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mußte sich in den vorgeschriebenen Grenzen halten und konnte nut in vereinzelten Fällen darüber hinaurgehen. Und was von der Volksschule gilt, gilt auch von dem Gymnasium und anderen ähn­lichen Anstalten. Für das, was den Schülern am nächsten liegt, geschah verhältnismäßig wenig, und mancher Schüler weiß heute mit dem trojanischen und sonstigen Kriegen genauer Bescheid, al- mit dem großen deutschen Nationalkriege von 1870/71. ES ist erfreulich, daß hierin eine bedeutsame Aenderung eintreten soll, sie wird unserer Zeit wahrlich nicht zum Schaden gereichen, und die Lehrer werden gerne sich dieser Aufgabe widmen. Der Unterricht bietet Gelegenheiten genug, um auf diese Fragen einzu­gehen, der Jugend, dem Alter entsprechend, Klarheit über Dinge zu geben, über welche sie zu Hause alle Tage sprechen hören. Gerade» weil die soziale Frage alle Welt bewegt, weil schon die Köpfe der Jugend mit abenteuerlichen Gedanken ungefüllt werden, ist es notwendig, ihnen auch Wahrheit zu geben. Für einen einsichtigen Lehrer, und der deutsche Lehrer stand erfreut sich bekanntlich eine- ausge­zeichneten Rufe-, ist eS auch nicht übermäßig schwer, die richtige Form für diesen Teil des Unterricht- zu finden. Nur Gins muß beachtet werden: Soll der Lehrer mit Leib und Leben bei der Sache sein, dann müssen auch einengendr Bestimmungen und reglement-mäßige Vorschriften vermieden werden. Der deutsche Lehrerstand wird am besten dann seine Schuldigkeit auf diesem Gebiete thun können, wenn er aus sich selbst heran- zur Jugend sprechen kann, mit Wärme und Herzlichkeit und der Sorge übrr- hobrn, gegen irgend einen Paragraphen zu verstoßen.

«anchmal zu sehr in den Vordergrund gerückt, dagegen zu wenig da- berücksichtigt wird, was für dn Kind von wirklichem Interesse. Die Schuld d«an liegt nicht an dem Lehrer. Es kann für tmen Erzieher der Jugend keinen interessanteren «trrricht geben, als gerade diesen, aber der Lehrer

Jugend klar gemacht werden, wohin jene Tendenzen führen, und daß nur in einem geordneten Staats­wesen Schutz der Bürger und der Arbeit zu er« warten ist, den sich auch die preußischen Könige stets haben angelegen sein lassen. Bei der am Donnerstag beginnenden Generaldebatte der Reform- gesetzt im preußischen Abgeordnetenhause werden die Parteien sehr stark vertreten sein. Es wird sich schon aus dem Verlauf der Verhandlungen der ersten Tage mit ziemlicher Sicherheit ergeben, ob die Vor­lagen auf größeren oder geringeren Widerstand stoßen werden. Die Redner der Parteien werden die bekannten Parteiführer sein. Dem Herren­hause ist ein Gesetzentwurf betr. die Aufsichts­führenden Amtsrichter zugegangen. Der Abg. Reichensperger hat einen Antrag betr. die Errich­tung katholischer Pfarreien im linksrheinischen Bezirke des Oberlandesgerichts Köln im Abgeordnetenhaus« eingebracht. Die Kosten für den Neubau de- Domes nach Raschdorf- Plan dürften 22 Millionen Mark betragen, welche Forderung dem Landtage alsbald zugehen soll.

