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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Spedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Fräulein sagte sie,
Die kletue Frau schien ganz erschöpft, lebhaft auf «ich zu, sobald fie mich sah.
»Ich tonnte nicht zn Hause »bleiben, Margarete, trotz b<8 drohenden Regen»', ,o!8 ich die schreckliche Nachricht hörte.'
»Welche Nachricht?'
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Huf- äfts
selbst erschien dies entweder aeringsügig oder trat ihm vor seiner Sorge nm Rose völlig in den Hintergrund.
»Würdest Du für einige Zeit nach Gellenheim gehen, Rose?• fragte er sanft. »Meine Mntter wird Dich gewiß freundlich anfnehmen.'
»Nein, nein', meinte Rose, »nicht jetzt. Meine Tante nnb Alle, die mich kennen, werden stch von mir abwenden.'
Eine der Dienerinnen trat ein, nm Fran Doktor
ein begründeter Mahnruf, dem Tausende gefolgt find, aber noch Tausenbe werden folgen müssen. Wenn wir die Gesamtzahl der diutschen Bürger welche das Wahlrecht besitzen, mit derjenigen vergleichen, welche das Wahlrecht ausüben, dann sehen wir, waS noch geschehen muß, wie viel noch fehlt, bis den Kaiserworten im vollsten Umfange Rechnung getragen sein wird. ES ist eine Notsache, daß jeder Bürger seine eigene Zeit versteht, dann werden die Zeitverhältnisse schon andere werden, manche» wird dann verschwinden, waS nicht gut ist.
»O, eS ist also alle» vorüber', senfzte Fran Doktor Sappmann, stch mit ihrem Tascheninch die Angen trocknend. »Die arme Frau von Wittelsberg!'
Ich snhr zusammen. »Meine Schwester?'
»ES ist zn schlimm! Lrme8 junges Ding! — da» kommt davon, wenn mau einen allen Mann heiratet, wie ich schon dem Doktor sagte.'
»Aber waS haben Sie denn gehört, Fran Doktor?' ftagte ich nnn zitternd.
»Sch, meine Liebe, e8 ist kein Geheimnis mehr! .Fräulein Margareten» Sorgen hören niemals ans', sagte ich znm Doktor, ,nnb ba8 ist baS Schlimmste baran'l Wenn ich denke, wie wir Alle Fräulein Rose» Glück gepriesen haben, als fie damals eine solche gute Partie machte, nnb nnn mnß es rin so schreckliche» Erbe nehmen!'
»Wenn ich nm erst wüßte —" stammelte ich.
„Nnn, e« unterliegt toch keinem Zweifel, daß Herr von SarSthal Ihre Fran Schwester entführt hat?" sagte Fran Dollar Sappmann forschend.
„BiS in das Han» ihrer Schwester", antwortete ich scharf. „In diesem Sngenbltcke fitzt Fran von
Air neue Reichstags ltsliim.
In wenigen Tagen nimmt nun auch der deutsche Reichstag seine Arbeiten wieder auf und tritt in die übliche Wintersesfion ein. Genau genommen kann man allerdings vpn einer neuen Session nicht reden denn die vorige Sesfirn ist nicht geschlrsstn, die Eitzungen sind nur vom Sommer bis in den Dezember vertagt worden, und zwar auS dem Grunde, um tie Beschlüsse der Arbeiterschutzkommission des Reichs- dgeS nicht hinsällig werden zu lassen. Eine Eröffnung des Reichstages mittels feierlicher Thronrede «folgt also nicht, vielmehr werden die Verhandlungen « üblicher Weise, ohne alle Ceremonien eröffnet. Schon in der Thronrede zur Eröffnung des preußischen Landtages ist bekanntlich betont worden, der Reichstag werde in diesem Winter weniger als sonst in Anspruch genommen werden, um für die Erledigung der Reformgesetzgebung im preußischen Parlament freie Bahn zu lassen; man kann also wohl darauf rechnen, daß der Reichstag mit neuen, bisher unbe tarnten größeren Gesetzesvorlagen nicht befaßt werden vstd. Aber das Arbeitspensum, welches ihm heute bereits vorliegt, ist auch nicht klein. Die Ärbeiter- schutzkommission hat zur ersten Beratung etwa sechs Wochen gebraucht; im Plenum des HauseS werden ßch die Dinge kaum schneller abwickeln, denn von sozialdemokratischer Seite find zahlreiche Abänderungs- antxäge mit Sicherheit zu erwarten. Außer dem Rrichshaushalt sind schon eingebracht die Abänderungen des Krankenkassen- und Patentgesetzes, der Gesetzentwurf betr. die Einverleibung von Helgoland in das
Fünfnndvierzigstks Kapitel.
