Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bogle» in Frankfurt a. M., Laffel, Magdeburg ».Men: Rudolf Moste in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln: T. 8. Daube tt.to.in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXV. Jahrgang.
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Bon englischen, wie französischen Bergleuten ist in diesen Tagen der Beschluß gefaßt worden, einen
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internationalen europäischen Bergmannsstreik am 1. Mai 1891 zu beginnen, wenn bis dahin nicht ter achtstündige Arbeitstag für Bergleute eingeführt ist. Natürlich sollen auch alle deutschen Bergleute «itstreiken. Dieser Beschluß zeigt zweierlei: Zuerst, daß man im AuSlande die deutschen Jndustriever- hLltnisse gar nicht genau kennt, und zweitens, daß bei solchen internationalen Arbeiter-Ausständen nichts mderes bezweckt wird, als daß viele Arbeiter für
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»Wohin geht Eduard?* fragte ich.
„Wie sollte ich daS wissen?" entgegnete Esther bitter;
. .Bleibst Du heute hier?' fragte »ich Eduard nach Nabetem Frühstück.
,3», ich denke.*
.Gut, bann sehen vir uns beim Mittagessen wieder.*
*tmtt verließ er gähnend daS Zimmer.
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adlicher wirtschaftlicher Schaden einträte? Dir Berhältnisfe liegen heute so, daß die Preise vieler Produkte der Groß Industrie eher sollen, als steigen, infolge der mangelnden Nachfrage, und eS wäre das Unklügste und Schädlichste, wenn zu dieser Krisis noch eine Kohlenkrisis käme. Die Kohlenpreise lasien sich ebenso wenig eigenmächtig für die Dauer fest- schen, wie irgend welche andere Preise von beliebigen Jnduflrieprodukten; da ist vor allen Dingen die Nachfrage maßgebend. Das ist das erste volkswirtschaftliche Gesetz, und wer dasselbe nicht anerkennen
Benige die Kastanien aus dem Feuer holen sollen. Der achtstündige Arbeitstag für Bergleute, nach dem man in Frankreich und England erst strebt, besteht für Deutschland schon in Rheinland-Westfalen fast überall, und in den übrigen Kohlenrevieren ist man diesem Ziele ziemlich nahe. Davon weiß man im Auslande nichts, die deutschen Bergleute stehen sich also faktisch besser, als ihre ausländischen Kollegen, ße brauchen nicht wie jene um ein Recht erst zu Stapftn, das bei der schwierigen Arbeit in den Lergwerken zugebilligt werden muß. Der Fall beweist auch, daß die Leichtfertigkeit, mit welcher solche Beschlüsse gefaßt werden, eine sehr große ist, wd nach dieser Thatsache ist billig zu bezweifeln, «i diese Arrangeure solcher Ausstände auch wohl orderen zu Liebe dos thun würden, was sie selbst
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(Nachdruck verboten.)
Im Katt« -er Füge.
Erzählung von D. Russell- (Fortsetzung)
Eduard hörte mich sprechen und kam ans seinem Zdumer, um mich zu begrüßen. Wie roh und hart MU Gesicht jetzt war! Er hatte seinen Schlafrock an gib sah unordentlich ans; früher war er wenigstens Wsch nnb adrett gewesen.
reich, Belgien oder Oesterreich-Ungarn. Was soll - also für sie ein europäischer Arbeiterausstand für
einen Zweck haben? Es ist keiner zu erblicken, «• und die ausländischen Bergleute würden wahrschein- sich froh fein, wenn sie nur das Einkommen ihrer deutschen Kameraden hätten. Wer bürgt aber dafür, I |l daß bei einem solchen Vorgehen nicht auch ein un-
" von anderen verlangen. Zahlreiche deutsche Berg- tellu« Kote, wohl die weiften, stehen sich auch finanziell )sca ieffer, als viele ihrer Kollegen in England, Frank-
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er.
