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Wöchentliche Beilagm: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expeditian: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Slug. Koch.
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Marburg,
Donnerstag, 25. September 1890.
Intrigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, Kurie die Annoncen-Bureaux von Haasenstrin und Bogle«
Frankfurt a. M., Gaffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf Mofse tu Frankfurt a. M., Berlin, München u. Kölng. Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXV. Jahrgang.
Bestellungen für das 4. Quartal auf die Dktrstss. Iritmg nebst Kreisökatt für die greise Marburg und Kirchhain und
Illustriertes SonntagsBfatt werden schon jetzt von sämtlichen Postämtern mtb von unserer Expedition entgegengenommen.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungen entgegen.
Mit dem beginnenden neuen Quartal werden wir eine Reihe Marburger Erinnerungen aus den Anfang dieses Jahrhunderts zum Abdruck bringen. Es sind dieses Originalaufzeichnungen von Zeitgenossen, die für die Vergangenheit Marburgs von allgemeinstem Interesse sind. Auch kommen höchst spannende Romane neben größeren und kleineren Novellen und Humoresken zum Abdruck.
Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die bis zum Beginn des neuen Quartals erscheinenden Nummern gratis
Die Exped. der Oberh. Zettg.
Aach der Schule.
Eine Anzahl von deutschen Innungen und Handwerksvereinigungen hat in größerem Umfange seit Ostern d. I». einen recht praktischen Gedanken zur Ausführung gebracht, der gute Früchte trägt. Bevor irgend ein Gewerbetreibender dieser Verbindungen tinen Lehrling annimmt, wird derselbe von einer dazu bestellten Kommission geprüft, ob er auch die allgemeinen Kenntnisse besitzt, welche man in dem betreffenden Gewerbe von einem Lehrling beanspruchen muß. ES wird in diesen Prüfungen fest- pstellt, ob der junge Mensch jene WiffenS - Grundlage besitzt, auf welcher später weitergebaut wird, >md die Fähigkeit, die praktischen Weisungen zu berstehen und in sich aufzunehmen. Dieses Ber-
sNachdruck verboten.)
I« der Hatte.
Novellette von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Sie wußte uichtr vou große« Städte», Eisen« bahne» u»d dem Lebe» n»b Treiben der großen Welt, vb er gab keine» höhere» Se»»b für sie, als von M« treue» Huude begleitet, mit ihrer Heerde, deren KeS eiuzelue Schaf sie kannte, ins Freie zu ziehe«, blü den Keinen Lämmern zu spielen und mit ihnen a> die Wette umherzuspriugeu, oder die Vögel fliegen • sehen nud ihrem Gesänge zu lausche».
Kari» mußte alle Abrude nach dem Bielhos zu« «Kehre», wo ihre Großmutter aI8 Schaffnerin und selbst als Hirtin diente. Dort versammelte sich 5* diese Zett die ganze HanSgenoffeuschast tu dem *üte» rauchige» Raume, »Flanth' genannt, um da« vttbfener, welches seine duukelroten Lichter über die ^geschwärzten Wäude ergoß. Dort wurde daS Mache, aber kräftige Nachtmahl eingenommen und b«r Rest der Abends in gemütlicher Unterhaltung ^bracht. Denn ans allen Hatdehöfeu besteht zwischen vnschaft und Gesinde ein echt pattiarchaltscheS Ver. Kltnis, welches durch die treue Gefiuuuug und den Knügsameu zufriedenen Charakter des Landbewohners bidtngt wird.
. SlueS Abend» zur gevohuteu Stunde schritt Karin °«n schmalen von Wachholdergestrüpp eingehegten Weg
Bielhof hinab. Gerade als sie im Begriff war, ds de» Eichenhain zu treten, klaug etu Ruf in ihr Fan und ein hübscher, schlanker Bauerubursche sprang M eifrig entgegen. Er hatte tiefblaue ttänmerische S«ta und sei» souueugebräurtteS Gesicht umfloß eine Mle von krausem, ltchtbloude» Haar. Die Lippen *areu weich und rot wie die eines Kinder und darüber Mr sich der erste Flau«. Er trug eine kurze Me Hose, hohe Sttestl und eine schwarze Jacke, Att welche der brette Hemdkragen in blendender «eise fiel.
