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WöchenÄche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. <hpediti»n: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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SÄX ÄÄ Sä- Souaabend, 22. November 1890. " *
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Deutsches Reich.
Berlin, 20. Nov. In Gegenwart des Kaisers Dd am Donnerstag im Exerzierhause in der Karl- praße in Berlin die Vereidigung aller neu eingestellten Rekruten der Reichshauptstadt statt. Auch die tzeneralität und alle in Berlin anwesenden sürstlichen
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Personen waren zugegen. — Der Bundesrat stjmvte heute den Ausschußberichten über die Gesetzentwürfe, betreffend die Feststellung deS ReichShaus- HMrtatS für 1891/92 und betreffend die Ausnahme «wer Anleihe für das ReichSheer und der Marine.
sowie den AuSschußberichten über die Verordnung, betreffend die Inkraftsetzung des JnvaliditätS- und MerSverficherungsgesetze», und über den Gesetzentwurf 1 betreffend die Vereinigung Helgolands mit dem Ä deutschen Reiche, zu. — Gegen die neue Zucker
steuer, welche die Ausfuhrprämien bekanntlich beseitige» will, hat eine Deputation des Vereins dem scher Zuckermdustrieller beim Reichskanzler von Caprivi imd bei den Ministern von Bötticher, Miquel und
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lt sich Lhiere Aus- ebig. bett, t und nissen staketr
ton Heyden Protest erhoben. Die Deputation befürchtet von dem neuen Entwurf nicht blos eine kchädiguvg der Zuckerindustrie, sondern auch der Landwirtschaft. Die Antworten lauteten aber bei allen Minister» ablehnend, da der neue Gesetzentwurf m Prinzip bereits die Zustimmung der verbündeten Regierungen gefunden hat. — Betreffs der Reform drrPersonentartfe find Verhandlungen zwischen den deutschen StaatSrisenbahnverwaltungen zu erwarte». Hierzu hat, wie die „Allg. Ztg." hört, die Emrraldirektion der königlich bayerischen StaatS- eisenbahnrn die Annahme folgender Einheitssätze für dm Personenkilometer in Vorschlag gebracht:
1. Klaffe 2. Klaffe 3. Klaffe.
Schnellzüge ... 7 4,5 3 Pfg.
Persouenzüge... 6 3,5 2 „
Ermäßigte Rrtout-, Rundreise-, Abonnements. Bade- bAetre und dgl. würden für die Folge inWegfall kommen. Die Bildung von EntfernungSzonen ist nicht in Aussicht genommen. — Die Beihülfe des Reichs jur Förderung der auf die Erschließung Lentral-Afrikas und anderer Ländergebiete gerichteten wissenschaftlichen Bestrebungen soll im nächsten Jahre mit einer Erhöhung von 50 000 Mark er- solgen. Die Ansprüche an den bisherigen Fonds doo 150 000 Mark haben sich in Folge der fortschreitenden Entwicklung der ForschungSthatigkeit in dm Hinterländern von Kamerun und Togo in einer Weise gesteigert, daß ihnen tu der letzten Zeit nur »och unter Zuhilfenahme der i» frühere» Jahren
(Nachdruck verboten.)
I« -««« -er -rige.
Erzählung von D. Russell- lKortievnua.)
ZveiundvterzibsteS Kapitel-
Im finster» Thal.
