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Akademie der Künste stillschweigend die Zuschrift bei Seite legte. Statt dessen hat die Akademie eine offizielle Antwort an den deutschen Kaiser beschloficn und, waS mehr noch, die Pariser Zeitungen sind durch die Bank mit diesem Beschluß einverstanden. Man muß nur bedenken, daß ein ähnlicher Vorgang seit 1871 noch nicht stattgefunden hat, daß noch vor einem Jahre viele Pariser Journale Zeter und Mord schrieen, als eS sich um Beantwortung der Frage handelte, ob französische Aerzte am Berliner medizinischen Kongreß teilnehmen sollten. Heute befürworten dieselben Zeitungen freiwillig die Teilnahme der französischen Künstler an der diesjährigen großen Berliner Kunstausstellung, und es gilt heute schon für sicher, dckß dieselben sich in nicht geringer Zahl einfinden werden. Kaiser Wilhelm hat eS also unleugbar und mit großem Geschick verstanden, sein Ansehen bei den Franzosen zu heben und die gehässigen Ausbrüche der Deutschenfeindschaft etwas zurücktreten zu lassen. Es braucht nicht Wunder zu nehmen, wenn die Pariser Journale bald von neuem die Frage zu erörtern beginne», ob eS möglich sei, daß der deutsche Kaiser einen Besuch in Paris abstatten könne. Sicher würde sich eine unendliche Zahl von Parisern dadurch gewaltig gehoben fühlen, aber was nicht möglich ist, muß eben bleiben. Wer will denn dafür bürgen, daß fanatische Elemente nicht dem Kaiser in einer Weise zu nahe treten, auf welche da« deutsche Reich mit dem Schwert die Antwort erteilen muß? Es kann und muß »ns genügen, ein ruhiges Verhältnis zwischen beiden Staaten hergestellt zu sehen. Er wird ja vielleicht auch dadurch nicht in Zukunft ein ernster Zusammenstoß verhütet werden, aber wir haben doch vorläufig Ruhe ohne Zank und Streit und viele Hetzreden.
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v Neubestellungen
für den Monat März auf die
IriLrmg nebst deren Gratisbeilagen Amtliches Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und
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Die Exped. der Oveih. Zeitg.
verbietet. — Dem »Re chsanzeiger" zufolge ist durch Erlaß des Kultusministers vom 12. Febr. den Provinzialkollegien zur Beachtung mitgeteilt worden, daß die Bestimmung, wonach die griechische Probearbeit für die Versetzung in die Prima der Gymnasien schon zum nächsten Ostertermine wegfällt, auch sür die Progymnasiasten gilt. Für die gleichzeitige Aufhebung des französischen Versetzungsskriptums bei den Gymnasien und Progymnasien und für die Beseitigung de« lateinischen Bersetzungsskriptums bei den Realgymnasien bestehe ein so dringende« Bedürfni« nicht. Von der Aufhebung de« lateinischen Aufsatzes sind die mündlichen und schriftlichen Hebungen nicht berührt.
Berlin, 17. Febr. Die Einkommensteuer beträgt nach dem heutigen Beschlusie deS Abgeordnetenhauses jäbrlich bei einem Einkommen
von mehr alS: dir einschließlich:
um je 30 M.
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(Fortsetzung.)
3oon Lowrie schien ihrerseits Niemanden zn sehe», »d nichts von dem Rausche» der seinen Kleider zu horeu, da» durch die augenblickliche Erregung bei ihre« Erfcheiueu verursacht wurde.
, Der Eurat, welcher diese» Morgen die Kanzel «stieg, sah bald »nr roch zwei Gestchter unter seiner ®«netabe. EiuS unter den alten Männern und Betfcern auf den Freistühleu, welches mit feinen ttefen Augen fragend und feierlich ,n ihm anfblickte, US wenn feine Besitzerin ihm ein feierliches @e> WnrniS vorgelegt hätte, das er ihr noch in dieser etnnbe ober niemals erklären sollte; boS andere, das ihm aus bem Borholmfchen Kircherstuhle entgegen« Achtete, von Hoffnung und Vertrau umstrahlt. Er »lburftr Spruch brr sittlichen Hilfe, bte er in seinem Allen EroffunugSgebete erflehte.
