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Wöchentliche Beilagen: Kreis-Blatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. - Illustriertes Sonntagsblatt. Expedition: Markt 21. Redaktion, Druck und Verlag von Joh. Aug. Koch.

M 141.

Erscheint täglich außer an Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Quartal-MonnementS-PreiS bei der Expe- dition 2*/+ MI., bet den Postämtern 2 Mt. 50 Pfg. (exN. Bestellgeld). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg., Reklamen für die Zeile 26 Pfg.

Marburg,

Donnerstag, 19. Juni 1890.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie die Annoncen-Bureaux von Haasenstein und Vogler in Franlfutt a. M., Cassel, Magdeburg u Wien; Rudolf XXV. Jahrgang. Messe in Franlfutt a. M-, Berlin,München u. Köln: G. L- Daube u. To. in Frankfurt cu W-, Berlin, Hannover, PariS-

Pie LMrmgsMigkeit S e«t sch land s

Wie immer man zu vergleichenden Erhebungen fchreilet, gelangt man zu Beweisen dafür, daß die wirtschaftliche und finanzielle Lttstungsfähigkeit Deutsch­lands in erfreulicher Weise wächst. Mag nun kon­statiert werden, daß nach den Ermittelungen des Pereins der deutschen Stahl- und Eisenindustriellen w den zehn Jahren seit Einführung des Zolltarifs Don 1879 der Gesamtbetrag dir in den dem Ver bande angehörenden Werken gezahlten Arbeitslöhne sich nahezu verdoppelt hat, oder mag die Statistik der Steuereinschätzungen für Preußen für den gleichen Zeitraum der Verdoppelung der Zahl der Mark willionäre nachweisen, immer handelt es sich nm Zeichen einer entschieden fortschreitenden Entwickelung. Gerau denselben Schluß gestatten die jetzt vorliegenden definitiven Zahlen über die Reichseinnahmen des Jahres 1889/90. Mag es sich nm den Geldver kehr der reicheren und kapitalistischen Elemente des Volkes, wie bei der sogeranntcn Börsensteuer, mag es sich um den Verbrauch der breiten Schichten des Volkes, wie bei der Bier- und Branntweinsteuer oder mag es sich, wie bei den Einnahmen der Post und Eisenbahnverwaltung, um Gradmesier der Leb Hastigkeit des Verkehrs im allgemeinen handeln, überall zeigt sich ein die Zunahme der Bevölkerung weit übersteigendes Wachsen der Einnahme: ein sicheres Zeichen der Lebhaftigkeit des Geschäftsver­kehrs sowohl, als der Verbrauchs- und damit der Leistungsfähigkeit unseres Volkes.

Es ist daher mit den Dhatsachen nicht recht vereinbar, wenn jetzt von einer Gefährdung der wirtschaftlichen und finanziellen Leistungsfähigkeit Deutschlands infolge seiner Reichs- und Staatslasten geredet wird,' ganz abgesehen davon, daß in Deutsch­land die Steuern ungleich niedriger sind, als in allen Kulturstaaten Europas. Während Reichs- und Sraatssteuern in Preußen unter Anrechnung der zur Erleichterung der Volksschul- und Kommunallasten disponierten Beträge auf etwa 17 Mark für den Kopf der Bevölkerung sich bezifferten, berechnete sich in Frankreich der Gesamtsteuerbelrag auf 54 Mark, also auf mehr als das Dreifache. Gleichwohl ist das französische Parlament bereit, darüber hinaus, 80 Millionen Franken, 64 Millionen Mark, an neuen Auflagen zu bewilligen, um das durch Mehr- ausgcben gestörte Gleichgewicht im Staatshaushalt wieder herzustellen, während man bei uns eine Ver­wehrung der Ausgaben um wenig mehr als ein Viertel, wie sie die Heeresvorlaxe in Aussicht nimmt,

Treuer Liebe Loh«.

Roman von U. Rosen.

(Fortsetzung.)

»Sie wissen, daß ich nach Gottfried Trewor, »einem Vetter, der uöchstbereebtigte Erbe bin*, fuhr Lord Ormond fort. »Wäre Gottfried am Leden ge­blieben, so würde ich von der Zukunft wenig zu er­warten gehabt haben, da mein Vater wir nur Schulden zur Aufrechterhaltung meines Ranges hinterließ.*

.Lord Trewor scheint Ihnen eine wärmere Zärt­lichkeit zu widmen, als er sie ihrem Vetter zuwendete.*

«Ich hoffe eS wenigstens, denn meinen armen Letter Gottfried haßte er, wie feinen tätlichsten Feind. Gottfried verstand den alten Mann nicht zu behandeln, war überhanpt für den Kampf mit der Welt nicht geeignet.*

.Nicht doch!* unterbrach ihn Leatrice unwillig.

