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Wöchentliche Beilagen: Kreis Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. — Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Ouartal-WonnementS-Preir bei der Expedition 21/* Mk., bet den Postämtern 2 Mi. 50 Pfg. lexkl. Bestellgeld). JnsertiouSgebühr für die gespaüene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.
Marburg,
Dienstag, 8. Juli 1890.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie die Avnoncen-Bureaux von Haasenstein und Bögler in Frankfurt a. M., Cassel, Magdeburg u-Wien; Rudolf Stoffe in Frankfurt a. M-, Berlin, München u. Köln; ®. L- Daube u. To. in Frankfurt a. M-, Berlin, Hannover, Paris.
XXV. Jahrgang.
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Zur gef. Beachtung.
Die Postbestellung auf die vbertzesfische Zeitung mit ihren Beiblättern
Ureisblatt
und
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für das dritte Vierteljahr (1. Juli bis 1. Oktober) bitten wir gefl. sofort erneuern
zu wollen.
Auf den pünktlichen Empfang kann nur
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wenn die Bestellung nicht ausdrücklich erneuert
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Die Exped. der Oberh. Zeitg.
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Treuer Liebe Lohn.
Roman von U. Rosen.
(Fortsetzung.)
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.Sie sprechen, als ob der Tod deS Unglücklichen dicht erwiesen wäre', bemerkte Giralda.
Die Haushälterin warf einen forschenden Blick *>f daS Mädchen. Ihr ehrliches Gesicht war voll Aufregung, ihr Wesen voll Geheimnis. Nachdem sie «iraldos reine edle Seele in ihren Züge» erkannt hatte, flüsterte sie leise: »Seit dem Tage, au dem »er junge Herr eulfloh, schloß sich der Herr Maiqnis »gen jeden fremden Besuch ab und empfing Ntewaud, KS seinen Neffen, Lord Ormond. Zuweilen geht er weuige Tage nach London. Verbittert, wie er
Frau Pump hatte mittlerweile ein lustig prasielv- «8 Feuer ongezüudit, das dem Zimmer eine behagliche Temperatur verlreh.
stattet die Einsuhr lebender Tiere unter der Bedingung der Beibringung eines Gesundhrilsattestes von einem dänischen Tierarzte und rach nochmaliger Untersuchung an der Grenze durch einen deutschen Tierarzt. — Heute trafen vormittags, mittags und nachmittags von allen Seiten Sonderzüge ein, welche die Fefigäste des deutschen Bundes- schießenS herzusührten; alle wurden an den Bahnhöfen vom Empsangsausschuffe mit Musik empfangen und vom Publikum lebhaft begrüßt; die Schützen marschierten in geordneten Zügen nach dem Rathause wo die Fahnen abgegeben und der Ehrentrunk eingenommen wurde. Unter den argekommenen Schützen find 600 auS Bayern, etwa 300 aus Tirol, Oesterreich und Ungarn. — Eine sensationelle Nachricht veröffentlicht die „Freisinnige Zeitung." Es wird ihr angeblich auS Friedrichsruh gemeldet, daß der Kaiser auf seiner Reife von Beilin nach Kiel in
mit Sicherheit gerechnet werden, wenn
Sofort
Kemsches Neich.
Berlin, 5. Juli. Der „ Reichsanzeigcr" veröffentlicht die Genehmigung des Reichskanzler zur Einfuhr von Schweinen und Schweincfleifch,
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einschließlich Speckseiten und Würsten aller Art, aus gkeit, Dänemark. Bis auf weiteres wird ferner ge
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. < z ist, will er mir nicht gestatten, günstig über seinen
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gx *ünem etwas daran, deS Verstoßenen Unschuld an
Tag zu bringen. Ihre Ausnahme in die Familie ...... .ein höchst be merke ns wer t>S Ereignis. Vielleicht -Die« «udJhr herzgewinnendes Wesen deS gnädigen Herrn - milder stimmen, seine verhärtete Seele en
.etDinni weichen 1 Ich weiß nicht, was mich treibt, so offen •« Ihnen zu sprechen, Fräulein Arevalo, aber ich [t. 1 Eie, Ihre» Einfluß für meiueu jungen Herrn . vom ö derwenden. Der Herr Marquis hot bereit?, wie acht, o r,mit Freudeu erkannte, eine Vorliebe für Sie ge- inere ‘ Um des Rechtes und der Gerechtigkeit willen -l-Loos «schwöre ich Sie, ein gutes Wort für den Unglück. Archen einzulegeu. Auf Sie wird er eher höreu, wie mich, denn Sie sind eine Dame und ich bin nur kiNe Dieneri», überdies haben Sie Gottfried Trewors vud der gnädige Herr liebte diese strahlenden IM »schuldigen Augen so sehr!"
