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Wöchenüiche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.

Illustriertes Sonntagsblatt.

Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

JK 205

Erscheint täglich ex|a o Werktage» »ach Soun» und Feiertage». Ouartal-SbmmementS-PreiS bei der Lrpe- dition S'/, «L, bn den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JusertiouSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeil« 25 Pfg.

Marburg,

Dienstag. 2. September 1890.

Lozeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, aertt die Annoncen-Bureaux von Haafenstein und Bögler ___

Frankfurt <u M., Saffet, Magdeburg tu Wien: Rudolf XXV. Hahraaua. wtoffe i«Frankfurt a.R.,Berlin,München u.Mu: G.L M n »

Daube n. So. in Frankfurt e. SR., Berlin, Hannover, Paris.

Bestellungen für den Monat September auf die

OtmhcUchc Zeitung

mit ihren Beiblättern

Areisblair

und

So««tag-blatt »erden von allen Postanstattea und den Land- bnefträgern angenommen.

Die Exped. der Oberh. Zettg.

Zur Seduufeier.

Als im Jahre 1871 die Feier des zweiten September als Naliovalfesttag angeregt wurde, er­heben sich von verschiedenen Seiten Bedenke». Diese Bedenken stammten einerseits von jenen Politikern, welche nach dem Grundsätze handeln, daß Zufrieden­heit ein Laster sei, und die daher.die Deutschen um keinen Preis dazu gelangen lassen wollen, sich der Macht und Größe ihres Vaterlandes zu erfreuen; andererseits aber meinten einzelne Friedensphantasten, e- sei überhaupt nicht gut, ein SiegeSfrst feiern; dadurch reize man nur den empfindlichen Nachbar. Nun sind seit dem denkwürdigen Tage von Sedan, an welchem Feldherrn Kunst, Tapferkeit ur d Kriegs­glück die letzte Armee des Kaiserlichen Frankreich kampfunfähig machte und den Imperator selbst den Händen der deutschen Sieger überlieferte, zwanzig Jahre vergangen, und mit jedem Jahre gewann die Sedanfeier größere Ausdehnung. So ist der Cedan- tag thatsächlich ein deutsches Nationalfest geworden, das in jeder Stadt, in jedem Flecken des deutschen Vaterlandes von Alt und Jung mit Freude und Stolz gefeiert wird.

Zwanzig Jahre! Ein kurzer Zeitraum im Leben eines Volkes; und doch, welche Fülle ernster Be grbenheiten drängte sich in diese Zeit zusammen. Die beiden ersten deutschen Kaiser, Wilhelm, der Hersteller der Einheit Deutschlands, und Friedrich, der Sieger von Wörth, sind von uns geschieden; der erste Kanzler des Reiches, der eiserne .Ban­nerträger" Fürst Bismarck, ist auS seinem Amte in den wohlverdienten Ruhestand getreten. Jede dieser Begebenheiten an sich war dazu angethan, Empfin­dungen der Sorge wachzurufen; jede dieser That- sachen hätte geeignet erscheinen können, in ganz

Europa Unruhe und Wirren entstehen zu lasten, und doch ist jedeSmal nach begreiflicher zeitweiser Erregung der öffenüichen Meinung eine Beruhigung eingetietrn, die ihren Grund ebenso in der Erkennt nie, daß dos deutsche Reich so fist gefügt ist, daß es auch Stürmen trotzen kann, wie in dem stetig wachsenden Vertrauen Europas zu der Friedensliebe Deutschlands hatte.

Und in der Thai, die noch vor wenigen Jahren vielfach bezweifelte Friedensliebe unseres thaikrästigen Kaisers wird jetzt von keiner Seite mehr in Frage gestellt. Im In- und Auslande weiß man, daß ei unsere- Kaiser» Ehrgeiz ist, der Welt den Frieden zu erhalten, daß er weder Arbeit noch Anstrengungen scheut, um dieses schöne Ziel zu erreichen. Tie Welt weiß ferner, daß der Treibund nur diesem Ziele dient und daß für alle die, welche friedliche Gesin­nung hegen, die Allianz derFriedensmächte" der Krystollisationspunkt ist, an welchen sie sich folge­richtig anschließen wüsten, der niemandem Anlaß zum Mißtrauen und zu Befüichtungen giebt. So haben wir in dem Laufe der zwanzig Jahre Fortschritte gewacht, die nicht hoch genug angeschlagen werden können.