Dem Abgeordnetenhause ist heute der Ent­wurf eines Gewerbe st euer- Gesetze- zuge­gangen. Da-selbe umfaßt 82 Paragraphen. Danach sind steuerpflichtig die in Preußen betriebenen stehen­den Gewerbe, sowie die Zweiggeschäfte von außer­halb Preußen betriebenen Unternehmungen. Dagegen unterliegen der Steuer im allgemeinen nicht: Land« und Forstwirtschaft, Jagd, Vieh- und Fischzucht, Obst-, Wein- und Gartenbau (ausgenommen Kunst- und Handelsgärtnerei); ferner unterliegen der Steuer nicht: Bergbau, Torfstich, Sand-, Lehm- und Thon« gruben, Steinbrüche, endlich auch nicht die wissen« schaftlichen Berufe, insonderheit die des Arztes und des Rechtsanwalts. Der Entwurf stellt vier Steuer­klaffen fest. Die erste Klaffe mit einem Betrage von 50 000 Mk. und darüber oder einem Anlage- und Betriebskapital von 1 Million und darüber zahlt ein Prozent des Jahresertrages, bei 50 000 bis 54800 Mk. Ertrag jedoch 524 Mk., bei jeden weiteren 4800 Mk. je 48 Mk. Die zweite Klaffe mit einem Ertrage von 20 000 bis 50 000 Mark zahlt 156 bis 480 Mk. (im Mittel 300 Mk.) Die dritte Klaffe mit einem Ertrage von 4000 bis 20 000 Mk. zahlt bis 192 Mk. (im Mittel 80 M.) Die vierte Klaffe mit einem Ertrag von 1500 bi« 4000 Mk. zahlt 4 bis 36 Mk. (im Mittel 16 M.) Die Veranlagungsbezirke für die Klaffe 1 find die einzelnen Provinzen, für die Klasse 2 die Regierungs­bezirke, für Klaffe 3 und 4 die Kreise. Die Stadt

Möchtest Du wissen, wie ich hierzu gelangt bin ?" mach Anna verächtlich weiter.Ich suchte nach Be« Krisen für die Schuld Deiner Schwester und fand, «6 Du noch viel falscher bist! Und uuu antworte *n", fuhr sie fort und faßte meinen Arm mit so leidenschaftlichem Drucke, daß ich hätte ausschreieu *ifltn,antworte mir in welcher Absicht und ans sichern Grunde belogst Du mich tu Gelleuhetm, als 9 Dich fragte, ob zwischen Dir und Alwin Innigere veziehungru beständen?"

.Ich that unrecht, Anna«, sagte ich leise, .aber $ habe auch dafür gebüßt. Alwin wünschte, daß ch unser Verlöbnis geheim hielte; ich gehorchte ihm, »Sd zum Lohne dafür hat er mich verlassen.*

»Aber wie soll ich das nur verstehen? sprich loch wenigstens jetzt die Wahrheit! hat mit denn licht Alwin gesagt, daß er Dich seit Deiner Kindheit Nm ersten Male in Gelleuhetm wiedergeseheu hat?'

»Dar ist wahr", antwortete ich.

Auua stöhnte laut.

»Ach, Rose, Auua hatte Ursache, zornig auf ihn zu sein

»Jedenfalls nicht meinetwegen!' erwiderte sie ärgerlich. »Die wenigen nnbedeuteuden Worte, welche ich gelegentlich au ihn geschrieben habe, kann Jeder lesen! Aber ich weiß, wem ich diese neue Unannehm­lichkeit zu verdanken habe, nub eS ist unerhört, daß ich gezwungen sein soll, noch ferner mit Fräulein Altmauu, dieser abscheulichen Spionin, unter eine« Dache zu leben!'

.Vor allen Dingen muß Alwin noch heute Wittelsberg verlassen'

»Ich sehe nicht ein, weShalb!' rief Rose. »Gr ist mein Vetter, und ich kann ihn unmöglich aus dem Hause weisen, well seine Fran sich albern betragen hat! Außerdem ist der Baron ans einige Tage verreist, waS würde er sagen, wenn er bet seiner Rückkehr die Gäste abgereist fände?'

»Denke au Deinen guten Namen, Rose. ES ist besser, sie find Beide fort, als daß Alwin allein bei Dir zurückbleibt. Fräulein Altmauu wird alles ver­suchen, Dir zu schaden

»Welches Recht hat sie überhaupt, sich eiuzu- mischen? Wie darf sie sich erdreisten, mit dem Baron über mich zn sprechen? Nein, nein, Margarete, ich fürchte mich nicht; ich habe nichts gethau, dessen ich mich schämen müßte, und ich mag Alwin gern und habe keine Lust, hart gegen ihn zu sein und seine Freundschaft auf» Spiel zu setzen.'

»So schicke ihn wenigstens hierher, wenn Du nicht selbst mtt ihm sprechen willst. Sage ihm, ich hätte eine Botschaft von Anna für ihn und bäte ihn, gleich zn kommen.'

