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Erscheint täglich außer an Werktagen noch Sonn- und Feiertagen. — Quartal- Abonr emcnlS-Prei? bet bet Expe­dition 2*/. Mb, bei allen Postämtern 2 Mk. 5« Pfg. lexkl Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die ZeUe 2d Psg.

Marburg,

Donnerstag, 16 April 1891.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlarteS, sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler m Frankfurt a.M., Cassel, Magdeburg u. Wien; Rudols XXVI Moste m Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; G. L. 11

Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

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Lokal, ___________

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öchentüche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg unb Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

die Gemahlin des GlWürstcn Micha, l, geborene Prinzefsin von Baden, in der Peter- und Paul-Kirche in Petersburg bestattet werden fvll. In der Jsaak- lathkdrale in Petersburg fand eine große Totenfeier im Beisein des ganzen kaiserlichen HoseS statt.

Hesse«-Nalsim.

Marburg, 15. April. Wie wir hören be­willigte der gegenwärtig in Cassel tagende LandeS- auSschuß zum Neubau der Weidenhänserbrücke (anstatt der in Aussicht gestellten 25 000 Mk.) nunmehr die Summe von 30 000 Mark.

Marburg, 15. April. Das Sommersemestrr an hiesiger Unwerfltät nimmt mit dem heutigen 15. April seinen offiziellen Anfang. Vorlesungen finden jedoch erst vom 23. d. MtS. an statt. Obwohl nun, wie alljährlich regelmäßig, in diesen ersten Tagen die Studierenden nur spärlich und vereinzelt rin« treffen, so sind die sarbenttagenden Korporationen und Verbindungen doch schon stark mit dem .Keilen" beschäftigt.

Marburg, 15. April. Wir machen nochmal» darauf aufmerksam, daß nächsten Freitag die bereit» angekündigte Bühnenvorstellung zum Besten der Kleinkinderschule im Saalbau stattfindet und ver­weisen unter Wiederholung unserer Bitte um recht zahlreichen Besuch auf die weitere Bekanntmachung im heutigen Inseratenteil.

Marburg, 15. April. (Falbtheorie.) Die Frage, haben die Elementarereigniffe der letzten Jahre die Falbtheorie brstättgt, wird in einer Ab­handlung in der »Leipz. Zrg." dahin beantwortet: „Von den „Falbereignissen", die sich 1890 auf der ganzen Erde zugetragen, find uns bis Ende l. I. 169 bekannt geworden: 18 Erdbeben, 37 Nieder­schläge, 17 Gewitter, 70 Stürme, 8 Eruptionen und Explosionen, 10 Depressionen und 9 Tempera­turstürze. Hiervon entfallen 7 auf die eigentlichen 25 „kritischen Tage", 48 aus die „kritischen Perioden" (i 5 Tage, 2 vor und 2 nach dem jedesmaligen Falbtage) und 121 auf die übrigen, wir wollen sagen harmlosen „Tage". 7 Ereignisse weichen am 0 Tag-, 22 um je tintn Tag (17 vor, 5 nach), 19 um Tage (10 vor, 9 nach), 18 um 3 Tage (6 vor, 12 nach), 22 um 6 Tage (11 vor, 11 nach), 25 um 7 Tage (15 vor, 10 nach), 4 um 8 Tage entsernten kritischen Tage ab. Die Erfahrung der letzten 3 Jahre hat die Falbtheorie nicht bestätigt. D'e krittschen Tage und Perioden erwiesen sich ebenso oft „harmlos" als „kritisch."