Rüstet ab! Setzt Schiedsgerichte ein! So rufen ideale Träumer oder unüberlegte Besterwister. Wenn ober die Forderung auch nur eingehender auf einem Kongreß von Friedensfreunden erörtert wird, dann springen sofort die Punkte hervor, die solche wohl­gemeinten oder auch mit demokratischen Hinterge­danken verbundenen Betreibung! n ton Privatpoli­tikern als müßige Tändelei erscheinen lassen und sie selbst in ein lächerlicher L cht rücken. Die französischen Tei'nehwer erklärten, daß Frankreich selbstverständlich zunächst Elsaß-Lothringen wieder haben müffe; dann wolle eS allenfalls Frieden halten, auch wohl mit Deutschlcnd ein Bündnis schließen; und solcheselbst­verständlichen Voraussetzungen" Frankreichs und an­derer Mächte sind dabei erst die gröbsten Schwierig­keiten, die dem so betriebenen Friedenswerk entgegen- stehen. Darum, wollen wir den Frieden erhalten, so müssen wir feit ft stark genug sein, denjenigen, der als Friedensstörer aufzutieten Neigung hat, so- sort niederdrücken zu können. Darum, wollen wir unS den Friedln erhalten, wüsten wir nicht abrüsten, sondern unsere Rüstung vervollkommnen. Tas ist auch eine Lehre, welche gerade am Sedantage dem Volke alljährlich ins Gedächtnis zurückgerufen werden muß. Fünfzig Jahre, sagte Graf Moltke, werden wir Elsaß-Lothringen verteidigen müssen, bevor wir uns des sicheren Eigentums der Reichslande erfreuen

jNachdruck verboten.)

Erste Liebe.

Novelle von I. Bergien.

Der fremtdltche Flecken GumherSdorf streckt seine lange Reihe von freundlichen Häusern mit roten Dächern und grünen Fensterläden dicht am Rande der.Ostsee hin. Eine Anzahl kleiner Flschrruacheu «egt aus dem Hellen, klaren Master vor Anker. FlachShaarige, blauäugige, von der Seeluft gebräunte Kinder spielen im weißen Ufersaude umher, während Frauen und Mädchen Netze strickend vor den HauS- thüren fitzen oder das Feld besorgen, während die Männer draußen aus dem Meere den gefahrvollen Kampf n»8 Dasein mit dem tückischen Elemente kämpfen. ES ist nur ein karger Lohn, den die Leute ernten, aber auch mit dem Wenige» wisse» fie sich das Lebe» auSzuschmücke», so gut eS gehe» will. Die Heimat dieses Schiffervölkchens ist auch ein k.eiueS Paradies. Wenn die Sonne vom blauen Himmel her abstrahlt und das Meer berührt, da»» sprühen goldene Funken aus den sauftbewegteu Welle» und »te Brandung leuchtet hn milchweißen Schaum west « die Ferne hinaus uud am Abend, wenn der Vollmond mit müdem Schein darüber schwebt dann ist es hier so schön, so schön, wie nirgend andersvo.

Dicht hinter dem Dorfe und der niedrigen Düne «hebt sich ein bewaldeter Höheuzug, auf deffeu höchster Kuppe sich dar Herreuhau» von Günthersdorf be­findet, ein alte» Gebäude i« Renaissancestil, mit witzem Giebeldach uud verschnörkellen Erkern nnd böllern. ES war dar Lefitzthn» einer jetzt Der- «rüste», aber ehemals reichen nnb feudalen Adels. lUttilie. Seitwärts anf einem kahlen, steilen Hügel Agt der mir rin Käfig geformte Lenchttnrm in die «st empor, in welchem alle Nacht ein Helles, grell «whteadeS Licht angrgündet wird, das seinen glüh«, a Schein über die dtznkle See ergießt.

