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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Jllustriettes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 813.
logen nach Sonn» und
Feiertogen. — Quartal»SbonuementS-Preir bei der Expedition 2*/t Mk-, 6et den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertümSgebühr für die gefpaltene Zeile 10 Pfg., Reklame» für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Donnerstag, 11. September 1890.
liyetgen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Annoncen-Bnreanx von Haasenstein und Bögler in Srantfurt a. M., Soffet, Magdeburg u- Wien; Rudolf XXV. ^abraaua. Moste in Frankfutt a. M., Berlin, München u. Köln • ®. L.
Daube n. Co. in Franlfutt a. M-, Berlin, Hannover, Paris.
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Nusere Manöver.
Die deutschen Kaisermanöver haben von je den Kus gehabt, eine hohe Schule für das Offizierkorps im allgemeinen und die Generalität im besonderen zu sein. WaS in der Ausbildungsperiode von den Offizieren geleistet, das zeigt sich vor allem im Manöver, in der Leichtigkeit und Exaktheit der Bewegungen einer Truppe. Auf der anderen Seite haben die Offiziere vom Hauptmann bis zum General aufwärts aber auch Gelegenheit, sich als sachver- Mndige Führer zu zeigen, und die Anforderungen an den militärischen Scharfblick find ja seit der Einführung deS neuen Exerzierreglements, daS mit manchen alten und vielleicht auch bequemeren Anschauungen brach und seil dem Gebrauch des rauchlosen Pulvers erheblich gestiegen. Zu gleicher Zeit sind aber auch an die Mannschaften erhöhte Anstrengungen gestellt, alle Truppen und alle Waffengattungen sollen vor dem scharfen Blicke des unermüdlichen Kaisers ihr Beste» zeigen. Man manövriert nicht nach einem verabredeten oder selbstverständlichen Plan, sondern nimmt den Ernstfall an, so daß Generale und Offiziere gewaltig ihre Gedanken zufammennehmen müssen. DaS Manöver begründet leicht eine hervorragende Stellung, aber eS giebt auch Anlaß zum Abschied für den, welcher fich nicht im vollen Umfange bewährt. Kaiser Wil-
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Helm II. besitzt einen natürlichen militärischen Scharfblick, und bei zahlreichen Uebungen hat er feine Erfahrungen vergrößert. Allerdings auch Lehrgeld hat der oberste Kriegsherr bezahlen müssen, und bei Hannover, wo der Kaiser gegenüber dem heutigen Reichskanzler kommandierte, entging er nur
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mit Mühe einer Niederlage. Indessen: Kein Meister ward geboren, und auch Friedrich der Große erfocht nicht sofort ein Leuthen. Selbst ergraute Generale erkennen heute an, daß Kaiser Wilhelm II. eine militärische Autorität ist, deren Wort ins Gewicht fällt, und im übrigen vergrößert jedes Manöver die Erfahrungen aller Osfiziere und damit auch die des
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Kaisers. Wohlthuend heben sich die großen Uebungen in Schleswig-Holstein ab von den rufsischen Komödien bei Narwa.. Die Mannschaften wurden dort zu Parforceleistungen gezwungen, während das Kommando gemütlich frühstückte und sich um den sogenannten Feind keine Sorgen machte. Man sieht, daß Kaiser Alexander nur in geringem Maße Soldat ist, sonst würde er zu solchen Geschichten seine Zustimmung nicht gegeben haben. Bei dem zweiten und wichtigeren Teile der russischen Manöver, den
führt
(Nachdruck verboten.)
Erste Liebe.
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prompt
Novelle von I. Bergien.
(Fortsetzung.)
