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Wöchentliche Bellngen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

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dann mit dem Zeugnis für den einjährigen Dienst ab. Ihnen hat der Schulbesuch nicht den Nutzen gebracht, den er bringen sollte, und die jungen Leute vergessen häufig genug hinterher schnell das, was ihnen eben erst mit aller Mühe eingepaukt wurde, und auch die Lehrer haben an diesem Unterricht keine Freude gehabt. Zwei eingreifende Maßregeln sollen nun mit einem Schlage hier Aenderung schaffen: Auch der Besuch der lateinlosen höheren Bürgerschule soll die Berechtigung zum Einjährig Freiwilligen-

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Gymnasiasten daS Zeugnis erst dann, wenn fie das ganze Gymnasium bis zum Schluß absolviert haben. Zweierlei wird damit erreicht: DaS mühsame Er­reichen deS Zeugnisses seitens nicht sehr bcsähigter Schüler nimmt ein Ende und alle diejenigen jungen Leute, die sich nicht dem UniderfitätSstudium widmen

besuch verzichten. Der Besuch von lateinlosen Bürger­schulen sichert ihnen nicht nur schnellere Erreichung des Einjährig Freiwilligen-ZeugniffeS, sondern auch höhere Kenntnisse für daS praktische Leben.

Deutschland hat im Verhältnis zu der Zahl der Gymnasien zu wenig höhere Schulen für gewerb­liches und praktisches Leben. Daraus erklärt sich der starke Andrang zu den Lateinschulen, dadurch die Ueberfüllung in den wissenschaftlichen Berufen, die aus allen Seiten sich bemerkbar macht. Und was die Folge des Gelehrten-ProletariatS ist, daS sehen wir heute sehr deutlich: die Sozialdemokratie zählt sthr viele eifrige Agitatoren, die studierte Leute sind.

Verstimmung" eingetreten sei, sühre man dort »den vorzeitigen Abbruch der Manöver an, deren Fort- etzung offengelaflen war." Wir sind zu der Er- lärung ermächtigt, daß die thatsächlichen Voraus- etzungen, auf welchen der erwähnte Artikel beruht, jedes Grundes entbehren. Ueber das Ergebnis der Zusammenkunft Sr. Majestät deS Kaisers und König- mit Sr. Majestät dem Kaiser Alexander wird dem .Reuterfchen Bureau" auS St. Petersburg unterm 30. August gemeldet:Gegenüber mehreren Mit gliedern de- diplomatischen KorpS, welche er im Laufe dieser Woche empfing, drückte Herr v. Giers seine vollständige Befriedigung über die Entrevue in Peterhof auS. Dieselbe, bemerkte er, bilde eine neue und feierliche Bekräftigung der zwischen Rußland und Deutschland bestehenden guten Beziehungen und deren Wirkung werde sicherlich mächtig zur Aufrecht­haltung deS europäischen Friedens beitragen." Der Bau eines Dampfers für den Viktoria Nyanzasee wird, so schreibt derHannov. Cour"., von dem Reichskommiffar Wissmann sehr energisch betrieben. Major v. Wissmann hatte sich zunächst an sämtliche namhafte deutsche Werften mit der Anfrage gewandt, ob sie imstande seien, den zerlegbaren Dampfer innerhalb einer bestimmten Frist zu bauen, indessen überall verneinende Antworten erhalten, da die Wersten mit Aufträgen zu sehr überhäuft seien. Der Reichskommissar wird sich nunmehr genötigt sehen, den Dampser in England bauen zu lassen, da es dringend notwendig ist, ihn in möglichst kurzer Zeit ferttgzustellen. Bon feiten des Berliner Polizei Präsidiums wurde bezüglich der sozialdemokratischen Versammlungen, in welchen gefährlichere Sozialisten­führer reden, dem überwachenden Beamten die Verpflichtung ouferlegt, die Worte dieser Redner zu stenographiren und daS Stenogramm bis zum Schlüsse der Amtsstunden am nachfolgenden Tage elnzureichen. Diese Vorschrift erstreckt sich selbst auf wissen­schaftliche, unpolitischen Reden. Dem Polizeibe­amten ist ein Verzeichnis derjenigen Redner, deren Reden stenographirt werden müffen, einzuhändigen. Die Bildung eines Arbeitgeberbundes im Baugewerbe wird für ganz Deutschland ange­strebt. Zweck dieses Bundes soll sein, eine Kapital­macht zu schaffen, um den in den letzten Jahren überhand nehmenden Strecks einen Damm entgegen­zusetzen und zu verhindern, daß durch dieselben die Industrie und das Baugewerbe noch mehr geschädigt werden, als das bisher schon geschehen ist. Zum Sedantage hat dasMilitär-Wochenblatt" einen Ar­tikel veröffentlicht, dem wir folgende bedeutsame

