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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain.
Zllustrierles Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
Grtchriut täglich emß« ex «rrktagrn nach Sonn, und Feiertagen. — Quartal-Abonnnnentr-PreiS bei der krpe- dition 2*/t Mk-, bet bat Postämtern 2 DU 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). Juftrtionbgebühr für die gespaüene Zeile 10 Pfg., Keflaaten für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Mittwoch 8. Ottob'er 1890.
Unreigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, sowie die Anaoncen-Bnreaux von Haasenstei» und Bögler m Frankfurta.M., Lasset, Magdeburg «.Wien: Rudolf Masse in Franlfutt tu M., Bettin.München tu Köln; £. Daube tu Co. in Frankfutt tu M., Berlin, Hannover, Pari-.
XXV. Jahrgang.
Bestellungen für das 4. Quartal auf die
ZriiWg
nebst Kreisökatt für die
Kreise Marburg und Kirchhain
und
Mutiertes Sonnhigsbtatt
werden noch von sämtlichen Postämtern und Ml unserer Expedition entgegengenommen.
In Kirchhain nimmt Herr B-^hbinder Rindt Bestellungen entgegen.
Die Exped. der Oberh. Zeit-.
Vrrstau-ttis -er IrrvalidttSts- ««- Altersversicherung*)
vnöffentlicht der „Reichsanzeiger" folge» des:
Die JnvaliditätS- uud Altersversicherung beginnt voraussichtlich mit dem 1. Januar 1891. Zweck dieser Versicherung ist, allen Arbeitern und Arbeiterinnen
1) im Alter durch eine Altersrente einen Zuschuß zu dem dann in der Regel herabgeminderten Arbeitsverdienst zu gewähren und
2) im Falle frühzeitigen Eintritts der Arbeit-» Unfähigkeit für die Dauer derselben eine den Betrag der Altersrente übersteigende Invalidenrente zu sichern.
1) Die Altersrente
kann sojort vom Beginn der Versicherung ab (1. Januar 1891) von denjenigen versicherten Arbeitern beansprucht werden, welche das Alter von 70 Jahren vollendet haben und Nachweisen, daß sie in den Jahren 1888, 1889 und 1890 mindesten» in 141 Wochen gearbeitet haben. Bei diesen 141 Wochen werden auch die Wochen bescheinigter Krankheiten und die Unterbrechungen bei Saisonarbeitern mitge- jählt, wie wenn eS Arbeitswochen wären.
*) Es ist dringend zu wünschen, daß die weiten Kreise, die es angeht, rechtzeitig vor dem Inkrafttreten der Jn- »aliditäts- und Altersversicherung über die Bedeutung des Gesetzes, über ihre Obliegenheiten, um die Vorteile des- selben zu erlangen, über den Umfang der Bersicherungs- Vsticht, über das Verfahren bei Erhebung der Beiträge rc. »ufgeklärt werden. Zu diesem Zweck bringen wir eine allgemeine Uebcrsicht über Rechte und Pflichten der zu versichernden Personen.
(Nachdruck verboten.)
I« Ka«« -er -Sge.
Erzählung von D. Russell.
(Fortsetzung.)
«Ich weiß mich immer tu der Gegenwart GotteS', We er, »Mb ich Mn fest überzeugt, daß Er meine «ampfe, weine Hoffnungen und meine Fehler steht, w«d daß alle», was mir widerfährt, zn «einem Besten Afchieht, znr allmählichen Vorbereitung für ein dtffereS Leben.'
Rose lachte ein wenig nud sagte:
»Gesetzt, Eie schenkten Ihre Znneignug einem nu- Erdigen Wesen nnb dies bräche Ihr Herz, würden wie auch das al» etue vorhrrbestimwte Prüfung wwkbar hinuehmeu?'
»Fräulein Rose", antwortete er sehr ernst, »sollte *ich ein solche» Unglück treffen, so würde ich ver- Achen, e» wie ein Mann, hoffentlich anch wie ein Urist zu tragen. Sine Frau könnte vielleicht alle «ende au» meinem Leben nehmen, aber nie jene xvffnnngen vernichten, welche ihren festen Grund Meit» menschlicher Macht haben. Sie könnte mich M die» Leben der Freude nnb des Glücke» berauben, «er auch bafür würbe ich im ««»blick auf ba» Jenseits T»st fiubeu.'
