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Air Finanrsorgen des Reichstages
sind bei der Beratung des Nachtragsetats, welcher die Gelder für die Erhöhung des G« Halles der Reichsbeamten und der Offiziere forderte, besonders deutlich hervorgetreten. Alle Parteien waren darin einig, daß die gegenwärtige Finanzlage wenig rosig sei, Laß aller Grund zum Sparen und zur Ver- «eidung unnötiger Ausgaben vorhanden sei. Dieser Stimmung entsprechen auch die Beschlüsse der Budget- kommissiön, welcher die Gehaltserhöhungen zur Be- ratung überwiesen waren. Die Erhöhung der Osfiziersgchölter ist rundweg gestrichen, auch werden voraussichtlich alle Beamten unberücksichtigt bleiben, welche über 1500 Mk. Gehalt beziehen. Nur die Unterbecmten, besonders bei dir Post, sollen berücksichtigt werden, und die Forderung von 20 Millionen siür Gehaltserhöhungen wird auf die Hülste etwa zusammenschrulrpfen, entsprechend der Resolution, welche im Frühjahr an die verbündeten Regierungen gerichtet wurde. Alle Mitglieder der Kcmmission waren so ziemlich der Ansicht, daß wohl manche Gehälter ausbesierungsbedürstig seien, aber daß heute die Finanzlage Mehrbewilligungen nicht gestatte. Und dabei w>rd es sein Bewenden haben; auch das Plenum des Reichstages wird um kein Haar breit anders beschließen, als die Budgetkowmission. Man wäre wohl bereitwilliger zum Geben gewesen, wenn nicht die Militärforderungen so erheblich sich erhöht hatten; nunmehr tragen aber die Parteien auch der Stimmung im Lande Rechnung, und daß heute keine Begeisterung für neue Steuern herrscht, braucht nicht erst gesagt zu werden.
Die Situation als verzweifelt oder als besonders düster hinzustellen, ist indesien verfehlt. Wir Deutsche besitzen nicht den leichten Mut der Franzosen, die sich mit Grazie aus alten Schulden in neue stürzen und sich wegen des Bezahlens wenig graue Haare wachsen lasten. Wird doch jetzt in Paris eine neue [ Anleihe von siebenhundert Millionen vorbereitet! Deutschland hat eine viel, viel bessere Finanzlage als Frankreich, bei uns werden auch vielfach höhere Löhne als in Frankreich gezahlt, aber einerseits sind die Franzosen schon seit langen, langen Jahren an harte Steuern gewöhnt und deshalb genügsamer, andererseits ist der Lebensunterhalt in Frankreich heute billiger, als bei uns. Weil eine scharfe Verteuerung stattgefunden hat für viele Konsumartikel, sieht mancher alles grau und giebt seinem Verdruß in sehr unwirscher Weise Ausdruck. Lägen diese Verhältnisse heute anders, so würden auch im Reichs-
Stellung zu nehmen, er ein Reichstagsmandat überhaupt nicht acceptieren würde. Andererseits dürfte ihn seine Zustimmung zu der jetzigen Regierungs- Politik im großen und ganzen allerdings nicht abhalten, in einzelnen Fragen eine abweichende Ansicht zu äußern, wenn ihm dies notwendig und nützlich erscheinen sollte. — Frhr. v. Gravenreuth, der frühere Adlatus des Reichskommistars Wißmann, hat sich dem Berichterstatter eines Augsburger Blattes gegenüber dahin geäußert, daß der deutsch- englische Vertrag für die deutsche Sache in Ostafrika ein harter Schlag sei, Uganda sei der Schlüstel von Zentralafrika, wie Zanzibar der Ostafrikas ; beide seien nun in der Hand der Engländer. Die Engländer seien damit zu Herren der Situation auch in unserer eigenen Interessensphäre erhoben. Der Schlag sei ein ganz unerwarteter. „Denn man versah sich, fügte er hinzu, nach verschiedenen Anzeichen von der gegenwärtigen Regierung eine- frischeren Vorgehens in der Kolonialpolitik." Aehn- lich wie Gravenreuth äußert sich über die Zanzibar- angelegenheit eine dem „Hamb. Korresp." aus dortigen kaufmännischen Kreisen zugehende Zuschrift. — Die Annahme des Vertrages im englischen Parlament ist, nach einer Meldung der „Post", nunmehr unzweifelhaft; doch ist die Bill, die Cession Helgolands betreffend, erst Mitte Juli zu erwarten. Lediglich des Prinzips wegen will die Opposition die Zustimmung der Bewohner Helgolands verlangen. Dieser Forderung wird aber jedenfalls nicht Folge gegeben werden.