Einige Mitglieber feiner Gemeinde, welche zu ofiteu^ dazu geneigt waren, feine Fähigkeiten zu ,Iamtn diesen Morgen zn ganz anderer «»ficht über ihn. Die billig denkende» meinten auf Um Heimwege nntereinanber, daß der junge Curat loch ein tüchtiger Mann sei und daß er wenigstens "es mal mit nngewöhnliche» Feuer uud Pathos ge- Uebigt hätte. Sein Text war sehr kurz — nur Uti Worte, welche Joan unter dem Silbe beS toten Christus gelesen hatte: ,68 ist vollbrachtI»
Wenn er durch Zufall heute darauf geführt wordeu >ar, so war eS ein seltener und glücklicher Znsall, Ob sicher hatte er noch nie so gepredigt wie heute. L 8to tr geendet hatte, hörten die Frone», welche « Joan'» Nähe säße», wie fie eine» tiefen Seufzer Wstieß. Daun staub das Mädchen ans uud ging •tt niedergeschlagenen Augen von ihrem Plötze »ach Ur Thür. Snice suchte sie vergeblich, sie war eher
die übrige Gemeinde weggegauge».
bi» einschließlich 30 500 Mk. 32000 „ 78 000 , 100 000 „
Sie steigt bei höheren Einkommen von mehr als ' * .....
Deutsches Deich.
Berlin, 18. Febr. Im Berliner Schlosse fand heute Nachmittag größere Tafel statt, zu welcher außer den anwesenden Fürstlichkeiten der Reichskanzler, verschiedene hohe Beamte und andere Herren geladen waren. Nach der Tafel gab der Hannoversche Gesangverein im Schlöffe ein Konzert. — Die Kaiserin Friedrich ist am Mittwoch zum Besuche ihrer Mutter von Berlin nach England abgereist. In Köln unterbrach die Kaiserin die Reise, besuchte den Dom, da« Museum und Kunstgewerbemuseum. — Wie verlautet, bereitet die ReichS- regierung einen Gesetzentwurf vor, welcher die Bildung industrieller »Kartelle und Ringe- zum Zweck der Erhöhung der Waarenpreise bei Strafe seiue Auwcseuheit. Sie fühlte sich immer mehr zu ihm hinge,oge». Sie mußte ihm erzähle», daß seine Ernte gereist, daß seine treue Bemühung nicht unbe- lohut geblieben sei. Ihren eigenen Anteil daran schätzte fie mehr nur als einen zufällige». ...
Im Wohnzimmer sand fie Fergus Derrick, der mit ihrer Mutter sprach.
Er saß in feiner LieblingSstellnug, in einem Armstuhle znrückgelehut, vor dem Fenster uud hielt feine starken Hände hinter bem Kopfe geschloffen. Sein freunbschastlicher Verkehr in ber Familie war bereits zu jener Vertraulichkeit gebieheu, welches alles Unnatürliche und Studierte ausschließt. Derrick fühlte fich zur Zett so wohl in ber Familie, als wenn er ber Sohn vom Hause gewesen wäre.
Als Anice in baS Zimmer trat, richtete ihre Mutter baS Wort an sie.
»Sprach nicht Jemaub über bie Hecke zu Dir, Anice', sagte sie.
,3a', antwortete Anice, »es war Ioan Lowrie.'
Sie setzte sich Fergus gegenüber nnb erzählte ihm, was vorgefallen sei. Ihre Stimme schwanke etwas nnb so faßte fie ihren Bericht ziemlich kurz. Derrick schonte regungslos durch das Fenster. Ein paar mal zog fich feine Stirn in Falten nnb al» Anice geendet hatte, faß er still nnb wie selbstvergessen da.
»Mr. Derrick', sagte Anice endlich, nachdem einige Minuten verflossen waren, ,wa» soll nun mit Ioan Lowrie werden?'
Fergus fuhr empor uud begegnete ihren Augen, bie ihn saft traurig ansahe».
»Was nun?' sagte er. »Gott weiß! Ich sehe uich^ wo e» hinanswill.'
19. Kapitel.
Da» Licht in ber Hütte an Eteindaurm bräunte uoch spät in btefen Tagen, nab venu Derrick etwa» länger im Stäbtche» aufgehallen wvrbe, sah er e» gewöhnlich schon von fern funkeln, bevor er nur bie Ecke be» Weges bog, ber ihn »ach seinem Heim führte.