Eine heiße Röte brannte auf ihren Wangen und ein zorniges Feuer flammte aus ihren Augen.

.Gottfried war ein wilder, leidenschaftlicher, hoch­herziger Krade, der große Fehler, aber auch sehr große Tugeuden befaß.*

»Zählen Sie feinen weuchelwörderischen Angriff und die Beraudnug feines OrkelS zu den ersterer oder zu den letzteren?* fragte Lord Ormond mit ironischem Nachdruck. .Wenn Gottfried lebte, würde »ein Onkel nichts unversucht lasten, ihn znr Strafe zu ziehen. Lord Trewor hat »in sehr rachfüchtiges Gemüt"

Er sollte vergisteu und vergeben, da er Gottfried tot glaubt", murmelte Beatricewit abgewendetem Gesicht.

Sind eS nicht schon siebzehn Jahre, fetibem sein Tod gemeldet wurde?" fragte Lord Ormond leise und wie in Gedanken verloren, aber Beatrice mit durchdringendem Blick verstohlen beobachtend.Wir erhielten eine brasilianische Zeitung, ich glaube, er war eine brasilianische, ans alle Fälle war eS eine f üdawerikanische, mit einer Nachricht über seinen Tod, und den Bries eines Spaniers oder eines Portngieseu,

für eine unerschwingliche Last auszugcben sich bfr müht. Es versteht sich von selbst, daß alle nicht notwendige Mehrbelastung streng vermieden werden muß; aber es ist nicht minder richtig, daß die Ver­weigerung des zur militärischen Sicherung des Reiches Notwendigen nicht durch den Hinweis auf angebliche Leisturgsunsähigkeit der Nation begründet werden darf.

Werttsches Reich.

Berlin, 17. Juni. DerReichsanzeiger* ver­öffentlicht folgendes: Mit Einwilligung des Kaisers, der Kaiserin und Königin Friedrich und des Fürsten von Schaumburg-Lippe erfolgte heute die feierliche Verlobung der Prinzessin Victoria von Preußen mit dem Prinzen Adolf von Schaumburg Lippe. Wie dieNordd. Allg. Zig.* erfährt, ist die Nach­richt von der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Margarethe mit dem Erbprinzen von Nassau völlig unbegründet. Ter Prirzrigent von Boyern übersandte dem Centrolkomitee zur Er­richtung eines Nationaldenkmals für den Fürsten Bismarck in der Reichshauptstadt 1000 Mk. In der Militärkowwission des Reichstags ist neulich auf den Plan einer Beratung der Finanz Minister der deutschen Bundesstaaten über die finanziellen Maßnahmen des Reichs zur Deckung der jetzt ent­stehenden Mehrkosten hingewiesen worden. Wie man hört, ist dieser Plan schon vor längerer Zeit in Anregung gekommen, indem man sich der guten Ergebuiffe erinnerte, welche frühere derartige Be­ratungen zur Folge hatten. Bei den letzteren war mehr oder minder ein von Preußen ausgehender Vorschlag die Grundlage der Erörterungen, wie es sich denn such schließlich um Annahme des preußischen Plans mit den üblichen Abänderungen handelte. Es scheint, daß der Plan zur Berufung einer Finanz mivisterkonserenz fest im Auge behalten wird. Man hat hierfür besonders den Monat September in Aussicht genommen. Tie Kommission des Reichs­tages zur Vorberatung der Vorlage, betreffend den Arbeiterschutz, beriet heute § 136 der Vorlage (tägliche Arbeitsstunden jugendlicher Arbeiter); die Sozialisten beantragten die Feststellung eines zehn­stündigen Normalarbeitstcges; die Abxg. Hirsch, Clemm und Stumm erklärten sich gegen den Normal arbeiistag, wie ihn der Antrag der Sozialisten anstrebt. Die Beratung wird morgen abend fort gesetzt. Die Durchführung des Invalidität s- und Altersversicherungsgesetzes schreitet rüstig vorwärts. Nachdem dos Reichsamt des Innern ein Normalstatut für die Versicherungsanstalten

welcher nnS anzeigte, daß Gottfried in seinem Hanse gestorben sei und ihn mit seinem letzten Hanche ge­beten habe, nnS Kunde von feinem Schicksal zu geben. Wenn ich mich recht erinnere, war jenem Briefe auch ein Totenschein nnb ein amtlicher Bericht über das Begräbnis beigelegt."

