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Bon France- Burnett.
Welte nicht darauf verzichten darf, die Nordsee und die Ostsee zu beherrschen. So sehr der Frieden auf Jahre hinaus gesichert erscheine, so dürfe man die Eventualität eines Krieges mit zwei Fronten nicht vergeffeu, und in diesem Falle sei kein Bataillon für den Küstenschutz übrig, muffe dieser Schutz der Marine allein überlasien bleiben. Der Nordostsee- Kanal werde übrigens nicht erst im Jahre 1895, sonder» schon im Jahre 1894 fertiggestellt sein, und auch für den Schutz dieses Kanals müsse man Sorge tragen, daß die betreffenden Schiffe zur genannten Frist bereits die Werften verlaffen hätten. Auch die Rücksicht betonte der Kaiser, daß den privaten Werften die Möglichkeit zu fortgesetztem Betriebe gegeben werden müffe, damit nicht die Notwendigkeit sich erneuere, Bestellungen für die deutsche Marine im Auslande zu machen. Nach einer anderweitigen Meldung hat der Kaiser auch die Vorgänge in Paris bei der Anwesenheit der Kaiserin Friedrich berührt. — Man hat vielfach die großen Ankäufe von Kohlen seitens der Regierung im Auslande als eine Maßregel bezeichnet, um durch etwaige Arbeitseinstellung der deutschen Bergwerke nicht in Verlegenheit zu gerate». Diese Annahme trifft durchaus zu. Darüber hinaus aber sind noch weitere Maßregeln getroffen worde», welche gleichfalls eventuelle BergmannsauSstände zur Voraussetzung haben. Jedenfalls würden letztere nach jetziger Sachlage die Arbeitgeber völlig vorbereitet und in der Lage finden, unberechtigten Anforderungen gegenüber auf lange Zeit hi» da- Feld behaupten zu können. — Die Lieutenants Graf von Schweinitz und von Uechtritz find nach dem deutschen südwestafrikanischen Schutzgebiet abgereist, um dasselbe auf seine Bodenbeschaffenheit genauer zu untersuchen.
— Zur Reform der Eisenbahntarife schreibt der Preußische Staatsanzeiger: „Die Staatseisenbahnverwaltung verkennt keineswegs, daß ihr Re. formpla» in einzelnen Beziehungen noch verbefferungS- fähig ist und wird, soweit eS angängig ist, gewiß die Hand zu wirkliche» Verbefferungen bieten. Sie hat aber dabei nicht nur die finanziellen und wirtschaftlichen Folgen zu berücksichtigen, sondern vor alle» auch die Herbeiführung einer einheitlichen Gestaltung der Personentarife für ganz Deutschland im Auge zu behalten. Denn bei der heutigen AuSdch- nung des Reiseverkehrs kann nur durch eine einheitliche Reform wirksam geholfen werden. Von diesem Gesichtspunkte aus will die preußische StaatS-Eisenbahn- verwaltung durch Aufgabe der IV. Klaffe und des Freigepäcks die großen und, wie eS schien, unüber-
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. . mal her*, sagte ein junger Arbeiter und betrachtete den Stock eingehend.
schrie er. .Da» ist dem Lowrte feiner. Ich sah ihn Tags vorher damit. Ich kenn' de» Stock sehr gut. Wie kam der dahin?*
Niemand konnte stch da» erklären. Man über- brachte e» Joan, und sie hörte die Erzählung schweigend cm. ES war kein Gründ vorhanden, ihnen z» erzählen, was sie bereits entdrckt hatte.
Als Lowrte starb, befanden fich Sinke und Grace in Zimmer bet Joan. Nach de« ersten beide» Tage» waren die Besucher weggebltebeu. Sie hatte» ihre Neugierde befriedigt. Lowrte war niemals beliebt getoefen und Joan hatte fich immer so allein nud ihren Gefährten gehalten, daß «an ste bald fich selbst überließ.
, 3°an stand an seinem Bett, al» er da» erste nnb letzte Mal zum Bewußtsein kam. Die Sonne war im Untergeben und ihr Abschiedsstrahl, welcher dnrch da» Fenster flutete, fiel ans sein emstellttS Geficht m»d ans seine blinden Äugen. Er erhob fich mit Anstrengung.