— Sehr beherzigenswerte Worte hat derjenige sozialdemokratische Führer, den man wohl als den angesehensten und am meisten respektirten unter allen Arbeiterführern D-utschlands bezeichnen darf, der Abg. Bebel nämlich, in einer vorgestern stattge- fundenen Arbeitcrvcrsawwlung der Reichshauptstadt über den Mißbrauch mit Strikes und Boycotts gesprochen. Derselbe führte im Laufe seiner Rede folgendes aus: „Was den Strike selbst anlangt, so hat die sozialdemokratische Partei den Strike stets als zweischneidige Waffe bezeichnet, von der nur im dringendsten Notfälle, bei Zumutungen ehrloser Arr, bei allzudrückenden Fabrik-Ordnungen rc. Gebrauch gemacht werden solle. Allein ich muß cs aussprechen: seit dem 20. Februar ist einem großen Teil der deutschen Arbeiter der Kamm geschwollen. Die Arbeiter sind siegesberauscht und sind der Meinung, sie könnten nun den Kapitalisten alles Mögliche bieten, die Bourgeoisie stehe am Rande ihres Verfalls. Leider sind wir noch lange nicht so
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Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juni. Der Bundesrat hielt am Freitag unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten des Staats-Ministeriums, Staatsekretärs des Innern Dr. ton Bötticher eine Plenarsitzung ab. In derselben wurden die neueingegongenen Gesitzentwürfe wegen Feststellung eines dritten Nachtrags zum
Reichshaushalls-Etat für 1890/91, sowie wegen Aufnchme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres und der Poft und Telegraphen dem Ausschuß für Rechnungswesen überwiesen. Den Anträgen ter zuständigen Ausschüsse entsprechend, wurden Bestimmungen getroffen über das Ausspülen und Auslaugen der unter steueramtlicher Aussicht entleerten Branntweingebinde, Bassinwagen rc., ferner über die Verleihung des Rechts zur Bestellung von Verbands-Revisoren an einige landwirtschaftliche Ge- noffenschaftsverbände. — Die Budgetkommission des Reichstages setzte die Beraiung über die Erhöhung der Beamlengehälter fort. In der Tarif- klasse 5 wurde für die Beamten in den Klaffen 1—6 die Erhöhung abgelehnt, ebenso für diejenigen in den Klassen 7, 8 und 9, jedoch mit Ausnahme te^Vor- steher von Postämtern zweiter Klosse, deren Gehalt demjenigen der Postfekretäre gleichgestellt werden soll. Für die Bcamten-Klasse 10, jedoch mit Ausnahme des Pvstcns für die Bureaux- und Rechnungsbeamten zweiter Klaffe im Reichspostaste, wurde die Erhöhung abgelehnt, ebenso wurde dieselbe für die Klaffen 11 und 12 abxelehnt. Für die Klaffen 13 bis 23 wurden die Erhöhungen einstimmig genehmigt. Die Fortsetzung der Beratung findet am Montag statt. — Im preußischen Handelsministerium ist man, der „Voff. Ztg." zufolge, zur Zeit mit der Prüfung der Frage des Befähigungsnachweises befaßt. Wie erinnerlich, hatten die Handwelkervereinigungen eine Eingabe um Erfüllung ihrer Wünsche dem Kaiser überreicht. Diese Eingabe ist an das Handelsministerium zur Begutachtung übergeben worden und Herr v. Berlepsch hat eine erneute Prüfung der einschlägigen Fragen, speziell des Befähigungsnachweises angeordnet. — In Abgeordnetenkreisen glaubt man, daß schon in nächster Zeit sowohl im Reichsschatzamt wie im preußischen Finanzministerium ein Wechsel der leitenden Personen eintreten wird. — Die „Hamb. Nachr.", von denen man allgemein an nimmt daß sie mit Friedrichsruhe in Beziehung stehen, schreiben folgendes: „Am Schluffe eines Artikels der Berliner demokratischen „Volks-Zig." wird in Bezug auf die Stellung, die Fürst Bismarck im Reichstage einnehmen würde, gesagt: „Zur Unterstützung des neuen Kanzlers würde der ent- laffene Kanzler, auch wenn er es beabsichtigte, nicht in den Reichstag gehen." Wir glauben nicht zu irren, bemerkt das Hamburger Blatt, wenn wir meinen, daß, falls Fürst Bismarck voraussetzen müßte, er werde aufgrund seiner Prinzipien und Anschauungen genötigt sein, gegen die neue Regierung