Ver- t und inter- recht Aaare iulver Kan- n zu h der
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Einige Tage waren iu anstrengender Pflege ver- Mgtu, oIS ich eines Morgens einen Brief von Rose tthttll, der mich wenigstens über einen Punkt be- Nchigte. Sie schrieb:
„Alwin ist abgereist — zu Georgs große« Serger, der bald nachher in sehr verdrießlicher Stiwwnng heiwkehrte nnd mir ziemlich denllich zu verstehen ga6, daß ich »eine Pflichten als Wirtin schlecht erfüllt habe. Mein Versuch, die Angelegenhell offen «U ihm zn besprechen, scheiterte kläglich an feinem unausstehlichen Wesen. Ich glaube, er dielt «ich für bedauernswert arrogant und ver- staudesschwach, daß ich mir eiubtldete, alle Mäuuer wüßte» mir bewundernd zu Füße» liegen und die liebenswürdige, geisttolle Anna könne Ursache haben, ruf mich eifersüchtig zu fetal Dir soll ich auf seine» Befehl die strenge Weisung erteilen, daß Du Dich für die nächsten drei Monate in angemessener Entfernung von Wittelsberg zn halten hast. Er erging sich iu Nicht sehr liebevollen Ausdrücke», deren ausführliche Wiedergabe hier ich Dir ersparen ivill, über Deine .verrücktenPassionen'! Vollkommen tnftieben mit sich selbst, ist er tarnet bereit, Andere » tadeln nnd ihre Handlungen seiner Krittk zn unterwerfen. Zornig pnsteud raunte er ta Zimmer aus nnd ab und schimpfte und skandaliertr. Kurzum, tr war wieder einmal ganz unerträglich."
, 3n diesem Tone ging der Bries weiter, — senfzend Mte ich ihn ans der Hand. Diese beiden verschiedenen Daturen schienen fich wettet und weitet voneinander s* entfernen. Rose hatte es verschmäht, Einfluß über freu Maan zn gewinnen, als eS noch Zeit war, und
av gesammelten Beträge genügt werden konnte, und die letzteren find gegenwärtig aufgebracht. — Die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft hat heute Nachmittag ihre Generalversammlung abge- jalten. Ueber die Beschlüsse meldet die »Post", daß der Verttag mit der Regierung und die Aufnahme einer Anleihe von 10556000 Mk. genehmigt worden ist. — Dem Abgeordnetenhause ist eine von 44 Schulvor- tehern und 306 Lehrern unterzeichnete Petition zu- ;egangen, welche fordert, daß die akademisch ge- iiilbeten Lehrer unvollständiger Anstalten (Pro- gymnafie», Realgymnasien, höhere Bürgerschulen, Realschulen), im Gehalt wenigstens mit den Subaltern- ieamten der Justiz und jder Eisenbahn gleichgestellt werden." — Zu dem im Januar 1889 herausge- gebenen Handbuch für das Abgeordnetenhaus ist soeben ein (zweiter) Nachtrag erschiene». Am 14. November war die Stärke der Fraktionen folgende: I. Konservative Partei: 120 Mitglieder; die Inhaber von 3 der erledigten (8) Mandate waren Mitglieder dieser Partei. II. ZentrumSpartei (inklusive 2 Hospitanten): 98 Mitglieder. (Der Inhaber eines der erledigten Mandate war Mitglied dieser Partei.) III. Nationalliberale Partei: 84 Mitglieder. (Der Inhaber eines der erledigten Mandate war Mitglied dieser Fraktton.) IV. Frei- konservative Partei (inklusive 1 Hospitant): 66 Mitglieder. (Die Inhaber von 3 der erledigten Mandate waren Mitglieder dieser Fraktion.) V. Deutsch freisinnige Partei: 29 Mitglieder. VI. Polen: 15 Mitglieder. VII. Bei keiner Partei: 13 Mitglieder. — Die parlamentarischen Kaiser - Soireen, welche seit Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. alljährlich im ReichskanzlerpalaiS in Berlin stattfanden, nehmen auch nach dem Rücktritte Fürst Bismarcks Ihren Fortgang. Im Laufe der nächsten Woche wird der Reichskanzler v. Caprivi eine parlamentarische Gesellschaft geben, zu welcher auch der Kaiser sein Erscheinen fzugesagt hat. Daß der Monarch mit den Mitgliedern deS preußischen Landtags im Interesse einer Förderung der neuen Reform- Gesetzgebung direkte Fühlung gewinnen will, ist erklärlich. Hat er doch auch iu der Audienz, welche er am letzten Sonntag den Präsidenten der beiden Häuser de» Landtages gewährte, fich entschieden zugunsten der Reformentwürse geäußert. — Bezüglich der Adresse der deutschen Städte an den Grafen Moltke, zum Geburtstage selbst war nur eine provisorische Adresse überreicht, sind jetzt definittve Bestimmungen getroffen. Die Adresse wird auf einer Bronzevotivtafel eingegraben werden, an
