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Wöchentliche Beilagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expeditisn: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint tigH» «ch« an Btrfteea nach 6mm- und Feiertage». — Quartal-Abonnement»«Preis bei der Lrpe- ditiou 2*4 ««., M den Postämtern > «k. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Ju^rrttonigebühr für die gespaltene geil» 10 Psg^ Reklamen für di» Zeil» 26 Pfg.
Marburg,
Dienstag, 2. Dezember 1890.
Rnietgen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes ßlvie die Lnnoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler
Frankfurta.M., Laffel, Magdeburg «.Wien: Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: S. 8. Daube u. to. in Frankfurt e. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXV. Jahrgang.
e.
Bestellungen für den Monat Dezember auf die
Zsitrmg nebst Areisökatt für die [7450 -reife Marburg und Kirchhain und
Iffujteertes §onntags6fatt »erben von sämtlichen Postämtern und von ■tferer Expedition entgegen genommen.
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In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder , Kindt Bestellungen entgegen.
ts-Buch er Kaß
3»r Reform des höheren Unterrichts.
Am 4. Dezember d. I. wird die aus e:wa
tfeite.
44 Mitgliedern gebildete Kommission, welche über die obige Reform zu beraten berufen ist, in Berlin
gjgjgmter dem Vorsitze des Kultusminister- v. Goßler Msawmentrete». Zu dieser Kommission gehören eine »gu Anzahl Geheimräte, eine größere Reihe von Schul- md Gymnasialdirektoren, mehrere Universitäts- ftofessoren und alS besondere Vertrauensmänner »sereS Kaisers auch Graf DouglaS und Geheimerat *r. Hinzpeter. Als Vertreter der katholischen Kirche P der Fürstbischof Dr. Kopp von Breslau neben
6.
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em ZentrumSabgeordneten v. Heerewan und als kertreter der protestantischen Kirche der Abt G. hlhorn vom Kloster Loccum zugezogen.
Der Streit, um welchen es sich hier dreht, ist hon seit Jahren äußerst heftig entbrannt und hat icht nur zahlreiche Flugschriften zutage gefördert, mdern auch mehrere Vereine inS Leben gerufen, m Herbste 1888 bildete sich nämlich ein Verein ir Schulreform, welcher unserem Kultusminister «d>e Petition überreichte, worin derselbe gebeten »mde, aus berufenen Kreisen Deutschlands Vor- hläge und Gutachten zur Frage einer Reform der rutschen Schulen einzuholen. Der Zweck dieses KereinS ging dahin, das Verständnis für die Notwendigkeit einer einheitlichen Mittelschule zu fördern wld alles zu thun, was zur Verwirklichung dieser Nee führen könnte. Im April 1889 bildete sich »dann in Berlin unter dem Vorsitze deS Professor» k. Preyer-Berlin, deS GymnafialdirektorS Cchmelzer-
(Nachdruck verboten.)
und
7453
Im Karm der Lüge.
Erzählung von D. Russell.
(Fortsetzung statt Schluß.)
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ien.
(„Hab solche lächerttcheu Bedenken willst Du zwischen M und Heydorf kommen lassen?' fuhr Tante auf. virklich, Werner, ich muß mich über Dich wnuderu l A Deinem Alter — und Du bist wahrlich kein junger wehr — solltest Du mehr Einsehen haben! est Du Dir tu der That ein, die kleine Schwärmerei Alwin haste noch in ihrem Gemüt? Abgeschmackt! denn alle Wett iu ihn verliebt? Diese eitle, ein- e Rose gewiß, aber Margarete ist sicherlich zn Lustig, um noch länger aa einen Mann zu denken, bereits gebunden ist. Nein, sie wünscht zu heiraten, M zwar Dich!'"
»Halt ein, Rose, ich totC nichts mehr hören!" und sprang auf und hielt wir die Ohre» zu.
