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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Abonr ements-PreiS bet der Expedition 2*/t Mk, bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Psg. (tjfl Bestellgeld). Jnsertionsgckmhr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Psg.
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Marburg,
Sonntag, 19. April 1891
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter, sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a.M-, Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXVI Mosse in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; ®. L. ’1 Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Wöchentliche BeUagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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zum Bezüge der OfterheMchen Ieitttttg ntbft deren Beilagen Amtliches Kktisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und Mftriertes Ionntagsblatt werden jeher» zeit von allen Postanstalten, Landbriefträgern, von unserer Agentur in Kirchhain, sowie von her Expedition selbst (Marburg, Markt 21) entgegengenommen.
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Mit Ende dieses Monats beginnt im smilletonistischen Teil der Abdruck der höchst spannenden Novelle von Franz Eugen: „Das Erbe von Rauheneck."
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(Nachdruck verboten.)
Verlorene Ehre.
Erzählung von Georg Höcker.
(Fortsetzung.)
„O, Eie dürfen das nicht!" rief die Schwester Wig, indem fie seine Hand ergriff. „Die Aerzte «en jede Aufregung verboten — eS darf Niemand p ihm — außer ich, weil ich ihn pflege."
„Sie haben ihn gepflegt?" ries Eisen stürmisch „Sott belohne eS Ihnen! — Aber Sie dürfen W nicht zurückhallen wollen — Sie kennen die «w nicht, welche mich zu meiuem Sohne zieht. — ich will ihn uur ganz von Ferue sehen, bis die sesahr vorüber ist uud ich mich ihm nähern darf ^ich will mich nicht regen noch rühre». Aber ich Ltvnhard, dar darf mir Keiner verwehren Tlein Mensch hat dazu bar Recht. Mein Sott, ich we ihm ja so viel abzubitteu — Sie köuueu nicht Wu, was alles mein Herz von ihm zu erflehen hat!" Die junge Schwester nickte mit ttübem Ernste. ' » »Doch", sagte fie, „er hat in seinen Fieber, s vutafieu viel verraten, Herr Eise»?'
—f^Der Augeredete sah für eine» Moment scheu zu
Der Reicht taz hat die hundertste Sitzung di-ser Session adgkhalle», und im hohen Hause ist dies Ereignis durch ein prächtiges Bouqmt konstatiert vorden, welches dem Reichstagspräsidenten von Ltvetzow dargebracht worden war. Eigentlich hätte mm aber gar keinen Grund gehabt, so besonders froh zu sein, denn die hurdertste Sitzung vorzeitig dadurch herbeigesührt worden, daß «lt »eunundneunzigste wegen Befchlußunsähigkeit des Parlamentes abgebrochen werden mußte. SieichStag war in letzter Zeit geradezu kläglich .. smht, und man kann nur hoffen, daß sich im neuen hundert der Sitzungen diese Berhältniffe etwas dessern werden. Zur Beratung stand ununterbrochen dar Arbeiterschutzgesetz, dessen zweite Lesung bis Niste der nächsten Woche betndet werden soll, besonders viel Mühe haben die Bestimmungen über dm Kontraktbruch, die Kündigungsfristen, Arbeitsordnung und ArbeiterauSschüsse gemacht, die aber m wesentlichen »ach den Beschlüssen der Kommission d. h. zugleich der Regierungsvorlage angenommen dmrden. Die sozialdemokratischen Abgeordneten brachten heftige Angriffe gegen die Einzelheiten deS sesetzentwurfes vor, aber die dabei unterlaufenden
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ein- du. voche», toffeln,
- Rede» Sie! Hat er von mir gesprochen?" setzte t bau» zögernd hinzu.
Die Schwester bejahte.
„Er sprach stets von Ihnen", sagte fie. „Ost «en er wieder Kind z» sein — dann brachte er Zmn Blumen, oder er nannte Ihren Namen in der örtlichsten Weise —"
klaff» in de« Woh- Stadi ilt die
„Mein Gott, der gute, liebe Junge!"
