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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werkt agr» nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal-Ab onuements-Preir bei der krpe» dition 2*/t Mk-, btt den Postämteru 8 Mk. 60 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JusertiouSgebühr für die gespaltene Zell« 10 Pfg., NeLamen für die fleile 86 Pfg.
Marburg,
Sonntag, 12. Oktober 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Annoncrn-Bureaux von Haasenstein und Bogle« in Frankfmt a. M., Soffet, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXV Moffe in Frankfurt e. M., Berlin, München n. M»; B. L 1 Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, ParN.
Bestellungen für das 4. Quartal auf die D-trßyss. I-ttWg nebst Mreisökatt für die
Kreise Marburg und Kirchhain und
Iffußriertes SonntagsMatt werden noch von sämtlichen Postämtern und ton unserer Expedition entgegengenommen.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen.
Die Exped. der Oberh. Zettg.
Wochenschau.
Kaiser Wilhelm ist von feinem Jagdcusfluge »ach Oesterreich - Ungarn wieder nach Deutschland Mückgeki hri! Es scheint immer deutlicher hervorzu- treten, daß die Freundschaft der beiden verbündeten Monarchen auch für das wirtschaftliche Verhältnis zwischen ihrm beiden Staaten gute Folgen haben wird. Schon seit Jahren ist von österreichischen, wie von deutschen Industriellen der lebhafte Wunsch päußert worden, die Meinungsverschiedenheiten, welche über Zollfragen obwalteten, beseitigt und einen günstigen, Handel und Wandel entschieden fördernden Handelsvertrag abgeschlossen zu sehen. Mein über die frommen Wünsche kam die Angelegenheit trotz aller Verhandlungen nicht hinaus, bis jetzt endlich eine Aenderung eintreten zu sollen scheint. Zn der That können die europäischen Jndufirie- siaaten heute, wo die neuen Zollchikanen der Vereinigten Staaten von Nordamerika sie alle mehr »bet weniger schädigen, nichts Gescheideres thun, »lS die sperrenden Zollschranken zu beseitigen und den gegenseitigen Interessen Rechnung zu tragen. Eelbstverständlich läßt sich nicht alles mit einem Male chun, auch nicht jede Forderung, welche an und für 54 berechtigt erscheint, ist zu erfüllen, aber bei allseitigem guten Willen ist nach und nach doch «anches zu erreichen, daS allen Teilen Vorteil bringt. Hine längere, aber recht überflüssige Erörterung hatte sich noch an die Thatsache geknüpft, daß bei b« Ankunft deS deutschen Kaisers in Wien die österreichischen Minister nicht zur feierlichen Be
grüßung zugegen waren. Man scheint anzunehmen, daß es ohne Gala-Uniformen bei Fürstenreisen nicht geht, vergißt aber ganz, daß Fürsten auch Menschen sind, denen ein herzlicher, zwangloser Empfang ohne große Etikette eine wahre Erholung ist. Und da Kaiser Wilhelms österreichische Reise nur eine unpolitische Erholungstour war, war jeder hochoffizielle Empfang unangebracht. Wie aus solcher einfachen Angelegenheit eine große Sensationsaffaire zurechtgestützt werden konnte, ist nicht recht verständlich.
