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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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Erscheint täglich außer an Werktage» nach Tonn- und Feiertagen. Quartal-AbonnementL-Preii bei der Expe­dition 2'/. UM., bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). ZnsertionSgebühr für die gehaltene Zeile 10 Pfg Reklamen für die Zeile 25 Pfg.

Marburg,

Sonnabend, 6. September 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS, sowie die Lrmoneen-Bnreaux von Haasenstein und Boäler in Frankfurt a. M., staffel, Magdeburg u. Wien: Rudolf XXV. HabraanL. Moffe in Frankfurt e. M., Berlin,München u. Köln: G. 2.

Laube u. Eo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.

Im Ls«L der reiche« Leute.

In England gelten Leute, die Jahraus Jahrein 1000 Pfund Sterling, also 20 000 Mark, zu ver­zehr« n haben, im allgemeinen nicht als reiche, noch nicht einmal als gutbcmittelte Leute. Wer ein .HauS" machen will, muß schon über das Fünfache im Jahr mindestens verfügen, dann wild er einiger maßen respektiert- doch Aufhebens wird auch dann noch nicht weiter groß von ihm gemacht. England mit seiner alten Industrie, die in einem Kolonial­besitz von unabsehbarem Umfange schon seit Jahr­hunderten reichen Absatz fand, ist daS Land der reichen Leute, und der Geldüberfluß, der an der Themse herrscht, der sehr niedrige Zinssatz der staatlichen Papiere, veranlaßt eben John Bull- Söhne, ihre Kapitalsmafsen in industriellen Unter­nehmungen daheim und in allen möglichen Ländern anzulcgen, weil man in dieser Weise mehr verdient. Es ist unleugbare Thatsache, daß die Engländer mit chren reichen Mitteln für die Industrie aller Staaten die ernstesten Konkurrenten find; sie arbeiten im großen Maßstabe und können infolge des größeren Betriebskapitals auch häufig billiger liefern, als die selbständigen Industriellen. Der Engländer verdient am einzelnen Artikel verhältnismäßig wenig, aber die ungeheuere Masse der Produkte schafft schließ lich den hohen Gewinn, der den Briten die Taschen füllt und ihnen auch, da- ist das weniger Angenehme bei der Sache, einen ziemlichen Dünkel einflößt.

Nun haben sich aber auch in England die Ver- hältniffe recht erheblich geändert. Die wiederholten Massenstreiks der letzten Jahre entsprangen zuletzt nicht selten demselben Ueberwut, der überhaupt der ganzen englischen Nation mehr oder weniger eigen ist. Im Anfänge lag die Sache aber anders. In ihren Riesenunternehmungen verdienten die britischen Kapitalisten, Unternehmer und Großindustriellen auch Riesensummen, die sich allerdings aus vielen kleinen Posten zusammen setzten; nicht zu bestreiten ist, daß zur Führung solcher Millionen-Geschäfte sehr viel Energie und Thatkraft, Einsicht und Geschästtklugheit gehört und man auf den Verdienst auch von Mil­lionen rechnen muß, weil Millionen hineingestecki, aufs Spiel gesetzt und auch verloren werden. Die Herren waren in ihre Geldfragen aber zu sehr ver­tieft, kümmerten sich zu wenig um ihre Leute, deren Lohn ein niedrigerer war, als in der Ordnung, und die Folge war der Streik. Man muß den englischen Unternehmern nachsage», daß sie vielfach bereitwillig Zugeständniffe machten, und nur in vereinzelten Fällen

^Nachdruck verboten.)

Erste Liebe.

Novelle von I. Belgien.

(Fortsetzung.)

Nur Frau von Günther blieb ihr gegenüber kühl und uuuahbar. Dies machte Leonore aber wenig Kummer, da sie schon von Klein auf deren reservirtcs Wesen gegen alle diejenigen kannte, welche fie als unter sich stehend betrachtete.

