Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain.
Illustriertes Sonntagsblatt.
Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
M 191.
Erscheint täglich «her an Werktagen »ach Sonn- und Feiertage». — Quartal-Abonnements-Preis bei der Expedition 2*/« Mk , bet den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnstrtionSgebühr für die gefpattene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
Marburg,
Sonnabend, 16. August 1890.
»»zeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blatte», Elvie die Annoncen-Bureaux von Haafenstein und Bogle«
Frankfurt a. M., 6^Tel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV. Jahrgang, anoste tu ArantfUrt a. M-, iveritn, München u. Köln • ®. g. v • ** ■
Laube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Pari».
Die Sostaldemokratie «ach -em L. Oktober.
Gegenüber den Bestrebungen der Sozialdemokratie war in letzter Zeit in einem gewissen Kreise von Politikern von Fach sowohl, a'3 auch in einem großen Teile der deutschen Presse eine Vertrauensseligkeit aufgekommen, welche jeden, der die Bor ginge von 1878 mit erlebt hat, in Erstaunen versetzen mußte. Bei den Deutschsreisinnigen konnte dies nicht weiter Wunder nehmen. Sie wie ihre Vorfahren haben die revolutionären Bestrebungen niemals als solche früher erkannt, als dis dieselben ihnen selbst unbequem wurden, dann riefen sie um so lauter nach der Polizei. Auffallen aber mußte ein solches Verhalten doch in anderen Palteien, denen man zumuten kann, daß sie genauer über die letzten Ziele der Sozialrevolutionäre unterrichtet sind. Hier erklärt sich das vertrauensselige Benehmen zum größten Teile auS dem Umstande, daß in den letzten Wochen im sozialdemokratischen Lager persönliche Zänkereien zum Ausbruch gekommen waren und daß man diese als Anzeichen eines Verfalls der Partei deuten zu können glaubte. Wir haben diese Ver- »mtung schon vor einiger Zeit als völlig unbegründet bezeichnet und allmählich sprechen doch auch die That- sachen Ur unsere Ansicht. Schon der Umstand, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion dem Parteitage in Halle einen OrganisationSentwarf vorzuschlagen wagt, nach welchem sie späterhin in der Partei die Oberaufsicht, die Zensur ausüben wird, muß jedem, der sehen will, klar machen, daß die Herren Bebel und Liebknecht auch ferner nicht nur daS Ruder in der Hand behalten, sondern auch di« Partei zusammenhalten werden. Die Vertrauensseligkeit durch eine Hoffnung auf einen Zerfall der Partei nach dem 1. Oktober begründen zu wolle», ist demnach ausgeschlossen.
Nun ist «8 allerdings wahr, daß daS Sozialistengesetz in feinem zwölfjährigen Bestehen die sozialdemokratischen Hetzer zur äußersten Vorsicht erzogen hatte. Die Aeußerungen, welche von ihnen in die Oeffenllichkeit kamen, konnten allerdings den Anschein erwecken, als ob man es in der Sozialdemokratie mit einer zwar extreme», aber den Frieden liebenden Partei zu thun hätte, ja die parlamentarischen Parteiführer suchten durch gelegentliche Bemerkungen von der Tribüne des Reichstages diesem Glauben Vorschub zu leisten. Je mehr wir uns aber dem Tage der Außerkraftsetzung des Sozialistengesetzes
Lrerrer Liebe Loh«.
Roma» von U. Rosen. (Fortsetzung.)
„Ach nein, ich glaube nicht, daß er tot ist", seufzte Gtralda. „Er allein ist es, der ein schweres unrecht wieder gnt machen kann, und die Vorsehung wuß ihn za diesem Zweck aufbewahrt und verschont haben. Er ist es, dessen man bedarf, nm Ormond zu einen Geständnis zu bewegen."
Grete sah verwandelt auf ihre» Gast.
„Frau Pump wird Ihnen wohl gesagt haben, daß ich Gottfried Trevors Tochter bin", fuhr Giralda ttfrig fort, „und daß mein Vater noch lebt. Georg Negnu besitzt den Schlüssel vou jener rätselhaften Angelegenheit, welche so viel Uoglück über schnldlose Häupter brachte."