Still sieht'» heute in Europa aus, und dieser Umstand hat jene Elemente, die nur von Unruhe und Aufhetzung leben, nicht unthätig verharren lasien. Als der deutsche Kaiser auS Rußland zurückkam. wurde schon versucht, allerlei Zwifchenträgereien zu verbreiten, als ob der Zar herzlich froh gewesen wäre, alS fein kaiserlicher Gast ihm den Rücken wendete. Heute versuchen jene gewerbsmäßigen Jntriguanten im italienischen Staate ihren Haken einzuschlagen, und die Italiener gegen Oesterreich- Ungarn und damit auch gegen Deutschland einzunehmen. Auch diese Thätigkeit ist ohne Resultat geblieben; Ministerpräfident Crispi hat auf einem großen Bankett in Florenz eine Rede gehalten, au welchem er unumwunden erklärte, daß Italien an der bisherigen engen Freundschaft mit Oesterreich- Ungarn und Deutschland festhalten werde, daß an diese Staaten und dem guten Verhältnis Italiens zu denselben auch die ganze Existenz der italienischen Nation beruhe. Mit sehr scharfen Worten geißelte der Premierminister das staatsfeindliche Gebahren der Irredentisten, deren Streben nach dem Besitze der österreichischen Provinzen Triest und Trient nur durch einen Krieg Verwirklichung finden könne, einen Krieg, dessen Ende fich gar nicht absehen lasse. Mit besonders herzlichen Worten gedachte der italienische Staatsmann Deutschland», Kaiser Wilhelms II. und deS Reichskanzlers von Caprivi. Diese Worte haben allen Deuteleien ein Ende gemacht, die Staaten, welche dem großen Friedens Kunde angehören, werden diesem und seiner Politik treu bleiben, nicht allein, weil sie dies wollen, sondern auch, weil sie eS ihrer selbst willen müssen.
Der Reichskanzler v. Caprivi hat zum Beginn der Woche den süddeutschen Bundessürsten Besuche abgestattet und ist jetzt nach Berlin zurückgekehrt. Ende d. M. wird ein Besuch in München und im Anschluß daran eine Zusammenkunft mit dem italienischen Ministerpräsidenten in Oberitalien start- finden. Der schon lange angekündigte Wechsel im preußischen Kriegsministerium ist in dieser Woche
erfolgt. Der Kaiser hat daS Rücktrittsgesuch des Herrn v. Berdy unter Anerkennung seiner militärischen Verdienste genehmigt und den Generalleutnant von Kaltenborn - Stachau zum KriegSminifter ernannt. Die erste Woche nach Ablauf des Sozialistengesetzes hat nichts ungewöhnliches gebracht. Einige sozialdemokratische Versammlungen sind allerdings an Grund des Strafgesetzbuches aufgelöst worden, aber zu besonderen Zwischenfällen ist es dabei nicht gekommen. Der Bundesrat hat in Berlin seine Thätigkeit wieder begonnen. ES liegen momentan nur Verwaltungssachen vor, welche keine größere Bedeutung besitzen.
Ueber jden Untergang der deutschen Expedition Küntzel im Witu-Gebiet in Ostafrika find jetzt genaue Berichte eingegangen, die es als zweifellos erscheinen lasien, daß der Sultan Tumo Bakari von Witu, welcher durch die Ueberlasiung seines Landes an England sehr gereizt war, die Niederrnetzelung der Deutschen mit vollstem Bedacht geplant, und dieselben in einen Hinterhalt gelockt hat, indem sie umkamen. Eine exemplarische Bestrafung wird nicht lange auf sich warten lassen und wahrscheinlich wird bei dieser Gelegenheit dem ganzen Witu» Sultanat ein Ende bereitet werden. Die Hinterbliebenen der ermordeten Deutschen werden selbstverständlich eine genügende Buße ausgezahlt erhalten, und die Ge- sellschast, welche Küntzel abgesandt, wird für die erlittenen Verluste ausreichend entschädigt werden.
Die politische Ruhe in Frankreich und England nähert fich in beiden Staaten ihrem Ende, für den Schluß dieses Monats sind die Volksvertretungen zur gewöhnlichen Arbeit einberusen. Gegenwärtig machen nur größere Streik», welche kürzlich auSge- brochen sind, von sich reden. So ist in Schottland der gesamte Hochofenbetrieb eingestellt und eine schwere wirtschaftliche Katastrophe von unberechenbaren Folgen scheint bevorzustehen. In Frankreich find die Bergarbeiter in eine neue Lohnbewegung eingetreten und zwar haben die Verhältnisse fich von vornherein sehr ernst gestaltet. In Paris ist der Abg. Mermeix, welcher durch die neuesten Enthüllungen über Boulanger, die dem tapferen General völlig den Garaus gemacht haben, an den Folgen einer im Duell erhaltenen Wunde gestorben.