. »Sie wäre anch keiner lebenslangen Traner wert' Alte ich; »die Macht einer herzlosen Fran kann nicht •° groß sein.'!
„Unsere Gefühle find unberechenbar", sagte er Achdenklich. „Wie ost geben vir nn» wissentlich schwächen und Thorheiten hin, die unser besseres selbst verurteilt. Ich uehme den Fall au, eiu Mann 7" nm den landläufigen Ausdruck zu gebrauchen — ^rliebte sich in ein Mädchen, von dem er weiß, daß
herzlos ist oder nicht für ihn paßt. Wäre er « tadeln? Könnte er dafür?"
. „Ich denke, er müßte wenigsten» so viel Srast Wen, der Versuchung zu entfliehen", sagte ich fast "•rxenb.
Diejenigen Arbeiter, welche beim Beginn der Versicherung (1. Januar 1891) noch nicht 70 Jahre alt, jedoch mehr als 40 Jahre alt sind, haben gleichfalls von dem Zeitpunkt ab, mit welchem sie daS 70. Lebensjahr vollenden, Anspruch auf Altersrente, wenn sie die vorhin angegebenen Nachweise ühren können und vom Beginn der Versicherung 1. Januar 1891) ab regelmäßig ihren wöchentlichen Brittag entrichten.
Die Höhe der zu gewährenden Altersrenten wird nach Lohnklaffen verschieden bemeffen. Die Alters rente beträgt mindestens 106,40 Mk. und höchstens 191,00 Mk. jährlich.
Bei Berechnung der Rente werden 1410 Bei- tragSwochen (Beiträge) zu Grunde gelegt, so zwar, daß jede einzelne Beitragswoche eine Erhöhung der Rente
um 4 Pfg. bewirkt in Lohnklaffe I,
Tie Lohnklaffe I gilt für einen Jahresarbeitsverdienst bis zu 350 M. jährl., „ „ II „ „mehralS350—550 , „
„ „ III „ „ „ „ 550—850 „ „
, » IV . „ „ , 850 „ „
Hat ein Arbeiter 10 Wocben-Beiträge nach dem
1. Januar 1891 für Lohnklaffe IH entrichtet und kann er nachweisen, daß sein durchschnittlicher Jahres- arbeitsverdienst in den vorher gegangenen drei Jahren 1888 bis 1890 875 Mk. betragen hat, so sind kür die 10 Beiträge die Rentensätze der Lohnklaffe III mit 8 Pfg. und für die übrigen 1410 — 10 = 1400 Beiträge die Rentensätze der Lohnklaffe IV mit 10 Pfg. in Ansatz zu bringen. Die JahreSrente berechnet sich demnach auf 10X8 Pfg. -f-1400 X10 Pfg. — 140,80 Mk. Hierzu giebt das Reich 50 Mk. alS Zuschuß, sodaß die JahreSrente insgesammt 190,80 Mk., die Monatsrente also 15,90 Mk. betragen würde.
2) Dir Invalidenrente kann erst nach Zurücklegung einer Wartezeit, d. h. nach Entrichtung einer bestimmten Anzahl von Beiträgen, bewilligt werden. Allgemein find als Wartezeit fünf Jahre, jedes Jahr mit Rücksicht auf zeitweilige Arbeitslosigkeit anstatt zu 52 nur zu 47 Beitragswochen gerechnet, vorgesehen, sodaß insgesamt 5 X 47 — 235 Beiträge entrichtet sein müssen.
Solche Personen indessen, welche bereits in den ersten fünf Jahren nach Beginn der Versicherung, also in den Jahren 1891/1895, arbeitsunfähig
werden, können gleichfalls Anspruch auf Invalidenrente machen, wenn sie
a. wenigstens 47 Wochenbeiträge entrichtet haben und
b. nachweisen, daß sie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Erwerbsunfähigkeit in den noch fehlenden 188 Wochen gearbeitet haben.