nie 16 Mk, Danzig und Kiel mit 15 Mk. und Koblenz mit 14 Mk. Am billigsten war der Weizen in Köslin mit 188 Mk., am teuer sten in Koblenz mit 216 Mk. — Der „National-Zeitung" zufolge beträgt nach den Zusammenstellungen de» demnächst erscheinenden Be­ucht» des amerikanischen Generalkonsulats Berlin die Abnahme des Exports aus Norddeutsch­land nach den Vereinigten Staaten im eisten Viertel­jahre 1891 2,439,869 Dollar». — Aw nächsten Sonnabend, r achmittag» 8 Uhr, soll, wie die „N. Pr. Z." meldet, die Grundsteinlegung zur Luther- kirche aus dem Denrew tzplatz in Gegenwart Ihrer Majestät n d> s Kaisers und der Kaiserin erfolgen. — Der Kaiser hat bei seiner jüngsten Anwesenheit in Kiel im Kreise de» Marineoffizierkoip» eine Rede gehalten welche große! Aussehen erregt, weil man in ihr da» Programm unserer maritimen Aktion in einem etwaigen Kriege der Zukunst er­blickt. Während 1870/71 di« Flotte thatenlo» im Hafen zurückgehalten wmde, hat au» dem Geiste, den die Rede de» Kaisers i» der Marineakademie athmrte, das Offizierkorps der Marine die Ueber- zeugung gewonnen, daß Zeiten dieser Art niemals wiedrrkehren werden. Im G.genteil, daS altpreußische, zur energischen Offensive drängende Element wird in etwaigen zukünftigen Kriegen auch bei unserer Kriegs­marine zur vollen Geltung komme», trotzdem ihr der Gesamtlage nach die Situation der Defensive vorgrschrirbrn ist. „Der Angriff ist die beste Ver­teidigung',. dieser Grundsatz wird in Zukunft taktisch in allererster Linie stehen, wenn nicht ausschließlich maßgebend sein. - Mojor von Wissmann ist durch Allerhöchste Ordre unter dem Ausdruck be­sonderer Zufriedenheit von seinem Kommissorium als Reichskommissar von Ost-Afrika in Gnaden ent­bunden worden. DaS ihm seitens deS Reichskanzlers gkmachte Anerbieten, weiterhin als Kommiffar zur Verfügung teS Gouverneur» von Ost-Asrika dem Reiche Dienste zu leisten, hat Major von Wiffmann angenommen, gleichzeitig aber einen dreimonatigen Urlaub für Europa erbeten und erhalten. — Der Afrikaforscher Hauptmann Kling kegiebt sich in Begleitung seines srüheren Genosien Bugflag, der seinerzeit mit Major v. Wißmann dessen zweite Durchquerung Afrika» mitmachte, am 15. April von Hamburg zur Ausführung einer int Auftrage des Reiches auSgesandten wiffenschaftlichen Expedition nach Kamerun. — Nach telegraphischer Meldung aus Jqu i que ist das deutsche Kohlenschiff „Rajah", nachdem r» von dem Geschwader der chllenischen Kongreßpartei sreigegeben war, am 11. d. M. in

Deutsches Leich.

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prristabelle für Deutschland sind die Getreide stüchte fast durchgängig erheblich im Preise gestiegen Der Weizen hat im Durchschnitt aller Marktorte dm ungewöhnlich hohen Preis von 197 Mark pro 1000 Kilo im März erreicht, gegen 189 Mk. int 8rbruar. Tie größten Preissteigerungen weisen aufReuß

vative Partei überhaupt nicht auf Handelsgeschäfte eivlaffe. — Nach der letzten Lebensmittel-

zur Durchdringung der Landgeweindeordnung im kmservativen Sinne dienen solle. Der Abg. Gras I erklärt nun öffentlich, daß sich die konser-

vird, der Kor.fesfionSwechsel sei schon von srühei her in Aussicht genommen. Im Gegenteil ist bet Prinzessin bei ihrer Vermählung ausdrücklich das «echt gewährleistet, beim protestantischen Glauber bleiben zu dürfen. Man wird wohl so lange auf die junge Prinzessin in Athen eingeredet haben, btt sie oachgegebrn hat. In Petersburg ist eS bei bet Sroßfürstin SergiuS ja ebenso gewesen. — Die Reichsbank teilt mit, daß rund 78 Millionen der Reichsan leihe voll eingezahlt sind urb daß die auf 121 Millionen fällige Einzahlung geleistet ist. — Die „Nationalzeitung" teilt mit, daß rin« polizeiliche Ermittclung oder Ueberwachurg auf der Getreidebörse entgegen andrrweiten Meldungen nicht stattgefunden hat. Das Gerücht sei lediglich dadurch entstanden, daß täglich durch Beamten dcS PolizeiptäsidiumS die Preise notiert und die Lager­bestände ausgenommen werden. Da» Aellesten- dllegium habe die Richtigstellung der falschen An­gaben beschlossen. — Einige Zeitungen hatten »stgeteilt, daß das neue preußische Einkommen­steuergesetz, welche» jetzt im Herrenhause ist, Äs HandelSobjekt zwischen Konservativen und Zentrum

(Nachdruck verboten.)

