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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonutagsblatt.

Expeditisn: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

JE 241.

Erscheint täglich mchrr au Werktage« «ach Sonn- und Feiertagen. Ouarial-Abonnnnentr-PreiS bei der Lrpe- bitten 2«/t Mk-, bet den Postämtern 2 Mk- 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Jusertionggebühr für die gefpaüene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zelle 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag, 14. Oktober 1890.

Rnzeigrn nimmt entgegen die Expedition d. Blattes,

Kurte die Annoncen-Bnreaux von Haasenstein und Bogle,

Franlfutt a. M., Laffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXV. ^abraaua. nrtoffe in Frankfurt e. M., Berlin.München tu Köln8. »uw«

Dowt tu Co. in Franlfutt <u M., Berlin, Hannover, Pantz.

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"belebten Marktplatz Zanzibar zugeführt,

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diesen kleineren Häfen werden die Rohprodukte, wie Gummi, Kautschuk, Elfenbein, Häute u. s. w. dem

dort aus in alle Teile der Welt verschifft zu werden. Als Gegenwert erhält Zanzibar Ladung von Manchester-Waren, Baumwollen- und anderen Fabrikaten, welche nach und nach in die inneren Plätze Afrika- eingeführt werden. Alles diese- wird jedoch in Zukunft verändert werden, und Zanzibar dürfte nicht mehr lange die geschäftige und blühende Stabt sein, die es heute ist, fall- nicht in der Folge die Ereigniffe bedeutende Aenderungen hervorbringen. Die Umwälzung, welche Zanzibar dem schützenden

nr.

Verdi.

he) Oktober Mndch (6549 ite.

Bestellungen für das 4. Quartal auf die

ZMimg nebst fireisfcfatt für die -reise Marburg und Kirchhain und

Wu^riertes SonntagsBfatt werden noch von sämtlichen Postämtern und von unserer Expedition entgegengenommen.

In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Nindt Bestellungen entgegen.

Die Exped. der Oberh. Zettg.

he» ier der ft eiff (6480 md.

Neber die Ansichten m Zamibar schreibt ein Londoner Blatt folgende-:Werfen wir einen Blick in die Zukunft Zanzibar-, so er­scheint uns dieselbe durchaus besorgniserregend und sthwere Wolken beginnen bereits an dem Horizont anfzusteigen, welcher unS noch vor kurzem so hell und voller Versprechungen entgegenleuchtete. Die letzten politischen Umwälzungen haben zwar Zanzibar miet die Schutzherrschaft Englands gestellt. Aber ast die nächste Zukunft wird uns (d. h. also den Engländern) zeigen, von welchem Nutzen diese Neuerung sür die britischen Jntereffen sein wird, welche Zanzibar zu dem gemacht haben, was es ist. Den mit den Berhältniffeu des Landes Settrauten P die Thatsache bekannt, daß Zanzibar während einer Reihe von Jahren der Hauptstapellplatz und Bereinigungspunkt sür eine Menge kleinerer, auf dem Festlande gelegener Häfen gewesen ist. Bon allen

m.

Oktober, (6506

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vttvr.

»unser

(Nachdruck verboten.)

I«r Ba«« -er Lüge.

Erzählung von D. Russell-

(Fottsetzuug.)

»So will ich mir ehrlich Mühe gebe», ei» tüchtiger »atm zu werden, um das glückliche Heim und das Blde- Weib, die daun meiner harreu, zu verdienen.*

Wir gingen langsam dem Schlöffe zn, und das ttfc, was wir bei unserer Rückkehr erblickten, war «r Gestalt meiner Tante, die hochanfgertchtet mitten * Zimmer stand. Mit ihrer strengsten Stimme fragte ste:

«Wo bist Dn zn dieser uupaffeudeu Stunde so wage gewesen, Margarete 8*

«Sie war mtt wir spazieren', sagte Alwin etwas trretzt; »was ist dabei UnpaffeudeS? Ein Mädchen gm doch wohl mtt ihrem Vetter spazieren gehen, sonders, wenn ste den Tag über an ein Kranken- «wer gefeffett war.'

