Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg vn- Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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•»Weint täglich mch« an Strftttgtn nach Sonn- und Feiertagen. — Onartal-Abonnement»-Preis bei der Lrpe- dition 2«/t UH, bei den Postämtern 2 ML bO Pfg. (erfi. Bestellgeld). JnsertionSgebühr fite die gespaltene geil* 10 Pfg., Kettomen für die geile 26 Pfg.
Marburg,
DimStag, 21. Oktober 1890.
»»»eigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattes fewie die Annoneen-Bureaux von Haafeustein und Bogle, ” Frankfurt aJR., «aff-l. Magdeburg u. Wien; Rudolf UV QafirtfdttÄ Moste in Franlfutt «. M., Berlin,München u. Köin; G. 8.
Danbe u.ro. in Franlfutt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Die Militärverwaltung und die Finanrlage des Reiches.
Daß die Finanzlage des Reiches zur Sparsamkeit auffordert, ist eine bekannte Sache. Das weiß der Kaiser so gut, wie die Abgeordneten des Reichs- kages, und bekanntlich Hot der Monarch, als ihm die Volksvertretung die Entscheidung über die Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Berlin wheimstellte, ausdrücklich erklärt, bezüglich der Kosten solle der Finanzlage des Reiches Rechnung getragen »nden. Das sind deutliche Worte, die keiner Er- Wrung bedürfen. Daß die Finanzlage zum Sparen nötigt, ist die Folge des »bewaffneten Friedens" in Europa, und die Dinge stehen in Paris, Wien, Rom, Petersburg nicht um ein Haar breit anders, Äs bei uns. Ein Radikalmittel ist nur die Ab rüstung und das ist vorläufig leider richt durchführbar. Wenn Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Italien wollten, Rußland thut's nicht und Frankreich erst recht nicht. Das Ministerium in Paris, welches in der Deputiertenkammer einen Abrüstungsantrag befürwortete, allo auf die „Revanche verzichtete", würde ohne Weiteres fortgejagt, und dik Pariser würden Barrikaden bauen, wenn die Sammern die Reduktion der Armee beschließ«« würden. Auf der anderen Seite würde der Zar jeden, der ihm mit solchen Anträgen käme, bitten, die Thür von Außen zuzumachen. Wenn nun der dedanke an eine nahe Abrüstung in Europa einfach wau-führkar ist, so ist doch ein vorsichtiges Operieren drr Militärverwaltungen zur unbedingten Notsache Ar die Zukunft geworden. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß eS auf militärischem Gebiete gerade so, «ie auf dem der bürgerlichen Arbeit eine Fort- wtwickluvg giebt und geben muß, daß neue Anschaffungen, von denen ja auch dir Industrie manchen zroßen Vorteil hat, neue Mittel erheischen, aber »uß auf der einen Seite mehr ausgegeben werden, j® ist auf der anderen Seite auch mehr zu sparen. Jede Volksvertretung muß dasür eintreten, daß die Lehrkraft des Vaterlandes nicht geschwächt wird, «d die Militärverwaltung kann dies mit Recht strdern, aber jede Militärverwaltung muß auch die Mlsächlichen Verhältniffe der Finanzlage ins Auge Wen. Kaiser Wilhelm und die leitenden Männer V Reiches sehen ebenso gut, wie jeder Bürger, wie «ie Dinge liegen, und Reichsregierung und Reichstag Wffen mit hohem Ernst und genauster Prüfung «e Verhältnisse erörtern.