Auch hier werden bescheinigte Krankheitswochen owie die Dauer militärischer Dienstleistungen und diejenigen Wochen mitgezählt, in welchen Saisonarbeiter rc. ihr Arbeits- oder Dienstverhältnis unterbrechen mußten.
Die Höhe der Invalidenrente« richtet sich, wie )ie Altersrente, nach den Lohnklaffen, für welche Beiträge entrichtet worden sind, und nach der Zahl der wirklich entrichteten Beiträge.
Bei Berechnung der Rente wird für alle Lohnklaffen ein gleicher Grundbetrag von 60 Mk. an gefetzt und fodann für jeden Wocheubeitrag ür Lohnklaffe I eine Rentensteigerung von 2 Pfg.,
„ , IV „ , „ 13 „
in Anrechnung gebracht. Für bescheinigte Krankhettr« Wochen und für die Wochen mllitärischer Dienstleistungen, welche als Beitragswochen gezählt werden, kommt für jede Woche die Rentensteigerung der Lohnklaffe II in Ansatz.
Hat z. B. ein invalider Arbeiter der Versicherung etwas über 18 Jahre angehört und kann er 50 Beiträge in Lohnklaffe II,
300 „ III,
600 „ , , IV und
10 bescheinigte KrankhrttSwochen aufweisen, so berechnet sich fein Rentenanspruch bei der Versicherungsanstalt auf 60 Mk. + 50 X 6 Pfg. + 300 X 9 Pfg. 4- 600 X 13 Pfg. + 10 X 6 Pfg. = 168,60 Mk.
Hierzu giebt das Reich, wie bei der Altersrente, einen Zuschuß von 50 Mk., sodaß die JahreSrente insgesamt 168,60 -f- 50 = 218,60 Mk., oder die abgerundete Monatsrente 18,25 Mk. beträgt.
3) Sofortige Geltendmachung derAlterS- rente und der Invalidenrente.
Wie bereits erwähnt, können die über 70 Jahre alten Arbeiter, etwa 140 000 an der Zahl, sofort nach Eröffnung der Versicherung und die sonstigen älteren Arbeiter, sobald sie 70 Jahre alt geworden sind, Anspruch aus Altersrente geltend machen, wenn
von ihnen folgende Bedingungen rechtzeitig erfüllt werden:
a Schon jetzt müssen alle älteren Arbeiter und Arbeiterinnen sich die Zahl der Arbeitswochen (die Saisonarbeiter auch die ArbeitSunterbrechrwgen) und !>en Jahresarbeitsverdienst in den Jahren 1888/90 bescheinigen lassen, waS kostenlos von dem betreffen« »en Arbeitgeber oder von der untern Verwaltungsbehörde de» Beschäftigungsort» (Orts- oder Gemeindevorstand, Polizeiverwaltung) zu geschehen hat. Im ersteren Falle müffen die Bescheinigungen von einer öffentlichen Behörde kostenlos beglaubigt werden.
b. Daneben ist e» von Wichtigkeit, sich auch die etwa in den Jahren 1888/90 durchlebten KrankhettS- wochen von den Krankenkassen oder von der «nieten Verwaltungsbehörde bescheinigen zu lassen.
c Alle Arbeiter und Arbeiterinnen müffen Sorge tragen, daß sie rechtzeitig versichert werde».
Auch die weniger alten Arbeiter können, falls sie in den Jahren 1891 bis 1895 durch Krankheit oder sonstige Ursachen ihre Arbeitsfähigkeit verlieren, Anspruch auf eine Invalidenrente erheben.
Zur Geltendmachung deS Anspruchs auf Invalidenrente ist eS ebenfalls notwendig, sich die oben erwähnten Nachweise jedoch schon von Ende November 1886 ab zu beschaffen. Nur bedarf eS hier einer Bescheinigung über den Jahresarbeitsverdienst nicht. Mchtig ist hier die Vorlegung der Militärpapiere, weil die in den Jahren Ende 1886 bis Ende 1890 geleisteten Militärdienste als Beitragszeit angerechnet werden.
