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kehren. Vorläufig findet nun anfang Oktober die von den Liberalen geforderte Abstimmung über eine BerfassungSrevifion statt.

Ein Ministerwechsel hat in Rom stattgefunden, wo der bisherige Finanzminister wegen gar zu öffentlicher Begünstigung von gegen Oesterreich ge­richteten Kundgebungen feinen Platz hat räumen muffen. Eine völlige Neubildung deS Ministeriums ist in Lissabon, erfolgt unter dem Drucke von Volks­kundgebungen gegen den Kolonialvertrag mit Eng­land. Diese unglückliche Angelegenheit hat der Lissaboner Regierung bekanntlich schon Verlegenheiten über Verlegenheiten bereitet, die gar nicht enden wollen. Die englische Regierung hat auch die mißliche Lage erkannt, in welcher die ganze Monarchie in Portugal durch diese Streitfrage gekommen ist und deshalb einige Zugeständnisse gemacht. Mit denselben wird die neue Regierung den Vertrag wohl in den Kammern durchsetzen.

In den Bereinigten Staaten von Nordamerika beschäftigt man fich immer noch mit den sehr komplizierten Einzelheiten der neuen Zollmaßregrln. Daß dieselben Gesetzeskraft erhalten, ist zweifellos, doch ist noch nicht genau zu erkennen, wann dieselben in vollem Umfange in Kraft treten. Inzwischen verstärkt sich die Rückwirkung der in Aussicht stehenden Chikanen auf die deutsche Industrie von Tage zu Tage. Ganze große Massen von Exportartikeln nach Amerika werden in Zukunft völlig von der Ausfuhr dorthin ausgeschlossen. In Deutschland wird der Nachteil am stärksten in der thüringischen Industrie empfunden.

Herrisches Leich.

Berlin, 19. Sept. Wie osfiziös geschrieben wird, hat sich der BundeSrat demnächst mit einem etwas um­fangreichen Gesetzentwurf zu beschäftigen, welcher die Prüfung der Läufe und Verschlüsse die Handfeuer­waffen behandelt. Er bezweckt der Prüfung aller Handfeuerwaffen auf Läufe und Bet» schlüffe in öffentlichen Prüfungsanfialten durch Beschuß- probe als Vorbedingung ihrer Feilhaltung. Die Vornahme der Prüfung wird durch ein besonderes Prüsungszeichen bestätigt. Der Gesetzentwurf soll nur die Regelung des PrüfungkverfahrenS in den Grundzügen feststellen, während die näheren Bestimmungen von dem BundeSrate erlassen werden. Die Prüfung der Handfeuerwaffen in öffentlichen PrüfungSenstalten ist in Belgien, England und Frank­reich gesetzlich geregelt, auch in Oesterreich ist seit 1888 ein entsprechende» Gesetz vom Reichsrate an­

saß, stand etwas isolirt und war nur von niedrigem Haselgebüsch und Brombeerstauden umgeben. Anfangs bot ihr das dichte Blätterdach noch einigen Schutz vor dem Regeu, aber schließlich fiel er klatschend und sie bis auf die Haut durchnässend auf ihr Haar und ihre Kleider. Sie war der gauzen Wut des furcht­baren Gewitters preiSgegebev.

Lore hatte fich ans der Bank zusammengekauert und die wirren verwehte« Haare in die Ohren ge­stopft, nm daS schreckliche Heulen deS Sturmes und das Krachen der Donuerfchläge nicht zu hören. Ihr Herz stand ihr fast still ror Grausen uud Entsetzen. Manchmal war rS ihr, als fei jetzt der Lod zu ihr ge komme», um welchen sie vorhin erst so verzweifelnd zu Gott gebetet hatte. Ihr Körper bebte vor Frost uud Nässe, dazu die iuuere furchtbare Aufregung und Herzen? quäl. Plötzlich schüttelte ste ein Nervenkrawpf, sie schrie aus uud glitt dann schwer uud steif von der Bank auf den feuchte» Grasboden nieder. Das Ge­witter hatte noch eine Weile fortgetobt und dann war rS vom Sturm rasch westwärts getrieben worden. Der Regeu hatte auch nachgelassen, aber immer roch riefelte uud tropfte eS vou den Sesteu und Zweigen der Linde auf das befiuuuugSlos daltegeude Mädchen. ES war gerade, als wenn der alte Baum Thräueu weinte über das junge gebrochene Lebe» da unten uud fchtmmerude Thräueu wareu überall auf jedem Halm, auf jedem Blatt, auf jeder Blume, klare, sanft herabfallende Wassertropfe».