». .Ich sürchte, daß ich Ihnen gar wenig werde helfen HKH« Aken, Frau Pump', seufzte Giralda. .Ist eS denu (39 e8tt auch ratsam, die alten Geschichten wieder auf.
- die Zeitung bei dem betreffenden Postamt bestellt wird. Die Post hört auf zu liefern,
der Nacht vom 24. zum '25. Juni auf der vor Friedrichsruh gelegenen Station Schwarzenbkck eine längere Unterredung mit dem dort eirge. troffentn Fürsten Bismarck gehabt habe. Die »Freisinnige Zeilurg" selbst sagt, die Nachricht erscheine nach der gesammten politischen Situation wenig glaublich, sie gehe ihr aber aus einer 6c währ ten Quelle zu. Bis eine unzweifelhafte Bestätigung voiliegt, müssen auch wir glauben, daß die Nachricht auf einem Irrtum beruht. — Die »Nordd. Allg " hält es noch ein» al für nötig, zu versichern, daß Fürst Bismarck ein Mandat nicht annehmen wirde, sie schreibt: »Ein Mitglied der deutsch-konservativen Fraktion des Reichstages und ein solches der Reichspartei waren, und zwar nicht gleichzeitig, in Friedrichsruh, und Beiden hat, wie wir erfahren, Fürst Bismarck versichert, daß er nicht daran denke zur Zeit ein Reichstagsmandat anzunehmen." — Der Reichskanzler v. Caprivi wird, wie man hört, auf jeden Sommerurlaub verzichten, um sich mit allen Zweigen seines Amtsbezirks genau bekannt zu machen. Mit ihm bleibt der Finonzminister Dr. Miquel hier, während die übrigen Minister allesammt so ihre Sommerreifen antreten werden, daß bis zum Herbst hin immer nur vier Minister anwesend sind. Ter Reichskanzler begiebt sich dienstlich nach Rußland, um dort mir dem Kaiser zusommenzutikffen. Es hieß in diesen Tagen nach Meldungen aus Hof- kreisen, Herrn v. Caprivi stünde in nicht ferner Zeit eine Stondeserhöhung bevor. — Gegenüber den Zeitungsmeldurgen betreffend die Auslastungen Mißmanns über die politische Thätigkeit der evangelischen Missionäre können wir konstatiren daß Wißmann derartige Acußerungen weder gethan, noch solche sich überhaupt auf deutsche Missionare hätten beziehen können.
— Tas Reichs-Bersicherungsamt hat an die"Vorstände der von ihm reffortierenden Beruss- genrssenschasten ein Rundschreiben gerichtet, solche Unfälle betreffend, welche in Folge von Blutvergiftung den Tod der Berlktzten herbeigesührt haben, sowie die Unsälle an Treibriemen und Zehnrädern. In gedachtem Rundschreiben wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, in die Unfallverhülungs- vorschristen Bestimmungen oufzunehmen, die sich auf die erste Hülfelelstung bei Unfällen, insbesondere auf Bereithaltung und Anwendung von Verbandmaterial beziehen. Die Unfallstatistik für 1887 hat nämlich ergeben, daß in nicht weniger • als 59 Fällen der Tod der durch Unfall Verletzten an hinzugetretener Blutvergiftung erfolgt ist, und daß die Folgen von
zniühre» ? Ich nehme den lebhaftesten Anteil an dem Verschollener, und glaube trotz aller wider ihn zeugenden Beweise sehr gern an seine Unschuld.*
Die Haushälterin blickte ängstlich nach der Thür. »Wohl sagen sie, daß Gottfried Trewor gestorben sei, wohl haben sie Beweise seines Todes nach Hause ge- schickt", flüsterte sie, ,urd ich glaubte ihnen auch, und weinte manche Nacht hindurch in dem Gedanken an ein einsames Grab im fernen Südamerika. , Mein Sohu ist Matrose und kam int vergangenen Jahre nach Rio in Brasilien. Ich beauftragte ihn, das Grab meines jungen Herrn aufzusuchen uud ihm einen Leichensteiu von Marmor sitzen zu le ff en. Das Geld dazu hatte ich ihm witgegeben. Tas Grab war nicht auszufinden. Er wendete sich an den Spanier, in dessen Hause Gottfried Trewor gestorben sein sollt», nnb erforschte, nachdem er dem Manne gelobt batte, ihm keine Ungelegenbeiten zu bereite», daß die Geschichte vo» Gottfrieds Tode nicht wahn, und daß er nickt in Brasilien gestorben fei."