4) BersicherungSpslicht.
Zu versichern find vom 16. Lebensjahre ab die nicht mit Staats- oder Kommunal-Pensionsberechtigung angestellten und nicht selbstständig rin Gewerbe rc. ausübenden Personen (Arbeiter, Gehilfen, ©ejellen, Lehrlinge u. f. w.) ohne Unterschied deS Geschlechts, welche gegen Lohn ob« Gehabt in der Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei, in der Industrie und im Bauwesen mit Einschluß de» Handwerks, in Handel und Verkehr, im Haushalt (Dienstmädchen rc.) und in allen anderen Erwerbs« zweigen beschäftigt werden. Betriebsbeamte, Handlungsgehilfen und -Lehrlinge jedoch nur, wenn deren Jahresarbeitsverdienst 2000 Mk. nicht übersteigt. Nicht zu versichern find die in Apotheken beschäftigten Gehilfen und Lehrlinge.
Die Versicherung wird dadurch bewirkt, daß die zu versichernde Perspn sich bei d« unteren Verwaltungsbehörde ihres BeschaftigungSorte» oder bei den sonstigen bekannt gemachten Stellen sofort nach dem
„Am besten ist eS, sich gar nicht zu verlieben, Herr Pastor', sagte Rose lächelnd. „Die sehr sanften, madonnenhaft avSsehenden Mädchen find meisten» Heuchlerinnen. Solche Sünderinnen dahingegen, wie ich bin, können überhanbt nicht tn Frage kommen; fie haben ihren Charakter im Geficht geschrieben."
„Nnn wohl, Fränlein Rose, ich werde Ihrem Rate folgen und mich gar nicht verlieben", antwortete der Pfarrer kurz nnb empfahl sich halb. Rose sah etwas enttäuscht ans, sagte aber nichts, sonbern forschte eifrig nach meinen Erlebnisse» bei Ebnard.
„Sie haben sich natürlich gezanft", äußerte fie, als fie hätte, daß Elsa zuletzt ein so nnznfriebeneS Geficht gemacht habe; „fie wirb deshalb doch ihren Zweck erreichen."
„Arme Esther!" sagte ich.
„Esther Rothe wttd fich darein finden müssen wie manches andere Mädchen", erwiderte Rose gleichmütig. „Ich mag zwar Elsa nicht leiden; ich halte fie für ein berechntndkS, boshafte» Geschöpf, indessen ist fie mir immer noch lieber al» eine gewöhnliche Pächters.
Wenige Tage nach diesem Gespräch, al» mein Weg mich wieder zn Rothe» führte, bemerfte ich mit Erstaunen, daß der biedere Pächter, der mir über den Hof gerade eutgegeuschritt, fich bet meiner Annäherung geflissentlich abwandte und in einem der Stallgebände verschwand. Da» sah ihm sogar nicht ähnlich, daß ich bettoffen still stand nnb vielleicht wieber umgekehrt wäre, wenn nicht in biesem Augen- blicke Fr-n Rothe tn ihrem schwarzseideneu Kleide, welche» fie nnt an hohen Festtagen, zn Begräbnissen nnb Hochzetten anznzirhen pflegte, an» beni Hanse getreten wäre.
Eie lief, al» fie mich erblickte, tn großer Erregung auf wich zu, ergriff meine Haub nnb fragte atemlos:
»So wissen Sie e» also schon, Fränlein?" „Nicht», Fran Rothe. Wa» ist benn geschehen?" Sie zog wich tn das Hans, schloß sorgfältig die Thür nnb sagte beinahe flüsternd:’3
„ES ist wegen Esther, Fräulein Margret. Ich wollte eben hinüber kommen nnb Ihnen Mesen Brief bringen."
„Einen Brief von Esther?" fragte ich mttllopfea- bem Herzen, al» ich bte Handschrift sah.
„Ja, von Esther", sagte fie, mich ernsthaft anblickend, Md ihr GefichtSanSdrnck beruhigte mich ein wenig. ES lag kein Jammer in den rauhen, Mannen Zügen, sondern nnt Erregung, ja, beinahe ein ge- wisset Stolz.