Die Militärverwaltungen haben eS bis vor
kurzem nicht schwer gehabt, außerordentliche Mittel für ihre Zwecke zu gewinnen. Das Geld war in reicher Menge vorhanden, der Zinsfuß niedrig und eine Anleihe schnell gemacht. In den letzten zehn Jahren sind in Europa für militärische und wirtschaftliche Zwecke, es sei nur an die Maffe von Eisenbahnbauten in allen Staaten erinnert, nicht blos Millionen, sondern Milliarden durch Anleihen aufgebracht, während ‘bte Neubildung des Kapitals infolge politischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten nicht so überaus großartig war, denn die Lebenshaltung ist kostspieliger, die Neigung zum Luxus größer geworden. Da haben wir die ganz natürliche Erklärung, warum heute daS flüssige Kapital nicht alle, aber knapper geworden ist. Ungezählte Milliarden liegen fest in den Anleihep und die Einlösung der Schulden, welche festangelegtes Kapital wieder freimacht, geht nur langsam von statten; wir soll eS anders kommen, als daß der Zinsfuß bet der wachsenden Anfrage und bei dem sinkenden Angebot steigt? In Deutschland ist noch Geld genug, aber der Wechsel der Verhältniffe hat auch bei uns sich geltend gemacht, und die Erfahrungen mit den jüngsten dreiprozentigen Anleihen zeigen ja, wo die Dinge hinauswollen. Mit diesen klar zutage liegenden Thatsachen hat auch die Militärverwaltung zu rechnen, die vermehrte Schuldenlast drückt empfindlicher als bisher, und um so sefter muß darauf gehalten werden, neue Forderungen möglichst aus den laufenden Einnahmen zu decken. Daß die Borgwirtschaft nicht zu empfehlen ist, darüber besteht zwischen Reichsregierung urd Reichstag keine Meinungsverschiedenheit. Bisher war das «ufnehmen von Anleihen bequem, nun wird die Sache saurer, und damit ist der Weg, den die Finanzpolitik des Reiches zu beschreiten hat, gewiesen. Deutschland steht finanziell bis heute noch nicht ungünstig da. Frankreich und England sind reicher als wir, aber mit den dortigen Staatseinnahmen, also Steuern und Abgaben, find die unseren gar nicht zu vergleichen, von Rußland, Oesterreich-Ungarn und Italien nun ganz zu schweigen. Aber, und darauf kommt es vor allem an, dem deutschen Volke erwachsen heute durch die Verteuerung vielfacher Kon sumartikel gewerbliche Schwierigkeiten und wirtschaftliche Störungen besondere Lasten, die nicht noch vermehrt werden sollen. DaS deutsche Reich kann und muß aufgrund der heutigen Einnahmequellen auf einen festen und sicheren Fmanzstand hingestellt werden; die Einnahmen steigen erfteulicherweise und mit denselben und Eriparnisien am rechten Orte
sind viele neue Forderungen zu decken. Für die neuen Ausgaben aus der sozialen Politik können soziale Abgaben Platz greifen, die nicht drücken und doch die nötigen Mittel. ergeben. Je höher der Wohlstand der Nation, um so größer ist die Kraft des Staates.
Äeutsckes Reick.
Berlin, 18. Okt Den »Berl. Polit. Nachr." zufolge ist die Meldung vom Zusammentritt deS preußischen Landtags in den ersten Novembertagen nicht ganz zutreffend. Die Staatsregierung halte an dem Plane fest, die Steuergesetze, die Landgemeinde Ordnung, und daS neue Volksschulgesetz wegen ihres inneren Zusammenhanges thuvlichst gleich zu Anfang der Landtagssession einzublingen, die jedenfalls noch einige Tage vor Zusammentritt des Reichstogsplenums eröffnet werden könne. Der Kaiser beabsichtigt, den Landtag in Person zu eröffnen. — Unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters v Forcken- beck hielten die Vertreter größerer deutscher Städte heute eine Versammlung ab, welche zur Förderung einer gemeinsamen Adresse der deutschen Städte an Moltke die Einsetzung eine- Komitees beschloß. DaS Komitee bilden: von Forckenbeck (Berlin), Fritsche (Charlottenburg), Küper (Dortmund), Liebe trau (Gotha), Hellfritz (Greifswald), Staude (Halle), Bote (Potsdam), Hack (Stuttgart), Bankdirektor Koch (Berlin). — Major v. Wissmann wird vor aussichllich demnächst zum Gouverneur des