Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. —
Illustriertes Sonntagsblatt.
Sjpebittsn: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erichrint tätlich cs|n en BerttejM nach Sonn- und Feiertagen. — Onartei-Uivnuenlenti-Pretr bei der Lrpe- ditton 2-/. ®tt, 6tt d« Postämtern » M. bv Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jniertimrägrbühr für die gespaltene Zeil» 10 Pf,., »Flamen für di, strite 2b Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 11. Dezember 1890.
ln|eig«i nimmt entge^er. bie Expedition d. Blattes £»ie die Annoneen-Bnreanx von Haafenstein und Vogler
Frankfurt a. M., Laffsl, Magdeburg u- Wien; Rudolf Stoffe in Frmüfutt a- M-, Berlin, München tu Köln • ®. L Daube tu Co. in Frankfurt a. St., Berlin, Hannover, Paris
XXV. Jahrgang,
Sir Rede Sr. MajeM des Kaisers iber die Ziele der Refoim des höheren Schulwesens P dazu angethan, einen großen Eindruck in allen Kreisen unseres Volkes hervorzurufen. Denn wenn erlauchte Monarch auch durch seine da- wichtige gebiet der Erziehung betreffende Initiative wiederum ben besten Traditionen der Hohenzollern gefolgt ist, so läßt doch die Kühnheit und Aufrichtigkeit, mit welcher gerade diesmal von so hoher Stelle aus dal große Wort ausgesprochen worden ist: „So oie bisher kann eS hier nicht weiter gehen!" die ganze Eigenart deS kaiserlichen Herrn um so ent schiedener hervortreten, je wen'ger bezweifelt werden bars, daß hinter der Kraft de» Willens, mit durchgreifenden Atnderungen vorzugehen, auch der Eit Muß, den richtigen Weg zu finden, nicht zurückbleiben wird. Die Zahl der Fragen, die bei der Resorm deS höheren Schulwesens in Betrack t kommen ist eine so große, und die realen wie idealen Interessen« gebiete, welche in Mitleidenschaft gezogen werden, find so mannigfach vermengt und durchwachsen, daß eS durchaus natürlich gefunden werden muß, wenn zunächst die Ansichten über die kaiserlichen Programm- xirvkte weit auseinandergrhen. Statt aber einen Schaden möchten wir unsererseits vielmehr einen großen Vorteil hierin erkennen. Denn es kann nicht Mbleiben, daß sich an die kaiserliche Kundgebung (in lebhafter Austausch der Meinungen oller beteiligten Kreise knüpst, und daß die Vertretung der bnschiedenen Standpunkte um so nachdrücklicher zur Erscheinung kommen wird, je mehr bei der Entscheidung über die richtigen Wege, um zu dem kaiserlichen Ziele zu gelangen, auf dem Spiele steh', und je größer die Summe von Intelligenz und zugleich von Ge- tviffenhastigkeit ist, über welche bei uni erfahrene Schulmänner verfügen. Die Annahme, daß dem stmser selbst ein solcher Meinungsaustausch unerwünscht sein möchte, ist von vornherein um so entschiedener von der Hand zu weisen, je mehr schon die Thatsache, daß aus Veranlaffung Sr. Majestät die Schulkonserenz berufen worden, dafür spricht, daß es dem Kaiser darum zu thun ist, vor allem eine rückhalttlose Aussprache der zum Abgeben eines Urteil! in erster Linie berufenen Kreise zu veranlaflen. Erscheint aus den ersten Blick die Möglichkeit einer Einigung schwierig, da gerade auf dem Gebiete der Erziehung die Vertreter der verschiedenen Systeme an ihrem Glauben zäh festzuhalten geneigt sind, so wird sich doch eine Ueberwindung der Schwierigkeiten binnen kurzem aller Voraussicht nach um so teilttcr bemerk
(Nachdruck verboten.)
Nri«reMn Ada.
Novelle von O Elster.
(Fortsetzung.)
Mit einem lantru Schrei erwachte Arthur aus seinem Schlummer, der ihu wieder uwfaugeu, al! seiu Bursche ihn verlafleu.