Meine Tante antwortete Alwin gar nichts. Sie W nach ihrer Uhr nnb sagte zu mir: »Morgen werde 9 an Deine Mutter schreiben.' Daun wandte ste hochmütig zum Sehe».

eehrteil iblifu» ügtl*

*

38.

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»Laß DichS nicht kränken, mein Lieb", sagte Alwin, ff wir tretend.Ich werde Mutter schon besänftigen, ^r denke daran, Margarete: vorläufig darf Niemand Mu, was heute zwischen uns geschehen. ES muß

Md mein Geheimnis bleiben. Mtt der Zett «b es anders werden; aber jetzt darf ich mich mtt Muer Mutter nicht entzweien, denn ich habe äugen. 'Mich noch nichts, was ich Dir bieten könnte, nnb we Geld zu leben, ist heutzutage unmöglich." , Das war der erste bittere Tropfen in meinem 5*6, nnb schon an nächsten Morgen sollte ich gpfinden, welche schwere Bürde mir Alwin oftr» M indem er mich zum Schweigen verpflichtete.

Atme Englands unteistellte, hat gleichzeitig einen entscheidenden Schlag gegen seinen Wohlstand ge­führt, denn wenngleich die mächtige deutsche ost- asrikanische Gesellschaft sich auf das Festland zurück­ziehen und ihre Hauptniederlassung nach Dar-es- Salaam verlegen wird, so hat sie doch nach wie vor die besten Karten in ihrer Hand, welche, wenn sie geschickt ausgenützt werden, ihren Gegnern schwere Verluste zufügen können. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das deutsche Küstenland die blühendsten Städte aufzuweisen hat, welche mit und durch Zanzibar ihren Handel betreiben. Aber den Handel dieser Häsen wird die deutsche Gesellschaft in der Folge dadurch für ihre eigenen Interessen ausnützen, daß sie die Rohprodukte, welche früher nach den Häfen von Zanzibar geschafft wurden, direkt nach Europa und den anderen Weltteilen ausführt. Weiterhin wird die Gesellschaft ihre Einfuhr direkt auf die von ihr besetzten Plätze lenken und höbe naturgemäß deutschen Fabrikaten den Vorzug ein- räumen. Ans diese Weile wird sie im Stande sein, Zanzibar völlig außer Acht zu laffen, und diese- wird sich mit einem Schlage des größten Teiles seine- Handel» und folglich auch seiner Einnahme­quellen beraubt sehen. Uebrigens ist es britisches Kapital, welches der deutschen Gesellschaft in diesem Vernichtungswerk hilfreiche Hand bieten wird, da die einzige dort etablierte Bank ein englische- In­stitut ist, besten Agentur einem deutschen Handels­hause anverttaut wurde. Es ist selbstverständlich, baß diese Vertretung schon aus Nationalgefühl be­strebt sein wird, die Macht, welche sie besitzt, zum Vorteil der Projekte ihrer Landsleute zu benützen. Wenn man also alle angeführten Thatsachen einer genauen Prüfung unterzieht, so ist bas Ende leicht abzusehen. Auf der einen Seite steht die deutsche Gesellschaft mit einem Gebiete, welches die reichsten Städte, die sich auf diesem Küstenteile Ofiafrikas befinden, in sich schließt durch einen geregelten Post­dampferdienst ihre Besitzungen mit Europa und allen Weltteilen verbunden sieht. Dem gegenüber hat die britische ostafrikanische Gesellschaft in ihren mehr nördlich gelegenen Häfen einen gewisten, aber nur kehr beschränkten Handel, während ihre Hauptnieder- lastung Mombasia wenig oder gar keine Handels­beziehungen unterhält. Fall» daher die englische Gesellschaft nicht besondere Anstrengungen macht und in Mombaffa etwas ganz besonderes ins Werk setzt, was über Bauten und projektierte Verbesterungen hinausgeht, so dürfte dieselbe die Erfahrung machen, daß sie in dem bevorstehenden Wettlauf den letzten

Zwölftes Kapitel.

Ein Ruf nach Hause.