„Ja, daS dachte ich auch zuweilen", murmelte Grete erbleichend. „Seine Flucht und sein Schweigen deuten daraus hin, daß seine Haud bei der duuklen Geschichte im Spiele war."
„Lord Ormond beuvtzte ihn al» Werkzeug, und deu Herrn, nicht den Diener trifft die Schuld, wenn ich Negnu nur sehen könnte. Meine Bttteu wurden ihu sicher erweichen, und ihn dazu bewegen, »einem Vater zu seinem Rechte zu verhelfen. Lieben Eie Negnu noch, Margarete?"
Giralda sprach so sauft und mit so warmer Sympathie zu der meuscheuscheueu Schäferin, daß sie ihre Znrückhaltung völlig besiegte.
„Ja, guädigeS Fräulein, ich liebe ihu uoch", sagte gerührt. „Ich liebte niemals eine» «ubrreu, »erde niemals eine» Aadere» lieben, v»d wenn er «bt, so weiß ich, daß er mich a»ch »och liebt, wie vordem.«
„So wird ihn da» Audeukeu an Ihre tteue Lieb« {ob äußerste» Sude der Erde zu Jhueu zurück« i*9ten", rief Giralda mtt glühenden Augen. „Und »l dem Tage, an welchem er zn Ihnen kommt, »iuneru Sie sich meiner, und bestimme« Sie ihn,
nähern, umso gründlicher wird auch dieser Glaube zerstört. Herr Bebel hat noch kürzlich in einer seiner Philippiken gegen auflehnungslufiige Genossen davon gesprochen, daß seine Partei zur Zeit keine An- griffsgelüste auf die bestehende Ordnung hege, damit also zugegeben, daß diese Gelüste bestanden haben und wieder auftreten werden, und einer dieser seiner Genosse», Herr Wildberger, hat in größter Offenheit für die sozialdemokrattsche Partei die Bezeichnung einer sozialrevolutionären als Ehrentitel in Anspruch genommen. Besser, als durch solche Aeußerungen konnten jedem, der noch Augen zum Sehen hat, diese nicht geöffnet werden. Dazu kommt der am Ende der vorigen Woche veröffentlichte Erlaß des preußischen Ministers deS Innern über die Behandlung der sozialdemokratischen Bestrebungen nach dem 1. Oktober d. Js. Man wird doch gewiß einer Regierung, welche die Waffe des Sozialistengesetzes aus der Hand legt, nicht den Vorwurf der Aengstlichkeit entgegenhalten können, beim Durchlesen dieses Erlasses aber wird man nicht umhin können, zuzugestehen, daß die Regierung durchaus nicht von großer Vertrauensseligkeit gegenüber dem voraussichtlichen Gebühren der sozialdemokratischen Hetzer nach dem 1. Oktober erfüllt ist. Sie weist die Behörden selbstverständlich an, daß dieselben sich innerhalb der gesetzlichen Schranken halten sollen, betont aber, daß innerhalb derselben bis an die Grenzen des Zulässigen von den zu Gebote stehenden Mitteln Gebrauch gemacht werden solle und sie ordnet an, daß die Polizeibehörden, sofern die Befürchten g einer umfangreicheren Störung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit begründet erscheint, sich rechtzeitig mit den Militärbehörden in Verbindung zu setzen habe». Wenn man keine Ausschreitungen für möglich hielte, würde man solche Maßnahmen nicht in Aussicht nehmen. Also auch dieser Erlaß kann nur zur höchsten Vorsicht mahnen.
Schließlich ist die Vertrauensseligkeit an sich gegenüber einem Feinde höchst unangebracht. Und als ein Feind der heutigen Staat-- und Gesellschaftsordnung wünscht doch die Sozialdemokratie selbst angesehen zu werden. Die Vorgänge, wie sie sich nach dem 1. Oktober abspielen werden, werden ja zeigen, ob man mit den allgemeinen gesetzlichen Vorschriften auskommen wird, soviel aber bleibt gewiß, daß, ob nun die Sozialdemokratie sich zu Ausschreitungen hinreißen läßt oder nicht, alle Freunde der heutigen Kulturentwickelung die größte Beranlaffung haben, diesem Feinde auf den Dienst zu passen; denn ob er eine offene oder geheime Agitation führt, er wird nie fein Ziel aus tem Auge verlieren, und
meines Vaters Name» vo» »»verdienter Schmach zn reinigen."