Die Krisis in Portugal ist noch nicht überstanden. Es will trotz aller Anstrengungen nicht gelingen, ein kräftige» Kabinet zusarnmenzubringen und so dauern die unsicheren Verhältnisse fort. An eine Annahme des Kolonialvertrages mit England ist heute noch weniger, als je zuvor zu denken, wie die Dinge
sich zuletzt gestalten werden, ist heute noch gar nicht abzusehen. So tragisch, wie sie vielfach gemacht werden, sind aber die Verhältnisse keineswegs, die Südländer sind bei jedem kleinen Anlaß sofort Feuer und Flamme, ohne daS im Ernst zu vertreten, wa» sie in der Hitze leichthin aussprechen.
Eine gewisse Spannung scheint zwischen der Türkei und Rußland eingetreten zu sein. — EtwaS unbehaglich sieht eS auch in Belgrad aus, wenngleich die serbische Regierung die Wahrheit nicht einräumt. Ob dem Exkönig Milan seine jetzige Thätigkeit als Rentier doch nicht zusagt und er bereut, so schnell von dem Throne herabgestiegen zu sein, oder waS sonst vorliegt, genug, er steht sich mit der Regierung seines SohneS herzlich schlecht, er möchte auch befehlen, und die Regierung will dies nicht dulden. Wenn Herr Milan also demnächst mit aller Hochachtung ersucht werden sollte, für einige Zeit das Land zu verlassen, so brauchte man darüber sich nicht zu wundern!
Deutsches Reich.
® erlitt', 10. Okt. Ju der gestern unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten deS Staats-Ministeriums Staatssekretär des Innern Dr. von Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung deS BundeSrats sand die Neubildung der Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, für Handel und Verkehr, für Eisenbahnen, Post, und Telegraphen, für Justizwesen, für Rechnungswesen, für die auswärtigen Angelegenheiten, für Elsaß Lothringen, für die Verfassung und für die Gefchäftsordnnng durch Wahl statt. Die Ernennung der Mitglieder des Ausschusses für das Landherr und die Festungen, in welchem Preußen und Bayern auf Grund der Verfassung vertreten sind, und de» Ausschusses für das Seewesen, in welchem Preußen aus Grund der Verfassung vertreten ist, hat durch Se. Majestät den Kaiser stattgefunden. Hierauf wurde über den Sr. Majestät dem Kaiser wegen Wiederbesetzung einet Mitgliedsstelle beim Reichsbank- Direktorium zu unterbreitenden Vorschlag und über eine Eingabe des Central-Vorstandes deS deutschen Pharmazeuten-Vereins zu Berlin, betreffend dm Erlaß von Bestimmungen über da» Apotheker-Gewerbe, mdlich über die geschäftliche Behandlung mehrerer Eingaben Beschluß gefaßt.. — Der Zentral- auSschuß der Reichsbank tritt morgen zusammen nm über die Frage der Diskonterhöhung zu beschließen. Die „Naiionalzeitung" hält eine halbprozeutige Erhöhung für wahrscheinlich. — Hiesige Industrielle und Handelskreise begrüßen die nächstjährige nationale
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(Nachdruck verboten.)
Im Pa«« -er Lüge.
Erzählung von D. Russell.
(Fortsetzung.)
.Komme» Sie dichter hier Hera», so will ich hinein.
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, .Uofiunl* sagte Alwin. .Sie würden entweder Lein brechen oder das Boot »«stürzen. Der «adungSplotz ist ganz nahe; gehen Sie dorthin', •b während er noch sprach, ttteb er das Boot mit «atm kräftigen Ruderschlage wieder vorwärts.
In demselben Augenblick jedoch hatte Anna den Eprnng gewagt nnb würde ohne jenes plötzliche Weller, wdern Alwins auch wohl glücklich den Boden des Kahnes erreicht habe»; so aber stürzte sie an der Stelle, *» er soeben gelegen, in daS Wasser nnb verschwand • meinem Entsetzen spurlos tu deu Welle» deS Flusse».
