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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Erscheint »glich ex|n au Bedtegro nach Sonn- und Friertagen. O»artal-Nbonnr»ent»«Prei» bei der Expe­dition 2* */. «k., bei den Postämtern 2 VL 50 Psg. (exkl. Bestellgeld). Instrttonägebühr für die gespaltene Zeil- 10 Pfg, Reklamen für dir Aelle 26 Pfg.

Marburg,

Donnerstag 23. Oktober 1890.

Lryeigeu nimmt entgegen die Expedition d. Blatte«, sowie die Lnuonren-Bureanx von Haasenstein und Bogle» in Frankfurta.M., Laffel, Magdeburg ».Wien: Rudolf Moste in Frankfurt a. St, Berliu.München u. RÜn; g. Daube u. »o. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari«.

XXV. Jahrgang.

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Bestellungen für die Monate November und Dezember auf die Dkstrßess. Zritrmg nebst Areisökatt für die

-reise Marburg und Kirchhain und

Illustriertes SonntagsBfatt werden von sämtlichen Postämtern und von reiferer Expedition entgegen genommen.

Die Nr. 44 unseresIllustrierten EonntagSblattes" enthält ein wohlgelungenes Bild des General Feldmarschall Graf von Moltke. Neuzugehende Abonnenten erhalten dieses soweit der Borrat reicht nachgeliefert. In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen.

Unserem Moltke.

Tin Festtag für das ganze deutsche Volk wird der Tag sein, an welchem unser Mollke seinen 90. BeburtStag begeht, in einer Rüstigkeit und Frische deS Körpers und des Geistes, welche unS zu der ficheren Hoffnung berechtigen, der hochverdiente Mann, dem jeder Deutsche so unendlich viel verdankt, werde unS noch manches Jahr erhalten bleiben, Kaiser und Keich mit seinem weise» Rat unterstützen können. Im Reichstage hat einmal Fürst BiSmarck, auf den Seneral-Feldmarfchall weisend, gesagt: .Da steht der Mann, dem wir vor allem die Erfolge von 1870/71 berbanfen!" Und der eiserne Kanzler hatte Recht rett diesen Worten, Moltke hat im großen National­kriege mit kaltblütiger Sicherheit die deutschen Ope­rationen geleitet und sein Amt war das schwerste Md daS wichtigste. Kaiser Wilhelm I., Kaiser Fried­rich, Fürst BiSmarck, alle haben fie bethätigk, daß Mollke in Wahrheit im großen Kriege der Schlachten­denker nicht bloS, sondern auch der Schlachtenlenker »ar, der erste Feldherr seiner Zeit. Mollke» rasche red geniale KriegSsührung hat alle gegnerischen Pläne zu Schanden gemacht, fie hat auch dem deutschen Tolle viel Blut, viele kostbare Menschenleben erspart. MolikeS Taktik war es nicht, in möglichst vielen

(Nachdruck verboten.) I« Kau« brr -Sge.

Erzählung von D. Russell- (Fortsetzung)

Dauu wurde ich zu spreche» aufgesordert und uzahlle mit kurze» Worte», daß meine Schwägerin Ire Nachmittag zwischen fünf »ad sechs Uhr z» mir »rammen sei nnb mich gebeten habe, ste am Abend re besuchen; daß ich leider verhindert gewesen, sogleich «t ihr zn gehen, n»d daß ich, als ich nngefähr eine Mbe oder dreivtertel Stunden später ebenfalls ans- Kbrochen sei, fie ans dem brüten Acker hinter dem »orse, ans dem Brachfelde, tobt ans der Erde liegend, lchmden habe.

»Und sahen Sie keine Waffe dort in der Nähe? 7-nicht«, womü die Thal könnte verübt worden sein?' fragte der Amtsrichter.

Bei dieser Frage durchzuckte mich ei» Gedanke, tat furchtbare Erinnerung, die da« Blut in meinen yttn erstarren ließ. Der Stock! Bi» zn diesem «genbltcke hatte ich nicht wieder an diese gräßliche «affe gedacht, deren fich Eduard in seiner Wut redient hatte. ES war ein Stock, den er eigens für och hatte unfertigen lassen nnb dessen er sich immer re bedienen pflegte. Noch bei meinem letzten Besuche aas dem Gute hatte er mir den mtt Sllber beschlagenen i»d mtt seinem NamenSznge versehenen Knopf gezeigt M fich dabei gerühmt, daß die in denselben etnge- Offene .Bleikugel* im Stande sei, .einem Menschen «t einem Schlage die Hirnschale zu ^schmettern.

