Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die »nnoneen-Nnreanx von Haasenstein und Bogle, in Frankfurt a. M., Löffel, Magdeburg u-Wien; Rudolf TTV Qrtfirrtrtnn Stoffe In Frankfurt e. R-, Berlin, München u. «Än; G. 8- ' <U ®
Dauben. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
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Bescheint täglich außer an Werktagen nach Sonn, und £WW»
Feiertagen. — Ouartal-SbonnementS-PreiS bei der Lxpe»
Mtion 21/» Mk-, bet den Postämtern 8 Mk. 50 Pfg. (erfL
'"“’io’wSttÄ L'LSL" ** Mittwoch, 24. September 1890.
Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. —
Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Bestellungen für das 4. Quartal auf die
nebst jlreisBfatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und
Migriertes Sonntagsbfatt werden schon jetzt von sämtlichen Postämtern und von unserer Expedition entgegengenommen.
In Kirchhain nimmt Herr Buchbinder Rindt Bestellungeu entgegen.
Mit dem beginnenden neuen Quartal werden wir eine Reihe Marburger Erinnerungen aus den Anfang dieses Jahrhunderts zum Abdruck bringen. Es sind dieses Originalaufzeichnungen von Zeitgenossen, die für die Vergangenheit Marburgs von allgemeinstem Interesse sind. Auch kommen höchst spannende Romane neben größeren und kleineren Novellen und Humoresken zum Abdruck.
Neu hinzutretende Abonnenten erhalten die bis zum Beginn des neuen Quartals erscheinenden Nummern gratis.
Die Exped. der Oberh. Zettg.
Die Iklavrufragt i« Afrika.
Der ungeheuerliche Lärm, welchen die brllischen Zeitungen über die angeblichen Sklavenmärkte ver- lmftaltet haben, welche im deutschen ofiafrikanischen Schutzgebiet stattfinden sollen, hat die allgemeine Aufmerksamkeit wieder auf die Sklavenfrage in Afrika gelenkt. Gewiß ist mit allem Nachdruck nicht blos 1« wünschen, sondern auch zu fordern, daß die Sklaverei aufgehoben wird, denn sie ist eine Einrichtung, welche allen Kultur Geboten direkt widerspricht; die Sklaverei ist auch in einem großen Teil von Astika bereits aufgehoben; jedoch, daö muffen wir vor allem beachten, fast allenthalben nur dem Namen nach. Bit haben in dem unter englischer Aufsicht stehenden Aegypten, in den englischen, französischen, portu-
Lrke Liebe.
Novelle von I. Berglen.
(Schluß.)
818 Walter de« unverändert traurigen Ausdruck w feinen Mienen sah, begann er zn schwanken nud R mußte nach dem Tische greifen, nm nicht zn finken.
.Es geht zn Endel* sagte der Doktor ernst. »Ein Nerveuschlag!'
Jetzt kam die ganze Leidenschaft Walters zum w«bruch. Er fiel dem Arzte zu Füße», er bat ihn, mue Braut nicht sterben zu lassen, er umklammerte vchend seine Knie, ranz die Hände nnb schluchzte ** ein Sind. SS war schrecklich, seine Slagen, Men verzweifelten Schmerz mit anznseheu.
.Beruhigen Eie sich um GotteSwillen, Herr von «wherl- sagte der Arzt tief erschüttert. .Denken vir daran, daß die Sterbende alltS hören kann.*
Und in diesem Angenblicke tönte auch vou Lores Maßte rn Muude Walter» Namen mit dem Ausdruck «tBefter Zärtlichkeit, und dann lag er schou wieder Ar ihr ans deu Knieen, deu Kops tief iu ihre ««ken gepreßt und iu feiner Rechten die immer *l)r und mehr erkaltende Hand des mit dem Sterben Waben Mädchens.
Sg war so todtenstill im Zimmer. Die kleine *»toco.U6r tickte so rastlos und eilig. Die Fenster waren wett geöffnet. Dranßen wehte kein Lüstchen.
ihrem Lager konnte Leonore den mit leuchten- Sternen übersäeteu Nordhimmel erblicken. Aus Ferne, vom Meere her, scholl gedämpft das weh. 7«tige Lied eine» heiwkehrenden Fischer» herein — •* Fran Försterin wollte da» Fenster schließen.
