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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt.

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Spedition: Markt 21. Redaktion. Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Ursch eint täglich «ß« an Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Ollartal.Abonnnmentr.Prei ä bei der Expe­dition»'/. Mk., bei de» Postämtern 2 SH. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jnserttoaigtbühr für die gegoltene Zeile 10 Psg Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Mittwoch, 15. Oktober 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-,

Kwie die Amwnken>Bnreanx von Haasenstein nnd Bogle» _ , Frankfurt a. M., Laffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXV. ^abraana.

«koste in Frankfutt a. M., Berlin. München tu Köln:G.L *>

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Das allgemeine Wahlrecht.

Als s. Z. der Norddeutsche Bund errichtet wurde, war es der Bundeskanzler Graf Bismarck, welcher die Einführung deS allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechtes forderte und durchsetzte. Dies Wahlrecht wurde später auch vom deutschen Reiche stbernommen, und damit ist allen deutschen Bürgern, ob Millionär oder Tagelöhner, ein ge­meinsames Recht, ein wertvolles Vorrecht schon vor zwanzig Jahren verliehen worden, welches heute noch nicht einmal alle Engländer besitzen, von ver­schiedenen anderen Industriestaaten ganz zu schweigen. EI ist also Faktum, daß dem deutschen Arbeiter zuerst das höchste politische Recht verliehen wurde, fteiwillig und ohne Zwang, ja entgegen verschiedenen Warnungen und Mahnungen, welche da- allgenuine Wahlrecht als verfrüht erachteten. Die Einrichtung, mit welcher die deutsche Sozialdemokratie ihreSiege" ersochten, hat sie sich also nicht geschaffene sie ist eine gesetzliche Bestimmung, welche den Arbeitern mit wenigen Worten mehr gab, sie höher stellte, als es die Herren Bebel und Liebknecht jemals sertigbringen werden. Nach dem Anwachsen der Partei bei den letzten Wahlen hat eS nun nicht an Stimmen gefehlt, welche eine Einschränkung des allgemeinen Wahlrechtes fordern, mit der Begründung, daß viele Wähler nicht politisch reif seien, mit dem allgemeinen Wahlrecht also ein grober Mißbrauch getrieben würde. Diese Behauptung ist aber nicht stichhaltig; die große Bolksmenge wird nie gewerbs­mäßige Politik treiben, und das ist ein wahrer Segen; sie wählt, das ist Thatsache, meist nach Gründen, welche der Magen diktiert, und betrachtet die Wahl als ein geeignetes Mittel, um seiner Zu- fttedenheit oder Unzufriedenheit Ausdruck zu geben. Dieser Ausdruck mag nicht immer in richtiger Weise erfolgen, es können auch leicht falsche Schlüsse ge­zogen werden, aber, und das ist nun mal die Hauptsache, wer mit zahlt und leistet, muß auch mitsprechen können! Gerade das allgemeine Wahl- recht hat dem deutschen Volke rin erhöhtes kräftiges Crlbstbrwußtsein gegeben, und wenn Irrungen und Fehler vorkommen, so bestehen dieselben doch nie dauernd, es kommen auch andere Tage. Ohne Rüfen bestand noch kein Staat.

DaS allgemeine Wahlrecht ist aber vor allen Dingen der beste Dämpfer einer .Knüppel-Politik!" Wo eS jedem Bürger frei steht, durch feine Stimme seine Ansicht zum Ausdruck zu bttngen, da denkt der Unzufriedene viel weniger an Gewaltakte. In