Sa», am Ende de» Orte» la» eine Wiese von Anstich er AnSdehrmug. Sir war «st fafttga»

grünem Grase bewachsen nnb begrenzte btn schattigen Bucheuwalb, bei sich hier an den Hügel» hinaufzog. Vor» am Raube der Wiese befanb sich inmitten eines kleine» wohlg> pflegte» Gärtchens ein niedriges, aber freundliches Häuschen. Rings herum sauge» in de» Zweigen der blühenden Obstbänme vom frühe» Marge» bis späte» Abend unzählige Vöglein ihr lieblich! s Lied, der Flieder duftete uud blaue Vergißmeinnicht, Tausendschönchen und Goldlack lugten ans saubere» Gartenbeete» hervor. Die ganze Umgebung de» Häuschens xlSnzte in den herrlichsten Farbentöuev, während die dunkle» Lautmofle» des Wald-S einen prächtige» Hintergrund bildeten. Uud dabei war ein himmlischer Frieden überall arsgebreitet ei» Friede» nnb eine Ruhe in der stillen Landschaft, alS feierte die Natur den köstlichsten Sabbat.

Das kleine einfache Gebäude mische» den blühen­de« Bäume» war das Förster-Wsttweuheim, welch s die hier seit einer Reihe von Jahre» wohnende Fran Förster Sllwitz nach dem Tode ihre» Satte» mit dem fich weiter vbe» im Dorfe b> findlicht» stattliche» Fsrst- tzanse vertauscht hatte. Die Fenster waren heute weit gl öffnet, damit die weiche, warme FrühlingSlust hineinströmen nnb man auch recht beutlich be» melobische» Slavg der Glocke» höre» konnte, welche vom nahe» Sirchtnrm das fröhliche Pfingstfest ein­läutete». Den» e» war um die liebliche Zeit, vo der wonnige Lenz mit feine» Hofstaat eivzieht nnb bem unwirtlichen Winter be» Garaus macht. Die Morgensonne warf ihre Strahlen über bie blaukge- scheuerten Dielen der kleine», steundlichen Wohn- stube, welche mit ben grüne» Maien,weige» über Spiegel und Kommode ar» den blendend weißen Feustervorhäugen ein sehr festlicher Aussehen hatte. Die altmodischen birk«e» Möbel glänzten vor Sauber- kett, aus ben geblümten lieberzüg« be» kopha» nnb der Stühle lag kein Etänbch«, ebensowenig anf der herabgelaffenen Klapp« de» alten warmstichige» Sekretär». Alle» Gerät im Zimmer war gar einfach nnb »»scheinbar. Muscheln an» ftemb«, fernen Welt.

dürfen. Nun sind erst zwanzig Jahre vergangen, und wie oft waren wir genötigt, unseren festen Ent­schluß, unS das Gewonnene nicht wieder entreißen zu lasten, auszusprechen und durch Maßnahmen der Grgenrüstung zu bethätigen.

Wie oft hat nicht allein unser Kaiser die lauern­den Hoffnungen in dieser Richtung, die fich immer wieder ans Tageslicht wagten und nach allerhand Stützpunkten suchte», mit festen Worten zurückweisey. müssen. Hätten diese ernsten Erklärungen wohl allenthalben den bedeutenden Eindruck, den fie that- -iächlich hervorriefen, gemacht, wenn nicht unsere Widersacher die Ueberzeugung gehabt hätten, daß das deutsche Heer stark genug ist, dem Willen und Wort unseres Kaisers, hinter dem bar ganze deutsche Volk steht, jederzeit den nötigen Nachdruck zu geben?

Ncch ist der Zeitpunkt fern, wo Frankreich sich in den unabänderlichen Verlust der unS ehemals ge­raubten deutschen Provinzen fügt, noch ist in der französischen Republik daS Sinnen und Trachten weiter einflußreicher Kreise fast ausschließlich daraus gerichtet, .Revanche für Sedan" zu nehmen. Sicher­lich aber wäre, auch wenn wir in übergroßem Zart­gefühl von einer Frier deS 2. September Abstand genommen hätten, die Gtsinnung bei unserem west­lichen Nachbar uni gegenüber eine wohlwollende nicht geworden. Man würde es dort lediglich als Schwäche aufgelegt haben, wenn wir auf die nach­barliche Reizbarkeit übertriebene Rücksicht genommen hätten.

