Einzelbild herunterladen
 

g- in. £

IS

ach

[6443

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Mrchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Gnchemt täglich anß« an Werktage« »ach Sonn- und am!««««« a Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS.

1« 9Q7 gttertagen.^- vumtol-WonnemeutS-PretS bei der Lxpe- IV(UWlll.(If l»wie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bogle,

e/K CÖI* dttwn 2'/, Mr., btt de»Postämtern S Mk. 50 Pfg. (exkl. in Frankfurta.M., Laffel, Maadebura «.Wien» Rudolf YYV

®e|WIflw)wMÄS hte &flMene ** Donnerstag, 9. Oktober 1890. Mo^inFrankfurt A^lw München MKÄN^S.8 H' IayrglMA.

Pls>, Rmamru für die Zeil« » Pfg. _____________________________________________ Daube n. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

schließ-

Ueber-

Dt

Bestellungen für das 4. Quartal auf die

Dkrrßstss. IstitMg

nebst Kreisökatt für die

Kreise Marburg und Kirchhain

und

Sffujteerfes §onntags6fatt

glichen >ülke 1,50 iureau-

(6340

lain

Aca- leiner l Uhr.

»reit,

rda.

mittags [6448

Sattlet»

aft agend« ms env

»eilten noch von sämtlichen Postämtern und ton unserer Expedition entgegengenommen.

In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen.

Die Exped. der Oberh. Zettg.

Der blamierte Prins.

Der Prinz Philipp von Orleans, Graf von Paris, ist in Newyork angekommen. So meldet der Tele­graph: das Haupt der Familie Orleans wird längere Zeit jenseits des OzeanS verweilen, bis man diesseits die Thorenstreiche vergessen hat, die sich der Nach­komme derRegenschirm-Dynastie" hat zu Schulden kommen lassen. Der Graf von Paris ist Prätendent für den französischen Thron und darum aus Frank- «ich verbannt worden. Das war ein herzlich dummer ktrcich der Republik, und die Folgen bestanden denn auch darin, daß der Einfluß der Orleans in Frankreich nicht fiel, sondern stieg, daß die Zahl der orleanistischen Abgeordneten in der Deputierten­kammer nicht abnahm, sondern zunahm. ES gab sehr einsichtige Leute, welche offen aussprachen, daß dir Chancen für die Wiedererrichtung der Monarchie m Frankreich außerordentlich günstig seien, und daß dei Entfaltung der nötigen Klugheit auch wohl daran zu denken sei, daß der Graf von Paris eines TogeS als König in die Seinestadt einziehen würde. Doch solch' Prätendententum kostet Geld, und dir Orleans ßnd samt und sonders dafür bekannt, daß sie sehr wich, aber auch unerreichbare Knauser sind, denen Filzigkeit schon manchen sehr fatalen Streich Aspielt hat. Da trat also Boulavger auf, ein Mann im bunten Rock, ein großer Schwadroneur, im tbrigen aber ein entsetzlicher Luwp. Doch der Mann hatte im Moment seine leichtsinnigen Landsleute an der Hand, und dem Grafen von Paris kam der Gedanke, daß dieser Mann wohl zu brauchen wäre.

IM I MM V 411 piv UU*

M ich zuerst kaum de» Mut hatte, ihr t» das (maI Mt zu sehr». «IS ich eS endlich that, erfaßte wich

Me8 Mitleid mtt ihr. Staad »tcht scho» jetzt tu

II

?ln

(6451

(Nachdruck verboten.)

dtttt -er -Lgr.

ing von D. Russell.

(Fortsetzung.)

zöhek»

(3901

Schnell m»d erregt schritt ich ans meinem Wege Leiter »vd hielt »tcht eher an, als bis ich in der «rrhalle von meines Bruders Hanse stand, wo ich d« Ankommende» erwarte» wollte. Alle meine Be» mchttlngea wäre» wieder erwacht. Ich dachte mtt «e» der verführerischen Schönheit, die ich soeben Mafien, Esthers einfache Erscheinung and konnte es tom glauben, daß das Mädchen, dos dort so lauge untergeordnete, fast dienende Stellung ringe. Atomen und über welches Edvard oft gespottet hatte, tou als die Herrin de» Gutes etuztehen solltet

Doch da erscholl schon daS Rolle» der Wage» toi* ich mußte hiuabetleu, um meine arm Schwägerin * begrüßen.