Verlorene Ehre.

Erzählung von Georg Höcker.

(Fortsetzung.)

„So ging daS eine lange Weile fort, und wenn «Vormittag der Herr Sattler brummig war, so am Nachmittag der Herr Boländer dafür doppelt ttt. Einmal hatte mich der Herr Boländer auch mrder sortgeschickt, und ich war seelenvergnügt ge. Mgen — da, als ich schon eine Viertelstunde fort •tt, fiel mir ein, daß ich die EintttttSkarte für einen «W, der an jenem Abend gerade stattfand, tu «eiuem

Berlin, 14. April. Kaiser Wilhelm begal fich heute von Berlin noch dem Artillerieschießp'otz Sei KummerSdork, wohnte dort einer größeren Schieß Übung bei und entsprach einer Einladung bei Olfiziere zur Tafel. Am Abend fuhr der Monaiä noch Berlin zurück. — Prinz Heinrich vor Preußen begiebt sich am Mittwoch zur Auerhahnjagl »achSachsen. — Die Kaiserin besuchte heute dat Elisabeth-Hospital in Beilin. — Der Kaiser triff am 23. b. M. auf der Wartburg ein. — Dii Aussehen erregende Nachricht, daß die Kron­prinzessin Sophie von Griechenland britie Schwester des deutschen Kaiser», nun doch zum griechisch katholischen Glauben übertreten wird wird bestätigt. E» ist aber unrichtig, wenn gesagt

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Ute vergessen, wo hinein ich sie am Mittag gelegt Wtz We. Ich lies also etltg zurück, denn den Ball «ute ich mir nm keinen Preis entgehen lassen. Als S auf der Straße an unfein Büreanfenstern vorüber- i»nM sah ich noch Licht. Das ist gut, dachte ich mte; i (23 r" Sitte "ich tüchtig geärgert, wenn der Herr v«iptkasfirer zufällig schon nach Hanse gegangen «re. Als ich aber an die Büreauthür kam, fand 5 sie verschlossen, obwohl Lichtschimmer durch die Ä'le blinkte. Halloh, dachte ich, was ist da — klopfte gehörig. Da wurden im Innern Mcher zugeklappt uud geschlossen, Schnbläden znge.

31 „1 Woben und war sonst noch mehr für Geräusch ge.

«cht worden ist. Nach einer laugen Welle erst, - «ährend welcher ich mich verwunderte, war eigentlich W sein könnte da drinneu, wurde endlich die Thür ^geschloffen, und der Herr Boländer ttat ans die ;___ «chvelle. Er schaute leichenblaß ans und ich sah

♦ . «r unb deutlich, wie er während der Sprechens NM Mvpfhast an ganzen Körper zitterte. — „Zum Aufrl, Sie sind er, Schönperl?" sagte er mit einer stimme, so rauh uud kratzig, al» wollte sie ihm «tout im Halse stecken bleiben, ,3a, ich bin'», xn Hauptkasstrer", sagte ich ganz verschüchtert;

er sah mich mtt wütenden Blicken cku. ,Jch «llte mir um «st Ihrer Erlaubnis ein villet holen, «lches ich vergessen habe." — .Der Teufel soll Ar»

Vergeßltchkest holeu", entgegnete der Herr Boländer unwirsch. — Na, ich holte mir meine Karte uud ging schleunigst meines Wege». Der Herr Hanptkasstrer ging noch ein gutes Stück mit mir, uud da e» schon dunkel war, nahm er sogar meinen Arm unter den seinen und schwatzte mir alle» Mögliche vor, et sei ein biSche» nervös, er müsse sich eigentlich schämen, denn ich sei gewiß aufgeklärt — aber er litte eiu biScheu au «espeusterfurcht uud schlöffe deshalb immer die Thür, venu er bei eiugetteteuer Duukelhest arbeste. — Na, ich machte mir meiue Gedanken darüber, hielt aber fein das Manl, und als er mit zu guter letz «och einen Sronenthaler schenkte, war die Geschichte bei mir gleich bergeff en."

.Aber was soll die ganze Geschichte", fiel ihm hier der Minister vnguädig in'S Wort. .Ich sehe auch nicht eine Spnr. Daß Herr Boländer eia wenig furchtsam ist, beweist doch die Unschuld deS Herrn Sattler nicht —"

Sattler warf ihm einen flebeuden Blick zu.