Ich hörte SlwtuS SchreckeuSruf Md sah halb im wnme, tote er das Boot dem Ufer näher brachte, tat Rock abwarf nnb ihr in das Wasser uachspraug. Gewaltsam schüttelte ich die Betäubung ab, die mich Mange» hielt. Vielleicht tonnte ich helfen, wenn ich •Boote war. Ich sprang hinein — eS schaukelte 7°chtig, schlug aber uicht um —, nnb als jetzt Alwin, 2* leblose Anua im Arme, triebet anftanchte, streckte 9 ihm meine Hand wett entgegen nnb zog ihn dicht «an.
.Er lächeKe mir dankbar zu, brachte mit meiner Mse Anna in den Kahn nnb schwang fich bann selbst •rr ben Rand desselben. Wir drückten das Wasser
ihrem Haar Md suchten fie zu beruhigen, als x wieder zur BefinnMg kam, denn fie war im höchsten •ade erschöpft nub erregt.
.Eie haben mir baS Leben gerettet*, sagte fie, die Hand entgegenfite denb.
-Er lächelte. «Ihr Leben war in keiner große» Tsiahr; aber wenn ich vorzeitig die Sicht bekommen 2*te, so hoffe ich, daß auch Sie hin nnb wieder 91 Keines Zwicken in ben •Hebern spüren werden.*
Und lachend schüttelte er fich und ruderte, so schnell er konnte, den Fluß hinauf in die Nähe deS Schlosses.
Zum Glück sah MS meine TMte nicht. Ich hatte Zeit, Anna in mein Zimmer zu bringen, ihr trockene Kleider auznziehen und Wein zur Stärkung zu bringen. Als Tante bann endlich von ber Dienet- schäft hörte, was geschehen sei, nnb entsetzt herbei- eilte, fand sie bas junge Mäbchen bereits trieber wohlgemut im Salon nnb in lebhafter Unterhaltung mit Alwin nnb mir.
.Mein liebt5 Kind*, sagte fie herzlich Mb strich ihr liebkosend daS £aar aus ber Stirn? .wie sehr haben Sie mich erschreckt l Ich will hoffen, daß das kalte Bad keinerlei schlimme Folgen hat. Alwin ist doch nicht an dem Unfälle schuld?*
.O nein; er war ber tapfere Ritter, ber mich rettete I* Unb Anna erzählte bet Wahrhett gemäß, wie fich alles zngettagm.
Alwin nannte fie neckend die Seejungfrau nnb behauptete, fie hätte ihn in bas Wasser gelockt, nm ihn zu ertränken. .Ader Margarete wat tapfer nnb wollte ihren Vetter nicht zum Opfer fallen lassen; sie xoa mich ans ben Fluten.*
,WaS that fie?" fragte meine Tante scharf; „wa» hat Margarete mit bem Unfall zu thun?"
„Mit bem Unfälle nichts, aber mit ber Rettung viel. Ohne Margaretens energische Hülfe würben bie Seejungfrau mb ich jetzt sicherlich auf bem Gruube des Meeres ruhen.*
Meine Taute schanberte nnb Alwin erzählte nm- stündlich nnb mit viel zu viel Rühmen», wie ich in» Boot gesprungen war nnb ihm geholfen hatte. Als wir später nach dem Eßzimmer gingen nnb meine Taute mit Ama voranschritt, schob Alwin heimlich seinen Arm unter ben meinen nnb flüsterte:
.Laß mich ein Wort zu Dir reben, mein tapferer keiner Kamerad.* Ich blieb mit köpfendem Herzen regungslos stehen. .Jetzt können Wit wohl scherzen; aber jenes kapriciöse Mädchen hätte leicht großes lln- hell stiften können ohne Deine Geistesgegenwart
Laß mich, Margarete — laß mich einmal Deine fußen Lippen küssen.*
Er umfaßte mich unb .küßte meinen Mund. Unb bmch mein Herz zog ein nie geahntes Glücks, gesühl. Ich liebte ihn! Hätte ich für ihn sterben können, ich hätte es gethan; hätte ich für ihn leben dürfen — o, süße Hoffnung, halber Traum, warum bist Du verflogen nnb hast mich mü einsamem, bet« zweifelte« Herzen weiter leben lassen?