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»Mein Sohn entdeckte ferner", fuhr die Haus- bälteri» tu steigender Erregung fort, „daß der'junge Herr sich von Rio nach den westindischen Inseln gewendet hatte, er kann also nech recht gnt am Leben sein. Möchten Sie mir im Hinblick aus die Möglichkeit nicht helfen, den Herr» MaiquiS zn milderer Ge- finnung gegen seinen Neffen überzuleiten?"
-Ich werde wir die größte Mühe geben, Ihren Wunsch zu ersüllen, Frau Puwp", veisicherte Gtralda aeiührt. .Wenn ich nnr gewiß wäre, daß der junge Marn an dem Verbrechen, dessen wen ihn anklagt, unschuldig ist!"
Die HansbSlterin wendete hastig ei» mit der Innenseite au die Wand gelehntes Bild um. »Hier est des jungen Herrn Portrait", tief sie. .Es ist kurze Zeit vor jener schrecken!vollen Nacht gemalt. Betrachten Sie es, Fräulein, uud sagen Eie mir, ob Eie ihn drS versuchten Morde» fähig halten?"
sonst ganz geringfügigen Verletzungen großenteils deshalb so schwere waren, weil dieselben nicht von vornherein beachtet worden und ohne ärztliche Be Handlung geblieben waren. Außerdem ergießt aber die Ui fällstatiftik, daß nahezu der vierte Teil aller schweren Unfälle, welche durch Maschinen verursacht sind, auf den Verkehr an Treibriemen und Zahnrädern entfällt. Daher erscheint im Jntereffe wirk samer Unfallverhütung der Gebrauch von Riemenauslegern, sowie die Anbringung von Riemenkästen, Räderverdecken, Riemen- und Räderumwehrungen in möglichst weitem Umfange geboten, desgleichen der Erlaß einer Vorschrift, wonach die Treibriemen nur bei langsamem Gange oder bei Stillstand der Ma schine aufgelegt werden dürfen. Soweit in dieser Richtung bereits Bestimmungen vorhanden sind, er sucht das Reichs Bersicherungsamt die Genossenschaften, fortgesetzt auf strenge Durchführung halten zu wollen.
Bremen, 5. Juli. Trotz der Ausstellung werden die Vorbereitungen für die 63 Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte eifrigst bettieben. Die nötigen Ausschüffe sind schon vor einiger Zeit gebildet und haben bereits mit Wohnungs- uvd anderen Fragen alle Hände voll zu thun, ein Garantiefond ist rasch gesammelt und nun hat auch die oberste Behörde, der Senat, zu erkennen gegeben, daß er sein Teil zum Gelingen des ganzen beitragen will. Auf ein Gesuch der Geschäftsführung der 63. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte, die in den Händen der Herren Dr. Plitzer und Prof. Dr. Buchenau liegt, hat der Senat bei der Bürgerschaft den Antrag gestellt, für jene Versammlung 15 000 Mk. zu bewilligen. Mit dieser Summe sollen die Kosten eines Festes gedeckt werden, welches der Senat den Gästen in der großen Halle der Börse zu geben gedenkt. Die Bürgerschaft wird unzweifelhaft dem Gesuch des Senats beiftimmen und überhaupt wieder dieselbe Gastfreundschaft zeigen, welche sie schön einmal deutschen Naturforschern gegenüber, im Jahre 1844, zu entfalten Gelegenheit gehabt hat."