Was die Bente sagen.
Der Tag verging nnS Allen in sehr gedrückter Sttmmnng. Innen wie anßin sah e» trübselig an», denn der am Morgen so heitere Himmel hatte stch mU dunkeln Wolken bezogen.
Rose war nervös und aufgeregt, nnb ich versuchte, fie zn Überreben, baß fie stch zur Ruhe begebe. Aber nein — fie setzte stch an baS Klavier nnb begann zn fingen, nm bann plötzlich in einen Strom von Thränen anSzubrechen.
Ich fühlte fast Mitleib mit Alwin. Er war angenscheirüich sehr tief betrübt nnb tabelte stch so sehr wegen seiner Unvorsichtigkeit, baß er beinahe selbst der Trostes bebnrfte. Seltsamerweise kam weber Rose noch mir bet Gedanke, daß Alwin noch tm Laufe des Tage», spätestens am folgenden Morgen dir Fordernng be» Baron» erhallen müßte, nnb ihm
lichen Gesellschaft unter Teilnahme beS Souverän» eine anziehendere und fesselndere Unterhaltung gepflogen werden können, als eS hier der Fall war. Heber die Frische und die liebenswürdige Ungezwungenheit, mit welcher der Kaiser al» Mittelpunkt die Unterhaltung beherrschte, war unter den Anwesenden nur eine Stimme. DaS Gespräch erstreckte sich auf die mannigfaltigsten Gegenstände. Bon allgemeinem Interesse war die scharfe Aeußerung deS Kaisers, daß alle dogmatischen Zänkereien ihm abhold wären. ES kam auch die sozialpolitische Gesetzgebung und die Steuerreform in Preußen zur Sprache, sowie die Entwickelung deS Verkehrswesens. Um 8 Uhr verließ der Kaiser da» Reichskanzler« palais und begab sich nach dem deutschen Theater. — Kaiser Wilhelm hatte am Dienstag Vormittag eine längere Besprechung mit dem Geh. Rat Krupp au» Essen und trat dann seine Reise zur Jagd nach Schlesien au. Am Mittwoch und Donnerstag jagt der Kaiser im Revier des Grafen von Tschirschky Renard in Grvß-Etrelitz, am Freitag und Sonnabend al» Gast de» Fürsten von Pleß im Revier von Pleß. Bon dort erfolgt die Rückreise nach Potsdam. — Der Berliner Hof hat für den König von Holland auf drei Wochen Trauer angelegt. — „Generaladjutant von Wittich ist heute mit einem eigenhändigen Schreiben be» Kaisers an den nunmehrigen Gr o ßherzog Adolf von Luxemburg nach Frankfurt a. M. abgereift". Wie die „Allgem. Zeitung' hört, wird seitens des Prinz- regeuien von Bayern der Generaladjutant Generallieutenant von Sazenhofen ebenfalls nach Frankfurt am Main entsendet. — Im A bgeordneten- hause hat vr. Graf-Elberfeld eine Anfrage betreffs des Kochschen Heilverfahrens, von Mitgliedern aller Fraktionen unterstützt, eingebracht; fie lautet: Die Unterzeichneten erlauben sich an die Königliche Staaisregierung die Anfrage zu richten, welche Schritte dieselbe zur Förderung und weiteren Nutzbarmachung des Kochschen Heilverfahrens in Aussicht genommen hat. — Gestern Abend hielt der Ober-Stabsarzt vr. Koehler in der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheitspflege einen Vortrag über oaS Kochs ch e Heilmittel. Er faßte dabei seine bisherigen Beobachtungen über da» Heilmittel in folgenden Sätzen zusammen: „1) Steht fest, daß wir durch daS Mittel im Stande find, die ersten Anfänge chirurgischer Tuberkulose mit Sicherheit zu erkennen, zu einer Zeit, wo unsere bisherigen Hülfs- mittel uns noch im Stich ließen, wo die Möglichkeit einer Heilung noch näher liegt. 2) Das Kochsche
diuische Reich, die Kolonial-Denkschrift und verschiedene kleinere Vorlagen. Dazu kommen noch zahlreiche Anträge aus dem Hause, in deren Vordergrund wieder die Fleisch- und Brodsrage steht und zu welchem auch der bekannte bayerische Antrag im Bundesrat auf Aufhebung de» Bieheinfuhrverboles aus Oesterreich-Ungarn eine gute Handhabe giebt. Im Hintergründe steht dann noch der neue Handelsvertrag mit Oesterreich Ungarn, der ganz bestimmt zu sehr ausführlichen Debatten über die gesamte Wirtschaftspolitik des Reiches Anlaß geben wird.