Wo war dieser Stock? Hatte er ihn mttgenommeu Ad verborgen oder ans dem Felde liegen lassen? & letzterem Falle war aber Ednard verloren, denn rechdem ich mtt übermenschlicher Anstrengung die an M gerichtete Frage, ob ich eine Waffe gefnnben Me, scheinbar ruhig verneint hatte, hörte ich, wie

Richter eine gründliche Untersuchung der Felder red de» dort befindlichen Teiche» anbesahl.

Unfähig, mich länger ansrecht zn erhallen, ließ

offenen Schlachten einen glänzenden Lorbeer zu er­ringen, sondern den Gegner zu schlagen durch ebenso kühne, wie großartige Strategie. Metz und Sedan, in diesen beiden Worten verkörpern fich die glän­zendsten Meisterleistungen de» Gefeierten, Siege, wie fie in der Kriegsgeschichte aller Zeiten außerordent­lich selten sind. Moltke steht unter den Männern, welche unserem Volke das deutsche Reich erschufen, hoch obenan, und wenn er selbst mit der denkbar größten Bescheidenheit allen Ovationen und Aus­zeichnungen au» dem Wege zu gehen bemüht war, diesmal wird er den Dank de» deutschen Volke», seinen Kaiser an der Spitze, entgegennehmen, und diese Feier wird der schönste Lohn für seine Groß- thaten werden. Moltke kann mit Recht sich einen Liebling de» deutschen Volke» nennen; wenigen Männern ist eine gleiche, keinem wohl einem tiefere Verehrung entgegengebracht, wie unserem Moltke, und auf MoltkeS Wissen und Genie hat in allen Sturm tagen da» deutsche Heer fest gebaut. Und wenn er selbst durch sein hohes Alter gezwungen ist, zurückgezogen zu leben, sein Geist hat fortgewirkt, Mollke hat dafür gesorgt, daß eS der Reichsarmee nicht an Männern fehlt, die ihm zu gleichen fich be­mühen.

Mollke ist der größte Feldherr unserer Zeit. Niemand erhebt dagegen einen Widerspruch. Niemand erhebt aber auch einen Einwand, wenn wir sagen, Moltke ist einer der besten Deutschen, der edelsten Männer. Mit aufopfernder Hingebung hat er dem Kaiser gedient und dem Baterlande, stet- nur auf die Größe des letzteren, nie auf eigenen Ruhm be­dacht, Sonderinteressen überhaupt nicht kennend. Unermüdlich ist der Generalfeldmarschall thötig ge­wesen im Dienste deS Kaisers, rafiloS war seine Energie, unüberwindlich seine Arbeitskraft in ernsten Tagen. Aber nicht minder dem Reiche hat er treu daS geleistet, was er mußte. ES giebt im deutschen Reichstage keinen Abgeordneten, der gewissenhafter an den Beratungen der Volksvertretung teilgenommen, als den hochbejahrten Feldherrn, Keinen, der sich eingehender und eifriger um alle Gesetzesvorlagen bekümmert hätte. Kurz und knapp, aber treffend gab er seinen Rat, stet» gefällig gegen andere, keinen Dank beanspruchend ober wünschend. Und so groß sein Geist, so groß sein Charakter! Dem ernsten, schweigsamen Feldherrn ist alle Ueberhebung fremd, mit ungeminderter Liebenswürdigkeit ist er Allen gegenübergetreten, die mit ihm in Verkehr traten, und auch die mancherlei Belästigungen, denen fich Leute, wie Moltke, nicht eniziehen können, Hai er

ich mich ans einen hinter mir stehenden Stuhl nieder nnb folgte der weiteren Vernehmung der Zengen mtt ängstlicher Aufmerksamkeit