Loch wo! erblickte ei? — EI» breiter Lichtstrow flutete aus der g-öffnete» Tbür deS Vorzimmers in seine dunkle Krankenstube. Und uv stoffen vou diesem Acht staub eine zierliche Mädchengi statt do, im dunklen Gewände, ktneu schwarzen Ep'tzevsLleter um daS eben» lolzglävzende Haar geschlungen. Ihre dunklen Augen stammten mitleidig, thräueugesüllt auf, ihre Händ- streckte» sich bittend ihm entgegen und ihre L'ppen stichelten: „Aithur — verzeihe mir — ich konnte dicht ander Sl"
„Uda!"
Wie der Schrei eines vou der Folter Erlösten klang es von seinen Lippe» und i» nächste» Auge», blicke lag fie ror ihm auf deu Kniet» und schlang die Arme nm feinen Racke».--
Als nach kurzer Zeit Heinrich und der Krankev- ivärter daS Zimmer betraten, blieben fie erstaunt vnd erschreckt stehe». Halbanfgerichtet saß Arthur iw Bett, neben dem eine junge Dame Plctz gekommen hatte, die Hard deS Krar k-u in ihren beiden Händen haltend.
.Beim Himmel, die gelbe Privzesfinl" tief der ehrliche Bursche. Aber Arthur lächelte sl> frei und freudig und seine Stimme klang so klar, al! er sagte: .Laßt nur, jetzt babe ich eine bessere Kranker Pflegerin befunden. Ich sühle wich schon frisch nud gesund' — daß der erfahrene Krankenrrärtet Heinrich in daS «orziwwer zog und ihm zvflüstertt: „DaS ist die beste Medizi» — ich kenne daS. Jetzt wird er ganz stcher gesund. '
„Ich verkenne deu vohlihättgeu Einfluß, den Sie, Vlädtgste Prirzesfi», aus nuserru Kranke» haben, I
elligen lasten, je mehr eS ein nationales Jntereste t, welches zur Aenderung verschiedener für die Erziehung maßgebenden Regeln mit absoluter Notwendigkeit hindrängt. Wie bei olle» Reformen, wird auch hier daS Uebersühren der kaiserlichen Abfichten » die Wirklichkeit nicht mit einem male, sondern nur schrittweise möglich sei». Tarin liegt nicht etwa eine Gefährdung der Reform, als vielmehr erst recht eine Bürgschaft dafür, daß eS mit der Zeit gelingt, immer weiter« Bolktkreise zur Unterstützung der wirklich erwünschte» Maßregeln heranzuziehen und mobil zu machen. Dal zu erreichen, ist sicher sich auch die Absicht bei kaiserliche» Reformators gewesen, und er hat solche! dadurch nicht verleugnen, andern erst recht bekunden wolle», daß er auch im vorliegenden Falle gewissermaßen wieder den Marschallstab hoch über die Mauer zu werfen für ein! der vornehmsten Rechte der Krone angesehen hat.
Line Fälschung -es Herr« Kurl Marr.
„Durch die kapitalistische Produktionsweise werden )ie Reichen immer reicher und die armen immer ärmer gemacht." So laufet eire Formel, aufgrund welcher die Sozialdemokratie ihre Agitationen gegen den „Kapitalismus" aufbaut. Karl Marx war el, welcher diese Formel zuerst in Anwendung brachte, und zwar berief er sich, um jede! thatsächlichen Be weise! enthoben zu sei», aus eine Rede Gladstones, » welcher der gerannte englische Parlamentarier sich folgendermaßen geäußert haben sollte: Diese berauschende Vermehrung von Reichtum und Macht ist ganz und gar auf die besitzenden Klassen beschränkt." Prost stör Lujo Brentano gebührt da! Verdienst, hier klipp und klar der sozialdemekratischen Hauptleuchte eine biitfie Fälschung nachgewiesen zu habe». Schon im Jahre 1872 ist bie! geschehen. Gladstone hat rach dem stenographischen Berichte sowie nach den am andern Tage nach seiner Rede erschienenen Berichten der „Times" und deS „Morning Star" nur darauf Bezug genommen, daß die Verhältriste der arbeitenden Bevölkerung, welche in England keine Ein- komnersteuer zahlt, demgemäß auch durch die Zahlen der Einkommenstatistik nicht beleuchtet werden. Dagegen hat er »ach dem mit den übrigen Berichten int wesentlichen übereinstimmenden „Times"-Ber>cht ausdrücklich hinzusügt: „Aber wir Haden ben tiefen, und ich muß sagen, unschätzbaren Trost, daß während die Reicken reicher, die Armen weniger arm geworden sind. Ich will mich nicht unterfangen zu sagen, daß die Lage der äußersten Armut sich ge-
dmüanS »übt, ober e! wird loch wohl nicht an» gehe», daß Eie hier die Pflege des Henn vou Sode» übernehmen."