fahren ist keineswegs überflüssig. ES ist ja leider eine bekannte Thatsache, die in diesen Bezirken weniger, in jenen stärker hervortritt, daß solche Knaben, die im Voraus wiffen, daß sie Handwerkslehrlinge werden sollen, eS sich in der letzten Schulzeit recht bequem machen, weil der Wechsel ihrer äußeren Verhältniffe nahe bevorsteht. Unsere deutsche Volksschule ist ausgezeichnet und wenn trotzdem junge Leute daraus hervorgehen, deren allgemeines Wiffen unerlaubte Lücken aufweist, so liegt die Schuld dafür nicht bei der Schule, sondern bei den Schülern, und nicht selten bei den Eltern derselben. AuS dem Grade deS allgemeinen Wissens kann man ziemlich genau darauf schließen, ob der junge Mensch auch zu gediegener praktischer Leistung veranlagt ist. Wer in der Schule ohne Lernlust war, bleibt fast immer ein mittelmäßiger Mensch, der höchsten- mechanische Fertigkest sich aneignet, aber nicht auS, noch ein weiß, wenn er einmal selbst nachdenken und bestimmen soll. Die Annahme und die Hoffnung, nach dem Verlassen der Schule würden die jungen Leute gründlich sich ändern, trifft in Wahrheit recht selten zu. Eine völlige Aenderung de« Charakter« findet nicht mehr statt, und man darf über äußerliche Erfolge nicht vergessen, daß ihnen der innere Kern fehlt. Wenn die Dinge so liegen, so ist eS nur zu empfehlen, sich erst gar nicht, mit wenig brauchbarem Lehrlingsmaterial abzumühen. Der Aerger dabei ist recht groß, der Nutzen sehr gering, und es würde heute in mancher Beziehung anders stehen, wenn stet« auf die Auswahl der Lehrlinge besonderer Nachdruck gelegt wäre. Man braucht nicht gerade hart zu fein, aber am Ende ist der Lehrherr kein gewerbsmäßiger Zuchimeister. Er will an der mühevollen Arbeit der Lehrlingsausbildung auch seine Freude haben, und wo soll die Freude wohl bei der Erwägung Herkommen, daß alle Ermahnungen doch nicht den rechten Nutzen haben?
Nun ist allerdings zu beachten, daß eine Erschwerung der Bedingungen für die Aufnahme von Lehrlingen die Schar der jugendlichen Arbeiter vermehren könnte. Die jungen Leute ziehen die bequemere und .verdienstreichere' Thätigkeit de» jugendlichen Arbeiter», der nach der Erlernung von einigen Handgriffen sofort seinen Lohn einsteckt, heute schon der ganz ander» gearteten Lehrzeit im Handwerk vor. Sie denken freilich nicht daran, daß sie meist im ganzen Leben Stümper bleiben. Ein Handwerksgehilfe findet sich bald in jedem Großbettieb seines Gewerbe» zurecht, aber der auf da» .Stück' eingeübte Fabrikarbeiter nie im Hand«
»Na, wa» ist den» das, Heinz?' fragte Karin stehe» bleibend. »Was rennst denn so wild daher? Presfirt e« Dir so? Wo willst den» hin?'
.Alleweile nur zu Dir', erwiderte er schnell. «Ich hab mit Dir z« rede», den» fett heute früh ist etwas nicht ganz richtig auf dem Bielhos! Kaum daß D» rntt der Heerde fort warst »ach der Weide, da bekam die alte Wiebke, Deine Großmutter, Besuch von da unten her, aus dem Sachseulande. Und fetibem nimmt da« heimliche Gerede mit den Eltern gar kein Ende. Und weißt, Karin, vou was die Red' ist? Kannst es denn nicht raten?'
«Ach geh, wie soll ich'S wisse», da» wird was Besonderes nicht sein!'
.Wegen Nicht» und wieder Nicht» komme ich nicht dahergespruugen', brummte Heinz ein wenig ärgerlich. .Also, paß auf — Dich betrifft» — nur Dich! He, was sagst denn mm?'
