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WöchenMche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Wrschettet täglich ach« an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-WonnementS-Preir bei der Srpe- dition 2'/, Mk., 6n den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (rxkl. Bestellgeld). InftrttonSgebühr für die gefpaUene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 18. September 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Annonren-Bnreaux von Haasenstein und Bogl« in Frankfurt a. M., Taffel, Magdeburg u- Wien; Rudolf XXV. Habraaua. Moffe in Frankfurt a. M., »erlin, München u. Köln: B. L Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
Ei« mtgemei« Wichtiges «efetz
M die ganze deutsche Industrie und alle Gewerbetreibenden ist bekanntlich daS Arbeiterfchutzgefetz, Welches zahlreiche und erhebliche Aenderungen gegen die bisherigen Bestimmungen der Gewerbeordnung bietet. Der Entwurf ist in der Sozialkommisfion de» Reichstages bereits zu beraten begonnen worden mb diese Kommission wird ihre Thätigkeit schon tot dem Beginn der ReichStagsfitzungen, Anfang November, wieder aufnehmen. DaS Gesetz soll in der Wintersesfion deS Reichstag- unter allen Um- stSnden fertig gestellt werden, damit es möglichst schon am 1. April 1891 inkraft treten kann. Bei ollen Parteien im Reichstage ist die gute Absicht vorhanden, daS Arbeiterschutzgesetz in ruhiger und maßvoller Form zum Abschluß zu bringen, um dem Arbeiter denjenigen Schutz zuzugestehen, auf welchen er begründeten Anspruch hat. In einem sehr großen Teil der deutschen Industrie ist freilich dak, was daS Arbeiterschutzgesetz gewähren will, schon auf -rund freiwilliger Vereinbarungen eingesührt, aber eS ist von Wert, daß diese Vereinbarungen nun eisen gesetzlichen Boden erhalten sollen, auf den beide Telle fußen können. Wenn so im Prinzip keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Albeiterschutzgesetzes bestehen, so ist es doch für dir, für welche das Gesetz bestimmt ist, von Vorteil, ja von Notwendigkeit, daß die Bestimmungen des Gesetzes eine handliche und praktische Form erhalten. CS ist ja bekannt, daß Industrielle und Gewerbetreibende Vorschriften vom grünen Tische aus nicht eben sehr gern sehen, denn das praktische Arbeits- lrben läßt sich beim allerbesten Willen nicht in so mb soviel Paragraphen eivzwänger. Jeder Prak üker weiß ja, daß auch die sorgfältigste Zusammenstellung aller Möglichkeiten und Zwischenfälle im Sewerbsleben die Sache doch nicht erschöpft; es kommen immer wieder unvorhergesehene Ereignisse, «nd zwar um so mehr, je größer ein Betrieb ist, je mannigfaltiger die Ansprüche sind, die an ihn gestellt werden. So versteht denn ein Theoretiker sie gründlich das praktische Arbeitsleben, er kennt sicht die tausenderlei von Verdrießlichkeiten und unliebsamen Vorkommniffen, die auch den sorgfältigsten Plan durchkreuzen und eS unmöglich machen, daß sllrS Tag für Tag, Woche für Woche und Monat i» gleicher unveränderter Weife am Schnürchen geht. DaS, worauf es in jedem Betrieb schließlich ankommt, ist, daß Arbeitgeber und Arbeiter guten Dillen zeigen, einander zu helfen, durch freudiges
Schaffen alle Störungen und Hinderniffe für den Betrieb aus dem Wege zu räumen. So wird denn auch bei dem Arbeiterschutzgesetz eS nicht allein mit dem trockenen Buchstaben gethan fein, sondern es wird auf die Ausführung ankommen, und diese hängt wieder ab von dem Verhalten der Kreise, für welche es bestimmt ist. Vertragen sich Arbeitgeber und Arbeiter gut, so werden die Schwierigkeiten, welche ja überall sich einmal geltend machen, da Menschen keine Engel find, sich auch ohne sonderliche Mühe regeln, wie es im beiderseitigen Jnteresie liegt. Besteht ein solche- gutes Verhältnis nicht, so wird man sich schon über Lappalien in die Haare geraten, und solche Zerwürfniffe werden um so häufiger kommen, je mehr Hinterthüren im Gesetz sich befinden, durch welche Streit und Zank in daS praktische Arbeitsleben hinaustreten können. Der deutsche Reichstag hat kein vollkommenes Krankenkassen- und Unfallversicherungs-Gesetz geschaffen, die Erfahrung hat schon die Notwendigkeit von Reformen gezeigt, und auch da» Arbeiterschutzgesetz wird nicht gleich dir Note Nr. 1 mit Auszeichnung verdienen. 8er- Besserungen können später ja immer noch vorgenommen werden. Nur solche Bestimmungen mag man verwenden, bezüglich deren Ausführung es sofort Streit giebt. Den Herren Abgeordneten wäre zu empfehlen, sich vor dem Wiederbeginn ihrer Arbeiten einmal in verschiedenen größeren und kleineren Betrieben ihrer Wahlkreise umzusehen uvd zu sehen, wie die Dinge überall liegen. Wer die zahlreichen großen und kleineren Mühen und Plackereien in Industrie und Gewerbe nicht aus eigener Erfahrung kennt, sieht die Dinge mit anderen Augen an, als Arbeitgeber und Arbeiter. Beider Inter effen mit einander vereinigen soll daS Arbeiterschutzgesetz, aber eS müffen Bestimmungen verhütet werden, welche den einen Teil Anlaß geben .Hott!" zu sagen, dem anderen aber „Hüf!"