.Laß offen, Tantchen Sophie! e» schläft sich so 2®* dabet eia*, bat ste mit lauter Stimme. Ein »nierhaste» Lächeln umschwebte jetzt die Züge. Aalter, mein herzlieber Walter — Tantchen Sophie.' Jr war ein kaum hörbare» Flüstern nur. .Mein Ratter', wiederholte ste noch einmal and blickte ihn
giesischeu Kolonicen Verhältnisse, die im Grunde genommen nichts anderes als Sklaverei sind, der nur der Namen fehlt. Der Orientale denkt über diesen Punkt eben anders, als der Europäer, und die ehemaligen Sklaven selbst wissen sich mit ihrer Freiheit häufig nicht zu befreunden. Der fteigelafsene Sklave muß zur Freiheit und freiem Handeln erst erzogen und herangebildet werden, und da» macht sich nicht so schnell. Es lag also nicht der leiseste Grund vor, auf die deutsche Kolonialverwaltung loszuschimpsen, weil in Deutsch Ostafrika noch die Sklaverei bestehen sollte. Im Gegenteü, mögen nur die Engländer sich der Handlungsweise ihrer eigenen ostastikanischen Gesellschaft erinnern! Als im deutschen Schutzgebiet Buschiri» Ausstand loSbrach, und diesem, wie allen Sklavenjägern überhaupt mit Waffengewalt das Handwerk gelegt wurde, da ließ die britische ostafrikanische Gesellschaft in ihrem Gebiet, um dort das Ausbrechen von Unruhen zu verhindern, nicht blos den Sklavenhandel fortwährend zu, sie beschenkte auch noch die Sklavenhändler. Bon deutscher Seite ist damals diese- Verhalten scharf getadelt, und man antwortete darauf aus London, diese Verhältnisse gingen Deutschland nichts an. Das sind Thaisachen! Die englische Regierung hat sich in neuster Zeit von der früher sprichwörtlichen Krämerpolittk abgrwandt, aber es besteht in London noch eine Krämerklique, welcher da» Geschäft und der volle Geldbeutel über alles geht. Und diese spektakelt jetzt.
Die Lage der Sklaven in Zanzibar und an der Zanzibarküste ist eine durchaus günstige. Die Leute werden nicht sehr geplagt, auch nicht hart behandelt und sind mit ihrem Lose durchaus zufrieden. Verwerflich sind vor allem Sklavenjagden und gewerbsmäßiger Skluvenverkauf. Doch auch die Sklaverei selbst muß fort, und die Reichsregierung hat sich prinzipiell durchaus in dieser Richtung ausgesprochen. Aber Deutschland wird nicht so einfältig sein, in eine Grube hineinzufallen, welche die britischen Ko- lonialkonkmrenten ihm in Ostastika gegraben haben. Wer glaubt, daß John Bull Humanität nur der Humanität wegen triebe, der ist sehr im Irrtum; erst kommt das Geschäft. Der Opiumkrieg gegen China, die Schauergeschichten im Sudan sind ja bekannt. Der englische Staat, der so viele Missionare aus- sendrt, zwang die Chinesen zur Aufnahme eines der schändlichsten Produkte, die e» nur giebt, und im Sudan ließ dasselbe England Tausende von Menschen gemütlich hinschlachten, weil eS keine Lust hatte, Gelber für sie aufzuwenden, die keinen Profit brachten. Der Erlaß des Sultans von Zanzibar, betr. die liebevoll an. Dann schloffen sich die müde« blauen Augen;! aber ste atmete schwer nnb hörbar. Immer lauter uad feierlicher draug der Gesang iu das stille Zimmer hinein. Langsam, ollmälig verhallte der letzte Ton. ,@nte Nacht!' hauchte Lore. E» war ihr letzte» Wort.
