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Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg Md Kirchhain. —-
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. — Quartal-AbonnementS-Preir bei der ExpeditionS'/. Mk., bet den Postämtern 3 Mk. SO Psg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 26 Psg.
Marburg,
Sonnabend, 26. Juli 1890
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes,
Kurie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler
Frankfurt a. M., Taffet, Magdeburg «. Wien; Rudolf XXV. Jabraana. wtoffe in Frankfurt -. M., Berlin, München u. Köln;®. L
Daube u. To. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris.
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Bestellungen für die Monate Augltft mb September
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und ihren Beiblättern
i 1890. es rreius.
und
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Des SoriaUsteKgefetzes Ausgang.
Kein Vierteljahr mehr, und das Ausnahmegesetz, welches für Deutschland zehn Jahre hindurch be-
-llsftrirrtes Sonnragsblatl
werden von allen Postanstalten und den Landkiesträgern angenommen.
Den Neubestellungen werden die Nummern mit der Beschreibung des landwirtschaftlichen Festes gratis beigegeben.
, Die Exped. der Qberh. Zettg.
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mietheu. standen hat, wird dann sein Ende erreichen. Zur [4816 Beurteilung gesetzwidriger Bestrebungen wird allein
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das allgemeine Recht zur Anwendung gelangen, und ein Einschreiten der Polizei kann dann, soweit nicht gewaltsame Unbotmüßigkelten zu Tage treten, nur auf Grund richterlichen Erkenntnisses erfolgen. Mehr und mehr wird nun heute die Frage aufgeworfen, wie werden dann sich die Dinge gestalten? Wer will alle Einzelheiten Voraussagen? Das kann Niemand. Eins nur wird außer allem Zweifel sein, daß die sozialdemokratischen Parteiführer und Agitato- ren viel freie Zeit für ihre Thätigkeit haben werden, Md daß dann die Zahl dieser^ Herren sich erheblich dermchren wird. Das wird manchem nicht erfreulich stheinen, in Wahrheit ist die Sache indesien nicht so ängstlich. Biele Köpfe, viele Sinne, und daß diele Köche den Brei am ehesten verderben, ist eine bekannte Geschichte. Deutlicher und deutlicher zeigt sich schon, daß die Zahl der Konkurrenten um die guten Posten sozialdemokratischer Agitatoren und Landerredner recht groß ist. Die Herren werden stch bald gegenseitig in die Haare geraten. Die Sozialdemokratie nennt sich eine Volkspartei. Nun jut, warum soll nicht ein heute noch ganz unbe- bwnter Arbeiter ein viel besiereS Programm auf- stkllen können, als die Herren Bebel oder Liebknecht?
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Treuer Liebe Loh«.
Roman von U. Rosen.
(Fortsetzung.)
Oktober saselbü ter, 0 Psg. (4866 lein.
,,®8 ist dieselbe", zischte Ormond ta steigender «regnug. „Sie kam, weinen Onkel, den MarqntS ** Trewor, zu besuchen, ist eine Gräfin Arevalo W> angebliche Schauspielerin."
,Zch hörte den Namen niemals. Wenn Sie die Dame kenne», Mylord, so ist alles in Ordnung, «dy Beatrice Berril wird sich natürlich nicht vermeiden, nm einen Edelmann ihrer Bekanntschaft zu «suchen. Mein Jrrthum entsprang einem übergroße» Äser."
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„ Der Detektive blickte wie ei» Blnthnnd, der feine
<saöt wittert, zu Ormond auf.
»Weshalb hetratete die schöne Grafeutochter ![$?• fuhr Ormond immer stürmischer fort. »War ** heimlich mit Gottfried vor deffen Flucht der-
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»Prüfen wir zunächst, ob Sie sich wirklich irrte», «oru", unterbrach Ormond den Detektive. »Ich sah bie Person Henle abend zum ^ersten Male. Metu uatel weiß nichts von ihr. Vergaugeue Woche Meldete sich infolge einer Auzeige in der „Times» 5® junges, schönes Mädchen als Vorleserin bei ihm. Die Kleine ist das leibhaftige Ebenbild meines ver- uorbeuen Vetters Gottfried Trewor. Mein Onkel «aette fie mit nach Loudon. Ihre Sehnlichkeit mit »ottfried, de» er einst fo sehr liebte, wie er jetzt sei» «denken haßt, machte einen tiefen Eindruck auf ihu.