AIS ich am folgenden Tage das Krankenzimmer betrot, bemerkte ich sogleich, daß Anna fieberisch erregt war. Fräulein Golditz saß neben ihr, und als ich einttat, erhob sie sich, kam mir entgegen und legte freundlich die Hand auf meine Schuller.

Mein liebes Fräulein", sagte fie,AMa möchte Sie etwas frage». Wollen Sie beim Antworten an den Rat einer allen Frau denken?"

Und wie lautet dieser Rat?" fragte ich gepreßt.

Sagen Sie die Wahrheit, die ganze Wahr­heit! Eine langjährige Erfahrung hat mich gelehrt, baß viel Unglück und Schaden verhütet bliebe, wenn wir Menschen immer wahr nub aufrichtig sprächen."

Nun, bitte, geh, Tante Helene!" rief Ama un­geduldig;ich möchte mit Margarete Seldiug allein sprechen."

Rege Dich nicht auf, mein Kind", sagte Fräulein Golbitz und ließ nur aBeiu.

Huna suchte einen Augenblick vergeblich nach Worten; bann begann ste plötzlich:

Ich bin sehr offenherzig, wie Sie misten, Margarete, und liebe es, immer gleich zur Sache zu kommen, Md deshalb frage ich Sie jetzt haben Sie etwas mit Alwin? ich weine liebt er Sie? Taute Hellue glaubt es, uub fie ist sehr Ung. Ich >örte, Eie seien gestern abend Stunden laug mit ihm draußen gewesen."

Ich war mit ihm draußen, toenn auch nicht Stunden log", sagte ich so ruhig als es mir möglich war. O die Qual, daß ich wich nicht offen zu meiner Liebe bekennen durfte! Wie konnte ich aber ein Geheimnis betraten, und welches Recht hatte dieses Mädchen, mich danach zu fragen?

Weshalb richten Sie diese Frage ou mich, Fräulein Bardow?"

Weil ich" md Anna» Geficht glflte vor Er­regungweil ich kein Mädchen bi», das fich hinter-

Platz einnehmen und auf allen Gebieten von den mit mehr Thaikraft ausgestatteten Deutschen über­vorteilt werden wird."

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Oktober. Der Kaiser und die Kaiserin haben sich heute Mittag mit ganz Reinem Gefolge zum Jagdschloß Hubertusstock in der Schorf­heide begeben, um dort die nächsten Tage bis zum Mittwoch Vormittag im engsten Kreise in voller Stille und Zurückgezogenheit zu verleben. Das kleine Schlößchen war ein Lieblingsaufenthalt des verstor­benen Kaisers Wilhelm,' der dort alljährlich in den prachtvolle» Waldungen der Hirschjagd oblag. Am Mittwoch wird der Kaiser nach Plane zum Grafen Königsmarck reisen, um daselbst der Hochzeit des Kommandeur- des Regiments der Gardes du Corp» Frhrn. v. Bisfing beizuwohnen. Bor seiner heutigen Abreise nach Hubertusstock empfing der Kaiser den italienischen Botschafter, welcher namens des König» von Italien besten Büste überreichte. DerReichs­anzeiger" giebt in seinem nichtamtlichen Teile die Er­nennung des schwedischen Kammerherrn Ced er cr antz zum Oberrichter von Samoa bekannt. Dem preu­ßischen Landtage soll in der bevorstehenden Session wiederum das im vorigen Jahre gescheiterte Gesetz über die Kosten der Polizeiverwaltung in den Städten mit königlicher Polizeiverwaltung zu­gehen. Vielleicht gelingt eS, bemerkt die demokratische Franks. Ztg." hierzu, im Anschluß daran die Ueber- traguvg einzelner Gebiete der Polizeiverwaltung an die Kommunen durchzusetzen. Es ist Grund für die Annahme vorhanden, daß nach dem Rücktritte des Fürsten Bismarck im Ministerium die Geneigtheit besteht, auf derartige Anträge einzugehen. Die Konferenz der preußischen LandeSdirek- toten und Vertreter außerpreußischer landwirtschaft­licher Berus»genostenschaft en in Berlin hat sich zuerst mit der Frage der Einschätzung der landwirtschaft­lichen Betriebe beschäftigt. Sodann wurde erörtert: 1) die Frage der Einschätzung der landwirtschaftlichen Bettiebe ohne nennenswerte Bodensbewirtschaftung zu den Kosten der Unfallversicherung; 2) die Frage der statutarisch obligatorischen Unfallversicherung der Reineren Landwirte und ihrer Ehefrauen. Die Bienen­züchterei als Hauptbetrieb wurde in der Konferenz als zur landwirtschaftlichen Unfallversicherung gehörig erklärt. Zweifelhaft war man in Betreff der Klassi­fikation deS Gewerbes der Vernichtung von Krähen- und Rabennestern und deS Räucherns in den Wein­bergen auf fremden Grundstücken. Hinsichtlich deS