Es liegt un» aber auch fern, die Sedanfeier in ruhmrediger Ueber Hebung über den damals über­wundenen Feind begehen zu wollen; wir begehen ebenso wenig da- Fest in der Art, wie sie gerade die nationale Erziehung in Frankreich zu pflegen be­müht ist: mit chauvinistischen Phrasen zur Erregung der KriegSlust. UnS ist der zweite September ein Nationalfeiertag, der uns daran erinnert, daß mit jenem Tage das Träumen und Sehnen von Mil­lionen von Deutschen endlich Erfüllung gefunden und wieder ein einiges Deutschland zusammengeschweißt ist, daß Deutschland endlich stark genug und unab­hängig vom bösen Nachbar, endlich in die langer­sehnte Lage gekommen ist, sein Schicksal selber zu bestimmen. Deshalb ist der Sedantag uns ein Tag der Freude an dem Erreichten, ein Tag der Dank- larkcit gegen die Helden und Staatsmänner, welche das Deutsche Reich auf die Höhe gebracht, und der Dankbarkeit gegen unseren Kaiser und seine Ratgeber, welche unser Vaterland auf der erklommenen Höhe erhalten und es weiter stärken und kräftigen zudem

einzigen Ziele: Im Innern Einheit, nach außen Macht und Ansehen!

WeMsckes Reich.

Berlin, 31. August. Die am 25. d. M. vor­gekommenen Ausschreitungen gelegentlich einer sozialdemokratischen Versammlung im Friedrichshain haben, da sich in Berlin zur Zeit, wegen der Herbst, manöver deS Gardekorps, nur schwache Wach- kommandoS befinden, Anlaß gegeben, eine Infanterie- Brigade 3. Armeekorps, welche ihre Hebungen in der Nähe abhielt, zur Aushilfe im Garnisondienst vorübergehend nach Berlin zu ziehen. Die national­liberaleMünch. Allg. Zig." setzt ihre Polemik gegen Kaiser und Kanzler fort. In ihrer gestrigen Nummer bringt sie einen neuen Artikel gegen die Reichspolitik. Sie hält sich verpflichtet, in Treue gegen Kaiser und Reich da zu warnen, wo die Wege der Regierung ernste Bedenken ein­flößen. Eine scharfe Sprache sei wegen der allge­meinen Feiertagsstimmung der deutschen Presse nötig. Das Blatt will in ganz Süddeutschland die leb­hafteste Zustimmung gefunden haben. Es agitire nicht für die Rückberusung Bismarcks, wünsche jedoch die Erhaltung seine» Rates in der auswärtigen Politik, weil General v. Caprivi nicht genügende Erfahrung besitze. Bekanntlich ist vor Inangriff­nahme der geplanten Reform des höher« Schulwesens eine Untersuchung angeordnet und schon im vergangenen Frühjahr eingeleitet worden. Die Erhebungen sollen wie dieCöln. Ztg." erfährt, dem Abschluffe nahe fein und zu sehr interessanten Ergebnissen geführt haben. Die Befürworter und Gegner der ausschließlichen Vorbildung durch das humanistische Gymnasium halten sich, soviel bis jetzt bekannt wird, die Wage, doch machen sich, wie bereits gemeldet, starke Einflüsse für erweiterte Befugniffe der Realschulbildung geltend. AuS Petersburg gingen derNational-Zeitung", wie sie bemerkt, von wohlunterrichteter Seite nachstehende Mitteilungen zu: .Das Ergebnis der Zusammenkunft des Deutschen Kaisers mit dem Zaren ist in« sofern ein erfreuliches, als die Sache des Friedens durch die Befestigung der herzlichen persönlichen Be­ziehungen zwischen den beiden Monarchen eine weitere Förderung erfahren hat. Da die Reise des Kaiser- Wilhelm vom Anfänge an keinen politischen Zweck im Sinne irgend einer Abmachung hatte, lai.n auch von bestimmten politischen Ergebniffen nicht die Rede sein, so daß die WienerPolitische Korrespon« Bbenj" mit den von Ihnen sogleich treffend charakteri-

teilen und andere bunte Kleinigkeiten, die der See. man» gern in der Fremde sammelt, lagen schön ge. ordnet auf dem kleine» Kaminsims. Ein feines Damastgewebe war über dem rnnden Tisch vor dem Sopha-anSgebreitet und darauf prangte eine hübsche Majolicsschale mit Flieder nnd Pfingstrosen. I» der mit Ephen umzogenen Nische am Fenster saß eine alte Frau im bequemen Lehnsessel und blätterte in der alten Familienbibel, welche fie vor fich anf den Knie« liegen hatte. Doch schien fie zerstreut und nicht bei der Sache zn sein ihre Gedanken wanderten offenbar in der Ferne. Zuweilen blickte fie ungeduldig nach der alten Pendule und schien fich z» wundern, daß der kleine stählerne Zeiger heute so scheinbar langsam vonückte.