Die Beweise für den Tod des Aermsten waren überzengend genug, sollte ich meinen", sagte Beatrice mit kalter, harter, metallischer Stimme.

Ja wohl, sie waren überzeugend genug, und dennoch steigen zuweilen Zweifel an der Wahrheit jener Angaben in mir ans. Wie, wenn die ganze Geschichte deS Todes ein Betrug wäre? Gottfried wußte, daß nufer Onkel ihn grimmig genug haßte, um ihn von Ort zu Oit, von Weltteil zu Weltteil zu verfolgen. Er würde ans Furcht vor Gefangen­schaft und Schmach unter keinen Umständen gewagt haben, nach England zurückzukehreu. Ist eS nicht wahrscheinlich, daß Gottfried die Beweise seines Todes sälschte, seinen Namen änderte, und sich irgendwo in einem fernen Lande niederließ, um dört die Anzeige von meineS Onkels Hinfcheideu zu erwarten? Wenn Lord Trewor tot ist, darf Gottfried sich wieder aller- wärtS ohne Furcht zeigen denn er ist b?nu ein reicher, vornehmer Manu, bet Träger eines uralten Titels."

Eine sehr phantastische Vorstellung, Mylorb", bemerkte Beatrice mit ungewöhnlich fester Stimme. , Ihr fehlt nach meiner Ansicht nur ein Element, bie Möglichkeit, diesen wunderbaren, kühnen Plan in bie Gegenwart zu übertragen. Sie würden auch kaum sonberlich erbaut sein, wenn Ihre Voraussetzung sich bestätigte, nnb Gottfried dereinst wieder znröck- kehren sollte."

»Lord Ormonds Gesicht nmdüsterte sich bei bet bloßen Anbeutung an bie Möglichkeit eines solchen EteigniffkS.

»Gottfrieds Heimkehr würde mich zum armen Manne machen*, sagte er. »Mein Vetter ist bet Biubersohn Lorb TreworS nnb demnach sein nächster Erbe. Ich bin der Sohn seiner einzigen Schwester.

j-rausgcgeben hat, Hst nunmehr das Reichsver- icherungsamt bie Wahlordnung über die Wahlen der Ausschußmirglieder dieser Anstalten für diejenigen unter den letzteren erlaffen, deren Bezirk sich über die Gebiete mehrerer Bundesstaaten erstreckt. Nach dieser Wahlordnung erfolgt die Wahl der Ausschuß Mitglieder und ihrer Ersatzmänner nach Bezirken oder Berufsabtiilungen mittelst schriftlicher Ab- 'timmung der wahlberechtigten Körperschaften wie der Vorstände der vom Gesetze anerkannten Kranken­kaffen sowie eventuell der Vertretungen der weiteren Kommunalverbände oder der Verwaltungen der Ge- meindekrankenversicherung. Die Abgrenzung der Wahlbezirke und Berussabteilungen sowie die Be­stimmung der Zahl der für sie zu wählenden Ver­treter der Arbeitgeber und der Versicherten wird durch das Reichs-Versicherungsamt bewirkt. Wahl körper, welche weniger als 50 Versicherte vertreten, haben eine Stimme, Wahlkörper, welche mindestens 50, aber weniger als 100 Versicherte vertreten, haben zwei Stimmen, und Wahlkörper, welche 100 oder mehr Versicherte vertteten, haben für je volle 100 weitere Versicherte eine weitere Stimme. Ab­grenzung der Wahlbezirke, der Berufsabteilungen, sowie Zahl der für sie zu wählenden Vertreter und Festsetzung der den Wahlkörpern zustehenden Stimmen­zahl bleiben für spätere Wahlen maßgebend. Die erstmalige sünsjährige Wahlperiode soll vom 1. Juli 1890 an laufen. Dem Reichstage ist eine Ueber- sicht der Ergebniffe des Heeres-Ergänzungs- geschäfts für das Jahr 1889 zugegangen. Hier­nach wurden in den alphabetischen und Restanten­listen geführt: 1447 479. Davon sind als un- eimittelt in den Restantenlisten geführt 42127, ohne Entschuldigung ausgeblieben 110 522, anderwärts gestellungspflichtig geworden 348 552, zurückgestellt 510 741, ausgeschloffen 1189, ausgemustert 31 569, dem Landsturm ersten Aufgebots überwiesen 109 939, der Ersatzreserve überwiesen 102 013, der Marine- Ersatzreserve überwiesen aus der seemännischen bezw. halbfeemännischen Bevölkerung 391, aus der Land­bevölkerung 524, ausgehoben 159 270, überzählig geblieben 17813, freiwillig eingetreten 12 829. Von den Ausgehobenen kamen zum Heer zum Dienst mit der Waffe 152 971, zum Dienst ohne Waffe 3451, zur Marine aus der Landbevölkerung 1143, aus der seemännischen und halbseemännischen Be­völkerung 1705. ES sind ferner vor Beginn des militärpflichtigen Alters freiwillig eingetreten in das Heer 12 336, in die Marine 789. Wegen uner­laubter Auswanderung wurden verurteilt von der