AttSlavS.
Chrifiiania, 5. Juli. Bei der gestrigen Rückfahrt von Hoenesos hatte Kaiser Wilhelm in Drammen gehalten und die Begrüßung der Behörden und einer Deputation von Deutschen entgegengenommen. Trotz des heftigen Regens war die Bevölkerung an allen Stationen zusammengeströmt und begrüßte jubelnd den Kaiser mit Hurrarufen. Nach dem Eintreffen in Christiania fand Familien- Souper und Marschallstasel statt. — Der König
Gtralda näherte sich dem Bilde nnb vertiefte sich in feinen Anblick. ES war ein Jüngling von einnnd- zwanzig Jahren mit einem frischen, rosige» Gesicht, goldblonde» Haare», einem schöne» Mnnde, sonnige», blauen Singen voll strahlender Heiterkeit und dem Ausdruck einer offene», redlichen Seele.
Diese Singen übten einen eigenthümlicheu Zauber auf Giralda. Sie wußte nicht, wie sehr sie den ihrigen glichen, aber es war rhr, als ob ihr Vater durch eine blonde Maske auf sie uiederschaute.
„Glauben Sie nun »och, daß Gottfried Trewor einen Mord begangen oder beabfichtigt haben könnte?" fragte die Haushälterin.
„Nein, nein", rief Giralda fast unwillkürlich. „Ich könnte ebensogut meine« eigenen Vater eines Mordes verdächtige». Mein Papa hat fast dieselbe» Auge», nur find Sie erustir und sorgenvoller. PopaS Gefichls- sarbe ist dunkel wie sein Haar, er ist Spanier, doch erinnert mich Vielts in diesem Bilde an iHv. Was in meiner Mackt steht, Lord Trewor zu Gunsten feint8 Neffen zu beeinflussen, werde ich ihn», Fran Pump."
Die Haushälterin dankte in Überstiömendern Gefühl.
„Es mag Ihm» eigenthkmlich erscheinen, Fi äulein", sagte sie, „daß ich von Ihnen, einer ganz Fremden, verlange, sich für unsere Familienangelegenheiten zu tnteressire», aber ich habe Niemande», der für meinen jungen Henn spreche» möchte. Ich lebe in beständiger Furcht, er könnte sich heimlich in England anshalteri und entdeckt werde». Erwähne» Sie nur noch nichts gegen den Marquis, daß Sie an die Möglickkett glaube», fein Neffe fei nicht gestorben. Warten Sie damit, bis er milder über ihn zu denken gelernt hat."
Ta8 treue Herz mit neuen Hoffnungen erfüllt, entfernte sich Frau Puwp, nm für GtraldaS Mittagstisch zu sorge».
DaS junge Mädchen war noch immer in daS An- schaue» deS Bildes versuuken, das mit so zärtlichen Augen vertrant auf sie niederblickte. „Ich will für Gottfried Trenor wirken", murmelte fie. ,Mir wird fein, als ob ich für Papa arbeitete."
hat den sämtlichen Herren des kaiserlichen Gefolges seine Photographie mit eigenhändiger Unterschrift geschenkt. Heute vormittag begeben sich der Kaiser, der König, der Kronprinz und Prinz Eugen zur lästerlichen Flotte; sie werden die Schiffe „Baden", »Oldenburg" und „Irene" besichtigen. Auf dem »Hohenzollern" wird das Frühstück eingenommen. Um 3 Uhr nachmittags erfolgt die Abfahrt des Kaisers zunächst nach Bergen. — Kaiser Wilhelm schiffte sich heute, mittags um 11V* Uhr, nach herzlichster Verabschiedung von dem Könige und dem Kronprinzen von Schweden und unter den wärmsten Sympathie-Kundgebungender Bevölkerung zur Weiterfahrt ein.
Rom, 5. Juli. Die Einnahmen des Finanzjahres 1889/90 weisen gegen das Jahr 1888/89 einen Ueberschnß von 46 871 415 Lire auf.
