lösung der Frage der Herstellung billiger Wohnungen, soweit Berlin in Betracht kommt, nahe zu treten. Zunächst handelt e» sich indessen erst darum, die Grundlinien des Vorgehen» festzustellen, bevor zu der weiteren Durchbildung de» Planes und demnächst zu der Ausführung über­gegangen werden kann. Polizrihauptmann Höhn, welchem die Aufgabe zugefallen war, die japanische Polizei nach hiesigem Muster zu organisieren, hat diese seine Aufgabe er- füllt und ist wieder in Berlin eingeh offen. Nach einem von Herrn v. Wißmann au» S3aga* moyo eingelaufenen Telegramme wird derselbe Ende Mai zu kurzem Ausenthalte in Deutschland eintreffe». Der Wißmaun-Dampfer, welcher mit dem in den nächsten Tagen von Hamburg au»- laufenden DampferEmin" nach Ostafrika versandt werden wird, geht nicht, wie einzelne Blätter be­richteten, nach Saadani, sondern nach Bagamoyo» wo sür die Weiterbeförderung ins Innere bereit»

jLgern seiner Partei kein Hindernis in den Weg ge­legt, hat vielmehr dafür gesorgt, daß seine sämtlichen Verwandten, und ihre Zahl war nicht klein, recht säte Poste» im Staatsdienst erhalten haben. Da» P weder in der Ordnung, noch echt republikanisch, aber e» ist Thatscche, und seit Jahr und Tag ist m den Vereinigten Staate» schon ausgesprochen, daß Präsident Harrison wohl nicht wieder gewählt werde» dürste. Der Präsident ist ehrgeizig, seine politischen Freunde verlieren auch r icht gern ihre Staatsstellen, *«» bei einer Nichtwiederwahl Harrisons unbedingt B der Fall sei» würde, und die republikanische Partei hat darum schon lange alle Mittel aufgebote», um für die bevorstehende Präsidentenwahl ihre Chance» p besser». Die bedeutendste Maßnahme unter diese»

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter, sowie die Amroncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler _____

m Frankfurt «uM., Cofsel, Magdeburg u.Wien; Rudolf XXVI

" Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; 0. ß. 0 *' Daube u. Eo. in Frankfurt a- M., Berlin, Hannover, Paris.

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(Nachdruck verboten.)

Aas Erbe vo« Rauheneck.

Novelle von Franz Eugen.

(Fortsetzung.)

: »Und doch muß ich die» Opfer von Dir fordern, , «liebte 1*

; . »Und ich bin ja bereit, es zu bringen*, sagte sie, ' Artlich zu ihm aufblickeud,denn ich kauu mich dem ; «wicht Deiner Gründe nicht verschließen, nnb wie ! Mer ich auch von Ranheneck scheide, so weiß ich doch, daß Deine Liebe mir jeden Qrt zur Hetmath wachen wird .. . Aber komm jetzt zu« Vater, nm Dich bet ihm zu verabschiedeu."

Er nickte und fie wandten sich nach der Veranda, *» Herr von Ranheneck noch immer über seinen oeihmgen saß.

»3ch komme, lieber Oakel*, redete ihn Richard

»«m Ihnen Lebewohl zu sagen nnb möchte Ihnen Weich recht herzlich dafür danken, daß Sie hente j? heißeste» Wunsch «eines Herzens erfüllt und mr erlaubt habeu, Armgard meine Braut zu neunen."