wäre werevoll, denn wer in Paris an Streit und Krieg mit Deutschland denkt, sind viel weniger die M iaister, die ganz genau wiffen, was dabei auf dem Spiele steht, und wie die Dinge liegen, al» vielmehr die berüchtigten Straßenpolitiker, welche die Menge mit sich forlreißev. Der Kaiser hat Frankreich gegenüber nun schon seit geraumer Zeit ein eigen ärtigeS Verfahren eingeschlagen, da« seine Wirkung on der Seine ihatsächlich nicht verfehlt hat. Es ist ihm da« um so leichter geworden, als Frankreich, von dem wankelmütigen und leicht aufbrausenden Charakter feiner Bewohner abgesehen, ja doch manches bietet, was alle Anerkennung verdient. Die große md liebenswürdige Höflichkeit, welche der Kaiser auf der vorjährigen Berliner Arbeiterschutzkonserenz dem verdienten französischen Gelehrten Jules Simon bewies, wurde in den Pariser Zeitungen bereits mit ersichtlichem Wohlgefallen verzeichnet, man ging in französischer Uebertreibung sofort weiter und sagte, der deutsche Kaiser habe der französischen Wissenschaft die ihr gebührende Anerkennung ausgesprochen. Jule« Simon kam dann nach Paris zurück, und bald stand nach seinen Erzählungen in allen Blättern, daß der deutsche Kaiser ein ganz vorzügliches, reines Französisch spreche, sich auch mit Vorliebe darin unterhalten habe. Es ist ja nun zur Genüge be kannt, daß der Kaiser im Hosverkehr die deutsche Sprache zur maßgebenden erhoben hat und die französische Sprache selbst von den Speisezetteln rerbavnt ist, daß e« sich hier also nur um eine Höflichkeit handelte, aber man ging in Pari« aber mal« weiter und sagte: Spricht der deutsche Kaiser gut französisch, so hat er sich auch eifrig mit unserer Sprache beschäftigt. Und wer das thut, kann nicht daran denken, um jeden Preis Krieg mit un« zu beginnen So ist es gekommen, daß langsam, aber sicher die Beurteilung deS deutschen Kaisers in den Pariser Zeitungen eine ganz andere wurde, die srüheren Gehässigkeiten fortfielen und man mit Achtung zu schreiben und spaltenlarge Artikel über den deutschen Monarchen zu veröffentlichen begann. Die Reden und Erlasse des Kaisers wurden auch in Pari» mit großer Aufmerksamkeit gelesen, und schließlich kam daS Zugeständnis: In der That, Kaiser Wilhelm II. ist ein bedeutender Monarch. Mehr ist natürlich nicht zu erir arten, damit können wir aber auch zufrieden sein. Nun ist aber Kaiser Wilhelm seinerseits einen Schritt weiter gegangen mit dem BeleidSschreiben für Meissonier. Es war doch etwa« zweifelhaft, wie die Sache aufgefaßt wurde und leicht möglich, daß die Pariser
DeS Abends aber, als Anice fich im Garte» in der Nähe der Stechpalmenhecke anfhielt, hörte fie ihren Name» rufe» nnb al» fie über bie grüne Scheidewand blickte, sah fie Joan an ber Sette beS Fußweges stehen, gerabe wie bamals, al» sie baS erste Mal zusammen gesprochen hatten.
»Ich habe sehr wenig Zett', sagte fie ohne Um« schweife, »nnb ich muß Ihnen etwas sagen."
Ihre Haltung war ruhig, aber ihr Gesicht bebeckte eiue erschreckende Bläffe. Such ihre physische Kraft schien fie eine Zeitlang verlassen zu wolle». Dennoch sah fie ruhig und entschlossen aus. *
„Ich war heute morgen» in ber Kirche", begann fie sofort.
„3ch sah Dich", antwortete Anice.
„Ich war vorher noch niemals dort. Ich wollt' mir'S selber ansehen. Ich hab' auch in bem Buche gelesen, das Eie mir gaben, nnb da stehen Dinge darin, wie ich sie noch niemals gehört habe. Mr. Grace, er war auch bei mir nnb hat mir vieles er« klärt. Ich wollte so manches gern näher wissen nnb fitzt versteh' ich alle» schon besser. Was e» mit bem Bilde auf fich hat — denn damit fiug's an — nnb mit bem Buche, nnb was er heute in ber Kirche sagte baS hab' ich alles verstauben."
Sie schwieg einen Augenblick, ihre Lippen zitterten, nnb als fie ihre Augen aufschlng, stauben sie voller Thräuen und sie hob langsam und mit feierlicher Geberde die Hand empor.
„Ich kann nicht mehr darüber sagen", sprach fie stockend. „'S ist mir nicht gegeben. Aber ich dachte, 'S würde Ihnen lieb sei», baS zu wissen. Ich glaube an das Buch, ich glaube an das Kreuz, ich glaube au ihn, der daran starb. Da» wollte ich Ihnen sagen."