Walter und Toska hatten den Heimweg augi treten und wareu achtlos vorüber gegauge«, ohne zu ahne», daß unweit von ihnen ein geknicktes junges Mädchen­herz mit de» kalte» Schauer» de» TodrS rang. Es wnrde immer stiller im Walde, sogar da» Tropfen und Riesel» hatte aufgehört. Dieser war die Sonne hinabgrsuukea. Die RrIntel strömten eine» erfrischenden Duft an» und die Wipfel der Bäume standen regungslos. An dem grüne» Lind erlaube h'ugeu die letzte» Tropfe» mit krystalleuem Glanze nab die zitternde» n ffeu Gräser und Halme ftmkeltr» und blitzte» wie tausend

Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonnlagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertage». Quart al-Ab onnemeMs-Preis bei der krpe- dttion 8'/. DH-, 6« den Postämtern 2 ÖH. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JufertionSgebühr für die gespaltene Zeil» 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg, Sonntag, 21. September 1890.

Innigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», sowie die Annoneen-Bureaux von Haasenstein und Bogle» m Frankfmt a. M., Laffel, Magdeburg u. Men; Rudolf XXV ^abkaaNL. Stoffe in Frankfurt a. R., Berlin, München u. Mn:B.L

Daube u. Ito. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».

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Bestellungen für das 4. Quartal auf die

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nebst Kreisbkatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und

<Hfu|triertes SonntngsMotf werden schon jetzt von sämtlichen Postämtern md von unserer Expedition entgegengenommen.

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Im neuen Quartal kommen höchst spannende Romane neben größeren und kleineren Novellen imb Humoresken zum Abdruck.

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Die Exped. der Oberh. Zeitg.

Wochenschau.

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Der österreichische Kaiser ist als Gast unseres Laiseis in dem Schlosse Rohnstock in Schlesien ein getroffen, um mit Kaiser Wilhelm und dem Könige Albert vou Sachsen den großen Manöver« zwischen dem 5. und 6. Armeekorps beizuwrhnen. Kaiser Franz Josef hat auf der Reise in das Manöver, gebiet zunächst der Kaiserin Augusta Viktoria in LreSlau einen Besuch abgestattet und ist von der Levölkerung in der herzlichsten Weise begrüßt worden. Wahrhaft fteundschastlich war auch die Begegnung zwischen den beiden Kaiser, und der Charakter dieses Zusammentreffens beweist zur Genüge, wie gesichert und fest da- Bündnis der beiden Staaten ist. Der Besuch des österreichischen Herrschers ist in erster Reihe ein Manöverbesuch, aber durch ihn wird auch, wie da- Organ der deutschen ReichSregierung klar md deutlich hervorhebt, aufs neue die Waffenbrüder- iHafi zwischen beiden Monarchen und ihren Völkern betont, Jedem zur Kenntnis und Jedem zur Mahnung. Lb sich an die Kaiseibegegnung von Schloß Rohn- ß«k, welcher ja auch der Reichskanzler von Caprivi Md der Minister Graf Kalnoky beiwohnen, noch

er,

»An Deiner Brust fühlte iq mich sicher nnb das schreckliche Gewitter hat mir doch etwas GnteS mit- Abracht Dich, meinen Geliebten I*

Walter zog den Rock an. Sie wollte seinen Arm «wen, tt faßte sie aber an der Hand, »damit Du Wrer gehst, ToSka I* sprach er.

