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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Statt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen »ach Sonn- und Feiertage». — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/t SRI, bet de» Postämtern 2 Mk. bO Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gefpaUene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 2S Pfg.
Marburg-
Sonntag, 7. September 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-, K»ie die Annoneen-Bureaux von Haafmstein und Bögler
Frankfntt a. M., Eaffel, Magdeburg » Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. 9t, Berlin, München n. Köln: ®. 2- Danbe n.Lo.in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
XXV. Jahrgang.
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Wocheuscha«.
Die Wände hobln heute roch ebevfcwenig Ohren, wie unter Fürst Bismarck, wenn über die auswärtige Politik verhandelt wird. Trotzdem unser Kaiser um sä on geraume Zeit au- Rußland wieder zurück ist und die Reise zur Beiwehnung der großen Manöver in Schleswig-Holstein bereits angetreten hat, ist doch in verschiedenen Zeitungen noch immer lang und breit darüber verhandelt, war wohl in Peterhos zwischen dem russischen Zaren und dem deutschen Kaiser verhandelt sein möchte und verhandelt sein könnte. Manchen Leuten kann die Sonne nicht hell genug scheinen, manchen kann die Nccht auch nicht schwarz genug fein, rnd so hieß es bald, der deutsche Kaiser habe in Rußland sehr Großes erreicht, bald, die beiden Monarchen seien in Hellem Mißbehagen auseinander gegangen. Tie Wahrheit liegt, wie der deutsche Reicksanzeiger nun kurz und bündig korsta-
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\ tierte, in der Mitte. Kaiser Wilhelm II. ist nicht ■ »ach Rußland gereist, um mit dem Zaren Europa
( zu teilen, sondern er hat den militärischen Hebungen anwchmn, das nachbarliche Berhältnis durch einen ' freundschaftlichen Besuch bekräftigen wollen. DaS ist i,w. der Zweck der Fahrt gewesen, und dieser Zweck ist erreicht. Was sich sorst aus dieser Monarchen- (5'1 Begegnung nrch ergeben wird, daS müssen wir ab warten. Darüber können nur die Leute urteilen,
n welche den Gesprächen der beiden Fürsten beiwohnten, rmd diese Leute schweigen.
Auf dem Gebiete der inneren Politik hält die sommerliche Stille an; selbst im sozialdemokratischen Lager herrscht jetzt, nach dem Austreten Bebels in inrniS Ruhe. Eine sür den letzten Sonntag von den Berliner Sozialisten geplante Loffallefeier ist ohne Zwischenfall verlaufen, die ganze Demonstration trug in der Hauptsache den Charakter einer harm- < losen Landparthie.
In Paris sind die Enthüllungen an der TageS- -ordnung, erst über Boulanger und dann über den italienischen König. Der .Figaro" veröffentlicht Einzelheiten über Boulangers politische Laufbahn, tbk aber nichts wirklich neues bringen, sondern durch Erwähnung vieler kleiner Züge nur den erneuten Beweis liefern, daß der von seinen Lanmleuten eine Zeit hindurch in den Himmel erhobene General ein l tjtm feiger Patron und ein sogenannter Schlaukops ist, dem sein Wohlbehagen über olles geht. Sehr schlecht silier kommt die monarchistische Partei in diesen Enthül- Ullte 5mgen fort, die allerdings in kaum verständlicher f BerlraueenSseligkeit dem General Millionen über
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vst wieder daran gewöhne» müssen, aber eS macht
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Die Thüre ging ans und die Försteri» kam, ge. folgt von Kathrin, welche dar Abendbrot trog, tu die 61nbe.
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(Nachdruck verboten.)
Erste Liebe.
Novelle von I. Belgien.
(Fortsetzung.)
.Ich hab« mich vollständig vou ihm zurückgezogen.
Dir passe» »icht zusammen, den» unsere Ansichten »vm Lebe» gehe» ja himmelweit anSeirander.'
Leonore stand stumm mit gesenkte» Augen do. Ihre Finger spielten ruhelrs mit der Serviette, die ste tu der Hand hielt
.Und hat er wirklich soviel Abenteuer mit — mit aweu gehabt?'