Es dunkelte bereits, al» Lore heute den Heim, weg antrat. Sie beschleunigte deshalb ihre Schritte und lief, ein leichtes Tuch über den Kopf geworfen, so schnell sie konnte, nach Hause, die Thür stand »eit offen, als sie hier avkaw, und der helle Schein de» SüchevseuerS strahlte weit in die Flur hinaus. Sie vernahm von dort die Stimme ihrer Taute und ging sogleich zu ihr, um ihr eiueu »Guten Abend* M bieten. Die Fran Försterin stand mit hochrote» Wangen am Herde in emsiger Geschäftigkeit. Als dos junge Mädchen eivtrat, wandte sie sich rasch nach ihm um und wischte sich mit der Küchenschürze das erhitzte Gesicht.

»Na, es ist gut, daß Du kommst, Lore, wollte eben die Kathriu nach Dir schicken. Es ist nämlich was pasfirt etwas recht SnteS, da» nicht alle tage vorkommt. Saunst eS nicht raten, Mädchen?'

Lore schüttelte den Kops und sah der Taute fragend in die Augen.

»Hast auch gar keinen AuimuS! Der Hannes ist Nämlich ganz unerwartet avgekommeu. Gut, daß sein Stübcheu tu Ordnung und das Bett gehörig gesonnt ist.*

»Das wird Dir eine große Freude sein, Tantchen !* sagte sie gleichgültig. .WarJohannes lange fort?'

Seit Weihnachten! Er hat im letzten Semester diel mit dem Examen zu thuu doch nun geh nur »al hinein und begrüße den guten Jungen. Na. der wird Augen machen, wen» er Dich wieder ficht."

Leouore errötete leicht unb wandte sich znm Gehen.

hartnäckig blieben. Damit wäre die Bewegung er­ledigt gewesen, wenn nicht der Bogen von einzelnen Arbeiterkategorieen zu straff gespannt worden wäre, die nur den Verdienst ihrer Arbeitgeber, aber nicht deren Kapitalaufwendung und Risiko im Auge hatten. Daraus sind dann Zerwürfniffe entstanden, die zu neuen Ausständen führten, von solchem Um­fange, daß in ganzen Bezirken eine allgemeine ®e=v schäft!stockung eintrat.

Nun haben sich die Dinge bis zum äußersten zugespitzt. In den großen britischen Unternehmungen wird, wie schon gesagt, viel verdient, wenn alles so geht, wie es gehen soll; tritt aber eine Stockung ein, dann zeigt sich nicht nur kein Verdienst, sondern schwerer Verlust. Selbstverständlich, je geringer der Gewinn am einzelne», je umfangreicher die Anlagen, um so zwingender die Notwendigkeit, ununterbrochen den Betrieb im Gange zu erhalten. Durch die Streiks ist also nirgends so viel, wie in England, Geld verloren, die Geschäfttflaue, welche dem Streik- jahre folgte, wirkt nirgends so lästig, wie dort, und ungeachtet alles deffen bereiten die britischen Gewerk­schaften neue Forderungen vor. Den Großin dustriellen ist nun aber der Entschluß gekommen, auf dem Boden der jetzigen Verhältniffe stehen zu bleiben, und die Folge ist die Bildung eines Arbeit­geber bundeö mit einem Kapital von 10 Millionen Pfund, 200 Millionen Mark. Es ist vorauszu- sehen daß es nun auch in England zum entschei­denden Zusammenstoß zwischen den Unternehmern und Arbeitern kommen wird, und der Streit wird härter geführt werde», als bei uns. Von Empfind­samkeiten ist der Engländer kein Freund, und darum wird e» auch von beiden Seiten heißen:Biegen oder Brechen!" Wir können auf den Verlauf des Zwistes gespannt fein.

Aevtlche- Reich.

Berlin, 5. Sept. Die Flottenschau, welche Kaiser Wilhelm am Mittwoch im Kieler Hasen über die vereinigten deutschen Uebungsgeschwader und das zur Beiwohnung der deutschen Manöver erfchienene österreichische Kreuzungsgeschwader abge- halten hat, ist ohne ähnlichen Vorgang. Wohl hat der Kaiser schon mehrfach in Kiel und Wilhelms Haven Besichtigungen vorgencmme», aber noch nie war eine solche Macht vereint, noch nie auch ein so starkes Geschwader eines befreundeten Staates mit bei der Flottenfchau anwesend. Es war nicht blos ein imposantes Bild, sondern auch ein bedeutsame- Ereignis, welches die Wichtigkeit der deutschen See-

»llud noch was Lorchen", ries Tante Sophie, indem fie ihr nacheMe nnd ihre Hand ergriff.Aber sei nicht böse, wenn ich Dich daranf aufmerksam mache. Sei doch ein bischen gnt nnd freundlich mit Johanne», nicht so so, wie Du früher mit ihm warst. Er meinte e» doch immer recht gut mit Dir."