Der eine Arm war auf da» Fensterbrett gestützt «ab ihr Kopf ruhte darauf, während sie mit träumerischen Augen htoauSblickte. Doch plötzlich kam Leben in das stille Antlitz nnb ein Beben durchzuckte die reglose Gestalt Sie wagte es aber nicht, die gesenkten Wivperu zu heben und zu den Augen aufzublicken, welche aus ihr ruhten, Augen, welche «it einer gewiffeu Keckheit die ihren suchten. Aber jetzt mußte sie Walter dennoch ausehen und ihm aot- «orteu, denn er war eS, welcher dicht neben ihr staud und sie plötzlich auredete. Er fragte, ob sie fich seiner nicht erinnere. Sie richtete ihre sanften blauen Augen schüchtern ans ihn, aber daun war eS, als ob fu «schrak. Die Wimpern zuckten nnb ans den Wangen Vigte fich eine feine Röte. Er setzte aber baS Ge- Mach nobefangen fort
»Willst Du mich nicht wie einen alten Bekannten begrüßen, kleine Lore?' fragte er. »Dn bist reizend Geworden, wirklich, znm Süssen. Ich hätte Dich be- rannt nicht wieder erkannt, wenn Mama eS mir «icht gesagt.«
Leonore wandte sich von ihm ab nnb sagte kein Wort Sie war mtt einem Male gavz blaß' ge- worden nnb atmete mühsam nnb schnell. Keine »endige Regnng flog über ihre Züge, kein Aufstrahlen brach aus ihren Augen, welche sich auf die weißen rasen senkten, mit welchen ihre Finger immer noch Mechanisch spielten. Seine Worte hatten ste tief vrrletzt —
, »Ich ahnte wirklich nichts von Deiner Anwesen- beit tu Günthersdorf', fuhr Walter fort, während leine dunklen Augen prüfend über ihre bewegten Züge raten. »Wo stecktest Du denn eigentlich in den äavzen vier Jahren?'
Uebungen in Wolhynien, wird sich das Verhältnis ja ändern, aber es fehlt auch dort die entscheidende Persönlichkeit. Der Großsürst Nckolaus, Oheim deS Zaren, ist dort Schiedsrichter. Diesem russischen Feldmarfchall verdankt die russische Armee ihre bekannten schweren Niederlagen vor Plewna, und man kann ihn also nicht gerade als Autorität bezeichnen. ES fehlt dem russischen Offizierkorps der strenge, ernste Geist, welcher da» deutsche beseelt, und der bei unseren Manövern so glänzend zutage tritt. Das ist es, weshalb die großen deutschen Manöver unter Kaiser Wilhelm II. ebenso wie unter Kaiser Wilhelm I. als die ersten in Europa gelten, man strengt bei den Uebungen wirklich die Geisteskräfte aufs höchste an, um Erfahrungen sür die Zukunft zu sammeln. Die deutsche Armee Übt stets wirklich für den Ernstfall; das kann man aber nicht von allen anderen Armeen sagen, wie die rufsischen Manöver bei Narwa bewiesen.
Deutsches Deich.
Berlin, 9. Sept. Der .Reichsanzeiger" veröffentlicht den Wortlaut des Kaisertoastes im Strandhotel zu Glücksburg: »Mein Verehrtester Gras! Ich spreche Ihnen den Dank der Kaiserin urb den Meinen aus für die freundlichen Worte, die Wir soeben vernommen und zu gleicher Zeit den Dank an die ganze Provinz für den heutigen Tag und für den Empfang, welchen die Provinz Uns bereitet hat. Es hätte des heutigen TageS nicht bedurft, um Unseren Herzen klar zu machen, wie warm und freundschaftlich Unserer hier gedacht wird. Das Land, welches Mich mit dieser Provinz verbindet und dieselbe vor allen anderen Provinzen Meines Reiches an Mich kettet, daS ist der Edelstein, der an Meiner Seite glänzt, Ihre Majestät die Kaiserin. Dem hiesigen Lande entsprossen, das Sinnbild aller Tugenden einer germanischen Fürstin, danke Ich es ihr, wenn Ich im Stande bin, die schweren Pflichten Meines Berufes mit dem freudigen Geiste zu führen und ihnen obzuliegen, wie Ich es vermag. Sie haben die Güte gehabt, zu erwähnen, daß Sie sich sicher fühlten unter Meinem Szepter, daß Sie beruhigt in die Zukunft schauen; dasselbe ihue auch Ich, wenn Ich auf solche Männer, wie die Schleswig - Holsteiner bauen kann. Ich hoffe, daß es Mir gelingen wird, die Schatten, von denen Sie sprachen, im Innern zu bannen. Ich vermag daS aber nur dann, wenn jeder deutsche Mann an seinem Teile seine Hilfe Mir angedeihen läßt, und Ich hoffe und erwarte, daß die Mitglieder der
Sie gab ihm in wenigen Worten die gewünschte Auskunft
»Aber reizend bist Dn indeß geworden, Lore', flüsterte er ihr zu. »Schön wie ein Tran», wie ein Märchen. Hier in der nengiertgen Menge ist eS mir unmöglich, Dir zu sagen, wie ich mich freue, Dich so wiederzusehen. Saun ich Dich nicht allein sprechen, süße Kleine. Willst Dn mit mir in den Garten kommen?'