Sie gingen auf demselben Wege znrück, ans dem « gekommen. Er führte sie behutsam über den schlüpfrigen Waldboden. DaS Gewitter hatte fich eben P schnell verzogen, wie es gekommen war. Die ®ome war schon wieder om Himmel zu sehen, nnb

Luft köstlich nnb voller Wohlgeruch. Sb nnb zu M ein I ner, schwerer Wafsertropfen von ben Bäumen wab. Sin Regenbogen spannte sich über bie neu "Wch te Landschaft nnb alles blitzte nnb funkelte im IMbenen Sonnenlicht.

^RlS Walter mit Tokka bas Herrenhaus erreicht tt, trafen fie bie ganze Familie in Angst nnb hegnng ihretwegen an. Frau von Günther hatte mit Schirmen nnb Tüchern nach allen Himmels- Achtungen anSgefchickt, ba Niemand wußte, wohin ? Beide» gegangen waren. Die Generalin stürzte M» hastig entgegen, ste sah ängstlich nnb unruhig aus. . »Ich war in furchtbarer Augst nm Euch', rief ? ons. »Welch ein Unwetter 1 Seid Ihr irgendwo gekehrt? Ach, ich bi» so ftoh, daß ihr wohl nnb 2«ter toteber ba seid. Und Trska fürchtet sich doch ?*tr so sehr vor Gewitter».' Seiner von Bethen r* darauf eine Antwort. Hand i» Hand traten L dor bie alle Dame hi» enb während dar junge Mchtrr errötend |» Boden sah, sagte Waller mit

ruhiger Stimme:

»Tante Mala, ich habe heute nm ToSka« Hand 2$dte» «ib war so glücklich, ihr Jawort zu

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Erste Liebe.

Novelle von I. Bergien.

(Fortsetzung.)

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sonstige politische Folgen knüpfen werden, wer will das sagen? Der Zar ist weit und der Zar ist un beredter bar und den Einflüsterungen seiner pansla­wistischen Umgebung im hohem Maße auSgesetzt. Wer fich keine Illusionen macht, dem werden die­selben auch nicht gestört weiden. Immerhin ist nicht ausgeschlossen, daß der Besuch unsere- Kaisers in Rußland später noch einmal seine guten Früchte trägt. Mit den Manöver« vor beiden Kaisern er­reichen die deutschen militärischen Uebungen dieses Jahres ihren Abschluß. Kaiser Wilhelm wird am letzten Tage dieser Woche dem Grafen Moltke in Kreisau einen Freundschastsbesuch abstatten und sich dann einige Tcge hindurch die wohlverdiente Ruhe gönnen. Unter den Trinksprüchen, welche der Mo­narch in Schlesien auSgebracht hat, ist besonders ein solcher beachtet, in welchem daS deutsche Bürger­tum abermals zum Kampfe gegen alle umstürz­lerischen Bestrebungen aufgefordert wird. Die kraft­vollen Worte des Kaiser- sind vielfach besprochen toorbnt.

Eine von den Londoner Zeitungen angezettelte Skandalgeschichte hat in dieser Woche außerordent­lich viel von fich reden gemacht. Tie Engländer sind häufig ganz charmante Leute, aber gerade un­ausstehlich werden fie, wenn sie merken, daß ihnen irgend jemand da, wo sie glauben Geld einheimsen zu können, den Rang ablaufen will. DaS scheint in Ostasrika der Fall zu sein, wo der deutsche Ein­fluß im Begriff steht, den englischen zu überflügeln. Darob ergrimmen die Londoner Blätter und be­haupten, die deutschen Beamten hätten Sklavenhandel und Sklavenmärkte freigegeben und lockten dadurch die Araber von Zanzibar nach dem Festland. Wenn man nicht wüßte, worum eS sich bei der Verbreitung dieser Schauergeschichten handelt, müßte man die Briten für jämmerlich beschränkt halten, aber so er­klärt sich die Sache. Durch eine Kundgebung der ReichSregierung ist schon sestgestellt, daß jene Nach­richten erlogen find. Hoffentlich werden unS die Söhne John Bull- künftig mit ihren moralischen Predigten verschonen, denn wenn jemand daS Gegenteil von dem ihut, was er sagt, dann find es die Engländer. Mögen dieselben nur erst bei sich mit der Förderung der Kultur anfangen! Wir Deutschen wollen Eng­land gewiß zum guten Freunde haben, aber zum Hofmeister, der unS Vorlesungen über daS hält, was Recht und Unrecht ist, gebrauchen wir niemand.