tage andere Anschauungen herrschen. Trockenen Thatsachen und Rechenexempeln kann sich aber niemand verschließen, und es ist verkehrt, angesichts der That- sachen die Hände in den Schooß zu legen und zu sagen, was geht's mich an, ich kann nichts dafür! Das wäre nichts anderes, als wenn bei einem Dammbruch die Bewohner des einen Ortes sich weigerten, ihren Nachbarn zu Hilfe zu kommen, weil sie selbst auf dem Trocknen sitzen. Der Reichstag wird bie- Gehaltserhöhungen zum Teil bewilligen, er hat die Kolonial-Ausgaben genehmigt, die Militär- Ausgaben werden folgen und die Ausgaben für die Afters- und Invalidenversicherung sind heute gewiß Wird alles das zusammensummiert, dann genügen die heutigen Einnahmen nickt; entweder müffen die Einzelstaaten Schulden machen, um die Rcichskcffe zu füllen, oder dem Reiche müffen neue Einnahmequellen eröffnet weiden. Daß aus Kieselsteinen Zwanzig-Markstücke fabriziert werden können, ist ja leider noch nicht erfunden, und mit dem Wort: Es muß leichen, kommt man nicht vorn Fleck. Zum „Reichen Müssen" gehört eine Minderung der Militär- lasten und der Reichstag hat ebensowenig eine Mehrheit, welche diese beschließt, wie die Reichsregierung darin willigen wird. Das ist feststehend, und mit Phrasen ist kein Hund hinter dem Ofen vorzulocken.
Die Finanzwirtschast im Reiche hat einen Fehler, der an maßgebender Stelle bereits, wie wir genau wiffen, erkannt ist, und dieser Fehler ist der Mangel an einer klaren Oberleitung der Finanzen, die Forderungen und Mittel auf längere Zeit hinaus in Einvernehmen mit einander bringt. Der Reichstag ist nie aus den Steuerberatungen herausgekommen, alle Augenblicke gingen die Mittel aus, weil man sich über die Anforderungin der Zukunft nicht gehörig klar war. Der Reichsschatzsekretär, oder wie der Leiter der Reichsfinanzen künftig heißen mag, muß daher mehr als bisher thatkräftig eingreisen, leitend die Finanzpolitik bestimmkn. Die deutschen Steuern müssen zeitgemäß reformiert werden, dann werden auch reichere Mittel fließen. Aber diese Reform muß nach oben hin gehen, da läßt sich noch manche Million gewinnen.
Marburg,
Dienstag, 24. Juni 1890.
Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. — Quart al-AbomrernentS-Preis bei der Expedition 2*/4 Mk., 6et den Postämtern 8 Mk. Sv Pfg. (exN. Bestellgeld). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg., Reklamen für die Zeile 25 Pfg.
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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. — Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.
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(Fortsetzung.)
Born nahm die Einladung an. Er war ein kleiner Mann mit sckmllen, katzenar tigere Bewegungen Mb von außerordentlich nervöser Haltung, mit einem schmalen Gesicht und einem eigeuthumlich leeren Blick. Seine scharfen kleinen Augen hatten die Gewohnheit, ruhelos umherzuwanderu, ohne daß sie etwas zu bemerken schienen. Diejenigen aber, welche Born genau kannten, behaupteten, daß ihm niemals etwas entging und der geringfügigste Umstand von ihm beachtet und in seinem Gedächtnis zu gelegentlicher Verwendung anfbewahrt würde.