Vetttlche-
Berlin, 16. September. Die vor kurzem verbreitete Vermutung, daß der preußische Landtag vielleicht zu einem früheren Termin berufen werden könnte, als es bisher der Fall gewesen, entbehrt, wie versichert wird, jeden Anhalts. Tie Vorarbeiten, welche die sowohl auf finanziellen wie auf anderen Gebieten in Aussicht genommenen reformatorischen Gesetzentwürfe erfordern, werden nicht so zeitig beendet werden können, daß ein früherer Zusammentritt deS Landtages möglich sein würde. Auch ist schon früher darauf hingewiesen worden, wie der
^Nachdruck verboten.)
t ErSe Siebe.
Novelle von I. Berglen,
(Fortsetzung.)
Die gute Tante, sie glaubte eS nicht, aber sie tonte die arme Lore nicht mit ihren Zweifel» quälen, darum erwiderte sie nur: ,68 steht alles in GotteS Hand, und wenn er Dich wirklich lieben sollte--*
»Du hast recht, Taute", unterbrach diese anb eise Purpurröte überzog ihre bleichen Wange», »auf «tt vertraue» ist daS beste dabei. Ach, und wenn kl Glück wirklich für «ich käme, wie wollte ich ihm banken dafür. Sieh, ich bin eigentlich ein recht »warne» und verzagte» Menschenkind gewesen, noch bet wenigen Tagen da konnte ich keine Nacht schlafen, be kamen die traurigen Gedanken: es war mir zu Rate, al» hätte ich gor feine Zukunft mehr. Alles lag vor mir tobt, öbe, kalt anb begrabe». Ich konnte ttcht beten, nicht hoffen, ich sand nicht», woran ich »ich halten mochte. Da» Vertrauen zu den Menschen tot fort uud ich haderte auch mit dem lieben Gott, » Tantchen, e» war recht schlecht uud süudig vou mir, eie mich nur tüchtig an» «egen der thörichten Se
len. Nicht wahr, ich durfte nicht so verzagt sein tob mußte nicht au Gotte» Güte zweifeln, aber seit toiger Zeit beule und fühle ich ander», ich kann toch wieder recht von Herze» beten und wieder Men. Ich bin jetzt davon überzeugt, daß Waller mich benuoch lieb hat, wenn er mich auch eine Zelllang dergaß, hat er mich doch schon al» kleine» Mädchen so von Herzen gern gehabt, das weiß ich jo, vnd ich tonte, eine solche warme Jngeudliebe vergißt kein «ensch. So ist e» ja bei wir nnd so wird e» auch bei ihm sein, nicht wahr, Tantchen, da» glaubst Du toch, Du bist ja schon so all und erfahren und hast so viel im Lebe» gesehen, D» mußt es doch wissen, tob ich bin ja doch unr ein ganz jnnge», dummes Mädchen, aber ich hoffe e» ganz bestimmt."