Reichskommifsar von Wißmann gedenkt sobald wie möglich nach Ostafrika zurückzukehren und seine Amtsgeschäfte wieder zu übernehmen. In seiner

Die Generalin ergriff hocherfreut Walters bärge, botene Hand nnb drückte fie herzlich, bann schloß fie bie Arme um ba8 vor ihr steheube Brautpaar nnb küßte Beide voller Innigkeit. Frendenthränen waren ihr bähet in bie Augen gekommen.

Auch Fran von Günther nnb Lilli traten herzu nnb gratulierten. ES gab ein Freuen, Glückwünschen, Küssen nnb Frage» ohne Ende nnb Walter staub wie im Traume ba nnb nutzte nicht recht, ob er meinen ober lache» sollte. Es kam ihm vor, als hätte er jetzt erst Leonore ganz nnb gar, nnwieber. dringlich verloren. Heute Morgen bürste er noch hoffen, ha war er frei, er konnte roch einmal um fie werben, fich Subern, für fie ringen nnb arbeiten nnb durch ein makelloses Leben ihre Liebe verbieue». Nun war alles bahw, Ms Hcffeu und Liebe». »Ich bin ei» elf »her Mensch, ich wünschte, ich wäre tot!' dachte er. Er ging aus Fenster und blickte in den schönen Sommervbeud hinaus. Der Wald lag dunkel nnb geheimnisvoll vor ihm. Dort drüben hatte er ToSka in die Arme geschloffen nnb ihr versprochen, sie glücklich zn machen. Er durfte nicht wieder znrück denn fie hatte ihm ganz und voll verkant und er war ein Ehrenmann. Und feine Braut liebte ihn, liebte ihn heitz, während Lrouore---War er

den» ein Wahnsinniger, daß er hier grübelte und zweifelte über Sachen, bie nicht mehr zu finbern waren.

ToSka war zn ihm getreten nnb oibnete mit beiben Hänberr ihr schönes wirre» Haar, welches Winb nnb Regen ganz aufgelöst hatte. Sie wanb fich lachend bie feuchten Ringeln um bie zarten Finger. Plötzlich faßte fie erschrocken »ach ihrem Halse.

»Mein Kreuz, mein schönes Brillant kreuz!* tief fie aus, »ich habe e» verloren, ich weiß aber bestimmt, daß ich es noch hatte, ehe das Unwetter losbrach. Drüben im Walde auf unser« Platze muß e» mir entfallen fei».*

»Ich hole e» Dir wieder, mein Herz, beeernMge Dich nicht*, tröstete Satter, und ehe seine Brant eS verhindern, ehe fie nur noch ein Bett dagegen sagen

Stellung wird vorläufig keine Aenderung eintreten. Die Mittel für einen zerlegbaren Dampfer, wie der Reichskommifsar für die inneren afrikanischen Sceen sich wünscht, sind bereit- aufgebracht, eS soll aber noch ein zweiter gebaut werden und werden die Sammlungen deshalb eifrig fortgesetzt. Emin Pascha ist mit seiner Expedition in der großen arabischen Hardelsstadt Tabora, dem bedeutendsten Marktplatze in ganz Zentralaftika, angekommen. Er ist allent­halben fteudig ausgenommen worden und da- Resultat seines Zuge- wird allem Anschein nach ein recht gutes sein. Auch Dr. PeterS gedenkt im Verlaufe des Herbstes nach Afrika zurückzukehren.