Wit traten in das Eßzimmer nub nahmen während der Mahlzeit an der Unterhaltung der Anderen teil'; aber meine Seele lebte in einer anderen Sphäre; ich that und hörte alles wie im Traume.
.Du stehst so erregt ms, Margarete; ich hoffe, Du hast Dich nicht erkältet*, sagte meine Xante.
Nein, ich hatte mich nicht erkältet; dagegen sollte für Anna der Unfall nicht ohne ernste Folgen bleiben. Noch in derselben Nacht bekam fie eine heftige Lungen, entzündnug,! nnb Tage lang schwebte fie in Lebens- lefahr. Ich bürste nicht von ihrem Bette weichen, nnb >a auch Alwin sagte, er freue fich, wem ich mein Beste» für fie thne, so blieb ich fast beftänbig bei ihr nnb teilte bie Pflege nur mit einer Taute Annas, bie berbeigernfen worben, als bie Gefahr am höchsten schien.
Ich sah nie eine so schöne alte Dame wie Fräulein Golbitz. Sie war nicht verheiratet, hing aber an Ama, ber Tochter ihrer einzigen Schwester, mit zärtlicher Liebe nnb hatte für alle Menschen ein warmes Herz. Während der vielen Stunden, die wir gemeinsam in dem Krankenzimmer verlebten, lernte ich das Geheimnis der steten Sanftmut und Hetterkett dieser ebeln Frau kennen. Sie hatte den Blick beständig ans das Jenseits gerichtet, nnb alle Sorgen, Mühen flnb «engste bieseS Lebens waren ihr nur vorüber, gehenbe Stürme.
»In Ihrem Älter, mein liebes Fräulein, kam man so noch nicht ewpfinben*, sagte fie einmal remdlich zu mir. .Der vollkommene Friebe, ber .höher ist als alle Vernunft*, kommt erst in reiferem Aster. Er ist die Ruhe nach dem Sturme ber Leiden.
schasten nnb Versuchungen, welche bet Jugend eigen find.
Ach, ich wußte nur zu gut, daß ich diesen Frieden nicht besaß! Mit meiner Liebe zu Alwin waren Unruhe und Pein in mein Herz gezogen.
Eines Abends fühlte ich mich sehr matt. Meine Tmtr unb Fräulein Golbitz bemerkten bet Tische, daß ich auffallend blaß anSsähe, nnb ermahnten mich, bald zur Ruhe zu gehen. Alwin sagte nichts, aber er sah mich an, nnb als bie beiden Damen daS Zimmer verließen, winke er mir, zu bleiben.
.Du bist matt nnb abgespannt, keine Margarete*, ägte er, ’inbem er meine Hände ergriff. »An Dich denk natürlich Niemand, — Alle beschäftigen sich nur mit der Erbin. Doch ich will eS nicht länger leiden! Setze Deinen Hut auf Md komm mit mit in die frische Lust.*
.Aber Alwin*, sagte ich zögernd.
.Komm, komm! wir wollen den Mondschein genießen l Mutter Md Fräulein Golbitz tonnen bei ber Kranken bleiben.*
SS warb ihm nicht schwer, mich zu überreden — satte ich doch so lange seine Gesellschaft entbehren müssen! Ich nahm Hut und Tuch und folgte ihm in ben mouberhellteu Garten. Die Abenblust wehte mir erquickend nm Stirn und Wange» Md schien all die «»rvhigen Gedanke», die mich in letzter Zell gequält, mit hinweg zu nehmen. WiderstmdSloS gab ich mich dem Zauber der Ettwde hin, Md als MS endlich ein schärferer Luftzug daran mahnte, daß eS Zeit sei, in das Hau» zu gehen, da war ich Alwins Braut geworden und hatte oon ihm unter zärtliche» Küsse» das Gelöbnis der Liebe nnb Treue empfangen.
.Willst Du auf mich warten, Margarete, vielleicht Jahre lang?*
«Jahre unb Jahre*, murmelte ich; «für immer, wem eS fein muß.*
(Fortsetzung folgt)