Leonore war während de» Sprechen» ansgestanden
und hatte den Kops an die Schulter der alten Dame gelehnt. Sie zitterte vor innerer Bewegvng vnd ihre milden, Blanen Augen leuchteten vou einer tiefen Glut fast überirdisch. Welch eine Fülle vou Liebe, Hin- gebuug und Vertraue» lag tu diesem reinen Mädchenherzen. Und Taute Sophie konute den Blick nicht von ihr abwenden. Es dämmerte wie eine Ahnung in ihr auf, al» müsse es doch noch ein andere» höheres Glück ans dieser Well geben, aB still nnd ereignislos ein Dasein zn führen, welches darin bestand, von früh bis spät die Wirtschaft in Ordnnng zu halten und Gatten nnd Kindern eine gute HauSfran und Mutter zu sei». Sie strich zärtlich über die braunen gläuz-ndeu Haarwellen de» Mädchens. Ach, wie gerne hätte sie ihr jetzt beigesttmmt. Aber in ihrer Seele da saßen die Zweifel, bange Zweifel, fie hatte kein Vertrauen zu Walter und teilte den frommen Kinder- glauben Lores nicht.
»Mein Liebling", sagte sie zögernd, »ich bin zwar all und erfahren, doch wer kann ein Meuschenher, ergründen. Aber ich denke auch, wenn eine Liebe wahr und von rechter Tiefe ist, so kann fie Vieles Überwinden, selbst Sünde."
»Sage nicht» weiter, Tante, ich weiß nicht, woher e» kommt, aber ich glaube, Deine Worte machen mir plötzlich da» Herz traurig uud schwer. Du hast nicht den rechten Glauben an Waller wie ich", bat Leonore und tu den blauen Augen standen jetzt große Thränen.
Und die Frau Försterin nickte betrübt und still mit dem Kopfe. Das Mädchen sprach wahr, ihr fehlte ja da» rechte Vertrauen an Waller» Liebe und Treue.
Am andern Morgen war in dem kleinen Fischer- dorfe ein rege» Leben eingekehrt und alle Einwohner in ftendiger Bewegvng. Die Hänser schmückten Fahnen vnd Blumenguir landen vnd ans der großen Wiese hinter dem WittwenhänSchen tummelte sich eine fröhliche Menge in bunten Sonntagskleider». Dort wurde heute das alljährliche Sommerfest gefeiert. Von Baum zu Baum zogen fich hier Feston» von Tannen grün und Eichenlaub herum. Flaggenstangen
Umstand, daß der Beginn des preußischen Etatsjahres mit dem des Reiches zusammenfällt, eine Verlegung der Landtagssession schwerlich je gestalten wird; eS sei denn, baß die schon öfter in Anregung gebrachte Zusammenfassung mehrerer Jahre zu einer EtalSperiode zur Ausführung gebracht würde, eine Einrichtung, die allerdings für kleinere Staatsgebiete möglich ist, sich jedoch für den großen Umfang der preußischen Monarchie mit ihren weit auseinander liegenden und von sehr verschiedenartigen Bedürfnissen beherrschten Gebietsteilen schwerlich bewähren würde. ES wird daher wohl auch fernerhin bei der bisherigen Zeitlage der LandtagSsession sein Bewenden haben müssen, so wenig die Uebelstände auch zu verkennen sind, welche ans einer gleichzeitigen Tagung des Reichstage- und deS Landtages erwachsen. — Ein Vertrag zwischen Deutschland, England, Italien und Portugal bezüglich der Missionen in Afrika ist der „Boss. Ztg." zufolge seinem Abschluß nahe. Derselbe bezweckt, allen Missionaren, welche mit Beglaubigungsschreiben der in Frage stehenden Regierungen versehen, in Afrika ihre Thätigkeit beginnen wollen, den freien Zntrttt zu allen Gebieten zu gestatten, welche nach den neueren Afrikaabkommen einer der Vertragsmächte gehören. — Dr. Emin Pascha, welcher auf seiner Expeditton nach dem Biktoria- Nyanza im Verein mit Dr. Stuhlmann auch seine wissenschaftlichen Studien durch Sammeln und Beobachten fortsetzt, hat sich, dem „Kolonialblatt" zufolge bereit erklärt, seine Sammlungen in erster Linie den hiesigen Instituten zu Überlassen. — Eine der in den Reichsämtern vorbereiteten legislatorischen Vorlagen, welche im Lause des Winters den