„Dann aber anch schien fich seine Seele mtt »acht. Märzen Erinnerungen z« beschäftigen — fie schien Munter zu leideu —"
Eisen stöhnte schwer ans.
Hefa«, u sprach er von einem schweren Fluch", sagte na. Schwester zögernd. „Dann schrie er weh ans, * *** es bednrste aller Kräfte, ihu wieder zu beruhigen."
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Uedertreiburgen ermüdeten das Haus fchließlich gar zu sehr. Die Herren sprachen meist vor leeren Bänken. Im preußischen Abgeordnetenhause, das mit dem Reichstage in gleichem Tempo vorwärts marschiert, ist die zweite Beratung der neuen Land- gemeindeordnung endlich fertiggestellt worden, nicht aber, ohne daß zuguterletzt sich doch roch recht erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen der konservativen Partei und dem Minister des Innern geltend gemuckt hätten. Im Beisein des Reichskanzlers von Caprivi kam eS zwischen dem Minister H r surth und dem konservativen Abg. von Rauchhaupt zu einer prinzipiellen Auseirandersetzung, In welcher beide Teile, ihren Standpunkt mit großer Bestimmtheit wahrte». Jndeffen — auch nach dem heftigsten @erittet giebt eS doch wieder klaren Himmel und Sonnenschein, und so ist mit voller Sicherheit anzunehmen, daß schließlich doch ein Einvernehmen über das neue Gesetz zustande kommt. Eine Einführung der Landgemeindeordnung unter Hellem Zank wäre das Schlimmste, was es geben könnte.
Kaiser Wilhelm hat, wie erst nachttäglich bekannt geworden ist, bei seiner letzten Anwesenheit in Kiel eine Rede über die Aufgaben der deutschen Marine im Kriegsfälle gehalten, die von außerordentlicher Sachkenntnis zeugte und mit großem Beifall aufge nomme» ist. Pariser Zeitungen haben aus dieser Rede herauslesen wolle», daß der Kaiser eine sehr starke Vermehrung unserer Flotte plane. Hiervon hat der Monarch aber kein Wort gesagt. Eine mit der Königin von England geplante Zusammenkunft deS Kaisers in Darmstadt unterbleibt, weil die Königin aus Südfrankreich direkt nach London zurück- reist. Aus Athen wird berichtet und offiziell be- stätigt, daß die Kronprinzessin Sophie von Griechen« land, dritte Schwester deS deutschen Kaiser-, sich freiwillig entschloffen habe, zur griechischen Kirche überzutrete». In Petersburg thut bekanntlich die Großfürstin SergiuS, eire hessische Prinzessin, denselben Schlitt. Im deutschen Volke haben diese Mitteilungen gerade keinen günstigen Eindruck gemacht. Urb dos ist recht erklärlich!
Die Auswärtige Politik ist in der Thronrede, mit welcher Kaiser Franz Joseph den österreichischen Reichkrat eröffnete, in sehr friedlichem Sinne besprochen worden. Der Kaiser hofft nicht blos auf die Erhaltung de» Friedens für dieses Jahr, sondern für.eine ganze Reihe von Jahre», damit erledigen sich von selbst alle die verschiedenen Klatschereien, welche über auswärtige Schwierigkeiten im Umlauf
Der alte Mau» verhüllte mit einem Schmerzens« schrei sei» Antlitz.
„ES ist mein Fluch", stammelte er gebroche». „Großer Sott —mein Fluch!"
Die junge Schwester sprach schnell weiter.
„Der Oberarzt «einte deshalb, eS fei das Beste, ihn so schnell als möglich in die Vaterstadt zu —"
„Allmächtiger I" rief Eisen, indem er flehenden Auges an de» Lippen des jn»ge» Mädchens hing, „Leonhard ist hier —nicht wahr, er ist hier?"
Die Schwester lächelte glückselig.
„So muß ich zu ihm", rief Eisen außer fich. „O, Schwester, Schwester — wie habe» Sie mir das nicht gleich sagen können! Wissen Sie nicht, wie das Herz eines Vaters an seinem einzigen Kinde hängt?"