Nun Tantchen, die Beweise davon waren gerade nicht von der Art, daß ich dies glauben könnte. Im Gegenteil: Er quälte mich mit seinen pedantischen Grillen und hatte eiu grausames Verguügeu daran, mich fortwährend zu Srgeru uud zu schulmeistern."

Die Tante machte ein ganz erstaunt. S Gesicht. Davon habe ich ja gar nichts demetkt, Lärchen! Ei der Tausend, er sagte mir doch immer---"

»Daß ich der nuauSstehlichste, verschrobenste Back­fisch wäre, den er In seinem Leben gesehen. Nicht wahr, Tantchen? Uud jetzt, wo ich erwachse» bin, wird er »och viel mehr an mir anSsetze», noch größere Fehler finde». Ich weiß schon, wie eS solche au- gehenden Philosophen mache», die all ihre Weisheit au» de» Bücher» schöpfen and mit der gesnude» Mevscheuverunnft nichts zu thuu habeu vollen. Da soll alles vollkommen, alles erhaben sein. Mit einem Wort, fie wollen nur noch Engel ans Erden sehen. Weißt Du, Tantchen Sophie, ich fürchte mich ordentlich tot Johanne».'

»Aber, aber, Lore! ich verstehe Dich nicht!'

.Du kannst wich nicht begreife», aber recht habe ich doch. Er hat mich oft zn abscheulich behaudelt uud am Schlimmste» da»», wen» ich Walter, ich meine den jungen Herr» von Günther, gegen ihn tu Schutz nahm.'

Die Försterin machte ei» verdrießliche» Gesicht.

,Nu» thust Du ihm aber Unrecht, Lore! Der Walter ist und war et« Windbeutel, und zwei so verschiedene Charaktere, wie mein Hau» nnd er konnten nicht übereinstimme». Wandere mich jetzt noch, wie Dn dem Bruder Leichtsinn die Stange hatten konntest. Aber jetzt ist dies anders. Nicht wahr, die Ktndereieu von früher find nun dergeflen?"

macht in Helles Licht stellte. Das empfanden auch die Tausende von Zuschauern und die Hmrahiufe der Schiffsbesatzungen, welche dem Monarchen bei seiner Umfahrt der Panzerkoloffe entgegentönten, stimmten sie begeistert ein. An der Spitze der ge­waltigen Flotte ist Kaiser Wllhelm II. gen Norden gefahren, nach Flensburg; mag der Tag fern sein, an welchem solche Fahrt nicht blos der kriegerischen Ausbildung gilt, sondern der Bethätigung des Ge­lernten. Der Aufenthalt der kaiserlichen Familie im Neuen PalaiS bei Potsdam dürste sich allem Anscheine nach diesmal noch über Neujahr hinaus erstrecke», denn auf Befehl des Hofmarschall- amtes find alle Zimmer für den Winteraufenthalt eingerichtet worden, ebenso die Gemächer, welche der Oberhofmarschall Graf Eulenburg bewohnt. An der Wassersucht ist am Mittwoch Nachmittag der frühere bayerische Ministerpräsident Frhr. von Lutz nach qualvollem Leiden gestotben. Herr von Lutz ist 65 Jahre alt geworden und gehörte un­streitig zu den fähigsten deutschen Staatsmännern der neusten Zeit. Der Errichtung des deutschen Reiches war er aufrichtig zugethan, wahrte aber dabei streng die bayerischen Reservatrechte. Von 1867 bi» 1880 war er Justiz- und Kultusminister; in lltzterer Eigenschaft hatte er häufig Sträuße mit der bayerischen Centrumspartei auszufechten. Von 18801890 war er Ministerpräsident, als solcher hat er auch das Staat»ruber während der traurigen Tage der bayerischen Königstragödie gehalten und den Uebergang in die Regentschaft ebenso ruhig, wie besonnen geleitet. Von König Ludwig II. war er in den Adelstand und Freiherrnstavd erhoben, auch der Regent Luitpold hat den verstorbenen Staats­mann mehrfach ausgezeichnet. Persönlich huldigte Herr von Lutz ziemlich freien Anschauungen; wie Münchener Blätter vor kurzem mitteilten, hat er indessen vor einigen Wochen seinen Frieden mit der katholischen Kirche gemacht. Bei dem Komitee für die Errichtung eine» Bismarck-Denkmales in Berlin find jetzt etwa die Gelder eingegangen, welche die Herstellung eine» Monumentes beanspruchen wird. Die überschießenden Beträge werden dem Fürsten für eine Stiftung übergeben werden. Als Gehalt für Emin Pascha sind jetzt vom deutschen Reiche 20 000 Mk. pro Jahr angewiesen worden. Die Summe entspricht Emins Rang als Generalmajor, den derselbe in der egyptischen Armee inne hatte. Der Zentralverband deutscher Bäcker-In­nungen .Germania" hat einstimmig eine Petttion an den Reichstag um Beseitigung der §§ 7274