„DaS will ich, gnädiges Fräolei». Ach, wenn ich Sie nur hier behalten dürfte, aber wenn Lord Ormond Sie hier trifft —•
„Lord Ormond?"
,3ch habe fein Mündel hier, einen allerliebsten kleinen Knaben, mit Angen, wie die Ihrigen, der fortwährend nach feiner Mama ruft."
.Wie heißt der Knabe, Margarete? Sein Name —• Ehe Grete Zett fand, zn antworten, öffnete sich die Thür des zweiten Zimmers, und eine schmächtige Knabengestalt erschien auf bet Schwelle.
40. »apiuL
Ein« groß« Freude.
ES war Egon, der GiraldaS Stimme gehört hatte, und trotz Greteus Befehl, sich während der Anwesen- beit ihrer Gäste verborgen zu halten, aus feinem Versteck hervorgekomme» war. Mit einem Schrei des Entzückens warf er sich feiner Schwester in die Arme.
„O, bringe wich zn Mama zurück, Giralda", bat er.
«3a, mein süßer Egon, ich werde Dich in Kurzem zu Mama znrückführen. Margarete, das ist wein jüngster »rnder, den Ormond meinen Eltern stahl, nm Gewalt über nrs zu gewinnen. Niemand soll mir das arme Kind wieder entreißen."
„Nein, Niemand", mischte sich die Haushälterin Lord Trevors ein, Grete Wilms mit herauSfordem. dem Blick betrachtend. „Ich werde diese beide» Studer mit meinem Lebe» beschützen."
»Ich versteh« da» alle» nicht", murmelt« Grete.
„Und doch ist «8 sonnenklar. Lord Ormond stahl da» Sind, und Sie, Grete, scheine» feine Mitschuldige i» fein", ereiferte sich Frau Pump.
„Ack, wa» fällt Ihne« ei», Fra» Pump«, zürnte di« Schäferin.
„Big, Lord Ormonds Kammerdiener, brachte mir de» Kleine« im Safttag« fei««» Herrn, «ab sagte mir, da» Kind sei Mylord» Mündel, und infolge «ine»
dieses Ziel ist nach wie vor die Niederreißung alles Bestehenden.
Dttttschrs Reich.
Berlin, 14. August. Der Kaiser ist mit dem Reichskanzler und dem übrigen bereits bekannten Gefolge um 2V* Uhr nachmittags zum Antritte seiner Petersburger Reise nach Kiel abgereist. — Von Emin - Pascha ist ein Schreiben an hiesige Verwandte eingetroffen, welches aus Mpwapwa, der bekannten deutschen Station in Usagara, vom 5. Juni d. IS. datiert ist. Wie die „Voss. Ztg." dem ihr vorliegenden Schreiben entnimmt, befand sich Emin auf dem Wege nach dem Seengebiet, und zwar unter vieler Arbeit und Sorge für die seiner Leitung anvertraute Expedition. Als sein Ziel bezeichnet er die Ufer deS Viktoria - Nhanza - SeeS, an denen er länger« Zeit werde verweilen müssen. '— Das ganze südliche, südöstliche und südwestliche Ufer dieses SeeS fällt bekanntlich nach der deutsch-englischen Abmachung in daS deutsche Interessengebiet. DaS letztere findet hier nach Norden hin feine äußerste Grenze. Der nördliche Teil deS Viktoria- Nyanza mit seinen Zugängen zum Sudan und zur ehemaligen Aequatorialprovinz ist durch das Abkommen mit England dem deutschen Einflüsse entzogen, und wird somit auch von Emin kaum berührt werden. Die Aufgaben innerhalb der deutschen-Zone, soweit sie die Anknüpfung fester Verbindungen und die Gründung sicherer Stützpunkte bezwecken, find wichtig genug, um die Thätigkeit der Expedition sowohl an den Ufern des Viktoria - Nyanzasees, wie auf dem Wege dorthin auf lange Zeit hinaus auszusüllen. Während Emin Pascha in Mpwapwa weilte, traf auch Herr PrterS dort nach einem dem Emin- KomitL erstatteten Berichte mit ihm zusammen. „Wir haben Abmachungen getroffen", schreibt Herr PeterS, „welche den politischen Zweck meiner Expedition noch in letzter Stunde wesentlich erreichen." Er bittet sodann um die Erlaubnis, dieses „ganze Gebiet seiner Arbeit" dem Vorstand persönlich vor- tragen zu dürfen. Ueber die geheimnisvollen „Abmachungen" zwischen Emin und Peters wird man sich den Kopf nicht zu zerbrechen brauchen, da zur Zeit, alS sie angeblich getroffen wurden, nämlich anfangs Juni, der Inhalt deS deutsch-englischen Abkommens noch nicht bekannt war. Am wenigsten konnten die beiden Reisenden im Innern Afrikas Kunde von der neuen Grenzfestsetzung haben. — Tag für Tag finden jetzt in Berlin Arbeiteiversammlungen statt, in welchen mit aller Entschiedenheit der Anspruch
hitzige» Fiebers nicht recht bet Sinnen. Danken Sie Gott, gnädiges Fränlet», daß Ihr Brüderchen nicht in schlechtere Hände geriet 1 Wie hätte ich ahnen sollen, daß Wig mich betrog?"