.Lassen Sie ihn ausredeu, Exzellenz", bat et; .er kommt jetzt an die eigentliche Sachlage."

»Meinetwegen denn", sagte bet Minister nn» mutig; .aber ich sehe nicht —"

Et vollendtte nicht, sondern rückte unbehaglich in seinem Sessel bin unb bet.

,3ch bin gleich fertig", sagte Schönperl eifrig. .Nun zu!"

»Ich hätte bk Geschichte vergessen, wenn nicht plötzlich fich etwas ereignet hätte. E» kam nämlich von einer Behörde — ich weiß nicht mehr so genau von welcher — Anftage nm eine Summe, welche vor längerer Zett von uns verrechnet und awibezahtt worden war. Ich weiß noch genau, her Herr General- kasstrer Sattler hatte ste eingetragen, und ich mutzte damals die Betreffeube Sette nochmal» mtt ihm kollationieren. E» waren 12000 Thalet gewesen, und als ich jetzt wieder nachsah, waren 42000 Thalet daran» geworden. Ich wußte nicht, wo» da» be­brüten solle zuerst — denn an eine Fälschung konnte

Jquique eingetroffen. — Die englischen Zei tun gen suchen jetzt etwas darin, sortwährrno bi< tollsten Allarmnachrichten über Deutsch-Südwest-Afrikc zu verbreiten. Es ist da» richtige Waschweiber- gekiatsch. Davon, wie die englischen Beamten uni Offiziere m dem indischen Staate Mavipur, besser Bewohner sich darum empörten, gehaust haben, sage» sie keine Silbe, ober stellen alle» in Abrede. El ist die alte Geschichte: John Bull zeigt allen Völkern bet Erbe bie offene Bibel, kehrt sich selbst ober nichi im mindesten daran.

Schweidnitz, 14. April. Die Jmmediateingab« der schlesischen Weber an den Kaiser vom 10. Janua, d. I. ist durch den HandelSminister nunmehr beant­wortet worden. In der Antwort heißt eS, ein all­gemeiner außerordentlicher Notstand sei nicht ringe, treten, bie partiellen Notstände seien durch die öff-nt liche unb private Fürsorge bekämpft worben. Der Kaiser wünsche ben chronischen Notstand durch bi« Einführung neuer ErwerbSzweige zu beseitigen.

Essen, 14. April. Der anS 1500 Mitgliedern in Essen bestehende evangelische Arbeiterverein beschloß gegen das vaterlandslose Gebühren der deutschen Delegierten auf dem Pariser Arbeiterkongreß Protest zu erheben, eine Erklärung gegen einen allgemeinen Steile und die Beteiligung an einem solchen zu er> lassen, dem Gefühle des Danke» und deS Vertrauens für Se. Majestät dem Kaiser Ausdruck zu geben und alle evangelische Arbeitervereine Deutschland» zu ähnlichen Kundgebungen auszusoldern.

Hamburg, 14. April. Der für Rechnung des Majors v. Wißmann auf der hiesigen Schiffswerft von Jansen und Schmilinsky erbaute Dampfer „H-rmann v. Wißmann" wurde soeben von der seiten» WißmannS gestellten Prüfungskommission ab­genommen und wird demnächst nach Afrika expediri werden. Die Schiffstaufe wirb auf dem Viktoria Ny an za stak finden.

Ausland.

Paris, 14. April. Tie Aeußerungen, welche Kaiser Wilhelm II. bei seinem letzten Besuche in Kiel über bie Haltung der deutschen Kriegsflotte im Ernstfälle gethan hat — bet Monarch empfahl be­kanntlich ben Nahekampf auch in bet Verteidigung — haben besonder» in Paris sehr große» Aufsehen gemacht Die Blätter betonen, baß bie fremben Seestaaten bei bet Ausbildung ihrer Flotten diesem Programm Rechnung tragen wüßten.

Petersburg, 14 April. Kaiser Alexander hat angeorbent, daß seine plötzlich berftorbenene Schwägerin ich nicht denke», dazu war bie Geschichte zu plump — bi» mein Blick auf ben Herr» Boländer fiel, der mich anstierte wie da» leibhaftige böse Gewissen — da wußte ich auf einmal alles."