Fehlt e8 dem Reichstage nicht an Arbeit, fo wird man doch eine ruhige Session erwarten dürsen. Bekanntlich verlief auch die Frühjahrssession, die erste nach den Neuwahlen, sehr sachlich, fast still, und die gegenwärtigen Verhandlungen im preußischen Abgeordnetenhause beweisen abermals, daß es bester ist, ruhig und sachlich zu sprechen, statt stch zu ereifern und die Leidenschaften Herauszusordem. Die Schroffheit in den Parteigegensätzen hat im deutschen Reiche schon ganz erheblich nachgelaffen, ohne daß daran Jemand seine Prinzipien aufgegeben hat. Und die Aufhebung des Sozialistengesetzes hat doch viele Wähler der OldnungSparteien, mögen sie auch über Einzelheiten verschiedener Meinung sein, einander näher gebracht. Damit wird es in Zukunft voraussichtlich immer bester werden, und sich in Folge besten auch die Teilnahme am politischen Leben immer mehr steigern. Namentlich im kleineren Bürgerstande muß noch weit mehr Jntereste für daS politische Leben einziehen, mit Ruhe und Bedacht sollen in allen Kreisen die inneren Vorgänge im deutschen Reiche verfolgt werden. Die Zeit dafür ist die rechte. Manches Alte stürzt in sich zusammen, neue Reformen tauchen auf vielen Gebieten de» öffentlich en Leben- auf. In der bevorstehenden Reichstagssesfion ist es besonder» das Arbeiterschutzgesetz, welches für olle Kreise des gewerblichen Lebens von höchster Wichtigkeit ist. E» ist nicht allein für den Greßbetrieb bestimmt, auch für bas Handwerk find zahlreiche Bestimmungen darin enthalten, die mit früheren Zuständen brechen, neue Festsetzungen an deren Stelle setzen. Deutschland bedarf für seinen inneren Ausbau, für das Gelingen desselben in einer Form, welche dem ganzen Volke zum Heil und Segen gereicht, auch der unermüdlichen Teil rahme der Nation. Kaiser Wilhelm hatte nicht Unrecht, wenn er vor zwei Monaten in Breslau sagte: „Mag bas beutsche Bürgertum aus seinem Schlafe erwachen, unb seine Teilnahme für bas öffentliche Leben durch Thaten beweisen." Das war
,n verstehen gegeben, nm deffentwillen geheiratet hast, <ra8 ich Dir gewähren konnte", fuhr er wieder zu Rose gewendet fort, „so hättest Du Dich wenigsten» etwas schicklicher gegen einen Mann, dem Du so viel schuldest, betragen sollen! Doch ich bin fertig mit Dir, Du sollst nicht wieder Über die .Gesellschaft de» Tyrannen, den zu heiraten Du das Unglück gehabt hast', zu klagen haben, — von heute ab und in alle Zukunft werden wir etuauder Fremde sein!"