«WaS ist wtt mir lo»?* murmelte er. »Ich kann nicht sehen — ich kann nicht —*
Ioan ttat heran.
.Vater*, sagte ste.
Das Gedächtnis schien ihm znrÜSznkehren. Sin böse» Zucken flog über sein Geficht. Er streckte seine Hand au» und stöhnte.
„ -Was?* schrie er. .Du hier, ja, bist Du'»?' lind so hilflo» und gebrochen er war, trug sein Geficht tn diesem Augenblick einen Ausdruck, den Ioan seit langer Zeit verstehen gelernt hatte.
.Ja, Vater*, antwortete fie.
ES schien, als ob tu den wenigen Mimtteu, die er röchelnd dalag, fich bet ihm da» volle Bewußtsein der Thatsache etustellte, daß sein Plan so entsetzlich gescheitert, daß er an Stelle seiner Feindes zu Boden geschlagen und grausam mißhandelt worden sei. Er
Md Richtige, waS nach Sage der Dinge geschehen "mtte, er appellierte an die Wähler. Aber die
dem er diese Mission an seiner Stelle überlassen hätte. Er war immer weniger geneigt an Joau'S Bekehrung zu glauben, veil feine Unterredungen mit ihr ebenso unbefriedigende Resultate ergaben, als früher. Ihr Benehmen war ein anderes geworden, fie ttat chm weniger schroff entgegen, dennoch aber konnte er fich .hr gegenüber einer unangenehmen Gefühls nicht er. wehren. Wenn fie auch ihm nicht mehr widersprach oder seine Lehren in den Wind schlug, so bewirkte doch mitunter der «lick ihrer tiefen Augen, den sie schweigend ans ihm ruhen ließ, daß ihm plötzlich die Worte auSgiugeu: eine ganz neue Erfahrung für Neverevo Harold.
- Wit Sonnte ging eS schon nach wenigen Tagen sichtlich zu Ende. Wie der Doktor vorhergesagt hatte, war die Reaktion eine gewalttge, nnb lebe Arznei »mr nufelo». Er tag ans bem Bette, bald ganz be. wnßüoS, balb im Delirium phantasierenb. Währenb Joan au seinem Bette saß, erfuhr fie bte gan« Wahrheit. Er bildete sich mitunter ei», baß e? auf der Landstraße im Regen nach Hause ginge nnb murmelte badet etwas von der Zett, die für ihn kommen würde nnb bet Rache, bie er nehmen wollte; manchmal glaubte er eS mit Ioan zu thuu zu haben, nnb bann wartete er wieder hinter der Hecke ans seinen Feind, bald frohlockend, bald als ob er bei dem bekannten Tone nahender Schritte fluchend und haßerfüllt aufspringeu wollte. Diese Scenen, die fich in seinen Phantasten immer wiederholten, ließen für Joan keinen Zweifel übrig, daß er ta feine eigene Schlinge gefallen war.
An dem Tage, welcher auf den geschildert! u Vorfall folgte, trat ein Kohlengräber eilig in die .Krone*, einen schweren Stock in der Hand tragend.
«Diesen Knotenstock sand ich ans der Landstraße an der Hecke, nahe bei der Lücke*, sagte er. .'S »ar nicht weit von der Stelle, wo fie den Lowrte sand«. Vielleicht haben ihm Kerle anfgetanert nnb er gehört einem baten.*
Marburg,
Sonnabend, 7. März 1891
Wahlen sollten nicht mehr unter dem Zeichen der bisherigen RegierungSpolitik vor sich gehen, man war entschlossen, den deutschen Parlamentkparteien erhebliche Zugeständnisse zu machen. Die» geschah durch die Verabschiedung des FinanzministerS von DunajewSky, eine» tüchtigen Finanzmannes zwar, aber auch eines leidenschaftlichen Deutschenfeindes dem in der Hauptsache die ganze innere Unglückspolitik Oesterreichs zuzuschreiben ist. Die deutschen Parteien erkannten dies Entgegenkommen an; sie erklärten sich bereit, eine wirklich unparteiische Regierungspolitik zu unterstützen, und der Zwang hierzu wird durch das Resultat der Neuwahlen erbracht.