»Nun, Grete, da bist Du ja!* sagte er freundlich toug. .Ist Dir die aristokratische Lust von Gellen» km gut bekommen? Was macht unsere edle Taute? Ml sie mich hoffnnugSloseu Sünder nicht noch de» Wider S grüßen?*
Beim zweiten Frühstück hatte er an Allem etwas Mzufetzen. «Deine Kocherei ist erbärmlich*, sagte er Drtugschätzig zu Esther; ,oach Deiner Herkunft sollte eiten doch denken, Du müßtest weutgstenS fiattoffein 5370 "deutlich kochen können.'
-Es erfolgte keine Entgegnung. Arme Esther! «tzt sah ich erst so recht, wie verändert ste war. Sie bar noch viel weniger hübsch als früher und sah um '«hre gealtert ans.
£ bespricht nichts mit mir, nnb zuweilen sehe ich ganze Tage laug nicht." Ihre btS dahin mühsam ; ^wahrte Fassung brach zusammen und ste weinte ! b« und heftig.
| Ich suchte sie zu ttösteu und sprach die Hoffnung J daß Eduard sich doch vielleicht noch ändern würde. | die war aber nicht zu beruhigen und rief verzweifelt: „Sange kann ich eS nicht mehr ertragen! Dieses
|*ib(5en — Elsa Werneck — das ganze Dorf spricht
will, ist ein Thor, über den Handel und Wandel bald zur Tagesordnung übergehen werden. Der Absatz in der Industrie ist ein sehr wichtiger Faktor für die Nachfrage nach Kohlen und den Preis derselben; denn bleibt die Nachfrage aus, hat eS auch keinen Zweck, große Vorräte auf unbestimmte Zeit avzuhäusen. Diese Rücksichtnahme hat einen zweiten großen Streik der Kohlenarbeiter in Deutschland bisher verhindert; es läßt sich hoffen, daß auch in Zukunft die Besonnenheit die Oberhand behalten wird, und natürlich die Grubenverwaltungen bei eintretendem flottem Geschäft die Jntereffen der Arbeiter ebenfalls berücksichtigen. Eine übertriebene PreiSsteigerei der deutschen Kohlen würde nur den Absatz fremder Kohlen in Deutschand begünstigen, die heimische Produktion würde also immer mehr zurückgehen. Die englischen Grubenbesitzer haben keinen dringenderen Wunsch, als den, ihren deutschen Konkurrenten möchten so hohe Schwierigkeiten er- wachsen, daß sie wirksam eingreifen könnten. Die deutschen Bergleute könnten dann nicht darauf bauen, daß die britischen Bergleute ihnen zu Liebe die Hände sinken lassen würden; sie würden im Gegenteil jeden Gewinn, der sich auS dem gesteigerten Absatz ergeben würde, gern mitnehmen. Die ausländischen Bergleute besitzen gar nicht die Mittel, einen großen Streik lange auszuhalten, sie sind also unzuverlässige Verbündete, auf die sich niemand verlassen kann. Wenn den Bergleuten von ihren sogenannten Führern vorgercdet wird, die ausländischen Kollegen ständen sich weit beffer, so find daS entschiedene Lügen. Warum gehen denn nicht große Schaaren deutscher Bergleute nach Belgien, Frankreich oder England, wenn eS dort so angenehm fich leben läßt? Die Sache muß also einen gewalttgen Haken habe», und der angebliche Glanz doch nicht ganz von Geld herrühren. Wir Deutschen wüffen die Entwicklung der Verhältniffe in Handel und Wandel, Industrie und Gewerbe geduldig abwarten; auf Pläne des Auslandes, uns auSzunützen und uns als Vorspann zur Erlangung eigener egoistischer Zwecke zu gebrauchen, einzugehen, haben wir keinen Anlaß, und wer dazu auch den allergeringsten Arbeiter bereden will, der meint es mit diesem nicht ehrlich.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Oktbr. Die Moltke-Adresse. Oberbürgermeister von Forckenbeck in Berlin bezeichnet die bekannten Mitteilungen über die geschäftliche Ausbeutung der Moltke Adresse durch den Berliner Kalligraphen Senger als zutreffend, sowie, daß die
über sie nnb Ednarb. Hab ich kann nichts thun. Er lacht höhnisch über alles, was ich sage. O, Margarete, wäre ich doch tot — hätte ich ihn doch nie gesehen! Ich war ein glückliches nnb unschuldiges Mädchen, bis er meine Seele vergiftete!"