»Warum allein?' WaS hätten Sie mir zu sagen, waS nicht Jeder und Alle hören dürften?' —
Und jetzt hatte sie fich stolz ansgertchtet, eine Thräne des BerdruffeS in den blauen Augen, eiv zorniges Rot auf den Wangen.
»Ich möchte Dir sagen, daß ich Dich bewundere, daß Dein Anblick mich entzückt Du wirst mich anhören können, kleine Lore!'
»Aach wenn ich eS nicht will, Herr von Günther?*
»Such wenn Du eS nicht willst. Aber eS ist bester, Dn zierst Dich nicht, denn im Grunde Deines HerzeuS wird Dir meine Bewunderung doch Freude machen. Welches Mädchen lauscht nicht gern den Schmeicheleien, welche ihm gesagt werden.'
»Aber ich nicht, — Sie haben kein Recht dazu, so unhöflich mit mir zu sprechen. Haben Sie Der- geffen, daß ich ein Gast Ihrer Fran Mutter bin, und wenn Str noch ein einziges Wort derart za wir sagen, so gehe ich und mein Fuß betritt niemals wieder dieses HauS.'
Und jetzt stand Leonore ihm gegenüber, stolz, zürnend, unnahbar. Das sanfte liebe Erficht wie von einer MaSke überzogen, und wenn noch eine Schmeichelei auf Walters Zunge schwebte, sie hätte erstarren wüsten unter diesen zürnenden Blicken.
»Verzeihe, Leonore, verzeihe. ES ist ja Niemand unhöflich gegen Dich. Habe ich Dich nicht früher gekannt nnb Dich als kleines Mäbchen auf meinen Armen hernmgetrageu?'
»Nun, und was hat dies zu bedeuten? — Giebt Ihnen das vielleicht ein Recht, mich zu beleidigen
Provinz ein jeder für sich und ein jeder in feinem Wirkungskreise es sich angelegen sein lasten, dahrn zu wirken, daß die festgeschlossene Bande der Ordnung aufrecht erhalten werden den umstürzenden Elementen gegenüber. Wenn ein jeder der Bürger seine Pflicht thut, dann bin auch Ich im Stande, für sie zu sorgen und zu unserer aller Heil in Ruhe und Frieden die Geschicke deS Vaterlandes zu lenken, und ich setze daS Vertrauen in Sie, daß, was auch kommen möge, Sie mit Ruhe und Geduld die Entscheidung unserer Legislative und der inneren Zustände entgegensehen und Mir nach Ihrer allbewährten Treue und Anhänglichkeit helfen werden. So erhebe Ich denn Mein Glas und trinke auf das Geburtsland Meiner Gattin. Meine treue schleSwig Holsteiner Provinz sie lebe hoch!" Dieser einsache und doch so bedeutsame Toast wird nirgends seinen Eindruck verfehlen. — Die Kaiserin ist zum Chef des Schleswig - Holsteinischen Füfilier- Regimentes Nr. 86 ernannt worden. — Die anläßlich des diesjährigen großen Brandes zu H a m m e r» fest von Sr. Majestät dem Kaiser gespendeten 10 000 Mark sind nunmehr durch Vermiitklung der schwedisch - norwegischen Regierung zur Auszahlung gelangt. Die Behörden und Bewohner der schwer betroffenen Stadt haben, wie der „Reichs- Anzeiger" mitteilt, auf demselben Wege ihren Dank für die kaiserliche Gabe aussprechen lasten. — Die „Voss. Zig." schreibt: Minisstr Frhr. v. Lucius teilte dem hiesigen Magistrate mit, daß er im Einvernehmen mit dem Reichskanzler bereit sei, die Einfuhr ungarischer Schweine auS Steinbruch und Bielitz-Biala zur Abschlachtung auf dem hiesigen Schlachthofe widerruflich zu gestatten. Die Voraussetzung dieser Erlaubnis wäre aber die völlige Trennung der ewgeführten Schlachtschweine von den auf dem hiesigen Viehhose zum Verkaufe aufgetriebenen. Die „Vosflsche Zig." teilt ferner mit, daß die für diesen Zweck polizeilich geforderten Einrichtungen des Zentralviehhofes binnen drei Tagen beendet sein würden, sodaß dann die Einführung ungarischer Schweine beginnen könne. — Für den Viktoria- See-Dampfer waren bis Sonntag einschließlich der Karl Peters-Stiftung rund 40 000 MI. gezeichnet, darunter von F. A. Krupp und Rentner Peters in Blankenberg je 10 000, von Bahn - Direktor Schneider (Blankenberg) 4000, Amtsgerichtsrat Dck- ihiy (Aachen) 3000 Mk., Graf HoenSbroech 1000 Mk. Wie auS Bremen gemeldet wird, zeichneten die Festteilnehmer an dem Wißmann-Diner 96,000 Mk. für den neuen Dampfer auf dem Viktoria-See.