„Sagte Ihnen Egon nicht, wer er fei?" fragte Giralda.
„Ja, er erzählte mir, fein Vater fei ein spanischer Graf, der an irgend einem verborgenen Orte lebe."
„Ich danke Ihne», Margarete für die Güte, die Sie meinem Bruder erwiesen. Jetzt muß ich Mama eiligst davon benachrichtige», daß Ego» gesunde» »nb in Sicherheit ist. Wie gelange ich zur nächsten Telegraphenstation?"
„Mein kleiner Gehülfe, ein aufgeweckter Bursche, wird Sie hinunter nach Dalton begleiten. Dort ist das nächste Telegraphenamt", erklärte Margarete Wilms.
„So werde ich mich gleich von Ihnen verabschieden, nnd mein Brüderchen mit mir nehmen, um in irgend einem Dorfe Wohnung für mich nnd ihn zn suchen", sagte Gtralda, ihrer Wirtin di« Haud reichend.
„Und ich begleite Sie, und überzeuge mich erst, wie Sie uutergebracht find", rief Frau Pump.
„Ich kenne eine FamUi« in Dalton, Verwandte vou mir, gute, schlichte Leute, bet welchen das gnädige Fräulein und der junge Herr in jeder Beziehung gut aufgehoben wären", bemerkte Margarete.
„Bortreffltch, so geh« ich zu Ihren Angehörigru", sagt« Giralda.
Für Egon wurde der Esel gesattelt. Margarete schloß sich ihren Gästen an. Sie kamen an einer stattliche» Schafheerde vorüber, di« «in kleiner Bursche tu Ordnung hielt. »Dies« Tiere find alle mein Etgeuthum", rief Margarete mit stolzer Befrtebtgnng. „Ich komme mir zuweilen für eine einzelne Person zu reich vor. SS wäre doch schön, wenn Georg Negnu auS Australte» hetmkehrte und hier ein so behagliches Häuschen und «tue» so hübschen Besitz varsäude."
„WaS liegt dort nuten?" fragte Egon, tu die Ferne deutend. ,6» steht an», wie ein gestürztes Pferd."