Wenn Gottfried nach dem Tode meines Onkels wieder anftanchen sollte, würde et der Erbe seines Titels und Vermögens fein. Aber achtzehn Iahte des Schweigens und jene Beweise dazu natürlich, er ist toll­

er sprach bie letzten Worte in einem Tone bet Erleichterung aus. Seine Befürchtungen waren bnrch die Kaltblütigkeit BeatricenS beseitigt worden. Seit Iahten hatten ihn gelegentliche Zweifel geplagt; er wat aber immer wieder zu dem Schluß gekommen, daß Gottfried, wenn er lebte, seiner ehemaligen Braut diese Thatsache nicht verheimlichen würde. In dieser Stunde hatte Eduard Ormond die Ueberzeuguug ge­wonnen, daß Beatrice an Gottfrieds Tod glaube.

»Der Spanier schrieb, daß Gottfried an einem hitzigen Fieber gestorben sei*, fuhr sie ruhig fort. .Er wat von der langen Seereise, von Sorge und Angst erschöpft und ging unvorsichtiger Weise gleich am Tage feiner Ankunft ans Land, sich der Glut einet tropischen Mittagssonne anssetzenb. Wit wiffev, baß Gottfried sich nach Südamerika wendete, denn eine Stunde nachdem er da8 Schiff verlassen hatte, schrieb er mir einen langen Bries, nnb mit berfelben Post einen an Lord Trewor. Da sein Onkel mit erklärte biesiS Schreiben seines N.ffen nicht empfangen zu haben, muß eS von Jemand unterschlagen worben fein!*

Lorb Ormond errötete schnlbbewußt.

»Ich habe immer geglaubt, baß Gottftieb einen Feind besitze, bet feinen Onkel gegen ihn einnehme', sprach Beatrice wettet. »AIS Gottfried noch ein Knabe war, liebte fein Onkel ihn mit großer Zärt­lichkeit. Mit der Zeit lernte er ihn Haffen, weil irgend eine neidische Person Gottfried systematisch bet ihm verleumdete, seine Fehlet zu Verbrechen stempelte und Lord Trewor die Meinung beibrachte, daß der Jüngling seines Vormundes Tod wünsche.*

Lord Ormond bewegte sich unbehaglich in seinem Sessel. »Wir haben ein unerfreuliches UnterhaltnugS- thema gewählt, gnädiges Fräulein*, sagte er. »Ser.

Landbevölkerung 18 775, von der seemännischen und halbseemännischen Bevölkerung 364; noch in Unter* uchurig sind 14299 bezw. 365.

Der Präsident des Reichs-Versicherungsamtes Dr. Bödiker hat jüngst in einer wiffenschaftlichen Gesellschaft einen Vortrag über die wirtschaftliche Perspektive der gegenwärtigen Lohnbewegung gehalten, in welchem er an der Hand bet Statistik nachwicS, daß in der Industrie und überhaupt in den Großstädten die Löhne seit dem Jahre 1850 mindestens auf das Doppelte gestiegen sind, stellen­weise sogar auf daS Dreifache, während die Lebens­mittelpreise sich keineswegs in gleichem Maße erhöht jaben. Das Brot ist nicht teurer als vor 40 Jahren; billiger geworden sind in dieser Zeit: Kar­toffeln, Reis, Zucker, Pflaumen, amerikanisches Schmalz, Rüböl zur Speisebereitung, Petrolkum, Seife; teurer dagegen Fleisch, Speck, Butter, Kaffee, Branntwein, Bier; teurer, allerdings auch gleichzeitig weit bester ge­worden sind die Wohnungen und das Schuhwerk, billiger dagegen die übrige Kleidung, billiger her öffentliche Unterricht, leichter die Last der direkten Steuern und kürzer endlich die Arbeitszeit. Während sich also die Lebenshaltung der Arbeiter erfreulich gehoben hat, ist das Niveau der Besitzer kleiner Ein­kommen, Renten, Pensionen, Gehälter wesentlich er­niedrigt.