„Uud doch fluchten Sie ihm", konnte das junge Mädchen fich nicht enthalten, mtt leichtem Vorwurf zu fageu.
„Ich will es ihm vergelten", stammelte Eise»; „gleich jetzt will ich ihm sagen —"
Er wollte ohne Weiteres aus dem Zimmer eilen; aber das junge Mädchen faßte entschlossen seine Hand uud hiett ihu zurück.
„Sie dürfe» j-tzt vicht zu ihm", sagte die Nonne bestimmt, „nicht eher, als bis Sie ruhig find."
„Ich bin ja ruhig!* rief Eise» i» atemloser Hast.
„Quälen Sie mein Herz nicht länger — ich will ih« ja nur sehen, nur ein einziges Mal sehen. Ich will mich so still verhaften wie ein Lamm."
„Nein, Eie fiod nicht ruhig I" rief die junge Schwester eusschiedeu, und als Eisen fich dennoch vou ihrer Hand loSmacheu wollte, ries fie mtt beinahe harter Stimme: „Wollen Sie ih» töte» — wirklich töten?"
Essen prallte zurück uud sah das junge Mädchen mtt staunender Bewnuderuug au — diese zarte KiudeS. gestatt, welche doch so viel Suergie entwickeln tonnte.
„Mein Sott — ich gehorche ja", sagte er fügsam. „Aber so erzähftu Sie mir wenigstens vou ihm!"
Heber die erste», wehmütige» Züge des jmrgeu
waren. Keinesfalls denkt auch Rußland henke daran, nit Gewalt in Bulgarien einzugreifen, es würde ihm auch schlecht genug bekommen. Unbegründet sind auch alle Gerüchte von Streitigkeiten ernsteren Charakters zwischen Serbien und Bulgarien. Die ungarischen Zeitungen ziehen noch immer in recht bissigem Tone gegen Rußland her, aber daß Russen und Magyaren fich leiden können wie Katze und Hund, ist eine bekannte Sache, und hat darum auch nichts weiter auf fich.
Die wirtschaftlichen Streitfragen haben in dieser Woche sehr im Vordergründe des Tagesinteresses gestanden. Der neue deutsch-österreichische Handelsvertrag mii der Ermäßigung unseres Kornzolles und deS österreichischen Eisenzolle- ist so gut wie fertig, auch das deutsche Einfuhr-Verbot für amerikanische» Schweinefleisch soll aufgehoben werden, nachdem die vereinigten Staaten von Nordamerika nun wirklich bündige Garantieen für die Zuträglichkeit de» zum Export ins Ausland gelangenden Schweinefleisches gegeben haben. Hoffentlich wird diese deutsche Kon zession unserer Industrie zugute kommen, deren Ausfuhr noch Amerika infolge der Mac-Kinley Bill, wie nun amtlich sestgestellt ist, recht stark zurückgegangen ist. Deutschland gedenkt noch eine ganze Reihe anderer Handelsverträge abzuschließen, die dann im Frühjahr 1892 dem Reichstage zusammen unterbreitet werden sollen. Die Ersatzwahl im hannoverschen ReichStogSwahlkreise Geestemünde, in welchem Fürst BiSmarck als Wahlkandidat aufgestellt wat, hat eine Stichwahl zwischen dem Fürsten BiSmarck und dem sozialdemokratischen Kandidaten ergeben. Die beiden deutschen Schiffen, welche an der chilenischen Küste von den dortigen Behörden unberechtigter Weise angehalteu worden waren, sind jetzt wieder sreigelaffen. Genugthuung ist versprochen. Von der Arbeiterbewegung ist momentan nicht viel zu sagen. Mit Ausnahme der Kohlenreviere, wo man sich eifrig, aber mit geteilten Anschauungen über den Pariser Bergarbeiterkongreß unterhält, herrscht allenthalben tiefe Stille.