-. Rose lachte. , Rege Dich nicht auf, Margarete — ss Schlimmste habe ich Dir gesagt. Aber ich hoffe, ?.freust Dich über unsere Tante. Und, Fräulein «Ue, Du bist ja recht hinterlistig gewesen — host mir w etwas von Wervers Bewerbung erzähtt. Hat er
** wirklich einen Antrag gemacht?"
>i3a", antwortete ich, „es ist wahr; doch sprich nicht Mber. Taute Sophie ist mein Gast, — ich bin der, Met, höflich gegen sie zn fein; aber Dn hast es Mr sehr schwer gemacht."
..Du wünschtest ja doch zn hören, was sie gesagt ries Rose ausgelassen. „Ist da» Sprichwort ® »em .Horcher an der Wand' nicht wahr geworden? 'klingt ganz hell hier drinnen." Und ste rieb sich **8b ihre hübschen Ohren.
Fünfzigste» Kapitel.
Geborgen.
hatte mir in der Thal meine Aufgabe al» ^^^iu sehr erschwert. Denn wenn ich »ich auch be-
Hawm 2c. unter dem Namen „neue deutsche Schule" ein zweiter Reformverein, welcher in ähnlichem Sinne für eine einheitliche Vorbildung für die höheren Schulen das Wort ergriff und die Erhebung der deutschen Sprache zum Mittelpunkte de» Unterrichts forderte
Dieser Bereinsbildung folgte aber alsbald die sog. Heidelberger Erklärung, welche im Gegensätze dazu für eine Reform der Gymnasien aus der bewährten, durch die beiden alten Sprachen gesicherte» humanistischen Grundlage eintrat und ihr schloß sich neuerdings die Hallenser Erklärung an.
Bekanntlich hat sich unser Kultusminister im Abgeordnetenhause keineswegs für die vielfach erstrebte Gleichberechtigung der Realgymnasien ausgesprochen, da er hiervon eine schädliche Vermehrung des schon übermäßigen Zudrange» zu den Univerfi täten befürchtet, wogegen wiederum im Frühjahre d. I. zu Berlin eine Versammlung von Delegierten deS allgemeinen Realschulmänner - Vereins protestierte, indem sie Gleichberechtigung forderte und eine Er Weiterung der Berechtigungen der zur Zeit bestehenden neunklasfigen Real-Lehranstalten sür eine notwendige Bedingung jeder ferneren gedeihlichen Entwickelung des Schulwesens erklärte.
Von den vielen Streitschriften wollen wir nur diejenige des Dr. P. Caner (Oberlehrer am Kieler Gymnasium) unter dem Titel: „Suum cuique“ her- dorheben, die u. a. im Hinblicke auf die großartige Entwickelung, welche unser Staatswesen in den letzten Jahrzehnten genommen hat, die Schaffung eines eigenen Unterrichtsministerium», dessen Leiter von keinen anderweitigen Aufgaben in Anspruch genommen werde, sür geboten erachtet.
Die Hauptfrage, welche von der Kommission zu lösen sein wird, ist die, ob der alte humanistische KlassirrswuS noch die vorwiegende Grundlage der höheren Schulbildung bleiben kann oder nicht, oder mit anderen Worten, ob sich mit ihm die Befriedigung der neuen Anforderungen irgendwie vereinigen läßt. Wir glauben diese Frage bejahen zu sollen, indem wir dabei davon oukgehen, daß sich allerdings der Unterricht in den alten Sprachen etwas weniger in grammatischen Formen bewegen und dafür größeres Gewicht auf den Inhalt legen muß und daß daneben das UnterrichtSgebiet noch erheblich zu erweitern sein wird. Wenn man nicht selten glaubt, daß sich diese Frage ganz einfach mechanisch in der Weise lösen lasse, daß man die Realgymnasien für gleichberechtigt mit den gelehrten Gymnasien erkläre und einem jeden Studierenden die Wahl zwischen beiden Anstalten überlasse, so über-
mühte, keine Veränderung iu meinem Wesen zu zeigen, so konute ich doch nicht verhüten, daß sich eine gewisse Zurückhaltung fühlbar machte, besonder» wenn ich mit Werner sprach.