Gebietes der großen ostafrikanischen Binnenseen ernannt, während Herr v. Soden wahrscheinlich Gouverneur der ostafrikanischen Küste mit dem dazu gehörenden Hinterlande wird. Premierlieutrnant v. G r av e n - reuth erwartet eine Beschäftigung im Auswärtigen Amte und kommt darauf möglicherweise nach Süd west-Afrika an Stelle von Göhring. — Die »Nationalzeitung" vernimmt, daß die Reform derZ u ck e r st e u er durch eine neuerliche Herabminderung der Exportprämien in den Kreisen der Regierung ernstlich erwogen wird. — Dem Vernehmen nach liegt eS in der Absicht der preußischen Staatsregierung, beim Bundesrat einen Anttag auf Aufhebung des Identitätsnachweises für Getreide einzubrirgen. — Dem BundeSrat hat die königlich sächsische Regierung folgenden Antrag unterbreitet: „Der Bundesrat wolle unter Aländerung des Beschlusses vom 27. Juni 1879 beschließen, die Einfuhr lebenden Rindviehes aus Oesterreich-Ungarn — mit Aus- na'jne des Viehes der großen grauen Raffe, deren Einfuhr unbedingt verboten bleibt — nach den
größeren, polizeilicher Beaussichtiguug unterstellten Schlachthöfen unter der Bedingung zu gestatten, daß die Tiere an der Grenze mit Ursprungs« urd Ge- sundheitSzeuznissen versehen sein müsien; beim Ein- ttitt in das deutsche Gebiet durch beeidete Tierärzte untersucht und ohne Umladung bi» zu ihrem Bestimmungsorte mit der Eisenbahn übergeführt, daselbst alsbald geschlachtet, bis dahin aber von anderem Vieh getrennt gehalten werden und aus dem Schlachthose nicht lebend entfernt werden dürfen." Zur Begründung heißt es: »Die bestehende Fleischteuerung lastet mit einem schwer empfundenen Drucke auf der Bevölkerung. Neuerdings tritt zu den Klagen darüber sogar die Klage über die hohen Preise belebenden VieheS aus landwirtschaftlichen Kreisen. Heber die Ursachen der biS in die neueste Zeit fortgesetzten Preissteigerung des Fleisches wird zwar noch vielfach gestritten. Daß aber die bestehenden Vieheinsuhrverbote mit dazu beigetragen haben, dürfte sich kaum in Abrede stellen laffen. Die Landesverwaltung der einzelnen Bundesstaaten ist nicht im Stande, ihrerseits durch irgendwelche Maßregel dem Uebelstande zu steuern. Dagegen dürfte durch bedingungsweise Wiedergestattung der Einfuhr von Schlachtvieh aus Oesterreich Ungarn eine Verschlimmerung des jetzigen Zustandes verhindert, wahrscheinlich auch eine Besserung, ein Sinken der außerordentlich hohen Fleischpreise herbeigesührt werden."
Potsdam, 18. Oktober. Heute vormittags elf Uhr fand die feierliche Einweihung des Mausoleums für Kaiser Friedrich statt. Ter Kaiser, die Kaiserin, die drei ältesten Prinzen, die Kaiserin Friedrich mit ihren Töchtern, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, der Großherzog von Hesien, alle hier anwesenden Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses, Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe und andere Fürstlichkeiten wohnten der Feier bei. Gesänge des DomchorS eröffneten und begleiteten die Feier. Das Weihegebet hielt Ober- hosprediger Dr. Kögel; nach einem freien Gebet des Predigers PersiuS endete die erhebende Feier mit dem von Dr. Kögel erteilten Segen. — Das Mausoleum bVeb heute bis Nachmittag 5 Uhr geöffnet. Tausende besuchten eS. Eine wahre Völkerwanderung bewegte sich nach der Friedenskirche. Das Innere deS MausoleumS war mit Kränzen bedeckt.
Prenzlau, 18. Okt. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl wurde der konservative RegierungSrat v. Buch-Magdeburg einstimmig an Stelle des verdorbenen Abgeordneten v. Wedell-Malchow gewählt.
Spandau, 18. Okibr. Ein aus hiesigen Bürgern
-em Neern Lehrer Schick.
Der Gruß und Dank der Jugend hat Gewicht wird vom Lehrer freudig ausgenommen.
M oicht züglet» was gern ein Alter spricht ** ®tnfe dem Jubilare sein willkommen? ir. ™BD bi"dre find in Marburg eiugezogea S Männer einst, nicht in dem Jnqendstaud, wt nufer Schick deS Amtes hier gepflogen halb Jahrhvndert, Marburg auverwandt.