„Liebe Esther!" sagte ich, sie liebevoll umfaffeud. „Ach, Du weißt nicht alles, Margarete; Du weißt nicht, was ich um seinetwillen getragen habe!"
Sie schluchzte so krampfhaft, daß ich sie zwang, fich niederzulegen. Dann saß ich schweigend neben ihr, bas Herz voll Mitleid für dieses arme, junge Weib.
Zn Mittag konnte sie nicht aufsteheu nnb ich aß allein mtt Ednarb. Er war etwas beffer gelaunt als beim Frühstück nnb fragte, was mtt Esther los fei, da sie nicht erschien.
„Sie ist nicht ganz wohl", sagte ich; „und, Eduard, ich glaube, Du hast sie vorhin sehr gekränkt."
„Dummes Zeug! Will ste etwa die feine Dame spielen?"
Ich schwieg; aber als er mich nach Hause be» gleitete, begann ich:
„Du mußt nicht böse werden, Eduard, wem ich offen mit Dir spreche —"
„Halte mir nur keine Predigt, baS ist überflüssig." „@8 soll auch nicht geschehen; ich will Dich nur instänbig bitten, ein wenig freundlicher gegen Esther zu fein. Sie ist nicht glücklich —"
„WaS geht baS mich an?"
„Ich denke, viel, da Du sie doch geheiratet hast." „Ja, ich habe ste geheiratet und damit einen Mühlstein um meinen Hals gehängt. Glaubst Du, es fei nichts für einen Manu, wenn er das eine Mädchen haben will nnb ein anbereS nehmen muß? Esther hat »ich gezwungen, sie zu heiraten, .und muß nun die Folgen tragen."
„Und diese Elsa — ist ste eS wert, daß Du ihret- wegen Deine Ehre opferst und Dein Gewissen be. schwerst? O, Eduard, wenn Du doch glauben wolltest, daß ste Dich nicht liebt, wie eS Esther thut, sondern nur ihre eigenen, selbstischen Zwecke t« Ange hat!
Herren, welche fich prinzipiell mit der Adresse einverstanden erklärt hatten, ihre Zustimmung zu dem Sengerfchen Unternehmen zurückgezogen haben. Um nun anderweittg die Adreffe inS Werk zu setzen, ersucht Herr von Forckenbeck die Städte, es sind etwa 750, welche sich durch Geldsendungen an der Sengerfchen Adreffe haben beteiligen wollen, ihm ihre Zustimmung zur Regelung der Angelegenheit zu geben und wird dann die Moltke-Adreffe unter Voranttitt Berlins doch wohl zu Stande kommen. Hoffentlich ist es daS letztemal, daß die geschäftliche Spekulation sich an solche pattiotische Akte herangewagt hat. — CriSpiS Rede ist ins Deutsche übersetzt und dem Reichskanzler v. Caprivi, sowie dem österreichischen Minister deS Aeußern, Grafen Kalnoky, von Crispi übersandt worden. Der deutsche und der österreichische Botschafter haben Crispi wegen der Rede beglückwünscht. Auf Crispis Wunsch wohnte der in Italien wellende Botschafter Nigsa dem Flo renzer Bankette bei, um dem österreichifchen Kaiser darüber mündlich zu berichten. — Zur Wetterführung der Vorarbeiten zum bürgerlichen Gesetzbuch ist der „Hamb. K." in der Lage mitzuteilen: „In juristischen Kreisen neigt man fich der Ansicht zu, daß der als einer der hervorragendsten praktischen und theoretischen Juristen anerkannte Präsident der Reichs bank, Dr. Koch, den Vorsitz in der zweiten erweiterten Kommission zur Ausarbeitung eines bürgerlichen Gesetzbuchs übernehmen werde. In der Sitte« ratur über den vorliegenden Entwurf ist, wie man fich erinnert, Dr. Koch mit einer viel beachteten Schrift vertrete». Wie lange die Arbeit der Kommission dauern wird, ist freilich schwer abzusehen, und es läßt sich daher begreifen, daß Dr. Koch in seiner Eigenschaft als ReichSbank-Präfident vielleicht Bedenken gegen seine Berufung zum Vorsitzenden der Kommission geltend machen würde.' — Nach einer Verfügung des Ministers deS Innern können Vergütungen für Zähler, welche zur unentgeltlichen Nebernahme dieses Ehrenamtes bei der bevorstehenden Volkszählung nicht bereit sind, weder aus der Reichs- noch aus bet Landeskaffe beansprucht werden. Die Anstellung und etwa erforderliche Bezahlung der erforderlichen Zähler ist daher lediglich Sache der einzelnen Gemeinden und GutSbezttke. Nur an besonders bedrängte Gemeinden hat fich der Minister die Gewährung einer Beihilfe Vorbehalten, wenn dieselben die zur Ausführung des Geschäfts notwendige Anzahl freiwilliger Zähler nicht haben beschaffen können und außerdem nach Lage des Gemeinde-Haushalts nicht genügend leistungs-
fiein gutes Mädchen würde im Stande fein, einer andern Frau den Gatten abwendig zu machen.