beten Fuß sich ein Marschallstab befindet, dessen Höhlung ein Pergamentblatt mit den Namen der darbringenden Städte enthält. Die Fertigstellung wird mehrere Monate umfassen und die Tafel dann nach Kreisau in Schlesien gebracht werden. — 13on dem Kochschen Heilmittel ist zur Zeit keinerlei Vorrat vorhanden. Leider — wird hinzu- gefügt — sind bereits sehr falsche Propheten ausge- tteten, die gegen hohe» Entgeld den armen Patienten Fälschungen einspritzen. Nur au Dr. Waetzoldt in San Remo und an einen Arzt in Davos sind neuer» ding» kleine Quantitäten der Kochschen Flüsfigkeit zeschickt worden. Nach Ergänzung des Materials soll »aöselbe, wie jetzt bestimmt ist, an nachstehende Anhalten in der bezeichneten Reihenfolge abgegeben Derben: an die Universitätskliniken (ist für Marburg bereits geschehen, wie unter Lokalnachrichten zu ersehe». Die Redakt.) und großen Krankenhäuser in Berlin, au die Univerfitäten im Reich, an die großen Krankenhäuser im Reich, an die großen Kliniken in Wien, Pari», London, an alle hervorragenden Aerzte im Reich und endlich an die Privatärzte. — Die Ausschließung sozialdemokratischer Mitglieder aus einem Kriegerverein beschäftigte gestern das Berliner Amtsgerichts II. Der Vorstand des Krieger- Verein» zu Niederfchönhausen hatte fünf Mitglieder ou. dem Verein ausgeschlossen, well dieselben bei d r letzten Wahl für den RechtSanwalt Stadthagen gestimmt hatten. Die Betreffenden hatten daraufhin den Vorstand auf Anerkennung ihrer Mitgliedschaft verklagt, unter Feststellung der Thatsache, daß sie sich einer Störung der Mitgliedschaft durch statutenwidrige Handlungen nicht schuldig gemacht hätten. Der beklagte Vorstand erhob u. a. den Einwand, daß er nicht ander» habe handeln können. Er berief sich in dieser Beziehung aus ein Schreiben des Amts- Vorstehers, welcher bekundet hatte, daß er da» Gesuch de» Vereins um Verleihung ernte Fahne nicht befürworten würde, wenn die betreffenden fünf Personen nicht ausgeschlossen würden. Amtsrichter Klam- roth wies die Klage ab. Während der Verteidiger darauf hinwieS, daß die Kläger ihrer Ansprüche auf die Sterbe- und Begräbnisgelder des Verein» verlustig gingen, führte der Richter au», daß keine vermögen-rechtlichen Jntereffen vorliegeu, da die Mitgliedschaft eine» solchen Verein» nur gewisse Ehrenrechte gewähre.
Ausland.
Paris, 20. Nov. Die Untersuchung in Ange-
1 egenheit der Ermordung deS Generals Seliverstow >at bisher noch zu keinem thatsächlichen Ergebnis geführt. Au» einer an die Sicherheitspolizei ge» langten Depesche scheint indessen hervorzugehen, daß die als PadlewSki fignalifierte Persönlichkeit Dienstag abends die belgische Grenze passiert hat. Polizeiagenten find bereit- nach Belgien gereist.
Haag, 20. Nov. Die Königin, welche von i em Premierminister Baron Mackay, den übrigen Ministern und dem Bürgermeister am Bahnhof ent» »fangen, heute gegen mittag hier eingetroffen und ofort in offenem Wagen inS Paloi» gefahren war» begab fich um 1 Uhr mit dem üblichen Ceremoniell in die Generalstaaten, um den Eid als Regentin zu leisten.
Hessen-NM«.
Marburg, 21. Nov. Heute ist der GeburtS» tag Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich geb. 1840), die öffentlichen Gebäude haben deshalb geflaggt.