Der neue deutsche Generalgouverneur für Ost- Afnka, Freiherr von Soden hat in seiner Residenz Dar-es-Saalam feine Amtsgeschäste übernommen. Zu seiner Begrüßung war auch ein englisches Kriegsschiff dort eingetroffen. Sehr erfreulich ist die Nachricht, daß der Reichskommiffar ton Wißmann alle seine Bedenken überwunden und sich entschloffen bat, im Reichsdienste zu verbleibe». Er wird wie Dr. Peters und Emm Pascha Reichskommiffar zur Verfügung des GeneralgouverneurS für Deutsch-Ostafrika Mädchens huschte für einen Augenblick ein schalkhaftes Lächeln.
„ES wird alles gut werde»", sagte fie, ,»ud weu» Sie fei» brav find, Herr Eise», nehme ich Sie hernach gleich mit — ich bi» ja uar gekommen, nm Str vor. znbereite» und abzuholen."
Heller Frendeufouneuschei» erleuchtete das durch, furchte Antlitz des allen Mannes.
«O, Sie Engel, Sie lieber, guter Engel l" sagte er ein über das andere Mal. „So sage» Sie mir wenigstens Ihren Namen, damit ich für Sie zu beten vermag I"
Das Gesicht de» jungen Mädchens war wieder tiefernst geworden.
„Namen thun nichts zur Sache", sagte fie aus. weichend, „nud — ich möchte Sie nicht gern ver« stimmen — ich —•
Sie brach kurz ab.
„Verstimmen?" fragte Essen verwundert, indem er ihre kleine Hand ergriff. „Aber ich bitte Sie, liebe, goldene Schwester — Sie mich verstimmen, welche Sie meta Haus — das Hans der tiefsten Drauer» — in ein FreudeuparadieS nmgewandelt
Das junge Mädchen sah trübe vor fich nieder.
„Lassen Sie nnS jetzt gehen", sagte fie, „Sie werden wohl rnhiger geworden sein —•
.Nein, nein", drängte Siseu herzlich, „ich l'sse Sie nicht so, Schwester. Wollen Sie so gransam sein und mir nicht einmal sagen, wen ich für den Schutzengel meine» Sohnes zu halten habe?
, ® ™ i*nfle Mädchen sah scheu unter fich. Nach duer Weile sah fie ihm offen in da» Gesicht.
„ .Wenn Sie es durchaus wollen", sagte fie, „ich f?“®* "ich «einig Namens nicht — wenn er Ihnen vielleicht anch nicht freundliche Erinnerungen vor die Augen führen mag —"
,6o heißen Sie —• fragte Eisen ahnungsvoll.
„Johanna Sattler", ergänzte da» junge Mädchen einfach.
bleiben. Die Verhandlungen, welche die Bildung einer deutsch-englischen Gesellschaft zur wirtschasllichen Ausbeutung von Deutsch - Ostasrika bezwecken, sind ins Stocken geraten. Wie die Dinge sich schließlich dort gestalten werden, bleibt abzuwarten.
In Wien hat die Parlamentseröffnung die allgemeine Aufmerksamkeit in Anspruch genommen. Das bisherige Präsidium ist wiedergewählt und vom Kaiser Franz Joseph empfangen worden. In Rom hat die Deputiertenkammer ihre Arbeiten auss Neue begonnen. Das Ministerium hat die Erklärung abgegeben, daß es an der Forderung einer Genugtuung für die Lynchung der Italien-r in NeuorleanS festhalten wird. Die Große Jury dort hat nämlich die Erhebung einer Anklage gegen die Führer der Lynchet abgelehnt. König Menelik von Abessinien hat der italienischen Regierung durch bereit Gesandten beruhigende Versicherungen übermittelt.