gesetzgebenden Faktoren zur Beschlußfassung unterbreitet werden dürsten, ist die Patentgesetz-Novelle. In der ersten Hälfte deS März wurde der Entwurf der Novelle den Bundesregierungen zur Begutachtung vorgelegt. Die Gutachten sind inzwischen eingelaufen und wird die Novelle infolge der Gutachten einige Ergänzungen erfahren. Da die Bundesregierungen fich jedoch im großen Ganzen mit dem Entwürfe einverstanden erklärt haben, so wird die Vorlage sich in der Hauptsache mit einer Reorganisation des Patentamt-, einer Verbesserung des Prüfung-Verfahrens sowie einer Erhöhung der Garantien für den Fortbestand der einmal erteilten Patente beschäftigen. — Wie die „Allg. Fleischerztg." erfährt, hat der Reichskanzler den Ministerien der Einzelstaaten die Mitteilung zugehen lasse», daß überall da, wo es nötig erscheint und auf den Schlacht- Höfen die bekannten sanitären Sicherheitsmaßregeln
mit wehenden Fahnen vnd Lämpchen geschmückt standen in langen Reihen ans dem Festplatz, nnb überall zeigte sich frohe» geschäfttge» Leben. Unter einer großen Eiche standen die Musikanten vnd die tanzende Jvgevd drehte sich munter im Kreise heran». ES war ein gewaltige» Lärmen und Schreien dabei und Leonore stand hinter dem Hause an der Gartenhecke, nnb blickte Über dieselbe hinweg auf da» bunte Menschen, gewühl nnb die flinken Tänzer. Ihr Antlitz drückte Freude über da» muntere fröhliche Treiben vor ihr aus. Ein unbewußte» Lächeln Überflog ihre ernsten Züge, doch mll einem Male erstarb ihr da» Lächeln aus den bebenden Lippen und fie mußte schnell mti der Hand nach dem jäh ausznckevden Herzen s ff en. Bon drüben, an» dem Buchenwalde, welcher die Wiese begrenzte, scholl plötzlich laute» Pferdegettappel zu ihr herüber. Ein Herr und eine Dame tarnen schnell an» dem WaldeSdvukel geritten nnb hielten bann ihre Pferde an, nm dem frohen Gewimmel auf dem Festplatze zvzvziehe». Lore hatte sofort Walter erkannt. Sie sah fein schönes Gesicht, umrahmt von hvnklem lockigem Haar nnb seine leuchtenden, unergründlichen Auge». Ja, da» war er wieder, die schlanke edle Männergestatt mit der vornehmen Haltung, und doch ander», wie fie ihn zuletzt gesehen. Ein Ausdruck von Borge, von heimlichem Kummer lag auf diesen Zügen, ein Ernst, der diesen sonst nicht eigen war. Seine Begleiterin war eine zarte elfenhafte Erscheinung. Unter den grünen, von Sonnenschein dvrchschimmerten Bäumen leuchteten ihre rotblonden Haare wie gesponnene Goldfäden und ihre schwarzen Augen strahlten darunter wie funkelnde Edelsteine. Die Lippen waren rot und purpurn nnb ba» wundervolle schöne Gesicht weiß und zart wie Alabaster. Noch niemals hatte Lore eine solche Schönheit gesehen, da» kleine Reitpferd, ans dem die Fremde rtit, war ungeduldig geworden, e» warf schnaubend den Kops in die Höhe, riß an den Zügeln nnb schlug zuweilen mit den Hinterfüßen au», daß helle Funken heranSschlngev. Herr von Günther saß ans einem guten, stillen
getroffen sind, die Einfuhr lebender Schweine erfolgen kann. — Die Adresse, welche von den deutschen Städten demGeneralfeldmarschall Grafen v. Mo ltke am 26. Oktober überreicht werden soll, hat nach der Kreuzztg. folgenden Wortlaut: „Ew. Excellenz! Die flammende Begeisterung, mit welcher ganz Deutschland vor 20 Jahren feinem Moltke entgegenjubelte, erneuert sich heute am Schluß des neunten Jahrzehnts der geschichtlich so bedeutungsvollen Periode, während welcher Ew. Excellenz unserm Baterlande angehören, und dieser Jubel klingt nicht minder in dem erhebenden Gefühl der errungenen Weltstellung oB seinerzeit in den Tagen des Kampfe- und der Siege. Deutschland bewundert in Ew. Excellenz den Denker der Schlachten, der die Heere von Sieg zu Sieg