.Gut, ich will er bestellen; aber ich glaube nicht, daß Dn Deinen Zweck erreichen wirst. Meiner Anficht nach ist e8 Anna» Pflicht, zurückzukehren uud ihn um Verzeihung dafürbitten, daß sie den Kasten geöffnet und seine Briefe gelesen hat. Sie hat uu- verantwortlich gegen ni8 Alle gehandelt!'

Rose war gegangen; aber eine Stunde nach der

(Nachdruck verboten.)

I« Karin der Löge.

Erzählung von D. Russell-

(Fortsetzung.)

Vierzigstes Kapitel.

Der bittere Preis.

Ich kann nicht beschreiben, war ich empfand, als 9 diesen Bries erkannte nnb mich seiner Inhaltes Amerte. Scham uud Demütigung schloffen mir die Appen und ich vermochte kaum das Auge zu der armen «ttogeueu zu erheben.

Kaiser Wilhelm über -ie Schulreform.

ES ist bekannt, daß der Kaiser sich in einem längeren Erlasse über eine Reform des Unterrichts in den höheren, wie in den niederen Schulen zu dem Zwecke ausgesprochen hat, um von vornherein, schon in der Jugenderziehung den Irrlehren der Sozialdemokratie entgegenzutreten. Dieser Erlaß liegt jetzt im Wortlaut vor. Er bestätigt in seinem Inhalt lediglich, was schon früher über das Schrift­stück bekannt geworden war, und ist natürlich auch nur für die preußischen Schulen bestimmt. Die darin berührten Punkte find aber so bedeutsam, daß vohl ein nochmaliges Eingehen darauf lohnt. Vor allen Dingen soll der Jugend schon in der Schule die lleberzeugung beigebracht werden, daß die Lehren der Sozialdemokratie nicht nur den göttlichen Gebote» widersprechen, sondern auch unausführbar und ver­derblich sind. Zu diesem Zwecke soll der Religions­unterricht vertieft, darauf hingewirkt werden, deß in dm Kindern Gottesfurcht und Liebe zu König rnd Laterland herangezogen und gepflegt wird. Nach I dm Grundsätzen des Kaisers besteht der Religions­unterricht nicht so sehr int Auswendiglernen von Libelfiellen und Gesangbuchversen, sondern in der Einführung In den lebendigen Geist des Christen­tums, in christliche Denkweise und Anschauungen: IX Weiteren soll die Jugend auch in die Ereignisse $ neusten Geschichte eingeführt, auf das Wirken M Monarchie und Gesetzgebung hingewiesen werden, sm zu zeigen, wo die alleinige Hilfe zur Beseitigung don Mißständen liegt. An der Hand der Geschichte, der großen Lehrmeisterin aller Zeiten und Völker, lvll auch das Notionalgrsühl kräftig geweckt und bewiesen werben, wie nur au- der Zeit heraus sich nSe8 entwickelt und bessert, wie jeder Stand und jtbe Klaffe sich des Schutze- der Gesetze erfreuen. Zum Schluß endlich sollen die Schüler, soweit sie Verständnis dafür haben, auch mit den Grundze­ichen der Volkswirtschaftslehre bekannt gemacht toben. In dem kaiserlichen Erlasse wird hervorge Men, daß die Arbeit eine sehr mühsame zunächst Wn wird. Das ist sicher zutreffend, doch sie ist lohnend. ES kann keinem Zweifel unterliegen, d°ß im heutigen Unterricht das trockene Material