Belgien, in Oesterreich - Ungarn, auch in England besteht kein so allgemeines, gleiches Wahlrecht, wie in Deutschland. Daß dort aber Unruhen und AuS- chreitungen verhütet wären, das wird doch niemand ikhaupten, es ist vielmehr das direkte Gegenteil der Fall gewesen. In Deutschland hat es an Trubel nicht gefehlt, aber solche blutigen Zusammenstöße, Straßenräubereien und wilde Brutalitäten, wie sie in jenen Staaten vorgekommen find, nicht einmal, andern ein Dutzend mal, hat eS nie bei uns ge­geben. Und waS würde eine Einschränkung des Wahlrechtes nützen? Nicht-, nur schaden! Die Sozialdemokraten würden im Reichstage weniger Vertreter haben, aber die Gebliebenen würden ihre Stimme doppelt laut erschallen lassen, die Unzu­friedenheit der Massen würden riesengroß werden, und niemand könnte wissen, was daS Ende wäre. Der Staat, welcher von jedem seiner Bürger fordert, daß er nötigenfalls mit seinem Leben für die Ver­teidigung des Vaterlandes einstehen muß, kann diesem auch nicht das Recht verweigern, bei der Wahl der Volksvertreter thätig zu sein. Wo Pflichten, sind Rechte, die hat der Kaiser, die hat der geringste Bürger, der im geflickten Kittel seine Straße zieht. Und dies Bewußtsein ists auch, was den National- stslz weckt, das Nalionalbewußtsein sördert. Da können kritische Tage kommen, in welchen persön­liches Mißgeschick zu irriger Auffassung führt, aber ernste Zeit kuriert manchen. An exzentrischen Leuten hat es keiner Nation zu keiner Zett gefehlt, aber von ihnen darf man nicht auf das Ganze schließen. Deutschland ist ein machtvoller, nationaler, seiner Würde sich bewußter Staat; eS muß auch Bürger haben, welche den Kopf höher tragen können, als andere. Rebellische Gewatten zu unterdrücken hat das Reich das Recht und die Macht, aber um Einiger willen dürfen nicht die wohlverdienten BolkS- rechte beeinträchtigt werden. Tas hieße, daS Kind mit dem Bade ausschütten, Feuer anzünden, statt eS zu löschen. Arbeiten wir unermüdlich für den sozialen Frieden, er wird ebenso wenig ausbleiben, wie die Reichseinheit!

Deutsches Reich.

Berlin, 13. Okt. Gestern haben die Sitzungen deS Staatsministeriums ihren Anfang ge­nommen, welche sich auf Feststellung der für Land­tag und Reichstag bestimmten Vorlagen beziehen. Bon den vorbereiteten Entwürfen befindet fich die Landgemeinde-Ordnung bereits bei dem Staats­ministerium. Der Gesetzentwurf über Abänderung

der Einkommensteuer mit allem Zubehör ist abge- chloffen; der Entwurf über Abänderung der Ge­werbesteuer, dem Abschluß nahe, wird in diesen Tagen fertiggestellt. Auf diese beiden Entwürfe ollen für die nächste Tagung die Vorlagen des sinanzministerS beschränkt bleiben; die von langer Hand geplante Ueberweisung der Grund- und Ge- läubefteuer an die Gemeinden und die ErbschastS- teuer bleiben einstweilen noch Vorbehalten. ES wird etzt als ziemlich zweifellos erachtet, daß der preu- rische Landtag bereits im November, und zwar in der ersten Halste des MonatS berufe» wird. Am 16. d. M. werden die sterblichen Ueberreste des Kaiser Friedrichs und seiner beiden Söhne, >er Prinzen Joachim und Waldemar, auS der Sakristei der FriedenSkirche in das neu erbaute Mausoleum überführt, der Sarg Kaiser Friedrichs in der Gruft, die Särge der beiden Prinzen an Seiten des MtarS beigesetzt werden. Der Hoch­zeitstag der Prinzessin Viktoria ist auf den 20. Novbr. festgesetzt. Der Generalfeldmarschall Graf Moltke, welcher auf Wunsch deS Kaisers seinen 90. Geburtstag (26. d. M.) in Berlin zu­bringen wird, gedenkt, wie wir ersahreu, schon am 24. Oktober hier einzutreffen. Die Adresse an Moltke, welche die Akademie der Wiffenschasten zum 90. Geburtstag überreichen wird, soll, wie man hött, von Theodor Mommsen versaßt werden. Die vom Staatsministerium beantragte Bestätigung der Wiederwahl deS Herrn von Forckenbeck zum Oberbürgermeister von Berlin ist am 10. d. Mts. vom Kaiser unterschristlich vollzogen worden. Aus einer Veröffentlichung der Magdeburger Privatbank ergießt fich, daß den preußische» Privatbanken das Recht zur Ausgabe von Banknoten beim Ablaus der bezüglichen Privilegien, so weit sie dieses Recht noch besitzen, nicht erneuert werden soll. Die in verschiedenen deutschen und italienische» Blättern ausgrtauchte Nachricht, daß eine Zusammenkunft des deutschen Reichskanzlers mit Herrn CriSpi in nicht ferner Zett zu erwarten fei, wird bestätigt. DaS genaue Datum und der Ort derfelben find noch weiterer Uebereinkunft Vorbehalten. Ein spezieller Anlaß für diese Entrevue sei nicht etwa in irgend einer politischen Tagesfrage, sondern in dem Wunsche der leitenden Minister der beiden Verbündeten Staaten, einander persönlich kennen zu lernen, gelegen. Die Bereitwilligkeit, mit welcher Herr CriSpi auf diese Entrevue eingegangen, sei wohl ein Beweis mehr dafür, daß er nicht daran denkt, seine Wege von jenen Deutschlands zu trenne». Zwischen den Ka­