Hier übte er des Amtes schwere Pflichten, lieben Jugend, auch der ärmsten, Freaud.
M sie gelehrt daS Herz ewporzurichteu, wn erogen Lichte, das vom Himmel scheint. . Hat sie gelehrt an den Versöhner glauben, «en MoseS schon, den David prophezeit, M eir.st doS Ohr geöffnet hat dem Tauben, Trost gegeben in dem Erdevleid.
So wacht ein Lehrer früh geschickt die Knabe», «re Mädchm auch für Erd« and Himmelreich, JjB, wenn der Perlen kostbarste sie haben, c,t Pilgeren den AuSerwählteu gleich.
*6» wolle Gott im Himmel, Schick, vergetten, Du gethan, im Herzen fromm und rein.
£• Wirkens Samen wird die Frucht nicht fehlen, iolls erst spät, znr Zeit der Prüfung sein.
t Wenn Viele heut deS Dankes Gaben bringen.
lst eS Pflicht, doch denkest Du vielmehr: wollen Gott dem Herrn ein Loblied fingen, ihm gebührt vom guten Werk die Ehr.
* bei Gott mit Dir auf allen Deinen Wegen, er verjüngt, macht kranken Leib gesund.
5.sei fortan Dir Schild und Heil und Segen, ■wobt, gepriesen an» des Herzens Grnnd.
- Und wie dem Vater sei gewünscht das Beste xdwedem Kind und spätstem KiudeS>Kindl t'a° diesen Wunsch am hohen Freudenfeste, * einem Alten, treu und wahr gesinnt. Marburg, am 19. Oktober 1890.
(Nachdruck verboten.) I« -av« Lee -Sge.
Erzählung von D. Russell.
(Fortsetzung.)
„Du wirst nicht sterben, meine liebe Esther — Dn bist nvu gerettetsagte ich und drückte sie zärtlich au wich.
Sie wachte einen schwachen Versuch, ihre Arme um «ich zu schlingen, dann fielen dieselben schloff hernieder. Ein Zittern lief durch ihre Glieder, ihr Körper streckte sich, und nach einigen liefen Seufzern mar sie tobt!
8118 der letzte Atemzug ihrer Brust entflohen war, schien Ednard erst zum Bewnßtsein dessen, was er gethan, za erwachen.
„Ist sie — sie wird doch nicht sterben, Margarete fragte er dnmpf.
„Sie ist tobt!* antwortete ich mit Bitterkeit. »Das Mädchen, das Du nuglückliL gewacht und daun ver, leitet hast, Deine» Vaters Testament zu stehlen — es liegt nun hier schändlich gemordet von Deiner rnchlosen Hand!"
Ich war allein mit ihm ans dem öde» Felde, aber kein anderes Gefühl lebte in meinem Herzen als Abscheu >or dem Entsetzlichen, das ich gesehen, nnd das wilde Verlangen, ihm meinen Zorn und meine Verachtuua ns Gesicht zu schleudern. 8
„Sie hat e» selbst über sich gebracht«, sagte Ednard iuster. „Wie durste sie wagen, sie, die e» selbst ge. tohleu hatte, wieder von diesem verwünschten Testament zn spreche»?'
«Weil Du sie prr Verzweiflung getrieben hast mich Deine Härte und Grausamkeit, durch Deine Gleichgültigkeit und schamlosen Answerksamkeiteu gegen ein ehrloses Mädchen! Aber ich warnte Dich, Eduard' nhr ich fort, während ich wich erhob und die arme tobte Esther sanft auf den Boden gleiten liefe. .Ich warnte Dich vergeblich — Du wolltest nicht hören, und dies ist nun das 6nbe! Was wird nun geschehen?
Wis soll aus Dir werden, wenn die schreckliche Thal bekannt robb?'
.O, Du magst hivgehen und mich der Polizei auzetgen und damit dem Scharfrichter überliefern, wenn Du glaubst, daß eS Deine Pflicht ist und Du durchaus nicht den Mund hatten willst!' sagte Ednard rauh. „Aber Du wirst; Deine Matter damit nwS Leben bringen! Sie hat wich immer als ihren Sohn betrachtet, — was wird sie sagen, wenn eins ihrer Kinder da» andere auf das Schaffst bringt?'