gehen lasten ober um eines MauneS willen zur Thörin werden will! Well ich, wenn Sie etwa mit Alwin im Einverständnis find, mit Taute Helene sofort ab» reifen werde. Frau von SarSthal zum Trotz! Und nun antworten Sie mir ehrlich, Margarete, nub ich will Ihnen glauben.'

Noch ein Augenblick des Schwankens, bann war es geschehen uub bie Lüge glatt und ruhig Über meine Lippen gegangen. Ich litt cs still, daß Anna mich zärtlich zu fich uiedetzog und in freudiger Er­regung anerief: »Ich danke Ihnen! O, ich dachte gleich, Taute Helene müßte Unrecht haben. Nun laffen Sie mich allein, liebe, gute Margarete. Sie leuneu nun mein Geheimnis, aber es schadet nichts. Ich möchte jetzt allein sein, bitte, gehen Sie.'

34 ging mtt einem Gefühl im Herzen, als sei ich mir selber fremd geworden. Zwei Tage log schlich ich still umher. Alwin war fort; ein benach­barter Gutsbesitzer hatte ihn zur Jagd eingeladen, und Anna sah so strahlend und glücklich öS, daß eS mir in dos Herz schnitt, so oft ich fie ansah.

Meine Taute war streng Md kalt gegen mich, nnb nut Fräulein Golbitz blieb dieselbe. Sm dritten Morgen nach meinem Verlöbnis mit Alwin erhielt ich zwei Briefe von Hanse. Einer war von Mama, die mich in wenigen liebevollen Worten bat, nach Hose znrückzukehre», da meine Taute eS zu wünschen schiene. Im Postskriptum bemertte fie noch: »Von Werner hatte ich vor einigen Tagen Nachricht. Er ist sehr eMtäuscht darüber, daß eS ihm nicht möglich war, während Deiner Besuches nach Gellenheim zu kommen. In wenigen Tagen hofft er Urlaub zu erhallen was wird er bann fügen, wenn er hört, Du seiest soeben abgereist?'

Der anbete Bries war von Rose. Eie schrieb: »Liebste Margarete!

Welches schrecklichen Vergehens hast Du Dich denn schuldig gemacht, daß unsere liebenswürdige Tote Dich so rasch von Gellenheim fort haben will? Wäre ich dort gewesen, so hätte ich mich gar