Hingegen mangelt im gewerblichen und kaufmännischen Leben eS noch recht oft an wirklich zeitgemäßen Kenntnissen, eben die Folge des Mangels an ent- prechenden Schulen oder aber der geringeren Rechte, welche diese Schulen besaßen. Die neuen Bestim­mungen über das Einjährig-Freiwilligen-Wesen werden hierin eine Aenderung bewirken, und auf der neuen Grundlage muß dann weiter gebaut werden. Ein­gehende und nicht blos oberflächliche Kenntnisse sind zerade heute in der allgemein bewegten Zeit für den künftigen Gewerbetreibenden, Geschäftsmann und Handwerker nötiger als je, und diese Kenntnisse müssen auf dem Boden de» praktischen, modernen LebenS stehen. Darin waren wir gegen andere In­dustriestaaten noch zurück, und der ideale Schwung, welchen die Gymnasialbildung wohl verleiht, reicht im Sturm des Alltagsleben- für den, welcher mitten in demselben steht, nicht aus. Bor allem aber dürften die Neuerungen für viele Eltern den Anlaß bieten, nun nicht mehr, wie seither so oft, zu sagen: Mein Sohn muß studieren!" Es giebt auch andere Wege, auf denen ein tüchtiger Mann das Ansehen seiner Mitbürger erwerben kann und einen höheren Lohn für sein Streben giebt eS ja nicht. Unwill küilich gedenken wir dabei deS Wortes, daS dem alten Krupp in Essen in den Mund gelegt wird, als ihm die Erhebung in den Adelstand angeboten wurde:ES giebt viele Grafen und Freiherrn in Deutschland, aber nur einen einzigen Krupp!"

-re Neuordnung -es Liniahrig- FreiwiUigeuwelens,

die im Prinzip ja definitiv feststeht, wenn auch Einzelheiten noch näher erörtert werden, wird die gesamte Erziehung im deutsche» Reiche und

mit auch für das soziale Leben von gewaltigem Ein­fluß sein. Schon oft ist nachdrücklich betont, daß der Gymnafialbesuch wenig geeignet ist für solche junge Leute, die nicht die Universität besuchen wollen, sondern sich einem praktischen Berufe zuwenden müssen. Wer einmal Griechisch und Lateinisch geschmeckt hat, der ist besonders meist für den Handwerkerstand ver­loren, und doch ist es nur angemessen, daß auch Handwerker auf eine gute Schulbildung für ihre Söhne halten. Der Gymnasialbesuch war vor allem mu deS willen ein so reger, weil daS Einjährig- Freiwilligen-Zeugni- erstrebt wurde. Auch Schüler, die für ein Universitätsstudium keine Veranlagung hatten, quälten sich bis zur Prima durch und gingen

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Stellen entnehmen:Die beiden größten Paladine jener heroischen Zeit, Fürst BiSmarck und Graf Moltke, weilen noch unter uns, doch beide nicht mehr an den Stellen, von denen aus sie dereinst in un­vergeßlicher Weise machtvoll und siegreich Staats­kunst und Kriegskunst der Deutschen leiteten. Ein neues Geschlecht ist am Ruder. Aus der Kommando­brücke deS Reichsschiffes steht in jugendlicher Mann- sastigkeit, wachsam und unermüdlich des alten ersten Kaisers Enkel und sein ernster Blick fliegt übir die weiten Wasser, deren dunkle Tiefen und deren Klippen­küsten stets neue Gefahren bergen, und hastet dann an den hohen Sternen, die allein denalten Kur-" verbürgen können. Da- Fahrzeug, da- der Kaiser ührt, ist wohlgefügt; der Bau des Deutschen Reiche-, o kunstvoll, eigenartig, ja beispiellos, hat sich bisher >ewährt. . . . Und den gleichen Kurs mit ihm halten verbündete Staatsschiffe, von deren Masten die stolzen Flaggen Oesterreichs und Italiens wehen: eine ge- lanzerte Friedensflotte, wie die Welt sie nie gesehen! Doch auch das Meer, das zu durchkreuzen ist, erscheint furchtbarer als je. Unheimliche Mächte, die in seinem Schooße wohnen, wühlen es in düsteren Tiefen auf. ... Die wechselnden Feuer der Leucht­türme an den Küsten rechts und links erscheinen nicht zuverlässig, werden von dichten Nebelbanken ost ganz verhüllt. Da bleiben nur die ewigen Sterne, dieselben, unter denen wir bei Sedan fochten: Treues Zusammenwirken der deutschen Stämme! Besonnene Erwägung! Gotwertrauendes, toagemutiges Ergreifen der Gelegenheit! O mögen sie uns stets in Heller Hoheit deutlich strahlen und möge unser Blick nicht müde werden, fie zu suchen und ihrem stillen Winke zu folgen!"