Augenscheinlich merke er die» und hörte ans, in der freund schuf tlichen, brüderlichen Weise, welche er seit Eduards Tode gegen mich angenommen hatte, mit mir zu verkehren.
Es bettübte mich, und loch durste ich keine» Versuch machen, die Schranke, welche sich zwischen uns aufgerichtet hatte, zu durchbrechen, weil ich wußte, daß e» mir von Taute falsch ausgelegt werden würde.
Jnzwsscheu hatte Alwins Genesung langsame Fort, schritte gemacht; doch als er zum ersten Male wieder unten erschien, sah er ganz verändert an». Der Doktor fürchtete, daß er sich nie vollständig von dem Stoße den sein Kopf erlitten hatte, erholen würde, und wünschte, er möchte sobald wie möglich nach Sellen- Heim gehen, nm kort die Seeluft zu genießen. ES war daher beschlossen worden, daß er in einigen Tagen seine Mutter dorthin begleiten solle, und auch Werner kündigte seine Abreise für denselben ZeitpnnK an.
Ich sah, wie Tante mich durch ihre goldgefaßten Brillengläser scharf beobachtete, während er sprach und ich nahm daher die Nachricht sehr kalt und gleichgültig auf.
.Du wttst ihn sehr vermissen, nicht wahr, Mar- garete ?• fragte sie daun.
Aber ich gab keine Antwort, und später am Tage, als Werner nicht anwesend war, kam sie ans den Gegenstand, der ihr so sehr am Herzen lag, noch einmal zurück.
.Ich wünschte, Werner quittierte den Dienst und widmete sich einer anderen THStigkeif, leitete sie dos Gespräch ein. .Findest Du nicht auch, Margarete, daß e» besser für ihn wäre?'
»Ich kann da» wttllich nicht beurteilen, Tante Sophie. Werner ist ja alt genug Ml zu wisse«, va» er zu thun hat.'
.Da» ist wohl wahr; aber ich habe die Erfahrung
sieht man, daß hierbei der Vorteil einer einheitlichen höheren Schulbildung verloren ginge und daß den Universitäten aus der Ungleichheit der Vorbildung der Studierenden jedensall» neue Schwierigkeiten erwachsen würden. ES läßt sich eben nicht auf jeden Stamm die höchste Schulbildung pfropfen und es erscheint uns daher sehr angebracht, daß auch fünf UniverfitätS - Professoren zu Mitgliedern jener Berliner Kommission ernannt worden find. Jedenfalls wird man in den gelehrten Gymnasien auch den Naturwissenschaften mehr Rechnung tragen und vielleicht neben der französischen auch die englische Sprache als obligatorischen UnterrichtSgegenstand aufnehmen müssen und zwar müßte zu diesem Zwecke der entsprechende Abstrich anderer Lehrstunden erfolgen, damit die Schüler nicht überbürdet würden. Wir würden damit zu der Skala von Volks- oder Elementarschulen, lateinlosen höheren Bürgerschulen und Gymnasien gelangen und e» wäre der Zersplitterung der Neuschulbildung ein Ziel gesetzt.
ES ist abzuwarten, ob jene Kommission, in welcher alle möglichen Richtungen und Gegensätze auseinander- platzen, sich in ihrer Mehrzahl in diesem Sinne schlüssig macht; denn an eine Einigung der divergierenden Elemente wird keinesfalls zu denken sein.
AEschss Reich.