DieBerk. Pol. Nachr.* schreiben: »Die Nachricht, der Reichstag werde gegen Ende dieses Monats vertagt oder geschlossen werden, tritt zwar mit großer Bestimmtheit auf, wird uns aber von gut unterrichteter Seite als wenig glaubhaft bezeichnet. Von den größeren dem Reichstage bereits zugegangenen Gesetzentwürfen ist bisher keiner vollständig erledigt. Die Kolonislvorlage, die noch am weitesten gediehen ist, ist für die dritte Lesung vorbereitet, der Entwurf übet die Gewerbegerichte steht gegenwärtig in der zweiten Beratung, während die Gewerbeordnungs­novelle und die Militärvorlage sich noch in den Kom­missionen befinden. Der Nachtragsetat wegen der Beamtenbesoldungsverbesterungen ist noch nicht einmal zur ersten Lesung gebracht. Schon diese Lage der Geschäfte würde ergeben, daß die Aufarbeitung des vorhandenen Materials in der vorhin angegebenen Frist nicht erfolgen kann. Dazu kommt aber, daß in nächster Zeit neben den vom Kriegsminister an­gekündigten Entwürfen auf militärischem Gebiete noch aus anderen Refforts gesetzgeberische Vorlagen an den Bundesrat gelangen werden, auf deren Ver­abschiedung auch durch den Reichstag seitens der verbündeten Regierungen der größte Wert gelegt bannen wir eS ans unserem Gespräche tote ans unseren Gedanken. Der arme Gottfried ist tot. Ihre Liebe für ihn hat sich zu ruhigem Bedauern abgeschwächt. Ich bin nach England zurückgekehrt, um meine Stelle unter Ihren Bewunderern, Ihren Freiern eiuzunehrnen. Ich kann ohne Sie nicht leben, Beatrice*, rief er und seine Stimme wurde laut und leidenschaftlich. »Ich habe Sie fett Jahren geliebt; haben Sie Mitleid mit mir und werden Sie mein Weib. Nein, antworten Sie mir noch nicht, Beatrice. Sie würden mich jetzt zurückweisen, tote Sie es früher thaten. Geben Sie mir nur Gelegen« beit, Ihnen meine Siebe zu beweisen, und ich will Wochen, Monate warten*

»Meine Antwort würde immer dieselbe sein, Mylord, nnb sie lautet jetzt, tote sie vor Jahren lautete: Ich kann Sie nicht heiraten.*

»Ich weigere mich, biefe Antwort anzunehmen l* erklärte Lord Ormoub mit zornigem Nachdruck. .Ihr Vater unterstützt meine Werbung. Auch Sie werden noch lernen, mich mit gütigem Auge zu betrachten, mir noch bas Versprechen geben, mein Weib werben zu wollen.*

Beattice sah hochmütig auf ihn nieber, nnb ihre Augen blitzten vor Zorn Über die Beharrlichkeit, mit welcher er ihr seine unwillkommene Liebe anbot. Sie begegnete einem feurigen, leidenschaftlichen, fast drohenden Blick. Unverkennbar war eS ihm Ernst damit, ihre verneinende Antwort nicht gelten lassen zu wollen, und sie wußte sich sagen, daß sie ihn jetzt nicht mit aller Entschiedenheit zurückweisen dürfe. Sie hatte das unbestimmte Gefühl, daß er die Macht besitze, ihr namenloses Weh zuznfügev. Ein Schauder durchrieselte sie und sie rückte unwillkürlich von ihm ab, als wenn er die Verkörperung deS Bösen totste.

»Sie werden sich Zeit zur Ueberlegung lasten?* fragte er mit fünfter, einschmeichelnder Stimme und einem Lächeln, baS tote ein Sonnenstrahl durch dunkles Gewölk zu brechen schien.

(Fortsetzung folgt)