Marburg, 21. Nov. Die ärztliche Prüfung-» idommisfion ist von dem Herrn Minister der geist« ichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ür das Prüfungsjahr 1890/91 folgendermaßen zu» ammengesetzt worden: Vorsitzender: Herr Geheime Mediziualrat Professor Dr. Nasse, Stellvertreter de» Vorsitzenden: Herr Geheime Medizinalrat Professor Dr. Maunkopff. Examinatoren für: I. die anato- mifche Prüfung: Herr Professor Dr. Gaffer, II. die physiologische Prüfung: Herr Professor Dr. Külz, III. die Prüfung in der pathologischen Anatomie und in der allgemeinen Pathologie: Herr Professor Dr. Marchand, IV. die chirurgisch-ophthalmiatrische Prüfung: A. in den drei chirurgischen Teilen: Herr Geheime Medizinalrat Professor Dr. Küster und Herr Privatdozent Kreisphysikus Sanitätsrat Dr. von Heusinger, B. im ophthalmiatrischen Teil: Herr Professor Dr. Uhthoff, V. die medizinische Prüfung: Herr Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Mannkopff und Herr Profeffor Dr. Rumpf, sowie für bie Pharmakologie: Herr Professor Dr. Meyer, VI. die geburtshilflich-gynäkologische Prüfung: Herr Prof. Dr. Ahlfeld und Herr Privatdozent Dr. Hurter, VII. die Prüfung in der Hygiene: Herr Profeffor Dr. Rubner.
Marburg, 21. Nov. Me wir hören, ist bereits eine erste Sendung des Koch scheu Heilmittels zur Behandlung der Tuberculofe hier angelangt und wird heute mittag die erste Injektion durch Herrn
jetzt verscherzte fie fich dmch ihre Überlegene, spöttische Art auch de» Rest seiner Zuneigung/
Ich hatte stet» gefürchtet, daß bie äußere» glänzende» Verhältnisse, »ach bene» sie gestrebt, ihr leine baneiube Befriedigung gewähren könnten und daß einst bie Zett kommen müsse, in bet fie schmerzlich den Mangel an innerem Glücke empfinden würde. Sie wat nicht religiös genug, um wie Georg Falk Halt nnb Trost in strenger Pflichterfüllung und Hingabe an einen höheren, selbstloser Menschenliebe ge» widmeten Berns zu suchen. Daß er Frieden ge» fanden hatte, konnte ich täglich wahruehmeu, wenn ich sein schönes Gesicht nnb sei» milbeS, freundliches Wesen beobachtete.
Er hatte von Fra» Rothes Krankheit gehört, war aber, als er fie zum erste» Male besuchte, sehr über» rascht, mich au ihre« Lager zu finde».
„Ich fteve mich, Sie hier z» sehe»", sprach et nnb streckte mit herzlich die Hand entgegen. ,
„Fam y Horton ist die Pflegerin", erwiderte tt| lächelnd; „ich helfe ihr nut ein wenig."
„Da» nenne ich gute Nachbarschaft halten", sagte et mit einem freundlichen Blick auf Fanny und trat dann näher an das Bett und sah gedankenvoll in Fra» RotheS Gesicht.
Ihr Leben hing während all dieser Tage an einem Faden. Mit jeder Stunde, die in bangem Harren verstrich und eine beständige Steigerung des Fiebers brachte, schwand unsere Hoffnung mehr dahin. Wllde Phantafieen, die nnS ost in stiller Nacht erschreckten, wechselten mit stumpfem, bewußtlosem HiubrÜten, und oft dachten wir, bet Tob müsse eingetreten sein. Aber noch rang ihr kräftiger Körper mit bem Feinde, und das harte Leben, bas fie gefühlt, half ihr in ihrer Not.
Ungefähr eine Woche mochte feit unserer Ueber» fiedeluug verflossen sein. Der Sonntag kam nnb, ich weiß nicht, wie es zngiug — aber mit ben Sonnen» strahlen, bie freundlich baS stille Krankenzimmer
erhellten, y>g ein Gefühl wohlthueuden Friedens in meine Seele.
