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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für -te Kreise Marburg «n- Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn« und Feiertagen. — Ouartal-Abonnementr-PreiS bei der Expedition 2*/. Mk., b« den Postämtern 2 Mk. 50 Pfg. (exkl. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gefpaüene Zeile
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Marburg,
Freitag, 18. Juli 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes,
Kvie die Annoncen-Bureaux von Haafenstein und Vogler _____ _
Frankfurt a. M., Taffel, Magdeburg u. Wien; Rudolf XXV. Mraatta«
Moffe in Frankfurt a. M., Berlin, München u. Köln: G. L-
Daube u. Co. in Frankfurt a. M., Berlin, Hannover, Paris-
Zur gef. Beachtung.
Die Postbestellung auf die cberhesfische Aeitnug mit ihren Beiblättern Ureisblatt und
IllitAkiertes So««tagsvlati für das dritte Vierteljahr (1. Juli bis 1. Oktober) bitten wir gefl. sofort erneuern zu wollen.
Auf den pünktlichen Empfang kann nur mit Sicherheit gerechnet werden, wenn
Sofort
die Zeitung bei dem betreffenden Postamt bestellt wird. Die Post hört auf zu liefern, wenn die Bestellung nicht ausdrücklich erneuert wird.
Die Cxped. der Oberh. Zeitg.
-entschlair- und Gklierreich-Nngarn
werden in naher Zeit wieder an die Frage heran- ireten muffen, wie es mit ihren Handelsbeziehungen in Zukunst werden soll. Seit vier bis fünf Jahren besteht zwischen den beiden so eng verbündeten und befreundeten Reichen bereits ein Provisorium, von welchem kein Teil Nutzen, beide Teile aber Schaden haben. Der deutschen Industrie ist die Ausfuhr nach Oesterreich-Ungarn vielfach schwierig gemacht, man muß mit sehr geringem Nutzen verkaufen, um die Geschäftsverbindungen nur so lange aufrecht zu erhalten, bis ein besseres Verhältnis eintrilt, und den österreichischen und ungarischen Produzenten geht es just ebenso. In Berlin, wie in Wien und Pest empfindet man das lebhafte Bedürfnis, einen vorteilhafteren Zustand herbeigesuhrt zu sehen, aber von Jahr zu Jahr haben sich die geführten Verhandlungen als resultatlos zerschlagen. Das politische Bündnis beider Staaten garantiert nun allerdings dafür, daß es wegen der verschiedenen Ansichten über diese Zollsragen nicht zum Konflikt kommen wird, aber trotzdem ist die Herstellung eines festen Verhältnisses, die Beseitigung des Provisoriums dringend zu wünschen. Je reger und ergiebiger der
fcrraet Liebe Loh«.
Roman von U. Rosen.
(Fortsetzung.)
18. StapueL
Mutter und Tochter.
Beatrice war, vo« ihrem Vater uud ihrem Bewerber begleitet, die beide ernstlich um fie besorgt waren, nach Hause geeilt. Lord Ormond zweifelte nicht, daß zwischen des Grasen Tochter und dem Mädchen mit den wnuderbareu blauen Augen Gott- friedS nahe Beziehnugen bestanden, und er war entschlossen das Geheimniß, in welches der Zufall ihm einen so tiefen Einblick gestattet hatte, vollständig zu ergründen.
»Es ist seltsam, wie daS Schicksal mich in dieser Angelegenheit unterstützt*, dachte er, Beatrice die Marmorstnfe» zu ihrem Palast ewporführeud. »Oh, »eine stolze Schöne, ich werde sehr bald wiffen, war Sie so sorgfältig vor aller Welt verbargen! Und uw »ein Schweigen zn erkaufen, werden Sie sich nicht länger weigern, mich zu heiraten. Ja, der Tag meiner Triumphes ist nahe!'
»Sie müffeu verzeihen, Mylord', sagte Beatrice im Salon angelangt, „ich fühle mich noch sehr matt enb ich muß mich nnverwetlt auf mein Zimmer iMrückzieheu.' Die Blösse ihres Gesichtes uud der fieberhafte Schimmer ihren Augen bestätigten ihre Worte.