Paris, 5. Juli. Carnot empfing heute den neuernannten schwedischen Gesandten Due, welcher sein Beglaubigungsschreiben überreichte. — Im Nihilistenprozeß verurteilte das Zuchtpolizeigericht die Angeklagten, außer Frau Reinstein und Fräulein Bromberg, welche freigesprochen wurden, zn je drei Fohren Gefängnis und 200 Franks Geldstrafe. Höckelmavn Landeifen wurde in contumaciam zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. — Auf der Rhede bei Brest sand gestern ein Zusammenstoß der vom Manöver zurückkehrenden Torpedoboote Nr. 66 und 72 statt. Die Beschädigungen sind nur leichte. Torpedo Nr. 66 war schon vorher beschädigt.
Madrid, 5. Juli. Das neugebildete Ministerium ist folgendermaßen zusammengesetzt: Cano- vaS del Castillo Ministerpräsident, Herzo von Tetuan Auswärtiges, Cosrayon Finanzen, Silvela Inneres, Billaverde Justiz, Jsasa Handel, Azcurruga Krieg, Beranger Marine, Fabie Kolonieen. — Bezüglich der auswärtigen Politik des neuen Kabinetts verlautet, daß dasselbe die bisherige Politik aufrecht erhalten werde- Canovas werde sich nicht in die europäischen Angelegenheiten mischen und mit allen Mächten freundschaftliche Beziehungen unterhalten.
Belgrad, 5. Juli. Die Pforte sprach der serbischen Regierung ihr Bedauern aus wegen der Ermordung des serbischen Konsuls in Prischtina. Serbischerfeits wird noch zur Kennzeichnung einer besonderen Genugihuung eine Defilierung der türkischen Truppen vor der serbischen Flagge in Prischtina als wünschenswert erachtet.
Kairo, 5. Juli. Das amtliche Blatt veröffentlicht ein Dekret des Khedive, durch welches die neue Daira-Anleihe genehmigt wird.
Sich mit Widerstreben von dem Portrait loS- reißend, begann Giralda ihren Anzug zu ordnen. Sie bürstete ihr weiches dunkles Haar, das sich in zierlichen Locken um ihren kleinen Kopf ringelte. Ihr schwarzes Seidenkleid, das ein weißer leinener Kragen und weiße Manschetten schmückte«, schien ihr für die Gesellschafterin deS Marquis von Trewor sehr paffeud. Als fie von ihrem Spiegel zurücktrat, wünschte fie beinahe, ihr kindliches Gesicht hätte den Stempel ge- reistereu Alters getragen nnb ihre glatte Stirn Furchen gezeigt, benn fie kam fich sür ihre neue Stellung im Lebe» gar zu jugendlich aussehend vor. Nachdem sie ihr Mahl, das ein kleines Mädchen ihr anfttng, beendet hatte, wurde ihr mitgeteilt, daß Lord Trewor fie erwarte.
Ueberzeugt, das Rechte gewählt zu habe», unterdrückte fie mit heldenmütigem Entschluß ihr Heimweh, um unbeirrt die übernommenen Pflichten ersüllen zu können. Trotz seiner Fehler interesfiite fie sich bereits für den Marquis. Der zuversichtliche Glaube der Haushälterin an die Unschuld Gottfried TreworS war allmälig auf sie übergegangen, und fie nahm sich vor, jede Gelegenheit zu benutze», dem rachsüchtigen alte» Herrn mildere Gefühle für den btitet Verkannten einzuflößen, nnb dieses Ziel verlieh ihre» Amt einen eigenthümlicheu Reiz.
Aus dem Wege zu den Gemächern deS Marquis begegnete sie Negu», dem Kammerdiener Lord OcmondS. Zu ihrer Ueberraschuuq blieb der Mensch stehen nnb starrte ihr mit einer Verwunderung ins Gesicht, die fie in Verlegenheit setzte.
Der Anblick dieses so ungewöhnlich lieblichen Antlitzes uud bet anmutige» biegsamen Gestatt in Schloß Trewor erweckte bas Staunen uub bie Neugier bes heimgekehrten Australiers. Giralba, bie nicht ahnte, daß auch er bie seltsame Aehnlichkeit zwischen ihren Augen nnb denen Gottfried Trewors bemerkt hatte, ging ruhig weiter.
Lord Trewor war allein in seinem Zimmer. Sein Seffel war dicht an den Kamin gerollt worden, nnb