Rauheueck sah mst fiusterm Blick von der Zeitung «f und sagte in ironischem Ton:Dn bist ja recht mig, die kanm gewonnene Braut zu verlassen, aber «i Dir heißt es natürlich: Herreudieust geht vor sraueudienst.*

. »Daß ich sehr gern länger bliebe, daran werden wie wohl nicht zweifeln, Onkel, doch mnß ich . . .*

»Dn mußt", unterbrach ihn Ranheneck scharf, Kell Dn nicht anders willst nnb es vorziehst, in Ravischer Abhängigkell von Vorgesetzten und Dienst. Mement zn leben, statt hier in Rauheneck ein freier Kann zu sein. Wahrlich", fnhr er mit einem bösen Mein fort,ich hätte mir früher nicht träume» Men, daß ich jemals einen Fürsteukuecht und «maschenhelden z» meinem Schwiegersohn wähle» «be, aber ba heute bte letzte Frist, bte ich mir Mst für bie Möglichkeit deS WiedererscheiuevS Deine» »ruders gefetzt, verstrichen ist und Dn außer mir

der einzige noch lebende Ranheneck bist, so mnßte ich, will ich anders einen Träger meines Namens zn« Elbe de» alten FarnlltenguteS einsetzeu, Dir die Hand Srmsard'S geben, gern habe ich es nicht gethan." Eine dunkle Röte färbte Richard'S Stirn, aber er beherrschte sich nnb sagte ruhig:Ich bedauere das aufrichtig und hoffe, daß es mir gelingen wird, Sie in der Znknnft freundlicher für mich zu stimmen. JedeufM« bin ich glücklich zn wissen, baß Srmgarb andere Gestunnng für mich hegt nnb freudige» Herzens meine Braut geworden ist. Leben Sie wohl, Onkel.*

Ranheneck legte zwei Finger in die dargereichte Hand feine» Neffen nnb nahm, ohne weiter ein Wort zu sagen, seine ZeitungSlektüre toteber auf, während daS Brautpaar stch entfernte.

»Trage dem Vater sein mürrisches Wesen nicht nach*, bat Armgard,der Anblick Deiner Uniform ist ihm nnn einmal verhaßt, er kauu e» nicht 6er. gefleu, daß bte Preußen ihm, bem Freischärler, einst al» Todfeinde gegenüberstauben.*

»Ich vergebe ihm gern jede Kränkung nm Deinet. willen*, sagte Richard,hat er doch Dich mir ge­geben nnb neben btefem Glück verschwindet jeder andere, trübe Schatten.* Er zog fie in seine Arme nnb küßte fie zärtlich.Adien, meine Armgard, auf ein frohes Wiedersehen! In zwei Monaten, am 19. Jnli wird ja, so Gott miQ, »ufere Hochzeit sei», und bann giebt eS keine Trennung mehr für aus!"

Und volle zwei Monate soll ich Dich nicht sehenl" rief Srmgarb mit feuchte» tagen.

»ES geht leider nicht an. daß ich in dieser knrzen Zeit noch einmal Urlaub nehme. Vierzehn Tage nimmt gewiß unsere Petersburger Reise tu Anspruch nnb bann werden wir sehr angestrengten Dienst haben wegen deS großen HerbstmauöverS. Anch ist eS wohl besser, wenn ich vor unserer Hochzett nicht zu vttl mit Deinem Vater zusammen bin.*

Armgard senkte das Haupt und schwieg. Er zog fie, ba fie jetzt am tasgong be» Par» angelangt

waren, noch einmal in seine Arme nnb sprang bann rasch in ben Wagen, bet im Schloßhof feiner wartete.