Berlin, 30. November. Wie die „Post' hört, werden der Kaiser und die Kaiserin Mitte Dezember von Potsdam noch Berlin übersiedeln. Zum dauernden Winteraufenthalt hat sich das Neue PalaiS doch nicht recht als geeignet erwiesen. WaS die Karnevalsfestlichkeiten dieses Winters anlangt, so ist die neulich verbreitete Meldung, eS würden größere Festlichkeiten ausfallen, eine Uebertreibung. ES werden verschiedene Feierlichkeiten veranstaltet werden. Uebrigen» wird in diesem Winter der Weiße Saal zum letzten Male al» Festraum dienen, er soll dann einem vollständigen Umbau unterzogen werden, was mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. — Kaiser Wilhelm ist von den Jagden, in Schlesien nach Beendigung derselben wieder in Potsdam eingetroffen. Heute Montag kommt der Kaiser nach Berlin, um den Veranstaltungen au» Anlaß der 250. Wiederkehr deS Jahrestages des Regierungsantrittes des Großen Sinfürften beizuwohnen. — Die Steurerreform-Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses, welche die schwere Aufgabe hat, die großen Gesetzentwürfe zu verbessern zählt folgende Mitglieder. Die konservativen Abgg. Graf Limburg-Stimm, von Jagow, von Hammerstein
gemacht, daß alle Männer in gewissen Punkten dem Rate und dem Einflüsse der Frauen zugänglich find. So zum Beispiel meine ich, Werner sollte heiraten —'
.Nun, steht der Ausführung diese» Plane» irgend etwa» entgegen?' fragte ich mit möglichster Unbe. fangenbeit. .Weshalb suchst Du ihm nicht eine Fran unter den jungen Damen Deiner Nachbarschaft au», wie Du e» für Alwin gethan hast?'
Die letzten Worte waren nicht sehr fteuudlich, aber Taute schien entschlossen, stch nicht zurückweiseu zu lasse».
.O, e» giebt dort eine junge Dame, die ich Werner längst vorgeschlagen habe. Doch er hört nicht auf mich — vermutlich, weil er eine Andere im Sinne hat, ein junge» Mädchen, dem er schon einen Antrag gemacht, zu einer Zett, al» derselbe vom weltlichen Standpunkte au» noch sehr unklug war. Jetzt, wo ste ein Vermögen geerbt hat, will er an» übertriebenem Stolz und Ehrgefühl feine Werbung nicht wieder. : ivlen. Verstehst Du meine Andeutungen, Margarete ?*
.Ich denke, Werner hat ganz recht und thite wohl daran, eine von Deinen jungen Nachbarinnen zu wählen', antwortete ich.
Wa» konnte Taute noch Wetter sagen? Eie machte nur ,Hml', verfiel daun in Schweigen und wurde ehr kühl und förmlich gegen mich.
Zwei Tage später reisten ste ab. Rose nahm den noch freien Platz im Wagen ein, nm ihnen da» Geleit bi» zur Bahn ,n geben, während ich mich entschlossen hatte, zu Haufe zu bleibe». Ich war schwach n«d »»glücklich — zornig auf Tante Sophie, auf Werner und mich selbst. Und kaum waren ste fort, so eilte ich zurück in das Frühstückszimmer, in dem wir so. eben »och Alle versammett gewesen, und überließ mich bitterlich weinend meinem Schmerze.