Wie schwungvoll der Sklavenhandel in Afrika noch betrieben wird, etgtebt sich aus einer jüngst au- Anlaß der Brüsseler Aniisklaverei - Kon­ferenz gemachten Zusammenstellung der wichtigsten und zuverlässigsten, auf den Sklavenhandel bezüg­lichen Mitteilungen, über welche dasDeutsche Kolo­nialblatt" ausführlicher berichtet. Danach giebt e- in Afrika drei Hauptgebiete des Sklavenhandel-: der östliche Sudan, der westliche Sudan und Zentral­afrika nebst den Bassins der großen ©een. Wir er­sehen daraus, daß Afrika jährlich etwa 80 000 Sklaven liefert, daß aber durch den Fang und Transport mindestens 400 000 Menschen zu Grunde gehen. Die Sklavenjagden werden im Westen aus­schließlich durch eingeborene Häuptlinge betrieben und die Sklaven teil- zum Ackerbau, teils zu Schlachtopfern bei religiösen Feierlichkeiten verwendet. Im Osten

Deutsches -eich.

Berlin, 3. Sept. DerReichsanzeiger" bringt in seinem nichtamtlichen Teile folgende Erklärung: TerHamburg. Korresp." stellt in einemzu der Kaiserbegegnung" überschriebenen Artikel Be­trachtungen an, welche darin gipfeln, daßdie Be­gegnung des Kaisers Wilhelm mit dem Zaren den an sie geknüpften Erwartungen nicht ganz entsprochen habe". Dies wird unter Anderem daraus gefolgert, daß man in St. Petersburg ein Entgegenkommen deS Deutschen Kaiser- voraussetzte, von dem ver­nünftiger Weise keine Rede sein konnte", daß der Abschied der beiden Monarchensehr verschieden von dem Empfange gewesen",die anfängliche Herzlichkeit seit dem letzten oder vorletzten Manöver­tage einem kühleren Verhältnisse gewichen sei" und man in St. Petersberg annehme,Kaiser Wilhelm habe verschiedene Vorschläge zur Lösung der schwebenden politischen Fragen, speziell der bulgarischen gemacht, die den Wünschen deS Zaren keineswegs entsprachen"; als Beweis dafür,daß eine gewisse

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte-,

Kurie die Amwneen-Bnreaux von Haasenstein und Bögler , Frankfurt a. M., Lasset, Magdeburg u. Wien ; Rudolf XXV. Habraaua.

Masse in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: <3.2-

Daube u. Lo. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari-.

Arscheint täglich «her an Werktagen nach Sonn- und (II) a

Feiertagen. - Quartal-AbonnementS-Preis bei der Lxpe» dition 2*/i Mk-. bei den Bokämtern 2 DU 60 Ma. (erfL ___

Bestellgeld). JuferttonSgebühr für die gespaltene S Freitag, 5. September 1890,

10 Pfg., Reklamen für die geile 26 Pfg. u r

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(Nachdruck verboten.)

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Novelle von I. Berglen.

(Fortsetzung.)