.Zahllose!' war JohauueS Antwort .Die Sdche» käme» ihm drtzeudweis eutg'ge». ES war
ihm eigentlich nicht zu verdenke», wen» er fie am Narrenseil herumfühlte. Im Sllgemeiueu aber hält Walter nichts von den Weiber», sie find ihm nur ein
Sie sah freudig erregt auL, die kleine Frau, uud Besicht fclfite tont Fener und Glück. Sie hinkte iClvM iu ihrem Sohu und streichelte ih» mit de» welken, sttterudeu Hände» über die Wange».
.So, Haut scheu, alter Jouge', sagte sie. .Nau bollen wir effeu, habe Hühner gebraten »ud neue '"'st zait°ffeIn dazu gekocht, Dein Leibgericht. Mußt Dich uuu aber auch recht pflegen bei uvs, daß Du tnrwift - ^der dicke Backen bekommst, bist ja ganz blaß und , E>ager vom vielen Studieren geworden. — Lore! ; ♦ * ’ j fchruk Bier ein. Ist zwar kein Spateubräu, Hannes, te j fordern ehrlicher, gesunder HauSwrff. — Wirst Dick LoUl Erst wieder daran gewöhnen müsse», aber er macht
«uüsauteS Spielzeug tu müßige» Siunder.'
Das juvge Mädchen war ganz blaß geworden, ,ifr «I biß sich auf die Lippen, daß sie blutete».
.Geuug, gerügt' sagte sie, .er ist ei» schlechter Mensch, eS lohut sich »icht der Mühe, weiter vou chm zu spreche».'
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Millioren in den Sebooß schüttete und seine ganze Wahlmache bezahlte. Nun ist taS Geld sort! Fast ebenso lebhaft, wie mit Boulanger, beschäftigt mau sich mit dem Könige von Italien. Als es vor einiger Zeit hieß, König Humbert werde den Hafen von Spezzia besuchen und der Gedanke auftauchte, dcrthin ein französisches Geschwader zur Begrüßung des Königs cbzuordnen, erhöbe» die Pariser Journale einen Mordsimm. Der Bundesgenosse des deutschen Kaisers verdiente nach ihrer Behauptung eine solche Ehre nicht, obwohl eine italienische Flotte sofort in Toulon erschienen war, als Präsident Carnot von dieser Stadt nach der Insel Korsika reiste. Um tiesem Zank ein Ende zu wachen, hat König Humbert beschlossen, Spezzia überhaupt nicht zu besuchen. Man sollte meinen, die Pariser Zeitungen wären nun zufrieden, aber just daS Gegenteil ist der Fall. Sie versteigen sich sogar zu der schönen Behauptung, der deutsche Kaiser habe dem italienischen Könige die Reise nach Spezzia verboten. Eine interessante Mitteilung macht der französische Marineminister! Im Laufe diese- Jahres find nicht weniger als zwölf französische Kriegsschiffe auf der Fahrt durch cllerlei Betriebsunfälle für längere oder kürzere Zeit dienstuntauglich geworden. ES heißt ja bekanntlich .Unglück kommt über Nacht!', aber auf einem Kriegsschiff soll eben die ganze Ausrüstung und besonder- da- Maschinenwesen in solchem Zustande sein, daß nichts passiert Eine nette Episode ist auch die Geschichte einer Allarmierung der Garnison der Grenzseflung Belfort. Die Uebung war diesmal nicht, wie eS in Frankreich sonst üblich ist, vorher angesagt, und so dauerte es denn ganze drei Stunden, bis die Garnison marschfertig war. Für eine Grenzfestung eine Leistung, welche besonderes Lob eben nicht verdient.
Der russische Finanzminister Wischnegradski hat wieder einmal etwas sür die Unsterblichkeit thun zu müssen geglaubt. Mit der »»gekündigten russischen Finanzresorm ist es ein saures Stück Arbeit, davon hat er also klugerweise seine Hände gelassen, dafür hat er aber die Zollschraube ein paar Male kräftig angedreht: Alle russischen Zölle, einige Kolonial- Artikel nur ausgenommen, sind nun 20 Prozent erhöht worden. Ter Beginn des zweiten Teiles der russischen Kaiser Manöver, die in Wolhynien stattfinden werden, steht jetzt bevor. Für die Wichtigkeit dieser, nahe der österreichischen Grenze stattfindenden Uebuvgen spricht der Umstand schon, daß kein einziger fremder Osfizier zu ihuen zugelaffen wird. Hoffentlich amüsieren sich die Russen allein auch ganz gut!
keine Hitze und löscht de» Durst. — Hast ja a»ch früher in den Ferien schon manchmal mit ein paar Frennden einen kräftigen Salamander damit gerieben.*
Die kleine Familie setzte sich an den gedeckten Tisch, nm des Mahl zn verzehren. Eine Menge Erinnerunge» wurden aufgefrtscht, tausend Fragen gestellt, auch zwischen Johannes »ud Leonore wurden Fragen erörtert, wobei sich ersterer als ein außer, ordentlich scharfsinniger vud denkender Mensch zeigte.