Erlöstes von Unfallverhütungsvorschriften erklärte man, daß solche für die Landwirtschaft so lange nichts nützen, alS man nicht auch die Arbeiter wegen der liebertretungen bestrafen könne. Man werde sich also biS auf weiteres mit Polizeiverordnungm helfen müssen. Auch kamen de lege ferenda einzelne Fragen zur Sprache, wobei indesten die allgemeine Meinung dahin ging, von einer Gesetzesänderung vor der Hand noch abzusihe»' Nach den An­gaben Berliner Blätter find auf die am 9. b. M. zur Zeichnung aufgelegte dreiprozentige Reichs- Anleihe im Nominalbeträge von 170 Millionen Mark insgesammt 422 Millionen Mark und aus die gleichzeitig zur Zeichnung aufgelegte dreiprozentige preußische konsolidirte Anleihe im Nominalbettage von 65 Millionen Mark insgesammt 97 Millionen Mark gezeichnet worden; der Gesamtbetrag der durch Zeichnung geforderten Summen beider Anleihen be­läuft sich demnach auf 519 Millionen Mark, sodaß eine entsprechende Reduktion der geforderten Beträge stattfinden muß. Der Di-kont der Reichsbank ist heute auf 5 V,/», der Lombardzinsfuß für Dar­lehne gegen ausschließliche Verpfändung von Schuld­verschreibungen deS Reichs ober eines deutschen Staates auf 6°/», gegen Verpfändung sonstiger Effekten und Waaren auf 6*/»/» erhöht werden. Unter den in Westdeutschland gebildeten Fabri­kantenvereinigungen zur Erzielung möglichst hoher Preise für ihre Produkte ist jetzt der erste Fall der Auf­hebung einer solchen Preiskoalition eingetreten. Die erst jüngst geschloffene Vereinigung des westdeutschen FeinblechverbandeS und der Saarwerke hat aufge­hoben werden müffen. Die beteiligten Unterneh­mungen haben den am 3. September auf 180 Mk. festgesetzten Grundpreis für dünne Bleche alsbald um 25 und 27 Mark herabgesetzt. Es ist das ein Zeichen, daß die Nachfrage aus manchem industriellen Gebiete doch etwas zu stocken beginnt. Eine den Streiks günstige Zeitperiode herrkcht heute jedenfalls in keiner Weise. Aus verschiedenen deutschen Wahlkreisen wird jetzt die Abhaltung von Bürger­versammlungen ohne politisch en Parteistandpunkt berichtet, in welchen die Pläne der Sozialdemokratie htriftert und die Unerfüllbarkeit klargelegt wird. Der Andrang der Arbeiter war recht lebhaft und die Leute folgen den ruhigen und sachgemäßen Dar­legungen mit großem Jntereste. Die politische Rede des italienischen Ministerpräsidenten Cri-pi, in welcher derselbe betonte, er werde treu am Drei­bund festhalten, unb bie Bestrebungen ber Irreden­tisten nach dem Besitz von Triest und Trient rund-

uicht gewundert, in der ersten Woche wieder fort- geschickt zu werden, denn ich hätte ohne Zweifel o Alwin, dem .AdoniS', ErobernugSversuche gemacht. Aber Du! Du Tugendmuster! UebrigeuS ist eS ganz gut, weo Du nach Haufe kommst. Weo ich auch über die Heirat Eduards nicht entzückt war, so finde ich doch, unser würdiger Bruder müßte seine Frau anständiger behodeln. Er macht Elsa Werueck in auffallender Weise den Hof und hat mtt Esther schreckliche Szenen. Deshalb bin ich ganz froh, daß Du kommst. Auf baldiges Wiedersehen also!

Deine Dich liebende Schwester

Rose.'

Ich las die Briefe in Gegenwart meinet Taute, faltete fie sodann zusammen und steckte fie in die Tasche. Anfblickenb, gewahrte ich, baß ste mich sorscheub betrachtete.

»Du hast Nachrichten von Hause?' fragte fie mit ihrer harten Stimme.

Ich gab keine Antwort. Mit Empörung im Hetzen stob ich of nnb verließ sie.

Hastig eilte ich bie Treppe hinauf nach meinem Schlafzimmer, schloß mich dort ein ob brach zum ersten Male in meinem Leben in leidenschaftliches Schluchzen ans. Daß man mich so behandeln, mich aus dem Hause weisen durfte! O, eS war zu bitter! Und Alwin sollte ich berlaffen? Nein, nein, bis zu seiner Heimkehr würde ich wenigstens bleiben, dachte ich. Ein Klopsen nnb Rütteln au bet Thür liefe mich entsetzt tu die Höhe fahren; die Sttmme meiner Tote begehrte Einlaß.

.Nein', rief ich leidenschaftlich, »ich kann jetzt Niemand sehen!'

»Du mußt sofort öffnen!' tief fie, und als ich noch zögerte: »Ich lasse die Thür sonst gewaltsam öffnen!'

Ich kannte fie genug, nm zu wissen, daß ste ihre Drohung wahr machen würde. Blaß unb zitternd öffnete ich, nub nicht viel weniger erregt trat sie ein.

(Fortsetzung folgt)