»Ach, »ichtS sag ich, «ach keine Späße! Wer soll sich um mich bekümmern und noch gar jemand an« dem Sachsenland? — Zum Tollacheu ist», was Du schwatzen kannst!' Sie stemmte beide Arme in die Hüsten und schüttelte sich vor Lachen und Kichern.
Der »ursche fuhr auf. .Was soll da», Karin? Giften könnt ich mich, wenn D» so dumm daher« lachst, wo doch das Weine» scho» dicht dahinter fitzt! Und zur Strafe will ich gleich herauSrückeu mit der Sache! Also, Karin, der fremde Besuch ist die Singe« gret, die Schwester von Deinem Vater selig, die in der Well eine große Dame geworden und mächtig viel Geld befitzeu soll. Und allewette ist fie »ach der Haide gekomme», nm Dich «ttzuuehme» und ein seine» Fräulein au» Dir pt mache»! Ja, schau, bet der Mittagssuppe haben fie aller richtig gemacht mtt «einem Vater und er hat Dich aus dem Dienst entlassen! Mr ist der ganze Sppettt vergangen dabei, obgleich ich vorher Hunger gehabt! Und nachher beim Heuen hatte ich kein anderes Denken, als au Dich, Keine gute Sarin, und wie traurig S fein wird ans bcm Bielhos, wenn Du in der Stadt drin und nicht
wyck. Die jugendlichen Arbeiter sind in keiner Industrie zu entbehren, aber e» wäre wohl zu wünschen, daß in irgend einer Form mehr auf ihre Ausbildung hingewirkt würde. Den jungen Leuten wird der Geldverdieust zu leicht gemacht, sie führen ein oft recht ungebundenes Leben, während der Handwerkslehrling doch mehr und mehr einer gewissen Zucht untersteht. Es wäre am besten, wenn auch die jugendlichen Arbeiter möglichst vielseitig auSgebildet würden und dazu gleichfalls eine gewisse Lehrzeit absolvieren müßten. Dadurch würden fteilich die Einnahmen geschmälert werden, aber die jungen Leute würden auch zu einer einfacheren Lebensweise angehalten und sie erwirken vor allen Dingen sich größere Kenntnisse, brauchten nicht so leicht später zu befürchten, auf dem Trockenen zu sitzen. Ein solcher Unterricht ist natürlich mit Mühe und Zeit verbunden, aber auch die Arbeitgeber, die schon viel- fach in diesem Sinne vorgehen, haben Nutzen davon. Sie erhalten nicht nur eine besser ausgebildete, sondern auch besser erzogene Arbeiterschaft. Immer mehr noch müßte auch der Gewerbestolz der jungen Leute durch Anerkennung ihrer Leistungen und entsprechende Veranstaltungen geweckt werden. Ein Baum, der gute Früchte tragen soll, verlangt lange und genaue Pflege. Um wieviel mehr erfordert diese nicht ein ganzes heranwachsendes Geschlecht? Da» Leben ist frellich der beste Zuchtmeister, aber die junge Welt muß nach der Schule unter verständiger Leitung erst das Leben verstehen lernen.
Wr«tschrs Reich.
Berlin, 23. Sept. Nach Meldung der Wiener Journale ist nun endgültig festgesetzt, daß Se. Majestät Kaiser Wilhelm Mittwoch den 1. Oktober, Vormittag» um 9 Uhr, mittel» Separat«Hofzuges der Nordbahn in Wien ein trifft. Der Monarch wird über die Praterstraße, Aspernbrücke und den Ring nach der Hofburg fahren und gegen Mittag den Mitgliedern de» kaiserlichen Hauses Besuche abstatten. Nach der Rückkehr in die Hofburg wird der Kaiser das Dejeuner nehmen und hierauf nach Schönbrunn fahren. Von hier aus erfolgt bekanntlich die Abreise der Kaiser Franz Joseph und Wilhelm und deS Königs Albert von Sachsen, wie des Erzherzogs Ferdinand Großherzog von ToSkana unb beS Prinzen Leopold vou Bayern zu den steirischen Hochwildjagden. — Die Rückkehr deS Kaisers von den Jagden in Oesterreich wird in der zweiten Oktoberwoche erwartet. Bis zu dieser Zeit werden die im Entstehen begriffenen Arbeiten der Reichsämter für den Reichs
wehr hier bist — und geweint hab' ich — nichts als geweint und geweint, wie der kleine Geerd, wenn er die Mutter nicht steht!'