steht im Begriff, ihr letztwillig ein bedeutendes «rwögeu zu verschreiben, hat aber anßer dieser »urkltchen oder angeblichen Gräfin von ihren Ver. »audten noch Niemanden gesehen. Die Gräfin war vschieuen, dem MarquiS ihre Einwilligung zu der «doptteruug ihres StudeS zu überbringen. Meine «eiuung ist nun, daß dieses Mädchen die Augen die Züge Gottfried Trevors nicht ohne sehr
^türliche» Grmrd besitzt.»
Wir wollen uns vor Prophezeiungen hüten, aber, wir bitten, sich der folgenden Worte zu erinnern: Bevor ein Jahr weiter irs Land gegangen, werden die sozialdemokratischen Herren nach der Polizei rufen, damit diese in den Ar beiterversammlungen Ruhe stiftet. Die Sozialdemokratie ruht auf der Entfachung der Leidenschaften, bisher hielt der Zwang ihre Anhänger unter einer festen Leitung. Nun werden aber auch andere mal leiten wollen.
Es hat in der Geschichte viele Männer gegeben, welche eine Revolution nicht nur herbeiführten, sondern sie auch durchzufühlen unternahmen. Zu Ende gekommen sind sie fast nie, die Revolution verschlang immer wieder ihre Urheber. Die Führer der Sozialdemokratie brauchen ja nicht zu befürchten, daß es ihnen geht, wie den Führern der großen französischen Revolution, die vom .Volke" zum Schoffot geschleppt wurden, demselben Volke, bei ihnen so lange zugejauchzt, dafür haben wir Militär und Polizei; aber wie sieht eS den» heute in den Städten aus, wo Hauptquartiere der internationalen Sozialisten und Kommunisten sind, in Paris und London, wo kein Sozialistengesetz bestanden hat? In beiden Hauptstädten sind die Parteien total gespalten, ihre Blätter vegetieren kümmerlich, und zuweilen giebt es bei öffentlichen Versammlungen großartige Schlägereien. Letzteres ist namentlich in Paris Mode, und die französische Polizei hält sich so lange stillvergnügt im Winkel, bis die Bundesbrüder gegenseitig sich den Rücken braun und blau geschlagen haben. Die deutsche Polizei wird anders handeln, aber, wir wiederholen, warten wir ab, wer binnen Jahresfrist zuerst nach der Polizei rufen wird. Die Arbeiter haben zum Beginn des Jahres nicht geglaubt, daß ein gewaltiger Umschwung im gewerblichen Leben kommen wird. Heute steht er schon vor der Thür, und von allen Seiten wird vor neuen Streiks gewarnt. Es wird noch mehr kommen. Die Sozialdemokratie setzt ihre Hoffnung auf die Gewinnung weiterer großer Arbeitermasien durch die Verteilung von Flugschriften und Brochüren. DaS ist ein ganz praktischer Weg, aber die Veranstalter haben nur einen Umstand außer Acht gelassen, und fie werden sich auch von dieser Wahrheit noch überzeugen. Im Rausch der Leidenschaft will mancher den Himmel stürmen und wirft nur so mit großen Worten um sich. Ist er wieder nüchtern, wird er klein, ach so klein. Und diese Zeit kommt.
Sestsches Reich.
»erlitt, 24. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg.»
wählt? Sie hatte» Zeit genug, stch z« hetralea, nachdem mein Vetter ans Schloß Trevor vertriebe» war. Ist daS junge Mädchen ein Kind dieser heimliche» Ehe?»
»Die Sache ist nicht »»wahrscheinlich, Mylord.»
»O, fie ist mehr al» wahrscheinlich. Was war natürlicher, als dieser Vorgang? Ich war blind», raste Ormond. »DaS Mädchen ist ihr Kind, die Tochter BeatrtcenS nnd Gottfried TrevorS. Sie wnrde auf das Schloß geschickt, des alten Mannes Herz nnd seine Ersparniffe zn gewinnen.»