„Gutes Mädchen! Ha, ha! Fällt mir auch gar nicht ein, meine Siebe, Fräulein Werneck für ein „gutes Mädchen" zu halte», schon, weil ich Überhaupt nicht glaube, daß eS feit Eoa eins gegeben hat. Aber ste hat daS, was Über die Güte geht — Schönheit!"
„Und um dieser herzlosen Schönheit willen brichst Du das Herz Deines armen Weibes?"
„Mein armes Weib mag ihr Herz selber in Acht nehmen. Ich habe sie geheiratet; was will ste mehr? Geliebt habe ich ste nie und werde jetzt nicht damtt anfangen."
»Dann, Eduard, bitte ich Dich nur noch, zu be. denken, wohin das führen soll — welches Ende diese unglücklichen Verhättuiffe nehmen müffen! Du wirft Über Dich und Esther, Über uns Alle, neues Unheil bringen, wenn Du Dich nicht von diesem Mädchen foSfagen kannst!*
Eduard schwieg eine Welle, bann sagte er:
„Grete, Du weißt wohl nicht, wie einem Trinker zu Mute ist? Frühmorgens, wenn er mtt schmerzen, dem Kopfe nnb brennenbem Durst erwacht, schwört er daS Trinken für immer ab, ttotzdem aber hat er, noch ehe ber Tag um ist, wteber von vorn damit angefaugen. So geht es mir in diesem Falle: Ich weiß, daß ich in mein Verderben renne, daß diese beiden Franenzimwer mein Verhängnis sein werden, und ich vermag doch nicht umzukehreu! Wozu also davon reden? 63 nützt nichts l*
Vierzehntes fiapttel.
Ein Gruß aus der Ferne.
Arn nächsten Tage erhiell ich einen Brief von Alwin. Sein erster Brief! Ein Zweiglein Haidekraut lag darin, denn er wußte, wie sehr ich eS liebte, und das Moor, den Sttaud und die wddigeu Hügel, wo ich mtt ihm zusammen gesessen hatte. Ich vergoß Thräneu über dem Haidekrant und küßte iS. Und
fähig sind, um die Kosten für gedungene Zähler aus eigenen Mitteln zu bestreiten — Schon vor längerer Zeit, unmittelbar noch ber Einführung des rauchlosen Pulvers bei der deutschen Armee, machte der Geheime Regierungsrat Profeffor Dr. Scheibler darauf aufmerksam, daß jetzt für Chemiker die Aufgabe vor« liege, ein Verfahren zu finden, um unter gegebenen Umständen künstlich mächtige Rauchwolken zu erzeugen, hinter welchen militärische Evolutionen, ungesehen vom Feinde, auSgeführt werden können. Wir find nun in der Lage, miiteilen zu könne», daß diese Aufgabe in letzter Zeit gelöst sein soll, worüber bald Näheres verlauten wird. — In Sachen der Fleischteuerung wird auf Veranlassung ber Reichsregierung in Berlin demnächst eine Konferenz stattfinden, zu welcher zahlreiche Personen aus allen Teilen des Reiches geladen sind. Der Petitionssturm aus Ost-Deutschland ist in der letzten Zeit dermaßen angeschwollen, daß eine neue Prüfung der Verhältniffe eintrete» soll und hoffentlich wird diese auch erfolgreich sein. Ist es auS veterinär- polizeilichen Gründen und in Rücksichtnahme auf die Landwirtschaft auch bei ber genausten Aufmerksamkeit unmöglich, die russische Grenze zu öffnen, dann muß eben zeitweise der Fleischzoll aufgehoben werden. Die Verhältniffe sind entschieden drückend geworden, und ihre Dauer hat die Hoffnung schwinden gemacht, es werde vor dem Winter noch eine Besserung