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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Weint Ulglich u|n bk Wrrktag« nach 6mm» und u a« m n Feiertagen. Qmmna-Ubrnmementr-Prei» bei der Lrpe»

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Bestellgeld). Jnsertim-gebühr für die gefpaUene geil* 10 Pf», Reklamen für di» Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 11. November 1890.

Intrigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatt eS. sowie die Annoneen-Bureaux von Haaseustein und Seglet in Frankfurt «. SB., Dassel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXV Qrtfjrflftttfl. Moste in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln; S. L Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Lin Volksgericht.

Das neue Zollgesctz der Vereinigten Staaten ton Nordamerika, die berüchtigte Mac Kinley-Bill, ist jetzt vom amerikanischen Volke gerichtet worden. Man konnte verschiedener Meinung darüber sein, ob hn wirtschaftliche» Leben Freihandel oder Schutzzoll vorzuziehen sei, aber gegenüber diesem Raubgesetz, das zugunsten einiger weniger reicher Leute in den Bereinigten Staaten erlassen war, hat es bei allen ehrlichen Leuten innerhalb und außerhalb Amerikas M eine Stimme gegeben, daß eine solche unver- sthämte Ausbeutung eines Volkes denn doch noch licht dagewesen sei. Karl Schurz, unser bekannter Landsmann in Amerika hat die Mac Kinley - Bill einen Schandsteck in der Geschichte der Vereinigten Etaaten genannt, und da- ist es mit Rett. Zu seiner Begründung wurde angeführt, er solle alle stemde Konkurrenz vcm amerikanischen Markte fern- halten, der heimischen Industrie einen guten Absatz, den Arbeitern hohe Löhne, dem Publikum mäßige Preise stchern. Und nun? Eine gewaltige Ver­teuerung aller notwendigen Verbrauchsartikel est ein- zetrcten, die Rohprodukie sind dermaßen verteuert, daß die Einführung unmöglich geworden ist und nur die großen Geldleute, die vor dem Erlaß deS Zoll- zesetzes so viel wie möglich Warrn einführten, haben ahne Mühe Million über Million verdient. Tas sind die thatsächlichen Folgen des neuen Zollgcsetzks, rS sind aber nur die Ergrbnisie der ersten Wochen, in Zukunft werden die Verhältnisse sich ncch weit «rhr verschärfen. Die Amerikaner sind an manche Dinge gewöhnt, aber diese Gesetzgebung hat dem Faß doch den Boden eingeschlagen: Bei den Wahlen zum Repräsentantenhause in Washington sind die Republikaner von ihren Gegnern, den Demokraten, vclche die Mac Kinley Bill entschieden bekämpften, diS zur Vernichtung geschlagen, allenthalben sind die Befürworter dieses unerhörten Ausbeutuvgsgesetzes dm der erbitterten Bevölkerung niedergestimmt dorden ; die Republikaner haben die Mehrheit im Repräsentantenhaus zu Washington verloren, und nur im Senat, der ersten Kammer, eine selche be­hauptet. Von weiteren Schritten der Bevölkerung wird es abhängen, ob die Mac Kinley. Bill noch iwge Gesetz bleibt. Die Republikaner werden sie i« halten suchen- nimmt aber der Volksunwille iber die Verteuerung überhand, dann mag über ^<ht auch das Gesetz verschwinden, welches ohne «cispicl dasteht in der Geschichte oller Staaten.