(Rachdruck verboten.)

Im Da«« -er Füge.

Erzählung von D. Russell- (Fortsetzung.)

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.Kind', rief sie, »was thust Du; war soll das heißen?*

WaS habe ich gethan, daß Du mir die Thür weisest; daß Du mich geradezu aus dem Haufe wirfst?'

Dein Betrage» war indiskret; weiter will ich nichts sagen; deshalb mußt Dn Gellenheim verlasse», sogleich, ehe Alwin znrückkehrtl Du hast Dich thöricht benommen ihm gegenüber, der so gut tote verlobt ist mit einem anderen Mädchen!"

Nein, Tante, da» ist er nicht I"

Sol daS willst Dn wissen? Hat er fich so wett berge ssen, Dir Thorhetten tu deu Kops zu setzen? Wttßt Du nicht, daß er deu Dienst qnitttten muß, denn er kein reiches Mädchen heiratet? daß er «tt Schulden überhäuft ist und ich ihm nicht mehr helfen kann?"

Taute sagte dies streng nnd bitter, während ich vor ihr stand und mich, durch mein Versprechen au Alwin gebunden, nicht einmal verteidigen durste.

Wenn er Hoffnungen in Dir erweckt hat, so war »ar reiner Wahnstnn! Denn eS gießt nur eine Mög­lichkeit, wie er fich noch vor dem völligen Ruin retten kann, und das ist die Heirat mit Anna Bardow einem Mädchen, daS reich ist und ihn liebt und dessen Liebe er bereits zu gewinnen suchte an das ihn «so die Ehre bindet."

Schweigend stand ich da.

Anna hast Du beruhigt", fuhr sie fort;dar ist vtt. Für daS Uebrige werde ich sorgen. Der Wagen »st bestellt. Um elf Uhr geht der Zug; bis dahin bmßt Du fertig fein. Anna brauchst Du nicht mehr tt sehen; eS könnte fie wieder aufregeu. Ich werde Dich bei ihr und Fräulein Golbitz entschuldigen. Run erlaube noch, daß ich Deine Ressekosten tröge." *ab Tante zog ihre Börse.

Nein!" rief ich, anfS Höchste ewpört;und wenn ich zu Fuß nach Heydorf laufen müßte, so nähme ich keinen Pfennig von Dir! Wenn mein Vater noch am Lebe» wäre, so hättest Du eS nicht gewagt, mich so zu beleidigen! Aber da ich arm und schutzlos bin, so behandelst Du mich schlimmer, als er es je mtt dem geringsten Bettler that, der feine Schwelle überschritt!»'

Ich bin nicht hier, um lange Tiraden anzn- hören", sagte fie kalt.Ich werde Dir durch Lisbeth das Frühstück heranfschicken; fie kann Dir auch beim Packen behülflich sein. ES thnt wir leid, daß wir nicht im Guten scheiden; aber später wirst Du ein- sehen, daß ich Recht hatte und auch zu Deinem Besten gehandelt habe." Damit ließ fie wich allein.