Diese Worte sprach am folgeudeu Tage der alte Oberstabsarzt Rehring mit ernst zusawmeugezogeue» Sugeubraue», während i» deu kluge» gram» Auge» hirter de» blitzende» Brillengläsern loch eine heimliche Freude schelmisch lauerte, zu Prirzesfiu Uda, als beide iw Vorzimmer der Wohnung Arthurs sich gegetfibet faße». Arthur selbst log iw tiefe», ttaum- loseu Schlummer der Rekorvalekcenz, jede Gefahr mar seit letzter Nacht entschwurbe», tote bet Arzt kor stottert hatte. Privzeffi» Uda sah ben alte» Herrn lächelnd, an.
„W'khalb sollte ich nicht hier bleibe» können?" fragte sie bau».
Der Arzt kam eivigervoß,» in Verlegenheit dieser fremben Prinz-1sirr gegenüber, obgleich er mehrere deutsche Prinz«sfivuen, Grifirueu und sonstige hochgeborene Damen zu seine» Patievtinuen zählte »ud b-könnt dafür war, gerade Towe» gegenüber seine ärztliche Autorität treffend zur Geltung bringen zu köuue». Aber wa! mußte solch eine japanische Prirzesfiu von ben Sitte» nnb Gewohnheiten bei europäischen Tameuwett? Und beleidig« ud konnte er doch auL nicht werden, im Gegenteil mußte mau der kleinen Prinzessin roch dankbar sein sür die günstige Wevdvvß, welche ihr Erscheinen im B- finden des Starken herbeigeführt hatte. Wie sollte er eS nur anfangen, dieser kleinen, resoluten Dame klar zu mache», daß sie hier nicht bleibe» konnte? Er räusperte sich, rückte seine Brille zurecht, strich sich mit der Hand über den lange» grave» Vellbart nnb h»b endlich an:
„Meine Gnädigste, wo! werden Ihre hohen Ver- toantten — tot8 die Sesillschaft — ja, was Se. Mojchöt der Kaiser sagen, der sich jeden Tag über daS Befinden bei Leutnant von Coden Bericht er. ff ölten läßt ?"
Pr<nz«sfiu Uda lachte leise und schelmisch auf.
„Wiffen Sie, mein Herr, daß meine hohen Ver.
bessert habe, aber wir sind glücklich, zu wisse», daß die TurchschniitSlage des britischen Arbeiter» inner- ;alb der letzten 20 Jahre in einem Grade sich ver- beffert hat, der außerordentlich ist und den wir beinahe für beispiellos in der Geschichte jeglichen Lande- und jeglichen Zeitalter! erklären können."
Nachdem hierauf die Tochter del verstorbenen l igitatorl, Miß Elanor Marx, behauptet, die von ihrem Vater angezogene Stelle sei nachträglich au8 i,er Rede Gladstones „verschwunden", und da Engel- bei der Herausgabe der 4. Auflage deS Marxschen „Kapitals" an der Fälschung festgehalte», hat sich i Professor Brentano bewogen gesunden, seine gesamte auf diese Angelegenheit bezügliche Polemik mit Marx n einer besonderen Schrift*) zum Wiederabdruck zu bringen. Sorben erst hat, so bemerkt hierzu die „Leipziger Ztg.", Liebknecht auf dem Hallenser Parteitage dal staunenswerte Bekenntnis abgelegt, daß das revolutionäre Schlagwort des ehernen Lohngesetze- eine von den sozialdemokratischen Führern längst erkannte Unwahrheit sei und, nachdem es seinen Dienst al- Agitation-mittel gethan habe, ruhig zum alten Eisen geworfen werden könne. Dieser und der von Brentano ausgedeckte Vorgang wersen bezeichnende Schlaglichter auf bie „sozialdemokratische Ehrlichkeit". UebrigenS soll noch bemerkt werden, daß Prof. Brentano sich an Gladstone persönlich gewendet und von diesem die schriftliche Versicherung erhalten hat, Marx sei im Unrecht und er (Gladstone) habe an dem Berichte seiner Rede keinerlei Veränderungen vorgenommen."