Die gegenwärtigen Wahlen haben aber eine

noch weitergehendcre Bedeutung, sie sind auch ein Gericht über das Protektionswesen und die Schürzen- trägerei, die sich in Washington wieder in sehr auf­fälliger Weise breit gewacht hat. Bei den letzten Präsidentenwahlen unterlag bekanntlich der demo kratische Cleveland, ein ehrlicher und pflichttreuer Mann, dem besonders unsere Landsleute jenseits des Ozeans ihre Sympathieen widmen, und der Repu bl'kaner Harrison wurde gewählt, der der Be­völkerung goldene Berge versp- ach. Wie diese Ver­sprechungen gehalten sind, zeigt die Mac Kinley Bill und das im Interesse der Silberbarone geschaffene Münzgesetz, welches denarmen" Minenbesitzern jährlich Millionen Staatsgelder in den Schooß wirft. Aber damit sind die Sünden der Regierung des Präsidenten Harrison noch nicht erschöpft. Die Wahlbewegung wurde von seiner Seite in mehr als schmutziger Weise geführt, aber dafür kann man nicht dem Präsidenten alle Schuld beimeffen. Doch da jetzt alle Familienglieder der regierenden Herren i die fetten Posten gebracht werden, daß Frauen, Töchter und Basen bei der Besetzung der Staats­ämter gewichtige Worte mitsprechen, und es ein besserer Weg zur Erlangung eines Staatsamtes ist, wenn der Aspirant die Kammerzofe einer einfluß­reichen Dame heiratet, statt daß er gute Zeugnisse vorbgt, dafür sind Präsident Harrison und seine Regierung vercntwortlick, daS hot die Erbitterung der Wähler aufs Höchste getrieben, und unerbittlich sind die Anhänger dieses Systems niedergestimu t Das ist die gerechte Strafe für eine Partei gewesen, welche von jeher die Staatskasse und die Staats- Posten als eine Beute für ihre Partei betrachtete, die mit kalter Gelassenheit geplündert wurde. So geschehen, in dem .Lande der Freiheit", in den Bereinigten Staaten von Nordamerika. Dieser Skandalwirtschaft wnd mit Ablauf der Wahlperiode des Präsidenten Harrison ein Ende gemacht werden, es ist heute schon ersichtlich, daß der frühere Präsi­dent Cleveland bei der Neuwahl mit großer Mehr­heit wieder gewählt wird. Diese Ereignisse in Nordamerika sind aber eine heilsame Lehre für alle, welche sich mit der Illusion tragen, daß in den modernen Republiken Ehrlichkeit und Biederkeit zu Hause sind. Eine solche Vergewaltigung der breiten VclkSwossen zu Gunsten von einem hundert Millionären, wie sie die Mac Kinley-Bill bietet, hat keine Monarchie auch nur zu versuchen gewagt,- in Amerika hat man die Sache keck und fröhlich durch- gkführt, aber ein Gewitter dadurch heraufbeschworen, dessen Donner man sitzt schon rollen hört.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. November. Kaiser Wilhelm it von seinem zweitägigen Jagdausflug nach Liebender- am Sonnabend Abend in Potsdam eingetroffen und hat dort im Neuen Palais den Besuch des ihm eng befreundete« Großfürsten Wladimir von Rußland empfangen. Am Sonntag erteilte der Kaiser mehrere Audienzen. Bon einer Ausfahrt wurde bei dem herrschenden starken Nebelwetter ab­gesehen. Zur Tafel war die kaiserliche Familie im Neuen Palais vereinigt. Der Magistrat der Stadt Berlin hot in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, sich mit der Uebernahme verschiedener Zweige der WohlsahrtSpolizei seitens der städtischen Be­hörden im Prinzip einverstanden zu erklären und mit dem Polizeipräsidium in Beratung über die Uebernahme einzutreten. Auch sol eine Denkschrift über die Angelegenheit auSge- arbeitet werden. Dem BundeSrat sind nunmehr sämtliche Etats für 1891/92 zugegangen. Dem Etat des Auswärtigen Amtes liegt wieder eine kurze Denkschrift über die Verwaltung der Schutz­gebiete bei. Kamerun und Togo erfordern keine Aufwendungen von Seiten des Reichs, sondern er­halten sich durch eigene Zolleinnahmen, Ausgaben und Einnahmen balancieren für Kamerun mit 270,000, für Togo mit 142,000 M. Für die Verwaltung des südwrstafrikanischcn Schutzgebietes sind 292,300 M. ausgeworfen, davon 25,000 M. zur Unter­stützung der Ansiedelung deutscher Landwirte; Ost- afrika erfordert 37» Millionen. In demselben Etat sind auch 200,000 M. zur Erschließung Central- Asrikas eingestellt. Da? Gerücht von einer KrisiS im preußischen Landwirtschasts- m inist erium taucht von neuem aus, und, wie die .Nordd. Allg. Z." betont, diesmal mit größerer Be stimmtheit und in gemeiniglich unterrichteten Kreisen. DieKöln. Ztg." behauptet dagegen, es liege zur Zeit innerhalb der preußischen Regierung keine Meinungsverschiedenheit vor, welche den Rücktritt lies Herrn von LuciuS bedinge. Sollte Herr von LuciuS zurücklreten, so geschähe dies, weil er arbeits­müde sei, also durchaus freiwillig und nicht infolge einer Erschütterung seiner Stellung oder der von ihm vertretenen Grundsätze. Auch bezüglich der Auf­hebung des Bieheinfuhr-VerboteS liege zwischen der bayerischen und der preußischen Regierung durchaus eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit vor. Was die Herabsetzung der Getreidezölle betrifft, so seien alle maßgebenden Kreise der verbündeten Regierungen,