»Wenn die junge Dame die Tochter bi8 ver» storbene» Gottfried Drewor ist», bemerkte der Detekttve, „fo ist fie die rechtmäßige Erbin der Treworschen Besitzungen."
Lord Ormond taumelte, wie vom Blitz gettoffen, zurück. „Ja, dos ist fie", stammelte er erbleichend. „Ich — ich mnß mich getäuscht haben und beunruhige mich in ganz unnützer Weise. Dennoch wünschte ich, Born, Sie könnte» sämtliche Kirchen- regtster des WestendS eingehend prüfen. Suchen Sie nach dem Vermerk einer solchen Heirat in de» Register» vou 18**. Spare» Sie keine Mühe, keine Zett und kein Geld. Ich werde fie reichlich schadlos halten. Es ist zwar noch keineswegs gewiß, daß jene Gräfin die verkleidete Beatti ce war", versuchte er fich selbst zu beruhigen. „Ich btu vou Natur zum Argwohu geneigt. Es wag wirklich eine Gräfin Arevalo geben und diese wtt Beatrice bekannt sein. Morgen werde ich die Wahrheit wiffe». DaS eine ist zn meiner Beftiediguug jetzt schon klar erwiesen, zwischen Beatrice und Gtralda Arevalo bestehen geheime Beziehungen. SS kann kaum bie seltsame Sehnlichkeit des Mädchens mtt Gottfried fein, die Beatrice bis znr Ohnmacht erschütterte. Und doch, wie vuwahrscheiulich ist alles andere. Ich werde meine Heirat mit Beatrice beschlennige», nnd so daS Recht erwerbe», alle ihre Seheimviffe zn kennen. Nein, veattice, ich will nicht länger so mit mir spiele» lasse». Ich weiß, und argwöhne genug, mich
bestätigt ausdrücklich die gestrige Meldung der „Nationalzeitung", daß der von den „Hamburger Nachrichten" gebrachte Artikel über die auswärtige Lage mit der in maßgebenden Kreisen Deutschlands herrschenden Auffaffung der Tripelallianz jedenfalls in schroffem Widerspruche stehe. — Das Gesetz über die Friedenspräsenzstärke deS deutschen HeereS wird im „Reichsanzeiger» publiziert. Dieselbe wird demnach für die Zeit vom 1. Oktober 1890 bis 31. März 1894 aus 488 983 Mann festgestellt. Die Einjährig - Freiwilligen kommen dabei nicht in Anrechnung. Vom 1. Oktober 1890 ab werden die Infanterie in 538 Bataillone, die Kavallerie in '65 Eskadrons, die Feld - Artillerie in 434 Batterieen, die Fuß-Artillerie in 31, die Pioniere in 20 und der Train in 21 Bataillone formiert. — Das Jubiläum der tierärztlichen Hochschule wird eine besondere Weihe erhalten durch die am 30. Juli mittags stattfindende Enthüllung deS Gerlach-Denkmals. Das Denkmal wird vor dem Hauptgebäude in der Luisen- straße Aufstellung finden und aus einer 2,5 Meter hohen Bollfigur auS Bronze auf 3,3 Meter hohem Granitsockel bestehen. Die Ausführung war dem Dresdener Bi dhauer Panzner, bekannt durch eine Statue des Königs Johann auf dem Königstein, übertragen worden. Die Kosten, welche fich auf ca. 25 000 Mk. belaufen, sind in drei Jahren ausschließlich von deutschen Tierärzten zusammengebracht, bei der relativ geringen Zahl von Tierärzten ein glänzendes Ergebnis. Am 31. Juli mittags wird darauf in der Aula der Hochschule der osfizielle Akt der Hundertjahrfeier stattfinden. An diese Feier schließt sich ein Festmahl und abends ein Kommers der Studierenden in der Philharmonie. Eine Wagenfahrt der Studentenschaft durch die Stadt mit folgendem Frühschoppen wird am 1. August den Abschluß der Festlichkeiten bilden.