Mit laugnachhallendem Ton war daS feierliche Glock-ugeläut verstummt. Man hörte bie Orgel nnb den Gesana ber Andächtige» aus bet Kirche herüber, schalle». Nun schlug bie Uhr halb zehn. Die alte Fto» fuhr plötzlich zusammen nnb wandte ihr Gesicht dem Hintergründe deS Zimmer» zu, wo an einem Tischchen ein junges Mädchen saß und Spargel schälte.Kathrin!' sagte fie,eS ist jetzt Zeit, laß Deine Arbeit ruhe», Du mußt ins Dorf hinunter. Um zehn Uhr kommt der Postwagen nnb mit ihm ba» Fräulein. Spute Dich ein BiSchen, bamit Du zur rechten Zett dort bist. Vergiß auch nicht, gleich bei der Boteu.Marie vorzugehen nnb auznfrag«, ob fie vielleicht einen Brief Dom jungen Herrn aus StriiSwalb mitgebracht hat.'

Die Dir»« erhob fich gehorsam, »ahm ihren Korb mtt Gemüse nnb verließ leise ba» Zimmer. Such bie Matrone stand jetzt von ihrem Platze anf. Sie legte die Bibel sorgfältig in ein Fach de» Sekretär» nnd begann langsam im Zimmer anf nnd ob zn wandern. Znweile» vnterbrach fie fich, indem fie hier »och ei» Etänbch« vo» einem Möbel abwischte, ober dort mit ber Hand et» kaum sichtbare» Fältchen an» bem Tischtnche strich. Zuletzt tret fie wieder e» ba» Fenster, sm mit sehnsüchtig« Ang« tt, bie

Ferne zu blick«. Sie war eine kleine, behäbige Dame mtt guten, gemütvollen Zügen nnb sausten branneu Augen. Da» schlichte Haar war so weiß wie das einfache Tüllhäubchen, welches dasselbe be­deckte. Alter ober Kränklichkeit schienen bie Matrone schon hinfällig gemacht zn habe», ben» ihr Gang hatte etwas Schwerfälliges, nnb zuweilen hinkte sie sogar, beim ein böser Rheumatismus in den Füßen plagte fie mitunter ganz empfindlich.

Das Herz der alten Fran schien sich mit Unruh« avznfülle», als die Uhr zehn schlug, als der Zeiger immer weiter vorrückte. Sie wauderte immer von Neuem Dom Fenster zur Thür nnb wiederholte dies« Promenade in umgekehrter Weise. Daun blieb fie wieder steh« nnd horcht« iuS Frei« hinaus.Mein Gott, mein Gott', sagte fie vor fich hi»,wo nur das Kind bleibt. ES wird ihr doch auf der weiten Reise nichts Schlimmes zngestoßen fein? Sie müßte längst hier fein. Freilich, freilich, zum Pfingstfest nimmt der alte Postwagen immer mehr Reifende ans, als er bergen kann nnd da kann es wohl eine» Aufenthalt gegeben habe». WA doch noch einmal in der Küche »achsiheu, ob Kathrin auch die Shokolade recht heiß gestellt hat, denn die Lore wird gewiß ganz Der« schmachtet fein Dom langen Fahr« nnd müde nnd zerschlagen auch.'

Sie hnmpelte in die Küche. Dort war alle» tu schönster Ordnvng, da» würzige Gttränk dampfte au heißer Stelle. Kathrin hatte ihre Schuldigkeit gethau. Aber da» Auge der alten Fran entdeckte koch einige Unregelmäßigkeiten. Sie wirtschaftete in dem kleinen Räume umher, hier etwas ordnend, dort zmecht stellend. 6» war stets fo ihre Art. Eben trat fie noch einmal an d« Herd, am mtt festem Rack d«a Feverhakea ts bie glühend« Kohl« zu stoß«, daß die Funk« laut knisternd aaffprüht«, da wmd« die Thür von a»ß« hastig anfgeriffa, zwei weiche Mädchen arme nmfaßtta fie plötzlich nab eile jaachzeade Stimme rief ttl vor Freude bebenb« Santa:Da bi» ich wieder, Tantchen Sophie, meta