Unb von Neuem tropften bent Burschen bie dicken Thränen über bie Wangen herab.
Sarin starrte ihm mtt offenem Mnnbe unb weit anfgeriffenen Augen ins Gesicht, al» könne fie bas Gesagte nicht fassen.
.Jesus, bas kann ja nicht möglich fein, baß ich fort soll von ber Halbe!' stotterte fie enbllch mtt znckend« Lippen. .Solche Schlechttgkeü kann mir dach Niemand authnn? Du hast wohl uicht recht gehört, Heinz? Denk nur mal ordentlich nach! Nicht wahr, Dn hast falsch verstanden? Gar nicht ahnen kannst Du, wa» Du mir mtt Seinem Gerede anthust, denn wenn» wahr wäre, ach, dann grämt ich «ich tot — nein, da» überlebt ich nicht!'
Die letten Worte erstickten ihr in einen krampfhaften Schluchzen, da» ihren zarten Körper so er« schüttelte, daß alle» in ihr bebte und zitterte.
Heinz schaute fie nriileibig an. »Weine nicht so. liebe Deem', sagte er weich, »tröste Dich! Wenn Du schon fort «ußt mit Deiner Xante, und vou der Haide weg, so bist doch noch auf der Well! Und in drei oder vier Jahren dann komme ich auch nach der Stabt in Garnison al» Soldat. — Na also! — Dann find wir wieder beisammen und ich erzähl' Dir, was derweil pasfirt ist aus dem Vielhof! Und nachher, so denk ich» mir, wird schon noch alle» recht werden mti uv» Beiden. Denn ob hier in der Heimat, ober branßeu im fremben Land, vergessen werbe ich Dich nicht und lieb behalten will ich Dich auch! — He, Sari», hast e» doch schon von Sleinauf verspürt, wie viel ich auf Dich halle, nub baß ich Dich gern habe! Unb so soll'« bleiben bi» in alle Ewigkeit! Gerade so, wie ich'« gefügt, gerabe so, nub nimmer ander»!'
De» Bursche« Stimme zitterte vor toterer Bewegung, er wischte sich verstohlen «rit bem Handrücken die nassen Ingen ab und atmete an» tiefer Brnfi laut axf.
tag bezw. der preußischen Ministerien für den Landtag so weit gefördert sein, um bezüglich grundlegender Fragen der kaiserlichen Entscheidung unterbreitet zu werden. E» bleibt dann, so heißt eS, immer noch Zeit genug, die Ausführung im einzelnen bi» zum Zusammentritte der Parlamente zu erledigen. — Im Handwerkerstände ist man mehrfach der Ansicht, die JnvaliditätS- und Altersversicherung finde auf Handwerker keine Anwendung. Die Anschauung ist vornehmlich dadurch entstanden, daß das letzte der in Geltung getretenen ArbeiterversicherungS- gesetze. daS Unfallversicherungsgesetz, anfangs fast nur bie Fabrikarbeiter umfaßte, und erst später andere Arbeiterkategorieen einbezog. Das Invalidität»- und AlterSverficherungsgesetz erstreckt sich jedoch auf einen weiteren Versichertenkreis, als die Kranken- oder Unfallversicherung. Es kommt nicht nur für die Arbeiter in Fabriken, die Gesellen und Lehrlinge im Handwerk, sonder« auch für Dienstboten, wie für »Gehülfen" bet jeglicher Thätigkeit, soweit fie da» 16. Lebensjahr vollendet haben und gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden, in Anwendung. Deshalb hat, wie die »Verl. Pol. Nachr.' bemerken, Jedermann, der einer anderen Person Arbeit giebt, die größte Veranlassung dazu, sich mit den Bestimmungen des JnvaliditätS- und AlterSversicherungSgesetzeS, auf deren Nichterfüllung recht beträchtliche Geldstrafen gefetzt find, ganz