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Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Ouartal-Abonnements-Preis bei der Expe­dition 2*/. Mk, bei allen Postämtern 2 Mk 5«> Pfg. (exkl Bestellgeld). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 2d Pfg.

Marburg, Sonntag, 5 April 1891.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bureaux von Hoasenstein und Vogler in Frankfurt a. M., Castel, Magdeburg u Wien; Rudolf UVI Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. L. M1 Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannooer, Paris.

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Trüb und kalt

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ihre Strahlen auf die E de, als wollte fie uns ver­söhnen, als wollte sie unS sagen, daß der Frühling nun doch bald kommen müsse. Am 1. April hat der Kaiser seine längst geplante Reife nach Kiel angetreten. Er fuhr über Stettin und Lübeck, in beiden Seestädten kurze Zeit verweilend, in beiden begrüßt von den enthusiastischen Jubelrusen ihrer Bewohner, seines Volkes! Der festliche Schmuck, den beide Städte angelegt zeugte von ihrer Li'be, ihrer Anhänglichkeit zum Herrscherhause. An demselben Tage feierte der Mitbegründer des deutsche« Reicher, Fürst Bismarck seinen Geburtstag. Die hohen Verdienste, die er sich in langen Jahren um Deutschlands Ruhm und Wohlergehen erworben hat, sind nicht verdunkelt durch die Vorgänge der letzten Zeit- jo, an solchem Tage glänzen sie stärker denn sonst! Jeder denkt da nur an die Großthaten des ReichrkanzlerS! Mit welcher Begeisterung begrüßten ihn die nach Friedrichsruh Gekommenen, und mit welcher Freude nahm er ihre Glückwünsche entgegen! Aber kehren wir zurück in daS politische L ben der Gegenwart, so sehen wir, daß eine seiner Schöpfungen, der Welsenfonds, in der letzt« n Zeit viel Staub aufgewirbelt hat. Jetzt scheint nun diese Angelegen­heit zum Abschluß geführt werden zu sollen; denn das Staatsministerium hat beschlosien, in der nächsten Session dem Landtage einen Gesetzentwurf vorzu­legen, welcher für die Dauer der Beschlagnahme de» Welsenfonds die erforderlichen näheren Bestimmungen über die Verwendung der Revenüen und deren Kontrole zu treffen bestimmt ist. Wenn sich so hier Alles zum Besten zu wenden scheint, so können wir dasselbe auch in Sachen bei Handelsvertrages mit Oesterreich-Ungarn erwarten. Die Verhandlungen find nach dem Feste bereits wieder aufge-

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Wochenschau.

Das Osterfest ist vorüber, das Osterfest, daS in diesem Jahre kein FrühlingSfest war. Schnee und

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Regen sandte un» der Himmel.

war es draußen. Nur zuweilen sandte die Sonne

Bestellungen

auf die Obrrhesstsche Leitung nebst deren Beilagen werden noch fortwährend entgegen­genommen von allen Postanstalten, der Expe­dition in Marburg, Markt 21, und bei der Agentur in Kirchhain Herrn B. Rindt.

Die Exped. dOberh. Ztg."

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(Nachdruck verboten.) Verlorene Ehre.

Erzählung von Georg Höcker.

(Fortsetzung.)

DieS?Herz, das nun verblutet war uud im letzten

Todesschmerze gezittert hatte auf der srewdeo, kalten Erde, hatte einst an seinem Herzen, hatte für ihn ge. schlagen. Der blondköpfige Knabe seine Last, sein Glück nun war er verblutet, tot, uud er hatte ihm deu Fluch witgegebeu tu das heiße Ringe» iw Laune deS Fluches war er gestorben. Sein Segens, tvort, kein letzter Blick voll Liebe hatte ihm fein Sterben erleichtert der gräßliche Fluch hatte ihm vielleicht in deu Ohren gegellt, und die drohende Gestalt des zürnenden Vaters war ihm im letzten schweren Augenblicke vor die brechende» Auge» getreten.

»Herrgott im Himmel!*

Es war Eisen, dem stolzen, selbstherrtsche» Manne, al» ob er die Hände ansstreckeu müsse zu dem Vater im Himmel uud beten müßte aus tiefster Seele uw die wohlthätige Nacht des Wahnsinns.