»Bist Du er, Grete?* sagte Eduard, der zuerst '"Kstieg. »Na, da fiud wir, und ich hoffe, Du hast ? gutes Sbeudbrod für uns berett, den» ich biu tongrtg und mflbe.*

Gleich darauf befahl er eine« Diener, Sodavaffer M Cognac zu bringen, -vd ging in dar HauS, ohne *aher beim AvSsteige» zu helfe».

. 3ch schloß sie i» meine Arme nnb küßte ste, ob.

*to verhärmten Zügen bk Bitterkeit bet Enttäuschung P Wieben? Und doch war sie in rührender Weise totfiüt, dies vor mir za verberge».

«Wie gut, daß Sie gekomme» fiud, lieber Fräulri» tottdettk*, sagte fie.

»Jetzt nicht mehr Fräulein, sondern Schwester Jtogatrte*, erwiderte ich herzlich, legte ihre» An» 1 b«r meine» »nd führte ste i» da» Hau».

M setzte» ml pr Tische; aber alle «ettee Be. 'Rttgea, eine Uuterhattuug in Gang zu bringe»,

von 9t rermatk nf- 9^ (6408

ien

ein

mrrenz (6450

Er ließ ihm anbi ten, sich im Geheimen dem Dienste der Orleans zu weihen» und versprach ihm Orden. Titel, Geld und Rangerhöhung, wenn die Monarchie wiederhergestellt sein würde. Dann konnteKönig" Philipp ja die verheißenen Summen aus dem Staats­schätze nehmen und hatte nicht nötig, daS teure orlcanistifche HauSvermögen anzugreisen. Boulanger äußerte über dieses Anerbieten zu seinen Vertraute», er werde den Prinzen und die Familie Orleans so lange zum Besten haben, wie es ihm paffe, nahm aber das Anerbieten an. ES blieb ihm weiter nichts übrig, den» sonst hätten ihm die reichen Anhänger der Orleans in Frankreich ihre Börsen nicht zur Verfügung gestellt, und Geld und abermals Geld mußte der General für seine Wahlmache vor allen Dingen haben. Er wurde also ein bezahlter Agent der Orleans, nur daß der Graf von Paris selbst keinen Pfennig herauSrückte, sondern das Geldgeben seinen Freunden überließ. Boulangers Charakter wurde inzwischen zur Genüge klargestellt, aber das hinderte das Haupt der vornehmen Familie Orleans in keiner Weise, sich weiter mit diesem Sch windel = meier zu befassen; er hatte sogar mehrere Unter­redungen mit ihm in London, in welchen er Bou­langer sehr freundschaftlich behandelte. Schließlich konnte Letzterer ja doch noch Erfolg haben, und dann kostete dem Prinzen die Sache kein Geld. Die in letzter Zeit von Paris aus verbreiteten Enthüllungen haben den Grafen von Paris in ein fo ungemein schlechtes Licht gestellt, daß unter den bisherigen treuen Anhängern der orleanistischen Partei in Frank­reich, zu welcher besonders der alte Adel gehört, nur ein Ruf des Unwillens laut wurde. Ein Prinz von Orleans Arm in Arm mit diesem ganz ge­wöhnlichen Glücksritter, dessen Gunst und Thätigkeit erbittend, weiter kann die Sache nicht gut getrieben werden! Viele Orleanisten in Frankreich haben es offen ausgesprochen, daß für absehbare Zeit ihre Sache verfahren sei, der Graf von Paris habe das monarchische Gefühl, die Gesetze de» politischen An­standes doch etwas gar zu stark verletzt. Der edle Prinz mit dem Regenschirm und dem festverschlosienen Portemonnaie hat gemerkt, daß in Europa ihm der Boden unter den Füßen zu heiß werde, und so ist er nach Newyork gegondelt, wo bei den freien Re­publikanern ein Prinz von Geblüt noch immer hoch in Ehren steht, und man auch mit den schmutzigen Affairen nicht so recht Bescheid weiß, die der Graf von Paris hinter sieh in Europa zurückgelafirn hat. Eine Unmasse von Einladungen zu allerlei Banketten und Festlichkeiten sind ihm bereits zugegangen, dort

bliebe» erfolglos. Von dem, was »ns Alle t»»erlich am meisten beschäftigte, von dieser plötzliche» Heirat, vermied Jede» ängstlich, ,» spreche», nnb alS ich enbltch, um doch etwas zu fegen, von Esthers Elter» zu reben begann nnb erzählte, daß ihre Mutter morgen kommen wolle, um fie zu begrüßen, da war das Thema auch uicht glücklich gewählt.