Meine Mutter I «ch, sie hatte ich vergessen in der ürchtbareu Stunde L Wie sollte sie eS ertragen, den Naweu unsere» Vater» mit Schande bedeckt nnb den eil ft geliebten Sohu gleich einem gemeinen Verbrecher verurteilt zu sehen? — von der eigenen Schwester de» Mord« s augeklagt!
Ich lang die Hände in meiner Angst, während Eduard, meine weichere Stimmung bemerkend, mit starrem, halb auf die Tobte gewandtem 331 de fortfnha:
„Und weißt Dn denn, wie da» alle» so gekommen st — wie sie mich bei ihrer Rückkehr an» dem Dorfe >»rch ihre Vorwürfe und Schmähungen gereizt und herauSgefordert hat, bis ich zuletzt, als sie wir sagte, wo fi- gewesen sei, und dafe sie die Testamentsgeschichte verraten habe, ihr nacheilte und sie zu Boden streckte? — Was — Margarete, — wa» soll tch Dir geben damit Du schweigst urd Deine»- Bruder» Leben choust?'
.Nicht»!' rief ich laut und heftig. „Wie kannst Du e» wagen, mir einen Preis zn bieten? Nicht für Dich oder wich, um Deiner R-.ttuug oder meines Dorteil» willen, würde ich mich eutschliefeeu, mein Gewissen mit bet Srtuueiuvg an biefe Nacht al» Hehlerin Deine» Verbrechens zu belasten, — nur eins nur die Sorge nm unsere Mutter könnte mich be. ttmmen, zu schweigen —'
„DaS meine ich eben', sagte Eduard erleichert; „nm unserer Mutter willen, Grete! Komm, sei ein gutes Mädchen! Du kannst jene» arme Geschöpf' — und c» schüttelte ihn förmlich, al» er »ach der Leiche
hinsah — „nicht wieder zum Leben erwecken, so erspare Deiner Mnüer wenigstens Kummer nnb Schaube, indem Dn mich rettest.'
„Was soll ich ihn»? Wa» soll ich thnn?' rief ich, laut ansschluchzenb.
„Sage nicht»', flüsterte Ebuard. „Wer hat uns gesehen? Keine lebenbe Seele weife eS außer Dir uub mir. Sage, Du habest sie hier tobt gesuubeu — Ihr Weiber könnt so gut lügen, wenn ihr wollt. Du wirst es thuu, Grete, nicht wahr? Ich habe ein ruchloses Verbrechen begangen, bas gebe ich zu; aber ich hatte zu viel Champagner zn Mittag getrunken und war halb von Sinnen, obgleich ich jetzt nüchtern genug bin; nnb sie reizte mich burch ihre Drohungen aufs Aenfeerste. Ich hatte mein Wort gehalten — rotte sie geheiratet nnb so ben Preis bezahlt — welche» liecht hatte sie, noch irgenb etwa» Weitere» zn verlangen?'
Ich staub bewegungslos in ber dunkeln Nacht, in chweigendem Kampfe mit mir selber, während Eduard immer eifriger und flehender ans «ich einbrang. Endlich sprach ich:
„Geh; laß mich allein mit bet Tobten! Ich will Dich nicht verraten —•
Er griff nach meiner Haub, aber ich wich schaubernb vor seiner Berührung zurück.
„G H! wieberholte ich. „Aber halt', fügte ich gleich baranf hinzu, „nimm Esthers Uhr nnb Börse mit — bte Leute werden bann eher glauben, dafe ie ihre» Gelder wegen Überfallen worden ist."
„Dn hast recht', murmelte Eduard nnb beugte ich nteber. Aber tu dem Augenblick, wo seine Hände mit dem loten Körper in Berührung kamen, spraug er entsetzt iu die Höhe. „Ich kann nicht!' sagte er dampf.
Für mich hatte die leblose Gestatt nicht» Furcht- erregende»; ich nahm die Sachen an» ihrem Kleide nnb legte sie in Eduards kalte, roibetfirebenbe Haub.
(Fortsetzung folgt.)