Sein blonder Lockevkopf dahin für ewig, ge­storben fern vou ihm und mit feinem Fluche! Weine», eine einzige Thräne der Erleichterung l Ach, daß fein Ange trocken blieb daß keine Zähre ihm daS über­volle Herz erleichtern durste; das hatte fein Haar zu Echuee gebleicht, das ihm die Ruuzelu tuS Gesicht gegraben!

Uud dabei schien die Sonne so goldig und klar, tte ob fie die ganze Well verklären volle in dem Uebermaße himmlischen Entzückens. ES war Eise» za Mute, als ob er ihm fluchen müsse, diesem goldig Baten Sonnenstrahl, der vielleicht znr selben Frist hinabschie» ans daS schmerzverzerrte Geficht, ans das gebrochene Ange seines SohneS, seines Leonhard. Er dnrchschauerte Eisen so mächtig bei dem Gedanken, daß sein Körper zusammenzitterte vor namenlosem Weh und feine Gattin emporschallte. Al» er ihr schmerzverzerrtes Geficht, ihr Aage erblickte, welches

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nornwen, und in wenigen Togen wild Vos evdgiltige Resultat verösftntlicht werden können Der lange gesürchtete Streik der Bergarbeiter ist nicht eingetreten bis jetzt. Ob er jerna's statkfinden wird, dürste wesentlich mit abhängen v.n den Be schlüssen der internationalen Bergarbeiter Kongresses in Paris, der dort seit Ostern tagt. ES handelt sich dort um Abmachungen und Erörterungen rein gewerkschaftlicher Natur. Der Kongreß trägt keinen parteipolitischen Charakter, sozialistische Propaganda wird wohl von einzelnen Rednern gemacht werden; aber es ist nicht daran zu denken einstweilen, daß diese Strönung die Oberhand gewinnen wird. Sind die Verhandlungen des Bergarbeitertages ruhig, ziel­bewußt und nur auf die Interessen der Gewerke gericht k, so werden fie von Segen sein für die Sache der Bergleute.

Ein hervorragendes Ereignis für die politische Welt ist die Verleihung des höchsten russischen Ordens an den Präsidenten der französische» Republik. Es läßt sich kein größerer Kontrast denken als Rußland und Frankreich; dort absolute Monarchie, hier Republik! Deshalb kann man dem Vorgänge eine liefere Begeutung nicht absprechen. Seit dem letzten Kriege zwischen Deutschland und Frankreich hat letzteres um die Freundschaft Rußlands unausgesetzt geworben; aber lange zeigte Rußland sich spröde. Jetzt mit einem male erkennt Alexander III. den Präsidenten der Republik als einen Gleichberechtigten an und sendet ihm seinen höchsten Orden.

Die Mörder de» bulgarischen Finanzministers Beltschew sind noch immer nicht entdeckt, ein Zeichen, ein Beweis dafür, daß das Attentat ein groß an« letztes war, daß e- politischen Charakters ist. Doch sind die Aussichten auf Bedrohung deS Friedens nicht allzu trübe, das Land Bulgarien ist ruhig und zeigt dadurch, daß eS im Innern gekräftigt ist, daß es stark genug ist, solche Aufregungen, wie der Char- fteitag ihm sie gebracht hat, zu ertragen.

Das Hauptereignis deS Tages ist der diploma­tische Konflikt zwischen Italien und Nordamerika. Die Meldungen über den Streit sind sehr wider­sprechend. Von der einen Seite wird gemeldet, der italienische Gesandte habe sein AbberusungSschreiben bereits übergeben, von der andern, er werde Washing­ton verlassen, wenn er innerhalb acht Tagen keine befriedigende Antwort erhalte. Ist die erste Nach­richt wahr, dann ist er nicht mehr Vertreter Italiens, bann kann er also auch keine Antwort mehr ent gegennehmen, bann ist bet diplomatische Verkehr ab­gebrochen. Hoffen wir, daß die zweite Darstellung ih» so klagend, so hilfeflehend ansah, da überkam eS de» stolzen Manu, daß er hinanSschrie ans tiefinoerster Brust, so daß sein Schrei wiSderhallte in dem Gemach.