Georg Falk hatte fich gegen Abend eiugefnnbeu, um bereit zu fein, falls bie «tanke feinet bedürfen sollte. Seine Gegenwart war eine Beruhigung für uns. Wir saßen still und lauschten den Worte», welche er rorlaS. Fanny Horton hatte fich ans einen niedrigen Sitz zu meinen Füßen niedergelassen, den Kops an meine Kutte gelehnt »ud die Ange» an den junge» Pfarrer gerichtet. Als er sei» Buch hiu- legte nnb, aufblickend, ben gedankenvollen AnSdrrtt ihres Gesichts bemerkte, wandtt er fich lächelnd mit der Frage an fie:
„Wotan dachte» Sie soeben?"
,Lch dachte, wie schön eS hier ist", antwortete Fanny mit bebender Stimme. „CS ist, als ständen wir an ben Pforten bcS Himmels, wartend, bis der Herr bie Thür öffne» wird."
„So bereue» Sie nicht de» Wechsel ta Ihrem Leden?"
„O, vtt könnte Wb wohl!" tief Fanny, den Kopf erhebend, und eine plötzliche Glut bedeckte ihre blassen Wangen. „Sie wissen nicht, meta Herr, welch ein Dasein ich geführt und wie unglücklich ich mich oft im Kreise »einer Gefährtinnen gefühlt habe! Ich erinnere mich einer Nacht — eS wat ein Sonntag wie heute —, als Eine unter taS plötzlich von einer tätlichen Krankheit befallen und inmitten ihrer Sünde abgernfen mürbe. Ich konnte den Eindruck jener Staube ntt vergessen, und bennoch fuhren mir Alle in unserer gewohnten Lebensweise fort! ES gab nut einen Ausweg für mich — ich wäre gestorben, wenn fit' mich nicht gerettet hätte!' Uub Fanny brückte ihr Geficht an meine Kutte nnb brach in Thrineu ans.
.Still, still', flüsterte ich nnb beugte mich nieber nnb küßte fie. „
Bevor mir nnS von nuferer Bewegung erholen konnten, trat Doktor Koppmauu ein. Er begrüßte nt» kurz nnb schritt auf baS Bett zu, seine Patientin lange nnb ausmerksam beobachtend.
.Wie steht eS mit ihr, Herr Doktor?' fragte ich, leise hinter ihn treteub.
Et wandte fich nm nnb nahm meine Hand.
.Ich muß Ihnen gestehen, Fräulein Margarete', sagte er bewegt, .daß ich vom ersten Augenblicke au nut seht geringe, feit ben beiben letzten Tagen jedoch fast gar keine Hoffnung mehr auf Wieberherstelluug bet Kranken hatte. Doch beobachten Eie ben Wechsel. Der Atem geht ruhig, bie Haut ist feucht —'
.So wirb es besser mit ihr — fie ist gerettet?' tief ich freubig.
.Bei guter Pflege — und ich zweifle nicht, daß fie ihr zu teU werden wird — kann fie wieder her» gestellt werden', sagte der Doktor mit frohem Blick.
.So laßt mich unserem allen Pächter zuerst die gute Nachricht bringen!' bat ich und eilte hinunter, ihn zu suchen.
Er saß allein unten im Zimmer, die große Farnttttubibel vor fich auf dem Tische, und ich sah, als ich näher trat, daß fie an der Stelle ansge« schlagen war, wo er neben dem Datum seiner eigenen Heirat den Geburt», und Sterbetag seiner einzigen, so innig geliebten Tochter Esther ausgezeichnet hatte.
Armer Manu! Er mochte glauben, daß ich ihm aukündigen wolle, er sei nun ganz verlassen ta bet Welt, bena er sah mir mit seinen vom Weinen ge» röteten Augen angstvoll frageub ins Gesicht.
.Nein, nein', sagte ich, gerührt von seine« stummen Schmerze. „Ich komme mit guten Nachrichten — Ihre Fran wird am Leben bleiben, Herr Rothe — fie ist viel, viel besser!'
Er beugte lautlos das Haupt aus den Tisch und sandte ein unausgesprochenes Gebet zu Gott empor. Daun stand er ans, legte seine Hand auf meine Schuller und sagte feierlich:
.Nehmen Sie den Dank und den Segen eines alten MauueS, Fräulein Margret! Sott lohne es Ihnen und der jungen Fremden tausendfach, was Sie mir und »einem armen Weibe gethan habe»!'