»Meine arme Beatrice", rief der Graf bekümmert. »Du mußt sogleich zu Bett gehen, Ormond wird Dich »tschuldtgev. Komm, Kind, stütze Dich auf weinen Arm, ich werde Dich geleiten.*
»Ich rechne mit Bestimmtheit daranf, Sie morgen wenn ich mir die Ehre geben werde, mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen, schon panz wohl zu sehen, ÜUädigeS Fräulein*, sagte Ormond bedeutungsvoll. »Herr Graf, ich werde Ihre Rückkehr erwarten.*
Er sitzte sich vor dem Kamin nieder, während Beatrice uud ihr Vater sich entfernten. Magda
Handelsverkehr zwischen beiden Ländern ist, um so estcr wird sich auch die politische Freundschaft gehalten. Es giebt kein festeres Band zwischen Nationen als gleiche politische und gleiche materielle Jntereffen. Deutschland und Oesterreich-Ungarn sind zudem durch ihre geographische Lage auf einander angewiesen, und es ist nur ganz natürlich, daß sie den Gewerbe leiß ihrer Bürger unter einander zum Austausch bringen.
Der Abschluß eines neuen festen Handelsver- träges zwischen Deutschland und Oesterreich Ungarn ist bisher verhindert worden durch die deutschen Getreidczölle, welche die Einfuhr ungarischen Getreides nach Deutschland beschränkt haben. Daß die großen ungarischen Grundbesitzer in Wien, wie in Pest einen schweren Stein im Brett haben, ist bekannt, und ihre Forderung, Ermäßigung der deutschen Getreidezölle, ist darum auch von der österreichischen, wie von der ungarischen Regierung als Vorbedingung für ein Entgegenkommen Oesterreich-Ungarns gegen Deutschland hingestellt worden. Auf der anderen Seite ist nun aber klar, daß heute weder die Reichsregierung, noch der Reichstag, noch der Bundesrat einer durchgreifenden Herabsetzung der Getreidezölle zustimmen werden, eine Einigung über diesen Punkt durch Bewilligung der ungarischen Forderung ist also nicht zu erwarten, jedenfalls nicht früher zu erwarten, als bis nicht die ländliche Steuergesetzgebung einer energischen Reform unterzogen ist. Man braucht in diesem Falle aber nicht gleich zu sagen: Biegen oder Brechen, es giebt immer noch einen Mittelweg, auf welchem Oesterreich - Ungarn und das Deutsche Reich sich begegnen können. Es taffen sich einige Erleichterungen schon ermöglichen, welche auch an der Donau die Neigung zu Gegenleistungen erwecken würden. Jedenfalls trifft auch für diesen wirtschaftlichen Zwiespalt das bekannte Wort zu, nach welchem ein magerer Vei gleich besser als ein fetter Prozeß ist.
In Oesterreich-Ungarn darf man auch richt die Gefahren verkennen, welche aus der im nächsten Jahre bevorstehenden ziemlich allgemeinen Kündigung der europäischen Handelsverträge entstehen können. Frankreich, sowie eine ganze Zahl von kleineren Staaten, die bisher ein gutes Absatzgebiet darboten, wollen und werden zum entschiedenen Schutzzollsystem übergehen, wie Rußland es schon gethan hat. Und wie sehr sich der deutsche Export nach Rußland gleich dem aller anderen Staaten vermindert hat, ist ja bekamt. Gegenüber solchen Gelüsten nach unübersteigbaren Zollsperren thut Einigkeit unter den
war in dem Zimmer ihrer Gebieterin beschäftigt nnd ihrer Fürsorge übergab der tiefbetrübte Graf seine Tochter.