Er ihr helfen, er sie trösten? O, der bitteren Ironie! Er, der er selbst keinen Trost kannte für seine Verzweiflung, fein gnädigeres HimmelSgefchenk ersehnte als de» Wahostn»!

Aber iu Fra» Anna ging eine wunderbare Ver. änderuug vor. SS ward ihr plötzlich klar, daß ihr Gatte noch viel, viel elender war als sie selbst. Da umschlang fie seine» Racke» mit beide» Arme», »»d der starke, stolze Ma»» legte feine» Kopf ans ihre Schulter, wie ein Kind sich an die Mutter schmiegt. Sie küßte fein weißes Haar, dieses heilige Haar, ge­bleicht ans rasendem Schmerz nm den Sohu. Nun wnßte fie ihre Aufgabe, uud ihre Lippeu flössen über von Worte» barmherzige», verheißende» Trostes. Und Eise», der selbstherrische, auf seine Kraft stolz pochende Man» er hing an ihrem Munde und horchte wortlos aus ihr Tröste». Es war wie ein Sonnenstrahl in fei» »mnachtetes Gemüt gefallen, dieser Znsprnch ans dem Munde der fromme» Gatti». Er blickte zum Himmel auf »ud endlich stahl sich Thräne auf Thräne ans feinem Ange, nnb er konnte weinen wie ei» Kind l Da wurde ihm namenlos leicht und wohlig nm das Herz, nnb er überließ sich ganz der lindernde» Regung. Aber er durfte fich nicht lauge des Trostes erfreuen; deu» es klopfte mit einem Male heftig an die Thür.

Frau Anna fuhr ihm geschwind mit der Haud über die »affen Sogen »ud eilte bann selbst nach dem Eingang. SS war die alte Dienerin, die einet Brief abgab, welche» der SmtSbote eben gebracht hatte.

Eise» nahm mtt Berwnnderung das amüiche Schreibe» a»S der Hand seiner Satti», welches de» Stempel deS ihm vorgesetzte» MinistertnwS trug. Was hatte man ihm so Wichtiges mitzuteilen, daß man eS ihm »och besonders in seine Wohvnng sandte? Seine Verwunderung erreichte aber einen hohen Grad, als er ans dem eröffneten Schreiben ersah, daß der

die richtige ist, und daß der durch dieLynchjustiz" io Neu-Orleans Hervorgei usene Streit in Frieden beigelegt und die Eintracht der Völker nicht gestört werde.

Deutsches UM.

Berlin, 3. April. Der Kaiser nahm am Freitag Vormittag 10 Uhr eine Parade über die gesamte Kieler Garnison ab und schritt sodann, be­gleitet vom General-Feldmarschall Grasen v. Mollke, dem kommandierenden Admiral Frhrn. v. d. Goltz und dem Kontreadmiral Karcher, die Fronten ab. Prinz Heinrich führte hieraus seine Mattosendivifion vor und inspizierte dieselbe in Gegenwart deS Kaisers. Am Schluffe brachte der kommandierende Admiral Freiherr v. d. Goltz ein Hoch auf den Kaiser aus. Der Kaiser hat dem Generalfeldmarschall Grafen v. Moltke am Freitag in Kiel eine neue Auszeichnung erwiesen, indem er ihn k la suite des 1. SeebataillonS stellte. Die »Kieler Zig.", welche diese Ernennung ebenfalls meldet, fügt hinzu, daß dieselbein Anbetracht deS regen Interesses des Marschalls an der Fortentwicklung der Marine und zum weitern Anspornen der Marine" erfolgt sei. DieNordd. Allgein. Ztg." hört, daß der Abschluß der Wiener Verhandlungen über den deutsch-österreichischen Handelsvertrag, wenn nicht in dieser, so doch jedenfalls in der nächsten Woche zu erwarten ist. Eine sofortige Veröffent­lichung des Vertrag» erfolge nicht, voraussichtlich aber werde der demnächst zusammenttetende Deutsche Handelttag sich Aber die Thatsache deS Abschlusses zu äußern Gelegenheit haben. Dem Vernehmen nach sind jetzt von dem Ingenieur- Komitee die Pläne zu einer Batterie-Anlage aus Helgoland auf derselben Stelle, wo sich ftüher Oie englische Batterie befand, festgestellt worden, welcher Bau und Ausstattung mit Geschützen keine erheblichen Kosten verursachen dürfte. Weitere Be­festigungen werden, wie dieKreuzztg." hört, nicht beabsichtigt. Später foll noch ein Nothafen für Torpedo- und Fischerboote erbaut werden, dessen Anlage größere Mittel erfordern würde. Die Nordd. Allg. Ztg." konstatiert gegenüber einer gegen­teiligen Meldung deSPester Lloyd", daß laut der zuverlässigsten Mitteilungen eine Verlegung von Truppen auS dem Kaukasus oder anderen Teilen Rußlands nach der galizischen Grenze nicht statt- gesunden haben. Ebensowenig sei die Beunruhigung gerechtfertigt, welche die Raisonnernent» der Zei­tungen über die Verleihung deS AndreaSorden» an