nnb in der Weife mit mir zn sprechen, wie ste auch nicht mit einer einzigen jener vornehmen Damen sprechen würden?'
Waller sah das Mädchen einen Moment erstaunt an. ES schien, als fielen ihm, plötzlich die Schuppen von den Augen. Er erkannte mit einem Male, daß er sie tief verletzt hatte. Gern hätte er die Worte zurückgenommen, denn er sah ein, daß er nicht mehr mit dem Kinde sprach, mit dem er vor einigen Jahren gespielt hatte, sondern mit einem feinfühlenden, zart- finnigen Mädchen von seltenem Liebreiz. Aber er ärgerte fich doch, daß Lore ihn gewiffermaßeu schul- meistern wollte, ihn, ben vergötterten Liebling der Damen, von dem alle» entzückt war. WaS hatte er ihr im Grande so BöseS gesagt, ein paar Phrasen, welche andere Mädchen mit Vergnügen angehört hätten. Er war verbrießlich über fie nnb mit fich selbst unzufrieden, darum hiell er eS für daS Beste, die Unterhaltung abzubrechen und fortzugehen.
' »ES thnt mir sehr leid, Dein Mißfallen erregt zu haben, Leonore. Das nächste Mal wirst Du vielleicht bei befferer Laune sein.'
Walters Stimme klang j tzt herzlich nnb weich. Das junge Mädchen sah za ihm ans nnb Beider Blicke b segneten fich. War eS möglich, daß Lore ihn so aasehen konnte? Schmerzlich, vorwurfsvoll nnb doch so tiefinnig waren diese süßen, blauen Kinder- augen ans ihn gerichtet. Der Blick verfolgte Walter ben ganzen Tag, bis er des Nachts fein Zimmer aufsuchte.
Leonore blieb noch eine kurze Z:U in der Fensternische fitzen und schaute in ben Park hinab. Sie fühlte eine schmerzliche Beklommenheit in der Brust. Wie hatte fie sich das Wiedersehen mit Waller so ganz anders anSgemall. Die Jahre hatten sein AeußereS verändert. Seine hohe, männliche Gestatt, feine vornehme Haltung muteten fie fremd an, nur der Blick feiner dunkeln, rätselhaften Augen war derselbe geblieben, schnell im Ausdruck, wechselnd und unergründlich für Alle. Das war also der leicht-
— Um ihre Agitation auf das platte Land hinauszutragen, haben die Sozialdemokraten in Berlin schon früher Sammelstellen für gelesene sozialdemokratische Blätter eingerichtet. Diese Einrichtung fand, wie die „Nat.-Ztg." berichtet, im Laufe der Zeit soviel Anklang, daß auf einer Sammelstelle (meistens Zigarrenhandlungen) an einem einzelnen Tage hundert und mehr Zeitungen einlaufen. Die Verschickung dieser Zeitungen in die Provinz geschah bisher nicht nach einem bestimmten System. Jetzt soll Ordnung in diese Verschickung gebracht werden. Der I. Wahlkreis soll seine Zeitungen nach der Provinz Westfalen, der II. nach Hannover und Heffen, der III. nach Rheinland, die erste Hälfte de» IV. Wahlkreise» nach Schlesien, die zweite Hälfte nach Brandenburg und Sachsen, der V. nach Schleswig-Holstein, die erste Hälfte des VI. nach Ost- und Westpreußen, die zweite Hälfte nach Posen und Pommern schicken. Die außerpreußischen Staaten sollen von anderen Großstädten, wo ebenfalls Sammelstellen eingerichtet werden, besorgt werden. Um die Versendung in die Provinzen kontrollieren zu können, will man hier in Berlin eine Zentralstelle für ben Zeiiungsversandt schaffen.