Walter lag noch immer aus seinen Knieen vor ihr. Bon einer entsetzliche« Ahnung erfaßt, fuhr er jetzt empor. .Leonore!' schrie er auf. Bi» ins Herz drang dieser verzweiflungsvolle, schmerzerfüllte Schrei. .Leonore.' Aber ste hörte ihn nicht mehr — st- lag so still da, so friedlich — so frei vo« .allem Erdeoleid.
So lag Waller «och lauge am Boden im namenlosen Schmerz versunken, todteublaß, da» schöne, lebensfrohe Seficht vollständig verändert. Plötzlich stand er auf, noch einmal küßte er den kleinen blaffen Mund und warf einen langen traurigen Blick auf die Entseelte. Dann wandte er sich nnb ging wortlos an ben Anwesenden vorüber, ohne ste zu sehen, in die dunkle Nacht hinan» — ein elender, zum Tode getroffener Mann. —
Und die Fran Försterin breitete schluchzend ein weiße» Laken über da» stille, noch im Tode so lieb- liche Erficht nnb ihr vor Schmerz zuckender Mund sprach inbrünstig ei» fromme» Gebet. ES war noch viel stiller im Zimmer geworden, denn auch die Uhr hatte ihr ruheloses .Tillak' eingestellt. Man hörte uur deu leisen schlürfende« Schritt der alte« Frau wie ste ans und nieder wanderte, und ihr unten drückte» schmerzliches Weinen, während Sathriu leise schluch^ud iu der Ecke saß und uur zuwette« ei» kaum hörbare» Wort zu ihrer Herr!» sagte, al» wollte ste die Ruhe der atmen Lore nicht stören.
Waller war iu» Freie gestürzt. Der Kops glitte ihm, er war wie im Fieber. Er empfand nun mtt löllicher Gewißheit, daß alle» Glück für ihn auf der Well für immer vorbei war. Er hatte Leouore verloren, nachdem er ste kaum an sein Herz genommen, kam« fein eigen genannt — Hin — aller
Aushebung der Sklaverei, welchen dieser auf englischen Hinweis ausstellen mußte, war durchaus nicht von dem guten Willen bittriert, die Sklaven zu befreien. Man wollte dadurch Deutschland in seinem Küstengebiet Verlegenheiten schaffen; und als nun die Sache nicht gelang, da machte der Merger sich Luft. So liegen die Dinge.
ES ist ja nicht daS erstemal, daß die britischen Kolonialfanattter auf eigene Faust versucht Haber, der deutschen Kolonialpolitik ein Bein zu stellen, und wird auch wohl nicht daS letztemal sein. Die Beziehungen der deutschen und der englischen Regierung leiden darunter nicht, aber eS ist doch gut, daß die Reichsregierung entschieden kundgethan hat, die Londoner Kolonialfanatiker mochten sie mit ihren guten Ratschlägen verschonen, well ste selbst toiffe, was sie zu thun habe. Deutschland wird sich nie und nimmer dazu hergeben, der Hausknecht gewisser englischer Kreise zu sein, die nur dann mit uns zufrieden sind, wenn wir alles thun, was sie wollen. In der englischen Hauptstadt entsteht jedesmal eine große Entrüstung, wenn Jemand wagt, gegen etwas zu reden, was int englischen Interesse liegt. So wird jeder Protest gegen die britische Okkupation von Egypten, zu der John Bull nicht daS mindeste Recht hat, mit tiefer Entrüstung abgewiesen, und die bekannte Beschießung von Alexandrien, ein politischer Massenmord, wird noch als Heldenthat gefeiert. Uns geht daS schließlich nicht- an; aber auch wir sagen den englischen Krämerpolitikern und ihren Hetzereien: .Hände weg!'
ItffKdlt» Uckich.