.O, was ist geschehen, Eure Gnaden?* rief Magda erschrocken und voll banger Ahnungen, nachdem sie die Thür hinter dem Grafen wieder geschloffen hatte. .Sie sehen bleich aus, wie der Tod. Was ist vor» gefallen? Sind Sie kcark, gnädige Frau?*
Beatrice schleuderte ihren Mantel fort, als ob er fie erstickte, und warf sich bleich uud zitternd iu einen Sessel vor dem Feuer. »Sie war im Theater, Magda*, rief fie mit gebrochener Stimme, .sie war mit Lord Trewor dort! O, mein Gott, die Taube in den Klauen des Geiers! Welch unseliges Geschiö führte mein Kind unter den Schutz dieses Mannes? Wir find verloren, Magda, wir find alle verloren!'
.Wer war mit dem Mai quis, gnädige Frau?* fragte Magda von plötzlichem Grauen erfaßt.
»Giralda, meine Tochter, mein unschuldige?, vertrauendes, argloses Kind! O, allbarmherziger Himmel Daß es meiner Tochter Hand sein mußte, die das Verderben auf ihres Vaters Hanpt herabschwor!*
»Fräuleiu Girald amit demMaiquisl* wiederholte Magda erstarrt. .Was ist da zu thun, gnädige Frau? Müffeu Sie nach dem Ltikeuhaiu gehen, nm den gnädigen Herrn zu warnen?*
„Rein, Magda", entgegnete Beatrice mit erneutem Schaudern. „Zunächst muß ich Giralda sprechen, muß toiffer, was fie erzählt hat. Sie weißt selbst so wenig, daß sie nicht viel verraten haben kann.
Aber, ach, ich vergaß! Wie träte es ihr möglich gewesen, ihre Aufregung bei unserem seltsamen Wiedersehen heute Abend zu verbergen, wenn ich, die Knmmer- gestählte von der Erschütterung, fie in solcher Gesellschaft zu erblicken, Überwältigt wurde, und wie tot zusammenbrach ? Lord Trewor ist ein arg» öhnifcher alter Mann. Zn dieser Stunde wird er bereits von ihr erfahren haben, daß ich ihre Mutter — die Schauspielerin bin 1 Wie lange wird es dauern, bis' ihre Augen ihm verraten haben werden, wer ihr
größeren Staaten erst recht not, und ein festes Zu- ammenstehen von Deutschland und Oesterreich-Ungarn kann manche Zollschrauberei verhindern. Zu einem Zusammenstehen der beiden verbündeten Staaten auch auf wirtschaftlichen Gebiete gehört keine Zollunion, die wegen der Getreidezölle absolut undurchführbar ist, dazu gehört aber ein fester und solider Handelsvertrag. Man hat bisher die HandelsveUragsver- jandlungen in Wien und in Berlin noch nicht so ehr ernst genommen, doch nun ändert sich die Lage, und eine Verständigung wird Notfache. Es ist auch zu hoffen, daß die beteiligten Regierungen ihr Interesse erkennen und berücksichtigen werden.
Dttttschrs Nrich.
Berlin, 16. Juli. Ueber die Ursachen der Kanzlerkrise und der späteren „Entlassung" des Reichskanzlers bringt ein Artikel in den »Hamb. Nachr.", der ohne Zweifel aus Friedrichsruhe stammt, weiteres Licht. Diese interessante Veröffentlichung bestätigt die allgemein gangbare Annahme, daß der Fürst Bismarck infolge grundsätzlicher Meinungsver- fchieder heilen über die Sozialpolitik der Zukunft zwischen ihm und dem Kaiser und offenbar auch zwischen ihm und den anderen Ministern hat aus dem Amte scheiden müffen. Gleichzeitig wird darin aber auch eine Verteidigung gegen den dem Fürsten von seinen Gegnern gemachten Vorwurf eingeflochten, daß er nicht recht gehandelt habe, indem er die Absichten der kaiserlichen Politik durch den Staatsrat und die internationale Arbeiterschutzkonserenz zu hemmen versuchte. Da die ganze Auslassung nicht blos wegen ihres Inhalts, sondern auch wegen ihrer Form, die allerlei verborgene Spitzen und Widerhaken enthält, sehr beachtenswert ist, so lassen wir sie im wesentlichen unverkürzt hier folgen. In der Einleitung wird zunächst eine theoretische Betrachtung der infrage kommenden Grundsätze ausgestellt: .Wern ein leitender Minister glaubt", so heißt es darin, „daß die allerhöchsten Entschließungen den Landesintereffen nicht entsprechen, so ist er seinerseits verpflichtet, den ihm verfassungsmäßig zustehcn- den Einfluß aus die Krone dahin geltend zu machen, daß die Ausführung der Entschließungen unterbleibe. Der Minister handelt pflichtwidrig, wenn er anders verfährt; er leistet dem Monarchen und dem Lande den treuesten Dienst dadurch, daß.er seine Meinung mit Nachdruck und Entschiedenheit vertritt. Wenn der Minister meint, daß die Wege, die sein Herr zu gehen entschlossen ist, gefährliche Wege seien, so ist er amtlich und vor seinem Gewissen gehalten,
Vater ist? Sie hat Gottfrieds Augen. Mein armer, armer Gottfried?*
.Wie wollen Sie eS ermöglichen, Fräulein Giralda zn sprechen, Euer Gnaden?* forschte Magda ängstlich.