führte, den genialen Feldherr», dessen hervorragende Bedeutung feines Kaisers Scharfblick erkannte, und den gewaltigen HeroS der Kriegskunst. Dank Ew. Excellenz so erfolgreicher Mit- Wirkung vermag Deutschland nunmehr feine gewaltige Kraft dem Dienste des Friedens und de» Ausgaben der Kultur zuzuwenden. Im hohen Norden und an den Gestaden des BoSporuS, in der Fremde und in der Heimat, in Krieg und Frieden, wo immer Ew. Excellenz fich zu bethätigen hatte, gab eS nur den einen Leitstern: die unverbrüchliche Pflicht, Treue dem Kaiser, Treue dem Reiche, Treue dem Volke und Treue gegen sich selbst. Aber auch daS deutsche Volk hält Ew. Exzellenz Treue um Treue. ES dankt seinem Feldherrn, es verehrt seinen Helden und eS liebt den Mann, der auf einer gewaltigen Höhe auch dem geringsten im Volke menschlich nahe geblieben ist. Ew. Excellenz! Mit diese» wenigen Worten, die von Herzen kommen, nahen wir, die Vertteter der Städte des geeinten deutschen Reiche», uns Ihnen heute an diesem bedeutungsvollen Tage. Möge Ew. Excellenz in ungebeugter Kraft, ein Jüngling an Herz und Seele, noch lange unter uns wandeln, der Gegenwart ein Stolz, den kommenden Geschlechtern ein Vorbild. Am 26. Oktober 1890."
Liegvitz, 16. Sept. In seinem Trinkspruche bei dem Paradediner be» fünften Armeekorps sprach der Kaiser seine» Dank und seine Anerkennung aus, insbesondere auch für die Wahl deS Schlachtfeldes auf dem historischen Boden der Gefilde an der Katz- bach, wo uns die Namen Aork Blücher, Sacken, Langeron vor die Augen treten. Beim Anblicke der Grenadier-Regiments „König Wilhelm I." hebe er bloS den Tag von Weißenburg hervor, wo da» Regiment gegen einen braven, verzweifelte» Feind einen übermenschlichen Sturm unternahm, wo dasselbe
Wagenpferde. — »Wollen wir absteigrv Md an» ein paar Mivvtev unter die fröhliche Menge mtschev ToSka?" fragte er. »Dv kannst Mylady nicht rvhig erhalte». Die Mvsik anb ba» laute Geschrei beängstigt da» Tier, ich werde einen jungen Menschen rufen, der die Pferde nach Hause führt."
ToSka warf übermütig den Kopf zurück.
»Mylady weiß ganz genau, wie weit sie gehe« darf und kennt ihre Herrin, aber e» ist mir einerlei, ich sehe mir auch gern den Trubel in der Nähe an."
Herr von Günther sprang vom Pferde nnb warf einem herbeieilenbeu Burschen die Zügel zu, um ToSka beim Absteigen zu helfen. Diese setzte den zierlichen kleinen Fuß auf seine bereit gehaltene Hand und schwMg sich wie ein Vogel, flink nnb graziös au» dem Sattel. Sie hatte eine kleine elastische Gestalt da» knappe blaue Reitkleid floß in reichen Fasten an ihr nieder nnb ließ fie etwas größer erscheinen. Unter dem schwarzen Hütchen mtt dem wehenden binnen Schleier quollen die Üppigen goldenen Flechten hervor. Sie hatte die lange Schleppe ihres Kleide» Über den linken Arm genommen, Reitpeitsche und Handschuhe trug fie in der rechten Hand. — ToSka blieb einen Augenblick zögernd stehen nnb sah mit den großen schwarzen Augen prüfend über den Festplatz hinüber. Und bann öffneten sich die roten Lippen zn einem silberhellen Lachen, daß Leonore die kleinen weißen Zähne hindnrchschimmern sehen tonnte. Und auch Walter lachte, lachte laut vnd herzlich. Er hatte jetzt Toskas Hand ergriffen unb fie gingen unter den fröhlichen Landlenten auf und nieder. — Lore» Blick folgte ihnen, tote magnetisch angezogen, überall nach und daS Blut stieg ihr heiß nnb wollend zum Kopf.
Leonore sah jetzt einen kleinen Knaben mit einem Sorbe voll Blumen und Früchten zu den Beiden treten. ToSka beugte sich herab, nahm eine große saftige Birne unb einen kleinen Strauß wilder Feld- Blumen an» dem Korbe. Lachend biß fie in die goldgelbe Frucht hinein Md reichte sie dann Walter,