Ganz in die Behaglichkeit eines freudigen Gebar kenauStavsches versunken, verging den Anwesenden eine Stunde sehr angenehm. Kathrin hatte längst den Tisch abgeränwt, nur die Flaschen nnb Gläser waren stehen geblieben. Die Fran Försterin hatte sich in das Scpha znrückgelehvt und blickte mit stiller Freude auf ihre» Sohu.
Dein Stübchen ist in Ordnung, lieber HanueS', sagte fie. .Aber Deine Bücher mußt Du selbst nnterbriugeu — Kathrin sagt, eS wäre eine gauze Kiste davon da, ferner wenigstens 3 Pfd. Stahlfeder» nnd 2 große Flaschen Tinte. Sage, Heizenssohn, wozu schleppst D» so viel Schreibzeug für die paar Woche», die Tu hier bleibst, mit her? — Ich dichte dock', Du könntest »uu einmal ordentlich anSruheu ..."
„Geht nicht, Mütterchen! man muß immer im Geleise bleiben. — Würde auch keine Rahe habe», wenn ich hier weine beste» Freunde, die Bücher, avS denen ich Weisheit schöpfe, entbehren wüßte. Habe auch heute »och zu a-Keiteu und über ein wissenschaftliches Problem uachzudeukeu. Ihr gestattet wohl, daß iS mich auf mein Zimmer zurückziehe?'
.Aber Johannes! heute am ersten Abend gleich — daS ist nurecht von Dir", rief ärgerlich die Frau Försteri». .Kein, ich lasse Dich noch nicht gleich fort, nicht wahr, Lorche»? — DaS nehmen wir Übel T» mußt »och bei u»S bleiben nnd ein Bursche», Heb Vorsingen. Die Lore begleitet Dich dazu, willst Tu? — Sing mein LiebliugSlied, Tu weißt doch, das vou der Linde — das hübsche, welches mir stets so gefiel."
Der junge König von Portugal ist an einem typhösen Fieber plötzlich erkrankt. Demselben Leiden, welchem sein Vater und dessen vier Brüder zum Opfer gefallen find. Die Aerzte versichern, daß keine Gefahr besteht, aber im portugiesischen Bolle wird heute schon dasselbe gesagt, was bei dem Tode des früheren Königs und seiner Brüder laut wurde, es liege Vergiftung vor. Hoffentlich wird der erst 24jährige König wieder völlig gesund und bleiben keine Nachwehen zurück.
Die amerikanischen bürgerlichen Unruhen scheinen nun im allgemeinen beendet zu sein. Ob lange, daS läßt sich allerdings nicht sagen, und besonders in Argentinien sieht es immer noch recht ungemütlich a»S. Eine völlige Ordnung der Verhältniffe ist bei weitem noch nicht gesichert. AuS Brasilien hört man überhaupt nichts mehr, da die republikanische Zensur in Rio de Jereiro auss strengste darüber wacht, daß keine ungünstigen Nachrichten nach Europa kommen. Günstiges ist aber nicht zu melden, und so schweigt man einfach.
Seirtfche- »M.