insbesondere der Reichskanzler, gewillt, die bisherige Wirtschaftspolitik eines mäßigen Schutzzolles beizu­behalten. Das preußischeJustiz-Minist.-Bl." veröffentlicht eine Aenderung des Regulativs für die erste juristische Prüfung. Die Neuerung bewegt sich in ziemlich engen Grenzen und läßt den akademischen und theoretischen Charakter der Prüfung wieder mehr in den Vordergrund treten. Die Prüfungskommissionen, auS Richtern und Pro­fessoren und gegebenenfalls auch Staats- und Rechts­anwälten gemischt, bestehen aus 4 (bisher 3) Mit­gliedern. Der Kandidat kann die Prüfung nur ab­legen entweder vor der Kommission, in deren Bezirk seine Beschäftigung als Referendar in Aussicht ge­nommen ist oder in deren Bezirk die Universität belegen ist, an der er das letzte und mindesten- noch ein früheres Semester seiner Studienzeit zugebracht hat. Die Prüfung ist wie bisher erst eine schrift­liche, sodann eine mündliche. Bei der schriftlichen Arbeit, die binnen sechs Wochen abzugeben ist, kann sich der Kandidat dieDisziplin" wählen. Nach Begutachtung der schriftlichen Arbeit wird der Kan­didat zur mündlichen Prüfung geladen, an der höchsten- nur 4 (bisher 6) Prüflinge teilnehmen sollen. Die Prü­fung soll in Zukunft für Siudirende der Rechtswissen­schaft und Rechtskandidaten stet- eine öffentliche sein. In betreff der Aufsicht führenden Amts­richter wird dem Landtage ein Gesetzentwurf zu­gehen, welcher beabsichtigt, den § 79 des Aus­führungsgesetzes vom 24. April 1878 zum deutschen Gerichtsverfassungsgesttze dahin zu ändern, daß der Justizminister ermächtigt wird, bei Amtsgerichten, welche mit zehn oder mehr al- zehn Richtern besetzt sind, dem mit der allgemeinen Dienstaussicht beauf­tragten Amtsrichter auch die Aussicht über die bei dem Amtsgerichte angestellten oder beschäftigten richter­lichen Beamten zu übertragen. Zur Zeit find die Amtsrichter sämtlich nur der Aufsicht des Landgerichts- Präsidenten unterworfen. Es wird darauf bezug ge­nommen, daß in Bayern, Sachsen, Württemberg an den mit mehreren Richtern besetzten Amtsgerichten der mit der allgemeinen Dienstaussicht beauftragte Richter die Aussicht auch über die richterlichen Be­amten des Amtsgerichts führt. Für Preußen ist beabsichtigt, diese neue Einrichtung zunächst nur für die 16 größeren Amtsgerichte, also für Berlin I und II, Köln, Bochum, Dortmund, Frankfurt a. M., Breslau, Magdeburg, Hannover, Danzig, Königsberg, Stettin, Pofen, Halle, Cassel und Ratibor zu treffen. Es ist davon Abstand genommen worden, den auf» rchtführenden Amtsrichtern an diesen Gerichten einen

(Nachdruck verboten.)

Im -arm -er Lüge.

Erzählung von D. Russell-

(Fortsetzung.)

JMe nicht, Werner; eS ist wahrlich kein Spaß! sie sah mich ganz unverschämt dreist an und aut- «Wde wir: .ES ist sehr gütig von Ihnen, Fran Pronin, an diese Sachen zu denken, jetzt, wo Ihr «müt so voll Sorge nm das Schicksal Ihres nn. Michen BrnderS sein muß.' Und dabet lächelte fc höhnisch."