Gab e» denn in dieser Wett kein Glück mehr für mich? Alwin hatte dereinst mein Her, fast gebrochen, und nun, wo er mir gleichgültig war —
Ich fuhr auf und starrte nach der Thür, in deren Rahmen soeben zn meiner unaussprechlichen Beschämung
Seysarth Rothenburg, Maaßin, Höppener, von Bis» marck, von Buch; die srerkonservativen Abgg. von Zedlitz, Schladitz, Christopharsen, Weyerbusch; die nattonallideralen Abgg. von Benda, Ennecceru», Tannen, Sattler, Peter», Simon und Schmieding; die freifinvigen Abgg. Rickert und Seelig; vom Centrum die Abgg. von Hüne, Bachum, Claessen, Fritzen, Ostrog, Sperlich, Strachwitz. — Die Erörterungen über den dem früheren preußischen Land» wirtschastsminister von Luciu» erlassenen Fidei« Kommißstewpel dauern noch immer fort. Die ftagliche Summe soll nicht 40 000 Mk, sondern 40 000 Thaler betragen haben. Die Angelegenheit soll im preußischen Abgeordnetenhause in Form einer Interpellation in Sprache gebracht werden. — Der Bundesrat hat in seiner Sonnabend - Sitzung den Gesetzentwurf betreffend die Besteuerung de» Zucker» angenommen. — .Im Reichstage ist der Gesetzentwurf über die Abänderung der Zuckerbesteuerung verteill worden. Er entspricht den darüber schon vorher bekannt gewordenen Angaben. Danach unterliegt nach dem Jnkrafttteten de» Gesetzes der inländische Rübenzucker nur noch einer BerbrauchSabgabe, und zwcr von 22 M. für 100 Kilogramm Nettogewicht. In der Begründung wird die bekannte Thatsache beleuchtet, daß vermöge der Fortschritte der Technik die Rückvergütung der jetzt bestehenden Material* steuer bei der Ausfuhr sich immer von neuem zu einer Ausfuhrprämie gestaltet. Der künftige Reinertrag der Zuckersteurr wird auf 80.528,416 M. geschätzt. Der Ertrag der beiden letzten Jahre wird dagegen für 1888/89 auf 47,298,681 M. und für 1889/90 auf 60,369,848 M. berechnet. — Der deutsche Botschafter in Petersbmg, General v. Schweinitz, beging am Freitag sein sünszig- jähriges Dienstjublläum. Aus diesem Anlaß haben in Petersburg größere Festlichkeiten stattgefunden, bei denen der Jubilar in ehrendster Weise ausgezeichnet wurde. — Ter frühere stellvertretende Reichskommissar in Ostafrika, Freiherr von Graven- reuth, ist vom Prinzregenten von Bayern zum Kämmerer (Kammerherrn) ernannt worden. — Im Reichstage ist der Gesetzentwurf über die Abänderung de» Gesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1883, zur Verteilung gelangt. — Die „Bereinigung der Steuer* und Wirtschafts-Reformer'hat in ihrer letzten zu Berlin stattgehabten, sehr zahlreich besuchten AuSschußfitzung ein Promemoria im Hinblick auf den geplanten Abschluß eines Handelsverträge»
Werner erfetien, während ich ihn doch bereits wett entfernt glaubte.
»Ich habe meine Handschuhe vergessen, Margarete', begann er. „Ich glaube, ich ließ ste —' Und bann sah er, daß ich gemeint hatte, denn er trat schnell an meine Seite und ergriff meine Hand.
,Wa» ist Dir?' fragte er besorg, und ich fühlte, daß sein Auge ängstlich forschend auf meinen Zügen ruhte. .Was ist geschehen, Margarete? Wa» bekümmert Dich so?'
.Nicht», nicht»!' stammelle ich. .Geh fort, Werner, und — laß mich allein.'
»Nicht, wenn Du traurig bist', sagte er ruhig. .Betrifft e» Alwin, Margarete?'
.Nein!' rief ich und stieß heftig seine Hand «rück. .Weshalb sprichst D» immer von Alwin? Ich könnte Dich hassen dafür, daß Du glaubst, ich grämte mich immer noch um ihn! Alwin ist mir nicht» mehr!'
.Ist dem so, Margarete?' sagte Werner mtt bebender Stimme. »Ist Alwin Dir wttllich nicht» mehr?'
Und er faßte meine beiden Hände und zog mich angfam zu sich heran. .Sie warten auf mich', sprach er leise, .und ich muß gehe», — aber darf ich wieder kommen?'
.Ja', flüsterte ich kaum hörbar. Und Werner beugte stch nieder, küßtt mich sanft auf den Mund und verließ mich.
* ♦ *
Rose kehrte sehr niedergeschlagen nach Hanse zurück. Sie vermißte unsere Gäste, besonder» Alwin, >en sie täglich auf seinen Spaziergängen begleitet laite. Sie mußten einen gefühlvollen Abschied genommen haben, denn ich fand Rose in Thränen.
.Nicht daß ich ihn noch immer liebe — durchaus nicht', jagte ste, ausstehend und ihre schöne« Locken vor dem Spiegel ordnend.
(Schluß folgt)