Eduard ruuzelte sogleich btt Stiru nnb sprach in rauhem Tone:

»Ich will Dir was sagen, Esther: Denke nicht, baß ich Deine Mutter immer hier dulde« werde. Ich habe Dich zwar geheiratet, aber uicht Deiue Familie." M Sie mußte tief verletzt fein, aber kein Wort kam über ihre Lippen.

»Wie sieht Mutter ans?* fragte fie wich.

»Sehr wohl, finde ich; nnb meine Mutter unsere Mutter läßt Dich herzlich grüße» nnb hofft. Dich morgen nachmittag bet nvS zu scheu.*

»Dcs ist sehr freundlich von Fran Selbing', sagte Esther, bie Augen niederschlageud, mtt einem nuterbrückten Seufzer. Im Verlause beS AbeudS würbe Eduarb noch uuliebeuSwürbiger. Er war einer bet Männer, welche durch Wetugenuß heftig uud zänkisch werden. Alles, was Esther sagte, reizte ihn, und ein. oder zweimal wäre anch sie beinahe heftig geworden. Aber fie behiett Gewalt über sich.

»Er ist müde nnb deshalb verdrießlich*, flüsterte fie mir zu, als ich mich anzog, nm nach Hause zu gehen.

.So hoffe ich, daß cs morgen besser ist*, sagte ich lächelnd, aber ich ging mit schwerem Herzen. Ednard hatte fich erboten, «ich zn begleiten. Als er mit brennender Zigarre neben mir ging, hnb er an:

.Ihr wart wohl nicht wenig überrascht?*

»Gewiß; aber un» haben wir nn8 darein ge» fnnden, nud Esther habe ich sehr Heb, Eduard.*

, »Hm*, sagte er, ,eS giebt gewiß schlechtere Frauen; aber immerhin ist es eine verdammte Geschichte. Bae sagten de»» die Leute tat Dorfe? Die alte Lappman» um Beispiel und die schöne Elsa?*

»Ich habe wenig von ihnen gesehen*, antwortete

kann er sich amüsieren und toastieren. Inzwischen schreiben aber die orleanistischen Zeitungen in Frank­reich trübselig:Ehre verloren, AlleS verloren!"

Kevtsches Reich.

Berlin, 7. Okt. Der Kaiser trifft am 9. Oktober in KunnerSdorf zu den Schießübungen ein und kehrt nachmittags in das Neue Palais zu Pots­dam zurück. Nach dem 9. Oktober geht der Kaiser auf mehrere Tage nach Hubertusstock, um dort zu pürschen; in Hubertusstock ist deshalb eine Tek- graphenstation eingerichtet worden. Die Prin­zessinnen Viktoria und Margareta von Preußen treffen morgen mittels Sonderzuges von Venedig kommend zum Besuche des Edinburgschen Hofes in Coburg ein. Eine Konferenz der Landes­direktoren trat heute Vormittag 10 Uhr im Reichstagsgebäude unter Vorsitz des Präsidenten deS Reichsverstcherungsamtes Bödiker zusammen, um zu den Alters- und JvaliditätSgesetzen Stellung zu nehmen. Die Konferenz soll mehre« Tage dauern. In der heutigen Sitzung wmde bis Mittag ein Gefchäfts- anweisuvgsentwutf, betreffend die Auszahlungen durch die Post, angenommen. Ein Geschäftsanweisungs- entwurf, betteffend die Art und Form der Rechnungs­führung bei den Versicherungsanstalten, wurde einer Kommission überwiesen. In militärischen Kreisen begrüßt man die Ernennung des Generalleutnants von Kaltenborn-Stachau zum Kriegsminister mit großer Genugtuung und Freude. Generalleutnant von Kaltenborn, welcher während feiner 36jährigen Dienstzeit ausschließlich in der Front gestanden bezw. dem Truppen - Generalstabe angehörte, ist als ein praktischer Kenner der Armee hochgeschätzt, und man erwartet von ihm gerade aus diesem Grunde auf inner - organisatorischem Gebiete segensreiche Maß­nahmen und praktischen Weiterausbau des schon Ge­schaffenen. Die hohe Befähigung, welche der neuer­nannte Kriegsminister besonders als höherer General­stabsoffizier gezeigt, läßt erwarten, daß sich dieselbe auch auf dem Gebiete der eigentlichen Heeresver­waltung, auf welchem während der Amtsführung General v. Verdy so Hervorragendes geleistet, zeigen und bethätigen wird. Nicht minder wie sei» Vor­gänger besitzt General von Kaltenborn diejenige per­sönliche Bonhommie und verbindliche Art des Ver­kehrs, welche ihm im Parlament gleichfalls die Sympathie der Parteien einbringen dürfte. Wie daS Militär-Wochenblatt meldet, ist General v. Verdy du VernoiS mit Pension zur Dispo­sition gestellt und gleichzeitig zum Chef des Infanterie