*) Meine Polemik mit Karl Marx. Zugleich ein Beittag zur Frage des Fortschritts der Arbeiterklasse und einer Ursachen, von Lujo.Brentano. Berlin 1^90. Verlag von Walther und Apolant.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Dez. Am Sonntag verkündete der Kaiser bei der Familientafel im Neuen Palair bie Verlobung bet Prinzessin Louise Auguste zu Schleswig-Holstein, Tochter de- Prinzen unb der Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein, mit dem Prinzen Aribert vou Anhalt, Lieutenant im 1. Garde- Dragoner-Regiment. — Dem Kaiser wurden durch den General v. Hobe Pascha im Beisein des Obersten z. D. v. Elpors die hier neuangekommenen 16 türkischen Offiziere vorgestellt. Bis znm Juni k. I. leitet der Oberst z. D. v. Elpon- den Unterricht dieser Osfiziere, die dann den verschiedenen Waffengattungen zur Erlernung des praktischen Dienste»
wandte» sich bereit! auf der Fahrt »ach Wie» be staden?"
„Wie — höre ich recht —?-'
„Meine Verwandten find aber auch von meinem Schritt unterrichtet; ich selbst habe ihnen gestern abend, ehe ich hierher eilte, mitgeteilt, daß ich sie nicht begletten würde, baß ich vielmehr hier znrück- bletben wollte, wo bie Pflicht und" — so setzte sie et i ölend hinzu — „die Liebe mich festhält. Mau schalt, man drohte, aber man konnte wich nicht zwingen, denn als man wich in mein Zimmer ein schließen wollt«, entfloh ich — nnb jetzt bringt wich keine Gewalt ber Erbe zurück zu ihnen; fie selbst werben wich nicht mehr anfnehmen nach blesern Schritt, ben anbete Leute unbesonnen neunen werden, zu dem ich mich aber verpflichtet hiett. Den» weintttoegen liegt Herr von Soden so schwer verwundet darnieder."
„So ist es wahr, was man sich erzählt?!"
„Ich we-ß nickt, woS man sich erzählt, aber ich weiß, baß ber Major Ma: qnis Mc-Sa Arthur von Soden meuchlings rieberffteß, weil ich ihm, btm Major, meine Haub verweigerte, weil ich--"
„Herrn von Soden liebte?"
„Ja, weil ich ihn Hebe von ganzem Herzen!"
Der alte Arzt hatte sich erregt erhoben. Er hatte viele» erlebt in seiner langen Pnxis als Arzt, aber eine solche „Geschichte" war ihm noch nicht vorge- tonnten. Er wollte diese kleine mutige Dame gern schützen vor ben Folgen ihres „bnmmen Streiche»" unb boch konnte er ste nicht schelten, konnte er ihr nicht zürnen.
„Prinzessin", rief er, „gestatten Sie mir, daß ich Ihnen die Hand kkffe?"
Ertötend nnb mit lieblich verlegenem Lächeln reichte ihm vba bie schwüle, gelblich-blaffe Hand, die der alte Arzt ehrerbietig an die Lippen zog.
„Und nun', sprach Uda weitet, »laffen Sie nur nickt w«hr ton meinem vielleicht in ben Augen bet Welt ihörichte», von mir aber sehr wohl überlegten
überwiese» werden. Während ihres Kommandos, welches 3 Jahre dauert, erhalten sie vo» ihrer Regierung monatlich ohne Unterschied des Ranges außer reier Wohnung 375 Mk. Diejenigen türkischen Offiziere, welche jetzt »ach ihrer Heimat zurückkehren, meldeten sich gestern, wie im Hofdeiicht mit- geteilt ist, beim Kaiser ab. — Der „Reich!anzeiget" chreibt: In ber heutigen Konferenz über die Schulstage sprachen sich Geh. Obertegierungsrat )r. Schrader (Halle) und Reichttagsabgeordnetet )r. Ktopatscheck (Berlin) gegen die Schmälerung deS altsprachlichen Unterrichts in den Gymnasien aus. Schrader hält nur eine Entlastung bet Schüler in den Nebenfächern unb eine Verminderung bet Stundenzahl zum Zwecke einet Vermehrung des häuslichen Studium» für wünschenswert. Prof. Paulsen (Berlin) äußerte sich gleichfalls gegen die Verringerung