Unerhört!' rief Werner entrüstet.

Nicht wahr?' fnhr Rose fort.Mer sie war wenig zu weit gegangen! .Fräulein «Umarm', De ich, .ich gestatte meinen Untergebenen niemals Ze Ungezogenheit Sie sind hiermit ars Ihrer Stellung entlassen! Sie werden Ihr Vierteljahrs- «halt in Empfang nehmen und sich morgen aus tserem Hanse entfernen !'

»Dn tholest ganz recht", sagte Werner.

^.Jch wünschte, Dn hättest ihr G.sicht sehen Mlen, eS war dnnkelrot geworden. .Ich werde von Wen keine Entlaffnug annehmen', erwiderte sie.

Freiherr hat mich engagiert, nnb nur seinen Mdnungeu werde ich mich fügen.' .Gut, wir ü?ben sehen', gab ich zurück, verließ daS Schul- ra»et und suchte sogleich deu Baron auf."

.Und was sagte er?" fragte ich gespannt.

. »Unglücklicherweise war er auSgegaugen', ant. 'Mete Rose;aber ich schrieb an ihn, berichtete ihm getan und erklärte zum Schluß, daß ich keinen A länger mit Fräulein Mtwauu zusammen unter "aew Dache bleiben würde. Dann eilte ich zn Dir."

»O, Rose, Du hättest nicht kommen sollen. Du Mess bleiben nnb ihn zuerst sprechen, nun wird ^1'Person Dir zutorkowwen."

Sie warf den Kopf zurück. »Wir werden sehen, ? gewinnt sie oder ich!" Sie blieb zum Frühstück m Mns, plauderte rud lachte wie immer, aber ich sah,

daß ihre Heiterkeit nicht von Herzen kam. Um drei Ihr Nachmittags hielt der Wtttelsberger Wagen vor der Thür urd eine Minute später schritt der Baron mit gerötetem G-sicht in daS Zimmer.

Er wechsette kalt einige Worte mit Werner und mir und wandte sich bann zu Rose.

»Ich habe btn Wagen gebracht", sagte er mit ber ! stieue btS Herrn, ,nnb wünschte Dich mit mir nach Hanse zu uehmeu."

.Hast Du meinen »rief erhalten?" fragte sie statt aller Antwort.

.Ja", erwibertr er st-is; .wir können über bttfen Gegenstand unterwegs verhandeln."

.Aber ich kehre nicht zurück, so lauge Fräulein Altmauu roch da ist", sagte Rose entschlossen.Jenes Weib hat mich beleidigt nnb soll nicht länger mit mir tn demselben Hanse sein !"

Dieses Wetb, wie Du sie neuust", rief der Baron mit erhobener Stimme,hat zwölf Jahre unter meinem Dache gelebt nnb sich in dieser langen Zett immer angemessen betragen!"

,DeS scheint mir sehr fraglich!"

.Schweig!" rief er, zitternd vor Zorn.Ich sage )ir, ich werde Fränlein Altmann nm Deiner Ttor- >ett willen nicht entlassen I Da das ist meine Ent» scheidnug, und ich bestehe daranf, daß Du sofort mit mir gehst!" f-

Ich lhue eS einfach nicht! Entweder Fräulein Altmauu verläßt daS Haus oder ich!"

Bist Du toll?" rief der Baron mit roch lauterer Stimme.Dn, welche Du so viel Schande über mich gebracht hast, wagst mir düs zu bieten? Du, deren entarteter Bruder, wenn er ergrifftn wird, dem Beile des Herkers verfallen ist!"

Er hielt plötzlich inne und blickte entsetzt nach der ! -hür. Mit einem Schrei sprang ich vorwärts. Dort and nnsere Mutier blaß, vcch Atem ringend, das luge starr arf ihn gerichtet. Sie hatte seine letzten Sorte bett owwen nnb so znm ersten Male von bet i jtint Sohne tiofynben Gefahr gehört!

ZweinnbbreißigsteS Kapitel. Uebervnubeu.

Sie schwankte in baS Zimmer, bie Hand fest ans daS Herz gepreßt.