eintreten. In West-Deutschland haben sich die Verhältniffe weit günstiger gestaltet, und da der Westen überhaupt wohlhabender als der Osten ist, find die Preisaufschläge dort auch weniger empfunden. Daß an der Sachlage im Osten nichts übertrieben ist, beweist die zahlreiche Teilnahme städtischer Behörden an dem Petitionssturm. — lieber die Abtretung der Zanzibarküste an Deutschland ist jetzt ein definitives Einverständnis erzielt. Der Sultan von Zanzibar erhält vier Millionen, welche von der deutschen ostafrikanischen Gesellschaft, nicht vom Reiche, gezahlt werden. Als Ersatz behält die Gesellschaft die Zollerhebung und andere Hoheitsrechte. — Uebermorgen wird unter dem Borsitz des Kaisers im königlichen Schlöffe ein Kronrath stattfinden, ber fich abschließend mit den für den Landtag bestimmten Vorlagen ber Steuerreform und der Landgemeinde« ordnung befchästtgen und, wie von guter Seite angedeutet wird, auch der Beratung sozialpolitischer Dinge gelten wird. Wahrscheinlich wird gleichzeitig auch ber Termin zur Einberufung des Landtages festgesetzt werde».
— In den nunmehr fertig gestellten Gesetzentwürfen
feine Worte! so liebreich wie er immer zu mir gesprochen hatte! Er erzählte von dem Zorn, der ihn ergriff, ds er mich nicht mehr in Gellenheim fand; wie bann heftige Worte zwischen ihm nnb feiner Mutter gefallen, unb daß, wenn er unabhängig von ihr wäre, eS zum Bruche gekommen fein würde.
„Ein Mann jedoch*, schrieb er, „der fich in so schwieriger Lage befindet wie ich, muß manchmal seinen Stolz und feine Gefühle der Klugheit unterorduen. Warum bist Du nicht reizlos und unbedeutend auf die Well gekommen, süße, kleine Margarete? — oder warum nicht reich? Wie glücklich könnten wir bann fein! Unsere Naturen haruwutren so gut trotz ihrer großen Berschiebeuhett, benn Du bist eine kleine Heilige nnb ich bin ein arger Sünder. Aber, meine Margarete, wenn auch nicht viel Gutes an mir ist, so kann ich doch ein edles, holdcS Mädchen von ganzem Herzen lieben und verehren. Ich danke Dir, daß Du unser Geheimnis bewahrt hast. V-rrate es auch ferner keiner Seele — um unserer Liebe willen schweige noch!*
Rose fand mich in Thräneu über diesen Brief und ries geringschätzig:
„Was l Du weinst über einen Brief unserer Tante ? Oder hat fich Alwin zu ein paar Zellen herab gelassen? Willst Du mir die Geschichte nicht erzählen, Margarete, und mir sagen, welches Verbrechen Du begangen? Sicherlich hast Du Alwin zu oft angesehen, so daß die zärtliche Taute für Deinen Seelenfrieden fürchtete. In ihrem Briefe an Mama schrieb sie, er sei so gut wie verlobt mit einer gewissen Erbin. Wenn baS wahr ist, so wärest Dn wirklich thöricht, Dich nm einen Mann zu grämen, bet Dir von Liebe spricht, währenb er sich bereits an ein anbereS, reicheres Mädchen verkauft hat. Mache eS wie ich und liebe überhaupt keinen Mann; sie find eS Alle nicht wert!*
Rose ging singend hinaus; aber eS schien mir, dB sei eS ihr gar nicht so leicht umB Herz wie ste mich glauben machen wollte.
(Fortsetzung folgt)