Minister an diesem Tage eine außerordentliche Revision sämtlicher Kaffenbestände vornehmen werde nnb ihn auffordere, sich unter alle» Umstände» vm zehn Uhr vormittags auf seinem Bürean zu melde».

Dieser Brief mit feiner lakonische», förmliche» Schreibweise war »ur zu geeignet, ih», de» stolze», auf feine Ehre peinlich eifersüchtigen Man» iu hohem Grabe z» verstimme». Ja, we»u er eS recht bedachte, so enthielt dieses Schreibe» eine förmliche Beleidigung für ihn. Seine Rechtltchkett war bisher so über jeden Zweifel erhaben gewesen, daß man es niemals ge­wagt hatte, außer der übliche» Revistou eine außer­gewöhnliche abzuhalten. Eine solche Revision gab immer z» denken; fie galt in amtlichen Kreisen regel­mäßig für ein indirektes Zeichen erwachten Mißtrauens.

Wer durste eS wagen, ihm zu mißtrauen, ihm, der immer den Schild seiner Ehre hoch und fleckenlos gehalten hatte. Als Eisen dies bedachte, waren alle anderen Empfindungen in seinem Herzen nuterge- gangen; er kannte nur seine Ehre, seine makelreine Ehre, welche er tief verletzt wähnte durch die außer- ordentliche Maßregel. Nun trug er de» Kopf plötzlich wieder hoch und »»gebeugt wie soust. Er legte feine AmtSkleiduug an und schmückte sich mtt den zahl­reichen Ordensdekorationen, welche die Gunst feines Fürsten ihm im Laufe der Jahre verliehen hatte.

Seine Ehre! Mau wagte es, feiner Amtsführung auch nur im Geringsten zu mißtraue«! Sein Herz bäumte fich stolz empor. Es war selbstverständlich bei ihm, daß er nach einem solchen Schimpf nicht länger iw Amte blieb, fouderu sofort nach beendeter Revifion seine Entlassung verlangte. Aber vorher wollte er diesem Herrn Minister denn doch nahe legen, in welch unberechttgter Weise derselbe eS gewagt hatte, seiner Ehre nahe zu treten.

Mit kurzem Gruße, kürzer als gewöhnlich, verließ Eisen seine Gattin, nm fich zu Fuß nach der Stadt zu begeben.

Er ging raschen Schritte» dmch die Allee und bog, beim Thore angelangt, in die Hauptstraße ein.