„Sie find doch immer noch Detektive, Born?' fragte Lord Ormond mit geschäftlicher Miene. „Ich schickte Ihnen meinen Brief an Ihre alte Adresse, ohne zu wiffen, ob Sie noch und wo Sie lebten, und bin erfreut, Sie wiederzuseheu.'
Der Detettivr verneigte flch ernst.
„Vor Jahren', fuhr Lord Ormond fort, „verwendete ich Sie, Gottfried Trewor nach dessen Flucht «WS Treworpark zu überwachen. Sie folgte» seinen Spuren bis nach Liverpool, und entdeckten, daß er sich nach Südamerika eingeschifft habe. Später brachten Sie auch in Erfahrung, daß er mit jenem Dampfer nicht wieder zurückgekehrt war. Er soll in Rio de Janeiro gestorben sein. Sie bewiesen damals eine ganz erstaunliche Geschicklichkeit und waren verschwiegen wie das Grab. Ich bedarf dieser Eigenschaften auch jetzt, mein Lieber.*
»Ich stehe zu Ihren Diensten, gnädiger Herr.*
„Haben Sie schon von Gräfin Beatrice Berril gehört?* begann Lord Ormond in einiger Verlegenheit.
Das Gesicht des Detektive erhellte sich. Sein wandernder Blick ruhte lächelnd auf Ormond. „Wer sollte nicht von de« Grafen Berrll einziger Tochter gehört haben?*
„Nun gut. Sie sollen mir also entdecken, weshalb die stolze Dame nicht heiratet.*
Der Detektive zog seine Stirn in Falten, erwiderte aber nichts.
„Sie finden die Aufgabe schwer, unmöglich vielleicht*, sprach Lord Ormond weiter, „doch ich kau» Ihnen einen Anhalt geben, der für Sie bei Ihren Bemühungen von Nutzen fein dürfte. Ich habe heute abend bei dem Grafen von Berril gespeist und eine Entdeckung gemacht, die Ihren berufsmäßigen Eifer zn erwecken nicht v:rfehleu wird.*
Er erzählte nun seine Abenteuer im Hause des Grasen sehr umständlich, wiederholte die Unterhaltung, die er belauscht hatte, berichtete von seinem Besuch in BeatricenS Gemächern und der überraschenden Entdeckung von der Abwesenheit der Tochter des Hansis. „Ich war seit langer Zeit ein Bewerber der Dame', fügte Lord Ormond hinzu, „und erneuerte meinen Antrag hente abermals. Sie geruhte endlich, meine Huldigungen zu ermutigen, und ich habe dks- balb das unbestreitbare Recht, «ll ihr Thun und Lasten kennen und verstehen zu wolle» und ihre Ge- heimmste zu durchschauen. Möchten'Sie dennoch meinen Auftrag übernehmen?*
Der Detektive hatte Ormond zugehört, ohne ihn ein einziges Mal zu unterbrechen. „Ja, ich will den Fall übernehmen*, antwortete er jetzt lebhaft, und ans feinen Angeu lenchtete List und Verschlagenheit. „Sie dürfen sich aus mich vollkoum«» verlassen, Mylord. Die Sache ist zunächst —*
.Zu entdecken, wohin sie sich degiebt, wen» sie dem väterliche» Hause eritschlüpft, wen sie sieht und was sie thut. Ergründen Sie der Gröfiu Geheimnis, und Sie dürfen Ihre Belohnung selbst bestimmen. Hier empfange» Sie eine kleine Abschlagszahlung.* Er überreichte dem Detettive eine Banknote, welche dieser, ohne sie zu dekachteu, in fein Taschenbuch legte.
„Ich gehe morgen nach Treworpark, meinen Onkel zn besuchen*, fnhr Lord Ormond fort, „werde aber
in zwei bis drei Tagen wieder in der Stadt fein, wo ich vorläufig tu diesem Hotel meine Wohnung behalte.*
„Ich werde Ihnen täglich meine Berichte zuseudeu, gnädiger Herr. Wenn ich Ihne» Dinge von großer Wichtigkeit z» melde» habe, bringe ich Ihnen die Nachrichten selbst. Habe» Sie mir sonst »och etwas zu eröffnen, Mylord?'
„Nichts weiter, mein Freund.'