Berlin, 6. Sept. Der Kaiser hat bei der jüngst abgehaltenen Parade außer der bereits bekannten Ansprache an die 10. Brigade nach der Kritik sich noch an die Osfiziere gewandt und etwa gesagt: .Sie sind von Mir hierher berufen zum Schutze der Bewohner und zur Auftechterhaltung der öffentlichen Ordnung. Ich glaube zwar nicht, dcß Sie irgendwie in Thätigkeit treten werden, aber Ich hielt Vorsicht für geboten.' — Die Wiederwahl des freisinnigen Abg. v. Forckenbeck zum Oberbürgermeister von Berlin hat, der .Nat.-Ztg.' zufolge, jetzt die kaiserliche Bestätigung erhalten. Herr v. Forckenbeck ist ein vorzüglicher Verwaltungsbeamter und deshalb wurde seine Wiederwahl in der Reichshauptstadt auch von seinen politischen Gegnern gewünscht. — Tie rheinisch-westfälischen Industriellen haben zu den von der preußischen Regierung gestellten Fragen bezüglich der Beschlüsse der Arbeiterschutz - Kommission des Reichstages Stellung genommen. Die Ansicht der Industriellen geht, wie es heißt, dahin, daß die Ausdehnung der SonntogSruhe auf dreißig Stunden, wie sie von der ReichstagSkommiffion vorgesehen ist, srwohl für die Arbeitgeber, wie sür die Arbeitnehmer von außerordentlichem Schaden sein würde, und schlagen deshalb vor, daß e» bei der 24-stün- digen Sonntagsruhe, welche die verbündeten Regierungen Vorschlägen, sein Bewenden habe. Des
„Gern, Mütterchen!" erwiderte der junge Mann und stand sofort ans. Anch Lore trat an das kleine altmodische Klavier nnb schlug den Deckel zurück.
„Willst Du mitsiugeu, Lorcheu?" fragte Johannes.
„Kennst Du den T xt?"
DaS Mädchen nickte, ,3a, ich kenne ihn. Ihr sauget das Lied als Studenten oft genug zufammeu. Du »ud der Walter. — ES ist schon lauge her, ich war damals fast »och ei» Kind, aber ich habe es niemals vergessen können.'
Uud fie fangen Beide. Voll nnb weich klang der Ton ihrer Stimme durch da» kleine Gemach. Lore hatte eilen lieblichen reinen Sopran nvd Johannes frischer Bariton paßte vortrefflich dazu. Die alte Fran saß mit gefalteten Händen nnb hörte andächtig ihrem Lieblingsliede zu. ES lautete:
Bon den Bergen die Burgen, im Thale die Saale, Die Mädchen im Städtchen — einst alles wie heut'. Ihr werten Gefährten, wo seid Ihr zur Zeit, mir Ihr Lieben geblieben? —
Ach, Alle zerstreut.---
»Die Einen, sie weinen. Die Andern, sie wandern — Die Dritten, noch mitten im Drange der Zeit. — Auch Biele am Ziele, zu den Toten entboten, Verdorben, gestorben in Freud und in Leid.
Ich alleine, der Eine, schau hernieder zur Saale im Thale, Doch traurig und stumm.
Eine Linde im Winde, die wiegt sich und biegt sich, Rauscht schaurig und traurig. — Ich weiß wohl, warum!
Die Melodie dieses alte» EtudevteultedcS Ist un- gewei» ergreifend nnb rührend, fie verfehlte nicht, auch hier wieder ihren Zander auSzuüben. Die Försterin fuhr mit dem Sermel über die feuchte» Auge» nnb L-onore sah ganz bleich nnb wehmütig ars. Johannes aber trat zum Tische, füllte »och einmal sein Glos bis zu« Raube nnb hob eS, bem jungen Mädchen damit zuwinkenb, an seine Lippe».
.Ein SchwolliS bei Heben Sängerin!' sagte er und trark eS bis zum letzten Tropfen aus.
.Fiducit', antwortete Lore nnb nippte an dem ihren.
weiteren wünschen sie, daß aus dem Arbeiierschutz- gesetz die verschiedene Behandlung der verheirateten und unverheirateten Arbeiterinnen, sowie die Beschränkung der Thätigkeit von Arbeiterinnen in der Saison-Industrie beseitigt werde. — Die Steuer« enthüllungen in Bochum dauern immer noch fort und au8 dem ganzen Verlauf dieser SensationS» geschichte ergiebt sich sehr genau, daß die in den Enthüllungen gemachten Behauptungen im großen und ganzen auch zutreffend find. Aber in immer weiteren Kreisen taucht auch die Anschauung auf, daß die Stadt Bochum mit ihren niedrigen, der Wirklichkeit herzlich wenig entsprechenden Einschätzungen durchaus nicht die einzige in Preußen ist, in welcher die Veranlagung zur Steuer so nachfichtig gehandhabt wurde, daß vielmehr der hohe Kommunalzuschlag in recht vielen Städten lediglich daraufzurückzuführen ist, daß die Einschätzung keine zutreffende war. Im preußischen Finanzministerium beschäftigt man sich mit dieser Angelegenheit schon sehr gründlich, und die Steuer - Einschätzungs - Kommissionen werden angewiesen werden, künftig etwas schärfer vorzugehen. Gerecht ist da- nur! Die Vorschriften deS Gesetze- über die Steuerveranlagung sind klar und bestimmt, und von der zutreffenden Einschätzung haben alle Gemeindeglieder schließlich Vorteil.