.Lord Ormond erzählte mir ans dem Wege znm Theater, daß sein Oukel in London angekommen fei, und nannte zufällig das Hotel, iu dem der alte Herr wohnt. Ich muß sofort hingehen, um schon in Giraldas Zimmer zu sein, wenn sie eS betritt. Es wird mir nicht schwer werden, eine Geheime Unter, rebnng mit ihr zu erlangen. Hat fie bereits etwas gesagt, was nrs zu Penaten vermöchte, so muß Gottfried morgen England verlassen. O, mein armer Satte, o, meine arme theure Tochter, meine geliebten Söhne!*
Beatrice sprang auf und begann hastig das Zimmer zn durchschreiten. Welcher Hohu schien ihr die rauschende Schleppe, die Pracht der Juwelen, die kalt und mitleidlos funkelten, während bitterer Gram ihr Herz erfüllte.
Magda beobachtete ihre Herrin mit thränenvollen Angen, fand aber kein Wort des Trostes für die Verzweifelte. Einige Minuten herrschte tiefes Schweigen im Zimmer, bis ein Pochen an der Thür fie ansschenchte.
»Es ist Papa, Magda*, erklärte Beatrice. Sage ihm, daß ich mich etwas erholt hätte, aber ungestörter Ruhe bedürfe.*
Magda öffnete die Thür. Ein Diener stand mit eimm Zettel in der Hand im Corridor. „Eine junge Derne wünscht Laiy Beotr'ce zu sprechen", flüsterte er. „Obgleich ich ihr sagte, unsere Gnädige sei kcark, wollte fie sich durchaus nicht abweisen laffen, uud bat mich inständig, fie zu weiden."
„Lady Beatrice kann heute leinen Besuch mehr empfangen*, beschick Magda den Diener. Sagen Sie der jungen Dame, fie möchte ein andermal wieder vorsprecheu." ,
Beatr'ce war in der Nähe der Thur stehen gc-
dics offen anszusprechen. Man dient seinem Herrn am besten, indem man ihn warnt, sich in Gefahr zu begeben. Gelingt es dem Minister nicht, den Monarchen von der Bedenklichkeit der geplanten Maßregeln zu überzeugen, weil der Minister infolge einer Antecedeniien oder aus vorgefaßter Meinung als parteiisch angesehen wird, so ist er noch nicht ohne weiteres berechtigt, die Dinge ihren Lauf nehmen zu laffen und eventuell um seinen Abschied iiU bitten. Er hat dann den Versuch zu machen, eine abweichende Ueberzeugung durch andere Per- onen und Instanzen, die das Vertrauen des Monarchen in der fraglichen Angelegenheit vielleicht mehr besitzen als der leitende, verantwortliche Minister, der Krone gegenüber vertreten zu laffen. Die Nächstberufenen hierzu sind die übrigen Minister. Hat er auch hiermit keinen Erfolg und rechtfertigt es die Sache, so handelt der Minister im Landes- intereffe, wenn er dem Monarchen anrät, vor der Ausführung seiner Entschließungen eine gutachtliche Beurteilung derselben durch sachverständige Autoritäten, die nicht seine Minister sind, herbeizuführen. In dieser Lage dürfte sich Fürst Bismarck dem Kaiser gegenüber in Sachen der auf die Arbeiterfragen bezüglichen Erlafle und weiteren Maßnahmen befunden haben. Die Meinung des Monarchen war eine andere, wie die seines Kanzlers; die übrigen Minister aber, die noch wenige Jahre