„Hat Lady Beatrice ein Kammermädchen?*
»Das weiß ich wirklich nicht; doch nein, ich be> fiuue mich, fie hat keines.*
„Sie ist gegenwärtig noch abwesend vom Hause?*
Lord Ormond nickte bejahend.
„Ich werde die Ausführung meines Auftrages so. gleich beginnen", beme.kte Born sich erhebend. „Znm Glück habe ich augenblicklich nichts anderes vor und kau» wich Ihrer Angelegenheit ausschließlich widmen. Ich empfehle wich Ihrer ferneren Geneigtheit, gnädiger Herr.* Mit tiefer Verbeugung verabschiedete fich bei Detektive.
„Die Sache ist in den rechten Händen", murmelte Ormond entzückt, als er wieder allein war. „Nächste Woche werde ich zweifellos alles wisse». O, ich würde eine Welt darum geben, Beatrice als Bllteude vor mir zu sehen, vor mir, den fie verabscheut, und dessen Werbung fie dennoch in Erwägnng zu ziehe» pernht. Ich stehe an der Schwelle eines glänzende» Trinmphs, einer vergeltungübende» Rache für ihre wich so tief herabwürdigellde Kälte . . . ."
Er sprang ans, da et» leises, unregelmäßiges Klopfe» an der Thür ihn erschreckte. Im nächste» Augenblick betrat ein zweiter Besnch das Zimmer. ES war ein Manu, der die Fünfzig schon überschritten hatte, hoch und stark von Gestalt, mit grauem Haar und Bart, und einem uustäteu, ein unruhiges Sewifleu verratenden Sugeupaar. Seine Kleidung war ärmlich und fadenscheinig, sein Benehme» mehr ttotzig, als ehrerbtettg. Georg Negu» war achtzehn Jahre zuvor der bertrante Kammerdiener und beständige Begleiter
Lord Ormonds gewesen, und nach Australien auSge. wandert, wo er seither geblieben war.
Lord Ormond begrüßte feinen ehemalige» Diener mit einem leichten Kopfnicken und einem erzwungen freundliche» Lächeln. „So find Sie wieder aufge- tandjt, Neguu ', bemerkte er, auf einen Sessel deutend. „Wir hatte» doch verabredet, daß Sie bis an bas Ende Ihres Lebens in Australien bleiben sollt-». Die zweihundert Pfund sollten doch eine eudgiltigr Abfindung sei», und nun belästigen Sie mich wieder, nm noch mehr Geld von mir zu erpressen!"
„Ich kau» mir nicht helfen, gnädiger Herr", ent» Segnete Neguu, sich niedersetzend und seinen alten Filz- Hut in den Hände» umherwirbelud, mürrisch. „Ich habe keine Lust, zu verhungern, während ich im Besitz eines Geheimnisses bin, für das Andere mir sehr gern viel Geld geben würde». Wen» Sie mit mir nicht unterhandeln mögen, bin ich bereit, auf der Stelle zu geben l" und er erhob fich drohend aus seinem Sessel.
„Sie haben nicht nötig, sich so zu beeilen", bemerkte Lord Ormond kühl. „Wie, wen» ich »sich nun weigerte, etwas für Sie zu ihn»?"
„Daun fahre ich mit dem nächste» Zuge nach Treworpark. Oder suche vielleicht zuerst Laky Beatrice Berril auf. Sie würde eS fich etwas kosten lasse», Gottfried Trewor S Namen gereinigt zu sehe». Und wen» fie eS nicht wollte, Lord Trewor würde mich stcher gut dafür bezahlen, daß ich ihm die Wahrheit in einer Angelegenheit offenbarte, die vor achtzehn Jahre» so großes Aufsehen erregte, gnädiger Herr."
„Und was fordern Sie eigentlich, Negnu?" fragte Lord Ormond, seine» Gast mit erheuchelter Sorg, lofigkeit musternd.
«Je uuu, ich möchte ordeuüich wohne», mich anständig kleiden und Geld haben", erwiderte der Mau» mit zorniger Bitterkeit. „ES giebt Nächte, in welche» der Schlaf mich flieht, weil ich an einen Menschen denken muß, dem vir Beide schweres Uu« recht zufügten, Sie durch eine schnöde That, ich durch mein erbärmliche» Schweige». Ich hörte, er sei tot,