,WaS sagten Sie von Ednard?" fragte sie den Baton, ihn mit wildem Blicke ansehend, und ihre Stimme klang fremd und hohl.

Werner eilte besorgt zu ihr. .Meine liebe Tante", Vogte er und stützte sie wtt seinem Arme, .weshalb ist Du hetuuter gekommen?"

.Was sagte er von Eduard ?" wiederholte sie, zu ihm aufseheud, während TodeSbläffe ihr Gesicht be. »eckte. Ehe er zu antworten vermochte, stieß sie einen Schrei aus und sank bewußtlos zurück. Werner hob le auf und legte sie auf ein Ruhebett.

>,Wollen Sie znm Tottor gehen?" fragte er den Baton, und dieser griff hastig nach seinem Hute und es ans de« Zimmer.

ES war schrecklich, ihr Leiden witauzusehen. Der .oktor sah sehr ernst auS, als er kam, nnb befahl, le nach oben zn bringen md für völlige Ruhe zu orgeu. Weiter konnte er nichts thuu.

Die arme Rose kniete toeinenb an ihrem Beit; aber sobalb ich btn Baron zurückkehren hörte, lief ich hinauf nnb flehte sie an, doch ja mit ihre« Maune nach Hanse zu fahren, damit weitere Sufregnug ver­mieden würde, nnb nach großem innerem Kampfe willigte sie endlich ein.

Sie sollte unsere theure Mntter niemals wieder, eben! In ber Nacht um zwölf Uhr schrak sie »lötzlich auS unruhigem Schlummer auf und sah mich mit eutsitzteu Augen au.

.Margarete", stieß sie augsttoll hervor, .ich bin gewißich habe eiue Ahnung, als wenn mit Edum d e waS geschehen wäre! Willst Du eS mir sagen? Weißt Du etwas? O, diese Augst!" schrie sie auf. Ein abermaliger Ktawpf hatte ihr Herz ergriffen, und fünf Minuten später war alles vorüber. Sie tarb in meinen Atmen, starb Sott sei Dank

ohne die volle Kenntnis von Eduards Verbrechen. Doch eS hatte sie getötet! Jener plötzliche, durch die Worte d:S Barons hetvorgernfene Schreck führte ihren Tod herbei! Ich legte sie nieder und küßte ihr liebes, bleiches Gesicht, daun wachte ich mit heißen Thräuen dem Morgen entgegen.

Werner war gegangen, um Rose zu holen, nnb als ber Tag graute, führte er sie in baS Zimmer.

O, meine arme Rose! Sie warf sich tn leiben« chastlichem Schmerze vor bem Lager der geliebten Toten nieder, küßte ihr Gesicht und Hände und Nagte ich mit bitteren Worten an, daß sie schuld an ihrem Tode sei.

Werner hob sie mit sanfter Zärtlichkeit anf. , Stofe", sagte er freundlich, aber fest, .vergiß Margarete nicht ganz. Sie hat heute so viel gelitten denke auch an sie ein wenig."

Sie sank schlnchzend in meine Arme.

»Wir liebten sie so sehr, nicht wahr, Margarete? Wir werden keine Mntter mehr haben! Ich ich habe nun Niemand mehr, zu bem ich in meinen Sorgen kommen kann!"

* * *

Baron Georg war sehr erschüttert bnrch ben plötzlichen Tod unserer guten Mntter. Er sprach nicht darüber, aber ich glaube, er schämte sich seiner Sestigkett nnb fühlte sich während der nächsten Tage ehr nubehaglich. Ec war anch nachsichtiger nnb ntlber gegen Rose als gewöhnlich nnb erlaubte ihr, bei mir zn bleiben.

Noch ehe bie Beerdigung stattfand, machte er mir >aS Anerbieten, künftig mit Rose tn Wittelsberg zn leben. Ich hätte eS gern abgelehnt, aber Werner wünschte, daß ich eS annähme.

.Du bist noch zu jung, nm allein zn leben, Margarete", sagte er. .Ich würde Dich bitten, zu meiner Mutter nach G^llenheim zu kommen'

Ich schüttelte ben Kopf. .Nein, Werner, borthin gehe ich nicht!'

.Nun gut, so mußt Du vorläufig bei Rose bleiben.