zuvor mit dem leitenden Staatsmanne eines Sinnes waren, mochten ihre Ansicht geändert, oder sie aus Gründen, deren Erörterung uns hier nicht obliegt, zurückgedrängt haben. So blieb als letzter Rat zur Wahrung deffen, was der Kanzler in diesem Falle als die salus publica erkannte, nur der Vorschlag zur Berufung des Staatsrats, beziehungsweise der internationalen Konferenz übrig. Wenn diese Beratungskörperschaften den auf sie gesetzten Hoffnungen ntcht entsprochen haben, so beweist das höchstens, daß der frühere Reichskanzler in seinen bezüglichen Voraussetzungen eine Täuschung erfuhr, die ihn als Menschenkenner ivre machen konnte; keinesfalls war das Ergebnis der Staatsrats- und Konferenz-Beratungen Vorauszusehen. Die Berufung dieser Be- ratungsinstanzen war vollständig berechtigt, auch wenn sie schließlich nicht dem Zwecke entsprach. — Nachdem die Ansicht des leitenden Staatsmannes nicht durchgedrungen war, sondern die des Monarchen, mußte Ersterer entlassen werden, da von ihm die Uebernahme der Verantwortung für die Ausführung der zu faffcnden Beschlüsse nicht zu gewärtigen war. So sand die Tremung statt; von einer Untreue
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biteben. „Den Namen, Magda rief fie hinaus, ohne sich von der Stelle zu rühren.
Magda nahm dem Diener den Papierstreifen ab, und brachte ihn ihrer Herrin. Beatrice entfaltete ihn, und las den deutlich geschriebenen Namen „Giralda.**
„Ich will die junge Dame sehen", bebte es von ihren Lippen. »Führen Sie die Fremde sogleich hierher.*'
Der Diener beeilte sich zu gehorchen. Eine Minute später vernahm man einen leichten Tritt im Korridor und ein schüchternes Klopfen an der Thür. Magda ließ den Gast ein und schob hinter ihm den Riegel zu.
Eine schlanke mädchenhafte Gestalt, das Gesicht dicht verhüllt, überschritt die Schwelle. Beatrice wendete fich nm nnd betrachtete die Angekommene, die ihren Schleier znrückschlng.
Magda erkannte sie mit einem Freudenschrei.
Es war wirklich Giralda, ober die Erfahrungen des letzten Abends hatten eine große Veränderung in ihren lieblichen Zügen hei vorgebracht. Das Gesicht war so schön wie immer, nur der Hauch der Wangen, der heitere Schimmer ihrer Angen war der- fchwnnden und nm ihren Mund lagerte ein Ausdruck bitteren W.hes.
Mutter und Tochter sahen einander an, der vorwurfsvolle Blick BeatricenS schmolz, fie breitete ihre Arme aus und Giralda flog an ihr Herz.
.Du bist es wirklich, Mama*, schluchzte fie. »Ich hoffte, ich glaubte noch imm-r, mich geirrt zu haben. O, Mama*, wiederholte fie laut weinend.
Beatrice zog fie neben fich auf ein Sopha. Alle ihre Augst und Verzweiflung schien verschwunden zu fein. Sie liebkoste ihre Tochter und ließ sie ruhig ausweinev.
,O, Mama, bist Du wirklich Lady Beatrice Senil? fragte Giralda endlich.
-»Ja, mein Kiud."
„Und ke ne Shauspieleriu — o, Mama, Mama! * „Ja, ich bin eine Schauspielerin, Giralda. Es