So blieb mir keine Wahl. Zorn und Verzweiflung im Herzen, packte ich meine Sachen. An Alwin wollte ich wenigstens schreibe». Seine Adresse kannte ich, und so setzte ich mich hin, ihm schrifttich Lebewohl zu sagen. Ich berichtete ihm, was vorgefallen war, und wie ich unser Geheimnis Anna und feiner Mutter gegenüber gewahrt hatte. Den Brief steckte ich in die Tasche und nahm mir vor, ihn ans einer Bahn­station anfzugeben, da ich hier meiner Tante nicht tränte.

Als ich durch den Flur ging, kamen Tante und Fräulein Golbitz mir entgegen. Letztere reichte mtt herzlich die Hand und sagte:

ES thnt mir sehr leid, daß Sie so plötzlich ab. reisen müssen; aber wir wollen hoffen, daß es mtt der Krankheit Ihrer lieben Mutter nicht so schlimm ist" hier gab mir meine Tante ein Zeichen.Anna wird sehr bettübt sein, wenn fie von Ihrer Abreise hört, über Sie müssen uns einmal besuchen vielleicht zu Weihnachten. Ich schreibe Ihnen daun." Hierauf küßte fie mich; auch Tante versuchte dies, ich wußte (8 jedoch zu verhindern.

Lebe wohl, Margarete l" sagte fie.Grüße Deine Mutter und schreibe gleich nach Deiner Ankunft."

Zwei Minuten später rollte der Wagen mit mir von dannen auf demselben Wege, den ich zuerst mtt Alwin gefahren war. Kaum konnte ich glaube»,

daß erst wenige Wochen feit jenem Abend vergangen waren, wie viel war in dieser kurzen Spanne Zett aus mich eingestürmt.

Als ich spät am Abmd auf der letzten Station vor Heydorf anlaugte, fand ich Rose und Esther ans mich wartend. Rose sah blühend und reizend aus tote immer; Esther dagegen war blaß und nervös und ihre Züge waren schärfer geworden. Sie küßte mich liebevoll und sprach ihre Freude darüber aus, mich wieder da zu haben.

Und Herrn SBenter hast Du nicht gesehen?»» fragte fie mit traurigem Lächeln.Deine Mutter zeigte mir seinen Bries. Wie enttäuscht wird er jetzt Über Deine Abreise sein!»'

Ich bin überzeugt", sagte Rose lachend,daß Margarete mtt Alwin kokettiert und durch diese Schlechtigkeit das gerechte Mißfallen unserer Tante erregt hat."

Wie geht es, Eduard?" fragte ich ablenkeud.

.Er ist noch stärker und unliebenswürdiger ge- worden", antwortete Rose.Wmn man ihn aufiehi, könnte man beinahe Lust bekomm«, eine alte Jungfer zu werden, obwohl das nichts Schönes ist, denn ein altes Mädchen wird stets verkannt und für boshaft gehalten werden. Aber ich glaube fast, bis liebel der Ehe find roch größer."

Und was macht Herr Falk?"

,O, ich mag ihn nicht mehr; er ist so schrecklich ernsthaft und fehlerfrei."

.Sie hat ihn schlecht behände», Margarete", sagte Estherwenigstens meint das Deine Mutter. Aber er bewundert fie »och Immer sehr."

.Dazu braucht er kein Heiliger zu sein! Aber hier find wir berettS in unserem idyllischen HeiwatSdorf. Du hast ja noch gar nicht nach unserer OrtSschönheit Elsa gefragt, Margarete."

Ich fühlte, daß Esther bel Neunuug diese- Namms znsammenznckte.Ach, laß urS jetzt davon schwelgen!" rief fie.Wir wollen spättr davon rede», Margarete,

binetten der europäischen Großmächte hat hinsichtlich der neuen amerikanischen Zollchikaven ein NeinungSaustaufch stattgefunden. Bestimmte Bor- chläge sind aber nicht gemacht worden. Veran- aßt durch die Vorlage betreffend die Abänderung !)eS Krankenkassengesetzes findet in Berlin im No­vember ein Kongreß der eingeschriebenen, sowie auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten HilfS- l'affen des deutschen Reiches statt. Die Einberufer dieses Kongresses find die Leiter der großen Ham­burger freien Hilsskassen. Nationalliberale Blätter ! eilen mit, daß die Reichsregierung eS vorgezogen jabe, auf eine Anstellung des Dr. Peters im ReichSdienst zuverzichten". Man glaube, daß feine Verwendung an irgend einem hervorttetende» Platze im Kolonialwesen leicht zu neuen Reibungen mit England führen könnte. Aus Deutsch-Ostafrika. Die räuberischen Mafiti, die von der deutschen Schutz­truppe schon wiederholt geschlagen wurden, haben einen neuen Zug auf Lindi unternommen, find dort aber geschlagen und mit schwerem Verlust zurückge- worsen. Der stellvertretende Reichskommissar hat daS Verkaufen von Spirituosen, ausgenommen Wein, Bier und Wermut, im deutschen Schutzgebiet untersagt.