Der Aufenthalt in Petersburg, wo Richarb seit einigen Tagen wellte, bot bem jungen Mann viel neue nnb interessante Eindrücke, und wenn anch bie uorbische Zarenstadt ihre eigenartigen Reize nur im Winter entfaltet, so feffelte ba» frembartige Leben ans ben Straße» nnb ba» bunte Treiben, welche» ber Sommer ans ben Newainseln hervorzaubert, doch in hohem Grabe seine Anfmerksamkett, so baß er be* bauerte, alle» nur im Fluge sehen zu können, well seine Zeit burch bte Melbuugen nnb Besuche, bie er al» Begleiter be» General» zu machen hatte, sowie burch bte geselligen Verpflichtungen, bie seine Stellung ihm auferlegte, sehr tu Anspruch genommen war. Mit einem stillen Seufzer hatte er auch heute wieber feine Galauniform angelegt, nm ber Eiulabuug ,n einem Fest, ba» bei einem bet Großfürsten stattfanb, Folge zu leisten. Ein so reicher Flor anmutiger Franeugestalien auch bett berfammelt war, Richards Blick schweifte gleichgültig über alle btefe znm Teil wirklich bleubeub schönen Erscheinungen hin, ben» vor seinem Innern tage schwebte immer Armgards halbes Gesicht nnb mit noch größerer Sehnsucht al» sonst gedachte er heute bet fernen Brant, nngebnlbig ben Tag herbei wüuschenb, ber fie ihm auf immer zu eigen geben sollte. So lebhaft gebuchte er ber Geliebten nnb bet glücklichen Zukunft, bte seiner an ihrer Sette wartete, baß et momentan sich ber Gegenwart ganz entrückt fühlte nnb e» eine» Winks be» General» bebnrfte, nm ihn daran zu erinnern, daß bie Hofetiqnette ihm bte Beteiligung an bem Tanz vorschrieb. Er empfanb e» als einen unange­nehmen Zwang, daß et tanzen nnb sich unterhalten mußte, währenb seine Gedanken so fern waren» und er atmete erleichtert auf, als das Fest zu Ende war und er sich in die Eiusamkett seines Zimmers zutück- ziehen durfte. Bei seinem Eintritt in dasselbe sah er zwei Briefe, die während seiner Abwesenhett ein-

gelaufeu sein mußten, auf dem Tische liegen nnb überrascht erkannte er auf ber Adresse beS einen bie Hanbschrist Armgards, von bet er erst vor kurzem einen Brief erhalten, ben er noch nicht beantwortet hatte. Bon einem plötzlichen Bangen ergriffen, öffnete er hastig ba» Kouvert nnb kaum hatte er bie ersten Zeilen überflogen, al» jeher Blutstropfen ans seinem Geficht wich nnb das Papier in seiner Hanb zitterte. Deine Ahnung, geliebter Richarb*, so lautete ber Brief,hat Dich leibet nicht betrogen. Vorgestern ist ein Frember hier etngetroffen, bet sich als Dein verschollener »ruber bei uns eingeführt nnb, tote mein Vater sagt, stch burch bte von ihm torgegeigten Papiere anch vollstänbig al» Ferbtuanb von Ranheneck legitimiert hat. Ich beschwöre Dich, eile gleich nach Deiner Rückkehr von Petersburg zu mit, ich bebarf bringend Deines Schutzes, Deines State». Wie bte Sachen hier stehen, sollst Du müublich erfahren. Immer nnb ewig Deine Srmgarb.*

Richarb la» ba» kurze Schreiben toteber nnb toieber, al» könne er seinen Inhalt nicht fassen. Dann erinnerte er stch plötzlich be» Briefe» seine» Onkel» nnb riß biefen in fltegenber Elle auf. »Mein liebet Neffe*, la» er,Dein totgeglaubter Bruder ist tu Ranheneck erschienen und die von ihm mttge* brachten LegitimattouSpaptere lassen keinen Zweifel an der Identität seiner Person mtt Ferdinand zu, für die auch schon seine entschiedene Sehultchkett mtt meinem verstorbenen Sohne genügende» Zeugnis ab­legt. Sein Gesicht geigt ausgesprochener da» Deinige bte Ranheneckfcheu Famllteugüge; so tote er würbe mein Hans anSsehen, hätte er sein Ultet erreicht. Ich kann nicht von Dir verlangen, baß Du bte Rückkehr beS Bruders, ber nnn selbstverständlich in alle Deine Rechte tritt, mtt Freude begrüßest, aber ich erwarte von Dir, daß Du Dich mtt ruhiger Ergebung tu bte veräuberten Verhältnisse fügst und nicht versnchst, Srmgarb gu einem thörichteu und nutz­losen Wiberstanb gegen meinen Willen gu bewegen, bann werbe ich Dir auch stets ein freundwilliget und