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Kaiser einen längeren Spazierritt und wohnte am Abend der Familientafel bei der Kaiserin Friedrich bei. Kaiser Wilhelm hat seinem letzten Schwager, dem Prinzen Adolph von Schaumburg- Lippe, dessen Vermählung mit der Prinzessin Viktoria heute Mittwoch stattfindet, den Schwarzen Adlerorden verliehen. DaS junge Paar wird eine längere Hochzeitsreise unternehmen, aus welcher auch Aegypten und Indien besucht werden sollen. Der Reichs kanzler von Caprivi gedenkt sich Ende d. M. nach Dresden zu begeben, und dem Könige und der Königin von Sachsen feine Aufwartung zu machen. Dienstag Mittag fand unter dem Vorsitze des Reichskanzler- eine Beratung de- preußischen Staats- Ministeriums statt, welcher auch der neue Landwirt­schaftsminister von Heyden bereits beiwohnte. Die Arbeiterschutzkommisfio» deS Reichstages hat den wichtigen § 125 in folgender Fassung ange­nommen : »Hat ein Geselle oder Gehilfe rechtswidrig die Arbeit verlassen, so kann der Arbeitgeber als Entschädigung für den Tag deS KvntraktbrucheS und jeden folgenden Tag der vertragsmäßigen oder ge­setzlichen Arbeitszeit, höchstens aber für sechs Tage, den Betrog deS durchschnittlichen ortsüblichen Tage­löhner fordern. Diese Forderung ist an den Nach­weis eine- Schadenersatzes nicht gebunden. Durch die Geltendmachung derselben wird der Anspruch aus Erfüllung deS Vertrag- und weiteren Schadenersatz aus­geschlossen. Ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen oder Gehilfen verleitet, vor rechtmäßiger Beendigung deS ArblitsverhältnisseS die Arbeit zu verlassen, ist dem früheren Arbeitgeber für den entstandenen Schaden ober den nach Absatz 1 an bie Stelle des Schadenersatzes tretender Betrag als Selbstschuldner mit verhaftet. In gleicher Weise haftet ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen ober Gehilfen annimmt, von bem er weiß, daß derselbe einem andern Arbeitgeber noch zur Arbeit verpflichtet ist. Den Gesellen oder Ge­hilfen stehen die im § 119 bezeichneten Personen gleich.' Der Preußische Staatsanzeiger veröffent­licht den schon bekannten kaiserlichen Erlaß, betr. die Bekämpfung der sozialdemokratischen Irrlehren in der Schule, und die daraufhin ge­faßten und vom Kaiser genehmigten Beschlüsse des Staatsministerium-. Die Erläuterungen sollen be­kanntlich im GeschichtS- und Religionsunterricht ge­geben werden, der Geschichtsunterricht selbst ist bis zum Regierungsantritt Kaiser Wilhelms II. sortzu- führen. An der Hand von Beispielen au» der vaterländische» Geschichte, der grundlegenden Prin­zipien der Volkswirtschaft und der Religion soll der

an Dich geglaubt sagte fie, meine Hand hallend nnb mich mit ernstem Blicke betrachtenb ,eS es ist hart, Euch Beide auf einmal zu verliere»!'

»Aber Du wirst zunächst nach Wittelsberg zurück- kehren, Anna, nicht wahr? Du wirst doch nicht heute schon abreisen? Und bitte, warte einen Augenblick, laß mich den Wagen bestellen.'

»Danke', erwiderte fie matt, ließ sich gänzlich erschöpft ans einen Stuhl nieder und schien kaum meinen Worten Aufmerksamkeit zu schenken, während ich fie wieder uud wieder bat, Slwiu zu verzeihen.

Darm, al» der Wagen vorgefahren war, erhob fie fich, küßte »um Abschied meine Wange und ging langsam hinaus.

Ich aber lief uach oben, um mich in meinem Zimmer auSzuweinen nnb Vergebung zu erflehe» für meinen Anteil an bem Unrecht, bas bet armen Anna geschehe». O, daß ich damals aufrichtig gewesen wäre nnb ihr und mit bie Bitter kett biefet Stunde erspart hätte! , *

Sm Nachmittag kam *Rose tu einem Zustande großer Aufregung z» mir.

»Kannst Du Dir vorstellen, Margarete, daß «Iwin« Frau, ta einem Anfälle von Wahnsinn jedenfalls, Knall nnb Fall abgereist ist ohne Abschied z» nehme» oder irgendwelche» Grund für ihr feit, tarne« Verhalte» anzugeben? Nur ihrem Manne sandte fie vom Bahnhöfe au» einige Zelle» be« Inhalt«, daß fie einen Wink über sein Verhältnis zu Frau von Wittelsberg erhalten nnb bet ber Durch, suchnug seiner Papiere ben wahren Grund seiner Verheiratung mtt ihr erfahren hätte. Sie muß vor Eifersucht halb vo» Sinnen gewesen fein.'

»Du mußt versuche», Alwiu z» bestimmen, daß et ihr sofort nachreist', sagte ich schnell.

DaS habe ich getha»', antwortete Stofe, »aber er will nicht, er ist wütend, daß fie fich erlaubt hat, tu seinen Briefe» 8» kamen, und erklärt, nie wieder mit ihr leben zu wolle».'