des altsprachlichen Unterricht», hält indessen die innere Imsormung des Unterrichts für möglich und eine reiete Entwickelung der Anstalten unb ber Schüler fit wünschenswert. Major Fleck und Geheimer Oberregirru»g»rat Silbers sprechen als Kommissare des Kriegs- und Handel-miulsterS. Hofprediger Fromme! giebt den Klagen der Eltern über Ueber- bürdnng bet Schüler AuSbrnck. Geheime Rat Hintzpetet nimmt bie Gelegenheit wahr, dankbar anzuerkennen, baß das Caffeler Gymnasium an seinem kaiserlichen Zögling seine Schuldigkeit voll geihan unb alle Erwartungen in hohem Maße erfüllt habe. Im weiteren Verlaufe ber Schulfragenkonfetenz sprachen auch Göring, Hölzer, Hagen unb Fürstbischof Kopp. Die Diskussion übet die Frage 3 (Einschränkung bet Unterrichtsstunden in den alte» Sprachen in ben Gymnasien) wurde blendet. Die Abstimmung erfolgt erst nach Erledigung der Fragm und Über die Beibehalturg der bestehenden Arten von höheren Schulen, sowie der Nr. 4 (Beibehaltung der 1882 angeordneten Verstärkung des Lateins in dm Realgymnasien). Nächste Sitzung am Mittwoch 10 Uhr. — Wie der Reichsbote mitteilt, hält der Kaiser jetzt im Neuen Palais „pädagogische" Abende ab. Das Blatt bemerkt: „Schon als er noch Prinz Wilhelm wat, bildeten diele Gesprächsabende, zu welchen Teilnehmer aus allen Ständen und Richtungen gezogen wurden, eine stehende Gepflogenheit. — Die ,Kreuzzeitung" erklärt die Meldung der Blätter, der Präsident des Oberkirchenrats, Herme», habe sein EntlaffungS- gefuch eingereicht, für thatsächlich unrichtig. — Der Kongreß der freien HilfSkassen Deutschland! beschloß in seiner heutigen Sitzung, daß eine Abänderung deS Hilfskaffengesetzes unbedingt erforderlich
Schritt sprechen. WaS die Gesellschaft Berlins dazu sagt, ist mir völlig gleichgültig, Se. Majestät der Kaiser wird eS mir aber Dank wisse», daß ich ihm einen braven Offizier gerettet habe. Lassen Sie mich die Pflege Arthnr S übernehme», ich verspreche Ihnen, ih» t» kurzer Zeit gesund zu machen und schickt er mich dann fort — bann will ich gehen.'
„Ohl oh l' wehrte der Arzt ab, „das hat keine Gefahr! Da kenne ich den Herrn von Soden zn antl — Nun ben», Prinzessin, wenn eS doch einmal Ihr fester Wille ist, bie Pflege be» Verwnnbeten zu übernehmen, so werde ich wenigstens dafür Sorge trage», daß Sie keine B quemlichk-it hier entbehren.'
„Geben Sie sich keine Mühe meinetwegen. Ich habe meine Wohnung im Hotel Kaiserhof beibehalten nnb werbe dorthin zurückkchre», wenn ich hier nicht mehr nötig bin.'--
Ans bem Hausflur traf bet Arzt den Kranken- e älter nnb Arthurs Diener, die ihn mit verschmitzt lächelnde» Gesichtern erwartet hatte».
„Hört mich an', sprach er z» ben Selbe», „nnb befolgt genau meine Befehle. Die Dame ba drinnen bleibt vorläufig zur Pflege drS Herrn von Sode» hier. Sie, Heinrich, sorgen dafür, daß eS ihr an nicht» fehlt, nnb Ihr Beide haltet Eure» Mund und sprecht mit Niemanden Über die Dame, bi» Ihr ton mir weitere Verhaltungsmaßregeln bekommt. Verstanden?'
„Zu befehle», Herr Oberstabsarzt.'
„Niemand, als ich, hat Zutritt zu bet Wohnung drS H rr» Leutnant. Hört Ihr, Niemand!'
„Zu befehle», Herr Oberstabsarzt.'
„Nnu gut, ich verlaffe mich a»f Euch.'
„Zn befehle», Herr Oberstabsarzt.'
„Unb wenn bet Mikabo von Japan selbst kommt, er soll seinen Mann an mit staben', setzte Heinrich mit breitem Grinsen hinzu.
Der Arzt brohte ihm lachend mit bem Finger, bann entfernte et sich, nm sofort zn bem japanischen Gesandten z» fahren. Nach kurzer Untetrednng be-