Vier Wochen nach Leonores Snknnst in Günthers­dorf faß in dem westlichen Zimmer des alten Herren­hauses neben dem großen Kamin, in welchem der kühlen Temperatur wegen heute ein helles Feuer kannte, Fräulein Margarete von Gäuther in einem kleinen Lehnsessel. Sie war nicht viel über zwanzig, sah aber sehr ernst und gesetzt auS. Sie trug ein Kleid aus dunkler Seide und eine Schürze von feinem weißen Musselin mit einer gestickten Kaute. Die schmalen weißen Hände bedeckten schwarzseidene, Halde, Handschuhe und waren mit einigen Ringen von großem Werte geschmückt. DaS blonde, reiche Haar war von der Stirn leicht nach hinten gekämmt und dort in einen griechischen Knoten geknüpft. Mit hellem Strahl siel der Schein deS KamiusenerS auf die schlanke jugendliche Gestalt und auf die feinen blaffen Züge des edel gefchutttenen Gesichts. Magarete hielt den Kopf über eine Stickerei gebeugt. ES war eine müh­selige Arbest und fie quälle stch schon vier oder fünf Wochen damit, aber bte Mama wünschte diesen Teppich sür ihr Zimmer und die Tochter hatte zu gehorchen.

DaS Zimmer war ein großer stattlicher Raum »st getäfelten Wänden und schweren Ledertapeten. Der Fußboden war parquetirt und mit kostbaren Teppichen ausgelegt. Möbel aus geschnitztem Eichen, holz standen rings herum, die SophaS und Fauteuils waren mit weichem violettem Sammt überzogen. Die dreibresten Bogenfenster umgaben seidene Gardinen MUb rechts an der einen Wand prangte ein großer Flügel mit glänzend polirten Füßen und Verzierungen ans Elfenbein. Auf einem kleinen gestickten Tabomet saß vor einem kunstreich geschnitzten Dameuschreibttsch ein hübsche? junges Mädchen so still und ruhig, daß »an kaum ihre Anwesenheit bemerkte. Es war noch sehr jung, kaum sechzehnjährig und die kindlich zart

und unentwickelt, aber das rostge Gesicht mit den sonnigen braunen Augen und dem dnnkelbloudeu Haargelock nm die weiße Stirn war von lieblicher Schönheit und drückte Sorglosigkeit und MutwAen auS. Das junge Mädchen faß in zwangloser Haltung, beide Arme nm die Knie geschlungen, bewegungslos da und blickte Leonore aufmerksam au, welche neben ihr stand und mit bewundernden Augen den Inhalt eines eleganten Schmuckkästchens betrachtete, welcher sich vor ihr auf dem Tische befand.

.Also Margaret will die Juwelen nicht tragen, was nützen ihr denn alle diese schönen Sachen", sagte endlich Leonore mit ganz leiser Stimme, nachdem fie eine Zett lang den kostbaren Schmuck gemustert hatte und das erste Feuer der Bewunderung vorüber war.

,3a, wenn fie noch die schönen Offizierbälle in K. besuchen könnte", erwiderte die Kleine ebenso leise,oder wenn Lothar wenigstens nach der Hoch­zeit ein paar Monate nach Berlin mit ihr ginge, bann verlohnte es sich doch wenigstens der Mühe, stch damit zu schmücken. Aber hier auf dem Lande, wo eS gar keine Gesellschaften und keine wirklichen nabeln Leute giebt, wäre eS geradezu lächerlich. Man kann doch auch nicht verlangen, daß vornehme Damen im Hause Juwelen trugen, wo Niemand fie sehen kann und vollend- vor diesen dicken Landjunkeru."

Aber der Schmuck ist wirklich schön, Lilli! besonders dies Armband mtt dem großen Saphir iumttten kleiner Brillanten. Ob wohl viele Damen der Umgegend so prachtvolle Juwelen haben.

.DaS will ich gerade nicht behaupten, obgleich es hier auch einige reiche Edelleute giebt", erwiderte Lilli etwas geringschätzig.

.Jedenfalls wüßten die wenigstens, was fie da- mit anfangen sollten. Die meisten Damen stammen uns kleinen adligen oder gar bürgerlichen Häusern. Dagegen unsre Vorfahren, besonders von Seiten Mamas, die waren dou Kopf bis zu den Füßen be­deckt mit Perlen, Rubinen und andere Juwelen. Sie hatten Diamanten, so groß, wie meine beiden Fäuste."

Und Lilli hob ihre beiden gebullten Händchen in die Höh« und hielt fie Leonore gerade vor das Gesicht.