Graveustei«, 9. Sept. Nach den nunmehr getroffenen Dispositionen begiebt sich der Kaiser morgen nach dem Frühstück auf den „Mars" und sodann an Bord der „Hohenzollern" nach Kiel. Von da erfolgt um 11 Uhr abends die Weiterreise über Berlin nach Breslau. — Die Kaiserin ist auf der Stations - Nacht „Farewell" um 12'/» Uhr unter jubelnden Abschiedsgrüßen des Publikums abgereist. — Während des heutigen Manövers setzten drei Schwadronen Husaren nach Ekensund in Pontons die Pferde an der Leine schwimmend, über, um als Aufklärungstruppe nach Broacker vorzugehen. DaS Manöver endete mittags unter teilweiser Rück- drängung deS Ost - Korps bis Düppel. In der Stellung bei Düppel findet heute ein Nachtgefecht statt. Der Kaiser ist in Gravenstein abgestiegen. — Nach der Spezialidee für das heutige Manöver ist heute früh für das Westkorps eine Unterstützungs« brigade auf dem linken Flügel eingetroffen, womit ein Angriff auf dos Ostkorps bei Nübel gemacht wird. Das OstkorpS hatte am Vorabend den Auftrag erhalten, sich Flensburgs zu bemächtigen. Der Divisionskommandeur beschließt um 8 Uhr, mit drei Kolonnen unter entsprechender Mitwirkung der Panzerflotte über Gravenstein den Angriff voi- znnehmen.
Flensburg, 9. Sept. Tie Kaiserin traf heute
fiumge Mensch, der Sausewind, der Verschwender, über ben alle Welt ben Stab brach — und dennoch bet Waller bei heimlich geliebte Freund ihrer Kindheit. Eine Flut von Erinnerungen stieg in ihr anf: ste sah sich als kleines Mädchen mit ihm Hand in -Hand durch Wald und Flnr streifen nnb Blumen nnb Beeren suchen fie erinnerte fich — ach, wie ferne war biefe schöne Zeit, wie er in der Gaisblattlanbe des schattigen Pfarrgartens fie anf feinen Knieen hielt nnb ihr die Buchstaben lehrte. Jeder Tag, jede Freude, jeder Schmerz ihrer Kindheit war mit seinem Dasein verknüpft. Dann sah ste im Geiste, wie er als Student in die Ferien kam, tu der kleidsamen Tracht seines Corps und mit dem CetviS- käppchen auf dem Lockeuhaar, schöner, herrlicher, wie fie ihn früher gesehen und wie er mit Johannes nnb ihr an bem alten Klavier der Taute bie luftigen Kommerslieder fang. Und bann später waren bie schlimmen Tage gekommen, wo eS ihm in Bonn im Kreise seiner lustigen Kommilitonen bester gefiel, als in bem stillen Dörfchen an der Ostsee, nnb wo er bei kleinen Gespielin nicht mehl gedachte, fie völlig vetgaß. Was hatte fie fich damals nm ihn gehärmt und gegrämt. Er führte dort ein wildes, ausgelassenes Leben, warf tansendmal sein Herz an leicht, fertige, kokette Mädchen hinweg, nubekümmert um die, deren stille Neigung er war.
Und jetzt war er zurückgekomme». Er hatte fie nicht einmal wiedererkannt. In kecker, unziemlicher Weise hatte er sich ihr genähert, ihr Worte gesagt, die ihr jetzt noch die Schamröte in die Wangen trieben. Das stolze Herz der Jnngfran erwachte in ihr. Er hielt fie für eines jener Mädchen, deren Herz er im Fluge eroberte, die ihm ein amüsantes Spielzeug für ein paar müßige Stunden waren, wie Johannes ge, sagt hatte. — War sie ein solches Mädchen, welches man durch ein paar fabe Schmeichelworte an fich zieht nnb bann wieder verläßt, je nach Laune oder Willkür. — Ach, wie haßte sie Walter in diesem Augenblicke. (Fortsetzung folgt.)