.Ich will e» hoffe», Tantchen! Ich bitte Dich auch, wir nicht böse zn feto, diß ich bett Johannes bei Dir verklagt habe. Ich wollte ja gar nicht» über ihn sage», e» entfuhr wir aber so. Ich fühle e» selbst, daß e» nicht recht von wir war, aber ba Du e» ouu einmal weißt, wir eS mir uw» Herz ist, so wirst Du Dich auch uicht herüber wundern, wenn ich im Bei kehr mit ihm uicht immer so harmlos und freuudlich fein kann, wie es eigentlich unter nahen Verwandten geschehen mvß. Ich will mir aber Mühe gebe», den rechte» To» zn fiuden. Hab Du, Tantchen, sagst eS ihm auch uicht, wie ich über ih« gesprochen, sonst fängt der alte Krieg gleich wieder von Neuem an.'

.Sei nubeforgt, Kind', versicherte diese. .Ich denke ja auch, Ihr werdet Beide uoch einmal die b-stell Freunde. Uud uuu gehe zu ihm, ich habe »och wtt dem Abeudbrod zu thuu. Mache dem HauneS anch ein recht freundliches Gesicht, hörst Do! Mir zu Liebel'

Leouore schloß ihr den Mund mit einem Kuß und lächette schalkhaft.

.Mit lachendem Munde und strahlende» Auge» will ich meinem Gegner furchtlos entgegen treten und ihm die Hand zum Friede» bi teu. Kannst D» eS bester verlange», Tantchen?'

Sie huschte behende ans der Küche und durch die dämwrigk Hausflur uud trat leise i» die Wohnstube. Vor dem Sophatische saß im Scheine der brenneu- deu Lampe ein junger schlanker Mauu uud la» i» einem Buche. Der Kopf mit den lange» dunkel­blonde» Haaren neigte sich weit nach vorne über die Brust. Er hatte ein ernstes, gute» uud tteueS Gesicht uud ehrliche dunkelgraue Auge», welche mit einer goldenen Brille bedeckt waren. Seine Gestatt war hager, fast eckig zn nennen und die Hände laug, schmal und von mädchenhafter Zartheit nnd Weiße. Ans den etwas bttiche» Zügen lag aber da» Gepräge einer großen geistigen Ueberlegenhett.