Auch in den Staaten des Auslandes haben in dieser Woche die militärischen Uebungen fast allent­halben ihr Ende erreicht, so in Rußland, Ungarn und in Frankreich. In Rußland sind die Dinge allem Anschein nach nicht so günstig verlaufe», wie man erwartet hatte, denn eS wird ein ganz aus­fälliges Schweigen beobachtet. Wahrscheinlich hat wieder einmal zu viel auf dem Papier gestanden. In Ungarn und in Frankreich hat man mit gutem Erfolge das rauchlose Pulver in großem Umfange zur Anwendung gebracht; der neuen Munition werden in Frankreich wohl bie bekannten roten Hosen zum Opfer fallen, die weithin leuchten und ein gutes Ziel für bie feindlichen Schützen abgeben. Die Schlußparade bei den großen Manöver» hat der Präsident Carrot selbst abgenommen. Einzelne französische Generale, an der Spitze der frühere Kriegsminister Ferron, haben eS nicht unterlaffen können, in hochtrabenden und überschwenglichen Worten bei Tische Rußland und die russische Armee, die allen Koalitionen das geht auf den FriedenS- buud gewachsen sei. Wir können das billig bis zum Ernstfälle unerörtert laffen.

Eine kleine Revolution, deren Erfolg aber schnell wieder beseitigt wurde, hat au- Anlaß von Ver- faffungsstreitigkeiten in dem schweizer Kanton Tessin stattgefunden. Die liberale Partei stürzte die etwas sehr willkürliche konservative Regierung, aber der BnndeSratskommiffar Oberst Künzli aus Bern, der mit einigen Bataillonen Infanterie in Tessin einrückte, beseitigte schnell die liberale Regierung wieder. Aeußerlich herrscht in dem Kanton jetzt Ruhe, aber die Dinge stehen immer noch mißlich, denn die Er­bitterung der Parteien ist im Wachsen begriffen, und bei dem leidenschaftlichen Charatter der ganz italienischen Tessiner Bevölkerung ist leicht voraus­zusehen, daß die Zerwürfnisse von neuem beginnen werden, wenn die Jnterventionstruppen den Rücken

konnte, hatte er schon den Hut ergriffen und war eiligst aus dem Zimmer ins Freie geeilt

Leonore hatte, während Walter mit ToSka ganz in ihrer Nähe auf dem moosigen Steine saßen, mit großen thränenlosen Augen alle?, was zwischen Beiden vor fiel, beobachtet Ihre Arme waren wie friernb über der Brust zusammengedrückt, her kleine Kopf war borgeneigt und auf ihrem schmerzverzogenen tot- blaffe» Antlitz lag die ganze Qual von dem, was fie litt Sie konnte nicht meinen, ihr Herz war leer, starr und öde, eS gab keinen vollen Schlag mehr. Sie saß, verborgen vom dichten Buschwerk, so still, so bleich nnb leblos, als wäre sie schon gestorben. Sogar bi» Thräueu in ben schönen blauen Augen, welche in bet letzten Zeit soviel geweint, waren ver­siegt. Nur eines lebte in ihr, das war her namen­lose Schmerz, der ihr ganzes Sein erfaßt batte. Sie blickte zum Himmel empor nnb ihre blassen Lippen flüsterten kaum hörbar: »Nichts, nichts mehr auf her ganzen weiten Welt, o Gott, laß mich sterben!* ' In ihrer Versunkenheit hatte auch fie nichts babon gemerkt, wie brühen vom Meere her fich bie schweren dunkeln Wolkenschleier allmälig »nheildroheud über ben ganzen Himmel verbreitet hatte». ES war nn> heimlich still im Walde, nnr hie hohen Baumkronen rauschten eintönig oder eS knisterte ein dürrer Zweig, vorn Fuße eines scheuen Wildes berührt; zuweilen tönte aus her Ferne der klagende Schrei der Möveu.

LoreS Augen hatten nichts vou dem heranzirheu- be» Unwetter gesehen, fie hatte btefelben so lange auf ba« plaudernde und kosende Paar gerichtet, bis fie ihr zu schmerze» ar finge». Da kam her Sturm plötzlich falt und brausend über ben Wald gezogen und machte fie ftöstelub znsammenschaueru, und mit einem Male war auch da« Gewitter über ihr. Der Rege» fiel i» Sttöme» aus da» »»beschützte Mädchen herab. Rötliche Blitze zerrissen ba« schwarze Gewölk, her Donner rollte nab die Bäume ächzten 'unter dem gewaltigen Wehe» bei Winde«. Leonore wer nur leicht bekleidet, der alte Linbenbaum, unter dem sie