Die österreichischen Parlamentswahlen sind höchst verwickelter Natur und beanspruchen mehrere Tage, aber schon heute ergiebt sich ein charakteristisches Zeichen. Die noch halbwegs gemäßigten Altczechen sind von den Jungczecheu im Wahlkampfe schwer ausS Haupt geschlagen und die Letzteren werden also mit großer Macht in die VolkSverttetung einziehen und dort nur zu haben sein als Stütze der Regierung, wenn dieselbe die Vernichtung alle» deutsche» Seb'uS in Böhmen zuläßt. DaS ist unmöglich, denn das Deutschtum ist und bleibt doch nun einmal der stärkste Hort der österreichischen Monarchie. Eia Untergang deutscher Kultur und Sitte bedeutete einen Rückgang alles wahren und gesunden Geisteslebens in Oesterreich und ohne ein solches kann nun einmal keine Nation, mag sie heißen, wie sie will, wachsen und gedeihen. Der Staat ist gerichtet, in welchem nicht bloS der Unverstand herrscht, sondern auch der, in welchem die Unbildung thront. Und waS die Czechen und die ihnen verwandten Stämme als Geistesbildung anffassen, daS ist nichts, als die geradezu krankhafte Pflege des flavischen Nationalhasses gegen alles, wa» Deutsch heißt. Oesterreich steht somit heute am Beginn einer neuen Kampfes-Periode, aber die den Kampf heraufbeschworen, daS find nicht die Deutschen, welche sich kräftig gegen die Unterdrückung ihrer Eigenart gewehrt haben, sondern die Czechen. Daß in diesem Kampfe der Sieg auf Seiten des gesunden deutschen Volkstumes bleiben muß, ist sicher, aber der Streit wird hart sein.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. März. In der letzten Parlamentarische» Gesellschaft betonte der Kaiser die Notwendigkeit der von der Marineverwaltung gestellten Forderungen und einer Verstärkung unserer Marine,
Auwrifirte deutsche Ueberttaguug.
(Fortsetzung.)
Der doppelte Schlag, welcher Joa» gettoffen Mr, schien fie ewpfindnngslo» gemacht zn Haden, «tt betäubt ging fie umher und verrichtete am ^»kenbette ihres Vater» mechanisch bie Dienste Z? Wärterin. Sie sprach nur wenig mit ber neu. WWgen Menge, welche auf Grund der Nachbarschaft 5$. Njtem Hause strömte. Sogar Anice gegenüber I™6 fie einsilbig. Vielleicht war ihre Liebe zur »rwen Liz trotz alledem stärker gewesen, al» ste glaubte.
»Ich glaube", sagte Grace in seiner zartfühlenden *»«[« gu Anice, daß ste vorläufig unserer noch nicht
Gr machte diese Bemerkung in Gegenwart be» *ttnort; aber Reverend Harold war anderer Meinung. .»Ich bin Überzeugt, daß Eie fich täuschen, Grace", Sm ?'<> P“b ^waS zu — hoch, zu feingeistig «diese Leute. Sie geben stchgefühlvolle»Träumereien £L“nb bttsen Leuten liegt doch nichts ferner als s-tufühligkeit. War ste brauchen, ist eine faßliche, M»Mte Lehre und ein gewisser Grad be» gefunden getaut». Unterricht brauchen fie. Dieses junge «idchen —nun, e» scheint mir an bet Zett zu sein, getaeu richtigen Begriff von — von bem sittliche» ^andpnnkte zu geben, auf bem sie steht. Eie muß ^«ckt werden, »nb ebenso ber Mann. Schabe, baß tavnßtlos ist." B
Snice hatte ihm einige» von Joau'S fonberbatem ’wnbeusbelenntni» erzählt, aber er war eher geneigt. ■ .Jfc rin Probnkt geiziger Ueberreiznug zu halten " konnte fich auf keine Weife von bem Gebauken *®jadjen, baß fie bet befonbeten Führung eine» itamsschrn nnb erfahrenen Geistes bedürfe. Dieser “«ontfdje, erfahrene Seist war natürlich der feinige, T® er stch auch nicht davon Rechenschaft gab, daß «wen Menschen in der Wett gefunden Haden würde,
versuchte ein paar Mal vergeben» zu spreche», endlich gelang es ihm.