der sozialdemokratischen ReichStagssraktio», die gesamte sozialistische Bewegung zu überwachen, zurückgewiesen wird. DaS Snbe des Sozialistengesetzes wird auch das Ende der Einigkeit in der Sozialdemokratie sein, daran ist kaum noch zu zweifeln.— Das bekannte freisinnige Agitationsblatt „ReichS- blatt" veröffentlicht folgende Zuschrift eines Parteigenossen, eines ostpreußischen Grund- und Mühlen- besitzerS: „Seit einiger Zeit kämpfte daS „ReichS- blatt" sehr ernstlich gegen die Kornzölle. Trotz dieser Zölle habe ich in den letzten Monaten für guten Roggen nur einen Preis von 5,40 biS 5,80 Mark für 80 Pfund erhalten, also einen keineswegs übermäßig hohen Preis, so daß von einer eigentlichen Teuerung nicht die Rede sein kann. Di« Bekämpfung der Zölle mag manchen Konsumenten, den Bewohnern der großen Städte und Fabrikgegenden angenehm sein, möglicherweise auch manche Anhänger der Partei zuführen; diese Bekämpfung wird ihnen aber auch die Landleute vollständig entfremden. Daß die Partei behauptet, die Zölle nützen nur den Rittergutsbesitzern, leuchtet dem kleinen Landmann nicht ein. Wo eS sich um seinen Nutzen handelt, kann er gut rechnen, besser diese Angelegenheit beurteile», als Leute, die von der Landwirtschaft keine, oder doch nur sehr oberflächliche Kenntnisse haben " —• Wie dem „B. T." auS London gemeldet wird, soll infolge persönlicher Vorstellung des deutschen Kaiser» die Aufhebung deS Verbots der deutschen Vieheinfuhr nach England im Ministerrat von Salisbury dringend befürwortet und ttotz heftiger Opposition deS Landwirtschaftsministers Chaplin im Prinzip angenommen worden sein, so daß die baldige Aufhebung des Verbot- erwartet wird. — Leutnant von Arnim von der Wißmann - Schutz- ttuppe, Chef von Saadani, ist, einer hier eingetroffenen Meldung zufolge, am 6. August daselbst an Dysenterie gestorben. Derselbe hat, wie di« „Kreuzztg." mitteilt, nur ein Alter von 26 Jahren erreicht, war aus eigenem Antriebe in die Schutztruppe eingetteten und hatte im Dezember 1889 Ostafrika erreicht. Er hat alS Kompagniechef zahlreiche Gefechte mitgemacht gegen Buschiri und Heri und hat sich mannichfach ausgezeichnet. Auch seine kräfttge Natur hat dem Tropenklima unterliegen müssen, das biS vor kurzem noch keinen Einfluß auf ihn auszuüben schien. Erst in seinem letzten Briefe, der vor wenigen Tagen hier eingetroffen ist, hat er mit voller geistiger Frische geschildert, wie man genötigt sei, die Gräber der Gestorbenen mit gewaltigen Steinen zu bedecken, um die Toten vor den Angriffen
„Ja, ja, ein Pferd »nd ein Reiter liegen dort, dicht am Rande der Schlucht", rief Grete Wilms. „Vielleicht können wir dem armen Menschen uoch helfen."
Egon wurde der Führung des Schäferbuben au« vertraut, während die Erwachsenen sich rasch der Un« glücksstätte näherten. Das Pferd lag mit gebrochenen Beinen am Boden und schien tobt Mit seinem schweren Körper bebeckte es einen Menschen, besten Gesicht abwärts gekehrt war. Gtralda erfaßte seinen Arm und fühlte nach seinem Pulse.
„Er lebt noch", flüsterte sie. „Wenn wir ihn nur vou der Last des Pferdes befreien könnten, zum Bewußtet» wird er schuell zurückgebracht sein."
Grete Wilms, welche die Stärke eines Manne» besaß, zog denjenigen Teil de» Pferdes, der auf dem Ohnmächtigen lastete, vou Frau Pump und Gtralda unterstützt, mit gewaltiger Anstrengung zur Sette. Leichter war «8, den gestürzten Retter von dem gefährlichen Rande des Abgrundes znrückznschieben, und sein Gesicht dem Sonnenlicht znznwenden.
„Mein Gott, das ist PerkiuS, Lord Ormond» Kammerdiener!" rief Gtralda erstaunt. „Er muß auf dem Wege zu Ihrer Hütte gewesen sein, Margarete I"
Die Schäferin auwortete nicht. Sie neigte sich zu dem Beruuglückteu nieder, prüft« di« starren Züge und sank endlich schluchzend vor ihm in die Kutte. „ES ist Georgi" murmelte sie. „Georg, der nach all diesen Jahren doch wieder zu mtt znrückkommt!"
Sie schlang ihre Arme um ihn, hob seinen Kopf auf ihren Schooß, und bat ihn weinend, zu ihr aufzublicken, und ste wtederzuerkeunen.
„Negnu? Das ist Negnu", rief Gttalda fast taumelnd.
„Ja, ja, da» ist Negnu", beffltigte Frau Pump. „Wie blind ich gewesen bin! Sch, nur bi« Siebe macht scharfsichtig."
Der Schäferbube wurde beauftragt, Wasser herbeizuholen und Gttalda badete die Schläfen de» Leblose«, «nd rieb ihm Sttru und Hände, bi» er sich z« regen begann und btt Augen öffnete.