Halle, 13. Okt. Sozialistenkongreß. In der heutigen Hauptversammlung begrüßte Singer die auswärtigen Gäste, darunter Mundberg (Kopen­hagen), Latour, Due und Guesde (Paris), Anseele (Gent), Domela - Nieuwenhuis (Haag), Branting (Stockholm), Pokorny, Hauser und Adler (Wien) und Woski (Warschau). Auf Antrag Bebels wird den ausländischen Delegirten eine beratende Stimme in den parlamentarischen, eine beschließende in ander« Fragen zuerkannt. Bebel erstattete hierauf den Bericht über die Parteileitung und gab einen Ueberblick über die Parieientwickelung; die Partei müsse ihre bisherige Taktik beibehalten, zumal ihre ausländischen Freunde in demselben Sinne arbeiten wollten. Bei Darlegung der materiellen Entwickelung gab Bebel das Partei­vermögen am 1. Oktober 1890 auf 171829 Mark an. Bebel kündigte den Kampf gegen den Ultra« montanismuS an und empfahl die Gründung von sozialistischen Zeitungen für Landarbeiter, insbe­sondere auch die eines polnischen BlatteS. Den An­trag Schmidt-Berlin auf Einsetzung einer Kommisfio» behufs Erörterung der persönlichen Stteitigkeiten zwischen der Parteileitung und den Berliner Genossen welchen Bollmar befürwortete, lehnte die Versamm­lung ab. Bebel sprach sich dagegen auS.

Mönche«, 13. Okt. In der am 9. d. M. in

und Dn kannst dann vielleicht einmal mtt Eduard sprechen.»'

Jetzt hielt der Wag«, und im nächsten Augenblick war ich in den Armen meiner geliebten Mutter. Eine wohlthuende Rahe überkam mich, ich den Kops an ihre Schulter legte, denn mein Herz war müde und traurig. Ans der ganzen Reise hatte ich an die Hari«, kalten Worte meiner Tante denken müssen. Welche Sorgen und Kämpfe standen uns da noch bevor! Und doch wie gern wollte ich dieselben erringen, wenn mir nur Alwin seine Liebe bewahrte!

Dreizehntes Kapttel.

Eitle Worte.

Mein erster Gedanke, als ich mich am nächst« Morg« erhob, galt Esther und ihren Kümmernissen. Gewiß, ich wollte mit Eduard sprechen und den ge- ringen Einfluß, den ich über ihn besaß, anfbiete», um ihn zu bewegen, daß er d« Verkehr mtt Elsa Werneck aufgäbe. Rose sprach mtt tiefer Verachtung von dem unwürdigen Betragen dieses jung« Mädchens, und auch meine Mutter lentte besorgt und traurig die Rede daraus.

Esther ist eine gute Gattin", sagte fie,und gerade, weil fie aus einer niederen Lebensstellung stammt, sollte er ihr Empfinden doppelt schonen. Dich Hal er von uns noch am liebsten, beste Margarete. Willst Du versuchen, Ihn wieder auf andere Wege zu bringen? Ich verurteile Niemand gern, aber Elsa sollte sich nicht so oft mit Eduard geigen. Selbst Fran Kapp- mann tadelt e8."

Gleich n«b dem Frühstück ging ich hinauf. Esther kam mir schon im Garten sehr erfreut entgegen und versicherte, fie habe mir viel zu erzähle», da fie fich sonst mit Niemand aussprechen könne.

Sie führte mich in das Hau», alles sah sauber und hübsch darin ans, und Eduard konnte unmöglich Ursache zu irgend einer Klage find«.

(Fortsetzung folgt.)