«Du wollt'st mir in de» Weg treten?* keuchte er. »Sei verflucht!' und alle Kräfte gewaltsam znsammeuraffend, erhob er fich, schlug umhertappend mtt der geballten Faust nach ihr, nnb, fie versehlenb, stürzte er vornüber auf fein Bett.
Als fie ihn aufhoben nnb zurücklegten, war alles vorüber. Joan staub ausgerichtet ba, ein wenig zitternd, aber sonst ruhig.
31. Kapitel.
Mau hatte allgemein erwartet, daß nach Lowrie'S Tob bie Hütte am Eteinbamm geschlossen nnb verlassen werden würbe, aber Joan fühlte fich an ben Ort gefesselt. Vielleicht that ihr bie Einsamkeit wohl, vielleicht war es bie Gewohnheit, welche fie zurückhielt.
«Ich würbe itgenbwoanbetS nicht weniger einsam fein', sagte ste zn Anice Barholm. «ES ficht mich hier alles verttanter an, als irgendwo. Ich hab' keine Freunde, wie Sie wisse». Unb bann kann ich ja bas Kiub frühmorgens, wen» ich zur Arbeit gehe, zuFrauThwaite tragen; fie wirb gegen geringe Sui. Schädigung gern bereit fein, bi» abends drauf acht zu geben. Sie hat selbst Kinder und weiß mtt ihnen umzngeheu.*
Sie wanderte früh und abend» mtt ihrer kleinen Last hin und zurück. Da» Kind war ein schwache», winzige» Geschöpf, ost krank innb nie ganz gefnnb, aber feine Gebrechlichkeit machte e» Joan nm so teurer. Es wat hübsch, verdrießlich und launig, gerade wie Li;. So manche der ungebildeten, aber etfahreuenMütter prophezeiten ihm, daß fein Kampf um» Dasein ein kurzer sein werde. Mit dem hübschen Geficht seiner Mutter hatte e» zugleich ihren hilflosen, unentschlossenen, bittenden Blick geerbt. Joan sah ihn manchmal in den Augen de» Kinde» und staunte Übet diese Aehnlichkett; sogar sein leiser, wimmernder Schrei hatte etwa» so rührendes wie die Stimme des armen Mädchens, feiner Mutter. Oester al»
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d,e Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler m Frankfurt °.M-, Cassel Magdeburg u Wien; Rudolf XXVI Mosse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; ®. L. 4411 Daube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Mardvrg und Kirchhain. - " _____________________________Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
windlichen Schwierigkeiten zu beseiligen versuchen, welche einer einheitlichen Gestaltung der Personen, tarife der nord- und süddeutschen Bahnen entgegen, standen. Wenn die Lösung dieser großen Aufgabe gelingen sollte, so darf die Staats bahn-Verwaltung für fich in erster Reihe da» Verdienst an diesem mühevollen Werke in Anspruch nehmen. Sie darf aber auch erwarten, daß dies von dem nicht durch utopistische Agitationen voreingenommenen Teil der Bevölkerung anerkannt wird, und daß nicht kleine' Schönheitsfehler, deren Beseitigung nach Hkrstellnng der Einheit im Personentarif nur eine Frage der Zeit sein wird, zum Vorwande genommen werden, um den ganzen Reformplan zu verwerfen.
Straßburg, 6. März. In Elsaß-Lothringen wird erfteulicherweise in alle» Kreisen ei» ganz entschiedener Protest gegen da» mit dem Hinweise aus Elsaß-Lothringen begründet gewesene Geschrei der Pariser Revanchepolitiker erhoben. Möge» manche Kreise allzu deutschfreundlich gerade nicht sein, von dem tollen Geschrei an der Seine, das angeblich ihrethalben erhoben wird, wollen sie doch »och viel weniger wissen. Auch der Landesausschuß in Straß- burg hat dagegen protestiert, versichert, daß die Bevölkerung treu auf dem Boden des Gesetzes stehe, und ersucht deshalb um möglichste Wahrnehmung der Interessen derselben beim Paßzwang. Der französische Wahn, daß die Elsaß - Lothringer mit aller Kraft die Wiedervereinigung mit Frankreich herbeisthnen, dürfte nachgerade doch wohl sein Ende erreiche».