— Der Kursrückgang der KonsolS wird in der Presse immer noch erörtert. Bekanntlich ist der Kurs nicht vom Publikum, sondern von dem betreffenden Bankkonsortium, daS einen großen Teil der Anleihe der bisher noch nicht begeben war, plötzlich auf den Markt warf, „gedrückt» worden. Gleichzeitig stimmten die der Börse nahestehenden Blätter ein Lamento über den niedrigen „unpopulären" Zinsfuß der Konsuls an und gaben zugleich der Erwartung Ausdruck, daß die demnächst neu aufzulegende Anleihe unter „günstigeren Bedingungen» erfolgen werde. Gegenwärtig sind die Wünsche dieser Art allerdings verstummt, und eS ist anzunehmen, daß die maßgebenden Börsenttcise dem neuen Finanzminister
für Dich zu einem gefährlichen Feinde zu machen. Wen» ich ihr die Möglichkeit gebe, mich zur» Freunde zu gewiuneu, wird fie nicht mehr wagen, mich zurückzuweisen.»
„Die geheimnisvollen Abwesenheiten der Tochter deS Grafen Berril, ihr seltsames Gehen und Kommen», bemertte der Detiktive nachdenklich. „Alles denket daraus hi», daß ihre Interesse» nicht im väterlichen Hause ihreu Schwerpunkt haben. Wenn Gottftied Trewor noch lebte, wenn fie seine Gattin, wenn dieses jnnge Mädchen ihr Kind wäre, könnte ich be- greifen, weshalb die Kleine nach Trewor. Park ge- schickt wurde. Ist aber Gottftied Trewor tot, und war Lady Beatrice in heimlicher Ehe mit ihm verheiratet, und ist Fräulein Arevalo das Kind dieser Verbindung, so haben wir die Lösung deS Rätsels der Abwesenhette», die uuS so sehr beschäftigen. Die Mutter besucht ihr Sind, das fie nicht auzuerkenuen wagt, weil der Vaters Namen mtt Schmach und Schande bedeckt ist.»
„Und diese Gräfin Arevalo?»
„Ist die Pflegemutter des Mädchen».»
, „Nein, nein l» rief Ormond vor plötzlicher Erregung zitternd. Eine seltsame Ueberzeuguug hatte sich mit der Schuelligkett de» Blitze» seiner Seele bemächtigt. „Jene Hand — ich erinnere mich ihrer jetzt ganz genau 1 Die Gräfin Arevalo ist de» Mädchens Mutter, ist die verkleidete Beatrice Berril 1»
22. Kapitel.
Aus festerem Boden.
Au dem Morgen, welcher dem Besuche der söge- nannten Gräfin Arevalo folgte, mpfiug der MarquiS vou Trewor zu früher Stunde seinen Notar, mit dem er fich längere Zett einschloß. DaS Ergebnis der Unterredung war ein von dem alten Herrn, dem zu diesem Zweck etagelabeneu Grafen Berril und noch einem ihm befreundete» Edelmann nuterzeichuete» Testament, daß Gtralda Arevalo die Summe von zweiuudsechzigtauseud Pfund al» Erbschaft sicherte.