„Sei es so", sagte Rose, „und ich wiederhole, ich bin froh darüber. Hier find einige Ringe Deiner verstorbenen Frau." Und fie prg die Reisen von ihren Fingern und legte fie vor ihn auf den Tisch.
Er beugte fich nieder und hob fie onf, und für einen Augenblick zitterte eine sanftere Regung über des Manurs düftenS, zorniges Geficht.
„Sie war mir wenigstens ein treues Weib", sagte er und wandte sein Haupt ab. Vielleicht erinnerte er fich, wie schlecht er ihre Liebe und Geduld gelohnt nnb wie ost er selbst ihr bie Qualen bet Eifersucht nnb Scham, welche er jetzt et tragen wußte, bereitet hatte.
„Unb hier", fuhr Rose fort, ihren Trauring ab«, zieheub, „ist daS Zeichen meiner Sklaverei!" Und fie schleuderte ihn ebenfalls aus den Tisch, doch nahm ihn ihr Mann nicht ans nnb er blieb unbeachtet dort liegen, wo fie ihn hiugeworfeu hatte.
Währeub dieser ganzen Zett hatte Alwin blaß unb unruhig bagestaubeu, unb alb er nnn zu sprechen versuchte, schuttt ihm der Baron da» Wort ab.
„Eie werden wenn möglich heute noch, spätestens morgen stütz da» Wettere von mir hören, meta Herr', sagte er, und bann, mit einem Blicke roch — nut einem — auf Stofe» Gesicht, drehte er fich um und verließ da» Zimmer.
Wir sahen einander stumm an, al» er gegangen war.
Rose fand prerst ihre Fassung wieder. »Welch ein Ungeteilter!' sagte fie und bemühte fich, in leichtem Tone zu sprechen. »Ein Wirbelwind — und denken zu müssen', fügte pe bitter mtt veränderter Stimme
Kappmann zu melden, und ich war gezwungen, Rose und Alwin allein zu lassen.
OH ter.
Vestellrrngen für den Monat Dezember auf die D-eeßess. Zeitung nebst jüreisbfatt für die -reise Marburg und Kirchhain und
Sffuftriertes Sonntagsbfatt werden von sämtlichen Postämtern und von mrserer Expedition entgegen genommen.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Kindt Bestellungen entgegen.
(Nachdruck verboten.)
I«r Kau« der Lüge.
Erzählung von D. Russell.
(Fortsetzung.)
„Deine Unschuld!" höhnte der Baron.
»Ja, insofern <8 fich um ein Urrrtcht gegen Dich Adelt. Wa8 in diesem Briefe steht, ist nur zu W", fuhr fie fort, und fie nahm ihn in ihre Hand K> l«8 die Worte, weiche er enthielt: .Ich bin froh, wr eine kleine Weile der Gesellschaft beB Tyrannen, ■Wn ich zu heiraten baB Unglück gehabt habe, ent» Hajen zu können.' — Aber wa8 könntest Du sonst roch übet mich sagen?"
„Du wenigster8 hast genug gesagt!" rief bet ®®on, zitternd vor Leidenschaft.
»Ich habe gefltzt, was ich denke und wozu Du M durch Deine empörende Gleichgültigkeit getrieben
E» war eine Schmach für mich, daß jene Person «Hanse bleiben durste, und heute hast Du mir Dinge »ftagi, die kein schuldlose» Weib vergeben kann."
»Da» Gericht wird entscheiden, ob Du schuldig ober schuldig bist; aber wie der Ausspruch auch lauten ~ meine Schwelle sollst Du niemals wieder
»t*6iuundankbares, impertinente»nnbhinterlistige» ZWtf ist fie und ich wünsche ihr Gesicht nie mehr * frhen l Wenn Du mich, wie Du mir soeben höflich
. »Ich bin erfreut, frei zu sein", rief Rose au», ««an ich bin längst all des Guten müde, nm dessen!- «uen ich Dich geheiratet habe! Nimm zurück, was *» mir gegeben hast —"
» »O, Stofe", bat ich flehend, „fei nicht zu schnell! hat Dinge in feinem Zorn — feinem gerechten .nisckeS; L** — gesprochen, die er nicht wirklich meint' Und wr iinb Herr Baron, bedenken Sie Rose! Jugend. Der »Lv«, ist in ihrer gewöhnlichen sorglosen Weise ge.