Als Leonore tos Zimmer trat, blickte der junge

der Gewerbe - Ordnung befchloffen. Eine andere Petition an den Reichstag gilt der Abänderung des Zolltarifs, dahin, daß die freie Einfuhr von Brot und Mehl an den Grenzbezirken in Zukunft nicht mehr gestattet werden soll, da hierdurch die Bäcker in den Grenzorten fchwer geschädigt würden. Ein Antrag, eine Petition dem Reichstage wegen Ein­führung der vollen Sonntagsruhe für das Bäcker­handwerk zu unterbreite», wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Verschiedene Blätter wissen rnitzutei'en, in welcher Weise die ordentlichen Reichsgesetze nach Fortfall des S ozia liste n- G esetzeS eine Ergänzung bezwse. Verschärfung er­fahren sollen. Bald wird eine Reform des Preß» gesetzeS, bald eine solche deS VereinkgesetzeS ange­kündigt. Es handelt sich bi» jetzt, wie »ach der Magd. Ztg." von bestunterrichteter Seite verlautet, nur um Ansichten und Wünsche der betreffenden Or­gane. Seitens der Regierung ist man entschlossen, vorläufig eine rein zuwartende Stellung zu bewahren, um alles weitere von dem Umfange des Bedürfnisses abhängig zu machen. Einstweilen sind indessen en die Aufsichtsbehörden besondere Weisungen dahin er­gangen, die vorhandenen Bestimmungen mit aller Strenge in Anwendung zu bringen und in gegebener Frist an die Zentralstellen Über die gemachten Wahr­nehmungen zu-berichten. Durch Erlaß des Finanz­ministers sind die Provincial-Steuer-Direktionen bis auf weitere» allgemein ermächtigt, landwirtschaft­lichen Brennereien im Falle, wo etwa die Kartoffelkrankheit eine schleunige Verwertung der Kartoffeln erheischt oder außergewöhnliche Witterung»- verhältniffe Futtermangel nach sich ziehen, auf Antrag zu gestatten, den Brennereibetrieb bereits im Septbr. zu beginnen oder bis längstens zum 30. Juni fort» zusetzen, ohne daß die beteiligten Brenner zur Nach­entrichtung der Differenz zwischen dem betreffenden ermäßigten und dem vollen Maischbottichsteuergesetze für alle feit dem Beginn des BetriebsjahreS von ihnen vorgenommenen steuerbegünstigten Einmaischungen verpflichtet sind. Für die in der Zeit vom 16. Juni bis 30. September ftattfinbenben Einmaischungen unterliegen jeboch in solchen Fällen 1. biejenigen landwirtschaftlichen Brennereien, welche durchschnittlich an einem Tage nicht mehr als 1500 Liter Bottich­raum bemaischen, der vollen Maischbottichsteuer von 1,31 Mk. für den Hektoliter Bottichraum; 2. die­jenigen landvirtfchastlichen Brennereien, welche an einem Tage mehr al» 1500 Liter Bottichraum be­maischen, dem Zuschläge zur Verbrauchsabgabe nach dem Satze 20 Pfg. für das Liter reinen Alkohols

Gelehrte vou feinem Buche aus. Er fah da» junge Mädchen einen Moment verwundert, wie fragend au, daun sprang er hastig ans. Aber er näherte sich ihr um keinen Schritt, auch Leouore schien a» ihre Stelle gebannt. Verwundert, fragend, scheu blickten fie fich Beide an und sprachen kein Wort.

Südlich schien er fich zu ermanne». Verlege» fahr er mit de» Ftoger» durch das lange schlichte Haar und machte ihr eine ttese cerernoniös-, aber un­endlich steife Verbeugung. Die Antwort daraus war aber ein laute? herzliches Lachen aus Lores rotem Munde. Sie machte ihm einen regelrechten Ku x und war bann im Nu an seiner Seite.

»Kennst mich wohl nicht mehr, Johannes? Das dumme kleine Lorchen vo« ehemals. Nicht wahr, ich bin recht groß geworben in ben drei Jahre», wo vir uns nicht sahen?'

Sie reichte ihm beide Hände zum Willkommen entgegen.

Aber Johannes stand «och immer wie eine Bild­säule da und starrte auf das z« voller Jugeudfchöu- beit erblfite Mädchen, ohne die ihm dargebotenen Hände zu ergreife».

,DaS muß ich aber sagen!' rief Lore ärgerlich ans und trat einen Schritt von ihm zurück. »Willst immer noch nichts von mir wissen? Hast nicht einmal ein freundliche» Wort des Willkommen» für mich? Oder habe ich mich vielleicht so verändert, daß D« mich gar nicht wiedererkennst?'

Der junge Gelehrte schien endlich au» dem Traume zu erwache«, der ih« gefangen hielt; er that einen tiefen Atemzug und verbeugte sich noch einmal recht linkisch und verlegen vor Leonore.

Kopfschüttelnd sah ih» das Mädchen an, bann sagte fie lächelnd:

»Aber nun laß die Posse», Johanne», hier ist meine Hand. Ich freue mich, daß Du wieder da bist uud wir wollen nn» jetzt auch immer recht schön vertragen.'

»Leonor», liebe Lore!' jubelte er jetzt auf, tobe«