den Präsidenlen Garnot erjeuHten. Maggibende Kreise erblickten in dieser Berlethurg lediglich einen von der internationalen Höflictknt gebotenen Tanktsakt anläßlich der dem Herzoge von Leuchtenberg in Paris erwiesenen litzttn Ehren und der Berührung von fran­zösischem Gebiete seitens deS russischen Thronfolger?. DasKolontalblatf veröffentlicht die Ernennung deS Herrn v Soden zum Gouverneur von Deutsch- Ostafrika unter Verleihung deS Prädikats Exzellenz während der Amtsbauer seine» Aufenthalt» in Ost­afrika. Ferner die Ernennung de» Dr. Kaxl PeterS zum Kommissar zur Verfügung be» Gouverneur» von Deutsch-Ostafrika und des Pienier- leutnantS von Ze lew Ski zum Kommanb ur der Schutztruppe. Gleichzeitig wirb ZelewSki mit der Vertretung des Gouverneurs in Fällen von Abwesen­heit und Behinderung betraut. Die letzten sozialdemokratischen Parteitage haben fich alle mit der ländlichen Agitation befaßt; auf dem sozialdemokratischen Parteitage, der während deS Osterfestes in Magdeburg abgehalten wurde, aber ging man weiter und empfahl als neues, sehr wirksames Agitationsmittel eine Einrichtung die bisher für eine der besten Schutzwehren gegen die sozialdemokratischen Umsturzideen galt. Eine ganze Anzahl Redner forderte nämlich zum Eintrttt in die Kriegervereine aus und rühmte fich der Erfolge welche die Sozialdemokratie durch dieselben erzielt habe. Ein Delegierter auS Leitzkau erzählte, daß er selbst als Vorstand eines Militärverein» die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen in feinem Orte von 0 auf 55 zu bringen gewußt habe. Der Kriegerverein sei dann freilich von der Behörde ausgelöst worden. Auch ein Vertreter aus Aschers­leben war recht zufrieden mit der sozialdemokratischen Agitation, welche durch die Kriegervereine erzielt sei; ein Redner aus Magdeburg empfahl des­halb lebhaft den Eintritt in die Kriegervereine, um durch dieselben für die sozialdemokratischen Lehren, namentlich in den Dörfern und in den kleineren Städten, zu wirken. Die Sozialdkmokratte hat also hier auf einen neuen Weg ihrer Agitation hingewiesen, auf dem man fie niemals zu treffen glaubte; die allerbedenklichste Erscheinung in der sozialdemokratischen Bewegung wurde auf dem Magdeburger Parteitage enthüllt: die Kriegervereine sollen in die sozialdemokratische Agitation hineinge- zogen werden und für dieselbe Vorspann leisten. Die Vorstände der Kriegervereine werden deshalb gut thun, in ihrer Wachsamkeit gegen das Ein­dringen sozialdemokratischer Elemente nicht zu ermüden.

Viele begegneten ihm nnb zogen den Hut noch tiefer als gewöhnlich; sie hatten seinen herben Verlast schon durch die Zeitungen erfahren und suchten seinen Schmerz zu ehren. Eisen achtete sonst kaum auf die Grnßbezeignngeu, welche ihm zu Teil wurden heute erquickte es ihn ordentlich zu sehen, wie geachtet nnb verehrt er von allen Schichten der Gesellschaft wurde.

Mau sollte anderen Ortes schon erfahren, wie hoch seine Ehre stand, dachte er mtt wahrem Ingrimm bei fich.

AIS Eise» fein Bürean betrat, fand er ben Minister bereits in bemfelben aus ihn wartend.

Son beiden Seiten erfolgte eine sehr förmliche Begrüßung, nnb Eisen bemerkte eS in seiner Erregung kaum, daß Boländer sei» vertrautes Nicke» »ur mtt einem steife» Kopfueige» erwiderte.

»Sie habe» beliebt, «ich zu einer außerordent­lichen Revision herzubestellen, Exzellenz", begann Eisen in gereiztem Tone, »ich bin bereit und stehe zu Diensten."

»Sehr wohl", entgegnete der Minister in kühle« Tone.Wir können sofort bamit beginnen, denke ich!*

Mit Vergnügen!" sagte Eisen förmlich.Darf ich mir vielleicht noch vorher die Frage erlaube», welchem Zufälle ich diese außerordentliche Heber» raschnng verdanke?"

Sollten Sie diese Frage nicht am besten selbst beantworten können ?" fragte der Minister streng zurück.

Eisen wurde aschfahl i« Geficht, und seine ganze Gestatt zitterte auffällig.

Exzellenz", stammelte er,diese Schmach bet Gott, Sie sollen mir Rechenschaft"

Kommen wir zur Sache", schnitt ihm der Minister kurz das Wort ab;ich bin es, der Rechenschaft zu verlangen hat."

Der Generaldirektor bezwang fich «tt Übermensch» licher Anstrengung und verbeugte fich.

Sie foll Ihne» werden", sagte er tonlos. ,Zch mache Exzellenz aber darauf auf«erkf«n, daß ich späterhin «eine Rechte zu"