Flensburg, 5. September. Se. Majestät der Kaiser brachte bei dem gestrigen Paradediner etwa folgenden Toast au8: „Er freue Sich, auf dem Boden Schleswig - Holsteins zu weilen utfb das 9 Armeekorps zu begrüßen. Er wisse sehr wohl daß eine Zeit, wie die jetzige, viel Arbeit, Mühe und Vorbereitüng erfordere, ebenso aber auch, daß dem Soldaten da- Lob seiner Vorgesetzten zur höchsten Genugthuung gereiche. Er werde nie die hohe Freude vergeflen, die Er empfunden, als Er al- junger Soldat zum ersten Mal von Seinem Hauptmann belobt worden sei. Er trinle auf das Wohl deS 9. Armeekorps." — Der kommandirende General von LeSzczynSki dankte dem Allerhöchsten Kriegsherrn für diese hohe Auszeichnung, gab die Versicherung unwandelbarer Treue im Namen des Armeekorps ab und brachte ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät den Kaiser au8. — Das heutige Manöver nördlich von FlenSburg verlief aufs glänzendste. Das 9. Armeekorps sollte einen markirten Feind in östlicher Richtung nach dem Sundewitt abdrängen. Der Kaiser hielt sich vorwiegend bei dem markirten Feinde auf. Die Abdrängung gelang nicht. — Die Kaiserin tour de überall enthusiastisch begrüßt und wohnte dem Manöver von einer Anhöhe bei Krusau bei.
»Kannst ja ordentlich mithaltea, Väschen, daS freut mich, ist eia Beweis, daß Du Dich für daS Stndentenlebe» interesfirt hast. — Nu» gute Nacht für heute. — Träum anch was G»teS für wich, so ganz etwas Glückbringendes.'
DaS Mädchen nickte mechanisch, aber fie sah Johanne» nicht dabei an. Ihre Gedanken weilten anscheinend ganz wo anders. Kaum hatten die Beiden das Zimmer verlassen, so lies fie ans Feaster nnd stieß beide Flügel weit ans. Sie war heftig bewegt and legte die Hände auf ihr laut pocheudeS Herz. „Eine Linde, im Walde, die wiegt sich und biegt sich, Rauscht schaurig und traurig. - - Ich weiß wohl warum." flüsterte« lhre deveuvea Lippe» uud die Tthräue» tarnen ihr ans einmal heiß nnb brennend in die Augen.
So stard fie lange in Gedanken verloren nnb blickte in die stille Sterneunacht. Die mit rauschendem Strandhafer bewachsenen Dünenhügel glänzten weiß im Hellen Mondschein nnb warfen ihre Schatten auf das schlnmmernde Meer nnb bie niemals schweigende Brandung fang ihr ewiges, bald leise klingendes Schlummerlied dazu. Uud vou der Rieseulaterue des LenchtturwS bretiete sich ein feurig roter Glanz weit über die See hinaus, während die Fenster deS alten Herrenhauses mit sanftem Scheine aus dem dunklen Waldesgrün herübergrüßten. Unten vom Garten stieg der süße Dnst blühender Rosen nub Nelken zn ihr empor und ein geheimnißvolleS Wehm nnb Rauschen tönte aus den BlätterIroneu der Bäume an ihr Ohr. Und ringShermu lagen friedlich und still die kleinen Fischerhänser von Günthersdorf. Da und dort blitzte »och ehe Licht ans den winzigen Fenstern auf, oder ein Rauch» ölkcheu kräuselte fick', hcll vom Monde bestrahlt, in die klare reine Abend- lust empor. — Ach, cS war Alles so schön, so anheimelnd für Lore, so friedvoll und beruhigend, — wie dumm von ihr, hier zu steheu und über alte halb vergessene Geschichten zn grübeln nnb zu meinen.
(Fortsetzung folgt.)