Berlin, 23. Sept. Kaiser Wilhelm hat am Montag Abend die Herrschaft Klitschendorf bei Bunzlau, wo er als Gast des Grafen Solms einige Tage zur Erholung verweilt, wieder verlassen und ist nach Theerbude zur Abhaltung von Pürschjagden gereist. Der Aufenthalt in dem entlegenen ost- preußischen Revier ist der Erholung nach den Manöverstrapazen gewidmet, die der Monarch am liebsten im grünen Walde sucht. Mit nur wenigen Begleitern begiebt sich der Kaiser nach dem Osten, um frei von allem Etikettenzwang eine Woche sich selbst leben zu können. — Der deutsche Generalkonsul Dr MichahelleS hat aus Zanzibar Bagamojo besucht. Derselbe konstatiert in seinem Berichte ebenfalls, daß von den durch englische Zeitungen verbreiteten lügenhaften Nachrichten über deutsche Sklavenmärkte kein Wort wahr ist. — Der Kaiser von China verfügte der National-Zeitung zufolge
hi»! — Er war am Ende seiner Kräfte — ja am Ende — er konnte nicht weiter leben ohne ste. Voller Verzweiflung schlug er die gerungen» Häude über dem Haupte zusammen. SS war alle» vorbei, der kurze Traum vou Seligkeit verflogeu tu alle Winde. Wie köstlich erschien ihm der Tod, wie ein wohlige», sauste» AuSruheu nach allem Ringe» nnb Schmerze».
Waller ging langsam am Straube ans nnb ab. Die Nackt war rauh geworben, der Himmel trübe und mtt Wolken bedeckt. Kein lichter Stern mehr zu sehen. Ei» steifer Nordweststurm hatte sich ausgemacht; aber da» kümmerte ihn nicht. Er ging, in wllde Gedanke» verloren, immer Wetter, bi» ihm die Kräfte versagten. Lor ihm lag da» wette nueudliche Meer; kleine Fischerböte schaukelten sich auf den Wellen. Er kettete ein» los, sprang hinein nnb fuhr in bie hohe dunkle See hinan». Wa» er dort eigentlich wollte, war er fich nicht klar bewußt. Waller verstaub Steuer nnb Segel zu handhabe», wie ein richtiger Seemau», und e» kostete ihm {eine große Mühe, ein Boot zn regiere». Heute war e» eine Wonne für ihn, da draußen im frischen Seewinde sein brennen« de» Haupt kühlen — draußen auf dem Meere, wo das Land und da» Leben, wo alle» Leid wie ein Traum hinter ihm lag. Uud dann packte ihn wieder der wildeste Schmerz — er fühlte stch auf einmal so allein, so ttostloS allein ans dem ganzen Erden- rund, nun Lore ihn verlasse» hatte. Wie wahn stanig schrie er auf — er hörte, sah nicht» mehr. Nur daS Eine fühlte er mit schrecklicher Gewiß- hett, baß alle» nun an» war für ihn — unwiderruflich au».
Immer wilder tobte der Orkan, immer höher türmten fich die dunklen Wellen, entsetzlich ertönte bas wilde Brausen und Schnaube« t» de» Lüste«.
Der kleine Kahn war ein Spielball der empörten Wogen geworden. Längst waren die Ruder au» Waller» kraftlosen Händen vom Meere verschlungen und der kleine Mast mtt dem Segel neigte fich
die Rückberufung des Berliner, auch in Petersburg, Wien und dem Haag beglaubigten Gesandten Hung- Clüi und ernannte dessen unmittelbaren Berliner Amtsvorgänger Hsü Ching-Cheng auch wieder zum Amtsnachfolger. — Das „Militärwochenblatt" veröffentlicht die Ernennung der Herzogin von Connaught zum Chef des Infanterie - Regiments Nr. 64, sowie der Generalleutnants v. Seeckt und v. Keßler zu Generälen der Infanterie. Ferner erhielt der Gouverneur von Mainz, Generalleutnant v. Reibnitz, den Charakter als General der Infanterie. Dem General der Infanterie, v. Hahnke, ist ein Patent seiner Charge verliehen worden. Generalleutnant Graf Häseler ist zum General der Kavallerie befördert, Generalmajor v. Brauchitsch ist zum Direktor der Kriegsakademie, Generalmajor