ich ausweichend.Nächste Woche will ich »ach Gellen, heim, nm Tante GarSthal zu besuchen."

Eduard ließ fich jedoch vou dem begonnenen Thema ni$t abbringen. Er fragte, ob Elsa im Dorfe bleiben würbe, nnb fügte hinzu:

»Ich hätte eS gern gesehen, wen» sie abgereist wäre. Dn wnnberst Dich batflber? Nun, halb ist eS wahr nnb halb nicht. Sie ist vnnberbar schön!"

Daran solltest Dn nicht beulen, jetzt, ba Du bet. heiratet bist", sagte ich vorwurfsvoll.

Eduarb lachte, jawohl, gewiß!" rief er;aber was sein sollte nnb was ist, baS stnb zwei ver. f«Siebene Dinge, Hebe Grete. Ich bete Elsa an, nnb meine Heirat bet Teufel hole fie kann baran nichts ändern."

Eo redete er. Ich war ftoh, als ich zn Hanse war, wo Rose mich sogleich anSzusragen begann. »Nun, wie beuahm fich das Pärchen?" fragte fie; wohl sehr zärtlich?"

Sch, Rose", flüsterte ich, so daß Mama eS nicht hören konnte.Dn mußt recht gut gegen Esther fein; fie wird eS sehr brauchen!"

Zehntes Kapitel.

Gellenheim.

Rose war vttklich freundlich gegen Esther. Sie besaß viel Serechttgkettrfiun, und von dem Augen- blicke an, wo fie sah, wie unwürdig Eduarb fein Weib behanbelte, wie er fie bei jeder Gelegenheit vetuach- ISsfigie und kränkte, schufte fie der juugu Fran ihre ganze schwesterliche Teilnahme.

Esther» erste Begegnung mit unserer Mutter wat sehr rührend.

»Jtomm her, liebe» Sind', sagte Mama, bie fich nicht zu erhebu vermochte, »und laß Dich küffu. SbnarbS Later Hebk Dich herzlich; nm feinet« nnb auch nm Deiner selbst willen trolle» mir Alle Dich lieb habe».*