Da» Mädchen drehte fich darauf um, ohne auch nur ein Wort we r zu äußern nnb ging bavo».
Anice blieb nicht länger im Garten. Ioan Lowrie'« ttefiauerliche Erregung hatte auch fie ergriffen. Eie zitterte sogar ein wenig nnb ihre Pulse schlugen schneller. Eie dachte an Paul Grace und ersehnte
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Wöchentliche Beilagen: KreisBlatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Marit 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Bei Einkommen von mehr als 100 000 Mk. bi»
Er sah eS gern. ES wurde zu einer Art Leuchtstern für ihn und wie nach einem solchen begann er danach auSzuschaueu. Er hätte gern gewußt, waS Ioan so spät thue und blickte deshalb im Vorübergehen durch die unverhäugten Fenster. Daun sah er, daß fie bei bem Lichte arbeitete. Manchmal saß fie an dem hölzernen Tisch mit einem Buche vor sich, manch- mal war fie mit Feder und Tinte bei einer Aufgabe beschäftigt, manchmal versuchte fie, ihre Nadel zu gebrauchen.
Sie hatte fich an Anice gewandt, um von ihr in letzterer Kunst unterrichtet zu werden. Ihre Lebensweise halte ihr bisher die Erlernung ber weiblichen Arbeiten unmöglich gemacht.
»Ich möchte gern ein wenig nähen lernen', sagte fie, obschon ihr bieseS Geständnis augenscheinlich Mühe kostete, »ich möchte gern einige Handarbeiten lernen, wie sie alle Mädchen machen. Ich hab'» satt, weder Eins noch das Andere zu sein. Ich will nicht immer Männerarbett thnu; es ist, als ob ich gar nicht zn anderen Mädchen gehörte.'
Einige Male sah fie Derrick mit dem Kinde in Zimmer auf und abgeben, nnb einmal hörte er fie sogar mit leiser, offenbar ungeübter Stimme fingen. BiS zu ber Zett, wo Ioan zum ersten Male baS Sinb in Schlaf fang, hatte fie noch nie in ihrem Leben gesungen. So ertappte fie fich eines Tage» selbst habet, wie fie von Anice Barholm gehört batte. Der Ton ihrer eigenen Stimme kam ihr so freut» vor, daß fie plötzlich inuehielt, als wenn fie lauschen wollte, wer ba gesungen habe.
»Es wirb wohl Jemaub AubereS gewesen sein', sagte fie. Wie sollte ich nur bazu komme». 'S ist doch sonderbar.'
Derrick begegnete Ioan hin und wieder, venu sie nach dem Psarrhause kam, welches Beide recht häufig besuchten; bei jeder vegegnng fühlte er aber nur deutlicher, daß er ihr noch immer so fremd gegen» überstand wie je zuvor.
Al» Joan eiustmal Anice gute Nacht gesagt nab
Marbttra, y«.----------
dition 2'/. Mk, bei allen Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. («xkl. inFrankwita^ unb 2°«Ie.rt vvm ,
VkÄBS Em. ’Ä” 8d" Freitag, 20. Februar 1891. ^Köl'nJtthrgllNg
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Es ist verhältnismäßig wenig beachtet worden, daß Kaiser Wilhelm in voriger Woche au« Anlaß de« Todes deS berühmten französischen Malers Meiflonier der Pariser Akademie der Künste, welcher der Verstorbene angehörte, durch den General Grafen Wedel fein Beileid hat aussprechen lassen. Der Vorgang hat aber doch seine ganz besondere Bedeutung, die die Sache nicht einfach als bloße internationale Höflichkeit erscheinen läßt. Kaiser Wilhelm weiß ebenso gut wie jeder andere Mensch, daß es unmöglich sein wird, wirklich enge Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und der französischen Republik in absehbarer Zeit wieder herzustellcn. Es wird uns das auch nicht um den Sßtti« der Rückgabe von Elsaß-Lothringcn, an die selbstverständlich nicht zu denken ist, gelingen, denn die Franzosen | würden immer noch ihre Revanche für die im letzten Kriege erlittenen Niederlagen haben wollen. Aber Kaiser Wilhelm hat daS Bestreben, die gehässigen k. 12ö,*8ujbrüche des Nationalhasses verstummen zu machen lung zu i^n! zwischen den beiden benachbarten Staaten f923 , wengstens ein äußerlich ungefähr befriedigendes Verhältnis herzustellen. Das Gelingen dieses Planes
Ans dnnbter Tiefe
Bon Franee« Burnett. Auwrifirte deutsche Uebertragung.
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