Nrssm=Nassau.
Marburg, 6. März. Am Donnerstag, den 12. dS. MtS. findet das diesjährige FrühjahrS- Fohlen- u. Pferdemarkt Hierselbst statt. Bereits eine ganze Anzahl Fohlenhändler hat ihr Erscheinen auf demselben angekündigt, sodaß der Antrieb zahlreicher Tiere sowohl im Interesse aller Pferde- besitzer deS hiesigen wie der umliegende» Kreise liegen wird. Bekannt ist auch, daß das hier bestehende Viehmarktkomitee stch die Hebung der hiesigen Märtte ohne Rücksicht auf die entstehenden Mühen und Kosten sehr angelegen sein läßt und den nach hier kommenden Pferdebesitzern daS Geschäft zu einem lohnenden und den Aufenthalt so bequem wie möglich zu machen sucht. Der nächste Rindvieh- und Schweine- markt findet Donnerstag den 19. März statt.
Marburg, 6. März. Am heutigen Freitag Abend wird unsere Jägerkapelle ihr 10. Abonne- mentkonzert abhalten. Einen ganz besonderen
In Oesterreich finden gegenwärtig die Neuwahlen zum Abgeordnetenhause in Wien statt. Dies Parlament ist im Januar aufgelöst worde», weil die Parteiverhältnifse ganz und gar zersahren und unhaltbar geworden waren Der lange Kampf gegen das Deutschtum, welcher mit Bewilligung des Mi- msteriumS Taaffe von den Czechen, Polen und sonstigen deutschfeindlichen Parteien geführt worden war, trug seine Früchte: AuS den einstige» Bundesgenossen der Wiener Regierung, die von letzterer ans Kosten der Deutschen erst zu Rang und Ansehen erhoben waren, drohten Herren zu werden und waren es znm Teil schon geworden, welche gebieterisch die Erfüllung ihrer immer weiter gespannten Forderungen erheischten. Eine Zeit lang ließ Graf Taoffe, der Ministerpräsident, sich daS gefallen; als aber die Czechen-Partei fich in Alt Czechen und Jung-Czechen spaltete, als die Letzteren die Oberhand gewannen mb kategorisch die Wiederherstellung eines Czechen- reiches Böhmen mit eigener Regierung verlangten, da sah man in Wien ein, daß die Dinge nicht mehr so weiter gehen konnten. ES wurde der Versuch gemacht, einen Ausgleich zwischen Deutsche» und Czechen in Böhmen herbeizusühren, und dadurch im Wiener Abgeordnetenhause bessere Verhältnisse zu schaffen, denn bisher hatten die deutschen Parteien mit Recht die Unterstützung der Regierung von der Ersüllung ihrer nationalen Forderungen abhängig gemacht. Das ganze Jahr 1890 ist mit Verhand- tagen über diesen Ausgleich angesüllt gewesen und Wenn die Besprechungen avsänglich auch einen günstigen Verlauf zu nehmen schienen, so war daS schließliche Endresultat doch gering, gleich Null fast. Die Altczechen hatten guten Willen gezeigt, waren aber von der radikalen Richtung, den Jungczechen, die sich immer deutlicher als verbissene Feinde von deutscher tig g Sprache und Sitte herausstellte», dermaßen eivge- schüchtert, daß auch fie umschwankten. Im Prager trau« Landtage kam eS zu recht bedauerlichen Szenen. Kaiser me i Franz Joseph selbst versuchte in versöhnendem Sinne Nr. k zn wirken, allein die Jungczechen waren sich ihrer 10 ul Nacht — und auch der Schwäche der Wiener askuil Centtalregierung — wohl bewußt und gaben nicht (14i «ach. Mit dem Mißlingen dieses Ausgleiches waren , lwch die Parteigruppierungen im ReichSrat in Wien ---- — dem Landerparlament — unhaltbar geworden,