Pächter Rothe schilderte zunächst in seiner heimischen Mnndart in rührend schlichter Weise die Ereignisse der vergangenen Nacht, wie er ans seinem abend- lichen Sange durch die Felder plötzlich einen Schrei vernommen nnb, dem Klange uachgehend, Fräulein Margret auf der Erde kuieend gesunden habe, fein tote» Sind in den Armen hallend, und selbst halb tot vor Schreck nnb Kummer. .Gott segne fie für alle Frennblichkett, die fie meiner armen Dirn' er­wiesen l* fügte er bewegt hinzu; ,fie hat fie sehr ge- liebt, well sie bie Einzige gewesen ist. bie immer gnt gegen fie war.* De» alten Manne» Stimme gitterte, al» er so sprach. Und bie braune», arbeitsharte« Hände über bie Angen legend, gab er fich stumm feinem Schmerze hi», nnb ich bin gewiß, daß kein Ange hn ganzen Raume trocken blieb, al» er feine traurige Geschichte beendet hatte.

Den Rest des Verhörs mitzuteilen, wird kaum nötig fein. Einiges Aufsehen erregten bie Aussagen unserer Dienerst». .Ich öffnete ber jungen Frau Eelbing bie Thür*, sagte ste; »fie war ohne Hut nnb sah sehr aufgeregt aus. Hub al» ich ste zu Fräulein Margret ins Zimmer geführt hatte, hörte ich ste weinen nnb klagen, als wenn fie in großer Angst wäre.*

Ans bie bringende Aufforderung de» Richter», den Inhalt meine» Gespräche» mtt Esther angngeben, entgegnete ich, baß nusere Unterredung privater Natur gewesen sei und ich jede Auskunft darüber verweigern müsse. Aber ich bin überzeugt, die Anwesenden ahnten den Grund de» Kummer«, ber Esther zu mir geführt, benn ba» unglückliche eheliche Verhältnis zwischen ihr nab ihrem Manne war im ganzen Orte bekannt.

Fran Kappmann erging fich mit ihrer gewöhn- lichen Zungenfertigkeit nnb Indiskretion Über den Verlaus bei gestrigen Zage«. Sie fei nach bem

mit nie schwindender Gutmütigkeit ertragen. Diese Charaktereigenschaften, die unermüdliche Sorge auch um de» Reiche» inneren Ausbau, ba» Interesse für alle kleinen Alltagssorgen haben unS den genialen Heerführer auch menschlich näher gebracht, Alldeutsch- land bewundert ihn nicht allein und betrachtet seinen großen Lohn mit scheuer Ehrfurcht nicht blo», e» liebt ihn auch von ganzem Herzen.

Moltke ist mit Auszeichnungen und Ehren reich bedacht, aber für Dienste, wie er sie geleistet, giebt eS eine genügende Belohnung nicht, und dem be­scheidenen Manne liegt auch wenig an solchen Aenßerlichkeiten. Sein höchster Stolz kann eS denn auch sein, daß er sich die deutschen Fürsten und das deutsche Voll zu dauernden Schuldnern gemacht. Mit der Feier deS neunzigsten Geburtstages» bie in allen Staaten auch, welche dem Deutschen Reiche befreundet sind, lebhafte Zustimmung erweckt, in keinem aber zu Kundgebungen deS UebelwollenS Anlaß giebt, können wir bem hochverehrten Manne ein offenkundiges Zeichen unseres Dankes geben, eine Kundgebung ihm bereiten, die leuchtend feinen Lebensabend erhellt. Und daS wollen und müssen wir mit ganzer Seele, ber Generalfeldmarschall hat eS reichlich um uns verdient, denn waS in schweren Tagen für ihn auf dem Spiele stand, da- war ernst, sehr ernst. Da» deutsche Voll weiß daS und darum vereinigt eS fich zur einmütigen Feier zu Ehren des großen Mannes, bti welcher von Millionen Lippen klingt: »Unser Moltke, er lebe hoch!'

Deutsches Reich.