Große Arbeitertumulte hat eS in der englischen Stadt Bradford gegeben. Streikende Arbeiter traten so drohend auf, daß Militär mit gefälltem Bajonett vorging. Zahlreiche Personen sind verwundet. — Die Londoner Zeitungen beschäftigen fich meist mit der Niedermetzlung der englischen Offiziere und Beamte in Manipur in Indien durch die dortigen Eingeborenen. Eine Strafkolonne ist bereits unterwegs, um die Mörder gebührend zu züchtigen. Ein neuer englisch-portugiesischer Kolonialvertrag ist jetzt zum Abschluß gelangt. Ob er von der Volksvertretung in Lissabon angenommen werden wird, scheint sraglich zu sein, denn man spricht in der portugiesischen Hauptstadt schon wieder von einer Ministerkrifis. In Paris herrscht fast völlige politische Stille.
Viel von fich reden gemacht hat der plötzliche Tod der Großfürstin Olga von Rußland, der Mutter de» vom Zaren wegen seiner nicht stande»gem8ßen Heirat gemaßregelten Großfürsten Michael. Die Großfürstin starb so plötzlich, daß anfänglich recht lebhaft geflüstert wurde, sie habe aus Kummer über die Angelegenheit ihres Sohnes Hard an sich gelegt. Es scheint aber doch, als ob sie eine- natürlichen TodeS gestorben wäre Für die Anschauungen de» Zaren ist is bezeichncnd, daß er dem Großfürsten Michael nicht einmal einen Platz im Trauergesolge feiner Mutter eingeräumt hat.
Niedliche Szenen scheinen in Belgrad bevorstehen zu sollen. Der ewig in Geldverlegenheit befindliche Exkönig Milan hat sich schriftlich verpflichtet, daS Land bis zur Großjährigkeit seine- Sohnes zu verlassen, wenn man ihm eine Million Frks. bar auf den Tisch zahle. Der Wille der serbischen Skupsch-
ES entstand eine bange Pause im Gemach, während welcher der alle Mann betreten zu Boden blickte.
Plötzlich atmete er tief ans und trat z-r dem fangen Mädchen, welches ihm zaghaft entzegensah. Er schlang in momentaner GefühlSanfwallnng seinen Arm nm ihre» Nacken und zog fie an feine Brust.
„Kannst Du mir verzeihen, Du teines, lieblicher Kind?" f gte er tief ergriffen, indem er die hold Errötete auf die Sttrn küßte.
„Nun weiß ich alle»', fnhr er leise fort. „Du brauchst mir nichts mehr zn verkünden. Ja, Gott im Himmel ist gerecht — ich verfluchte den Sohn nm Deinetwillen, uud der Allmächtige hat eS gefügt, daß mir Leonhard durch Dich wieder zurückgeschentt wurde."
Johanna wollte ihm mtt ihrer rofigeu Hand de» Mund verschließe». Ader Eisen drückte die zarte Hand sauft nieder.
„Nein, laß mich alle» sagen", fuhr er mit weicher Stimme fort. „Ich sehe in Dein liebes, bleiches Geficht — und ich sehe alle», was Du erlitten hast um meinen Sohu — nm mich. Gelt, Du bist ihm »achgegangeu, weil Dein Herz Dich trieb — well Dich der Himmel sandte — o, «eine Tochter, meine Tochter!"
Die Rührung überwältigte den allen Manu, daß er innehalleu mußte. Das junge Mädchen aber weinte leise an seiner Brust.
„Ich war ein harter, ungerechter Manu", fuhr Elsen mtt grausamer Selbstanklage fort; „aber D« mußt mir verzeihen, Kind — ich meinte e8 recht."
Und von Neuem küßte er das Mädchen auf die reine weiße Sttrn.
„Wo ist Dein Vater?" fragte er plötzlich weich. Das Mädchen entwand fich rasch seinen Bruten. „Mein Gott, mein lieber, guter Vater", rief fie mit sanfter Klage in der Stimme, „tote ich feiner vergessen konnte! Aber der Transpott mit unsere» Virwundeten und uns ist erst vor einer Stunde i» den Bahnhof etugtlanfen. Ich begleitete die Bahre Leonhard'S — Ihres Sohne» —"
„Sage nm Leonhard, ja, Du mußt e» fageu, dem»