genau bekannt zu machen. Die Handwerker aber umsomehr, als in Berücksichtigung hauptsächlich ihrer Interessen eine Bestimmung in da» Gesetz ausgenommen ist, welche auch den Arbeitgebern, wenigsten» einem bestimmtenKreise derselben, ein Recht einräumt. Wir meinen das Recht der Selbstverficherung. Betriebsunternehmer, welche nicht wenigstens einen Lohnarbeiter beschäftigen, dürfen sich, so lange der BunbeSrat nicht ihre BersicherungS- pflicht festgesetzt hat, gegen die Folgen von Invalidität und Aller freiwillig versichern, und zwar in der zweiten LohnKaffe gegen die Entrichtung von vorläufig 28 Pfennigen wöchentlich. Gerade in den Handwerkerkreisen dürfte e» solche Betriebsunternehmer in ganz ansehnlicher Zahl geben unb für sie wäre bie freiwillige Versichnrung wohl angebracht. Aber auch abgesehen hiervon sollten bie Handwerker im Interesse ihrer Gesellen und Lehrlinge den Bestimmungen deS Gesetzes, in erster Linie vorläufig den lieber« gangsbestimmungen bezüglich der Beschaffung von Nachweisen über ftühere Beschäftigung, ihre Aufmerksamkeit schenke». — Die Reichsregierung soll, einer im Reichstage gegebenen Anregung folgend, beschlossen haben, den Invaliden der Unterklasse aus den letzten großen
Kari« hielt daS Köpfchen gesenkt unb bedeckte ihre Augen mtt den Händen. Glühend schoß e» ihr durch da» Herz. Dan» bliuzte sie scheu dmch die Finger z» Heinz hinüber, und bann schnell wieder ans ben Huub, ber mit ber Pfote an ihrem Kleibe kratzte, als wolle er sie zum Wetterschretten aufforbem. Sie nickte nachdenklich ein paar Mal vor fich hin, aber fie sprach kein Wort. Sin tiefes Gefühl von Rührung nub Wehmut hatte fie ergriffe«, machte fie befangen unb schloß ihr den Mund. Darauf gingen Beide Hand in Hand, aber still und schweigsam durch das Gehölz zum Bielhos, über bem bereits bie Schatten beS Abends lagerten.
Da» große EingaugSthor im Giebel beS mit einem fast bis zur Erbe reicheubeu Strohbache versehenen Hauses staub weit offen nub man konnte birett in bie Flanth hiueinseh«, welche bie ganze Länge beSselben einnahm nub zn bereu beiben Seiten sich bie Stallungen für bas Vieh befanden. Auf bem offenen, nur knieehohen Herbe brannte ba8 Feuer mtt helllobernben Flaum«. Der Kessel mit ber brobeln» ben Abenbsuppe hing darüber, während Töpfe und Pfannen auf den glühenden Kohlen standen. Eine stämmige Magd überwachte die Kochstelle und bewegte sich geschäftig zwischen bem Herbe unb bem großen Tische hin nub her, an bem bereits da» Gesinde zum Feierabend versammell war. Siu feiner Rauch erfüllte ben b&mmrigen Raum unb stieg in leichten Wolken in bie Höhe. Alle» von b« blinkenden Zinntellern unb Löffeln an, welche man auf bem Tische unb bem große« eiche«« Wtrtschaftrschrauke erblickte, dis zu ber ttefschwarM, mtt glänzendem Ruß überzogen« Decke, war grell von ber bnnlelrot« Glut be» Herd- feuer» beleuchtet.
Im Hintergründe erweiterte fich die Flanth und bildete rin geräumiges, durch ein paar F«ster von dickem grünlichem Glase erhelltes Wohngemach. Dori saß« der Bauer, die Bäuerin, Karins Großmutter mb die frembe Dame in angelegentlicher Unterhaltung beifamma. Die Hausfrau und die alte Wiebke