Berlin, 22. Ott. Die Kaiserin Augusta Victoria begeht heute ihren 32. Geburtstag (geb. 1858.) Die edle Frau hat e» seit Antritt der Regierung ihres kaiserlichen Gemahl» verstanden, auch für fich ein Wirkungsseld zu finde», in der Fürsorge für Kranke und Bedürftige, auf welchem ihre Thätigkeit ihr Dank und Anerkennung de» ganzen Volke» errungen habe». Friedliches Familien­glück begleitet die liebenswürdige Fürstin, deren Freundlichkeit und Huld zahlreiche Heine Geschichten und charakteristische Züge beweise», die im Munde deS Volkes umlaufen. Mag eS unserer Kaiferin auch im neuen Lebensjahre vergönnt sein, ebenso erfolgreich zu wirken, wie bisher, mit echter grauen- thätigkeit die staatsmännischen Schritte deS Kaisers begleitend, seine mühevolle Arbeit durch die ihrige ergänzend. Der .Reichsanzeiger* veröffentlicht eine Königliche Verordnung, welche den Landtag der Monarchie auf den 12. November einberust;

Ess-.n, wie ste gern zn thuu pflege, ein wenig einge­schlummert nnb habe, als fie sich beim Erwachen allein gefnnben, -vergeblich nach ben jungen Leuten getnfen. Herrn Eduard nnb Elsa habe fie schließlich im Ranchzianner entbedtt, aber bie junge Fran sei nirgeubS zu studeu gewesen, so baß ste ohne Abschieb habe fortgehen müssen. .Herr Selbing begleitete dann mich nnb meine Nichte nach Hause, weil Elsa fich allein im Dnukeln fürchtete.*

Ob Elsa Werueck wohl irgeubvelche Scham ober Gewissensbisse empfanb, als fie biefe, trotz ihrer schmucklosen Darstellung so schwer »iegenben Tat­sachen von ihrer Taute erzählen hörte? Sie mußte fühlen, baß fie allgemein verachtet nnb ihr bie etgent» kiche Ursache 'zu Esthers Tobe schulbgegebeu wurde. DaS Urteil der Versammelten fand feinen Ausdruck in ben bitteren Worten, bie Frau Rothe beim Ber- lassen des ZimmeiS an mich richtete:

.Wenn Herr Ebnarb ste nicht fo grausam be- haudett hätte*, sagte fie, .wäre meta armes Stab so spät am Abend nicht noch fortgelanfeu. Jene leicht­fertige Dirne ist an ihrem Tobe schnlb, nnb ich werbe, willS Sott, ben Tag erleben, wo fie für ihre Schlechtigkeit büßen muß!'

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Zwei Tage später würbe bie arme Esther zur Ruhe bestattet. Währenb dieser ganzen Zett hatte ich keine Gelegenheit gehabt, Eduard allein zu spreche«. Er verließ unS sogleich, als alles vorüber war, nnb um Rose und Herr Fall begleiteten mich zu Rothes.

Der Pfarrer versuchte, ben unglücklichen Vater zu ttösteu. «Sie ist nur nm ein weniges früher von uns gegangen*, sagte er saust nnb feine fonst fo klare Stimme bebte leise.

.Jawohl*, antwortete bet Pächter herb; .aber ich hätte «immer gedacht, baß eS mir bestimmt sein würbe, einst an ihrem Grabe zu stehe«! Da» Lebe« hat keinen Wert nnb keine Freude mehr für mich nach biefem bitter« Tage!*