.Lilli, Du übertreibst wieder einmal", hörte man jetzt Margaretes sauste Sttmme sagen. .Glaube ihr nicht, Lorchen I"

,O ja, eS war alles so, Mama hat es mir erzähll und Mama spricht niemals die Unwahrheit.--

Und in vier Wochen ist Hochzett, bann bekomme ich auch einen Brilluutriug nnb ein neues blanfeibeneS Kleid nnb darf neben Dir nub Lothar zum Altar gehen. Denn Du weißt boch, Lore, Baron Hagen wirb mein Schwager, wenn er meine Schwester Margaret heiratet."

.Still, Lilli, Du mußt nicht so laut sprechen", sagte Leonore, einen Blick auf ihre Freundin werfend, welche ihre Arbett achtlos auf den Boden finken ließ und den Kopf wie müde an dir Lehne ihres Sessels znrücklegte.

.Warum soll ich nicht laut sprechen? Mama sagt dies niemals zu mir. Ich würde eS mir auch von Niemand verbieten lassen, höchstens von Dir, Lore, denn Dich habe ich gern, weil Du so hübsch bist."

.Darum schweige jetzt, ich bitte Dich!"

.Aber von Margaret» Hochzeit zu sprechen» ist reizend. TS kommen dann viele vornehme Leute her, der höchste Adel PommeruS wird eingelaben wenigstens zwei Dutzend GardelentuuntS aus Berlin und Potsdam. O, eS wird ganz entzückend sein. Aber auch Du mußt kommen, mon ange- Mama sagte zwar, eS ginge nicht, denn Du wärest keine vornehme Dame nnb paßtest gar nicht in solche Ge- sellschaft, aber Margarete weinte, lamentierte und jagte: sie hätte Dich doch am liebsten."

.Ich möchte trotzdem nicht kommen", erwiderte Leonore und zog die Stirn Iran». .Du wirst es thnu, Du wirst es thnn, Lorchen I" sagte Lilli, hastig aufspringend und dem vor ihr stehenden Mädchen stürmisch nm den Hals fallend. .Mama hat ja längst ihre Bedenken fallen lassen. Ich hätte sonst auch meinen Willen geltend gemacht, denn ich bin

schon ein erwachsenes Mädchen und werde selbst in kurzer Zett heiraten."

Leonore brach jetzt in ein fröhliches Lachen auS und schob das verzogene Kind zur Sette.

Versprich mtt, daß Du kommen wirst, süße Sore, hörst Du, eS wird eine himmlische Hochzeit werden. Mon dient ich sehe Margaret weinen! Warn« weint fie denn?"

.Lilli, thne mir den Gefallen und sprich leiser!" bat Leonore.

.Ich kann sprechen wie ich will", ttotzte die Kleine.

«Nein, Du sollst nicht alles thnn, was Dir ge­fällt, Da sollst nichts sagen, was Margarete Kammer macht I" tief jetzt ärgerlich Leonore und packte daS verwöhnte Kind mit ihren weichen Händchen.

.Warn« nicht?" fragte Lilli, indem fie sich tüchttg gegen die ihr ungethuue Gewalt wehrte.

»Weil ichS nicht leiden will!" rief Lore aus.

Die Kleine blickte fie erstaunt an, aber diese be­antwortete ihren Blick mit einem anderen, der fie sofort zum Schweigen brachte. Noch niemals war ihr so fest entgegengetreten worben nnb ihren tausend­fachen Launen Einhalt geboten. Sie senkte beschämt die Augen und eine Art von ehrfürchtiger Be­wunderung stieg plötzlich für Leonore in ihr auf, fie glaubte noch niemals einen solchen Verein glänzender Eigenschaften nnb hervorragender Schönheit gesehen zu haben, als sich jetzt in der Person dieses einfachen Mädchens ihren Blicken barbot.

Warum weinte Margarete aber bort so bitterlich am Kamin? Die arme Margaret. Ihr ganzes Leben lang hatte fie sich baran gewöhnt, ber stolzen Mutter zu gehorchen nnb ihre Pflicht zu thnn. Sie hatte gelernt was schicklich ist, sie war zu geräuschlosem Anstand und vornehmen Manieren erzogen worden. Sie hatte alles gethan, nm ihren Geist zu bilden nnb still nnb ergeben manche Stunde des Tages an diesen langweiligen Stickereien gearbeitet, bie die Mama so liebte. Aber trotz alledem hatten Sttckeu, Vorurteile nnb Erziehung ber fünften Wärme ihres