von Oidimann zum Inspekteur der Kriegsschulen, von Lippe zum Abieilungsches im Militärkabinett ernannt. — Aus Spandau wird gemeldet, daß infolge höherer Anordnung die doriigen Königlichen Fabriken die Nachtarbeit der Frauen eingestellt haben. — Für das National-Denkmal des Fürsten Bismarck in der Reichshauptstadt sind bis jetzt 752,753 Mk. 80 Pfg. eingegangen. — Bei einer jüngst in Berlin stattgehabten sozialdemokratischen Volksversammlung, in welcher der GotteSglauben in schamloser Weise geschmäht wurde, kam es auch zu einem Austritte, welcher zeigte, daß der Name GotteS und des Heiland:s in derselben Weise auf die Sozialdemokraten einwirkt, wie das Kreuz aus den Gottseibeiuns. Zum Schluffe der Ver- handlllngen trat nämlich ein junger Kandidat der Theologie mit gemäßigten Worten aber mit festem Mut für Religion und Kirche ein. Scho» von Anfang an wurden dessen Darlegungen mit großer Unruhe ausgenommen; wie und warum fich diese Unruhe später steigerte, zeigt folgender Bericht: „Wenn Sie glauben, der Landeskirche einen Schabernak zu spielen mit einem Massen-Austritt, so ist es vielmehr meine lieber- jeugung, daß Sie ihr keinen größeren Gefallen thun können. Dann wüßten wir wenigsten-, woran wir sind. (Widerspruch.) Wenn Sie sich zusammenscharen zum ernsten Geisteskampse, dann kann ich Ihnen die Versicherung geben, bann werden sich die Christen noch viel fester zusammenscharen um das Wort unseres Erlöser-: (Lärm, Widerspruch) Jesus Christus (erneute lärmende Unterbrechung) gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.' (Großer Lärm. Stürmischer Widerspruch.) Der Leutnant erklärt die Versammlung auf Grund des Allgemeinen Landrechts für aufgelöst — Ungeheurer Tumult! Hochrufe auf
tiefer, bis er auf dem Wasser zu liegen schien. Aber Walter sah unverwandt und furchtlos in da» Wogen« grausen hinan», nnb höher nnb wilder spielten die tosenden Fluten nm das fich immer wieber erhebende Boot. Doch jetzt kam ein neuer Stoß, laut brüllend sauste der Sturm Über das wttde empörte Meer, eine große Welle, dunkel und mtt weißgläuzeudem Schaum gekrönt, stürmte brausend auf den leichten Nachen lo», bann sank et nnb war verschwunden.
Die vernichtenden Welle« wäre« wett zurückgerollt, einen Moment tauchte an» bem weißen kochenden Gischt ei» todtenbafleS Mäuuerantlitz auf, dann rissen die brüllenden Fluten alle» aus ben tiefen Meeresgrund hinab.
Die Nacht verging nnb mit ihr bet Sturm. Der Himmel war wieber blau nnb freundlich, und goldig schimmernd zitterten die warmen Sonnenstrahlen über die wieber spiegelblanke grüne Ostsee. Der Walb bnftete, bie Wtelln leuchteten im smaragdenen Grün nnb im kleinen Gärtchen vor dem Wittwen- Hanse blühten die Astern nnb Reseda, wie sonst. Die Löglei» fangen so lieblich und fröhlich in bie sonnige schöne Morgenluft hinein, als gäbe es gar keinen Summer, keine Verzweiflung nnb kein Sterbe« auf bet ganzen Welt. Aber unten am Strande, ba hatten bie Fischer eben ben Leichnam eines schönen jungen Manne» anfgefunben, ben bie Wellen an das niedrige User getrieben hatten. Die wetterharten Gesichter der Männer sahen ernst und bleich an». Ihre Hände faltete» stch unwillkürlich zum Gebet nnb manche Lippe flüsterte andächtig ein stille» Vaterunser. Und drüben vom Dorfe her Lauge« jetzt dumpfe feierliche Tranerklänge herüber, e» waren die Todtenglocke«, welche «m L onore läuteten. Mtt sanftem, leise ersterbendem To« schwebte wie ein Gruß vou Obe« bet letzte Hall Über da» weite ««- eudliche Meer.