Unb fo war e» in ber Thai. Er Übewand den

ferner eine Bekanntmachung, wonach ber Krieg» Minister General v. Kaltenbom-Stachau zum Bevollmächtigten Preußens beim Bundesrate ernannt wird. Die Reise deS Reichskanzlers v. Caprivi zur Begegnung mit bem italienischen Minister­präsidenten Crispi steht fest; dieselbe wird inner­halb der nächsten 14 Tage stattfinden. Hier ist von der von englischer Seite signalifierten Begegnung des Reichskanzlers v. Caprivi mit dem englischen Premierminister Lord Salisbury nicht» bekannt. Die Sammlung für den Ankauf de» Ge­burtshauses Moltke in Parchim hat laut dem zureiten Verzeichnis bi» jetzt 34188 Mk. ergeben. In dieser Summe sind die von Berlin bewilligten 10 000 Mk. noch nicht mit einbegriffen. Um die Wirkungen näher festzustellen, die das Gesetz vorn 14. Mai 1885, betreffend bie Ueberweisung der aus landwirtschaftlichen Zöllen eingehenden Be­träge an die Kommunalverbände (lex Huene) auf den Haushalt der einzelnen Rrelfe aulgeübt hat, haben die Minister des Innern und ber Finanzen die RegierungSpräsidenten veranlaßt, von den Land- röten genaue Berichte über bie Verwendung ber durch da» gedachte Gesetz überwiesenen Summen in den ihrer Leitung unterstellten Kreisen zu erhalte». Diese Berichte haben anzugeben: 1. die Höhe der in jedem der Rechnungsjahre 1884/85 bi» 1890/91 überwiesenen Summe; 2. welche Beträge au» ben Uiberweisimgen verwendet worden find a) zur Er­sparung von KreiSabgabe», sei e» zur thatfächlichen Verminderung der regelmäßigen Abgaben, sei eS zur Vermeidung einer Steuererhöhung bei Erfüllung neuer Aufgaben, b) zur Entlastung der Schulver­bände, c) zu Beihülfen an Ortsarmenverbände, d) zur Ueberweisung an Stadt- und Landgemeinden; 3. den Gesamtbetrag ber Kreisabgaben i» ben Jahre» 1884/85 bis 1890/91; 4. den Gesamtbe- trag der Kreisschulden am Schluffe der einzelnen Rechnungsjahre. Bei den dieser Tage auf Ver­anlassung deS Reichs-Postamts angestellten Versuchen über die Verwendbarkeit unterirdischer Kabel von größerer Längenausdehnung zu Fernsprech- zwecken wurden aus dem 7 5 Kilometer langen Nord­seekanal zwischen Helgoland unb Cuxhaven sehr günstige Resultate erzielt. ES wurde eine klare unb deutliche Verständigung zwischen Helgoland und Cux- Haven auf beiden Seiten erreicht.

Braunschweig, 21. Ott. Der Prinz-Regent von Braunschweig hat eine außerordentliche Landes- Synode auf den 5. November einberufen, in welcher Gesetze über die Disziplinarverhältnisse, sowie über

Schlag niemals nnb seine sonst fo kräftige Gesund- heit war von biefet Zett an augenscheinlich schwer erschüttert. Seine frische Gestchtsfarbe ward fahl, sein schneller nnb kräftiger Schritt mflbe und lang, fam, nnb all sein Lebensmut nnb Frohsinn waren, wie Frau Rothe kummervoll sagte, mtt Esther ta baS Grab gelegt.

Ich selbst fühlte mich von ben vielfachen seelischen Erschütterungen ber letzten Tage auf» Aenßerste er­schöpft. Rose brachte mich zu Bett unb meine thenre Mutter pflegten mich Tag nnb Nacht mtt ber größten Zärtlichkeit.

Als Eduard in diesen Tagen kam nnb mich dringend zu sprechen wünschte, wollte Rose ihn abweiseu; aber ich bat Dlama, ihn heranfznführeu. Denn obgleich ich mit Zittern an ein Wiedersehen dachte, sehnte ich mich doch danach, eine Frage an ihn zu richte«, bie mich fett bem Tage beS Verhör» unaufhörlich gequält hatte. Sobalb er daher ta das Zimmer getreten war nnb Mama nnB allein gelassen hatte, rang e» fich mühsam unb kaum verständlich von meinen Lippen:

Eduard, wo hast Du au jenem Abend Deinen Stock gelassen ?"

Eine tiefe Blässe überzog bei diesen Worten fein Geficht, und er trat hastig näher an mein Bett heran.

.Ich habe tyn mit ben anderen Sachen ta ben alten Schacht geworfen!* antwortete er aufgeregt und heiser. .Weshalb fragst Du jetzt danach?*

,O, ich wollte eS nur wissen*, sagte ich nnb legte mich erleichtert ta bie Kiffen zurück. So war er also unschädlich gemacht, jener furchtbare Zeuge! Der alte, fett Jahren nicht mehr benutzte Brunnenschacht lag auf Eduard» Grundstück, und e» war nicht an. zuuehmen, daß er jetzt plötzlich geöffnet ober in Ge­brauch genommen werben sollte.

.Sie können ba vermodern" sagte Eduard mit düster» Blick."

(Fortsetzung folgt)