,Hnb in dieser kurze» Zett', sagte fie, »ist er vir gelange«, mir fein Herz zu entwende»? Doch *ta, »ei»!' fügte fie hinzu, »ich will nicht ungerecht M«. Er liebte mich niemals ich sehe e« jetzt klar r* blind und beihört wie ich war!'

Und er hat auch mich nicht geliebt, Anna! Würde ««ich sonst verlassen haben? Er wußte, mttwelcher

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Novbr. Die Hochzeitsfeierlichkeiten für die Prinzessin Viktoria von Preußen und den Prinzen Adolph von Schaumburg-Lippe hatten am Montag mit einer Galatafel und Festvorstellung lln Berliner Opernhaufe ihren Anfang genommen. Am Dienstag fand ein intimer Verkehr der in Berlin anwesenden Fürstlichkeiten und am Abend Familien­tafel bei der Kaiserin Friedrich statt. Der Kaise und die Kaiserin unternahmen am Dienstag Morgen eine längere Spazierfahrt. Nach der Rückkehr hörte der Monarch den Vortrag des kommandierenden Admirals Freiherrn von der Goltz, des Staatssekretär» Hollmann und deS Chefs des Marinekabinets und erteilte alsdann zahlreiche Audienzen. Zur Mittag», täfel war eine größere Anzahl fremder Fürstlichkeiten im Schlöffe anwesend. Nachmittags unternahm der

Zärtlichkeit ich an ihm hing, nnd hatte dennoch ben Mut, hierher zn kommen heimlich! nnb mich zu bitten, daß ich ihn fretgübe! Auua, fei uicht traurig vielleicht hatte er sich über feine Neigung zu mir getäuscht nnb gefuubeu, daß Du ihm lieber warst*

Anna winkte abwehrend mit der Hand. »Versuche uicht »och einmal, mich zu täuschen", erwiderte fie. Er verließ Dich und heiratete mich eS ist wahr aber weshalb? Well er Jemanden brauchte, der feine Schulden bezahlte! Da« war der Grund, weshalb er mich wählte, Margarete 1 DaS war die Liebe, an welche ich glaubte, für die ich lebte !O,es macht mich elend, nur daran zu denken!" Und fie brach zum ersten Male, fett fie mit mir sprach, in schmerzliches Weinen ans.

Anna, liebe Anna", sagte ich nnb zog ihre» Kopf sanft an meine Brust,eS thut mir weh, Dich so un­glücklich zu sehen. Ich versichere Dich, daß ich, ausge­nommen an jenem einen Tage, nie wieher, weder durch Blick noch durch Wort, unwahr gegen Dich ge. wesen bin. Ich will nicht leugnen, daß Alwins Uu. treue mir Schmerz bereitet hat, aber da» ist längst vorüber. Er ist nun Dein Manu und mein Vetter, und ich flehe Dich an, vergieb uns Beiden, was wir an Dir gefehlt haben, nnb laß da» Vergangene für immer ruhen."

Anna richtete fich hastig auf nnb sah mir ent« rüstet ins Gesicht.

»Du glaubst', rief fie, »baß er jemals wieder etwas für mich fein kau» ? Nein, Margarete, ich bi» nicht ganz so demütig, uicht ga»z so thörichi, wie Du auzuuehmeu scheinst! Von diesem Tage au ist Alwin ein Fremder für mich!'

»Aber Du darfst fo uicht denke», Anna! Ich bin Überzeugt, Alwin liebt Dich jetzt'

»Nein, nein!' unterbrach fie mich scharf. »Sprich nicht mehr davon! Aber wenn Du ihn sehen solltest, kannst Du ihm sagen, daß er da« Geld, wen» er mich darum gebeten, erhalle« haben würde, ohne daß e« eine« Opfers vo« seiner Seite bebntft hätte! Unb »uu lebe wohl, Margarete! Ich habe auch

Erscheint täglich außer an ««vage» nach Gorin- mb Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-,

Feiertagen. Qmrtal-«bon»e»ent».Pret» bei der Lxpe- ((I1PllTtl# sowie die Lnnoneen-Bureaux von Haasenstein nnd Vogler

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ffU Dmmerrtag, 20. November 1890. ÄSSÄÄÄäSÄfö

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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.