Der Minister war anfgesprnnge» und schrie neu Schönperl heftig an:

„Sie wollen doch nicht sagen, Sie Schuft, daß Boländer — unser Geueralkasstrer

„Die Fälschungen verübt hat", fiel ihm der ehe. malige Hauptschreiber iu die Rede, ludern er seiu H apt erhob uud ihm ttotzig tu daS Gesicht sah. „Doch, Exzellenz, da» behaupte ich — weuu ich auch eiu schlechter Kerl war uud mich vou dem gottver- gesseneu Schurke» — entschuldigen Sie, aber ich muß ihn so nennen, denn er verdient'» — besteche» ltetz, daß ich mithals an ben Fälschungen und ben nn> schuldigen Herrn Sattler in baS Zuchthaus brachte."

„Mensch, Ste wagen", ries der Minister entsetzt, „Boländer — mein bester Beamte — o, diese Frech- hett mutz —"

„Exzellenz, e» ist Wahrheit, bie reine Wahrhett!« ries Sattler mtt vor Erregung bebender Stimme,

„Schweigen Siel Wie dürfen Sie eS vagen, einen anerkannten Ehrenmann verdächtigen zu helfen!"

„Exzellenz, seien Sie gerecht", bat Sattler, indem er die Hände gegen den Minister faltete, „lassen Sie sich nicht eiunehmen gegen diesen Mau», der fich selbst tu das Zuchthaus liefert, um die Wahrhett, venu auch spät, au das Licht zu bringen! Bedenken Sie, wo» ich unschuldig gelitten habe!"

Der Minister war mit finsterem Stirnrnuzelu stehen geblieben.

«3ch mutz Licht haben", sagte er gepreßt. „Erst Sie, daun Eisen, den ich tien wähnte wie Gold — nun soll auch dieser Boländer —**

9t brach kurz ab und schritt hastig an den von der Wand herabhäugenden Klingelzug heran, welchen er zweimal in Bewegung setzte.

Der schrille Ton der Glocke drang durch die feierliche Stille de» Palai», und unmittelbar nachdem

er verklungen, trat der dieustthuende Kauzleidlener in daS Gemach.

„Schicken Ste so'ort Jemanden auf die Kriminal- Polizei", herrschte ihn der Minister an. „Ich lasse ben Herrn Staatsanwalt ersuchen, sich sofort mtt einigen Leuten zu mir herbemühen zu wollen."

„Sehr wohl", verneigte sich der Diener und wollte fich entfernen.

»Halt, noch ein»!" rief ihm der Minister »ach. »Schicken Sie sofort auf das (Benerallaffenamt Der Herr Geueralkasstrer Boländer soll umgehend hierher nach meinem Geschäftszimmer konnneu."

»Das ist eine vergebliche Mühe", sagte Schönperl mtt rauhem Anflachen; »denn der saubere Bogel ist seit heute mittag über alle Berge."

.Unmöglich", Rammelte der Minister, indem er sichtbar bleich wurde. »Hüten Sie Ihre Zunge, Mann!"

.Ich will'S verantworten", entgegnete der ent­lassene Hauptschreiber trotzig.

Der Minister gab Safttag, fall» Boländer ni«ht auf dem Bürean anzutreffen wäre, auch in feiner Wohnung uachzuftageu, und der Kauzleidlener machte fich eifrig an die Besorgung der Aufträge.

Iu dem Zeittaum, welcher bis zum Eiutteffeu des StaatSauwallS verging, herrschte drückend bange» Stillschweigen im Zimmer. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach.

Sattler besonder» befand fich in heftigster Auf- regnng. Die Brust de» alten Mannes ging krampf­haft ans unb nieber. Wenn e» möglich war unb er feine Ehre zurückerlaugen konnte — wenn durch Gotte» äfflgnng seine Unschuld an den Tag kam! O, er hatte ben Schimpf, welcher auf ihm lastete, noch niemals derart empfunden, wie z» dieser Stunde.

Oft blickte er mit flehendem Ausdrucke in bat fingen zu dem Minister, der wieder vor dem Schreib­tische Platz genommen hatte uud sichtlich zerstreut mtt dem Durchleseu der Akte» fortsuhr. Son diese« Manne hing jetzt viel ab; denn nur auf seine» Antrag konnte der Staatsanwalt gegen Boländer einschreiten.