„Und Sie haben vttklich nichts geahnt?" fragte fie wieder.
„Ich bitte Sie, Fran Rothe, lassen Sie «ich nicht länger tn Ungewißheit", bat ich in bangem Vorgefühl dessen, tta» kommen würde.
„Nun, Esther ist hente morgen mit Henn Eduard getränt worden, nnb ihr Vater nnb ich haben nicht eher etwas bavou erfahren, als bis alles vorüber war." „Getraut! Mit Ebuarb!" lief ich, nun hoch ans» Höchste überrascht.
„Jawohl!" fuhr Frau Rothe eifrig fort. „Sie ging Mesen Morgen um zehn Uhr weg nnb sagte zu mir, bte liebe, lütte Dirn': „Mutter, küsse mich, ehe ich gehe", nnb ich küßte fie von Herzen. Um elf Uhr kam Jakob, bet Stalljunge, mit wett offenem SRnnbe herein. „Frau", sagte er, „bte Esther schickt btc8 hier", nnb giebt mir einen Brief in bte Haub. Ich reiße ihu auf — Mb hier ist er."
Ich «ahm ben Logen aus Fran Rothes Haub «ab la» FolgeubeS:
ä. f „Meine liebe Mutter!
Bor einer halben Stunde habe ich mich mit Herrn Eduard Seldiug verheiratet uud wir reifen jetzt gleich nach Hamburg. Ich habe Dir uud Vater vorher nicht» gesagt, weil ich dachte, Ihr würdet dadurch nur Unruhe Md Uuaunehmlichketten haben. Eduard wünschte auch sicht, daß irgend Jemand vorher etwa» davon ersühre. Alle nötigen Papiere, GebmtSschetn nnb bie anderen, (hatte ich ja selber in meinen Kästchen, nnb mfinbig war ich ja anch.
Ebnarb sagte, er brauche bloß noch einen Bogen, woraus unten bet Name von meinem Vater stäube. Wozu, ba» weiß ich nicht. Sb« Du erinnerst Dich wohl noch, wie ich Sater einmal int Scherz bazu brachte, baß er mir feinen Namen unten tu bte Ecke von einen großen, schönen, weißen Papier- bogen schrieb. SIS ich banal» zu Tante rüste, ging ich erst nach ben Städtchen, wo Eduard wohnte, nnb er mietete ein Zimmer für mich nnb ließ mich anmelben, aber nicht wieder abmelden. Er sagte, ba» wäre wegen be» Aufgebot» beim Staudesamt nötig, nnb er wollte burchaus nicht, baß irgend Jemand tn Heydorf vor unserer Verheiratung etwa» davon erführe.
Bitte, gteb einliegenden Brief Fränlein Margarete.
Ich weiß, die Anderen werden sehr aufgebracht sein, und vielleicht ist auch fie böse auf mich, aber ich hoffe, fie wird mir verzeihen nm meiner Liebe willen. Uud da» hoffe ich auch von Dtt Md Sater.
Deine Dich liebende Tochter
Esther."
8U8 ich zu Ende gelesen hatte, sagte ich ernst: »Ich bin sehr überrascht, Frau Rothe; aber ich danke Gott, daß Sie mir nichts Schlimmeres zu berichten hatten.'
»Sie können nicht mehr Überrascht sein al» wir, Fränlein Margret', autworttte fie. »Ich hatte keine Ahnung hiervon. Ich sah ihn niemals befonbet» freundlich gegen fie nnb hörte fie kaum jemals feinen Namen nennen.*
Ich la» bann noch bie wenigen an mich gerichteten Zellen:
»Vergeben Sie mir, Fräulein Margarete, wenn Eie hören, daß ich mit Ihrem Bruder verheiratet bin. Ich liebe ihn sehr — wenn mich ba» bei Ihnen entschuldigen kann. Aber nicht wahr, Sie werde» mir verzeihen und mich ein wenig lieb haben, wenn wir znrückkommen? » Esther.'
Mtt diese« Briefe in der Hand ging ich zurück, u« meiner Mutter Mb Rose bie Neuigkeit zu übermitteln.