Mrbeu, ohne daß sie er so böse gemeint. Richten vicht zu streng — sie ist ein unbesonnene» Kind, , 4 = ’WB Wetter."
Deutsches Reich.
Berlin, 25. Nov. Ueber das am Montag Abend beim Reichskanzler v. Caprivi stattgehabte parlamentarische Diner wird folgendes bekannt: „Der Kaiser traf pünktlich um 5 Uhr im Reichskanzlerpalais ein (irrtümlich hatten wir gestern dessen Nichterscheinen gemeldet), und begrüßte einige im Vordergründe stehende Herren, darunter auch Herrn Windthorst. Bei der Tafel hatte der Monarch zu seiner Rechten den Herzog von Ratibor, zur Linken den Minister v. Bötticher; ihm gegenüber saß der Reichskanzler v. Caprivi. Im Ganzen waren 40—50 Einladungen an die Minister, hohe Staatsbeamte und Abgeordnete ergangen. Auch ein chinesischer Bischof deutscher Nationalität, der augenblicklich in Berlin ist, befand sich im vollen Ornat unter den Geladenen. Wie bei den parlamentarischen Diner» de» Fürsten Bismarck, so waren auch diesmal die Abgeordneten nach dem Alter an der Tafel plaziert. Ter Kaiser war außerordentlich frisch und fröhlicher Stimmung. Nach aufgehobener Tafel entwickelte fich die Szene wie bei früheren ähnlichen Gelegenheiten im Haufe de» Fürsten Bismarck. An Stelle des Letzteren bildete der Kaiser den Mittel punkt einer kleinen Tafelrunde, in der mancherlei politische und nichtpolitische Gegenstände unter lebhafter Beteiligung des Kaisers besprochen wurden. Zunächst neben dem Kaiser hatten der Finanz- minister Dr. Miquel unb der Abg. v. Rauchhaupt ihre Plätze eingenommen. Viele, die nicht den Vorzug hatten,, die den Tisch umgebenden Stühle zu erreichen, standen herum und hörten den Gesprächen zu. Der Fürst Bismarck hat einmal gesagt, er glaube, daß der Kaiser sein eigener Kanzler werden würde. Wer Gelegenheit hatte, da» Blld zu beobachten, dos sich hier entwickelte, wurde nicht nur nach der äußeren Szenerie, sondern auch nach der Art der Unterhaltung an jenen Ausspruch erinnert. Kaum dürste in irgend einer anderen ähn-
htazu, »daß ich all dies jenem erbärmlichen Weibe zu banken habe!'
.Rose', sprach Alwin bewegt unb griff ganz zer. knirscht nach ihrer Hanb, »kannst Du es mir jemals vergeben, daß ich Dich durch meine strafwütbige Nach, lässigkeit in diese Lage gebracht habe?'
»Du bebenkst nicht, Alwin', ertotberte sie großmütig, »baß e» Spione in meinem Hausstande giebt — ober vielmehr in meinem früheren Hausstande — denn ich darf nicht bergeff en, daß mir bie Thür ge> wiesen wurde.'
»Du hast noch Deines Vater» Han», Rose', sagte ich nnb schlang weinend bie Arme nm ihren Hals. O, daß eS dahin hatte kommen mfiffen — daß man mit Spott nnb Schande auf bie geliebte Schwester zeigen durfte, auf die wir Alle so stolz gewest n waren! Unb fie war nicht frei von Takel. Die leicht finnigen Worte, welche fie an Alwin geschrieben hatte, würden ihr jede» Mannes Herz entfrembet haben. Sie hatten acht, los mit der Gefahr gespielt, bis es zu spät zur Rene war!
Marburg, LSä
Mi.ÄS'” ® Donnerstag, 27. November 1890. Jahrgang.
10 yffr, ntenameu für M» glitt » Pfg. ______________________or_________________________ Daube u. io. in Frankfurt 0. M., Berlin, Hannover, Pari».