Regiments Nr. 14 ernannt worden. In dieses Regi« ment ist Herr v. Verdy auS dem Kadettenkorps als Sekondeleutnant am 27. Januar 1850 eingetreten. Nach einem Erlasse des Unterrichtsministers kommen für die Entscheidung der Frage der thunlichsten Be­seitigung des Nachmittagsunterrichtes an höheren Schulen nicht lediglich allgemeine pädagogische und didaktische Gestchtspunfte in Betracht, sondern ebenso frhr die konkreten Verhältnisse deS betreffenden OrteS. Liegen in dem bestimmten Falle die Ver- hältniffe so, daß die Schulwege sehr weit find, daß die Thätigkeit der Familienhäupter und die Lebens- gewohnheiten deS OrteS die Verlegung der Haupt­mahlzeit auf eine spätere Stunde gestatte», so hat der Minister, obwohl er einen füusstündigen Vor­mittagsunterricht für die kleineren Schüler nicht für empfehlenswert hält, im allgemeine» nichts dagegm zu erinnern, wenn die Königlichen Provinzialschul- kollegien auf Antrag des Lehrerkollegiums und »ach Anhörung der Gemeindevertretung ihre Genehmigung zur Verlegung des wissenschaftliche» Unterrichts auf den Vormittag erteilten. Dabei setzt aber der Minister voraus, daß eine vorgängige Verständigung mit der betreffenden Königlichen Regierung bezüglich der etwa am Orte befindlichen höheren Töchterschulen stattgefunden habe, da es nicht angängig sei, die höheren Schulen für die männliche und die für die weibliche Jugend nach dieser Richtung verschieden zu behandeln. Von der Medizinal-Abteilung deS preußische» KriegS- mivisteriumS ist ein Bericht über die Influenza- Epidemie im deutsche» Heere 1889/90 be­arbeitet worden, der einen überaus wertvollen Bei­trag zu der Sammelforschung darstellt. Dem Bericht liegen nicht weniger als 55 263 Erkrankungsfälle zugrunde, aus deren Analyse unter Anderm fich er« giebt, daß die von Nordost nach Südwest gehende Seuche in den südlichen und westlichen Bezirken ihren Höhepunkt erreichte, während die Mark Branden- bürg, abgesehen von dem etwas mehr befallenen Berlin, die niedrigste Stufe einnahm. Tätlich endeten im ganzen 60 Fälle, so daß der Verlauf im Heere entschieden ein leichterer war als bei der bürgerlichen Bevölkerung, ein Umstand, der fich bei den Soldaten aus der Jugend und Gesundheit, so­wie aus der größeren Möglichkeit, fich zu schonu, erklärt. In den Kreisen der akademisch gebildeten Lehrer wurden zwei in den letzten Tagen durch den ReichSanz." veröffentlichte Titelverleihungen vielfach besprochen. Der König hat dem Gymnasial- direktor Dr. Sattmann zu Klausthal aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Staatsdienst und dem

Esther sank neben meiner Mutter nieder nnb brach in leibcnschaftlicheS Weinen aus.

»»ergeben Sie mir!* schluchzte fie, MarnaS Hand küssend. »Vergeben Sie mir, Fran Selbing; aber ich liebte Eduard sehr zu sehr!'

»Zn sehr nicht*, sagte Mama sanft. »Zn sehr kann keine Fran ihren Mann Heben.* Esther schluchzte noch eine Weile, bann staub fie auf, nnb nochmals Mamas Hände küssend, starnmette fie:

»Ich tttn mir Mühe geben.* Nichts Wetter fügte fie hinzu; aber ich wußte, was sie meinte, was in ihrem armen, enttäuschten Herzen vorgiug. Sie wollte Nachsicht Üben und Eduards Roheit ertragen, so gut fie konnte. Ihre eigene Mutter gab ihr denselben Rat, wun auch in anderen Worten:

»Esther, mein Dirning*, sagte Fran Rothe, »Du hast ihn zum Manne genommen; nun mußt Du sehe», wie Du mtt ihm fertig wirst. Du stehst, was ich ans Deinem Vater gemacht habe einen fried» lichen Menschen, der alles thut, was ich will. So war er nicht immer; anfangs hatte er auch noch feine Fehler, tote alle Männer. Doch nach nnb nach kriegte ich ihn unter.*

Esther gab fich gewiß Mühe; aber Ednard war ein ganz anderer Mensch als der ehrliche Pächter. Dieser war stolz ans sei» Weib, vähreub Eduarb fich seiner Fran schämte nub ihr nie bie geringste Macht über fich etnrlnmte.

Als ich etwa zehn Tage nach ihrer Snknnft Esther mttteüte, baß ich verreise» würbe, war fie sehr bekümmert

»Sch, geh »och uicht fort!* bat ste fast fleheab. Aber eS kam ei» pereultortscher Brief vo» Taste Eophtt, »ob so brang Mama darauf, daß bet für bie Reise festgesetzte Zeitpunkt inuegehaften würbe.

Einen Tag vor ber Abreise sah ich »och, baß Eduard «ab Elsa fich begegnete«. Eduard war bet nuS gewesen, »nb gerade, als er a«S ber Sartenthür trat erschien Elsa, schöner »nb verführerischer beu» je, auf der Schwelle beS geguüberliegende» Hausei».