gegenüber zunächst eine abwartende — vielleicht auch hoffnungsvolle — Stellung einnehmen wolle»; denn die frühere Aktion richtete sich wesentlich gegen den nunmehr in den Ruhestand getretenen Herrn v. Scholz, der sich den interessierten Börsenkreisen gegenüber durchaus nicht entgegenkommend zeigen wollte. Wir hoffen inteffen, daß auch unter Herrn Miquel in dieser Beziehung der Kurs der alte bleiben wird. Doch nicht die erwähnten Aspirationen der Börsenkreise vcranlaffen uns, auf das Fallen der Konsuls zurückzukcmmen, sondern ein Artikel der „Freisinnigen Ztg.», welcher den Kursrückgang „einfach" dadurch erklärt, „daß das Deutsche Reich und daß Preußen den Kredit den sie auf dem Weltmärkte haben, in der letzten Zeit stark überspannt haben». Die Ansprüche, welche das Deutsche Reich sür Wehrzwecke in den letzten Jahren gemacht, seien fo fährt das Richtersche Organ fort, ganz enormer Art gewesen, und nach der Ansicht deS genannten Blattes fei die Höhe, welche die Reichsschuld bisher erreicht hat, nicht sowohl das erschreckende Moment, als vielmehr die Schnelligkeit, mit der der Betrag der Reichsschuld sich in den letzten beiden Jahren gesteigert hat. „Gewiß ist», so ;chließt der Artikel der „Freisinnigen Zeitung», „der starke Rückgang dieser Papiere eine ernsthafte Mahnung an die Regierung, zu prüfen, ob sie nicht in den Ansprüchen die sie an den Kapitalsmarkt stellt, bereits zu weit gegangen sei. Wenn wir auf dem betretenen Wege fortfahren, werden wir unsere Anleihen in Zukunft nur zu einem erheblich höhren Zinsfüße los werden.» Darf man sich angesichts solcher Ausführungen wundern, wenn das schauvinistische Ausland schadenfroh erklärt, Deutschland sei am Ende seiner finanziellen Leistungsfähigkeit angelangt ? Muß man nicht aber auch hier wieder über die Findigkeit staunen, mit welcher das Richtersche Blatt sogar den durch Börsenmanöver hervorgerufenen Kursrückgang der KonsolS für feinen „Kamps gegen den Militarismus" auszunutzen versteht?
Ans dem Osttabrueksche«, 23. Juli. Tas anhaltend nasse Wetter hat hier viel Gras und Heu verdorben und auch der Roggen hat schon durch dasselbe gelitten. Es wäre für den hiesigen Bauernstand recht schlimm, wenn der Roggen — in hiesiger Gegend das Hauptgetreide — noch weiter verdürbe. — Bier Waggon Speck, welche unlängst durch das Zollamt zu Bentheim angehalten wurden, weil der Speck, trotz der niederländischen Ursprungs- scheine und Stempel, nicht holländischer, sondern amerikanischer sein soll, werden, wie man hier hört,
Nachdem der Notar und die Gäste fich entfernt hatten, verbarg der alte Herr das Testament, deffen gebührend beglaubigte Abschrift den Hände» de» Advokaten übergeben war, und begann einige Briese zu schreibe», die er a» die vornehmsten Schneiderinnen und Putz- händlerinueu des Wrstend abtef fierte.
„Wie glücklich ich bin», murmelte er, „diese» gemütvolle Kind bei mir zu haben, da» die Freude meine» einsamen Alter» sein wird.»
Die Briefe wurden durch den Sammerdieuer fortgeschickt, und der MarquiS versank in tiefe Träumereien, ans welchen ihu das Geräusch einer fich zöffneudm Thür und leiser Fußtritte erweckte.
„Bist Du eS, Gtralda?» fragte er und ein milde» Lächeln erwärmte und erhellte seine sonst so ftoengen Züge. „Komm und setze Dich neben mich, meta Stad.» Er streckte die Hand auS, zog da» jnnge Mädchen ans ein Tabnret zu seinen Füßen, und blickte mtt ernster Zärtlichkeit ta da» zu ihm erhobene süße Gesicht und die strahlenden wechselvollen Augen, die mit so herzlichem Anteil auf ihm ruhten.
Wenn der von Ormond am Abend zuvor angeregte Gedank-, Giralda sei die Tochter Gottftied», Raum in der Seele deS alten Manne» gefunden hatte, verbannte er ihn jetzt vollständig.
Und dennoch war Giralda ins dem geheimste» Winkel seines Her^u» mtt dem Andenken Gottfrieds auS deffen glücklicher unschuldiger Knabenzeit eng verkettet. Die unwillkürliche Vergleichung des Mädchen» mit dem Bilde des Verschollenen erzeugte nicht die leiseste Abneigung gegen die liebliche Kleine, die sein starres Herz zu schmelzen gewußt hatte.
Giralda lernte bald dm edlen Charakttr und die hochstauige Denkungsart de» Greises, der trotz seiner Schwächen ein warrnernpfiudeude» Gemüt besaß, bereiten, lieben und schätzen.
(Fortsetzung folgt)